Jahresstartbeitrag 2016

In bester Tradition auch von mir die Top10 meiner Lieblingsspiele aus diesem Jahr … nein, nicht wirklich!

Erweitern wir etwas das Blickfeld und lassen ein paar Jahrzehnte Revue passieren. Die Zeit als inhärenter Bestandteil des von uns wahrgenommenen Universums kümmert sich nicht um das persönliche Wohlbefinden von uns Menschen, sondern erdreistet sich einfach zu verstreichen. Was aber nur an Hand von Veränderungen unserer Umgebung wahrgenommen werden kann. Zeit kann man nicht riechen, schmecken, fühlen. Etwas war vorher und ist jetzt nicht mehr. Etwas war vorher nicht und ist jetzt. Etwas ist immer noch, aber jetzt anders. Zeit verstreicht und oft genug vergessen oder verdrängen wir das tatsächlich Vergangene, haben nur ein Früher™ im Kopf, eine geschönte und verzerrte Erinnerung.

Wir schreiben das Jahr … irgendwann um 1980.

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Klein-Hazzi steht mit heißen, roten Ohren und glänzenden Augen vor einem “Galaxian”-Automaten, der auf dem allsommerlichen Volksfest der neuste heiße Shice ist. Geisterbahn? Gebrannte Mandeln? Auto-Scooter? Pahhh! Videospiele!!!! Ein Wagen voll mit diesem perfiden Zeugs. Videospiele! Selbst nie genug Taschengeld gehabt für diese Geldgräber (heutige Majors sind in ihrer Geschäftspolitik nicht einmal annähernd so fies wie die damaligen Arcade-Maschinen), aber beim Zuschauen war ich immer dabei. Nie selbst gespielt, aber alle Angriffswellen memorisiert. Irgendwann schlaue Kommentare und unerwünschte Ratschläge abgebend. “Jetzt musste ganz links rüber. Und jetzt hätteste Dich mitterechts halten müssen!”. Klein-Hazzi hat Jahrzehnte vor der “Erfindung” von Let’s Play-Videos den dazugehörigen Youtube-Kommentar erfunden.

Wir schreiben das Jahr 1983.

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Klein-Hazzi schwänzt mal wieder Französisch und hockt im Informatik-Raum der Schule vor einem Commodore der 3000er-Serie und spielt “Labyrinth”. Welches mit dem Spiel zum gleichnamigen Film mit David Bowie übrigens nichts zu tun hatte. Der einzige C64 ist dauerbelegt mit “Galaga” und “Beach Head”. Die Lehrerschaft findet diese Zweckentfremdung von Lehrmaterialien zwar nicht wirklich amüsant, aber erst als eines Tages die Polizei beim Direktor aufkreuzt, weil so eine Dumpfbacke aus der 8. Klasse meinte unsere Kopien vom German Cracking Service per Kleinanzeige anbieten zu müssen, werden Konsequenzen gezogen. Wer beim Zocken erwischt wird, bekommt einen Verweis, der Informatik-Raum wird nur unter Aufsicht geöffnet. Als Antwort darauf fangen manche meiner Klassenkameraden an eigene Spiele zu programmieren. Zuerst Basic, dann erste Gehversuche in Assembler. Weil dabei Programmieren gelernt wird, drückt vor allem der Physiklehrer beide Augen zu, wenn diese Software natürlich getestet werden muss. Klein-Hazzi ist schon damals ein lausiger Programmierer und begnügt sich mit *hüstel* QA-Aufgaben.

Wir schreiben das Jahr 1986.

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Weil der Herr hier in seiner jugendlichen Naivität und Ahnungslosigkeit dachte, dass Bundeswehr ja nicht so wild ist und er immer schon mal Panzer fahren wollte, darf er nun 18 Monate im Gleichschritt marschieren und als Richt- und Ladeschütze einer Leopard 2-Besatzung Tod und Verderben über die Truppen des Warschauer Pakts bringen. Jedwede Beschäftigung mit Videospielen schläft auf Grund des bescheidenen Solds und dem Auseinanderdriften der alten Klassenbande  so sehr ein, dass ich Videospiele als “Kinderkram” fast schon abgeschrieben hatte. Ich höre nur achselzuckend, dass es jetzt einen Amiga gibt und dort der Bär steppt.

Wir schreiben das Jahr 1992.

Ich habe mir vom letzten Ferienjob endlich einen PC geleistet. Ein total schicker, rasend schneller 486-DX 33. 33 Mhz! Mit einer etwas missverständlich beschrifteten Turbotaste, wo man den Rechner nicht schneller, sondern langsamer machen konnte. Natürlich brauche ich den PC für’s Studium. Und weil der Zimmernachbar im Wohnheim endlich beschlossen hat etwas für sein Studium zu tun, als nur den ganzen Tag lang zu zocken. Dafür zocke ich dann den ganzen Tag lang, anstatt genug (!)  für’s Studium zu tun. Mit dem nächsten Ferienjob wird eine Soundkarte angeschafft. Wolfenstein 3D und Doom machen jetzt erst richtig Spaß! Zwischendrin scheitert ein Vorexamen und beginnt ein neues Studium. Ausdrücklich nicht wegen Videospielen. Man munkelt, das Ende einer Beziehung … wie auch immer, Videospiele sind wieder fester Bestandteil meines Lebens geworden.

Wir schreiben das Jahr 1998.

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Wegen eines dauerhaften Jobs während des laufenden Semesters kann ich mir nicht nur einen neuen Rechner, sondern protzmäßig auch zwei (!) Voodoo2-Karten leisten, um “Unreal” auf atemberaubenden 1024×768 spielen zu können. Weil halt Unreal. An einem Vormittag wird endlich die Diplomarbeit abgegeben, am Nachmittag gleich wieder gejobbt und Nachts wird gezockt. Der Studi-Job geht nahtlos in eine Festanstellung über. Erst jetzt kaufe ich mir Spiele zum Vollpreis und Kopien sind unwichtig geworden, obwohl mir bei diesem jungen Internet-Unternehmen alle Möglichkeiten offen stehen. Napster war auf fast jedem Unternehmensrechner installiert. Starcraft erscheint und überzeugt mich endlich davon, dass auch RTS-Spiele unterhaltsam sein können. Videospiele sind GEIL!!! Weniger geil finde ich dann den anhaltenden Schlafmangel und vor allem die horrende (!) Telefonrechnung nach einem Vierteljahr mit “Ultima Online”. Oops! Ich lasse für eine Weile die Finger von MMOs.

Wir schreiben das Jahr 2004.

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Ich lege mir einen Steam-Account zu und registriere die Keys von Half-Life 1 und seinen Addons, weil die CD-Version auf meinem damaligen System nicht mehr richtig laufen will. Steam ist irgendwie seltsam, aber dafür kann ich wieder Half-Life zocken. Half-Life 2 erscheint und zieht offiziell an mir vorbei. Spiele übers Internet kaufen? Spiele im Laden kaufen und dann an einen Internet-Service binden? So ein Quatsch! Wer macht so was?

Wir schreiben das Jahr 2005.

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So ziemlich alles, was an Spielen erschienen ist, enttäuscht auf großer Linie. Serien, die in der letzten Dekade groß geworden sind, verschwinden oder werden zur Unkenntlichkeit verzerrt, um aktuellen Trends entsprechen zu können. Der große Trend dieser Zeit lautet “Alle aufspringen auf den Konsolenzug”. Spiele verlassen nun endgültig das Kinderzimmer, die Nerdnische und erreichen den Mainstream. Die Umsätze im Konsolenbereich sind zu Ende der PS2-Generation und vor allem zu Beginn der 360-Generation mit zweistelligen Prozentzahlen jedes Jahr gewachsen. Zweistellige Zuwächse. Jedes Jahr. Wer schnell viel Geld machen wollte, musste etwas für Konsolen machen und weil ziemlich viel Leute schnell viel Geld machen wollten, entstand der Eindruck, dass der PC-Bereich tot sei. Ich will mit dem Zocken aufhören. Spiele sind dumm geworden. Ich bin älter geworden, aber bei Videospielen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Immer wieder der gleiche, öde Rotz. Macht alles keinen Spaß mehr. Vor allem “Age of Empires 3” hat fast eine Depression ausgelöst, so derart war ich von diesem Titel enttäuscht.

Wir schreiben das Jahr 2007.

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Ganz arg böse Emulatoren und schwarzkopierige ROMs von SNES- und GBA-Spielen bewahren mich davor mir ein neues Haupthobby zu suchen. Ich entdecke, dass mir Charme sehr, SEHR wichtig geworden ist. Charmante Spiele. Spiele, die mir nicht jede Sekunde ins Ohr brüllen, wie angeblich voll total brutal und “erwachsen” sie jetzt sind, damit ein Schauer des Entzückens über den Rücken präpubertärer Kinder und postpubertärer Collegeboys laufen kann. Spiele machen wieder Spaß. Unter anderem deswegen wird im Februar dieses Jahres das Blog “Seniorgamer” gestartet. Bald ist die Dekade voll.

Wir schreiben das Jahr 2008.

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Hmmm, es da gibt so Sonderangebote auf Steam. Titan Quest + Addon für wenig Geld. Hell, why not. Ich kaufe mein erstes Spiel über Steam und schließe in der darauffolgenden Zeit Lücke um Lücke in meiner Sammlung. Ist eigentlich ganz praktisch, dieses Internet-Vertriebs-Dingens. Halt nur doof, dass ohne Internet selbst reine SP-Spiele nicht mehr funktionieren. Aber wozu gibt es Cracks? Das Angebot der Majors ist immer noch ziemlich fade (um es höflich auszudrücken), aber ich entdecke die Independent-Szene. Das Angebot der Majors wird immer unwichtiger und spielt bald keine Rolle mehr. Die Enttäuschung weicht einem gesunden Desinteresse.

Wir schreiben das Jahr 2012.

Tim Schafer erzählt uns in seiner unnachahmlichen Art, dass er so richtig Bock hat wieder ein Adventure zu machen, er aber keine Investoren findet, weil Adventures außerhalb von Germany ja tot seien. Er will 400.000 Dollar haben. 300k für das Spiel und 100k für eine das Projekt begleitende Dokumentation (Bitte anschauen! Hochinteressant! Alle 20 Folgen!). Er bekommt über 3 Millionen Dollar und tritt damit im Spielebereich den Crowdfunding-Boom los. Im Lauf der nächsten Jahre erleben Backer genau das, was vorher nur Producern bei den Majors vorenthalten war: Hände über dem Kopf zusammenschlagen, Kopf in den Händen vergraben, Tischkanten mit Gebissen malträtieren und Stirnpartien mit Türrahmen malträtieren, weil der beauftragte Entwickler eine Spur aus Chaos und Verwüstung hinterlässt, sich das investierte Geld in Luft aufgelöst hat und man nun vor dem Vorstand, bzw. der Lebensabschnittspartnerin Rechenschaft darüber ablegen muss, warum man für die investierten Summen lediglich eine nicht mehr zu rettende Software-Ruine bekommen wird, obwohl man doch davon in den Urlaub hätte fahren können. Oder so ähnlich …

Wir schreiben das Jahr 2015.

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Mein Steam-Account quillt über von Spielen. Mein GOG-Account quillt über von Spielen. Alle Spiele, die ich mir über “Impulse” von Stardock geholt hatte, kann ich mir weiterhin über die Gamestop-App herunterladen. Gamestop verkauft übrigens keine Spiele mehr über das Internet. Dieser Versuch hat sich nicht rentiert. Zu reinen Demonstrationszwecken habe ich auch zwei, drei Titel auf EAs und Ubisofts Download-Plattformen. Uplay ist weiterhin der allergrößte Rotz, aber Origin hat sich ein wenig gemacht. Anstatt schrecklich ist dieser Client jetzt nur noch überflüssig. Spiele von unabhängigen Anbietern und Entwicklern machen mittlerweile einen Großteil meines Pile of Shames aus. Es gibt mehr Spiele als je zuvor in der Geschichte des Videospieles. Das Angebot ist so gigantisch, dass selbst die restlichen 10%, die laut Sturgeons Law kein Mist sind, mich auf Jahre hinaus beschäftigen werden, falls es von einer Sekunde auf die andere plötzlich keine neuen Spiele gäbe. Neben dem Internet-Vertrieb über Steam und Co., der maßgeblich zur Blüte der Indie-Szene beigetragen hat, ist Crowdfunding gekommen um zu bleiben. Sturgeons Law, nach dem 90% von allem Mist ist, muss um Sterlings Law erweitert werden. 98% von allem, was über das Steam Greenlight- und EarlyAccess-Programm hereinschneit und für Geld angeboten wird, ist bestenfalls nur belangloser Schrunz, viel zu oft aber fast schon betrügerischer Asset-Flip-Schrunz. Dennoch gibt es von den übrigen 2% genug, um mich über Jahre hinaus zu beschäftigen.

Die Spielewelt hat sich im Laufe nur weniger Jahrzehnte drastisch verändert. So einiges eindeutig zum Schlechteren. Man muss sich dazu nur ansehen, wie die Finanzheuschrecken Videospiele in interaktive, umsatzoptimierte Anlageprodukte verwandelt haben, wo es nicht mehr darum geht ein nettes Spiel zu machen, dass sich hoffentlich gut genug verkauft, damit die Entwickler davon anständig leben können. Wo es nur noch um kurzfristige Steigerungen des Aktienkurses geht, auf Teufel komm raus, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Skrupel. Es hat sich aber deutlich mehr zum Besseren gewandelt, denn im Gegensatz zu früher kann ich es mir heute locker-lässig erlauben auf das Angebot der Majors zu verzichten, OHNE dabei mein Hobby aufgeben zu müssen. Internet-Vertrieb und Crowdfunding ermöglichen wieder eine Vielfalt, die es zu Beginn/Mitte der 90er gegeben hat, dem sog. Goldenen Zeitalter der Videospielgeschichte, als viele Genres und Gameplay-Mechaniken erfunden und ausdefiniert wurden. Von daher können die Jahre 2016 ff. gerne kommen. Denn ich bin in der fast schon luxuriösen Lage mir en Detail heraussuchen zu können, was ich mir von der Zukunft nehmen werde und was ich links liegenlasse.

(Fast) Alles ist gut!

The Current State of Gaming „Journalism“

„Develop“, ein Nachrichtenportal für Gamedesigner und -entwickler hat eine Umfrage unter 100 Spiele-Kritikern nach dem besten Spiel und Franchise aller Zeiten gemacht.

Wer sich immer noch fragt, warum die bunt angemalte Ödnis der Mainstream-Spiele in vielen Presseerzeugnissen immer noch so gut wegkommt, der mag sich einfach dieses vielleicht nicht unbedingt repäsentative, aber nichts desto trotz erhellende Ergebnis ansehen:

Develops 100 Critics‘ Choice

1. Half-life 2
2. BioShock
3. The Legend of Zelda: Ocarina of Time
4. Portal
5. Mass Effect 2

Bioshock und Mass Effect 2 unter den ersten fünf. Bioshock sogar noch vor Portal und Ocarina of Time. Vor Portal und Ocarina of Time. Und Mass Effect 2? Mass Effect 2? Wtf?

Noch Fragen?

Niemand hat die Absicht

Nachdem die Ankündigung eines sog. Season Passes für Bioshock Infinite, wo man vorab (!) Geld für noch nicht erschienenen DLC bezahlen soll, für ungewöhnlich viel Aufregung gesorgt hatte, hat sich Mr. Levine persönlich berufen gefühlt eine Erklärung abzugeben.

DLCs sind keine gekürzten Inhalte

Nein, natürlich nicht. Das sollen nämlich Inhalte sein, die man noch gar nicht erstellt hat. Rausgenommen hat man nur Inhalte, die nicht gut genug waren. Um sie dann später als DLC anzubieten?

Ich weiß, dass anekdotisches “Es kommt mir vor als ob” eigentlich ziemlich haltloses Geschwätz ist. Aber ich weiß, dass ich manchmal ein ziemlich gutes Bauchgefühl habe, wo ich unterschwellig Dinge wahrnehme, die ich erst geraume Zeit später rational und faktisch belegbar begründen kann. Schaut man sich nämlich an, mit welchem Zynismus überall auf solche und ähnliche Aussagen von Publishern und Entwicklern reagiert wird, so gewinne ich den Eindruck, dass das Klima zwischen Anbietern und Kunden immer zerrütteter, immer paranoider wird. Die Kunden bemerken immer öfter, dass sie lediglich mit hohlbirnigem Marketinggeschwätz über den Tisch gezogen werden sollen und die Anbieter begreifen nicht, warum man auf ihre Aussagen so derart zynisch und emotional und sogar hasserfüllt reagieren kann, wie sich letztlich ein Community-Betreuer von Bioware (?) beklagt hatte.

Es herrscht Kommunikationskrieg zwischen den Majors und ihrer Kundschaft. Die Kunden glauben den Anbietern immer weniger, die Anbieter stellen verstört fest, wie ihnen immer öfter zum Teil ungeschminkter Hass entgegentritt. Da mag ein Anbieter Dinge sagen, die vollkommen zu Recht und zu einhundert Prozent der Wahrheit entsprechend und er erntet nur höhnisches Gelächter.  Die Marketinganstrengungen der Majors müssen immer höher gefahren werden, weil die Kunden nicht mehr so bereitwillig kaufen, wie das früher noch der Fall ist. Ergo wird das Marketing immer schriller, immer provozierender, um noch einen Eindruck erzielen zu können. Die Sprechblasen bei Interviews werden immer durchscheinender, wie man dies zB. schön in einem Interview mit dem Creative Director des neuen Sim City merkt, wo es zu den nebulösen Ausschweifungen und der Schönfärberei eines Politikers angesichts unangenehmer Fragen kaum noch einen Unterschied gibt. Der Kunde kann und will folgerichtig nicht mehr unterscheiden zwischen Marketinggefasel und aufrichtigen, “wahrhaftigen” Aussagen. Weil er keine Möglichkeit hat den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu überprüfen. Weil er kein Vertrauen in den Anbieter hat. Weil er davon ausgeht, dass er stets übers Ohr gehauen werden soll.

Die Diskrepanz, die Kluft zwischen den Majors und ihrer Kundschaft wird immer größer. Es findet keine Kommunikation statt, es werden, wenn überhaupt, nur noch heiße Luft und zynisches Gehate ausgetauscht.

Wohin das führt, ist eigentlich klar. Noch größere Marketinganstrengungen, noch mehr psychologische Tricks und Kniffe, um dem Kunden zu Geldausgaben zu bewegen, die er rational gar nicht tätigen will, die er aber tätigen muss, weil doch dieses Spiel da und überhaupt. Und das wiederum führt zu einer noch stärkeren Entfremdung und Distanz zwischen Anbieter und Kunde in einer Branche, die sehr stark davon abhängig ist, dass zwischen Anbieter und Kunde ein positives Band geknüpft ist, weil Spiele rasant an Wert verlieren und dem Anbieter nur dann den angestrebten Gewinn bringen, wenn sie möglichst oft zum vollen Retailpreis gekauft werden. Spiele werden durch diese Distanz, diese Nicht-Kommunikation entwertet. Ein Spiel ist nicht mehr 40 Euro wert, sondern nur noch 20 Euro, weil “die Deppen glauben doch nicht, dass ich deren Dreck für 40 Euro kaufe?”.

Ein Indiz für diesen Wertverlust zeigt die aktuelle Umsatzstatistik der GfK für Deutschland an: Es wurden zwar mehr Spiele im Vergleich zum Vorjahr verkauft, aber es wurde WENIGER Umsatz erzielt.

DLC-Schwemme, Vertrauensverlust, Kommunikationskrieg. Auf Seiten der Kundschaft eine immer größere Ablehnung und auf Seiten der Anbieter eine immer größere Ratlosigkeit, was der Kunde eigentlich in Wirklichkeit haben möchte. Und das im Vorfeld des Startes der nächsten Konsolengeneration, die, ebenfalls ein Bauchgefühl, irgendwie nicht so wirklich sehnsüchtig erwartet wird, wie das früher bei solchen Generationswechseln noch der Fall war.

Das alles sind Anzeichen einer Marktmüdigkeit, die in erster Linie für die Majors ganz fatale Folgen hat.

Nischenanbieter und Indies, die haben dieses Problem (noch) nicht. Dort gibt es (noch) die Aufrichtigkeit, die Wahrhaftigkeit, die Authentizität, die man von einem Anbieter emotionaler “Waren” erwartet. Noch nimmt man Aussagen aus dieser Ecke für bare Münze, noch wird nicht jede Äußerung als dreiste Lüge betrachtet.

Wenn denn eines Tages die heute großen Majors Geschichte sein werden, was wird man als den Hauptgrund betrachten, wegen dem die Sache den Bach runtergegangen ist? Mangelnde Produktqualität? Mangelnde Produktattraktivität? Oder die schlussendlich fatale Entfremdung zwischen Anbieter und Kunden, die dazu führte, dass der Anbieter an seinen potentiellen Abnehmern nur noch vorbei produzierte?

Umzugshinweis für Sammler

Beim Einpacken der Sammlung KEINEN, ich wiederhole, KEINEN Gedanken auf das Sammlerobjekt verschwenden, welches man gerade einpackt.

… muss mich gerade mit Gewalt von diversen Perry-Rhodan-Heften lösen.

Denn im Gegensatz zu Spielen, die ich in den Untiefen der Harzzach’schen Software-Gruft gefunden habe, ist ein Buch ganz schnell aufgeschlagen und ganz schnell überfliegt man die eine oder andere Seite und ehe man sich’s versieht, sind einige Stunden ins Land gegangen. Und dann ist da noch der große Karton mit allen den obskuren SF- und Fantasy-Zeitschriften/Fanzines, die ich mir während der 80er und 90er zugelegt hatte. Ich denke, ich werde hier einfach einen Müllsack drumstülpen und zukleben. Bloß nicht reinschauen! Ja nicht reinschauen! Sonst … ahhhh …

Immerhin habe ich meine alten Jahrgänge “PC Games” und “Gamestar” bereits verpackt und in die hinterste Ecke gestellt. Wobei ich bei Schlagzeilen wie “Gothic 3: der neue Oblivion-Killer aus Deutschland!” (Gamestar) schon schwer mit mir kämpfen musste, um nicht kichernd alte Jahrgänge durchzublättern und auf Previews einstiger Genreperlen zu stoßen, bei denen man auf Basis von Screenshots die unglaublichsten Dinge zusammenfabuliert hat, was wiederum eine ausgemachte Spezialität der frühen PC Games war. Genau deswegen schleife ich die alten Magazine auch mit mir rum, anstatt sie wie die alten Spiegels, ohne mit der Wimper zu zucken, dem Altpapier zu übergeben. Es ist sehr lehrreich und unterhaltsam, wenn man fünfzehn, fast zwanzig Jahre alte Artikel über ein Genre liest, in dem sich die Zeit rasend schnell weitergedreht hat. Hach ja, damals … als Savepoints in PC-Spielen noch zu klaren Punktabzügen in der Wertung geführt haben 🙂

Nicht mehr zeitgemäß

Es gibt nichts, was beim Studium von Computerspiel-Reviews meine Halsschlagadern mehr zum Pulsieren bringen als die Worte „Nicht mehr zeitgemäß“. Vor allem, wenn sie vom Autoren einfach so in den Raum geworfen werden, ohne genauer zu beschreiben, WAS denn im Vergleich zu anderen Spielen nicht mehr „zeitgemäß“ ist und warum andere Spiele im Vergleich zum getesteten Spiel „zeitgemäßer“ sind.

Aktuell rollen sich mir beim Lesen der Golem-Review zu „Wolfenstein“ die Fußnägel auf. Mehrfach!

Mir persönlich hat „Wolfenstein“ aus den üblichen Savepoint/Autoheal-Gründen nicht sonderlich gefallen, aber was hier an arroganter Herablassung zur Graphik des Spieles gesagt wird, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, denn ich hatte Gelegenheit mir das Spiel auf leistungsfähiger Hardware und aktuellster Software-Umgebung anzuschauen. Mir haben hier vor allem die vielen kleinen Effektdetails gefallen, mit denen Querschläger, Laufspuren, Mündungsfeuer, qualmende Läufe, die Auswirkungen des Veil-Effektes oder Vollbildeffekte scharf (!) und ohne (!) die übliche Schmiererei eines Unreal-Engine-Spieles dargestellt werden. SO will ich das haben. Schicke Graphik, ohne dass mir mein Mittelohr einredet, ich müsse jetzt das Mittagessen widerkäuen.

Lange habe ich nicht gespielt, von daher kann ich nichts großartig zum Leveldesign des übrigen Spieles sagen, aber vielleicht findet der Autor Bahnhöfe und Strassenzüge der 40er nicht so sonderlich spannend? So wie ich bei FEAR fast eingeschlafen bin, als man mich SCHON WIEDER durch Containerhäfen, Lagerhallen und einfache Büroräume in faden Gewerbegebieten geschickt hat. Aber ich hätte die Graphik von FEAR niemals als „nicht mehr zeitgemäß“ bezeichnet, sondern nur das langweilige Leveldesign angesprochen. Hmmm …

Oder, vielleicht hat der Autor aus Unkenntnis der Materie technische Features, Art Concept und Leveldesign eines Spieles in einen Topf geworfen, kräftig umgerührt, um daraus den Eintopf seines Mißfallens zu kochen? So wie unkundige Amateure oft genug diese drei Aspekte verwechseln und durcheinanderbringen, wenn sie von „schlechter Graphik“ reden?

Oder ist der Autor höchstens 8 Jahre alt und kennt ausser den Shootern, die dieses Jahr erschienen sind, sonst nichts anders? Ergeht man sich bei Golem gar der unerlaubten Kinderarbeit?

Ich schaue am Ende des Textes nach einem Namen und finde das Kürzel PS. PS, das steht hier nicht für Post Scriptum, das steht für „Peter Steinlechner„. Ok, jetzt wundert mich nichts mehr. Ich habe mich schon während seiner Tätigkeit bei der Gamestar desöfteren gefagt, was er im Vergleich zu mir denn bitte auf dem Bildschirm zu sehen glaubte. Nicht, dass ich der Meinung wäre, ich hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen, Gott bewahre. Andere Redakteure haben es aber hin und wieder geschafft ZU BEGRÜNDEN, warum sie dieser oder jener Meinung waren.

Nichtsdestotrotz … „nicht mehr zeitgemäß“ ist an Nicht-Mehr-Zeitgemäßigkeit nicht mehr zu überbieten. Ein schlampiger, überheblicher Satzfetzen für schlampige, überhebliche UND faule Redakteure. Kurz angespielt, den Pressetext zum Setting kurz umformuliert, die Featureliste zum MP-Mode abgeschrieben, ohne den MP-Mode auch nur zu berühren und den Rest mit vorgefertigten Satzbausteinen aufgefüllt. Super!

Bähh!

PS: 😉
Ich finde „Wolfenstein“ deswegen immer noch nicht gut. Aber den Vorwurf „veralteter“ Graphik, den muss sich dieser Titel nun wahrlich nicht gefallen lassen.

Gamer, Blogger, Bauernfänger

Was würdet Ihr davon halten, wenn ein nicht ganz unbekannter Name des deutschen Spielejournalismus sich mit anderen, nicht ganz unbekannten Namen des deutschen Spielejournalimus zusammentut und ein neues Online-Magazin auf die Beine stellt?

Nun, ihr würdet vielleicht sagen, dass ihr Euch schon gefragt hattet, ob diese Namen überhaupt noch unter uns Lebenden weilen und was diese Leute nun so treiben. Ihr würdet vielleicht sagen, dass man sich dieses neue Projekt mal anschauen könnte. Vielleicht taugt es ja was.

Was würdet ihr davon halten, wenn dieses neue Online-Magazin eine starke WebZwoNull-Komponente hat, man nicht nur Meldungen und Artikel kommentieren, sondern sogar selber Inhalte liefern kann?

Nun, Wikipedia ist was feines. Etwas sehr feines sogar. Wenn man etwas in der Art im Spielebereich aufziehen könnte, ein Community-Projekt, frei von den Beeinflussungen der Publisher, das wäre doch was, nicht?

Was würdet ihr davon halten, wenn sich herausstellt, dass dies doch kein Community-Projekt wird, sondern ein kommerzielles Online-Magazin, welches einen nicht unerheblichen Anteil seiner Inhalte von Amateuren ohne Bezahlung beziehen soll, um die Herstellungskosten zu drücken?

Ich weiß nicht, was ihr dazu sagen würdet … ich sage hierzu nur:

Geht’s noch?

Man nehme ein Ranking-System, um naive, dumme Amateure mit Schwanzvergleichsbedürfnis zum Schreiben kostenloser Texte zu animieren. Diese Texte werden dann von professionellen Redakteuren redigiert (weil die Amateure ja nach Aussage von GamersGlobal keine Ahnung vom Texteschreiben haben) und veröffentlicht. Werbeeinnahmen verbleiben natürlich bei den Betreibern der Seite, den Autoren bleibt nur eine Schwanzvergleichspunktzahl und die Illusion, von ehem. Größen der Branche an das Schreiben professioneller Texte herangeführt zu werden.

Nochmals in aller Deutlichkeit: Wer dort mitmacht, verhilft einem kommerziellen (!) Portal zu kostenlosen, redaktionellen Inhalten, die weit, WEIT über die übliche Lesertest-Ecke hinausgehen. Man bekommt dort keinen Cent, man darf sich höchstens einreden, jetzt total superwichtig zu sein. Und was die Urheberschaft an den eingelieferten Texten betrifft, so wird diese nach der redaktionellen Überarbeitung wahrscheinlich bei Gamers Global liegen und nicht mehr bei den eigentlichen Autoren.

Sehr geehrter Herr Langer, vielleicht täusche ich mich auch. Vielleicht haben Sie Ihre Idee nur höchst unglücklich kommuniziert oder die Hälfte der Erklärungen vergessen, so dass ich Ihr Projekt mißverständlich aufgefasst habe. In diesem Falle würde ich mich natürlich entschuldigen, meine Kritikpunkte entsprechend revidieren und Ihnen viel Erfolg wünschen.

Vielleicht täusche ich mich auch nicht und Sie versuchen einfach auf die übliche Praktikannten/Studenten-Tour billig an redaktionelle Inhalte zu kommen, so wie es immer mehr Agenturen und Firmen in diesem Umfeld versuchen, weil der Werbemarkt zusammengebrochen ist und man entweder kein Geld mehr hat oder ganz grundsätzlich nichts investieren, sondern nur schnell abzocken möchte. In diesem Falle wünsche ich Ihrem Projekt dann natürlich den Erfolg, den es so zwangsläufig haben wird: Nämlich gar keinen!