Überraschende Fehleinschätzungen

Man könnte meinen, dass man als alter Sack Spiele, bzw. Nutzungslizenzen nach rein rationalen, nüchternen Überlegungen erwirbt. Der alte Sack als solcher informiert sich vorher eingehend und umfassend. Er liest Spieleindrücke und Reviews von Leuten, von denen er weiß, dass sie einen ähnlichen Geschmack wie man selbst haben. Er schaut sich Let’s Play-Videos an, er zieht sich eine Demo oder eine Warez-Version, um durch den eigenen, persönlichen Eindruck zu einer guten Entscheidungsfindung zu kommen.

Dann wird kurz überlegt, ob das Spiel die Ausgabe von X oder doch nur Y Euro wert ist und man schreitet zur Tat oder wartet einen entsprechenden Sale oder eine dauerhafte Preisreduzierung ab.

So läuft das normalerweise ab, wenn man als alter Sack zumindest hin und wieder etwas aus den Fehlschlägen und Fehlkäufen der Vergangenheit gelernt hat.

Immer öfter stelle ich aber fest, dass ich diesem etablierten Muster nicht mehr so oft folge. Zumindest nicht mehr im Kontext von Videospielen. Ich ertappe mich immer öfter dabei, dass ich spontan auf die “Jetzt mieten”-Schaltfläche im Steam-Client klicke und mir langwierige Recherchearbeit spare. Ich höre einfach auf mein Bauchgefühl und bin deswegen der Anbieter liebster Kunde, der Impuls-Käufer! Hilfreich ist dabei in erster Linie eine kulante Rückgabemöglichkeit, ohne die man heute auf dem PC eigentlich keine digitale Vertriebsplattform mehr betreiben kann.

Dieses Impuls-Mieten kann manchmal sehr gute Ergebnisse zeitigen (Knights of Pen & Paper), das kann sich manchmal auch als herber Griff ins Klo entpuppen (Civ 4 Colonization, Dieselstörmers).

Letztlich habe ich mir also “The Talos Principle” und “Headlander” zugelegt. Das Ergebnis war einmal ein Hit, einmal ein Flopp.

Und zwar genau andersrum, als ich es erwartet habe.

 

  • The Talos Principle:

Croteam, den kroatischen Entwickler der Serious Sam-Reihe, habe ich jetzt nicht gerade als feinsinnige Intellektuelle, sondern als mental eher grobschlächtige Dynamo Zagreb-Fans eingeschätzt. Nun, prinzipiell ist dagegen auch gar nix einzuwenden, aber als Croteam vor zwei Jahren mit einem sehr fordernden, feinsinnigen Puzzle-Spiel, welches zudem vor philosophischen Grundsatzfragen nur so überquillt, auf den Markt kam, da war ich etwas überrascht. Vorurteile und so. Die Demo war klasse, nur missfiel mir das Speichersystem, wo immer nur zu Beginn eines Rätselabschnittes gespeichert wurde und man längere Knobeleien daher nicht unterbrechen konnte, sondern stets von vorne beginnen musste. Die Rätsel an sich waren klasse, das Setting gefiel mir, die spielerische Umsetzung war gelungen.

Etwa zwei Jahre später, dank eines kräftig preisnachlassenden Sales mit allen zusätzlichen Inhalten, habe ich mich dann doch durchgerungen … und nichts bereut. Ich amüsiere mich prächtig, wenn mir der digitale Museums-Assistent zuerst Fragen zu meinen Ansichten bezüglich Freiheit, Persönlichkeit und Selbstbestimmung stellt und später meine Antworten genüsslich analysiert und in der Luft zerreißt. Weil, er hat ja schon Recht. Ich kann nicht auf der einen Seite schwülstige Erklärungen darüber abgeben, wie wichtig mir Selbstbestimmung ist, obwohl ich auf der anderen Seite nichts anderes mache, als auf Zuruf bunte Puzzlesteine zu sammeln, auf der Grundlage, dass man mir einfach gesagt hat, dass ich das tun solle.

Zu köstlich!

Ich kann das philosophische Minispiel und die ganze Hintergrundgeschichte aber auch komplett ignorieren und mich nur auf den Kern, das Puzzle-Gameplay konzentrieren. Welches mich im Gegensatz zu dem verworrenen Geschwurbel eines Myst aber nicht ansatzlos frustriert, sondern mich motiviert selber auf die Lösung zu kommen. Weil sie sich direkt vor meinen Augen befindet. Nur mein Gehirn ist zu blöde sie zu erkennen, weil es erfolgreich von den Rätsel-Designern in die Irre geführt wurde. Hier spielt der Titel seine ganze Stärke aus, das Spiel mit den Erwartungen. Manchmal ist die Lösung so offensichtlich und plump, dass man sie instinktiv übersieht, weil … das kann doch nicht soooo einfach sein. Manchmal wird man durch den Levelaufbau gekonnt in die Irre geführt, weil man denkt, dass all die verwinkelten Mauerabschnitte Teil der Rätsellösung sein müssen, obwohl die Lösung darin besteht dieses Potemkinsche Blendwerk einfach zu ignorieren und dreidimensional zu denken.

Momentan befinde ich mich im ersten Drittel der zweiten Welt. Noch sind die Rätselabschnitte klein genug, um sie in vertretbarer Zeit von vorne zu beginnen, wenn man zwischendrin den Rechner ausmachen muss. Viel größer und umfangreicher dürften sie aber nicht werden, weil mich das Speichersystem dann vermutlich nerven würde.

Bislang ist “The Talos Principle” eine sehr angenehme Überraschung. Ich bin entzückt und möchte nicht nur herausfinden, was sich im Turm befindet und ob ich es schaffe den Assistenten endlich sprachlos zu machen, sondern ich will auch wissen, was mein Spieler-Charakter eigentlich ist. Nur ein hochentwickelter Turing-Algorithmus oder doch ein eigenständiges Bewusstsein mit freiem Willen?

 

  • Headlander

Die eine Hälfte von Hit und Flopp haben wir also abgehandelt, bleibt zwangsläufig die andere Hälfte. Auch wenn “Headlander” alles andere als ein schlechtes Spiel ist, so ist es zu meiner Enttäuschung leider nicht das Spiel, als welches ich es gerne gesehen hätte.

Wie von Double Fine gewohnt, so sind Art Design und Umsetzung wieder ohne Fehl und Tadel. Wo Broken Age ein animiertes Ölgemälde oder Stacking ein Stummfilm aus den 1920igern mit russischen Steckpuppen war, so ist Headlander das Ergebnis eines wilden Gedankenexperimentes, wo Andy Warhol zusammen mit einer Gruppe enthemmter Skandinavier Anfang der 70er einen BigBudget-SF-Film designen soll. Das Ergebnis ist … atemberaubend. Ein wilder, bunter LSD-Trip vom Allerfeinsten.

Das Gameplay beginnt als nette Mischung leichten Knobeleien und Action-Einlagen, gepaart mit etwas RPG, weil man seinen „Kopf“ durch Upgrades verbessern kann. Leider kippt diese unterhaltsame Balance sehr schnell, Exploration und Knobelei treten in den Hintergrund. In der letzten halben Stunde meiner Spielzeit bin ich nur noch hektisch in eine Kammer voller Gegner gelaufen, wo ich versucht habe einerseits die Sicherheitssperre des Raumes aufzuheben, zu überleben UND einen ganz spezifischen Gegner nicht zu zerstören, weil ich dessen Körper gebraucht habe, um eine spezifisch farbkodierte Tür zu öffnen. Das hat dann schließlich geklappt, nur musste ich dann wieder zurück durch gegnergefüllte Räume, dabei darauf achtend meinen höherwertigen Körper entweder nicht zu verlieren oder nicht ständig beim Versuch zu krepieren mir einen neuen Körper dieser Sicherheitsstufe zu besorgen.

Headlander nervt sehr schnell, weil es zu viel Action und zu wenig Knobelei gibt. All das durchgedrehte Design, die überkandidelten Bewohner der Station … irgendwann ignoriere ich es, weil ich nur noch flüchte und davonrenne, anstatt die Umgebung zu genießen oder abgelegene Örtlichkeiten zu erkunden.

Headlander ist im Grunde ein Actionspiel mit leichten Rätsel- und RPG-Einlagen. Ein Metroid, ein Castlevania … kein Puzzler wie z.B. Puddle oder Vessel oder Teslagrade, wie ich vor dem Abschluss des Mietvertrages eigentlich gedacht hatte.

Schade.

Aber nicht ärgerlich. Ich beantrage einfach einen Refund (der schnell abgeschlossen wurde) und empfehle Headlander all denen, die an Spielen wie Metroid oder Castlevania ihren Spaß haben. Weil, es ist kein schlechtes Spiel. Es ist sogar ein richtig gutes (!) Spiel. Nur nichts für mich.

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Warum Software-Piraterie (in manchen Fällen) moralisch in Ordnung ist

Heute geht es ausnahmsweise nicht darum, wie chröcklich chlimm DRM ist oder wie Marketing-Abteilungen vollkommen skrupellos Aufmerksamkeit erzeugen oder welche dreisten Lügen aus dem Mund von Firmen-Offiziellen dringen. Nein, heute geht es ganz nüchtern und sachlich nur um Zahlen. Sowohl um Zahlen in der Form von 1-2-3-4 als auch in Form von “Geld zahlen”.

Denn wir als Kunden müssen Geld zahlen, um kostenpflichtige Dienstleistungen der Anbieter legal nutzen zu dürfen. Dagegen ist ganz grundsätzlich nichts einzuwenden, denn der Austausch von Waren und Dienstleistungen gegen Geld oder geldwerte Gegenleistungen ist die Grundlage für diesen unseren Wohlstand.

Firmen haben auch zu zahlen. Zum Beispiel das Gehalt für ihre Angestellten, welche diese Waren und Dienstleistungen herstellen und ausführen. Weil Sklaverei zum Glück illegal ist. Kluge Firmenleitungen erkennen zudem, dass nicht allzu knappe Gehaltszahlungen ganz grundsätzlich eine sinnvolle Sache sind, weil dadurch Kaufkraft erzeugt wird, die man dann von den eigenen Angestellten und vor allem den Angestellten der anderen (!) Firmen abschöpfen kann.

Wir beide, Kunden und Anbieter müssen zudem Steuern zahlen. Damit der Empfänger der Steuern, der Staat, unser Geld dafür verwendet, um entsprechende Rahmenbedingen zu schaffen, innerhalb derer man zum Beispiel ein geregeltes, ausreichendes Einkommen beziehen oder gute Geschäfte machen kann. Was gut für die Gesellschaft ist, ist auch gut für das Geschäft, weil es anhaltendes Geschäft für eine große Anzahl von Firmen sichert.

Soweit, so gut.

Nun gibt es jedoch Abweichungen von dieser Regel. Es gibt Kunden, die aus den verschiedensten Gründen nicht bereit sind den geforderten Preis zu entrichten, die Ware oder die Dienstleistung dennoch verbrauchen, in Anspruch nehmen. Es gibt Firmenleitungen, die aus den verschiedensten Gründen nicht bereit sind ihren Angestellten einen adäquaten Lohn zu bezahlen und wo man kein Problem mit der Wiedereinführung der Sklaverei hätte.

Und dann gibt es noch Firmenleitungen, die in einem derartigen Ausmaß Steuervermeidung praktizieren, dass dagegen alles verblasst, was Kunden im privaten Rahmen möglich wäre. Wo Steuervermeidung in einem solchen Ausmaß praktiziert wird, dass man es längst nicht mehr ein harmloses Kavaliersdelikt betrachten kann, sondern asoziale, das Gemeinwesen schädigende Größenordnungen erreicht hat. So sollen alleine nur US-Firmen über 2 Billiarden Dollar in Steuerfluchthäfen gebunkert haben. Vollkommen legales, asoziales Verhalten wohlgemerkt. Steuervermeidung in solchen Größenordnungen ist interessanterweise keine Grauzone, sondern durch und durch, zu 100% legal und gesetzlich gedeckelt.

Und was hat das mit Spielen zu tun?

Genug!

Ein niederländischer Journalist hat sich vor ein paar Monaten genauer angeschaut, wie es denn die großen US-Anbieter im Spielebereich handhaben, genauer gesagt, wie es Activision-Blizzard handhabt:

https://thecorrespondent.com/6942/bermuda-guess-again-turns-out-holland-is-the-tax-haven-of-choice-for-us-companies/417639737658-b85252de

Im Prinzip läuft das folgendermaßen ab:

  1. Activision gründet eine sehr spezielle Briefkastenfirma in einem Steuerfluchthafen, hier die Niederlande.
  2. Activision überträgt ALLE Rechte an ihren Spielen an diese Briefkastenfirma, die Activision Netherlands CV.
  3. Die Activision Netherlands CV hat eine Tochterfirma, die Activision Netherlands BV.
  4. Die Activision Netherlands BV ist eine richtige Firma mit richtigen Angestellten. Sie betreut den internationalen Vertrieb aller Acti-Blizz-Spiele. Was total praktisch ist!
  5. Die BV macht Umsatz zwischen 2009 und 2014 in Höhe von 5.9 Milliarden Euro.
  6. Die BV entrichtet Lizenzgebühren in Höhe von 4.3 Milliarden Euro an die CV.
  7. Die CV überweist 1.9 Milliarden Euro an Acti-Blizz in den USA, damit Acti-Blizz Gehälter und Rechnungen bezahlen kann.
  8. Es bleiben übrig über 2 Milliarden Euro vor EBITDA, vor Steuern und Abschreibungen
  9. Das niederländische Recht sagt, dass die CV ihre Steuern in den USA entrichten.
  10. Das US-Recht besagt, dass die CV ihre Steuern in den Niederlanden entrichten muss.
  11. Was dazu führt, dass die CV EFFEKTIV KEINE STEUERN ZAHLT!
  12. Was dazu führt, dass bei der Activision Netherlands CV über 2 Milliarden Euro steuerfrei herumliegen.

ActiBlizz -CV-BV setup

Aus dem TheCorrespondent-Artikel.

Mit diesem Geld kann Acti-Blizz dann Firmenaquisitionen tätigen, vornehmlich in Europa, um die dortigen Steuervorteile weiter zu nutzen und damit die Profite noch mehr zu erhöhen. So hat Acti-Blizz die Hälfte des Kaufpreises für den irischen (!) Entwickler der Candy Crush Saga mit Geldern der Activision Netherlands CV bezahlt. Mit Geld, welches man nicht versteuern musste. Geld, welches man dadurch zusätzlich “übrig” hatte. Und weil Irland ein noch besserer Hafen für Steuerflüchtlinge ist, kann man dort nochmals (!) einen ordentlichen Batzen Steuern sparen.

Und wer hat dieses Gesetz in den Niederlanden maßgeblich mitgeprägt? Nach Informationen des niederländischen Journalisten unter anderem ein Mr. Alexander Hent, seines Zeichens immer noch Senior Director International Tax at Activision Blizzard.

Yay!

Der Youtuber “Super Bunnyhop” hat das in diesem Video nochmals gut erklärt:

Zusätzlich hat er sich die Mühe gemacht zu überschlagen, wie viel Steuern Acti-Blizz auf diese Weise gespart hat. Er kam auf einen durchschnittlichen Steuersatz von lediglich 13% im Vergleich zum Standardsatz für US-Firmen von 35%.

22% weniger Steuern sind angesichts der Milliardenumsätze, die Spielekonzerne wie Acti-Blizz tätigen, ne ganze Menge Schotter.

Zusätzlich hat er sich die Mühe gemacht die Ausgaben von Acti-Blizz mal genauer anzuschauen und hat herausgefunden, dass die Ausgaben seit Jahren sinken, obwohl die Spieleentwicklung immer teurer wird. Weil das Spieleangebot schrumpft, weil man aus immer weniger Titeln Dank Microtransactions immer mehr herausholen kann.

Und er hat herausgefunden, dass Acti-Blizz immer mehr Gewinn durch vollkommen legale Steuervermeidung erzielt als durch die tatsächliche Herstellung und den Verkauf von Spielen. Die sind mittlerweile nur noch Mittel zum Zweck des eigentlichen Geschäftsmodells, der Steuervermeidung.

Man kann davon ausgehen, dass EA, Ubisoft und alle anderen großen Firmen im Spielebereich dies ebenso tun.

Weil Steuervermeidung viel zu lukrativ ist, um es nicht zu tun!

Übrigens, auch wenn Super Bunnyhop so ab Minute 10.00 des Videos Valve erwähnt, so hat das dort aufgeführte Prozedere in Frankreich nichts mit Steuern, sondern mit Verbraucherrechten zu tun. Wir erinnern uns an ähnliche Prozesse in Deutschland, wo die Verbraucherzentrale Teile der AGBs und Geschäftspraktiken mit Steam angemahnt hatte.

Wobei, diese Steuervermeidung ist so derart weit verbreitet … es würde mich nicht wundern, wenn Valve entsprechende Leichen im Keller haben würde. Denn Valve macht genug Asche mit Steam, dass man umsatzmäßig mit den Majors längst gleichgezogen hat. Für 2010 wird ein Umsatz von ca. 1 Milliarde Dollar geschätzt. Da rentiert sich der ganze Aufwand lockerst.

Aber Valve ist hier nicht das Thema. Wir wissen es nicht und ich vermute hier nur auf der Basis von Wahrscheinlichkeiten und nicht nachprüfbaren Fakten.

Ok, was kann man dagegen tun? Spiele bestimmter Firmen nicht mehr kaufen?

Nope. Ein Boykott ist ziemlich sinnlos, weil wir uns hier nur an Symptomen abarbeiten, anstatt dem Problem auf den Grund zu gehen. Es macht keinen Unterschied, wenn ich aufhöre auf den offiziellen WoW-Servern zu spielen. Abgesehen davon, ich möchte schon meinen Teil entrichten, wenn ich schon diese offizielle Dienstleistung in Anspruch nehme.

Denn das Problem lautet: Gesetze, die unter dem Einfluss von Industrie-Lobbyisten geschrieben werden, um ganz bewusst Steuerschlupflöcher zu schaffen.

Ich habe keinen Schimmer, wie man das effektiv und zielführend angehen kann, aber es ist, wie auch im Artikel in The Correspondent beschrieben, ein Anfang, dass Steuerflucht und die Mechanismen von Steuerflucht bekannt werden, dass darüber gesprochen wird. Dieses spezielle Steuerschlupfloch in den Niederlanden wurde sogar teilweise geschlossen. Neunundneunzig andere sind noch offen oder kommen wieder hinzu.

Was können wir also tun? Darüber reden. Andere informieren. Versuchen das Thema genug zu verstehen, um es anderen treffend genug erklären zu können.

Und wenn einem nach all der anstrengenden Lektüre oder dem Versuch jemandem die Feinheiten internationaler Steuerschlupflöcher nahe zubringen, der Kopf raucht … der kann sich dann entspannt mit einem kopierten Spiel/Film dieser Firmen vergnügen, wohl wissend, dass diese Firmen für ihr asoziales Verhalten keine Gesetze brechen müssen, weil sie sich passende Gesetze schreiben lassen, um für ihr asoziales Verhalten keine Gesetze brechen zu müssen. Zumindest würde ich es niemandem explizit vorwerfen sich mit Schwarzkopien von Inhalten dieser Firmen zu vergnügen.

Worte der Warnung: Der Steam De-Installer

Wir schreiben das Jahr 2017.

Steam befindet sich auf allen Rechnern.

Auf allen? Nein, nicht auf allen.

In einer kleinen Ecke Südwestdeutschlands befindet sich ein PC, auf dem sich seit gestern Abend kein Steam mehr befindet.

Nicht grundsätzlich und für immer. Nur temporär, weil versucht wurde die unerklärlich anhaltend, sehr starke Festplattenaktivität und die daraus resultierenden Freezes beim Verschieben des Fensters und der generellen Bedienung des Clients zu lösen.

Programme deinstallieren => Steam de-installieren => Aufstehen, in die Küche gehen.

Nach einer Weile aus der Küche zurückkehrend, stelle ich fest, dass der Steam-Client zwar vollständig und sauber entfernt wurde, die De-Installationsroutinen (haha!) aber auch alle Spiele und Nutzerdaten, ALLES ohne Rücksicht gelöscht haben, was sich im Steam-Order befunden hat. Ohne Rückfrage, ohne Hinweis, stillschweigend.

Ich lese dann auf Steam-Support-Seiten, dass dies vollkommen reguläres Verhalten ist und man dem Nutzer nicht empfiehlt Steam direkt in wichtigen Programmverzeichnissen oder gar dem Systemordner zu installieren. Weil beim De-Installieren sonst alles gelöscht wird, was sich z.B. in C:\Windows befinden würde.

Wie bitte?

Das mit den gelöschten Spielen und Nutzerdaten geht mir am Allerwertesten vorbei. Das sind keine wichtigen Daten gewesen. Savegames befinden sich entweder inner Klaut oder in „Eigene Dateien“ oder wo sonst Spiele ihre Daten wild im System verteilen, weil sich kaum ein Entwickler an Vorgaben halten will und es jeder besser weiß. Und Spiele lassen sich wieder runterladen oder aus Backups restaurieren. Meh!

Nein, was mich hier ein wenig fassungslos macht, dass ist die ungefragte (!) Radikalität, mit der hier vorgegangen wird. Ich werde nicht gefragt, ob ich vorher Daten sichern möchte. Ich werde nicht darauf hingewiesen, dass anstatt einer sauberen, regelkonformen De-Installation aller vorher installieren Dateien (und NUR dieser Dateien), wie das sonst üblich ist, stattdessen mit einem primitiven „rmdir steamfolder /s“ gearbeitet wird.

Weia!

Die Besten der Besten der Besten, Sir!

To boldly go … where no make-up artist has gone before

Ach, was musste “Discovery”, die neue Star Trek-Serie schon an Flak und, hmmm, “Kritik” einstecken. Zerbrechliche Broflakes waren mit all den Frauen in verantwortlichen Positionen überfordert, verknöcherte Puristen waren ob des ungewohnten Klingonen-Designs dem Herzinfarkt nahe. Und dabei haben wir alle noch keine einzige Episode gesehen.

Nur Trailer wie z.B. ganz aktuell diesen hier vom San Diego Comic-Con, wo Filmstudios hippelige Nerds hochhypen, damit später auch Normalos zuschauen:

Sicher, in Sachen Kontinuität muss man sich schon fragen, warum man nicht den etablierten Klingonen-Look übernommen hat, sondern ein Neudesign auf Basis von Entwürfen des ersten Kinofilmes vorgenommen wurde.

st_discovery_trailer_03

Aber wir wollen doch nicht vergessen, dass der Klingonen-Look aus TOS nur eine Folge beschränkten Makeup-Budgets war, die Klingonen aus dem ersten Kinofilm ohne Erklärung vollkommen anders aussahen, die Klingonen aus “Search for Spock” wieder ein klein wenig anders aussahen, sie in “Final Frontier” erneut etwas anders aussahen, nur um in der Next Generation-Serie ihr typisches Aussehen zu bekommen.

Von daher ist diese erneute Designänderung … nun, sie ist gewissermaßen traditionell 🙂

Ja, ich weiß schon, keine Sorge. Kontinuität. Mit “Enterprise” wurde der TNG-Look offizialisiert, weil die Klingonen in der Archer-Ära, also vor der Verseuchung mit Menschen-DNA, au naturell eben so aussehen, wie man sie in TNG kennen und schätzen gelernt hat. Dann kamen die “menschlichen” Klingonen aus der Kirk-TV-Ära, gefolgt von diversen Mischformen aus der Kirk-Movie-Ära, bis eben zu Worf & Company.

Wieso sehen die Klingonen aus der Zeit  zwischen Archer und Kirk also anders aus wie die Klingonen aus der Archer/ab TNG-Ära? Warum dieses Redesign?

Ich weiß es nicht. Keinen Schimmer.

Ist aber aus zwei Gründen irrelevant.

  1. Man kann AUCH DAS wunderbar mit dem Augment-Virus aus der “Enterprise”-Serie erklären. Die Klingonen, wild darauf aus ihr ursprüngliches Aussehen wieder herzustellen, haben mit diversen Therapien, kosmetischen Operationen und genetischen Eingriffen experimentiert. Herausgekommen sind unter anderem die Klingonen aus der neuen Serie.
  2. Der Look der Klingonen beeinflusst nicht die Qualität der Geschichte. Wo da an welcher Stelle der Special-Effects-Fritze den Gumminoppen auf die Nase klebt, wie dieser Gumminoppen aussieht, ob da noch zwei andere Gumminoppen hin geklebt werden oder nicht … für die Geschichte wurscht. Irrelevant. Ein äusserliches, oberflächliches Detail. Ob da nun TNG-Klingonen im Bild zu sehen sind oder die Discovery-Versionen, entscheidet nicht darüber, ob es den Produzenten und Drehbuchautoren gelingt eine stimmige, gute Geschichte mit lebendigen Charakteren zu erzählen.
  3. Dieser ornamentale Look sieht cool aus!
  4. Und vielleicht gibt es ja eine Erklärung in der Serie?

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Abgesehen davon, so gibt es auch wieder hübsche Schiffe.

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Nein, ich habe keinen blassen Schimmer, ob die Serie etwas taugen wird. Werden wir alle erst Ende September diesen Jahres wissen.

Aber wie schon beim Film-Reboot von JJ. Abrams, ist nicht wichtig ob etwas verändert wird, sondern ob die Veränderungen funktionieren. Diesbezüglich gehöre ich, zugegebenermaßen, der Bilderstürmer-Fraktion an. Ich liebe kreative Destruktion und das Jonglieren mit bekannten Elementen, um aus vertrauten Versatzstücken wieder etwas ganz Neues zu erschaffen. Auch wenn “Into Darkness” einfach ein fauler, beschissener Film war, ändert das nichts am grundsätzlich gelungenen Reboot. Die Crew ist bis auf eine Ausnahme (nix gegen Simon Pegg, aber als Scotty … nä!) ganz hervorragend besetzt worden, die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt und “Beyond” ist nach dem desaströsen Vorgänger unter anderem eine liebevolle Verbeugung vor der klassischen TOS-Crew geworden.

Es bleibt zu hoffen, dass Star Trek Discovery die Dinge nicht einfach nur anders, sondern gut und durchdacht anders macht.

Wir werden sehen … ab dem 25. September. In den USA auf diesem neuen Streaming-Dienst von CBS, den niemand nutzen möchte und der Rest der Welt via Netflix.

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Mein innerer Trekkie sagt übrigens gar nix. Er ist klug geworden und wartet ebenfalls ab. Denn Häme und ätzende Kritik kann man ja immer noch versprühen, falls die Sache in die Hose gehen sollte.

*mwhahahaha*

 

Behind the times

Da denke ich mir so in einer ruhigen Minute: “Harzzach, wenn Du schon mal gerade ne ruhige Minute hast, kannste nich mal Deine GPU-Treiber aktualisieren?”.

Dachte ich mir so und schritt auch tatsächlich zur Tat. Weil … es war schon ne Weile her, als ich das letzte Mal die GPU-Treiber aktualisiert hatte. Nicht nur das, ich hatte sogar ein explizites Downgrade durchgeführt, weil aktuelle Treiber für meine brave, treue GTX 760 das unten aufgeführte Bild produzieren, sobald ich die diversen Sikkmod-Mods (namentlich Sikkmod-Versionen für Doom 3/RoE, Quake 4 und Prey) für die diverse Varianten der idTech 4-Engine (namentlich die Spiele Doom 3/RoE, Quake 4 und Prey) nutzen wollte.

sikkmod_with_hdr_glitch

Das hier ist zu sehen, sobald ich das HDR-Feature einschalte. Doof, nicht?

Sicher, ich könnte es auch ausgeschaltet lassen, aber wieso sollte ich dann Sikkmod verwenden? HDR ist DAS Killer-Feature dieses Mods, welches den Spielen den entscheidenden optischen Kick gibt. Ja, ich habe alle Varianten und Einstellungen durchgetestet. Es will nicht. Weil die Nvidia-Treiber seit einer Weile mit dem HDR-Feature des Sikkmods nicht mehr kompatibel sind.

Gut, isse ja kein Ding, probiere ich eben diverse ältere Treiber aus.

Was doch ein ziemliches Ding war, denn a) deinstallieren sich die GPU-Treiber von Nvidia (übrigens auch AMD, da gibt man sich nix) mittlerweile höchst unzureichend. Es bleiben zu viel Treiberreste und alte Einstellungen übrig. Dann kommt noch b) hinzu, in dem man feststellt, dass Windows 10 in den Untiefen des System-Orders jede Menge Treiberpakete bunkert und automatisch hintenrum den dort archivierten Treiberzustand wiederherstellt, gleichgültig, was man vornerum so an Treiber-Abgleichen (online wie offline) und Systemeinstellungen abstellt. So dass ich gezwungen war Tools wie z.B. den DDU, den Display Driver Uninstaller zu verwenden, der Windows in den abgesicherten Modus versetzen muss, um das zu tun, was ich früher VORNERUM mit nur wenigen Mausklicks ganz offiziell getan habe. Treiber deinstallieren und eine ältere Version zu installieren. Himmelherrgottsackra!

Ok, genug gejammert, bin ja auch selber Schuld, niemand hat mich zum Update auf W10 gezwungen 🙂

 

Es stellt sich heraus, dass alles inklusive und vor 368.81 (64bit, W10) klaglos mit Sikkmod harmoniert, alles aktuellere danach diese Artefakte und Glitches produziert.

Das war jetzt ne Weile her und weil ich derzeit nix zocke, was idTech 4 als Basis verwendet und den Sikkmod zur optischen Auffrischung verwendet, dachte ich mir: “Harzzach, wenn Du schon mal gerade ne ruhige Minute hast, kannste nich mal Deine GPU-Treiber aktualisieren?”.

Denn heute habe ich mitbekommen, dass dieses komische Ansel-Gezuppel nicht nur auf neuen NVidia-GPU funktioniert, sondern sogar auf Karten der alten 600er-Serie. Die vollständige Liste hier: Supported GPUs

Das alles funktioniert dann auch wunderklasse:

360°-Screenshots. Yay!

The Witcher 3 360

Zum richtigen Anschauen fehlt hier noch ein Plugin, desterwegen der Umweg über Google Photo:

https://photos.app.goo.gl/GhyosFLjsGHvBf842 (druffglicke und denn nochemols druffglicke)

 

Weswegen ich den Beitrag aber angefangen habe … ähem … als ich also da diesen aktuellen Treiber so runterladen wollte, fällt mir eine Zahl ins Auge. Die Zahl, welche die Größe des Downloads angibt.

Effin 433MB. Ein Treiber. Bald 500 MB groß.

Weia!

Gut, irgendwo her müssen als die dreitausend Features ja kommen, die heutige Treiber bieten. Aber trotzdem … vierhundertdreiunddreissig Megabyte??

Ich bin alt geworden. Mich erstaunt das, anstatt es einfach als gegeben hinzunehmen, weil’s halt so ist, weil man auch nichts anderes jemals kennengelernt hat.

Was kommt als nächstes? Lege ich mir ein Smartphone zu und wundere mich dann, wie man all das große Internet auf diesen kleinen Bildschirm bringen kann? Stehe ich verwundert vor der Steckdose und versuche einen Eimer darunter zu stellen, damit der Strom nicht unnütz rausfließt? Laufe ich schreiend ins Haus zurück, weil plötzlich eine pferdelose Droschke laut lärmend wie Satans Streitwagen um die Ecke donnert?

Ich glaube, ich muss mal wieder etwas mehr am Puls der Zeit leben … 🙂

Grenzüberschreitungen – Leicht gemacht

Zuallererst möchte ich mich dafür entschuldigen, dass wieder so viel Zeit zwischen Postings vergehen. Nein, weder ist World of Warcraft oder sonst ein anderes Spiel daran Schuld, sondern der leidige Umstand, dass ich beruflich stark eingespannt bin und in meiner Freizeit derzeit nicht die richtige Muße finde, um substanzielle Blogbeiträge zu verfassen, die über stumpfes Rumgenöle zu diesem oder jenem Aufregerchen hinausgehen. Wenn ich nach Hause komme, reicht es gerade mal für ein paar PvE-Quests mit meiner schnuckeligen Gnomen-Jägerin und ihrem mechanischen Hasen. Ok, WoW ist doch Schuld! 🙂

Doch zurück zum Thema …

Aktuell findet auf GOG wieder ein Sale statt.

Der Summer-Sale 2017. Viele Spiele, zu niedrigen Preisen.

Alle Spiele? Nein, nicht alle Spiele, wenn man über eine deutsche IP den Shop aufsucht. Seit zwei Jahren filtert man auch in Polen diverse Titel, um potentiellen Ärger mit deutschen Behörden aus dem Weg zu gehen. Meines Erachtens ist das zwar weder notwendig, noch würde es nachteilige Folgen haben (all die Jahre davor hat sich ja keine Sau dafür interessiert), doch da GOG.com zu CDP gehört und CDP ein börsennotiertes Unternehmen sind, muss man dort gewisse Standards einhalten, zu denen auch eine in den Augen von Normalsterblichen manchmal eher unnötig erscheinende Risikobewertung gehört.

Brutale Metzelshooter und/oder Spiele mit *hachhuch* phösen Hakenkreuzen werden für deutsche IPs nicht mehr angezeigt und können somit nicht mehr auf herkömmlichem Wege erworben werden.

Der nicht herkömmliche Weg ist aber so einfach zu beschreiten, dass man durchaus auf den Gedanken kommen könnte, dass CDP nur den Schein wahren möchte und auf striktere Regionalbeschränkungen keinen Wert legt.

Wie kaufe ich als deutscher Kunde phöse Spiele auf GOG.com, Stand Juni 2017

  1. Man installiere im Browser ein VPN-Plugin wie z.B. Zenmate.
  2. Man aktiviere das Plugin und wähle aus, über welchen Server-Standort die Browser-Daten geleitet werden sollen. Der Standort USA genügt für diesen Fall.
  3. Man öffne ein neues Browser-Fenster im Privacy-Modus.
  4. Man suche die GOG-Seite auf und wähle sich in seinen Account ein.
  5. Man lege das gewünschte Spiel, welches man mit deutscher IP nicht zu sehen bekommt, in den Warenkorb.
  6. Man wähle als Bezahlmöglichkeit Kreditkarte oder Paypal. Mangels Kreditkarte kann ich nur Paypal wählen, aber es gibt meines Wissens keinen Grund hier nicht eine Kreditkarte zu verwenden.
  7. Man bezahle.
  8. Die gekauften Spiele erscheinen im Account und können manuell oder über den Galaxy-Client heruntergeladen und installiert werden.
  9. Die gekauften Spiele BLEIBEN und ERSCHEINEN selbstverständlich im Account, gleichgültig welche IP verwendet wird.
  10. Seit gestern Abend bin ich stolzer Besitzer der beiden preislich stark gedrückten Titel „Singularity“ und „TimeShift„, die beide auf herkömmlichem Wege deutschen Internet-Nutzern nicht zur Verfügung stehen.

Beide Titel sind leider zum Zeitpunkt ihres Erscheinens total untergegangen. Vor allem Singularity litt unter einem quasi nicht vorhandenen Marketing seitens Activision und geriet auf dem heiß umkämpften Shooter-Markt zu einem Flop. TimeShift ereilte ein ähnliches Schicksal. Kaum beworben, kaum bekannt, kaum gekauft.

Dabei sind das hochwertig und aufwendig produzierte Shooter, die mit ihren Zeitmanipulations-Features ausgetretene Pfade verlassen und sich an Neues wagen.

singularity_04

timeshift_wallpaper

Wäre doch schade, wenn sie weiterhin niemand erwirbt und spielt, nur weil eine Firma potentiellen Ärger mit deutschen Behörden vermeiden möchte, nicht wahr? 🙂

Warcraft – The Beginning

Ich spiele gerne World of Warcraft und klicke mich ab und an wiederholt durch Warcraft 3. Das eine ist ein leicht bekömmliches MMO, ideal für meinen aktuelles persönliches Zeitguthaben und das andere ist immer noch ein unterhaltsames und gutes RTS. Ich habe die Vorgänger von Warcraft 3 mit Begeisterung verschlungen und mir hätte mit Sicherheit auch das damals geplante Warcraft-Adventure gefallen, wenn es denn erschienen wäre.

Ich mag das Setting, ich mag diese Welt. Azeroth ist ein Stück Heimat geworden, weil ich mir durchaus vorstellen könnte dort in einem kleinen, schnuckeligen Häuschen zu leben, geruhsam über den grasigen Ebenen von Nagrand schwebend oder ein Stadtappartment im nie zur Ruhe kommenden Ironforge zu beziehen.

Ich bin DAS Zielpublikum für den letztes Jahr in die Kinos gekommenen Warcraft-Film.

warcraft_twoworlds_onehome

Und doch habe ich ihn nicht im Kino angeschaut, mir keine DVD besorgt. Auch wenn die Trailer ganz nett waren und ich natürlich in fast jedem Frame diverse Dinge aus den Spielen referenziert sah … ich blieb skeptisch. Wenig begeisterte Kritiken halfen nicht unerheblich beim Halten einer gewissen Distanz.

Gestern Abend überkam es mich dann. Ein ganz heftiges Schaubedürfnis, welches sofort gestillt werden musste. Weil, all diese pseudo-intellelen Kritiker haben sowieso keine Ahnung, nicht wahr?

Und wie stillt man so ein heftiges Schaubedürfnis, wenn man nicht warten will, bis Amazon im Laufe der kommenden Woche die DVD liefert oder Netflix den Film nicht im Angebot hat? Richtig, im Digitalen Zeitalter, wo alles nur einen Mausklick entfernt liegt, lag auch der XXX-HD-Stream nur einen Klick entfernt. Zwischen Eingabe grundlegender Suchbegriffe in der Suchmaschine und dem Klick auf “Play” lagen nicht einmal 60 Sekunden. Kinderleicht ist das trotzdem nicht, denn man muss schon zielsicher diverse Lockvogel- und “Lade jetzt die aktuelle Viewer-Exe herunter!” (Haha, ja klar mache ich das … NICHT!)-Angebote umschiffen, um zum Ziel zu gelangen. Man sollte wissen, worauf man klickt und wie man den Browser so verwendet, damit keine unliebsamen Gäste mit zur Party kommen. Aber wenn man dort ist … ein 1080p-Stream in astreiner Bild-, Ton- und Streamingqualität. Rein technisch können diese schmierigen Streaming-Portale jedem legalen Angebot mehr als nur das Wasser reichen. Ich gestehe ein klein wenig beeindruckt gewesen zu sein.

Doch zurück zum eigentlich Abendereignis, dem Film.

Nun, was soll ich sagen? Dass es ein hervorragend produzierter Effekt-Film war, der in Sachen Art Design und Music Score die Essenz dieser Welt treffsicher und gekonnt eingefangen hat? Dass es viele, VIELE treffende und nette Details aus den Spielen gab und man merkte, dass sich hier jemand wirklich Mühe gegeben hatte? Dass ich trotz perfekter Production Design-Orgie und blubbernden Murlocs sehr schnell nur noch mit den Augen rollen konnte und zum Schluss stark gegen den Drang kämpfen musste laut zu lachen? Weil es abgesehen vom interstellaren Production Design ein SCHRECKLICHER, PEINLICHER Film war? Ich weiß zwar, dass Duncan Jones jetzt nicht gerade ein unbegabter Regisseur ist, weil “Moon” schlichtweg phänomenal ist und da er selbst WoW spielt, scheint er DIE Traumbesetzung für diesen Posten zu sein … aber das ist ihm vollkommen entglitten. War es die Größe des Projekts? Die enorm hohe Verantwortung für irrsinnige 160 Millionen Dollar samt den noch irrsinnigeren Umsatzerwartungen? Waren es Einmischungen seitens der Produzenten oder Blizzard? Ich weiß es nicht …

Sicher ist hingegen nur eines: Das hier, das ist ein Griff ins Klo. Ein richtig großer Griff ins Kodo-Klo! Aber gut, als WoW-Spieler ist man es ja gewohnt in diversen Kot-Haufen herumzuwühlen 🙂

Dünne Dialoge. Viel zu viele Dialoge. Ständige Verletzung der grundlegenden Film-Regel “NICHT drüber reden, ZEIGEN!”. Charaktere ohne Biss, aber mit großen Hauern. Langweilige, oberflächliche, klischeebeladene Charaktere. Holperig inszenierte, sprunghafte Handlung. Kein Charme. Ein vollständig charmefreier Film, der von irgendeiner unsichtbaren Last niedergedrückt und fast erstickt wird. Als habe die Fel-Magie der Brennenden Legion diesem Film alles entzogen, was Duncan Jones frühere Filme so sehenswert gemacht haben.

Wow! Was für ein schrecklich schlechter Film! Ich war gestern Abend … “sprachlos” wäre zu viel, das englische “stupefied” (verblüfft, entsetzt und betäubt in einer einzigen gemeinsamen Emotion) trifft es besser.

Aber weil “Warcraft – The Beginning” international, offenbar vor allem in China, richtig viel Schotter gebracht hat ($160 Mio. Kosten, knapp $450 Mio. weltweit eingenommen, was diesen Film zur mit Abstand kommerziell erfolgreichsten Spieleverfilmung macht), wird es natürlich eine Fortsetzung geben. Dieses Geld lässt niemand in Hollywood liegen.

Ich weiß nur nicht, ob ich darüber erfreut sein soll oder eher nicht …

Wobei es mir im Grunde auch egal sein kann. Ich spiele weiterhin mit meinen Twinks, hole mir ab und an Warcraft 3 aus der Software-Gruft und wenn es mich doch packt, kann ich mir eine Fortsetzung wieder auf diesen schmierigen Streaming-Portalen anschauen.

So ist jedem geholfen 🙂