Schritt für Schritt

Dem einen oder anderen mag vielleicht ein wenig das Gähnen überkommen, aber das Thema “Kopierschutz und DRM” wird mich hier noch solange beschäftigen, solange Firmen versuchen Kunden zu entrechten und mit technischen Maßnahmen die Kontrolle über die Produktnutzung des Kunden zu erreichen.

Akuell zum Thema ein Interview mit Claas Paletta von Daedalic Entertainment, die für “Edna bricht aus” auf einen Kopierschutz verzichten.

Ich finde diese Entscheidung vor allem deswegen so bemerkenswert, weil hier ein deutscher Publisher meines Wissens zum ersten Mal auf einen Kopierschutz für ein Vollpreisspiel verzichtet. Ansonsten ist man ja aus teutonischen Gefilden die übliche Nibelungentreue zu Starforce gewohnt (lange Zeit CDV, Koch Media/Deep Silver, immer noch Frogster), die Einführung ebenso lächerlicher Online-Aktivierungen (Zuzzex) und die Zusammenarbeit mit bundesweit bekannten Serienabmahnern zwecks legaler Schutzgelderpressung (Koch Media, Zuzzex, CDV). Andere Publisher wie dtp oder bhv verwenden selbstverständlich ebenfalls einen Kopierschutz für ihre Produkte.

Schön sind auch die Gründe für einen Verzicht und der Mut, offensichtliche Tatsachen endlich zu respektieren und dementsprechend zu handeln. Natürlich gibt es zum Releasetag (oder nur wenige Tage später) einen passenden NoCD-Crack. Natürlich ist ein Kopierschutz somit vollkommen nutzlos und rausgeschmissenes Geld. Natürlich erzeugt die Verwendung eines Kopierschutzes für Entwickler wie Publisher nur Kosten, die somit NACHWEISLICH den Umsatz beeinträchtigen. Und natürlich hat der Kunde und Käufer nichts von einem Kopierschutz ausser haufenweise Ärger. Ärger, den er zum Publisher trägt, dort erneut (!) Kosten durch den Supportaufwand erzeugt und letztendlich sogar dem Publisher und seinen Produkten den Rücken kehren kann. Von so Nebeneffekten wie schlechtem Image und negativer Mundpropaganda mal abgesehen.

Von daher … schön, dass endlich auch ein deutscher Publisher den Mut bewiesen hat, sich gegen die Urban Legend von der Notwendigkeit eines Kopierschutzes zu stellen und endlich FAKTEN bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt, anstatt voller Angst und Paranoia auf die tröstende Wirkung des Talismans “Kopierschutz” zu setzen.

Ich erwarte jedoch nun keine losbrechenden Dämme bei der Konkurrenz, sondern ein vorsichtiges Beäugen des kommerziellen Erfolges eines Non-Mainstream-Spieles, nur um beim leistesten Anzeichen durchwachsener Umsätze hämisch und schadenfroh mit dem Finger zu zeigen und zu sagen: “Ich hab’s doch gleich gesagt! Mit Kopierschutz hätte sich das Spiel klar besser verkauft!” :)

Doch … Schritt für Schritt werden die Firmen nicht an dem Umstand herumkommen, dass ein Kopierschutz rausgeschmissenes Geld ist und auch andere Versuche mittels DRM zB. dem blühenden Gebrauchthandel ein Ende zu bereiten, kläglich scheitern werden. Denn Mehrumsatz erzielt man nur, wenn man die Kundschaft dazu bewegen kann, freiwillig (!) ihre begrenzte Kaufkraft an dieser und eben nicht an jener Stelle auszugeben. Zwang ist hingegen der vermeintlich leichte Weg, der vermeintlich schnelle Weg … und der führt, wie wir alle wissen, nur zur Dunklen Seite der Macht! :)