The Current State of Gaming “Journalism”

“Develop”, ein Nachrichtenportal für Gamedesigner und -entwickler hat eine Umfrage unter 100 Spiele-Kritikern nach dem besten Spiel und Franchise aller Zeiten gemacht.

Wer sich immer noch fragt, warum die bunt angemalte Ödnis der Mainstream-Spiele in vielen Presseerzeugnissen immer noch so gut wegkommt, der mag sich einfach dieses vielleicht nicht unbedingt repäsentative, aber nichts desto trotz erhellende Ergebnis ansehen:

Develops 100 Critics’ Choice

1. Half-life 2
2. BioShock
3. The Legend of Zelda: Ocarina of Time
4. Portal
5. Mass Effect 2

Bioshock und Mass Effect 2 unter den ersten fünf. Bioshock sogar noch vor Portal und Ocarina of Time. Vor Portal und Ocarina of Time. Und Mass Effect 2? Mass Effect 2? Wtf?

Noch Fragen?

Niemand hat die Absicht

Nachdem die Ankündigung eines sog. Season Passes für Bioshock Infinite, wo man vorab (!) Geld für noch nicht erschienenen DLC bezahlen soll, für ungewöhnlich viel Aufregung gesorgt hatte, hat sich Mr. Levine persönlich berufen gefühlt eine Erklärung abzugeben.

DLCs sind keine gekürzten Inhalte

Nein, natürlich nicht. Das sollen nämlich Inhalte sein, die man noch gar nicht erstellt hat. Rausgenommen hat man nur Inhalte, die nicht gut genug waren. Um sie dann später als DLC anzubieten?

Ich weiß, dass anekdotisches “Es kommt mir vor als ob” eigentlich ziemlich haltloses Geschwätz ist. Aber ich weiß, dass ich manchmal ein ziemlich gutes Bauchgefühl habe, wo ich unterschwellig Dinge wahrnehme, die ich erst geraume Zeit später rational und faktisch belegbar begründen kann. Schaut man sich nämlich an, mit welchem Zynismus überall auf solche und ähnliche Aussagen von Publishern und Entwicklern reagiert wird, so gewinne ich den Eindruck, dass das Klima zwischen Anbietern und Kunden immer zerrütteter, immer paranoider wird. Die Kunden bemerken immer öfter, dass sie lediglich mit hohlbirnigem Marketinggeschwätz über den Tisch gezogen werden sollen und die Anbieter begreifen nicht, warum man auf ihre Aussagen so derart zynisch und emotional und sogar hasserfüllt reagieren kann, wie sich letztlich ein Community-Betreuer von Bioware (?) beklagt hatte.

Es herrscht Kommunikationskrieg zwischen den Majors und ihrer Kundschaft. Die Kunden glauben den Anbietern immer weniger, die Anbieter stellen verstört fest, wie ihnen immer öfter zum Teil ungeschminkter Hass entgegentritt. Da mag ein Anbieter Dinge sagen, die vollkommen zu Recht und zu einhundert Prozent der Wahrheit entsprechend und er erntet nur höhnisches Gelächter.  Die Marketinganstrengungen der Majors müssen immer höher gefahren werden, weil die Kunden nicht mehr so bereitwillig kaufen, wie das früher noch der Fall ist. Ergo wird das Marketing immer schriller, immer provozierender, um noch einen Eindruck erzielen zu können. Die Sprechblasen bei Interviews werden immer durchscheinender, wie man dies zB. schön in einem Interview mit dem Creative Director des neuen Sim City merkt, wo es zu den nebulösen Ausschweifungen und der Schönfärberei eines Politikers angesichts unangenehmer Fragen kaum noch einen Unterschied gibt. Der Kunde kann und will folgerichtig nicht mehr unterscheiden zwischen Marketinggefasel und aufrichtigen, “wahrhaftigen” Aussagen. Weil er keine Möglichkeit hat den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu überprüfen. Weil er kein Vertrauen in den Anbieter hat. Weil er davon ausgeht, dass er stets übers Ohr gehauen werden soll.

Die Diskrepanz, die Kluft zwischen den Majors und ihrer Kundschaft wird immer größer. Es findet keine Kommunikation statt, es werden, wenn überhaupt, nur noch heiße Luft und zynisches Gehate ausgetauscht.

Wohin das führt, ist eigentlich klar. Noch größere Marketinganstrengungen, noch mehr psychologische Tricks und Kniffe, um dem Kunden zu Geldausgaben zu bewegen, die er rational gar nicht tätigen will, die er aber tätigen muss, weil doch dieses Spiel da und überhaupt. Und das wiederum führt zu einer noch stärkeren Entfremdung und Distanz zwischen Anbieter und Kunde in einer Branche, die sehr stark davon abhängig ist, dass zwischen Anbieter und Kunde ein positives Band geknüpft ist, weil Spiele rasant an Wert verlieren und dem Anbieter nur dann den angestrebten Gewinn bringen, wenn sie möglichst oft zum vollen Retailpreis gekauft werden. Spiele werden durch diese Distanz, diese Nicht-Kommunikation entwertet. Ein Spiel ist nicht mehr 40 Euro wert, sondern nur noch 20 Euro, weil “die Deppen glauben doch nicht, dass ich deren Dreck für 40 Euro kaufe?”.

Ein Indiz für diesen Wertverlust zeigt die aktuelle Umsatzstatistik der GfK für Deutschland an: Es wurden zwar mehr Spiele im Vergleich zum Vorjahr verkauft, aber es wurde WENIGER Umsatz erzielt.

DLC-Schwemme, Vertrauensverlust, Kommunikationskrieg. Auf Seiten der Kundschaft eine immer größere Ablehnung und auf Seiten der Anbieter eine immer größere Ratlosigkeit, was der Kunde eigentlich in Wirklichkeit haben möchte. Und das im Vorfeld des Startes der nächsten Konsolengeneration, die, ebenfalls ein Bauchgefühl, irgendwie nicht so wirklich sehnsüchtig erwartet wird, wie das früher bei solchen Generationswechseln noch der Fall war.

Das alles sind Anzeichen einer Marktmüdigkeit, die in erster Linie für die Majors ganz fatale Folgen hat.

Nischenanbieter und Indies, die haben dieses Problem (noch) nicht. Dort gibt es (noch) die Aufrichtigkeit, die Wahrhaftigkeit, die Authentizität, die man von einem Anbieter emotionaler “Waren” erwartet. Noch nimmt man Aussagen aus dieser Ecke für bare Münze, noch wird nicht jede Äußerung als dreiste Lüge betrachtet.

Wenn denn eines Tages die heute großen Majors Geschichte sein werden, was wird man als den Hauptgrund betrachten, wegen dem die Sache den Bach runtergegangen ist? Mangelnde Produktqualität? Mangelnde Produktattraktivität? Oder die schlussendlich fatale Entfremdung zwischen Anbieter und Kunden, die dazu führte, dass der Anbieter an seinen potentiellen Abnehmern nur noch vorbei produzierte?

Umzugshinweis für Sammler

Beim Einpacken der Sammlung KEINEN, ich wiederhole, KEINEN Gedanken auf das Sammlerobjekt verschwenden, welches man gerade einpackt.

… muss mich gerade mit Gewalt von diversen Perry-Rhodan-Heften lösen.

Denn im Gegensatz zu Spielen, die ich in den Untiefen der Harzzach’schen Software-Gruft gefunden habe, ist ein Buch ganz schnell aufgeschlagen und ganz schnell überfliegt man die eine oder andere Seite und ehe man sich’s versieht, sind einige Stunden ins Land gegangen. Und dann ist da noch der große Karton mit allen den obskuren SF- und Fantasy-Zeitschriften/Fanzines, die ich mir während der 80er und 90er zugelegt hatte. Ich denke, ich werde hier einfach einen Müllsack drumstülpen und zukleben. Bloß nicht reinschauen! Ja nicht reinschauen! Sonst … ahhhh …

Immerhin habe ich meine alten Jahrgänge “PC Games” und “Gamestar” bereits verpackt und in die hinterste Ecke gestellt. Wobei ich bei Schlagzeilen wie “Gothic 3: der neue Oblivion-Killer aus Deutschland!” (Gamestar) schon schwer mit mir kämpfen musste, um nicht kichernd alte Jahrgänge durchzublättern und auf Previews einstiger Genreperlen zu stoßen, bei denen man auf Basis von Screenshots die unglaublichsten Dinge zusammenfabuliert hat, was wiederum eine ausgemachte Spezialität der frühen PC Games war. Genau deswegen schleife ich die alten Magazine auch mit mir rum, anstatt sie wie die alten Spiegels, ohne mit der Wimper zu zucken, dem Altpapier zu übergeben. Es ist sehr lehrreich und unterhaltsam, wenn man fünfzehn, fast zwanzig Jahre alte Artikel über ein Genre liest, in dem sich die Zeit rasend schnell weitergedreht hat. Hach ja, damals … als Savepoints in PC-Spielen noch zu klaren Punktabzügen in der Wertung geführt haben :)

Nicht mehr zeitgemäß

Es gibt nichts, was beim Studium von Computerspiel-Reviews meine Halsschlagadern mehr zum Pulsieren bringen als die Worte “Nicht mehr zeitgemäß”. Vor allem, wenn sie vom Autoren einfach so in den Raum geworfen werden, ohne genauer zu beschreiben, WAS denn im Vergleich zu anderen Spielen nicht mehr “zeitgemäß” ist und warum andere Spiele im Vergleich zum getesteten Spiel “zeitgemäßer” sind.

Aktuell rollen sich mir beim Lesen der Golem-Review zu “Wolfenstein” die Fußnägel auf. Mehrfach!

Mir persönlich hat “Wolfenstein” aus den üblichen Savepoint/Autoheal-Gründen nicht sonderlich gefallen, aber was hier an arroganter Herablassung zur Graphik des Spieles gesagt wird, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, denn ich hatte Gelegenheit mir das Spiel auf leistungsfähiger Hardware und aktuellster Software-Umgebung anzuschauen. Mir haben hier vor allem die vielen kleinen Effektdetails gefallen, mit denen Querschläger, Laufspuren, Mündungsfeuer, qualmende Läufe, die Auswirkungen des Veil-Effektes oder Vollbildeffekte scharf (!) und ohne (!) die übliche Schmiererei eines Unreal-Engine-Spieles dargestellt werden. SO will ich das haben. Schicke Graphik, ohne dass mir mein Mittelohr einredet, ich müsse jetzt das Mittagessen widerkäuen.

Lange habe ich nicht gespielt, von daher kann ich nichts großartig zum Leveldesign des übrigen Spieles sagen, aber vielleicht findet der Autor Bahnhöfe und Strassenzüge der 40er nicht so sonderlich spannend? So wie ich bei FEAR fast eingeschlafen bin, als man mich SCHON WIEDER durch Containerhäfen, Lagerhallen und einfache Büroräume in faden Gewerbegebieten geschickt hat. Aber ich hätte die Graphik von FEAR niemals als “nicht mehr zeitgemäß” bezeichnet, sondern nur das langweilige Leveldesign angesprochen. Hmmm …

Oder, vielleicht hat der Autor aus Unkenntnis der Materie technische Features, Art Concept und Leveldesign eines Spieles in einen Topf geworfen, kräftig umgerührt, um daraus den Eintopf seines Mißfallens zu kochen? So wie unkundige Amateure oft genug diese drei Aspekte verwechseln und durcheinanderbringen, wenn sie von “schlechter Graphik” reden?

Oder ist der Autor höchstens 8 Jahre alt und kennt ausser den Shootern, die dieses Jahr erschienen sind, sonst nichts anders? Ergeht man sich bei Golem gar der unerlaubten Kinderarbeit?

Ich schaue am Ende des Textes nach einem Namen und finde das Kürzel PS. PS, das steht hier nicht für Post Scriptum, das steht für “Peter Steinlechner“. Ok, jetzt wundert mich nichts mehr. Ich habe mich schon während seiner Tätigkeit bei der Gamestar desöfteren gefagt, was er im Vergleich zu mir denn bitte auf dem Bildschirm zu sehen glaubte. Nicht, dass ich der Meinung wäre, ich hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen, Gott bewahre. Andere Redakteure haben es aber hin und wieder geschafft ZU BEGRÜNDEN, warum sie dieser oder jener Meinung waren.

Nichtsdestotrotz … “nicht mehr zeitgemäß” ist an Nicht-Mehr-Zeitgemäßigkeit nicht mehr zu überbieten. Ein schlampiger, überheblicher Satzfetzen für schlampige, überhebliche UND faule Redakteure. Kurz angespielt, den Pressetext zum Setting kurz umformuliert, die Featureliste zum MP-Mode abgeschrieben, ohne den MP-Mode auch nur zu berühren und den Rest mit vorgefertigten Satzbausteinen aufgefüllt. Super!

Bähh!

PS: ;-)
Ich finde “Wolfenstein” deswegen immer noch nicht gut. Aber den Vorwurf “veralteter” Graphik, den muss sich dieser Titel nun wahrlich nicht gefallen lassen.

Gamer, Blogger, Bauernfänger

Was würdet Ihr davon halten, wenn ein nicht ganz unbekannter Name des deutschen Spielejournalismus sich mit anderen, nicht ganz unbekannten Namen des deutschen Spielejournalimus zusammentut und ein neues Online-Magazin auf die Beine stellt?

Nun, ihr würdet vielleicht sagen, dass ihr Euch schon gefragt hattet, ob diese Namen überhaupt noch unter uns Lebenden weilen und was diese Leute nun so treiben. Ihr würdet vielleicht sagen, dass man sich dieses neue Projekt mal anschauen könnte. Vielleicht taugt es ja was.

Was würdet ihr davon halten, wenn dieses neue Online-Magazin eine starke WebZwoNull-Komponente hat, man nicht nur Meldungen und Artikel kommentieren, sondern sogar selber Inhalte liefern kann?

Nun, Wikipedia ist was feines. Etwas sehr feines sogar. Wenn man etwas in der Art im Spielebereich aufziehen könnte, ein Community-Projekt, frei von den Beeinflussungen der Publisher, das wäre doch was, nicht?

Was würdet ihr davon halten, wenn sich herausstellt, dass dies doch kein Community-Projekt wird, sondern ein kommerzielles Online-Magazin, welches einen nicht unerheblichen Anteil seiner Inhalte von Amateuren ohne Bezahlung beziehen soll, um die Herstellungskosten zu drücken?

Ich weiß nicht, was ihr dazu sagen würdet … ich sage hierzu nur:

Geht’s noch?

Man nehme ein Ranking-System, um naive, dumme Amateure mit Schwanzvergleichsbedürfnis zum Schreiben kostenloser Texte zu animieren. Diese Texte werden dann von professionellen Redakteuren redigiert (weil die Amateure ja nach Aussage von GamersGlobal keine Ahnung vom Texteschreiben haben) und veröffentlicht. Werbeeinnahmen verbleiben natürlich bei den Betreibern der Seite, den Autoren bleibt nur eine Schwanzvergleichspunktzahl und die Illusion, von ehem. Größen der Branche an das Schreiben professioneller Texte herangeführt zu werden.

Nochmals in aller Deutlichkeit: Wer dort mitmacht, verhilft einem kommerziellen (!) Portal zu kostenlosen, redaktionellen Inhalten, die weit, WEIT über die übliche Lesertest-Ecke hinausgehen. Man bekommt dort keinen Cent, man darf sich höchstens einreden, jetzt total superwichtig zu sein. Und was die Urheberschaft an den eingelieferten Texten betrifft, so wird diese nach der redaktionellen Überarbeitung wahrscheinlich bei Gamers Global liegen und nicht mehr bei den eigentlichen Autoren.

Sehr geehrter Herr Langer, vielleicht täusche ich mich auch. Vielleicht haben Sie Ihre Idee nur höchst unglücklich kommuniziert oder die Hälfte der Erklärungen vergessen, so dass ich Ihr Projekt mißverständlich aufgefasst habe. In diesem Falle würde ich mich natürlich entschuldigen, meine Kritikpunkte entsprechend revidieren und Ihnen viel Erfolg wünschen.

Vielleicht täusche ich mich auch nicht und Sie versuchen einfach auf die übliche Praktikannten/Studenten-Tour billig an redaktionelle Inhalte zu kommen, so wie es immer mehr Agenturen und Firmen in diesem Umfeld versuchen, weil der Werbemarkt zusammengebrochen ist und man entweder kein Geld mehr hat oder ganz grundsätzlich nichts investieren, sondern nur schnell abzocken möchte. In diesem Falle wünsche ich Ihrem Projekt dann natürlich den Erfolg, den es so zwangsläufig haben wird: Nämlich gar keinen!

Reviews, wie ich sie mir wünsche

Nicht, dass ich das Online-Portal 4Players für der Weisheit letzten Schluss halte.

Nicht, dass ich zu den sogenannten “Jörg Luibl”-Jüngern zähle, die anbetenderweise an jedem Wort hängen, welches der Großmeister von sich gibt.

Aber …

Aber man lese diese beiden Reviews. Ein Test zu “Die Sims 2: Apartment-Tiere” für den DS und einen Test zu “Stalker – Clear Sky“.

Hier wird nicht rumgepienst und hier wird nicht weichgespült. Hier wird ganz subjektiv und ohne auch nur den Hauch einer Bemühung Konsens erzielen zu wollen, einfach frisch von der Leber abgelästert. So richtig in die Vollen.

YESSS!

Ich weiß, das gefällt dem kleinen Schweinehund in mir. Wenn so richtig auf jegliche politische Korrektheit geschissen wird und der Autor des Artikels die Schleussen seines Herzens weit, weit öffnet und die Finger auf dem Keyboard seinen Gefühlen folgen. Zu sagen, was einem auf die Seele drückt, was man aber sonst aus diversen Gründen runterschluckt und doch die üblichen Huschelkuschelglücksbärchi-Sätze verwendet.

*rotzkotzbrech*

Es gibt eine Zeitschrift, die ich vor einer Weile angefangen habe regelmäßig zu kaufen. Elffreunde. Eine Fußball-Magazin. Dort wird über Fußball so geschrieben, wie ich mir wünsche, dass man über Computerspiele schreibt. Rotzig. Kotzig. Subjektiv. Frech und sich gar nicht bemühend, es irgendjemandem recht zu machen. Mein Lieblingsverein, der Karlsruher SC, wird in diesem Magazin gerne runtergemacht und die Chefredakteure beflügelt eine seltsame Liebe zu Arminia Bielefeld. Gott weiß warum. Ich mag dieses Magazin trotzdem. Oder gerade deswegen. Keine Ahnung. Egal. Was ich eigentlich sagen wollte …

Ich wünsche mir mehr dieser 4Players-Schreibe. Rotzig. Kotzig. Subjektiv. Auch wenn sie Drakensang runtergemacht haben.

Scheiss drauf …

Erwachsen werden

Seit über 30 Jahren sind Videospiele, Computerspiele, elektronische Spiele Teil unseres Alltages. Früher nur eine typische Beschäftigung für Jugendliche, die zuerst in Spielhallen abhingen, dann später ihre Konsole oder den “Brotkasten” zu Hause stehen hatten. Computerspiele waren in der Wahrnehmung der Öffenttlichkeit und im Selbstverständnis der Branche etwas für Kinder und Jugendliche. Etwas, dass diese Kinder und Jugendlichen selbstverständlich hinter sich lassen, wenn sie älter werden.

Nun, Comics sind seit einer geraumen Weile in der Erwachsenenwelt angekommen. Es gibt dedizierte Comics für ein erwachsenes Lesepublikum, Comics werden in Kunsthallen ausgestellt, Comics sind mittlerweile (hauptsächlich ausserhalb der Grenzen des deutschen Sprachraumes) Teil der öffentlich anerkannten “Kultur” geworden. Und zwar nicht, weil “man” dies eines Tages so beschlossen hat, sondern weil Kinder und Jugendliche im Laufe der Zeit NICHT aufgehört haben Comics zu lesen, sondern dies natürlich und selbstverständlich auch als Erwachsene weiterhin getan haben.

Die selbe Entwicklung, etwa 10-15 Jahre versetzt nach meiner Wahrnehmung, erleben nun Computerspiele. Mittlerweile hat es sich zumindest hier und da herumgesprochen, dass Computerspieler im Durchschnitt keine Kinder mehr sind. Angeblich ist der durchschnittliche Computerspieler etwa 30 Jahre alt. Diesem Fakt kann sich auch das etablierte Feuilleton, die erhabenen Wächter über Kunst und Kultur nicht länger entziehen. Bei Telepolis gibt es hierzu einen sehr interessanten Artikel.

Interessant hierbei auch die Erwähnung, dass die sog. Spielepresse natürlich auch “erwachsen” werden muss. Spielekritik sollte nicht länger in der Wertungshölle der typischen 100%-Skala verharren, sondern wirklich eine Kritik, eine Beschäftigung mit dem Spiel und dem Medium werden, anstatt sich nur auf schlichte Kaufempfehlungen mit Stiftung Warentest-Charme zu beschränken, deren angebliche Objektivität auf Grund etlicher Vorfälle in der Vergangenheit immer öfter angezweifelt wird. Dass die Spielepresse (online wie print) immer mehr zum verlängerten Arm der Marketingabteilungen der Publisher wird, ist ja nichts mehr neues.

Jetzt ist es natürlich ein leichtes, auf die phöse, phöse Presse zu schimpfen. Habe ich früher auch gemacht. Ohne große Gewissenbisse übrigens, weil der aktuelle Zustand nur Schelte verdient hat. Dennoch macht man es sich viel zu einfach, wenn man nur mit dem Finger auf DIE Publisher und DIE Presse zeigt. Die ersteren wollen nur verkaufen. Möglichst viel mit möglichst wenig Aufwand. Die letzteren wollen verständlicherweise nur von ihrem Job leben können, ein Sell-Out ist da naheliegend und durchaus verständlich. Also werden wir auch in Zukunft diese typischen 08/15-Spielereviews zu sehen bekommen, in denen brav alle Features aufgelistet, mit ein, zwei Absätzen besprochen, die negativen Dinge (wenn überhaupt) in einen Nebensatz gepackt und zum Schluß im Fazit ein paar wohlwollende Worte verloren werden, während daneben die übliche, Objektivität vortäuschende Prozent-Wertung prangt. Vielleicht sogar zusätzlich ein “Award”, wenn das Spiel besonders “toll” ist.

Nun ist es ja nicht so, dass Journalisten, insbesondere Journalisten im Spielebreich, dumme, inkompetente Vollidioten wären. Zwar gibt es auch dort den üblichen Schnitt an Arschkrampen, doch die Mehrheit wird von Leuten gestellt, die sehr, sehr gerne, wirklich sehr gerne aus diesem seit Jahren etablierten Schema ausbrechen würden. Die gerne reflektierende und interessante Spielekritiken (!) schreiben würden und keine langweiligen, öden, Pseudo-Objektivität vortäuschenden Kaufempfehlungen. Was sie aber nicht dürfen. Nein, nicht weil es ihnen ein Chef-Redakteur oder gar ein immense Anzeigen schaltender Publisher vorschreibt. Sondern weil dies ein Großteil der Leser GENAUSO UND NICHT ANDERS haben möchte.

Immer wieder versucht man bei dieser oder jener Publikation einen Vorstoß, um wenigstens die Prozent-Wertungsskala in den Mülleimer der Geschichte entsorgen zu können. Pustekuchen! Die Mehrheit der Leser fordert vehement eine einfache Übersicht, um sehen zu können, wie “gut” oder “schlecht” ein Spiel ist. Nichts weiter als simple Kaufberatung eines schlichten Konsumproduktes, welches man nach einmaligen Durchspielen schnell wieder vergeßen hat, weil man sich nur ein Jahr später denselben Mist nur in schönerer Verpackung wieder als DAS NEUE DING andrehen lässt. Die Art und Weise, wie hier mit einfachsten Mitteln Hype erzeugt wird, wie hier einfachste Ansprüche befriedigt werden, legt den Schluß nahe, dass ein nicht kleiner Teil der Computerspieler vielleicht körperlich erwachsen geworden ist, in Punkto Computerspiele aber immer noch im Kindergarten steckt.

Es wird immer wieder gefordert, dass man Computerspiele endlich ernst nehmen soll. Dass Computerspiele Teil des Alltags breiter Bevökerungsschichten geworden sind und man sie daher nicht mehr als obskure Randgruppenbeschäftigung ohne Lobby und Einfluß behandeln darf. Das ist alles schön und gut. Dann wird es aber auch so langsam Zeit, dass man selber erwachsen wird.

Zero Punctuation ist zB. eines von vielen Anzeichen, dass dies mittlerweile passiert. Was Ben “Yahtzee” Croshaw hier von sich gibt, das ist nicht einfach nur “Haha, der ist aber lustig!”. Das ist Spielekritik frei von all den Zwängen und Restriktionen der heute immer noch üblichen Kaufberatungen. Das ist Spielekritik! Kritik, wie sie in Literatur, Film, Musik und Theater schon lange, lange üblich sind. Nicht nur eine scheuklappige Beschäftigung mit dem Spiel als solchem in einem ansonsten luftleeren Raum, sondern eine reflektierende und die Umgebung einbeziehende Spielekritik.

Und vielleicht, vielleicht bekommen wir dann eines Tages auch eine “erwachsene” Kritik zu Spielen wie “Call of Duty 4″, die über die naiv-kindliche Begeisterung angesichts der tollen Explosionen hinaus geht, und sich mit dem Spiel im zeitgeschichtlichen und tagesaktuellen Kontext beschäftigt. Vielleicht erleben wir dann auch den Tag, an dem ein Blitzblendvorgauckel-Spiel, welches nur hübsche Optik zu bieten hat, auch entsprechend nur durchschnittliche Wertungen bekommt. So wie es heute schon bei Blitzblendvorgauckel-Filmen gemacht wird, die ausser schicken Effekten eben nicht viel zu bieten haben. Vielleicht gehören Höchstwertungen für einen Graphikblender wie “Crysis” dann endlich der Vergangenheit an?

FUD oder Stille Post?

So mancher wird vielleicht dieses Interview auf Eurogamer.net gelesen haben. Oder die diversen News zu diesem Interview auf Kotaku oder anderen Seiten. In diesem Interview mit Microsofts XNA-Projektleiter Chris Satchell geht es in erster Linie um die Umsetzung dieses Spiele-Devkits für die 360 und zukünftige Pläne.

Manchem wird dabei aufgefallen sein, dass man dieses Interview auf zwei Arten interpretieren kann. Die eine, weniger populäre Interpretation, besagt, dass Mr. Satchell lediglich grundsätzlich auf die Sicherheitsgefahren hinweist, die mit offenem Modding, die mit User Generated Content auf dem zugrunde liegenden Betriebssystem, der zugrundeliegenden Hardware-Plattform Einzug halten können.

Die andere Interpretation, sehr viel populärer, besagt, dass Microsoft mit dem üblichen FUD und Propaganda-Gewäsch die Konkurrenz schlecht aussehen lassen und betonen möchte, wie toll und sicher doch das eigene Produkt, bzw. dass man User Generated Content doch besser nur mit DevKits wie XNA und dem XBOX Live Service anbieten sollte. Weil das ja sicher ist!

Vor allem die letztere Interpretationsvariante wird durch entsprechende Schlagzeilen in den News-Beiträgen stark angeheizt (Wired: Microsoft: Allowing Mods is ‘Inviting Trouble’, Kotaku: Microsoft: Others “Inviting Trouble” By Supporting Mods), so dass man fast schon von verfälschender Darstellung und Fehlinterpretation sprechen könnte. Und studiert man Kommentare und Forenbeiträge, so wird schnell deutlich, wie begierig die große Mehrheit der Leser auf den Zug aufspringt und wahlweise Microsoft alles Schlechte der Welt wünscht oder “nur” dem Software-Riesen aus Redmond eine komplett falsche Produkt-Strategie (Einschränkung von UGC) vorwirft.

Microsoft-Anhänger werden nun zu Recht darauf hinweisen, dass hier zwei, drei Sätze aus dem Zusammenhang gerissen wurden und in das Interview Dinge hineininterpretiert werden, die so da nicht stehen. Das ist soweit richtig, da im ganzen Interview mit keinem Wort erwähnt wird, dass UGC (user generated content), dass Modding grundsätzlich (!) etwas Schlechtes sei. Das steht dort nicht! Aaaaaaaber … :)

… interessant ist dieser Satz:
Any platform that let’s you do that, and doesn’t have the right security measures in place – whether it’s Sony, whether it’s Nintendo, whether it’s Apple, whether it’s anyone – you’re inviting trouble, because sooner or later someone will want to prove they can do it.

Warum ist da nicht die Rede vom eigenen Online-Dienst auf der 360? Wieso ist da nicht die Rede von Windows, welches, abgesehen von seinen eigenen Myriaden an Sicherheitslücken, die es von Werk an gibt, als Betriebssystem für PC-Spiele und seine seit vielen Jahren lebendige und umfangreiche Modding-Szene, diese “Gefahren” relativ glimpflich überstanden hat? Und wieso passt dieser Satz und die Betonung auf “Gefahren” wie die Faust auf’s Auge zur umstrittenen Politik von MS UGC nach Möglichkeit nur als kostenpflichtige Zusatzinhalte zu zulassen? Und warum liegt es förmlich auf der Hand, dass MS, als einziger Anbieter eines kostenpflichtigen Online-Dienstes, das eigene Angebot als “sicher” hinstellt, während die phöse, kostenlose Konkurrenz natürlich unsicher sein MUSS?!

Ich persönlich schließe mich mit meiner Interpretation der Mehrheit an. Keine, durch Stille Post und reisserisch gewählte Schlagzeilen angeheizte Hexenverbrennung, sondern das Entlarven des üblichen, nichts weiter als Marketing darstellenden Kommunikations-FUD.

Das ist aber nicht das eigentliche Thema dieses Beitrages. Man sollte, vor allem bei Newsmeldungen und “Aufregern”, die man so tagtäglich im Netz vorfindet, immer genau hinschauen, wer hier was an welcher Stelle wie gesagt hat. Wenn andere Meinungen und Fakten wirklich nur einen simplen Mausklick entfernt sind, sollte man sich eigentlich nicht mit einer Schlagzeile zufrieden geben, nur weil sie so gut zur eigenen Meinung passt! Trau, schau, wem!

Und jetzt genug mit dem heutigen Wort zum Sonntag. Huschhusch, zurück an die Bildschirme, Controller und Handhelds! Oder wahlweise in die Sonne! Noch ein erholsames Rest-Wochenende wünschend :)

Warum ich noch die Gamestar lese

Als Blogger, sollte man annehmen, sind die etablierten Magazine (ob Print oder Online) mein Erbfeind. Vor allem die Print-Vertreter! Was natürlich Blödsinn ist! Ich mag “professionellen” Journalismus. Ich mag nur keinen Dummschwatz!

Nein, die Gamestar ist alles andere als der Avatar des unbestechlichen, souveränen und kompetenten Spiele-Journalismus. Die Gamestar ist auch nichts weiter als das übliche Stiftung Warentest-Äquivalent im Spielebereich. Will ich Journalismus lesen, gebe ich mir die GEE oder The Escapist. Will ich ungefilterte Meinungen lesen, suche ich Blogs auf. Wie zB. Kotaku oder Antigames. Was will ich also von der Gamestar?

Nein, die Testberichte sind es nicht. Will ich gute Testberichte im Sinne von unterhaltsam, lesbar und spitzig, lesen, gehe ich zu Eurogamer (.net, die englische Ausgabe, NICHT .de, die deutsche Version). Was Testberichte angeht, so verströmen vor allem deutschsprachige, kommerzielle Reviews immer noch zu sehr den Charme eines drögen TÜV-Meßbogens. Vor allem diese unsäglichen Prozentwertungen gehen mir auf den Sack. Test-Urgesteine wie zB. ein Mick Schnelle, dessen Sachverstand und Spiele-Kompetenz ich in keinster Weise anzweifeln möchte, sind zwar felsenfest davon überzeugt, dass man Spielspass-Vergleiche in nüchternen Zahlen ausdrücken kann … aber wie wir alle wissen, ist nicht einmal der Papst unfehlbar.

Ok, was ist es dann? Warum kauft Du immer noch die Gamestar?

Der Grund hierfür liegt nicht unbedingt im den gedruckten Buchstaben, sondern in den kleinen Vertiefungen der beigelegten DVD. Und hier auch nur ein kleiner Teil von. Da gibt es nämlich seit einer ganzen Weile eine feste Rubrik. Den sog. Test-Check! In diesem Test-Check werden in relativer Kürze Titel vorgestellt, die im Heft nur wenig Platz bekommen und auch keinen eigenen Videobeitrag erhalten. Und im Gegensatz zu den Tests der üblichen Hype-Titel, so herrlich angenehm unaufgeregt. Ohne dieses allgegenwärtige Marktgeschreie. Ohne diese zT. unsäglichen Gleichsetzungen von Nicht-Mördergraphik mit “abgrundtief häßlichem, grau-braunen Pixelbrei”, wie es zB. die PC Games bis zum Exzess betrieben hat, die Gamestar-Redakteure aber auch nicht frei von sind. Ich kann nur wiederholen: Die Test-Check-Rubrik ist so überaus entspannend und hypefrei! Auch, weil hier gerne auf Spiele verwiesen wird, die ansonsten im Mainstream-Gebruzzel der üblichen Verdächtigen untergehen.

Und es gibt seit kurzem noch einen zweiten Grund, warum ich für ein Print-Magazin immer noch Geld ausgebe. Der Zehn-Jahresrückblick! Spiele, die vor zehn Jahren in der entsprechenden Monatsausgabe getestet wurden, werden hier launig und extremst subjektiv kommentiert. Da outen sich manche Redakteure ganz offen als Star Wars-Hasser. Oder als Liebhaber kleiner, verhuzzelter Rundenstrategie-Spiele. Oder Männer, die im Gegensatz zu mir eben keine weiblichen Charaktere in Computerspielen spielen wollen. Es ist hier nicht so sehr der Retro-Faktor, der diese Rubrik so attraktiv macht. Es ist der ungefilterte Blick auf den Menschen hinter dem offiziellen Redakteur. Die ungefilterte, vollkommen subjektive Meinung. Der Blick auf das, was hinter der Stirn tatsächlich vorgeht. Frei von sämtlichen kommerziellen Restriktionen und Beschränkungen, die ansonsten den Arbeitsalltag der kommerziellen Magazine bestimmen.

“Professioneller” Journalismus in der Spielebranche ist für mich nicht das Abtippen exklusiver Vorab-Infos. “Professioneller” Journalismus ist für mich (nicht nur) in der Spielebranche in erster Linie Authentizität und Aufrichtigkeit. Es muss mir nicht alles gefallen, ich muss nicht immer einer Meinung sein. Ich muss nur den Eindruck haben, dass hier eigene Meinungen vertreten werden.