To boldly go … where no make-up artist has gone before

Ach, was musste “Discovery”, die neue Star Trek-Serie schon an Flak und, hmmm, “Kritik” einstecken. Zerbrechliche Broflakes waren mit all den Frauen in verantwortlichen Positionen überfordert, verknöcherte Puristen waren ob des ungewohnten Klingonen-Designs dem Herzinfarkt nahe. Und dabei haben wir alle noch keine einzige Episode gesehen.

Nur Trailer wie z.B. ganz aktuell diesen hier vom San Diego Comic-Con, wo Filmstudios hippelige Nerds hochhypen, damit später auch Normalos zuschauen:

Sicher, in Sachen Kontinuität muss man sich schon fragen, warum man nicht den etablierten Klingonen-Look übernommen hat, sondern ein Neudesign auf Basis von Entwürfen des ersten Kinofilmes vorgenommen wurde.

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Aber wir wollen doch nicht vergessen, dass der Klingonen-Look aus TOS nur eine Folge beschränkten Makeup-Budgets war, die Klingonen aus dem ersten Kinofilm ohne Erklärung vollkommen anders aussahen, die Klingonen aus “Search for Spock” wieder ein klein wenig anders aussahen, sie in “Final Frontier” erneut etwas anders aussahen, nur um in der Next Generation-Serie ihr typisches Aussehen zu bekommen.

Von daher ist diese erneute Designänderung … nun, sie ist gewissermaßen traditionell 🙂

Ja, ich weiß schon, keine Sorge. Kontinuität. Mit “Enterprise” wurde der TNG-Look offizialisiert, weil die Klingonen in der Archer-Ära, also vor der Verseuchung mit Menschen-DNA, au naturell eben so aussehen, wie man sie in TNG kennen und schätzen gelernt hat. Dann kamen die “menschlichen” Klingonen aus der Kirk-TV-Ära, gefolgt von diversen Mischformen aus der Kirk-Movie-Ära, bis eben zu Worf & Company.

Wieso sehen die Klingonen aus der Zeit  zwischen Archer und Kirk also anders aus wie die Klingonen aus der Archer/ab TNG-Ära? Warum dieses Redesign?

Ich weiß es nicht. Keinen Schimmer.

Ist aber aus zwei Gründen irrelevant.

  1. Man kann AUCH DAS wunderbar mit dem Augment-Virus aus der “Enterprise”-Serie erklären. Die Klingonen, wild darauf aus ihr ursprüngliches Aussehen wieder herzustellen, haben mit diversen Therapien, kosmetischen Operationen und genetischen Eingriffen experimentiert. Herausgekommen sind unter anderem die Klingonen aus der neuen Serie.
  2. Der Look der Klingonen beeinflusst nicht die Qualität der Geschichte. Wo da an welcher Stelle der Special-Effects-Fritze den Gumminoppen auf die Nase klebt, wie dieser Gumminoppen aussieht, ob da noch zwei andere Gumminoppen hin geklebt werden oder nicht … für die Geschichte wurscht. Irrelevant. Ein äusserliches, oberflächliches Detail. Ob da nun TNG-Klingonen im Bild zu sehen sind oder die Discovery-Versionen, entscheidet nicht darüber, ob es den Produzenten und Drehbuchautoren gelingt eine stimmige, gute Geschichte mit lebendigen Charakteren zu erzählen.
  3. Dieser ornamentale Look sieht cool aus!
  4. Und vielleicht gibt es ja eine Erklärung in der Serie?

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Abgesehen davon, so gibt es auch wieder hübsche Schiffe.

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Nein, ich habe keinen blassen Schimmer, ob die Serie etwas taugen wird. Werden wir alle erst Ende September diesen Jahres wissen.

Aber wie schon beim Film-Reboot von JJ. Abrams, ist nicht wichtig ob etwas verändert wird, sondern ob die Veränderungen funktionieren. Diesbezüglich gehöre ich, zugegebenermaßen, der Bilderstürmer-Fraktion an. Ich liebe kreative Destruktion und das Jonglieren mit bekannten Elementen, um aus vertrauten Versatzstücken wieder etwas ganz Neues zu erschaffen. Auch wenn “Into Darkness” einfach ein fauler, beschissener Film war, ändert das nichts am grundsätzlich gelungenen Reboot. Die Crew ist bis auf eine Ausnahme (nix gegen Simon Pegg, aber als Scotty … nä!) ganz hervorragend besetzt worden, die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt und “Beyond” ist nach dem desaströsen Vorgänger unter anderem eine liebevolle Verbeugung vor der klassischen TOS-Crew geworden.

Es bleibt zu hoffen, dass Star Trek Discovery die Dinge nicht einfach nur anders, sondern gut und durchdacht anders macht.

Wir werden sehen … ab dem 25. September. In den USA auf diesem neuen Streaming-Dienst von CBS, den niemand nutzen möchte und der Rest der Welt via Netflix.

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Mein innerer Trekkie sagt übrigens gar nix. Er ist klug geworden und wartet ebenfalls ab. Denn Häme und ätzende Kritik kann man ja immer noch versprühen, falls die Sache in die Hose gehen sollte.

*mwhahahaha*

 

The Man in the High Castle – Die Verfilmung des Verunverfilmbaren

Gute Bücher zeichnen sich dadurch aus, dass man sie nach dem ersten Durchlesen nochmal lesen möchte. Weil man das Gefühl hat, nicht alles verstanden zu haben. Weil man den Eindruck bekommen hat, dass zwischen den Zeilen noch mehr steht, als man zuerst wahrgenommen hat. Oder weil, obwohl man so rein gar nichts verstanden hat, die Gedanken sich weiterhin um das Buch und seinen Inhalt drehen und man ums Verrecken nicht davon loskommt.

“The Man in the High Castle” von Philip K. Dick ist so ein Buch. Zumindest für mich.

Zum ersten Mal gelesen habe ich es Anfang der 80er als kleiner Schüler. Verstanden habe ich nur, dass alternative, fiktive Geschichtsszenarien etwas total Geiles sind. Nicht verstanden habe ich den Großteil der Handlung. Was normal war. Philip K. Dick ist nicht gerade das, was man als bekömmliche Lektüre für einen Oberstufenschüler bezeichnen könnte.

Nach ein paar Jahren wiederholten Lesens (auch anderer Bücher von ihm) glaubte ich verstanden zu haben, dass es in Dicks Werk immer wieder um Wirklichkeit, unsere durch unsere Sinne und unseren Verstand gefilterte, subjektive Wahrnehmung von Wirklichkeit und dem geht, was unser Gehirn danach aus dieser Wahrnehmung macht: Eine subjektive Wirklichkeit, die nur für uns existiert und die kinderleicht von dem zu manipulieren ist, der den subjektiven Charakter menschlicher “Wirklichkeit” vollumfänglich verstanden hat.

Dennoch bleiben Fragen übrig. Weil ich nicht “wirklich” Ahnung vom chinesischen Orakel, dem I Ging habe, welches im Roman selbst und auch beim Schreiben des Romans eine große Rolle gespielt hat. Ich werde mich in den kommenden Jahren wohl intensiver damit auseinandersetzen müssen, um dem Buch seine letzten Geheimnisse entreißen zu können.

Warum ich das tun möchte? Nicht nur, weil “The Man in the High Castle” einer der besten Romane aller Zeiten ist, sondern weil ich nach all den Jahren weiterhin den Eindruck habe, dass es zwischen den Zeilen noch etwas für mich zu entdecken gibt.

Als bekannt wurde, dass Amazon “The Man in High Castle” als Zugpferd seines Videostreaming-Dienstes verfilmen wollte, war ich nicht nur skeptisch, sondern auch desinteressiert. Ein Buch über subjektive Realitäten, in dem das I Ging eine wichtige, wenn nicht sogar zentrale Rolle spielt, soll von weißgesichtigen Langnasen für ein mehrheitlich weißgesichtiges Langnasen-Publikum verfilmt werden? Hrmpf …

Die Premiere kam und ging, Amazon Prime kam und ging ebenfalls an mir vorbei und auch die Nachricht, dass eine zweite Season online gestellt wurde, hat mich nicht sonderlich motiviert. Selbst gute Kritiken, die anzudeuten schienen, dass die Serie zumindest kein kompletter Fehlgriff war, haben mich kaltgelassen. Keine vorurteilsbehaftete Ablehnung, mit der ich mir im Geiste meine eigene Realität bastele (Das KANN ja nix werden!), sondern lediglich Desinteresse. Bis ich vor ein paar Wochen ein Jucken im hinteren rechten Gehirnlappen verspürt habe. “Schau es Dir an!”, murmelten die wohlvertrauten Stimmen in meinem Kopf. “Los, schau es Dir doch einfach mal an!”.

Und weil ich immer tue, was mir die Stimmen in meinem Kopf befehlen, habe ich zuerst mein Amazon-Konto um den Prime-Service erweitert und als zweiten Schritt mir sofort einen Kalendertermin zur rechtzeitigen Kündigung gesetzt. Denn Prime Video überzeugt mich nicht. Um es höflich auszudrücken 🙂

Nach einer Bingewatching-Session der ersten Season kann ich auf die Schnelle zwei Dinge sagen:

  1. Das Buch bleibt weiterhin unverfilmbar.
  2. Auch wenn die TV-Serie, nicht sehr überraschend, die Themen “Subjektive Wirklichkeitswahrnehmung” und das “I Ging” nur sehr oberflächlich streifen (auch hier sehr höflich ausgedrückt), so ist sie dennoch des Anschauens wert.

TMITHC (Akronyme sind was Feines) kann trotz einiger Mängel durchaus alleine bestehen, was in erster Linie durch die Ausstattung, das Setdesign, die Liebe zum Detail und das politisch und gesellschaftlich vielfältig interpretierbare Geschehen getragen wird.

Wenig überzeugend sind leider eine ganze Reihe von Charakteren, die willkürlich durch die Handlung stolpern oder einfach nur blass und farblos bleiben. Die Mitglieder der amerikanischen Widerstandsbewegung kommen über simple Klischeezeichnungen samt greulichen, geschraubten Dialogen nicht hinaus, die Motivation der Hauptfiguren auf US-Seite bleibt arg sprunghaft und unterentwickelt. Zumindest ich kann keine Bindung zu diesen Figuren aufbauen, ihr persönliches Schicksal berührt mich nicht, auch wenn sie das tagtägliche Grauen einer Nazi-Herrschaft und die nur leicht weniger schlimme Herrschaft des japanischen Imperiums umgibt.

Sehr vielschichtig und differenziert sind hingegen die Vertreter der japanischen und deutschen Besatzer. Vor allem Rufus Sewell als US-stämmiger Offizier des deutschen Sicherheitsdienstes und Cary-Hiroyuki Tagawa als japanischer Handelsminister sind zwei Lichtblicke im eher trüben Mischmasch der Figuren und können nicht nur überzeugen, sondern auch begeistern.

Dass sich die Handlung zumindest der ersten Season eher auf das politische Geschehen dieses Szenarios konzentriert und der metaphysische Aspekt der Buchvorlage stark in den Hintergrund rückt, schadet nicht. Ganz im Gegenteil. Mir ist im Kontext dieser Serie ein solide und spannend inszenierter Polit-Thriller allemal lieber als ein wohlmeinender, aber letztendlich verkopfter und ungenießbarer Esoterikquark, der dem Buch nicht einmal ansatzweise gerecht werden kann.

Werde ich mir in der verbleibenden Testphase von Amazon Prime noch die zweite Season geben?

Nicht einfach zu beantworten. Wirklich nicht einfach zu beantworten.

Auf der einen Seite ist TMITHC trotz seiner Mängel richtig gutes Streaming-Futter. Man wünscht sich mehr Serien von dieser Produktionsqualität.

Auf der anderen Seite hat mich jede einzelne Folge immer depressiver gemacht. Nicht, weil manche Figuren nicht so gut “funktionieren” wie andere und auch nicht, weil man bei manchen Dialogen nur fremdschämend das Gesicht verziehen kann. Nein, das ist es nicht. So schlimm sind die Fehler von TMITHC nicht, als dass sie die Stärken der Serie überdecken könnten. Aber wenn es draußen dunkel, trübe und grau ist (je älter ich werde, desto mehr hasse ich den Winter) und bereits am Tage Fünf der Besetzung des Weißen Hauses durch einen narzisstischen Orang-Utan selbiger Orang-Utan alle Befürchtungen bestätigt, die man im Vorfeld haben konnte, weist TMITHC eine tagespolitische Aktualität auf, die nicht deprimierender sein könnte.

Es wird Zeit für Frühling und für die zweite Season von “The Expanse”. Damit meine subjektive Wahrnehmung der bezüglich meiner Person höchst indifferenten Wirklichkeit ein wenig sonniger erscheint.

Und ich darf vor lauter Trübsal nicht vergessen Prime rechtzeitig zu kündigen 🙂

Das Spielejahr 2016

Eigentlich … eigentlich war das bald ablaufende Jahr 2016 ein gutes Spielejahr aus meiner ganz subjektiven Perspektive. Ich steigere mich sogar zu der Behauptung, dass 2016 das mit Abstand beste Spielejahr ist/war, seit ich vor bald zehn Jahren dieses Blog begonnen habe.

Warum eigentlich? 2016 hat erneut, mal wieder, wenig überraschend jede Menge übles Zeugs in der Spielebranche stattgefunden. Die Majors treiben es immer wüster und haben mittlerweile kein Problem damit Vollpreisspiele nachträglich oder gleich zum Release mit Mikrotransaktionen und Ingame-Shops vollzustopfen, weil die Kundschaft offenbar damit kein Problem hat. Oder nicht genug, weil bevor man auf das neue Lieblingsspiel verzichtet, beisst man doch lieber die Zähne zusammen und lässt sich duldsam mit einem rostigen Nagelstock gesäßpenetrieren.Weil die Wundsalbe für danach, die kann man ja als Vorbesteller-Extra beim Erwerb des Season Pass bekommen, nicht?

Emotionale Abhängigkeit is a bitch und hat auch 2016 nichts von ihrer fatalen Wirkung verloren.

Warner Brothers haben 2016 EA und sogar Ubisoft den Rang als Shittiest Publisher abgelaufen. Zuerst lässt man willentlich auf die Kunden eine PC-Version von Arkham Knight los, für welche die Tags „unfertig“ und „miserabel portiert“ noch vie zu höflich wären. Dann, nach einem richtig fetten Shitstorm, zieht man das Teil endlich aus dem Verkauf, veröffentlicht es einige Monate später erneut … mit nur marginalen Verbesserungen. Die PC-Version ist wohl weiterhin auf technischer Ebene broken by design zu sein. Nichtsdestotrotz stürmt das Arkham Knight-Rerelease kurzeitig die Steam-Verkaufscharts, weil sogar die Herrenrasse an emotionaler Abhängigkeit, gallopierender Vergesslichkeit und einem ausgeprägten Blitzblendvorgaukelreinfall-Syndrom leidet. Von daher wundert es auch gar nicht, wenn Warner Brothers überhaupt keinen Bock hat die technisch höchst unzulängliche PC-Version von Mortal Combat X entsprechend zu fixen und lieber tonnenweise DLC dafür anbieten möchte. Weil … man kann es mit den Leuten ja machen, weil die Leute größtenteils dumme, lernresistente Hohlfritten sind, die man noch leichter am Nasenring durch die Gegend ziehen kann als ein kleines, verängstigtes Schaf.

Übrigens ein durchgängiges Leitmotiv für das bald abgelaufene Jahr … doch zurück in den Spielebereich, hehe.

Höchst faszinierend war eine Graphik, die Ende November von Mr. Steamspy aka Sergey Galyonkin veröffentlich wurde:

Holy crap, Batman! Dieses enorme Wachstum, die Flut an Sturgeon’schem Ausschuß nicht besorgniserregend zu finden, setzt entweder große Wissenslücken in grundlegenden volkswirtschaftlichen Prinzipien voraus (was nicht schlimm ist) oder bewusstes Ignorieren des Umstandes, DASS DAS DA, vor allem im Lichte der Weigerung seitens Valve endlich eine vernünftige Qualitätssicherung einzuführen, kein gutes Ende nehmen kann. Kein gutes Ende für Valve. Kein gutes Ende für gute (!) Indies, die über Steam den Großteil ihres Umsatzes bestreiten und angesichts dieser schier unfassbaren Masse immer weniger gefunden werden. Kein gutes Ende für Leute, die viel Geld in Mietsoftware gesteckt haben, ohne entsprechende DRM-freie Sicherungen anzulegen.

Im diesen Zusammenhang möchte ich eine der guten Sache erwähnen, die 2016 passiert sind:

  • GOG Connect:
    Mit dem Steam-Account verbinden lassen und PRESTO! verfügt man ganz offiziell und legal über DRM-freie Versionen ausgewählter Titel, die man bereits im Steam-Konto hatte.

Erwähnenswert finde ich im negativen Kontext noch die Releasepolitik von EA. Gut, nicht für mich und den Rest der Menschheit negativ, aber wäre ich ein Angestellter von Respawn, ich würde nach Neujahr anfangen mich nach einem neuen Job umzusehen. Weil, haha, Verschwörungstheorie, EA offenbar ganz bewusst Respawn ruinieren will, um dann aus der Insolvenzmasse die Rechte an Titanfall herauskaufen zu können. Sicher, man könnte auch sagen, dass bei EA Vollidioten arbeiten, die meinten, es sei eine schlaue Idee den Nachfolger des als MP-Shooter etablierten Titanfall direkt nach dem alle Schlagzeilen dominierenden MP-Shooter Battlefield 1 zu veröffentlichen. Der EBENFALLS bei EA erschienen ist. Aber ich will nicht annehmen müssen, dass bei EA die Führungsetage, die solche Grundsatzentscheidungen trifft, aus Vollidioten besteht. Der Vorstand solcher international agierender Konzerne mit jährlichen Umsätzen in Höhe einiger Milliarden Dollar besteht doch ganz bestimmt aus gewieften Geschäftsleuten, die jeden Tag mindestens drei diabolische Welteroberungspläne beschliessen, oder? Oder nicht? Nun, Ockham Rasiermesser lässt nur einen Schluss zu 🙂

Im Gegensatz zu früheren Jahren reibe ich mich an solchen negativen Geschichten aber nicht mehr auf. Ich habe gelernt mich entweder darüber königlich zu amüsieren oder es nach kurzem Kopfschütteln zu ignorieren, so es mich nicht betrifft. PAL, das Problem Anderer Leute, ist immer mehr zum Leitmotiv geworden. Was aber nur heisst, dass ich mich über ein gewisses Maß hinaus nicht mehr mit den Problemen anderer Leute belaste und sie zu meinen eigenen mache. Und nicht, dass ich gänzlich die Augen vor allem verschliesse, was nicht unmittelbar vor der eigenen Nasenspitze stattfindet.

2016 ist für mich ein tolles Spielejahr, weil folgende Dinge passiert sind:

  • „Battletech“ von Harebrained Schemes:
    Ein erfolgreicher Kickstarter plus zusätzlich nach aktuellem Stand über 300k durch die weiterhin offen stehenden LateBacker-Zahlmöglichkeit plus eine phantastisches Alpha-Gameplay-Video lassen mein Herz höher schlagen. Und zwar nicht, weil ich als Battletech-Fanboy blind alles bejubele, was auf zwei myomermuskelbepackten Laufbeinen über das Schlachtfeld stapft, sondern weil der Entwickler mehrfach (!) in den letzten Jahren bewiesen hat, dass er lizensierte Settings respektiert und nicht nur ankündigen, sondern auch liefern kann.
  • „Shadow Warrior 2“ von Flying Wild Hog:
    Ein Shooter, so gänzlich und durch und durch nach meinem Herzen. Ich herze SW2. Sehr! Deswegen muss ich auch gar nicht viel dazu sagen. Nur lieben!
  • „Grim Dawn“ von Crate Entertainment:
    Innerhalb kürzester Zeit hat sich „Grim Dawn“ an die Spitze meiner persönlichen „Schau, wie Du Dein Leben an Videospiele vergeudest“-Chart gesetzt und dominiert dort alles, was ich im Laufe von über 8 Jahren jemals über den Steam-Client an Playtime „erzeugt“ habe. Satte 269 Stunden. Was einen Grund hat. Der Grund lautet: Grim Dawn ist für mich das derzeit beste Hack & Slay, was wo geben tut. Da stimmt (fast) alles. Der Perfektion ganz gefährlich nahe. Großartig.
  • Das Hack & Slay Genre von allen:
    Hacken und Schlachten. Looten und Leveln. Aber dieses Jahr so richtig viel davon. Weil dieses Genre quicklebendig ist und zum Glück nie Gefahr lief ein glattgebügelter Mainstream-Zombie zu werden, nie das Schicksal des Egoshooters teilte. Grim Dawn als neuer Titel. Titan Quest bekam mit der Anniversary Edition eine erneuerte und verbesserte Neuauflage. Ich habe mich wieder dem gepflegten Irrsinn eines Sacred 2 hingegeben. Torchlight 2 wurde einer größeren Modding-Kur unterworfen. Selbst ein Diablo 3 RoS hat endlich Gnade vor meinen Augen gefunden. Hacken und Schlachten. Mehr, MEHR!
  • Brutal Doom von Sergeant_Mark_IV:
    Ja, mehr von allem. Mehr Pixelblut, mehr Pixelgedärme, mehr Finishing Moves und mehr von einer endgeilen neuen Kampagne mit 30 Maps. Als „Brutal Doom“ in der rundumerneuerten Version 2.0 gleich zu Beginn des Jahres erschien, habe ich mich wochenlang mit nichts anderem beschäftigt. Die neue Kampagne, die alten Maps von id Software, neue User-Maps. Alles wurde mit „Brutal Doom“ versehen. Dann wurden Mods für den Mod ausprobiert. Neue Waffen mit NOCH FETTEREN Sounds. Neue Marine-Voiceovers. Neuer Soundtrack. Und seit ein paar Wochen gibt es immer wieder ein paar Minuten mit „Brutal Doom 64„, wo man dem PC-Nachbau der N64-Version eine modifizierte BrutalDoom-Behandlung unterzieht. Mod des Jahres! Nein, stop …
  • Enderal von Sure.AI:
    DAS HIER, DAS HIER IST MOD DES JAHRES 2016!!!! Andernorts werden solche Projekte mit Millionenaufwand produziert und entsprechend massenmarkt-mäßig verkauft. Sure.AI verschenkt solche Projekte als kostenlosen Mod. So wie Enderal, wo man auf der Basis von Skyrim wieder ein vollkommen eigenständiges Spiel mit den üblichen Containerschiffen voller Leidenschaft, Detailwahn und Herzblut erstellt hat. Und damit nicht genug, wurde jetzt ein DLC (ich traue mich kam dieses schmutzige Wort für dieses Werk der Liebe zu verwenden) zum Mod angekündigt, der mehr Umfang bieten soll als so manches Vollpreis-RPG.
  • WoW Legion von Blizzard:
    wut? Was macht das hier?
    Was das hier macht? Das macht Sinn hier! „Legion“ ist der Grund, warum ich derzeit wieder WoW spiele. „Legion“ zeigt, dass Blizzard WoW nicht kampflos in den nächsten Jahren ausdümpeln lässt. Mit einem irrsinnigem Aufwand wurden hier Tonnen von neuen Inhalten geschaffen, es wurde aus den Fehlern des Vorgängers gelernt. Vor allem ich als PvE-Spieler bin schwer begeistert. Es gibt viele richtig, RICHTIG gute Questreihen und wenn man glaubt, dass man das Ende der Storyprogressions-Level-Fahnenstange erreicht hat, fängt es bei „Legion“ erst so richtig mit PvE an. Grind gibt es nicht mehr. WoW war eh schon sehr frei vom typischen Galeerensklaven-Gameplay asiatischer MMOs, Legion ist der Höhepunkt dieser Entwicklung. Denn gerade durch den Umstand, dass es nach Erreichen des Maxlevels das PvE-Spiel erst richtig anfängt, löst man sich gedanklich immer mehr vom typischen „Ich muss noch 240 NPCs killen oder 719 Brote backen, damit ich den nächsten Level erreiche“. Man beschäftigt sich immer weniger mit der üblichen MMO-Zahlenmühle, sondern konzentriert sich mehr auf die Geschichte, die Landschaft, das Spiel selbst. Laune. Viel!
  • Crowdfunding von allen Bäckern und Backern:
    Crowdfunding wurde auch dieses Jahr totgesagt, zu Grabe getragen und erfreut sich bester Gesundheit. Crowdfunding ist nicht mehr dieses obskure Ding, unter dem sich niemand etwas vorstellen kann, sondern ein etabliertes und valides Finanzierungsmodell. Hier geht nix mehr weg, hier bricht nix mehr zusammen. Crowdfunding bleibt. Und sorgt jedes Jahr für die Realisierung einer ganzen Reihe von Projekten, die sonst nie das Licht der Welt erblicken könnten. Große Projekte, kleine Projekte. Gescheiterte Projekte, erfolgreich abgeschlossene Projekte. Gauner und seriöse Entwickler, Chaoten und Vollprofis buhlen um unser Geld. Welches wir selbstverständlich, als die aufgeklärten und vernünftigen Backer, die wir sind, nach intensiven Due Dilligence-Prüfungen natürlich nur in Projekte stecken, die unser Geld verdient haben ;-P
  • Tyranny von Obsidian:
    Und zum Schluß das dritte crowdfinanzierte (doch nicht so wirklich crowdfinanzierte) Projekt, welches mein Spielejahr 2016 zu einem guten Spielejahr gemacht hat. „Tyranny“ ist meines Erachtens eines der wenigen Spiele, die mir als Spieler die Ambivalenz des Bösen, die manchmal so leichte Austauschbarkeit mit dem Guten erstklassig nähergebracht hat. Das ist nicht einfach nur ein simples Hochzählen von Werten auf einer Gut/Böse-Skala. Das ist nicht einfach nur ein simples Abklicken von klar als „gut“ oder „böse“ markierten Dialogoptionen, so dass ich als Spieler möglichst NICHT denken muss. Tyranny ist kein Bioware-Spiel. Tyranny ist deswegen auch kein Spiel für den Feierabend. Es gibt nicht DEN bösen Pfad, nicht DEN guten Pfad. Es gibt nur den Pfad der eigenen Entscheidung. Und die Folgen, die meinen Entscheidungen folgen. Die manchmal nutzbringend ausfallen können. Die manchmal lästig sein können. Die manchmal auch ziemlich übel ausfallen können. Es gibt nicht DEN idealen Pfad, es gibt nur meinen Pfad. Tyranny ist eines der wenigen Rollenspiele, wo es tatsächlich Rolle spielt, welche Rolle ich spiele. Mehr davon. Auch wenn ich nur selten die Muße dazu habe, aber mehr davon, bitte. DAS ist Weiterentwicklung und Innovation. DAS ist interaktives Geschichtenerleben und -gestalten, wie es sein sollte.

Wenn ich noch ein wenig nachdenke, gibt es mit Sicherheit noch den einen oder anderen Punkt, der mir dieses Jahr angenehm aufgefallen ist. Das war ein gutes Spielejahr! Ein richtig gutes Spielejahr.

Notfall-Upgrade

Wer sich erinnern mag, hat vielleicht noch im Kopf, dass es mir im März das Display meines treuen eBook-Arbeitspferdes, einem Kindle 5, ansatzlos zerrissen hatte. Reparatur zwar prinzipiell machbar, aber vorsichtiges Anlösen von verklebten Bauteilen mit dem Heißluftföhn und noch fitzeligeres Wiederzusammenbauen überlasse ich dann doch den Leuten, die an sowas Spaß haben.

Am selben Tage habe ich mir dann einen „Tolino 3 HD“ zugelegt, der sich trotz einiger Softwaremängel anschickte in die Hufabdrücke seiens Vorgängers zu treten. Gut verarbeitet, nette Funktionen (Tab2Flip möchte ich zum Beispiel nicht mehr missen), ein solides und insgesamt empfehlenswertes Gerät.

Bis ich vor einigen Wochen mit Entsetzen feststellen musste, dass sich ein dicker Streifen quer und etliche feine Streifen längsseitig durch das Display hinzogen. Herrgottmargot, dachte ich mir, wie sorgfältig soll ich diese Drecks-eInk-Displays denn noch behandeln?

ARGHLLLLLLLLLLLLLLLLL!!!!!!!!!!

Ok, lässt sich jetzt auch nicht ändern, in dem ich laut schreiend die Fußgängerzone rauf und runter renne. Mich wieder zusammengerissen, stapfte ich in besagte Thalia-Filiale, in der ich im Frühjahr besagtes Gerät erstanden hatte und bat um Rat und Umtausch. Isse kein Ding, sagte man mir, mussu Rechnung mitbringen. Rechnung hab isch net mehr, gestand ich, isse wech. Isse auch kein Ding, sagte man mir, hasse Kontoauszug? Jopp, nuschelte ich, kannse bekommen. Am nächsten Tag mit einem Kontoauszug zurückgestiefelt, aus dem klar hervorging, dass ich innerhalb der Garantiezeit einen Tolino 3 HD samt Schutzhülle bei Thalia erstanden habe. Du, horschemol, sagte ich, kannse mir statt einem Ersatzgerät den neuen Tolino 4 HD geben? Klar kann ich, gibse mir Aufpreis. Aufpreis gegeben, neues Modell bekommst.

Arg viel hat sich äusserlich nicht getan, aber dafür innerlich. Es gibt neue Software mit ein paar neuen Funktionen, einer etwas schickeren Vorschaufunktion und Bugfixes. Vor allem letzteres macht sich spürbar bemerkbar. Ist mittlerweile fast so stabil wie beim Kindle. Das Display hat drei verschiedene, automatisch geschaltete Farbtöne bekommen, um das Lesen je nach äusseren Lichtverhältnissen zu erleichtern. Und weil sich das Gehäuse mit seinen physischen Buttons und Steckern nicht geändert hat, kann ich die alte Hülle weiterverwenden. Ist ja auch kein Apple-Produkt.

Schau mer mal, wie lange dieses Display jetzt hält. Vielleicht sollte ich den Reader mehr durch die Gegend pfeffern, als Frühstücksbrett verwenden und anderen Unfug damit treiben. Allzu große Achtsamkeit hat ja nichts gebracht 🙂

 

Star Citizen – Die TV-Serie

Verzeiht bitte den clickbaitigen Titel, aber es geht hier leider nicht darum, dass Chris Roberts vor lauter “Ich weiß nicht wohin mit all dem Backer-Geld!” nun eine TV-Serie im Star Citizen-Universum produziert und selbst dreht. Eigentlich geht es um eine ganz andere TV-Serie, die mich aber vor allem durch ihr Produktionsdesign und einige Story-Elemente massiv an Freelancer, Starlancer, Privateer und vor allem optisch an Star Citizen erinnert.

The Expanse

Basierend auf einer Romanserie von James Corey wurde mit großem Aufwand und unter Beteiligung erfahrener Produzenten wie z.B. Naren Shankar (CSI, Star Trek Voyager & DS9) eine Hard-SF-Serie auf die Beine gestellt, die zu Anfang des Jahres fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf SyFy ausgestrahlt wurde, nun in Deutschland via Netflix zu sehen ist und zu Beginn des nächstes Jahr mit Season 2 fortgesetzt wird. Was gut ist. Denn ich würde es hassen, wenn hochwertig und anspruchsvolle produzierte SF mal wieder gecancelt wird, weil angesichts des hohen Budgets nicht genug Zuschauer gefunden werden können.

Doch zurück zu Chris Roberts.

Nein, hier hat niemand von niemandem “geklaut”. Wir alle stehen nur auf Schultern von Riesen und was uns heute an Plot-Elementen und Art Design-Entwürfen zur Verfügung steht, ist ja nicht einfach so aus dem heiteren Himmel erschienen. Auch hat niemand hier etwas “zuerst” gebracht. Ich möchte nur darlegen, warum ich bei The Expanse ständig an Star Citizen denken musste.

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Beginnen wir mit dem Setting:

  • Die Menschen haben sich über viele Generationen hinweg im Sonnensystem ausgebreitet.
  • Fortgeschrittene Triebwerkstechnik reduziert die System-Reisezeit auf Tage und Wochen.
  • Der irdische Mond und der Mars sind kolonisiert worden. Mars wird mit enormem Aufwand terraformiert.
  • Die Marsbevölkerung hat einen eigenen Staat gebildet, der mit der Erd-UN einen kalten Krieg um die Vormachtsstellung und vor allem die Rohstoffe im Asteroidengürtel austrägt. Zwar sind die Erd-Streitkräfte zahlenmäßig überlegen, was das Mars-Militär durch technischen Vorsprung und die fokussierte, auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtete, kontrollierte Mentalität der Mars-Gesellschaft wieder ausgleicht.
  • Der Asteroidengürtel ist seit etlichen Generationen Heimat der sog. “Belter”, die dort für Erd- und Mars-Konzerne unter beklagenswerten Bedingungen Rohstoffe abbauen. Auf der Erde und vor allem auf dem Mars gibt es zwar keine gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Diskriminierungen mehr, auf der Erde herrscht ein kleines Paradies aus Grundversorgung und Laissez-Fair, doch sowohl der Luxus der Erde als auch die Umwandlung des Mars in eine grüne Welt basieren auf steter Ausbeutung des Asteroidengürtel und der Belter.
  • Die Belter haben eine eigene Sprache, auf Grund der fehlenden Schwerkraft sind Belter hochgeschossene, schlaksige Gestalten, die sich schon deswegen deutlich von Earthern und Mickeys unterscheiden.
  • Um der Ausbeutung und den massiv schlechteren Lebensbedingungen (Lebenserwartung auf der Erde mehr als 120, im Belt um die 60) entgegenzutreten, haben sich Belter in einer Organisation, die OPA, zusammengeschlossen. Für die Belter sind es Freiheitskämpfer. Für Erde und Mars logischerweise Terroristenabschaum, mit dem man notfalls zusammenarbeitet, um dem Gegner im übergeordneten Kalten Krieg eines auswischen zu können.
  • In dieses gefährliche Spiel wird nun der berüchtigte letzte Tropfen gebracht, der das Fass (wahrscheinlich) zum Überlaufen bringen wird. Es wird auf den äusseren Planeten etwas entdeckt, was demjenigen, der es besitzt und kontrolliert, die endgültige Dominanz über das Sonnensystem verspricht.

Hier steckt jede Menge Starlancer/Freelancer und Privateer drin. Eine fragile politische Situation wird durch einen McGuffin destabilisiert, was jede Menge an Aktionen auslöst. Aus dem Kalten Krieg droht ein heißer zu werden.

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Fahren wir fort mit dem Produktionsdesign:

  • Ich kann ein Schiff aus Star Citizen nehmen, es in eine CGI-Sequenz von The Expanse einbauen und niemand würde sagen, dass das da nicht reingehört. Was wohl nicht daran liegt, dass sich die Designer von „The Expanse“ bei den Designern von Cloud Imperium Games bedient haben, sondern dass beide der gleichen Logik folgen: Wenn es solche Schiffe geben würde, müssten sie logischerweise so oder so aussehen, damit sie von Menschen zu diesem oder jenem Zweck eingesetzt werden können.
  • Schiffe sehen nicht einfach nur cool aus, sondern cool und “realistisch”.
  • Auch wenn das Schiffsinnere bei „The Expanse“ nicht mit den grandiosen Sets eines Star Trek mithalten kann, so teilt die Serie auch hier das nüchterne, zweckmäßige Industrial Design von Star Citizen, gepaart mit einer Aufmerksamkeit für viele, kleine Details, die alle nur einem Zweck dienen: Mach es so realistisch wie nur irgendwie möglich.
  • Es gibt keine Laser- und Phaserwaffen. Kein buntes StarWars-PewPew. Realismus regiert. Es gibt kinetische Waffen. Schnellfeuergeschütze, Torpedos. Raketen und massive Railguns für die großen Schlachtschiffe. Es werden halbwegs überzeugende Taktiken gezeigt, die beschreiben, wann man in dieser Welt welches Waffensystem, welche Sensoren und welche ECM-Maßnahmen zu welchem Zweck einsetzt. In einem Spiel würde man von “vielschichtigem Gameplay” reden. In einer Serie trägt dies mit zur Glaubhaftigkeit bei.
  • Close Combat wird natürlich auch mit kinetischen Waffen ausgetragen. Das Design der Handfeuerwaffen und Anzüge erinnern mich SEHR stark an den Ego-Shooter-Teil von Star Citizen. Oder jedes CoD mit SF-Setting, um ehrlich zu sein. Wo es ja auch nicht um Fantasy-SF a la Star Wars geht, sondern um nitty-gritty Military-Pseudorealismus. Ach ja, Zero-G-Gefechte gibt es auch in „The Expanse“. Werden so inszeniert, wie sich Menschen in der Zukunft höchstwahrscheinlich Löcher in den Körper ballern werden. Und wie man es bei Chris Roberts gesehen hat.

Deswegen muss ich ständig an Star Citizen denken. Nicht, weil das auch so aussieht, sondern weil beim Produktionsdesign die gleichen Überlegungen angestellt wurden und weil den Produktionsverantwortlichen der Blick für Details wichtig ist.

Wer mehr erfahren will:
http://magazine.artstation.com/2016/02/scenes-concept-art-expanse/

Und die Serie an sich? Taucht se was?

Ja. Taucht was.

Das Casting ist a bisserl Hit & Miss. Die Hauptfigur ist in meinen Augen ein bisschen ein blasser Schönlings-Bubi und das mit einem Holzhammer und schweren, kaum verständlichen Dialekt vorgetragene Geschauspielere der UN-Inspektorin bekomme ich an einem guten Tag auch noch hin, um es mal großkotzig zu sagen. Ansonsten passt das aber ganz gut. Einige bekannte Gesichter, viel Frischfleisch. Das Casting erinnert mich stark an britische SF-Serien und –Filme. Wirkt überhaupt nicht wie eine US-Produktion. Viel Mut zu ungewöhnlicheren Gesichtern.

Dialoge können ein wenig mühselig werden, weil vor allem der unübersetzte (!) Dialekt der Belter gutes Zuhören oder wahlweise das Zuschalten von Untertiteln erforderlich macht, um den Kontext zu erfahren, in dem diverse Begriffe und Sätze fallen. Aber gerade durch das Nicht-Übersetzen wirkt das Setting sehr glaubhaft. Die Belter sind eine andere Kultur, die sich von Generation zu Generation immer mehr von ihren irdischen Wurzeln löst, weil die Erde fern ist und die Erde nur durch Ausbeutung und Diskriminierung wahrgenommen wird.

Produktionswerte sind erstklassig und wie bereits gesagt, der Blick fürs Detail hebt diese Serie weit über den Durchschnitt. Vor allem Freunde des mobilen Internets werden auf ihre Kosten kommen, denn was hier an Daten und Informationen glaubhaft (!) durch die Gegend gewischt wird, ohne gleich ins unrealistische Extrem eines “Minority Reports” zu verfallen, das ist der feuchte Traum eines jeden UI-Designers. Auch hier zeigt sich die allem zu Grunde liegende Design-Philosophie. Wenn man X annimmt, wie müsste X dann aussehen, falls es X eines Tages tatsächlich geben würde?

Die politischen und gesellschaftlichen Anspielungen auf die gefährliche Logik von Machtpolitik, die Auswirkungen von Ausbeutung und Sklaverei, der Dualismus von Freiheitskampf und Terrorismus, sind gut in die Handlung eingebettet und wirken nicht aufgesetzt.

Man muss aber Geduld haben. Die ersten vier Folgen dienen eigentlich nur der Vorbereitung für die eigentliche Handlung. Was einerseits langatmig erscheinen mag, aber andererseits den Zuschauer ausführlich in dieses Setting einführt. Gerade hier merkt man deutlich den Unterschied von „The Expanse“ als sog. Straight-to-series-Produktion zur traditionellen Serienproduktion mit Pilotfolgen, wo erzählerische Sorgfalt den kommerziellen Erfordernissen von Fokusgruppen-Analysen weichen muss. „The Expanse“ wurde, wie bei Streaming-Anbietern mittlerweile üblich, en bloc als ganze Season geordert und nicht extra abgewartet, wie die Reaktionen auf eine einzige Pilotepisode ausfallen.

Ich freue mich auf Season 2.

Alternativ könnte ich natürlich auch die Romane lesen, aber da habe ich noch rechtzeitig genug erfahren, dass der Autor, wie auch im Falle von George R.R. Martin, die Serie noch gar nicht fertiggestellt hat.

Zeit und Mühe rentieren sich meiner bescheidenen Meinung nach, wenn man Battlestar Galactica (Re-Imagined) immer noch vermisst und sich fragt, warum es denn so schwierig ist anspruchsvolle SF im Serien-Format zu bringen. Nun, schwierig ist das eigentlich nicht, es macht nur kaum jemand, weil man Geld auch mit weniger Arbeit und weniger Mühe machen kann 🙂

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In Deutschland via Netflix oder P2P.

So ganz spontan, aus einem inneren Bedürfnis heraus, zum Schutz meiner unmittelbaren Umgebung

Ganz ehrlich, jedes Mal, wenn ich diese Hackfresse von Oettinger, seines Zeichens nach Brüssel abgeschobener Politik-Versager, den Mund aufmachen sehe und es kommt, wie zu erwarten, nur der übliche, UNSÄGLICHE ROTZ heraus … ich muss mich entsprechend konditionieren, dass ich künftig geistig alles ausblende, was im Zusammenhang mit diesem Namen in den Nachrichten steht.

Bevor ich wirklich ausfallend werde …

So, genug davon, Happy Feierabend Euch allen 🙂

PS:

Sowas bringt mich auch wieder schnell runter …

Wie war’s für Dich?

Nach zwei Episoden von “Stranger Things” könnte ich mich seitenweise über diese nahezu perfekte Hommage an die Science Fiction-Filme der 1980er von Steven Spielberg oder Joe Dante  auslassen. Ich könnte mich seitenweise über die Details auslassen, mit denen diese Dekade in Bild, Kostüm, Ausstattung und Ton nachgestellt wurde. Ich könnte mich seitenweise darüber auslassen, welche Art von Jugenderinnerung bei welcher Szene ausgelöst wurde. Und dann spielen noch Winona Ryder und Matthew Modine mit. Jedes Lob, welches man bislang über “Stranger Things” ausgeschüttet hat, ist mehr als nur berechtigt.

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Ich tue das aber nicht. Ich lasse mich nicht seitenweise darüber aus, wie toll man das Flair der 80er eingefangen hat. Weil mich das langweilt. Ich kenn die 80er ja. Olle Kamellen das!

Stattdessen würde ich gerne folgendes wissen:

Wie wirkt “Stranger Things” auf jemanden, der diese Dekade und ihre pop-kulturellen Erzeugnisse NICHT oder nur wenig kennt? Auf Grund der Gnade der späten Geburt (Ha!!! 80er-Referenz!) oder weil man vielleicht in Weltgegenden aufgewachsen ist, deren 80er ein klitzeklein wenig anders waren? Ich schiele da insbesondere auf meine Mitbürger aus den Bundesländern östlich der Elbe. Denn wenn ich von “den 80ern” rede, meine ich die westdeutschen 80er. Wenn man aber in der DDR aufgewachsen ist, hat man trotz West-TV doch eine z.T. deutlich andere Jugend erlebt. Wie ist das für Euch, die Jungen wie die Östlichen, wie empfindet ihr Serien wie “Stranger Things” oder Filme wie “Super 8” ohne all diesen Hachhuch-Erinnerungswust? Sind das gute Filme auf Grund der Handlung und der Machart oder denkt ihr Euch, was diese alten Säcke oder diese dummen Wessis denn jetzt schon wieder mit so altem Scheißdreck haben?

Gespannt Eurer Antwort harrend …