Zeitenwandel

Letztlich ist beim heimwärtlichen Commuten der Akku vom Reader ausgegangen, der beim Tolino 4 übrigens verdammt lange hält, weswegen ich auch das Laden vergessen hatte. Doch zurück zum Commuten.

Da saß ich also in der Strassenbahn und richtete meinen Blick nach langen Monaten wieder aus dem Fenster anstatt auf das Reader-Display. Und was erblickten meine müden Augen? Die örtliche Gamestop-Filiale, deren Existenz ich fast schon vergessen und verdrängt hatte. Da habe ich mir in meiner gedanklichen Langweile gedenkt: „Hey, Harzzi-Baby, weisst Du, wo Du schon seit Ewigkeiten nicht mehr warst?“, habe spontan an der nächsten Haltestelle den Wagen verlassen und bin die paar Schritte zurück zu Gamestop gelaufen.

Es war eine Zeitreise zurück in die 90er, als man SELBSTVERSTÄNDLICH Spieleverpackungen aus Karton oder Plastik aus dem Regal geholt und damit zur Kasse gelaufen ist. Weil … dohh, wie soll man denn sonst Spiele kaufen?

Wahnsinn! Spieleverpackungen, die in Regalen stehen.

Ich gestehe in der ersten Minute tatsächlich etwas verwirrt gewesen zu sein. Was denn auch das aufmerksame Verkaufspersonal bemerkt hat und mich umgehend ansprach.

Meine zweite Reaktion war ein Gedanke, den ich zum Glück nicht aussprach: „Mein Kind, was willst Du, die Du meine Tochter sein könntest, von mir? Willst DU mir etwa etwas über Spiele erzählen? Weisst Du nicht, wen Du vor Dir hast, hmmm?“

Als höflicher und eigentlich recht umgänglicher Mensch habe ich diesen Gedanken natürlich nicht ausgesprochen. Die Floskel „Danke, ich schau mich nur mal um!“ kam mir aber auch nicht über die Lippen.

„Ich war schon lange nicht mehr in einem physikalischen Spieleladen!“, habe ich dann gesagt. „Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal ein Spiel auf einem physischem Datenträger gekauft habe. Ich weiß daher auch nicht genau, was ich hier eigentlich möchte.“.

Die junge Dame, noch nicht gebeugt und geknechtet von der Last vieler Lebensjahre, hat deswegen sehr pfiffig reagieren können und meinte kurzentschlossen, dass sie mich einfach rumführt, vielleicht finde ich ja etwas, damit sich mein Besuch rentiert. Nun … warum nicht? Wann hatte ich das letzte Mal eine persönliche Führung durch einen Videospieleladen? Genau, noch nie 🙂

Von der kleinen Ecke, wo 3DS und DS-Module hingen, ging es über die XBOX-, die Playstation-Abschnitte zu einem größeren Berg von Switch-Verpackungen. Angeblich alles schon verkauft, ich müsse vorbestellen (natürlich muss ich vorbestellen, weil man mir nur so zusätzliche Dienstleistungen aufschwatzen kann).

Es folgte eine sehr kümmerliche Auswahl von PC-Spielen. Nichts, aber auch gar nichts aus dieser Ecke hätte ich haben wollen. So wie ich schon aus den vorherigen Abschnitten nichts haben wollte.

Doch dann, dann kamen wir beim Merchandising vorbei. Nicht, dass ich nicht wüsste, dass es solchen Krempel haufenweise gibt, aber diese ca. handspannengroße Figur aus „Bloodborne“, neben Kerrigan (?) und noch ein paar anderen Ultrabrutal-Metzelgeschnetzel-Figuren, die sah schon recht eindrucksvoll aus. Vielleicht im Wohnzimmer neben die Collectors Edition-Kartons? Nahhh, quatsch! Auch die niedlichen Anime-Damen, die es in diversen Posen und Kostümen zu bestaunen gab, würden nicht gerade auf Gegenliebe stoßen. Zudem würde mir, ab der ersten Sekunde nach dem Aufstellen solcher Figuren zu Hause, schon selber die Frage durch den Kopf schiessen, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Die nette Verkäuferin, meine Seelenpein wahrnehmend, goß noch Öl ins Feuer, in dem sie zuckersüß verlautbarte, dass man ja noch mehr Figuren bestellen und liefern könnte und manche Figuren schon sehr selten seien und man bei Interesse doch schnell zugreifen solle.

Ha! Teufelin!! Nicht mir mir, übler Dämon und Seelenverführer!

Standhaft bleibend bedankte ich mich bei ihr, wünschte ihr noch einen schönen Abend und verließ den Laden, mit Sicherheit verfolgt von einem entnervten Kopfschütteln und diversen mentalen Stinkefingern.

Ich weiß nicht wirklich, was ich glaubte dort anzutreffen. Spiele? Spiele gab es dort schon, aber halt nur der übliche Massenmarkt-Mainstream-Rotz, den man an Eltern und junge Leute verkauft, die zwischen Schule und Fußball-Training was Zocken wollen. Was ja in Ordnung ist, wenn man die eigene Baggage ruhigstellen muss und zwischen Schule und Fußball-Training nur sinnlos die Wand anstarren kann. NATÜRLICH gab es dort keine Spiele mehr für meinen absonderlichen, eingebildeten, pseudo-elitären Hipster-Geschmack. Ich bin in solchen Läden kein Kunde mehr, gleichgültig wie viele Kerrigan-Figurinen man ins Schaufenster stellen wird. Ich bin nicht mehr Spiele-Käufer, sondern Lizenz-Käufer. Ich erwerbe Nutzungslizenzen, keine Spiele mehr.

Von daher war das insofern ein faszinierendes Erlebnis, weil mir immer noch nicht klar ist … bin ich hier das Relikt oder ist es Gamestop?

Classy

Normalerweise kann ich mit dem kulturellen Phänomen von Let’s Plays und schnappatmenden Jungspunden, die voller Energie und Leidenschaft und oft genug in direkt umgekehrt proportionalem Verhältnis zu ihrem Wissen über Videospiele im Allgemeinen wie im Besonderen ihre Videos produzieren, nur wenig anfangen.

Sonderlich stören tut mich das aber auch nicht, weil … äh, wieso sollte es?

Von daher ignoriere ich der Einfachheit halber diesen Bereich unseres umfangreichen Hobbies. Bis auf die wenigen Ausnahmen, welche üblicherweise die Regel bestätigen. Keine Regel ohne Ausnahme und wenn eine Regel keine Ausnahme kennt, ist es logischerweise keine Regel 🙂

Eine dieser Ausnahmen ist Jim Fucking Sterling Son, Jim Sterling. Seines Zeichens lang gedienter Spiele-Journalist, Ex-Redaktionsleiter bei Destructoid, Freelancer für The Escapist und Kämpfer für eine bessere, schönere Spielewelt. Wider die Gier und Skrupellosigkeit der großen Majors, wider die Gier und schier unfassbare Inkompetenz kleingeistiger Küchentisch-Entwickler, für gute Spiele und faire Anbieter.

Jim Sterling befand sich seit über einem Jahr in juristischen Auseinandersetzungen mit einem Indie-Entwickler, der sein kümmerliches Brot damit verdient hatte billig zusammengeschluderte, abscheuliche Asset-Flips auf Steam einzustellen, deren Qualität in direkt umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Streitlust und Unfähigkeit mit Kritik umzugehen, einher ging. „Ging“, weil Valve alle Spiele dieses Entwicklers aus dem Katalog entfernt hatte, nachdem der Entwickler meinte über 100 Steam-User verklagen zu müssen, die sich erdreistet hatten selbigen Entwickler für seine abscheulichen, greuslichen Asset-Flips zu kritisieren.

Der Rechtsstreit Romine (so heisst der Entwickler) vs. Jim Stanton (das ist Herr Sterlings bürgerlicher Name) ist gestern aussergerichtlich beigelegt worden. Der Kläger nimmt alle Vorwürfe zurück und verpflichtet sich, diese Vorwürfe auch nicht mehr in einem anderen Kontext gegen den Angeklagten vorzubringen.

Das ist ein Grund zur Freude, weil es nicht angehen kann, dass schmierlappige, charakterlich unterentwickelte Entwickler meinen mit der juristischen Keule jedwede Kritik an ihren üblen Machwerken kleinhalten zu können.

Aber weil Jim Fucking Sterling Son das hat, was viele seiner Branchen-Kollegen nicht haben, nämlich Class & Style, zelebriert er in seiner Stellungnahme zum Ende der Rechtsstreitigkeit keinen Freudentanz inklusive Häme und Schadenfreude in Richtung des Klägers, sondern … ja, lest es selbst:

A Statement Regarding Romine v. Stanton’s Dismissal With Prejudice

Thank God for him!

Das Spielejahr 2016

Eigentlich … eigentlich war das bald ablaufende Jahr 2016 ein gutes Spielejahr aus meiner ganz subjektiven Perspektive. Ich steigere mich sogar zu der Behauptung, dass 2016 das mit Abstand beste Spielejahr ist/war, seit ich vor bald zehn Jahren dieses Blog begonnen habe.

Warum eigentlich? 2016 hat erneut, mal wieder, wenig überraschend jede Menge übles Zeugs in der Spielebranche stattgefunden. Die Majors treiben es immer wüster und haben mittlerweile kein Problem damit Vollpreisspiele nachträglich oder gleich zum Release mit Mikrotransaktionen und Ingame-Shops vollzustopfen, weil die Kundschaft offenbar damit kein Problem hat. Oder nicht genug, weil bevor man auf das neue Lieblingsspiel verzichtet, beisst man doch lieber die Zähne zusammen und lässt sich duldsam mit einem rostigen Nagelstock gesäßpenetrieren.Weil die Wundsalbe für danach, die kann man ja als Vorbesteller-Extra beim Erwerb des Season Pass bekommen, nicht?

Emotionale Abhängigkeit is a bitch und hat auch 2016 nichts von ihrer fatalen Wirkung verloren.

Warner Brothers haben 2016 EA und sogar Ubisoft den Rang als Shittiest Publisher abgelaufen. Zuerst lässt man willentlich auf die Kunden eine PC-Version von Arkham Knight los, für welche die Tags „unfertig“ und „miserabel portiert“ noch vie zu höflich wären. Dann, nach einem richtig fetten Shitstorm, zieht man das Teil endlich aus dem Verkauf, veröffentlicht es einige Monate später erneut … mit nur marginalen Verbesserungen. Die PC-Version ist wohl weiterhin auf technischer Ebene broken by design zu sein. Nichtsdestotrotz stürmt das Arkham Knight-Rerelease kurzeitig die Steam-Verkaufscharts, weil sogar die Herrenrasse an emotionaler Abhängigkeit, gallopierender Vergesslichkeit und einem ausgeprägten Blitzblendvorgaukelreinfall-Syndrom leidet. Von daher wundert es auch gar nicht, wenn Warner Brothers überhaupt keinen Bock hat die technisch höchst unzulängliche PC-Version von Mortal Combat X entsprechend zu fixen und lieber tonnenweise DLC dafür anbieten möchte. Weil … man kann es mit den Leuten ja machen, weil die Leute größtenteils dumme, lernresistente Hohlfritten sind, die man noch leichter am Nasenring durch die Gegend ziehen kann als ein kleines, verängstigtes Schaf.

Übrigens ein durchgängiges Leitmotiv für das bald abgelaufene Jahr … doch zurück in den Spielebereich, hehe.

Höchst faszinierend war eine Graphik, die Ende November von Mr. Steamspy aka Sergey Galyonkin veröffentlich wurde:

Holy crap, Batman! Dieses enorme Wachstum, die Flut an Sturgeon’schem Ausschuß nicht besorgniserregend zu finden, setzt entweder große Wissenslücken in grundlegenden volkswirtschaftlichen Prinzipien voraus (was nicht schlimm ist) oder bewusstes Ignorieren des Umstandes, DASS DAS DA, vor allem im Lichte der Weigerung seitens Valve endlich eine vernünftige Qualitätssicherung einzuführen, kein gutes Ende nehmen kann. Kein gutes Ende für Valve. Kein gutes Ende für gute (!) Indies, die über Steam den Großteil ihres Umsatzes bestreiten und angesichts dieser schier unfassbaren Masse immer weniger gefunden werden. Kein gutes Ende für Leute, die viel Geld in Mietsoftware gesteckt haben, ohne entsprechende DRM-freie Sicherungen anzulegen.

Im diesen Zusammenhang möchte ich eine der guten Sache erwähnen, die 2016 passiert sind:

  • GOG Connect:
    Mit dem Steam-Account verbinden lassen und PRESTO! verfügt man ganz offiziell und legal über DRM-freie Versionen ausgewählter Titel, die man bereits im Steam-Konto hatte.

Erwähnenswert finde ich im negativen Kontext noch die Releasepolitik von EA. Gut, nicht für mich und den Rest der Menschheit negativ, aber wäre ich ein Angestellter von Respawn, ich würde nach Neujahr anfangen mich nach einem neuen Job umzusehen. Weil, haha, Verschwörungstheorie, EA offenbar ganz bewusst Respawn ruinieren will, um dann aus der Insolvenzmasse die Rechte an Titanfall herauskaufen zu können. Sicher, man könnte auch sagen, dass bei EA Vollidioten arbeiten, die meinten, es sei eine schlaue Idee den Nachfolger des als MP-Shooter etablierten Titanfall direkt nach dem alle Schlagzeilen dominierenden MP-Shooter Battlefield 1 zu veröffentlichen. Der EBENFALLS bei EA erschienen ist. Aber ich will nicht annehmen müssen, dass bei EA die Führungsetage, die solche Grundsatzentscheidungen trifft, aus Vollidioten besteht. Der Vorstand solcher international agierender Konzerne mit jährlichen Umsätzen in Höhe einiger Milliarden Dollar besteht doch ganz bestimmt aus gewieften Geschäftsleuten, die jeden Tag mindestens drei diabolische Welteroberungspläne beschliessen, oder? Oder nicht? Nun, Ockham Rasiermesser lässt nur einen Schluss zu 🙂

Im Gegensatz zu früheren Jahren reibe ich mich an solchen negativen Geschichten aber nicht mehr auf. Ich habe gelernt mich entweder darüber königlich zu amüsieren oder es nach kurzem Kopfschütteln zu ignorieren, so es mich nicht betrifft. PAL, das Problem Anderer Leute, ist immer mehr zum Leitmotiv geworden. Was aber nur heisst, dass ich mich über ein gewisses Maß hinaus nicht mehr mit den Problemen anderer Leute belaste und sie zu meinen eigenen mache. Und nicht, dass ich gänzlich die Augen vor allem verschliesse, was nicht unmittelbar vor der eigenen Nasenspitze stattfindet.

2016 ist für mich ein tolles Spielejahr, weil folgende Dinge passiert sind:

  • „Battletech“ von Harebrained Schemes:
    Ein erfolgreicher Kickstarter plus zusätzlich nach aktuellem Stand über 300k durch die weiterhin offen stehenden LateBacker-Zahlmöglichkeit plus eine phantastisches Alpha-Gameplay-Video lassen mein Herz höher schlagen. Und zwar nicht, weil ich als Battletech-Fanboy blind alles bejubele, was auf zwei myomermuskelbepackten Laufbeinen über das Schlachtfeld stapft, sondern weil der Entwickler mehrfach (!) in den letzten Jahren bewiesen hat, dass er lizensierte Settings respektiert und nicht nur ankündigen, sondern auch liefern kann.
  • „Shadow Warrior 2“ von Flying Wild Hog:
    Ein Shooter, so gänzlich und durch und durch nach meinem Herzen. Ich herze SW2. Sehr! Deswegen muss ich auch gar nicht viel dazu sagen. Nur lieben!
  • „Grim Dawn“ von Crate Entertainment:
    Innerhalb kürzester Zeit hat sich „Grim Dawn“ an die Spitze meiner persönlichen „Schau, wie Du Dein Leben an Videospiele vergeudest“-Chart gesetzt und dominiert dort alles, was ich im Laufe von über 8 Jahren jemals über den Steam-Client an Playtime „erzeugt“ habe. Satte 269 Stunden. Was einen Grund hat. Der Grund lautet: Grim Dawn ist für mich das derzeit beste Hack & Slay, was wo geben tut. Da stimmt (fast) alles. Der Perfektion ganz gefährlich nahe. Großartig.
  • Das Hack & Slay Genre von allen:
    Hacken und Schlachten. Looten und Leveln. Aber dieses Jahr so richtig viel davon. Weil dieses Genre quicklebendig ist und zum Glück nie Gefahr lief ein glattgebügelter Mainstream-Zombie zu werden, nie das Schicksal des Egoshooters teilte. Grim Dawn als neuer Titel. Titan Quest bekam mit der Anniversary Edition eine erneuerte und verbesserte Neuauflage. Ich habe mich wieder dem gepflegten Irrsinn eines Sacred 2 hingegeben. Torchlight 2 wurde einer größeren Modding-Kur unterworfen. Selbst ein Diablo 3 RoS hat endlich Gnade vor meinen Augen gefunden. Hacken und Schlachten. Mehr, MEHR!
  • Brutal Doom von Sergeant_Mark_IV:
    Ja, mehr von allem. Mehr Pixelblut, mehr Pixelgedärme, mehr Finishing Moves und mehr von einer endgeilen neuen Kampagne mit 30 Maps. Als „Brutal Doom“ in der rundumerneuerten Version 2.0 gleich zu Beginn des Jahres erschien, habe ich mich wochenlang mit nichts anderem beschäftigt. Die neue Kampagne, die alten Maps von id Software, neue User-Maps. Alles wurde mit „Brutal Doom“ versehen. Dann wurden Mods für den Mod ausprobiert. Neue Waffen mit NOCH FETTEREN Sounds. Neue Marine-Voiceovers. Neuer Soundtrack. Und seit ein paar Wochen gibt es immer wieder ein paar Minuten mit „Brutal Doom 64„, wo man dem PC-Nachbau der N64-Version eine modifizierte BrutalDoom-Behandlung unterzieht. Mod des Jahres! Nein, stop …
  • Enderal von Sure.AI:
    DAS HIER, DAS HIER IST MOD DES JAHRES 2016!!!! Andernorts werden solche Projekte mit Millionenaufwand produziert und entsprechend massenmarkt-mäßig verkauft. Sure.AI verschenkt solche Projekte als kostenlosen Mod. So wie Enderal, wo man auf der Basis von Skyrim wieder ein vollkommen eigenständiges Spiel mit den üblichen Containerschiffen voller Leidenschaft, Detailwahn und Herzblut erstellt hat. Und damit nicht genug, wurde jetzt ein DLC (ich traue mich kam dieses schmutzige Wort für dieses Werk der Liebe zu verwenden) zum Mod angekündigt, der mehr Umfang bieten soll als so manches Vollpreis-RPG.
  • WoW Legion von Blizzard:
    wut? Was macht das hier?
    Was das hier macht? Das macht Sinn hier! „Legion“ ist der Grund, warum ich derzeit wieder WoW spiele. „Legion“ zeigt, dass Blizzard WoW nicht kampflos in den nächsten Jahren ausdümpeln lässt. Mit einem irrsinnigem Aufwand wurden hier Tonnen von neuen Inhalten geschaffen, es wurde aus den Fehlern des Vorgängers gelernt. Vor allem ich als PvE-Spieler bin schwer begeistert. Es gibt viele richtig, RICHTIG gute Questreihen und wenn man glaubt, dass man das Ende der Storyprogressions-Level-Fahnenstange erreicht hat, fängt es bei „Legion“ erst so richtig mit PvE an. Grind gibt es nicht mehr. WoW war eh schon sehr frei vom typischen Galeerensklaven-Gameplay asiatischer MMOs, Legion ist der Höhepunkt dieser Entwicklung. Denn gerade durch den Umstand, dass es nach Erreichen des Maxlevels das PvE-Spiel erst richtig anfängt, löst man sich gedanklich immer mehr vom typischen „Ich muss noch 240 NPCs killen oder 719 Brote backen, damit ich den nächsten Level erreiche“. Man beschäftigt sich immer weniger mit der üblichen MMO-Zahlenmühle, sondern konzentriert sich mehr auf die Geschichte, die Landschaft, das Spiel selbst. Laune. Viel!
  • Crowdfunding von allen Bäckern und Backern:
    Crowdfunding wurde auch dieses Jahr totgesagt, zu Grabe getragen und erfreut sich bester Gesundheit. Crowdfunding ist nicht mehr dieses obskure Ding, unter dem sich niemand etwas vorstellen kann, sondern ein etabliertes und valides Finanzierungsmodell. Hier geht nix mehr weg, hier bricht nix mehr zusammen. Crowdfunding bleibt. Und sorgt jedes Jahr für die Realisierung einer ganzen Reihe von Projekten, die sonst nie das Licht der Welt erblicken könnten. Große Projekte, kleine Projekte. Gescheiterte Projekte, erfolgreich abgeschlossene Projekte. Gauner und seriöse Entwickler, Chaoten und Vollprofis buhlen um unser Geld. Welches wir selbstverständlich, als die aufgeklärten und vernünftigen Backer, die wir sind, nach intensiven Due Dilligence-Prüfungen natürlich nur in Projekte stecken, die unser Geld verdient haben ;-P
  • Tyranny von Obsidian:
    Und zum Schluß das dritte crowdfinanzierte (doch nicht so wirklich crowdfinanzierte) Projekt, welches mein Spielejahr 2016 zu einem guten Spielejahr gemacht hat. „Tyranny“ ist meines Erachtens eines der wenigen Spiele, die mir als Spieler die Ambivalenz des Bösen, die manchmal so leichte Austauschbarkeit mit dem Guten erstklassig nähergebracht hat. Das ist nicht einfach nur ein simples Hochzählen von Werten auf einer Gut/Böse-Skala. Das ist nicht einfach nur ein simples Abklicken von klar als „gut“ oder „böse“ markierten Dialogoptionen, so dass ich als Spieler möglichst NICHT denken muss. Tyranny ist kein Bioware-Spiel. Tyranny ist deswegen auch kein Spiel für den Feierabend. Es gibt nicht DEN bösen Pfad, nicht DEN guten Pfad. Es gibt nur den Pfad der eigenen Entscheidung. Und die Folgen, die meinen Entscheidungen folgen. Die manchmal nutzbringend ausfallen können. Die manchmal lästig sein können. Die manchmal auch ziemlich übel ausfallen können. Es gibt nicht DEN idealen Pfad, es gibt nur meinen Pfad. Tyranny ist eines der wenigen Rollenspiele, wo es tatsächlich Rolle spielt, welche Rolle ich spiele. Mehr davon. Auch wenn ich nur selten die Muße dazu habe, aber mehr davon, bitte. DAS ist Weiterentwicklung und Innovation. DAS ist interaktives Geschichtenerleben und -gestalten, wie es sein sollte.

Wenn ich noch ein wenig nachdenke, gibt es mit Sicherheit noch den einen oder anderen Punkt, der mir dieses Jahr angenehm aufgefallen ist. Das war ein gutes Spielejahr! Ein richtig gutes Spielejahr.

Es bleibt schwierig …

Idee für ein geiles Cosplay-Outfit?

Check!

Muße, Geld und Handfertigkeit für ein geiles Cosplay-Outfit?

Check!

Selber den nötigen Bodytype/die Visage für das ausgesuchte Cosplay-Outfit aufweisend oder ein passendes Modell für das Outfit finden können?

Check!

Beim von Videospielen überhaupt keinen Schimmer habenden Barista einen Kaffee bestellen?

gerald_fon_riewah

Check!

Eben auf Kotaku.com gefunden.

Mühselig einen lautstarken Feierabend-Lachanfall unterdrückend …

Lehrgeld

Bedauere, höchstehrenwerte Shadow Warrior-Nichtmöger! Auch wenn SW2 natürlich nicht perfekt ist, es bietet mir weiterhin gar feine Unterhaltung. Obwohl ich schon merke, dass 100% handgemachte Level derzeit immer noch jeden Versuch prozeduraler Levelerstellung schlagen.

Nein, auch möchte ich nicht darüber berichten, wie ich diese Woche beinahe meinen Kampf gegen den Erwerb von Civilization 6 verloren habe. Natürlich werde ich Civilization 6 eines Tages spielen, aber doch nicht jetzt (abwarten, informieren, erst DANN kaufen) und schon gar nicht für 60 Euro. 60 € für Daten, die für Gestehungskosten von nahezu Null auf Knopfdruck unendlich dupliziert und für vernachlässigbare Kosten auf Knopfdruck ratzfatz weltweit verteilt werden können? Fick die Neupreise auf Steam!

Nein, heute will ich über eine prägende Spiele-Erfahrung berichten, die man nur als „Die Vertreibung aus dem Paradies“ bezeichnen kann. Der Beginn einer Entwicklung, die viele Jahre später dazu führte, dass ich selbst großen Versuchungen (zumindest im Spielebereich 🙂 ) widerstehen kann.

Diese Erfahrung habe ich im Jahr 1994 gemacht. Vor 22 Jahren. Bald ein Vierteljahrhundert her. Wenn ich mir das bewusst mache, werde ich immer ein wenig gnädiger und nachsichtiger mit Menschen, die in steter Regelmäßigkeit willenlos nicht nur auf die Versprechungen der Videospielindustrie hereinfallen. Es braucht einfach eine Weile, bis man sich bestimmte Verhaltensweisen angeeignet hat, bis der rationale Denkprozess „Muss das jetzt unter diesen Rahmenbedingungen sein?“ das rein emotionale „HABEN WILL! JETZT!“ dominieren kann und nicht umgekehrt. Bis man sich der Dinge und ihrer Einflüsse bewusst ist, die einen tagtäglich umgeben und bewusst entscheiden kann, in welchem Maße welcher Einfluss wirken darf und welcher Einfluss rigoros abgeblockt wird.

Bis dahin muss man aber Lehrgeld bezahlen. Denn Lernen ist kein sofortiges, binäres Ereignis, sondern ein Prozess. Der dauern kann.

Das erste Lehrgeld in Sachen „Bist Du Dir sicher, dass Du dieses Spiel jetzt haben, bzw. überhaupt haben musst?“ habe ich, wie bereits gesagt, vor etwa 22 Jahren gemacht.

1994 habe ich mich stolzer Besitzer eines DoubleSpeed-CD-ROM-Laufwerks nennen dürfen. Mein erstes CD-ROM-Spiel war Doom 2. Hrmpf! Nicht *hrmpf* bezogen auf Doom 2, dessen Großartigkeit auch heute noch die Spielelandschaft überstrahlt, sondern *hrmpf* in Bezug auf 640 MB Speicherkapazität. Und mein erstes Spiel auf diesem neuen Medium ist ein Spiel ohne Multimedia-Schnickschnack, welches auf der Festplatte ca. 20 (?) MB belegt hatte. Zwar war es schon toll, nicht mehr gefühlt Hunderte von Disketten durch die Gegend zu jonglieren, aber da geht doch noch was, nicht?

Und ob da was geht! Mein zweites Spiel auf CD-ROM war nämlich „Rebel Assault„. Legendäres Rebel Assault!

rebel-assault-dos-front-cover

Multimedia-Extravaganza mit Tie Fightern, X-Wings und Sternzerstörern.

Star Wars in gefühlter Kinoqualität (!) für den heimischen Rechenknecht zu Zeiten, in denen VGA mit 320x200x256 die Regel und SVGA mit 800x600x16 die Ausnahme war. Deswegen natürlich viel tollerer und besserer und schönerer als „X-Wing„, welches mich nur ein Jahr zuvor weggeblasen hatte.

rebel-assault-dos-03rebel-assault-dos-01rebel-assault-dos-02

Und weil man mich damals noch ziemlich einfach wegblasen konnte, war das „Rebel Assault“ ein Traum, der einfach zur Erfüllung gebracht werden musste. Ich mein, schaut Euch mal die Graphik an? Keine blöden Polygone, sondern Filmsequenzen. ORIGINALE FILMSEQUENZEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! *röchel*

Dementsprechend gab es auch jubilierende Tests von nicht minder berauschten Redakteuren. “Rebel Assault” war Multimedia-Gott und Multimedia war der neue Götze der Unterhaltungswelt zu Beginn der 90er. Niemals, auch nicht einmal ansatzweise, kam mir der Gedanke, dass “Rebel Assault” vielleicht doch nicht so toll sein könnte. Diese Möglichkeit passte einfach nicht in meine damalige gedankliche Welt. Multimedia war toll, Star Wars war toll, CD-ROM-Spiele waren toll und die Kritiken in PC Games und Power Play waren Leuchttürme der journalistischen Unbestechlichkeit und Objektivität. Wenn da ein Redakteur sagte, dass Spiel X toll ist, dann war Spiel X toll. Keine Diskussion!

Und so kam es, dass ich für meine damaligen Verhältnisse nicht wenig Geld zur Hand nahm, in den örtlichen Karstadt latschte (als dieser noch eine eigene Software/Spieleabteilung hatte) und jenes nicht wenige Geld für “Rebel Assault” auf den Tisch legte. Yay!

Yay my ass! Ein zwar optisch unglaublich aufgebretzelter, aber technisch miserabler und spielerisch sehr dünner Rail-Shooter, dem es dennoch gelang mit StarWars-Lackierung Leute wie mich davon zu überzeugen, das geilste Spiel seit der Erfindung geschnittenen Brotes vor sich zu haben.

Nach einem Tag mühseligen Rumgewürges hatte ich endlich das Ende der ersten Story-Mission erreicht, nachdem ich zuvor Stunden damit verbracht hatte im “Tutorial” mit meiner T-16 NICHT ständig gegen Canyon-Wände zu fliegen. Das Spiel mit der Tastatur richtig zu steuern war fast nicht möglich, das Spiel mit dem Joystick zu steuern war fast nicht möglich. Die Steuerung war ein Graus. Und das ist noch höflich umschrieben. Schwammig, unpräzise, mit gerade in einem Action-Spiel fatalen Verzögerungen, manchmal wurden Joystick-Bewegung oder Tastendruck überhaupt nicht erkannt. Jeder heutige miese Konsolenport ist ein Ausbund an kristallklarer Präzision gegenüber diesem Dreck!

Noch Wochen später war ich nicht über die zweite Story-Mission hinausgekommen. Weil es nicht ging. Ständig knallte mein A-Wing gegen Hindernisse, die zwar klar als Hindernis erkennbar waren, deren Umfliegen auf Grund der ungenauen und schwammigen Steuerung eine extreme Prüfung meiner Frustrationstoleranz war. Eine Prüfung, der ich nach einem letzten Versuch überdeutlich den Stinkefinger gezeigt hatte. Indem ich den Joystick, der das gefühlt am wenigsten schlimme Steuerungsmittel war, ansatzlos in Richtung Bildschirm geworfen habe. Zum Glück für den Bildschirm und den Joystick wurde nur der Monitorrahmen getroffen. Nicht einmal hier konnte ich richtig zielen. Ich habe das Spiel danach vergraben. In meiner Erinnerung und in meiner Software-Gruft. Seit etwa 22 Jahren liegt da ein Karton im Regal, den ich das letzte Mal beim Umzug angefasst hatte. Ich habe “Rebel Assault” seit 22 Jahren nicht wieder gespielt und werde das auch nicht mehr tun, so lange ich auf diesem Erdenball verweilen werde.

Warum habe ich überhaupt so lange ausgeharrt? Wieso bin ich nicht am nächsten Tag zurück in den Karstadt und habe mein Geld zurückgefordert? Das wäre sogar recht gut gegangen, weil a) ich mit meinen Spielen pfleglich umgehe und b) der eine Verkäufer in der Abteilung sehr kulant war. Nun, die Gründe sind einfach zu benennen:

  1. Star Wars. Damals war ich noch ein beinharter 3000%-Fan dieses Franchises. ALLES, was mit Star Wars zu tun hatte war geil. Gut, bis auf Bettwäsche und anderer sinnloser Merchandise. Aber Filme, Bücher, Spiele? ALLES!
  2. Multimedia. *blitzblendvorgaukel* M-U-L-T-I-M-E-D-I-A! *noch mehr blitzend blendende vorgaukelei*
  3. LucasArts. Alle Spiele, die mir damals von LucasArts bekannt waren, waren erstklassig. Maniac Mansion. Zak McKracken. The Last Crusade. Finest Hour. Loom. Secret of Monkey Island 1& 2. Secret Weapons of the Luftwaffe. Fate of Atlantis. Day of the Tentacle. Sam & Max. X-Wing. Wie konnte “Rebel Assault” denn anders sein als nicht ebenfalls erstklassig? Hmmm? Wie?

Sprich, ich habe mir über Wochen erfolgreich einreden können, dass nicht das Spiel hemmungslose Grütze war, sondern ich einfach nicht gut genug für das Spiel war. Selbst als ich “Rebel Assault” endlich aufgegeben hatte, konnte ich mir selbst gegenüber nicht eingestehen, einer Mogelpackung aufgesessen zu sein. Man hat mich erfolgreich über den Tisch gezogen. Nicht nur, dass ich all die tollen Zwischensequenzen und Spielgraphik der nächsten 50 Minuten nie zu Gesicht bekam, wegen denen ich mir den Titel eigentlich gekauft hatte. Die 100 DM, die ich damals aus dem Geldbeutel gezogen habe, die haben mir RICHTIG weh getan. Das war VERDAMMT VIEL GELD! Für den Arsch. Komplett für den Arsch! LucasArts hat mich verarscht. Die Spielemagazine haben mich verarscht. Ich habe mich selber verarscht. Die Heilige Triade der Umsatzmaximierung. Geld für unbenutzbare Scheisse, die einem als goldene Eier legendes Huhn angepriesen wird, nicht nur verlangen, sondern auch BEKOMMEN!!!

Es hat eine Weile gebraucht, um dies zu realisieren. Und daraus zu lernen.

  1. Hype … ist shice.
  2. Spiele ohne Infos blind zum Vollpreis kaufen … ist shice!
  3. Spielen, bzw. Firmen grobe Fehler & Mängel zu vergeben, weil man auf Grund emotionaler Abhängigkeit sich lieber mit rostigen Nagelstöcken gesäßpenetrieren lässt … ist shice!!
  4. “Fan” sein ist keine Rechtfertigung seinen gottgegebenen Verstand mit dem Badewasser in die Kanalisation zu kippen. Vor allem, wenn man “Fan” eines Kommerz-Produktes ist, wo es nicht darauf ankommt, Dich als Fan zu bespassen, sondern nur darauf, dass Du als Fan ablatzt, was das Konto nur so hergibt.

Aber ich will mich nicht beschweren. Ich habe daraus gelernt.

Andere hingegen scheinen immer noch die naive Glückseligkeit einer Traumblase zu bevorzugen, wo alles toll ist, weil nichts nicht toll sein darf!

Christian Schneider von der Gamestar in einer Kolumne vom letzten Jahr:

“Star Wars: Rebel Assault war 1993 unfair, ließ sich miserabel steuern und bot nur eine Stunde an Spielinhalten – zum Vollpreis. Und trotzdem: Fans und Kritiker liebten den Rail-Shooter. Heute wäre das wohl leider undenkbar, glaubt Christian Schneider.”

“Ich fürchte, dass das Medium Spiel schon zu etabliert und abgeklärt ist, um nochmal eine dermaßen verklärte Euphorie zu beschwören. Vielleicht geht es aber jüngeren Spielern, die nicht die Erfahrung von über 30 Jahren Spielegeschichte mitschleppen, heute doch noch manchmal so. Ich würde es ihnen wünschen. Schließlich muss es doch Liebe sein, wenn man gegen jede Vernunft wie Feuer und Flamme für ein Spiel ist. Und so geht es mir bei Rebel Assault – zum Glück.”

*facepalm*

Da hat jemand noch eine ganz bestimmte Reise vor sich. So er sie denn überhaupt unternehmen möchte …

Wie soll man mit ihnen umgehen?

Ich behaupte, dass so ziemlich jeder hier letzte Woche neben den sonst üblichen, ihr Smartphone intensiv nutzenden Mitmenschen, eine zweite Gruppe ihr Smartphone intensiv nutzende Mitmenschen bemerkt hat.

Bemerkt an zwei Hauptcharakteristika:

  1. Laufen an Orten und in Gegenden herum, wo sich normalerweise kaum Smartphone dauernutzende Mitmenschen herumtreiben.
  2. Heben hin und wieder ihren Blick und schauen sich suchend um.

Wer immer noch nicht weiß, von wem ich rede … ich rede von Pokemon GO-Spielern. Zum Spiel selbst sage ich nicht mehr viel. Wer nicht weiß, was Pokemon GO ist, den verweise ich gerne auf die diversen Nachrichten- und einschlägigen Fachportale.

Viel wichtiger ist daher die Frage, wie wir, die Hardcore-PC-Master Race, die wir schon alles erlebt haben, was es in Sachen Videospiel gibt, mit dieser Sache da umgehen sollen?

  • Entspannt Spiel und Spieler ignorieren. Weil wir alten Säcke eh schon genug Scheiss mitgemacht und erlebt haben und auch diesen Hype enstpannt an uns vorbei ziehen lassen können. Denn in einem halben Jahr redet davon niemand mehr.
  • Entspannt Spiel ignorieren und Spieler davor bewahren hochkonzentriert Treppen hinunter zu fallen oder in den Strassenverkehr zu laufen, nur weil da drüben gerade ein Legendäres Pokemon gemeldet wurde.
  • Entspannt Spiel ignorieren und Spieler die Folgen unaufmerksamen Herumlaufens spüren lassen, wenn wir entscheiden, dass der notgedrungen folgende Schmerz erträglich ist und in Relation zum hoffentlich einsetzenden Lerneffekt stehen wird.
  • Vollkommen hysterisch mitspielen und unsere gestählte Muskelkraft dazu einsetzen bei der Jagd nach Legendären Pokemons all die schwächlichen Nerds mit einem gezielten Body Check ausser Gefecht zu setzen. Mir schwebt für diesen Fall ein gewisser Stan Smith aus „American Dad“ vor.
  • Zeter und Mordio schreien, den Untergang der zivilisierten Welt an die Wand malen und grundsätzlich die eigene Vergangenheit glorifizieren, wo wir noch eine richtige Kindheit hatten und sicher im trockenen und warmen Wohnzimmer vor der Glotze gespielt haben, anstatt sich draussen hochgefährlicher UV-Strahlung auszusetzen.
  • Pokemon GO-Spieler schallend laut auslachen und mit dem Finger auf sie zeigen.
  • Neben einem Legendären Pokemon auf unvorsichtige Pokemon GO-Spieler warten und sie ausrauben. Wie es bereits passiert ist.
  • Wild gestikulierend die Verschmelzung von Virtualität und Wirklichkeit bejubelnd, nur um dann versehentlich die Kellertreppe herunter zu fallen, weil wir beim Spielen eines VR-Titels nicht richtig aufgepasst haben.

Wie auch immer … ich habe mich letztes Wochenende königlich dabei amüsiert mit mir selbst Wetten abzuschliessen. Welcher Smartphone-Träger spielt PGO und wer nicht? Meistens lag ich richtig, die PGO-Spieler waren meist schnell zu erkennen. Nur in einem Fall hatte man mich leicht aus dem Konzept gebracht.

Klein-Harzzach geht Kühlschrank vollmachen und läuft auf dem Weg zur Lebensmittelausgabestelle an einer ausgelassenen Hochzeitsgesellschaft vorbei. Aus der Gruppe eifrig parlierender und lachender und das aufgebaute Buffet leerender Gäste löst sich eine Gruppe fein gewandeter Damen, so Mitte Zwanzig bis Mitte Dreissig. Alle starr den Blick aufs Smartphone und lautstarkes Gegacker von sich gebend. Ja, irgendwo hinter den Büschen des Schloßparkes muss ein Pokemon angezeigt worden sein, denn eine zweite Gruppe fein gewandeter Herren, offenbar in diversen Beziehungsstadien zur ersten Gruppe stehend, feuerte selbige Gruppe eifrig an doch schnell dieses Pokemon da (der Name ist mir als Nicht-Pokemon-Spieler leider sofort entfallen) einzufangen. Hell on earth!!!

Wie auch immer … mir hat sich dann die Frage gestellt, ob mir so eine Art Spiel, mit einem mir genehmeren Setting und auch besser gemacht, denn gefallen würde. Nun mangels Smartphone und generell der mobilen Kommunikation wenig Hold seiend, erübrigt sich die Frage eigentlich sofort.

Aber angenommen, ich hätte ein Smartphone …

Hmmm, wenn ich ehrlich bin …

Es kommt darauf an. Ich möchte es nicht grundsätzlich ablehnen. Aber wahrscheinlich würde es an meiner Anspruchshaltung scheitern, denn auf so einen billigen Schnellschuß wie Pokemon GO falle ich nicht mehr rein. Dazu habe ich schon viel zu viel Zeit an billig runtergerissene Zeitverschwender verschwendet, um das nochmal zu tun. Falls aber eines Tages jemand ein Augmented Reality-Spiel in Gut und Aufwendig und tatsächlich spielenswert machen würde … wer weiß?

 

Was alte Säcke beim Zocken antreibt

Und weiter geht’s mit Statistiken und Analüsen … dieses Mal hat sich jemand angeschaut, was uns, die alten und verbrauchten Säcke überhaupt noch motiviert ein Spiel zu starten und substanzielle Anteile unserer kostbaren Freizeit daran zu verschwenden. Veranstaltet hat diese Untersuchung eine Dienstleistungsagentur in den USA, die gegen wohlfeile Bezahlung allerlei Berichte und Zahlenmaterial über Gamer im Allgemeinen und Speziellen verkaufen möchte.

Um zu zeigen, was man alles für interessierte Unternehmen tun kann, hat man gewissermaßen als Demo eine Studie über die Motivationen, welche Senior Gamer beim Zocken zum Weiterzocken motivieren, veröffentlicht (uffs bild’sche gligge):

Hier geht's zur Studie ->

Grob zusammengefasst, behaupten die Herren von Quantic Foundry wenig überraschendes:

  • Die Motivation für kompetitive Spiele lässt mit zunehmendem Alter sehr stark nach.
  • Je jünger die Spieler sind, desto motivierender sind kompetitive Spiele für männliche Spieler im Vergleich zu weiblichen Spielern.
  • Je älter Spieler sind, desto mehr gleichen sich die spielerischen Motivationen von Frauen und Männern.
  • Strategische Herausforderungen bleiben über die Jahre hinweg eine stabile, nur wenig abnehmende Motivation.
  • Grundsätzlich lassen alle Motivationen mit fortschreitendem Alter nach.

Wer also glaubt ein wie auch immer geartetes schlechtes Gewissen zu haben, weil er immer weniger Zeit zum Zocken findet und dann auch immer weniger Spaß mit den Titeln hat, die einem früher immer so gut gefallen haben … das ist normal, das geht JEDEM so!

Hektisches Deathmatch im Seniorenheim-Netzwerk? Eher weniger.

Entspanntes virtuelles VR-Wandern durch all die Kontinente  von Nirn und Azeroth oder stundenlanges Grübeln über richtige Taktiken in Civilization XXV? Schon eher.