Shadowrun returns not (yet?)

Da war ich gestern Abend doch fast geneigt mir “Shadowrun returns” zu zulegen. Weil … Shadowrun und so. Rundenbasierter Kampf, detaillierte Regeltreue und so ziemlich alles, was man in einem “richtigen” Shadowrun-Spiel sehen möchte.

Gut, dass die Entwickler Backer und andere Interessierte “ein wenig” verscheissert hatten, weil man im Zuge der Kickstarter-Kampagne Aussagen zur Verwendung von DRM getätigt hatte, die man aber auf Grund noch nicht abgeschlossener Vertragsverhandlungen mit Microsoft noch gar nicht tätigen konnte … sollte man zwar nicht vergessen, aber ein Grund sich nicht mit dem Spiel zu beschäftigen ist das nicht. Nur ein Grund beim nächsten Crowdfunding-Projekt genauer hinzuschauen und den Entwickler mit entsprechenden Fragen zu nerven.

Anyway, da saß ich also vor dem Steam-Client und dachte mir spontan: “Hm, hm, warum nicht?”

Doch war ich dann doch nicht so spontan, wie ich zuerst dachte. Vielleicht zuerst ein Blick ins Forum? Vielleicht zuerst einige Gameplay-Videos? Irgend ein undefiniertes Bauchgefühl hielt mich zur Vorsicht an.

Und als ich so gemütlich vor mich hin recherchierte, stieß ich auf eine Information, die schnell zum Leeren des Warenkorbes führte. Denn in “Shadowrun returns” wird nur beim Kartenwechsel gespeichert. Es gibt kein freies Speichern. Kämpft man sich also quer durch eine Karte, spricht mit NPCs, verfolgt Nebenquests, tut dieses und jenes und baut dann zum Schluss Mist … oder muss aufstehen und den Rechner ausmachen, weil das Real Life ruft … darf man den ganzen Rotz nochmal von vorne machen.

Da ich nicht mehr Student oder Schüler bin, der alle Zeit und Muße der Welt hat und zum Glück auch nicht arbeitslos bin … sry, dat is nix für den alten Sack hier. Es gibt nur wenige Spiele und Genres, in denen ich solche rigiden Savegame-Systeme zähneknirschend hinnehme. SR gehört trotz lichtjahregroßem Shadowrun-Bonus (noch?) nicht dazu. Vielleicht später im Rahmen eines 75%-Sales oder vielleicht gar nicht. Oder vielleicht gibt es irgendwann einen Mod, der freies Speichern ermöglicht.

Wie auch immer, wer meint dass so ein System die Immersion oder gar den Schwierigkeitsgrad steigert, der soll das gerne meinen tun. Ich meine das ganz ausdrücklich nicht und verzichte dankend. Mich nervt das!!

L’internet? C’est tres magnifique!

Normalerweise bricht eine Rollenspielrunde auseinander, wenn das einzige Mitglied, welches ein bestimmtes System leiten kann, zB. aus beruflichen Gründen in die Ferne zieht. Die Wahrscheinlichkeit, dass man in der selben Stadt/Region einen neuen Master findet, steigt zwar mit der Beliebtheit eines bestimmten Systemes, scheitert aber oft nur daran, dass man sich mit einem neuen Spielleiter nicht versteht (und vice versa) oder man einfach keine Lust hat, diverse „Fremde und Aussenseiter“ in die Runde aufzunehmen. Rollenspiel ist schliesslich ein durch und durch soziales Ereignis.

Früher (tm) bedeute so ein Wegzug also oft das Aus für eine Runde.

Heute jedoch, heute sind wir mit der wundervollen Erfindung des Internets und bezahlbarer, leistungsfähiger Flatrates gesegnet, welche es uns ermöglicht eine Live-Verbindung mit Bild und Ton über den Ärmelkanal zu legen. Skype macht’s möglich.

Gut, perfekt war das nicht, so dass wir schnell nur noch via Audio-Stream kommuniziert haben und die Kamera nur zum Verdeutlichen von zB. Spielerpositionen auf der Karte des Missionsgebietes benutzten, aber zu meiner großen Überraschung hat das alles sehr, sehr gut funktioniert. Alle haben sich etwas am Riemen gerissen und nicht (wie sonst üblich) wild durcheinander geredet, so dass der Abend zum Schluss so richtig spielerisch-produktiv verlief.

Und das Tüpfelchen auf dem I war dann noch der Umstand, dass der Spielleiter mit Hilfe von Google Maps genauere Beschreibung der tatsächlichen geographischen Gegebenheiten in Seattle machen konnte.

Ja, früher (tm) hätte es sowas nicht gegeben. Da wären wir alle traurig auseinander gegangen.

Heute jedoch, heute … 🙂

Schattenspiele – Intro

Folgende Zeilen können gerne übersprungen werden, wenn man sich nicht sonderlich für literarisch aufbereitete Rollenspiel-Abende interessiert, deren delikate Feinheiten doch meist nur Anwesenden voll zugänglich sind. Im Grunde nur ein kleiner Service für Urlauber und Zuspätkommer ;-P

„WAS? WAS SOLL MIT MEINER MUTTER SEIN?“

Speicheltropfen, groß wie Oliven zogen mit nahezu Überschallgeschwindigkeit an meinem Kopf vorbei. Wie durch ein Wunder bereiteten nur die kleineren Vertreter dieses besonderen Niederschlages, also erbsengroß, meinem Gesicht eine mittlere Schleimdusche. Nicht ausdenken, wenn eine der großen Fladen meine Nasenlöcher oder meinen Mund verstopfen würde.

„Neinnein, nicht Deine Mutter. Ich habe doch gar nichts von Deiner Mutter gesagt …“

„WENN DU NOCH EINMAL WAS ÜBER MEINE MUTTER SAGST, REISSE ICH DIR DEN KOPF VON DEINEM RÜCKGRAT … NACHDEM ICH BEIDE VOM REST DEINES KÖRPERS GETRENNT HABE!!!“

Diesmal gelang es mir etwas besser der Sinflut aus hochgewürgter Verdauungsflüssigkeit und Mundraumsekret auszuweichen. Dem Geruch nach in der Mittagshitze langsam verottenden Aas aus dem mit mächtigen Hauern bewehrten Mund konnte ich aber nicht so leicht entrinnen, geschweige denn noch länger meine Contenance wahren. Uralte Reflexe übernahmen die Herrschaft über meinen Körper und begannen meinen, ähm, Gesprächspartner nun seinerseits mit Flüssigkeit zu benetzen.

„HE!! ICH REDE MIT DIR … iiiiiiiiiiiiiiih!“

Wie ein kleines Mädchen kreischend versuchte der Troll meinen Magensäften auszuweichen, die in hohem Bogen seinen Overall besudelten.

Der Troll stolperte rückwärts in die hinter ihm aufgestellten Stühle und riß dabei die ganze Reihe aus der Bodenverankerung. Die Gelegenheit zu einer zünftigen Prügelei mit minderwertigen, schwächlichen Menschen nutzend, zerlegten seine beiden Kollegen kurzerhand die ganze Sitzreihe in handliche Prügelwerkzeuge, als ob die enorme Länge und Dicke der oberen Extremitäten dieses Metamenschen-Typus nicht schon alleine ausreichen würden, um den Raum und seine allmählich panisch werdenden Insaßen in handliche, kleine Fetzen zu verarbeiten. Irgendjemand stieß mich nach vorne, direkt in die Arme von Muttersöhnchen, der sich gerade aus dem Plastik- und Aluminiumtrümmern einer ehemaligen Sitzgelegenheit befreit hatte. Ok, Lothar, sagte ich mir, Du hattest ein schönes Leben. Nicht alles war perfekt, aber so im Großen und Ganzen … man sagt gerne, dass einem Menschen, in diesen Momenten kurz vor Erreichen des Ablaufdatums, das Leben in kurzen Bildern am inneren Auge vorbeizieht. Mag sein, dass dies so ist. Ich aber konnte mit meinen äusseren Augen nur noch auf die mit kleinen Bröckchen besetzte, durchnässte Brust eines Monstrums starren, welches meiner Wirbelsäule in den nächsten Sekunden Ausgang verschaffen würde …

Als die Wachmannschaften uns danach aus dem mittlerweile ausgehärteten DeMobilizer-Schaum geschält hatten, den der Seminarleiter wohl zum x-ten Male …

„Viermal. Viermal hatte ich heute Schaum vor dem Mund, hehehe!“

„Ja, danke Brain, danke …“

… nachdem der Seminarleiter im Laufe der heutigen Sitzung bereits zum vierten Male den Panik-Button auslösen musste, wurde der Termin dann doch auf Übermorgen verschoben. Wahrscheinlich musste man erst wieder die Tanks der Pacifier-Anlage auffüllen. Oder neues Mobiliar heranschaffen. Oder beides.

„Hehe, viermal heute, hehe. Schaum vor dem Mund, hehe!“

Vollkommen begeistert von seinem eigenen Witz und Charme würde Brain wohl erst wieder damit aufhören, wenn er von sich selbst genug hatte. Was länger dauern kann. Aber ich will mich nicht beschweren. Der stämmige, dezent übergewichtige Ork hatte mir bereits am ersten Tag des Seminars das Leben gerettet, als er meinen Kopf aus der ballistischen Flugbahn einer sehr, sehr zornigen Trollfaust gerissen hatte. Wer auch immer in der Bürokratenriege der Sozialbehörde von Seattle die Idee hatte, ein gemischt-rassiges Anti-Aggressionstraining unter Einbeziehung von Trollen zu veranstalten, hatte entweder noch nie einen Troll mit eigenen Augen gesehen oder war ein ausgemachter Sadist. Oder hatte einen Deal mit dem Lieferanten von Tagungsmobiliar und DeMobilizer-Schaum, was wohl der wahrscheinlichste Grund war.

Einen letzten Blick in die Verwüstung werfend, die einst, in glücklicheren Zeiten, Raum 211/2. Stock, Psychotherapie-Zentrum Auburn/North, Seattle darstellte, sah ich, dass wenigstens die Trolle eine Art Fortschritt erzielt hatten. Einem der drei wandelnden Kleiderschränke war es noch gelungen den Wandbildschirm, über den der Seminarleiter mit uns kommunizierte, aus seinen Fassungen zu reissen und in unansehnlichen Schrott zu verwandeln, bevor der Schaum aushärten konnte. Man muss alles positiv sehen, wie mein Vater, Gott habe ihn selig, Hohenzoll Senior immer zu sagen pflegte. Denn mehr als nur gute Miene zum bösen Spiel des Lebens zu machen, blieb uns Hohenzolls auch nicht mehr übrig, nachdem wir zuerst unseren Adelstitel, unseren vollen Namen an dreisten Geldadel, dann unser Vermögen und unseren Besitz in den Wirren des Erwachens, des Aufkommens der Meta-Menschen und der Rückkehr der Magie verloren hatten.

Immer alles positiv sehen! Auch wenn man kein Geld mehr hat, keinen Job mehr hat und bald auch keine Wohnung mehr hat, wenn nicht bald ein Deal über den Weg läuft. Gut, vielleicht hätte ich diesen Typen aus dem mittleren Management von Saeder-Krupp nicht die Nase brechen und ihn zusammen mit dem Mobiliar DURCH das Mobiliar seines Büros schleifen sollen … aber wer so dumm ist und seine Absicht, sich vor der Zahlung eines Kopfgeldes zu drücken, in dem man den Mietling an die Bullen verpfeifft, über eine ungeschützte Leitung an Gott und die Welt weitertratscht … ok, vielleicht habe ich überreagiert. Aber nur etwas. Immer alles positiv sehen!

So wie Schramath, den scheinbar nichts erschüttern kann. Der in aller Ruhe dasitzt und es über ganz drei Sitzungen vermeiden konnte die Trolle zu provozieren. Ich habe mich anfangs ernsthaft gefragt, warum er eigentlich an dem Seminar teilnehmen musste. Bis ich letztlich etwas genauer hingeschaut habe. Ständig in Bewegung. Seine Finger. Ständig. Immer etwas, was er auseinandernimmt. Oder zusammenbaut. Um es wieder auseinanderzunehmen. Und wieder zusammenbaut. Manisch! Bekloppt! Durch den Wind! Dennoch, er nahm mich bereitwillig in seinem Auto mit, als ich kaum noch Geld für einen Bus hatte. Fuhr sogar Umwege, um mich dort abzusetzen, wo ich wollte. Ich beschwere mich nicht. Könnte alles schlimmer kommen.

Heute abend treffe ich mich mit ihm und Brain in der Lieblingskneipe des Orks, im „Devils Head“, einer mit Sicherheit höchst eleganten Lokalität in den Redmond Barrens. Ich stelle vorsichtshalber die Akustikfilter meiner Audiotek-Implants nach und lade einen leichten Wagner -Remix in den Kopfspeicher. Wer weiß, welche Mißhandlungen dort aus den Boxen dröhnen …

to be continued … (keine sorge, Gekko wird schon noch passend eingebaut ^^)