Oye beltalowda! Oye welwalas!

Der Eingeweihte wird sofort wissen, von was ich rede, der Nicht-Eingeweihte wird sich fragen, was der Herr hier wieder für krummes Zeugs eingeworfen hat.

Nun, eingeworfen hat sich der Herr hier am Wochenende einiges, aber krumm war das nicht, kopeng! Der Herr hier hat sich die zweite Season von “The Expanse” reingezogen:

The_Expanse_logo

Zu meinen Anmerkungen vom letzten Jahr muss ich nicht mehr viel hinzufügen. “The Expanse” ist weiterhin erstklassige SF und jedem ans Herz zu legen, der nicht nur gute Hard-SF mag, sondern der auch mehr mag als nur oberflächliche Effektorgien.

Aktuell wird die dritte Season gedreht. In Sachen Handlung wird man angeblich Buch 2 abschließen und bereits auf Plot-Elemente aus Buch 3 zugreifen.

Es geht also weiter

Was gut ist.

Weil es zu viel Mist gibt.

Und wir mehr Serien wie “The Expanse” benötigen.

Und weil wir weniger mittelmäßige MMOs benötigen.

Wie jetzt?

Jupp. “The Expanse” sollte einst ein MMO werden. Dann ein Tabletop-Spiel. Das MMO wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht besonders gut geworden, das Tabletop-Spiel wäre untergangen. Wir können von Glück reden, dass der Erfinder des Settings, Ty Franck, niemanden gefunden hat, der aus seinem Setting ein MMO oder ein Tabletop-Spiel machen wollte. Stattdessen zog Ty Frank nach New Mexico und traf dort auf Daniel Abraham, der bereits Romane, unter anderem für Wild Cards, dem Shared Universe von George R.R. Martin, geschrieben hatte. Abraham überzeugte Franck von der Idee, aus seinem Setting ein Buch, eine Buchserie zu machen. Und die Geschichte beginnt …

Manchmal ist es besser zuerst zu scheitern und ein paar Umwege zu nehmen. Manchmal ist die erste Idee nicht die beste. Auch nicht die zweite. Manchmal muss man einen langen Atem haben und gleichzeitig bereit sein flexibel zu sein.

Alles gut und schön, aber was ist, wenn die beiden Autoren, die unter dem Gemeinschafts-Pseudonym “James S.A. Corey” agieren, auch so lange brauchen wie ein gewisser Herr Martin, so dass die Produzenten irgendwann die Romane als Grundlage verlassen müssen, um die TV-Serie fortsetzen zu können?

Nun, schauen wir uns mal die Zeitlinie an:

Herr Martin veröffentlichte fünf Bücher in fünfzehn Jahren.

Franck und Abraham veröffentlichten sechs Bücher in fünf Jahren.

Sieht gut aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass The Expanse – The TV Series so abstürzt, wie ich das erst kürzlich bei der siebten Staffel von Game of Thrones erleben durfte, ist also gering. Die Wahrscheinlichkeit, dass die TV-Serie eines Tages ohne starke Qualitätsschwankungen die Handlung der Bücher umfassen wird, ist relativ hoch. Die Wahrscheinlichkeit steigt, je mehr Leute sich “The Expanse” anschauen. Gut, wahlweise kann man sich die TV-Serie auch sparen und sich in zwei Jahren die Bücher vornehmen, sobald der letzte Band erschienen ist. Aber warum nicht beides?

Und wenn die TV-Serie abgeschlossen ist und die Bücher final erschienen sind, werden beinharte Martin-Fans immer noch darauf warten, dass der Meister endlich zu Potte kommt.

The Expanse. In Deutschland erhältlich in jedem Buchgeschäft, auf Netflix oder so halt im Netz.

Ihr pashangwalas werdet schon das passende Medium für Euch wählen 🙂

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Killing me softly with this plunge

In Vorbereitung zum bevorstehenden Launch des WoW-Addons „Warlords of Draenor“ hat Blizzard mit dem aktuellen Großpatch das gesamte Balancing und die Klassenfähigkeiten umgebaut. Mal wieder. Diesmal wohl mit der Absicht die Spielbalance ein Stück in Richtung Classic wandern zu lassen, weil vor allem PvE viel, VIEEEEEEEEEEEEEEEL zu einfach geworden ist.

Als Folge dieses Rebalancings verursacht man jetzt bei niedrigstufigen Mobs MASSIVEN Schaden, bei Mobs auf etwa dem selben Level weniger Schaden als vorher, so dass PvE in Gebieten und Raids in Instanzen mit der „passenden“ Levelstufe einen Tick mehr Anspruch und klügeres Spielen erfordert als vorher. Vor allem bei Instanzen-Bossen muss man wohl wieder etwas genauer aufpassen, was wer wann an welcher Stelle tun muss, um nicht instant-gewiped zu werden. Allerdings frage ich mich, was der massive Schaden gegen niedrigstufige Mobs für einen Sinn ergeben soll, denn selbst mit bloßen Händen und nach Ablegen der kompletten Ausrüstung macht ein Char mit Level 64 gegen Mobs mit Level 50-55 immer noch pro Schlag bis zu 5000 Punkten Damage. Was bei einer durchschnittlichen Gesundheit der Gegner von etwa 2-4K alles zu einem One-Hit-Kill macht. Am ersten Tag des neuen Patches hat mein Level 64 Krieger sogar pro Schlag über 12.000 Punkte Schaden erzielt. Mit Standardangriffen. Sicher, das Farmen in Niedriglevelgebieten wird dadurch deutlich beschleunigt, das Questen in Niedriglevelgebieten aber deutlich erschwert, wenn nicht sogar effektiv verhindert.

Denn dummerweise gibt es immer wieder Quests, in denen man einen Gegner bis auf 10-20% seiner Gesundheit „runterkämpfen“ muss, bevor ein Questgegenstand angewendet werden kann. Was bei One-Hit-Kills nicht nur nicht ganz so einfach, sondern effektiv unmöglich geworden ist. Und da die PvE-Queststruktur seit Cataclysm sehr stark verkettet und verknüpft ist, man Quests nicht mehr „einfach so“ auslassen kann, kann es passieren, dass man von kompletten Questreihen in den darauffolgenden Zonen ausgesperrt ist. Weil diese eben den Abschluß einer vorherigen Questkette voraussetzen.

Nun, was tun? Dem Support auf den Sack gehen? Blizzard verteufeln? So lange einen anderen Charakter spielen, bis Blizzard das Problem beseitigt hat? Oder …

… sich auf sein Flugmount schwingen, ein wenig aufsteigen und dann gepflegt absitzen.

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*platsch*

… führt bei genügender Höhe zum Tod des Charakters, der sich dann flugs als Geist auf dem nächstgelegenen Friedhof befindet, um dann NICHT zu seiner körperlichen Leiche zurückzukehren, sondern sich sofort ins Diesseits zurück befördern zu lassen. Denn der Instant-Wiederbelebungs-Debuff sorgt 10 Minuten lang für eine Verringerung aller Attribute um 75%, was somit auch deutlich den Schaden senkt. Derart sich selbst verkrüppelt habend, hetzt man dann schnell in das Questgebiet zurück und hofft, dass man inklusive abgelegter Ausrüstung endlich wenig genug Schaden erzielt. Was dann auch in der Regel klappt. Anstatt 5k Schaden macht mein Char „nur“ noch 200-300 Punkte Schaden. Der Gegner kann mit nur wenigen Streicheleinheiten meiner flachen, unbewaffneten Hand niedergekämpft, die Quest erfüllt und die Queststruktur weiterverfolgt werden. Der Tag ist gerettet.

World of Warcraft! Wo Selbstmord Teil des Gameplays ist.

Evolution, nicht Revolution

Blizzard war so nett mir eine Einladung zur Beta von “Warlords of Draenor” zukommen zu lassen. Und zwar nicht, weil ich hier ein kleines Schmierenblog betreibe und man sich irgendwelche viralen Marketing-Effekte erhofft (as if), sondern rein zufällig als ganz normaler WoW-Spieler, wo es keine wie auch immer geartete Verbindung zwischen diesem Blog und meinem Bnet-Account gibt.

Dies nur als Disclaimer für den Fall, dass manche Firmen meinen mir Einladungen zu ihren Spielen schicken zu wollen, in der Hoffnung ich würde dann darüber berichten. Ich bekomme das ab und an und in nahezu allen Fällen landen solche Invites und Keys meist auf dem digitalen Müll oder werden hier ohne große Worte verschenkt. Wobei ich nichts Prinzipielles gegen die Firmen als solche oder ihre Produkte habe, aber ich will hier nur über Dinge schreiben, die mich ernsthaft, von ganzem Herzen interessieren und nicht, weil ich mich irgendwie verpflichtet fühle ein paar Zeilen loszuwerden.

Dies gesagt habend, Blizzard war so gütig mich, nebst etlichen vielen tausend anderen WoW-Spielern, zur Beta von “Warlords of Draenor” einzuladen.

Auch wenn die Beta natürlich an allen Ecken und Ende noch als Beta zu erkennen ist …

Draenor_Beta_01
Das ist kein leerer Raum. In diesem Raum sollten sich eigentlich ein paar Dutzend Spieler, etliche NPCs (darunter kein geringerer als Gul’dan höchstpersönlich) und vier Säulen befinden, die es zu deaktivieren gilt, um das über diesem Raum aufragende Dunkle Portal zu schließen). Eigentlich befindet sich das alles auch in diesem Raum, nur sieht man nichts davon. Nur mit viel Kameraherumgedrehe, quasi aus den Augenwinkeln meines Charakters heraus, kann man nach etlichen Fehlversuchen die vier Säulen am Bildschirmrand sichtbar machen. Wenn man unmittelbar davor steht. NPCs und Spieler blinken derweil lustig in die Spielexistenz hinein und hinaus. Offenbar funktioniert das Phasing an dieser Stelle nur fehlerhaft. Und vor den nicht sichtbaren feindlichen NPCs muss man halt weglaufen. Oder versuchen durchzuhalten, bevor die HP-Anzeige Null erreicht hat. Auch gibt es noch haufenweise hübsche, bayrische (blau-weiß karierte) Ersatztexturen auf nicht wenigen Objekten in der Spielwelt. Und die Ingame-Map zeigt nur ein schönes, SEHR intensives Grellgrün an. Anstatt dass man eine Karte zu sehen bekommt. Egal, ist ja ne Beta.

Wobei, um mal wahre Worte in einen bösen Kontext zu bringen, es gab und gibt genug kommerzielle MMOs, die in so einem Zustand kostenpflichtig auf die spielende Menschheit losgelassen wurden. Und dann von den Spielern zu hören bekamen, dass die Releasequalität aber ganz ordentlich sei und gar nicht so viel buggy sei, wie ansonsten üblich.

Was man aber schon begutachten kann, das sind die neuen Modelle für die diversen Rassen in Azeroth und eine ganze Menge an nützlichen (oder auch nur schön anzusehenden) Anpassungen des User Interfaces.

Draenor_Beta_02
Khadgar sieht nicht einfach hübscher aus, weil man bislang nur mit seinem deutlich älteren Alter Ego zu tun hatte, sondern weil dies schon das neue Charakter-Modell der Menschen ist. Mehr Polygone, mehr Details, mehr Pickel und andere Hautunreinheiten.

Das Questlog ist optisch aufgehübscht worden und bestimmte Questgegenstände, wie z.B. eine Brandbombe zum Anzünden von Hütten, werden jetzt als fette Schaltfläche mittig über der Aktionsleiste am unteren Bildschirmrand eingeblendet, sobald man nahe genug vor dem jeweiligen Objekt steht. Man KANN also fast nichts mehr übersehen oder gar falsch machen. Mag jeder selber entscheiden, ob das sinnvoll ist oder erneut zur Vercasualisierung von WoW beiträgt. Mich stört es jetzt nicht unbedingt, aber „gebraucht“ hätte es dieses Feature nicht.

Diverse Erweiterungen des Inventory machen eine ganze Reihe von Addons überflüssig. So kann ich jetzt einzelnen Taschen explizit zuweisen, was dort eingelagert werden soll (verbrauchbare Gegenstände wie Tränke oder Speisen, Handwerkswaren, Ausrüstung oder keine Spezialisierung) und ich kann anschließend mit einem Klick auf den Sortier-Button das ganze Gelumpe entweder automatisch oder nach meinen individuellen Vorgaben sortieren lassen. Praktisch, nützlich, sinnvoll … und längst überfällig. Ok, wenn ich Schneider oder Ingenieur wäre, würde ich jetzt abkotzen, denn damit entwertet Blizzard all die hübschen Handwerkertaschen, die man bislang für ein Schweinegold an andere Spieler verkaufen konnte.

Wie man auf dem obigen Bild sieht, weisen ausgewählte NPCs (und einige manipulierbare Objekte) einen farbigen Schimmer auf. Verbündete NPCs/Objekte bekommen einen grünen, Feinde einen roten, neutrale Objekte einen gelben und Spieler einen blauen “Glow”. Ob das abschaltbar ist oder man damit leben muss, weiß ich derzeit nicht, habe noch nicht nachgeschaut.

Rein optisch sieht WoW immer noch nach WoW aus. Wer das Art Design grundsätzlich nicht abkann, der wird es auch jetzt nicht mögen.

Draenor_Beta_03
Allerdings hat man die Szenerie mit wesentlich (!) mehr Details ausgestattet. Jeder Gegenstand, jedes Gebäude, jede Figur hat mehr Polygone und mehr Einzelheiten bekommen. Wer WoW mit maximalen Details spielen möchte, der wird spätestens jetzt das alte Notebook, den alten, ausrangierten Bürorechner auswechseln müssen. Wobei der schönste Effekt, den ich bis jetzt beobachten konnte, eigentlich total unspektakulär und unaufwendig und gar nicht mal so neu ist. Denn ab und an wetterleuchtet es in den Wolken am Horizont und die Wolken selbst ziehen wild aufgewühlt vor dem Mond vorbei. Der nächtliche Dschungel wirkt bedrohlich und macht die Massenflucht von Helden und Draenai vor den orkischen Wachen umso bedrückender. Blizzard hat es wieder glänzend verstanden mit eigentlich ganz simplen Mitteln das Maximum an Spielatmosphäre zu erzeugen.

In Sachen Gameplay habe ich noch nicht viel gesehen, gerade erst wurde erfolgreich aus dem Schatten des Dunklen Portals geflohen. Allerdings lässt sich jetzt schon feststellen, dass deutlich intensiver als zuvor mit Cutscenes und Kamerafahrten der erzählerische Aspekt der Handlung betont wird. Blizzard bedient sich hier vehement bei den erzählerischen Mitteln eines Singleplayer-Spieles. Was einerseits ok ist, wenn die Mitspieler-Aktivität niedrig ist, was aber mitunter etwas unglaubwürdig wirkt, wenn es ringsum einen selbst nur so von anderen Mitspielern wimmelt, in jeweils unterschiedlichen Stadien des Questfortschritts. Hier sollte man, wenn es viel zu erzählen und darzustellen gibt, noch stärker und konsequenter auf Phasing setzen. Sprich, gerade solche handlungsmäßig eng gepackten Abschnitte wie diese Flucht, vollständig phasieren, so dass man andere Spieler, die nicht Teil einer Gruppe sind, erst wieder sieht, wenn die Handlung ruhigeres Fahrwasser erreicht hat, oder die cineastische Präsentation der Erzählung wieder in die Tonne treten. Oder es wie Guild Wars machen, wo alles ausserhalb einer Stadt eine individuelle Instanz ist.

Das Festungsbau-Feature habe ich noch nicht kennenlernen dürfen. Auch konnte ich noch keine Erfahrungen mit dem neuen Perk-System sammeln, welches ab Level 91 klassenbasierte Fähigkeiten erweitern soll, wohl um dem allgegenwärtigen Power Creep etwas die Spitze zu nehmen. Auch kann ich noch nicht endgültig abschätzen, ob man mal wieder seine mühsam errungenen und angefertigten Endgame-Items des aktuellen Addons wegwerfen kann, weil man ratzfatz mit deutlich stärkeren Standard-Items zugeschüttet wird. Mein “Von Null auf 90”-Charakter, den man für die Beta anlegen konnte, hatte schon ordentlichen Stat-Wumms auf seiner Ausrüstung, so dass es ein wenig lächerlich wirkte, als es zur Questbelohnung eine neue Waffe gab, die statt +255 Stärke jetzt +256 Stärke hatte. Wow indeed!

Alles in allem, wie isses? So auf die Schnelle?

Nett. Hat Potential. Ob es der große Wurf wird, wie sich Blizzard erhofft, kann ich noch nicht sagen. Oder anders ausgedrückt, ich kann das überhaupt nicht beurteilen. Zu unterschiedlich sind die Geschmäcker der Spieler und zu groß sind die Möglichkeiten sich mit dem Spiel, im Spiel zu beschäftigen. Was mir wichtig ist, kann für andere Aktive total uninteressant sein und umgekehrt. Ich selbst bin gespannt, ob die Allianz wenigstens diesmal halbwegs gescheite Questlinien bekommt oder doch wieder nur allzu brav die Lore abgewickelt wird, weil die Allis halt “die Guten” sind. Zumindest eine der ersten Quests, wo ein geschundenes Flüchtlingskind, frei nach Arya Stark, den Spieler beauftragt eine Reihe explizit benannter Ork-Wachen zu töten, “weil die es verdient haben”, lässt hoffen, dass es diesmal nicht gaaaaanz so brav wird. Wir werden sehen!

Acht gute Gründe

… warum World of Warcraft trotz seiner spielerischen Ermüdungserscheinungen dennoch einen Besuch wert ist:

WoW-awwwwww

Acht kleine, pelzige, maunzende, jaulende und patschnasse Wyvern-Welpen mit Turbodampfer-Taucherhelm und thermodynamischem Flossenantrieb.

Obwohl man im Laufe dieser Quest überhaupt nicht tauchen muss, so dachte man bei Blizzard, falls ein Spieler in diesem Moment das Bedürfnis hat das Questgebiet zu verlassen, um in den überfluteten Tausend Nadeln auf den Grund des Canyons zu tauchen, dann müssen die Begleiter, die man in dieser Quest bekommt, natürlich auch entsprechend ausgerüstet werden.

Und genau dieser extreme Blick fürs fast schon surreale Detail ist es auch, den die Konkurrenz jahrelang vergeblich versucht hatte nachzuahmen und der für diesen unnachahmlichen Charme sorgt, der mich immer wieder, entgegen aller guten Absichten und heiligen Schwüre zu diesem Titel zurücktreibt.

Alles muss raus

Dass das Ende von Onlive als funktionierender Firmeneinheit nicht automatisch das endgültige Ende des Streamens im Spielebereich bedeutet hat, sollte eigentlich jedem klar sein. Das Geschäftsmodell war eben Dreck. Nun jedoch, nun stellt sich laut einer BBC-Meldung heraus, dass selbst die hochgelobte Technik (inklusive (!) Patente) kaum Interessenten findet. Während Sony für Gaikai zu Anfang des Jahres immerhin knapp 300 Mio. Dollar hingeblättert hat, so wechselte das komplette technische Know-How und die Server und die Technik von Onlive für gerade mal 5 Mio. Dollar den Besitzer.

Weia!

Sicher, die Auguren vom Fach sagen, dass diese schon extrem niedrige Summe Folge eines überreizten Blattes auf Seiten der Insolvenzverwalter Onlives war. Ich wage aber zu behaupten, dass der Hype „Streaming im Spielebereich“ schon vorbei ist, noch ehe er richtig angefangen hat. Nicht, weil die Technik nichts taugen würde. Nein, nicht deswegen. Sondern weil sich momentan niemand so richtig vorstellen kann, wie man damit Geld verdienen soll. Und DAS ist nunmal das Goldene Kalb, um das jeder tanzt.

Doch nun zu etwas ganz anderem …

Da lag so eine Gamercard in meiner Schublade, die ich vor einer Weile bei einem meiner wenigen Besuche der örtlichen Spielestop-Filiale in einem Anfall seltenen Glücks gewonnen hatte. Ein Freimonat für WoW. Und weil die Karte ja schlecht wird, habe ich in einem Anfall oft genug auftretenden Wahnsinns wieder mit WoW angefangen und bin mir selbst wortbrüchig geworden. Ja, Schande über mich.

Und während bei Onlive alles raus muss, um zumindest zum Schluß noch etwas Geld zu verdienen, so musste bei Blizzard alles raus, was einem möglichst anspruchslosen Durchrushen bis zum maximalen Level im Wege steht. Gute Güte, ich bin ja alles andere als ein Hardcore-Raider, aber so langsam reicht es auch mir. Wobei, angesichts der Masse an Pandaren-Skeletten, die vielerorts herumliegen, scheint WoW immer noch zu schwierig zu sein. Da geht noch was, Blizz. Los, mach uns ein Sarcasta-MMO!

Da passt es dann auch, dass ich mir die Zeit zwischen dem Hasten über die (immerhin noch sehr charmant präsentierte) Welt mit Pokemon-artigen Haustierkämpfen vertreiben kann, die (zumindest mich) auch nur einige Runden lang wachhalten, bevor meine Stirn wieder unsanft auf der Tastatur aufschlägt. Sicher, alles hübsch und nett und perfekt gestylt und charmant und mit Augenzwinkern präsentiert (Haha! Warcraft 2-Mukke!) und das Pandaren-Startgebiet, welches man auch ohne das neue Addon bespielen kann, ist zwar artdesigntechnisch so was von einfallslos (einfach im Merian-Sammelband „Altes China“ nachgeschlagen), aber eben charmant und mit Augenzwinkern präsentiert. WoW ist immerhin noch charmant. Was kein geringes Verdienst ist, wenn man sich die testosteron-gesättigten Machismen der Konkurrenz anschaut, bitte nicht mißverstehen.

Dennoch … vielleicht habe ich das gebraucht, um mich final zu verabschieden.

Alles muss raus. Alles hat ein Ende.

Die Geister, die ich rief

Bedaure, aber ich muss immer noch ein wenig beim leidigen Thema Diablo 3 bleiben.

Leidig deswegen, weil das Spiel als solches immer mehr in den Hintergrund tritt und immer mehr die Rahmenbedingungen, unter denen Blizzard „Diablo 3“ betreibt, sich in den Vordergrund schieben. Und das nicht in einem positiven, angenehmen Lichte.

Wer Diablo 3 als digitalen Download im Battle.net-Shop erwirbt, muss nach dem Kauf 72 Stunden warten, bis er das Spiel vollumfänglich nutzen darf, da bis dahin folgende Einschränkungen gelten:

• Act I up to the Skeleton King is available
• Level 13 cap
• Matchmaking available only with other Starter Edition players
• No Auction House access (Real Money or Gold)
• Global Play is not available. Players attempting to connect to Diablo III Starter Edition in a region other than their Battle.net Account’s home region will receive Error 12.

Grund ist scheinbar der Versuch von Blizzard das Tun und Treiben der Exploiter einzudämmen, damit diese sich nicht sofort nach dem Erwerb eines neuen Keys losziehen und weiter exploiten.

Eigentlich ohne Worte. Eigentlich sollte jedem klar werden, was für ein Super-Fail sich Blizzard mit dem Auktionshaus und vor allem dem Echtgeld-Auktionshaus geleistet hat. Ich erlaube mir doch noch einige Worte dazu …

1. Das ist natürlich wieder eine vollkommen sinnlose Maßnahme, da vor allem gewerbliche Exploiter einfach ein paar Keys auf Vorrat kaufen, damit sie im Falle einer Accountsperrung sofort wieder mit einem bereits entsperrten Key weitermachen können. Es leidet unter dieser Aktion erneut und wiederholt nur Otto-Normal-Zocker.

2. Blizzard entwertet damit den eigenen Shop, degradiert ihn zur Key-Tankstelle für China-Farmer. Man kann Kunden nur noch raten, dort nichts mehr zu kaufen.

3. Blizzard gesteht somit ein, dass man sich nicht in der Lage sieht das Wirtschaftsystem von Diablo 3 zu kontrollieren und zu solchen verzweifelten, zudem sinnlosen Maßnahmen greifen muss, um zu versuchen die Auswirkungen von Exploits und Betrugsfällen einzudämmen.

4. Blizzard gesteht damit auch ein, dass man sich über das Auktionshaus und seine Auswirkungen im Vorfeld vor lauter Gier überhaupt keine Gedanken gemacht hat. So eine Sperrung ist auch der Ausdruck naivster Blauäugigkeit seitens Blizzard, denen in ihrer Panik, da das Spiel nur so von Bots und Exploitern geflutet wird, sonst nichts anderes einfällt.

5. Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass Diablo 3 eine dezent als MP-Spiel getarnte Geldwäschemaschine ist, deren Folgen und Auswirkungen Blizzard fast schon katastrophal unterschätzt hat.

6. Jeder, der im Vorfeld wegen des AH und vor allem wegen des Echtgeld-AHs keinen Grund für Begeisterungsstürme sah, der kann sich jetzt selbst bestätigend auf die Schulter klopfen. Ja, ihr habt es gleich gesagt. Das ist tatsächlich eine Scheißidee gewesen!

7. Nur der Vollständigkeit halber … ist DRM nicht was feines? 🙂

Ich selbst finde das mittlerweile so erbärmlich und schade, dass mich der anhaltende Power-Fail von Blizzard nicht mehr erfreuen kann. Schaltet das Teil ab, überarbeitet es in aller Ruhe, schmeisst das beschissene Dreckskack-Auktionshaus raus und die damit verbundenen Gameplay-Änderungen, packt einen ordentlichen, weil VOLLWERTIGEN SP-Modus hinzu und Blizzard wird auch in Zukunft als hochwertige Spiele produzierende Top-Firma bekannt sein und nicht als, man kann es nur wiederholen, potentielle Geldwäschemaschine für Betrüger aller Art.

Wer hätte es gedacht …

Da sagt der Lead Designer von Star Wars – The Old Republic doch tatsächlich folgendes:

we are looking at free-to-play

Nein, das ist immer noch nicht das Ende von SW-TOR oder gar Bioware. Das ist einfach nur ein sich abzeichnender gewaltiger kommerzieller Flopp, der EA und somit auch Bioware das Genick brechen könnte, der aber auch endlich der nötige Weckruf wäre, um das MMO-Genre aus den Klauen dummer Investoren zu befreien, die immer noch glauben den neuen WoW-Killer-Goldesel produzieren zu können.

Sicher, es ist gut denkbar, dass SW-Tor auf F2P-Basis wirtschaftlich überleben kann. Doch dazu müsste EA weiterhin jede Menge Geld in das Spiel investieren, denn SW-TOR müsste für F2P umgebaut werden, es müssen entsprechende Transaktionsfeatures und entsprechende Inhalte geschaffen werden. Es müssen aber auch wesentlich mehr zusätzliche Spielinhalte geschaffen werden, denn SW-Tor hat nicht die nötige “Stickyness”, um Spieler langfristig an das Spiel zu binden. Was bei einem MMO nötig ist, sei es nun mit Monatsgebühren oder F2P. Bioware hat für einen Riesenscheisshaufen Geld ein aufgeblasenes SP-Kotor mit angetackertem Multiplayer-Part geschaffen. Nach Erreichen des Levelcaps und dem Absolvieren des recht dürftigen Endgame-Contents hat der Spieler auch das Ende des SP-Spieles erreicht. Es besteht kein Grund das Spiel danach noch zu spielen. Man hat es ja durch. Bis man es vielleicht in zwei Jahren nochmals rausholt, um erneut … stop! SW-TOR ist ja ein MMO 🙂

Ob EA dieses Geld noch investieren möchte, wie hoch der Druck des Lizenzgebers ist, ob Lucas nicht vielleicht sogar die Lizenz zurückfordert und EA auf Schadensersatz verklagt … ich kann es nicht sagen. Vielleicht kann EA diverse Abschreibungstricks anwenden und SW-TOR wird als Steuerschlupfloch noch eine Weile betrieben, damit man wenigstens etwas aus all dem Geld hat, welches hier investiert wurde. Vielleicht stellt man das Spiel auch innerhalb der kommenden 12 Monate ein, weil man angesichts der bislang investierten Summen und den Geldern, die man nachträglich noch für die Schaffung neuer Inhalte und den Umbau in ein F2P-Spiel ausgeben müsste, keine Chance sieht diese investierten Geldern auf absehbare Zeit wieder einspielen zu können.

Keine Ahnung, was die Zukunft bringen wird. Man kann nur spekulieren. Zwar durchaus auf Basis hoher Wahrscheinlichkeiten, aber es bleibt zum jetzigen Zeitpunkt nur Spekulation.

Man kann aber nur hoffen, dass es JETZT ENDLICH eine Ende mit den Versuchen hat mit World of Warcraft  auf Augenhöhe konkurrieren zu wollen, auf ähnliche irrsinnige Einnahmen wie Blizzards eierlegende Wollmilchsau zu hoffen. Man kann nur hoffen, dass künftige MMO-Projekte besser fokussiert sind, sich gezielter eine Nische suchen und vielfältiger werden, um somit dem Rattenrennen in einem gesättigten Markt entgehen zu können. Man kann das nur hoffen für künftige Geldgeber und vor allem und eigentlich zuerst für uns Spieler!

Aber wie wir alle wissen … die Menschen können sehr, sehr dumm sein. Je mehr Geld sie haben, desto größer die Dummheit. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir nach den Katastrophen von All Points Bulletin und 38 Studios (der Firmengründer, Curt Schilling wird jetzt von einer der beteiligten Banken auf Schadensersatz verklagt) und nach dem mittlerweile offenkundigen Flop von SW-TOR die nächste Katastrophe erleben, die ist recht hoch.

Den mit dem Titan-Projekt von Blizzard steht der nächste potentielle Mega-Seller in den Startlöchern. Weil Blizzard immer noch weiß, wie die eigenen Kunden zu bedienen sind. Was zwangsläufig dazu führen wird, dass man Titan kopieren wird.

*seufz*

Wie gut, dass ich keinen Bock mehr auf MMOs habe. Andernfalls wäre ich jetzt ein wenig angepissed. Und würde jede Nacht zig mal den Rosenkranz beten, um sicher zu stellen, dass Guild Wars 2 genauso wird, wie es die Closed Beta angedeutet hat. Der dringend nötige frische Wind im Genre, der nächste Trendsetter, den es dann zu kopieren gilt … hey, stop, nein, nicht. Aufhören! Dumme Investoren! Platz, dummer Investor, Platz!!