Warum Software-Piraterie (in manchen Fällen) moralisch in Ordnung ist

Heute geht es ausnahmsweise nicht darum, wie chröcklich chlimm DRM ist oder wie Marketing-Abteilungen vollkommen skrupellos Aufmerksamkeit erzeugen oder welche dreisten Lügen aus dem Mund von Firmen-Offiziellen dringen. Nein, heute geht es ganz nüchtern und sachlich nur um Zahlen. Sowohl um Zahlen in der Form von 1-2-3-4 als auch in Form von “Geld zahlen”.

Denn wir als Kunden müssen Geld zahlen, um kostenpflichtige Dienstleistungen der Anbieter legal nutzen zu dürfen. Dagegen ist ganz grundsätzlich nichts einzuwenden, denn der Austausch von Waren und Dienstleistungen gegen Geld oder geldwerte Gegenleistungen ist die Grundlage für diesen unseren Wohlstand.

Firmen haben auch zu zahlen. Zum Beispiel das Gehalt für ihre Angestellten, welche diese Waren und Dienstleistungen herstellen und ausführen. Weil Sklaverei zum Glück illegal ist. Kluge Firmenleitungen erkennen zudem, dass nicht allzu knappe Gehaltszahlungen ganz grundsätzlich eine sinnvolle Sache sind, weil dadurch Kaufkraft erzeugt wird, die man dann von den eigenen Angestellten und vor allem den Angestellten der anderen (!) Firmen abschöpfen kann.

Wir beide, Kunden und Anbieter müssen zudem Steuern zahlen. Damit der Empfänger der Steuern, der Staat, unser Geld dafür verwendet, um entsprechende Rahmenbedingen zu schaffen, innerhalb derer man zum Beispiel ein geregeltes, ausreichendes Einkommen beziehen oder gute Geschäfte machen kann. Was gut für die Gesellschaft ist, ist auch gut für das Geschäft, weil es anhaltendes Geschäft für eine große Anzahl von Firmen sichert.

Soweit, so gut.

Nun gibt es jedoch Abweichungen von dieser Regel. Es gibt Kunden, die aus den verschiedensten Gründen nicht bereit sind den geforderten Preis zu entrichten, die Ware oder die Dienstleistung dennoch verbrauchen, in Anspruch nehmen. Es gibt Firmenleitungen, die aus den verschiedensten Gründen nicht bereit sind ihren Angestellten einen adäquaten Lohn zu bezahlen und wo man kein Problem mit der Wiedereinführung der Sklaverei hätte.

Und dann gibt es noch Firmenleitungen, die in einem derartigen Ausmaß Steuervermeidung praktizieren, dass dagegen alles verblasst, was Kunden im privaten Rahmen möglich wäre. Wo Steuervermeidung in einem solchen Ausmaß praktiziert wird, dass man es längst nicht mehr ein harmloses Kavaliersdelikt betrachten kann, sondern asoziale, das Gemeinwesen schädigende Größenordnungen erreicht hat. So sollen alleine nur US-Firmen über 2 Billiarden Dollar in Steuerfluchthäfen gebunkert haben. Vollkommen legales, asoziales Verhalten wohlgemerkt. Steuervermeidung in solchen Größenordnungen ist interessanterweise keine Grauzone, sondern durch und durch, zu 100% legal und gesetzlich gedeckelt.

Und was hat das mit Spielen zu tun?

Genug!

Ein niederländischer Journalist hat sich vor ein paar Monaten genauer angeschaut, wie es denn die großen US-Anbieter im Spielebereich handhaben, genauer gesagt, wie es Activision-Blizzard handhabt:

https://thecorrespondent.com/6942/bermuda-guess-again-turns-out-holland-is-the-tax-haven-of-choice-for-us-companies/417639737658-b85252de

Im Prinzip läuft das folgendermaßen ab:

  1. Activision gründet eine sehr spezielle Briefkastenfirma in einem Steuerfluchthafen, hier die Niederlande.
  2. Activision überträgt ALLE Rechte an ihren Spielen an diese Briefkastenfirma, die Activision Netherlands CV.
  3. Die Activision Netherlands CV hat eine Tochterfirma, die Activision Netherlands BV.
  4. Die Activision Netherlands BV ist eine richtige Firma mit richtigen Angestellten. Sie betreut den internationalen Vertrieb aller Acti-Blizz-Spiele. Was total praktisch ist!
  5. Die BV macht Umsatz zwischen 2009 und 2014 in Höhe von 5.9 Milliarden Euro.
  6. Die BV entrichtet Lizenzgebühren in Höhe von 4.3 Milliarden Euro an die CV.
  7. Die CV überweist 1.9 Milliarden Euro an Acti-Blizz in den USA, damit Acti-Blizz Gehälter und Rechnungen bezahlen kann.
  8. Es bleiben übrig über 2 Milliarden Euro vor EBITDA, vor Steuern und Abschreibungen
  9. Das niederländische Recht sagt, dass die CV ihre Steuern in den USA entrichten.
  10. Das US-Recht besagt, dass die CV ihre Steuern in den Niederlanden entrichten muss.
  11. Was dazu führt, dass die CV EFFEKTIV KEINE STEUERN ZAHLT!
  12. Was dazu führt, dass bei der Activision Netherlands CV über 2 Milliarden Euro steuerfrei herumliegen.

ActiBlizz -CV-BV setup

Aus dem TheCorrespondent-Artikel.

Mit diesem Geld kann Acti-Blizz dann Firmenaquisitionen tätigen, vornehmlich in Europa, um die dortigen Steuervorteile weiter zu nutzen und damit die Profite noch mehr zu erhöhen. So hat Acti-Blizz die Hälfte des Kaufpreises für den irischen (!) Entwickler der Candy Crush Saga mit Geldern der Activision Netherlands CV bezahlt. Mit Geld, welches man nicht versteuern musste. Geld, welches man dadurch zusätzlich “übrig” hatte. Und weil Irland ein noch besserer Hafen für Steuerflüchtlinge ist, kann man dort nochmals (!) einen ordentlichen Batzen Steuern sparen.

Und wer hat dieses Gesetz in den Niederlanden maßgeblich mitgeprägt? Nach Informationen des niederländischen Journalisten unter anderem ein Mr. Alexander Hent, seines Zeichens immer noch Senior Director International Tax at Activision Blizzard.

Yay!

Der Youtuber “Super Bunnyhop” hat das in diesem Video nochmals gut erklärt:

Zusätzlich hat er sich die Mühe gemacht zu überschlagen, wie viel Steuern Acti-Blizz auf diese Weise gespart hat. Er kam auf einen durchschnittlichen Steuersatz von lediglich 13% im Vergleich zum Standardsatz für US-Firmen von 35%.

22% weniger Steuern sind angesichts der Milliardenumsätze, die Spielekonzerne wie Acti-Blizz tätigen, ne ganze Menge Schotter.

Zusätzlich hat er sich die Mühe gemacht die Ausgaben von Acti-Blizz mal genauer anzuschauen und hat herausgefunden, dass die Ausgaben seit Jahren sinken, obwohl die Spieleentwicklung immer teurer wird. Weil das Spieleangebot schrumpft, weil man aus immer weniger Titeln Dank Microtransactions immer mehr herausholen kann.

Und er hat herausgefunden, dass Acti-Blizz immer mehr Gewinn durch vollkommen legale Steuervermeidung erzielt als durch die tatsächliche Herstellung und den Verkauf von Spielen. Die sind mittlerweile nur noch Mittel zum Zweck des eigentlichen Geschäftsmodells, der Steuervermeidung.

Man kann davon ausgehen, dass EA, Ubisoft und alle anderen großen Firmen im Spielebereich dies ebenso tun.

Weil Steuervermeidung viel zu lukrativ ist, um es nicht zu tun!

Übrigens, auch wenn Super Bunnyhop so ab Minute 10.00 des Videos Valve erwähnt, so hat das dort aufgeführte Prozedere in Frankreich nichts mit Steuern, sondern mit Verbraucherrechten zu tun. Wir erinnern uns an ähnliche Prozesse in Deutschland, wo die Verbraucherzentrale Teile der AGBs und Geschäftspraktiken mit Steam angemahnt hatte.

Wobei, diese Steuervermeidung ist so derart weit verbreitet … es würde mich nicht wundern, wenn Valve entsprechende Leichen im Keller haben würde. Denn Valve macht genug Asche mit Steam, dass man umsatzmäßig mit den Majors längst gleichgezogen hat. Für 2010 wird ein Umsatz von ca. 1 Milliarde Dollar geschätzt. Da rentiert sich der ganze Aufwand lockerst.

Aber Valve ist hier nicht das Thema. Wir wissen es nicht und ich vermute hier nur auf der Basis von Wahrscheinlichkeiten und nicht nachprüfbaren Fakten.

Ok, was kann man dagegen tun? Spiele bestimmter Firmen nicht mehr kaufen?

Nope. Ein Boykott ist ziemlich sinnlos, weil wir uns hier nur an Symptomen abarbeiten, anstatt dem Problem auf den Grund zu gehen. Es macht keinen Unterschied, wenn ich aufhöre auf den offiziellen WoW-Servern zu spielen. Abgesehen davon, ich möchte schon meinen Teil entrichten, wenn ich schon diese offizielle Dienstleistung in Anspruch nehme.

Denn das Problem lautet: Gesetze, die unter dem Einfluss von Industrie-Lobbyisten geschrieben werden, um ganz bewusst Steuerschlupflöcher zu schaffen.

Ich habe keinen Schimmer, wie man das effektiv und zielführend angehen kann, aber es ist, wie auch im Artikel in The Correspondent beschrieben, ein Anfang, dass Steuerflucht und die Mechanismen von Steuerflucht bekannt werden, dass darüber gesprochen wird. Dieses spezielle Steuerschlupfloch in den Niederlanden wurde sogar teilweise geschlossen. Neunundneunzig andere sind noch offen oder kommen wieder hinzu.

Was können wir also tun? Darüber reden. Andere informieren. Versuchen das Thema genug zu verstehen, um es anderen treffend genug erklären zu können.

Und wenn einem nach all der anstrengenden Lektüre oder dem Versuch jemandem die Feinheiten internationaler Steuerschlupflöcher nahe zubringen, der Kopf raucht … der kann sich dann entspannt mit einem kopierten Spiel/Film dieser Firmen vergnügen, wohl wissend, dass diese Firmen für ihr asoziales Verhalten keine Gesetze brechen müssen, weil sie sich passende Gesetze schreiben lassen, um für ihr asoziales Verhalten keine Gesetze brechen zu müssen. Zumindest würde ich es niemandem explizit vorwerfen sich mit Schwarzkopien von Inhalten dieser Firmen zu vergnügen.

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Worte der Warnung: Der Steam De-Installer

Wir schreiben das Jahr 2017.

Steam befindet sich auf allen Rechnern.

Auf allen? Nein, nicht auf allen.

In einer kleinen Ecke Südwestdeutschlands befindet sich ein PC, auf dem sich seit gestern Abend kein Steam mehr befindet.

Nicht grundsätzlich und für immer. Nur temporär, weil versucht wurde die unerklärlich anhaltend, sehr starke Festplattenaktivität und die daraus resultierenden Freezes beim Verschieben des Fensters und der generellen Bedienung des Clients zu lösen.

Programme deinstallieren => Steam de-installieren => Aufstehen, in die Küche gehen.

Nach einer Weile aus der Küche zurückkehrend, stelle ich fest, dass der Steam-Client zwar vollständig und sauber entfernt wurde, die De-Installationsroutinen (haha!) aber auch alle Spiele und Nutzerdaten, ALLES ohne Rücksicht gelöscht haben, was sich im Steam-Order befunden hat. Ohne Rückfrage, ohne Hinweis, stillschweigend.

Ich lese dann auf Steam-Support-Seiten, dass dies vollkommen reguläres Verhalten ist und man dem Nutzer nicht empfiehlt Steam direkt in wichtigen Programmverzeichnissen oder gar dem Systemordner zu installieren. Weil beim De-Installieren sonst alles gelöscht wird, was sich z.B. in C:\Windows befinden würde.

Wie bitte?

Das mit den gelöschten Spielen und Nutzerdaten geht mir am Allerwertesten vorbei. Das sind keine wichtigen Daten gewesen. Savegames befinden sich entweder inner Klaut oder in „Eigene Dateien“ oder wo sonst Spiele ihre Daten wild im System verteilen, weil sich kaum ein Entwickler an Vorgaben halten will und es jeder besser weiß. Und Spiele lassen sich wieder runterladen oder aus Backups restaurieren. Meh!

Nein, was mich hier ein wenig fassungslos macht, dass ist die ungefragte (!) Radikalität, mit der hier vorgegangen wird. Ich werde nicht gefragt, ob ich vorher Daten sichern möchte. Ich werde nicht darauf hingewiesen, dass anstatt einer sauberen, regelkonformen De-Installation aller vorher installieren Dateien (und NUR dieser Dateien), wie das sonst üblich ist, stattdessen mit einem primitiven „rmdir steamfolder /s“ gearbeitet wird.

Weia!

Die Besten der Besten der Besten, Sir!

Grenzüberschreitungen – Leicht gemacht

Zuallererst möchte ich mich dafür entschuldigen, dass wieder so viel Zeit zwischen Postings vergehen. Nein, weder ist World of Warcraft oder sonst ein anderes Spiel daran Schuld, sondern der leidige Umstand, dass ich beruflich stark eingespannt bin und in meiner Freizeit derzeit nicht die richtige Muße finde, um substanzielle Blogbeiträge zu verfassen, die über stumpfes Rumgenöle zu diesem oder jenem Aufregerchen hinausgehen. Wenn ich nach Hause komme, reicht es gerade mal für ein paar PvE-Quests mit meiner schnuckeligen Gnomen-Jägerin und ihrem mechanischen Hasen. Ok, WoW ist doch Schuld! 🙂

Doch zurück zum Thema …

Aktuell findet auf GOG wieder ein Sale statt.

Der Summer-Sale 2017. Viele Spiele, zu niedrigen Preisen.

Alle Spiele? Nein, nicht alle Spiele, wenn man über eine deutsche IP den Shop aufsucht. Seit zwei Jahren filtert man auch in Polen diverse Titel, um potentiellen Ärger mit deutschen Behörden aus dem Weg zu gehen. Meines Erachtens ist das zwar weder notwendig, noch würde es nachteilige Folgen haben (all die Jahre davor hat sich ja keine Sau dafür interessiert), doch da GOG.com zu CDP gehört und CDP ein börsennotiertes Unternehmen sind, muss man dort gewisse Standards einhalten, zu denen auch eine in den Augen von Normalsterblichen manchmal eher unnötig erscheinende Risikobewertung gehört.

Brutale Metzelshooter und/oder Spiele mit *hachhuch* phösen Hakenkreuzen werden für deutsche IPs nicht mehr angezeigt und können somit nicht mehr auf herkömmlichem Wege erworben werden.

Der nicht herkömmliche Weg ist aber so einfach zu beschreiten, dass man durchaus auf den Gedanken kommen könnte, dass CDP nur den Schein wahren möchte und auf striktere Regionalbeschränkungen keinen Wert legt.

Wie kaufe ich als deutscher Kunde phöse Spiele auf GOG.com, Stand Juni 2017

  1. Man installiere im Browser ein VPN-Plugin wie z.B. Zenmate.
  2. Man aktiviere das Plugin und wähle aus, über welchen Server-Standort die Browser-Daten geleitet werden sollen. Der Standort USA genügt für diesen Fall.
  3. Man öffne ein neues Browser-Fenster im Privacy-Modus.
  4. Man suche die GOG-Seite auf und wähle sich in seinen Account ein.
  5. Man lege das gewünschte Spiel, welches man mit deutscher IP nicht zu sehen bekommt, in den Warenkorb.
  6. Man wähle als Bezahlmöglichkeit Kreditkarte oder Paypal. Mangels Kreditkarte kann ich nur Paypal wählen, aber es gibt meines Wissens keinen Grund hier nicht eine Kreditkarte zu verwenden.
  7. Man bezahle.
  8. Die gekauften Spiele erscheinen im Account und können manuell oder über den Galaxy-Client heruntergeladen und installiert werden.
  9. Die gekauften Spiele BLEIBEN und ERSCHEINEN selbstverständlich im Account, gleichgültig welche IP verwendet wird.
  10. Seit gestern Abend bin ich stolzer Besitzer der beiden preislich stark gedrückten Titel „Singularity“ und „TimeShift„, die beide auf herkömmlichem Wege deutschen Internet-Nutzern nicht zur Verfügung stehen.

Beide Titel sind leider zum Zeitpunkt ihres Erscheinens total untergegangen. Vor allem Singularity litt unter einem quasi nicht vorhandenen Marketing seitens Activision und geriet auf dem heiß umkämpften Shooter-Markt zu einem Flop. TimeShift ereilte ein ähnliches Schicksal. Kaum beworben, kaum bekannt, kaum gekauft.

Dabei sind das hochwertig und aufwendig produzierte Shooter, die mit ihren Zeitmanipulations-Features ausgetretene Pfade verlassen und sich an Neues wagen.

singularity_04

timeshift_wallpaper

Wäre doch schade, wenn sie weiterhin niemand erwirbt und spielt, nur weil eine Firma potentiellen Ärger mit deutschen Behörden vermeiden möchte, nicht wahr? 🙂

Dieselstörmers oder Wie ich lernte Refund zu schätzen

Man kennt das vielleicht: Auch wenn sich entsprechendes Wissen auf rationaler Ebene längst festgesetzt hat, so braucht es manchmal eine Weile, bis dieses Wissen auch vom Rest der ÜBSEF-Konstante, des eigenen Wesenskernes verinnerlicht wurde.

Sei es das immer wieder lustige „Ja, meine Frau ist jetzt seit drei Monaten schwanger, in einem halben Jahr werde ich Vater.“ *kurze pause* *atem scharf einzieh* „Scheisse! In einem halben Jahr werde ich Vater!!!“ *aufjaul* oder diverse andere Veränderungen etablierter Lebensumstände, deren Folgen man erst nach einer Weile tatsächlich VERSTANDEN hat.

Weniger dramatisch und einschneidend (potentielle Nachwuchsglückwünsche also bitte wieder unauffällig entsorgen) erfolgte das letztlich beim Durchstöbern der Angebotsliste auf Steam. Es fanden sich ein paar nette Titel (über die es das eine oder andere später zu sagen gibt), die gemietet und gleich angespielt wurden.

Einer davon entpuppte sich als Rohrkrepierer. Was jetzt weniger am Spiel als vielmehr an mir, bzw. der Kombination aus Spiel und meinen Vorlieben bestand. „Dieselstörmers“ (den neuen Namen weigere ich mich aus Protest gegen besagten Hersteller von Textilien zu verwenden) würde ich nicht als schlechtes Spiel bezeichnen. Es ist nur nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Spiel und meine Wenigkeit entpuppen sich nach nur wenigen, immer mehr mit Frustration angefüllten Minuten (Wo gibt es hier Healthpacks? Was mache ich hier? Hallo? Warum sind da so viele Gegner? Hilfe! Warum ist das so bockelheftig?) als nicht miteinander kompatibel.Also so gar überhaupt nicht. Vollständig. Komplett aneinander vorbei, ohne auch nur den Hauch potentieller Berührungspunkte. Schneller und gründlicher das Beziehungsstadium „Hat sich nichts mehr zu sagen“ erreicht als bei einem eher unerquicklichen Blind Date.

Ein eklatanter Fehlkauf.

Früher™ hätte ich leise geflucht und mich maßlos geärgert. Weil halt Geld sinnlos rausgeballert und so. Mein Steam-Account enthält den einen oder anderen auf diese Weise entstandenen, verschämt ausgeblendeten Fehlgriff. Dass der Kunde aber seit letztem Jahr den Mietvertrag zwischen Steam und Kunde nach weniger als 2h Spielzeit anstandslos, bei voller Kostenrückerstattung aufheben kann, das ist mir bekannt. Das weiß ich. Da in meinem Kopf. Schwarz auf Weiß in plakatgroßen Lettern. ICH WEISS DAS!

Aber ich habe es noch immer nicht verinnerlicht, denn was tue ich nach 15 Minuten erfolglosen Versuchen mit Dieselstörmers anzubandeln? Leise fluchen und mich maßlos ärgern. Bis dann irgendwann die flache Hand gegen die Stirn klatscht. Neeee, musse ja gar nich fluchen und ärgern. Isse doch nix chlimm, weil kannse doch refunden!!!

Steam Support angeklickt, den letzten Mietvorgang angeklickt, auf Refund geklickt, auf Deinstallieren geklickt. Fall erledigt. Der Betrag wurde nach wenigen Stunden gutgeschrieben, alles war wieder grün. Supergrün. Manche Dinge brauchen eine Weile, bis man sie tatsächlich VERSTANDEN hat. Hätte nie gedacht, dass so eine lächerliche Sache wie ein neues Refund-System dazugehören 🙂

Übrigens, was habe ich mit der Kohle gemacht? Richtig, sie natürlich gleich in ein neues Spiel gesteckt, ich kleiner Schelm.

Das Spielejahr 2016

Eigentlich … eigentlich war das bald ablaufende Jahr 2016 ein gutes Spielejahr aus meiner ganz subjektiven Perspektive. Ich steigere mich sogar zu der Behauptung, dass 2016 das mit Abstand beste Spielejahr ist/war, seit ich vor bald zehn Jahren dieses Blog begonnen habe.

Warum eigentlich? 2016 hat erneut, mal wieder, wenig überraschend jede Menge übles Zeugs in der Spielebranche stattgefunden. Die Majors treiben es immer wüster und haben mittlerweile kein Problem damit Vollpreisspiele nachträglich oder gleich zum Release mit Mikrotransaktionen und Ingame-Shops vollzustopfen, weil die Kundschaft offenbar damit kein Problem hat. Oder nicht genug, weil bevor man auf das neue Lieblingsspiel verzichtet, beisst man doch lieber die Zähne zusammen und lässt sich duldsam mit einem rostigen Nagelstock gesäßpenetrieren.Weil die Wundsalbe für danach, die kann man ja als Vorbesteller-Extra beim Erwerb des Season Pass bekommen, nicht?

Emotionale Abhängigkeit is a bitch und hat auch 2016 nichts von ihrer fatalen Wirkung verloren.

Warner Brothers haben 2016 EA und sogar Ubisoft den Rang als Shittiest Publisher abgelaufen. Zuerst lässt man willentlich auf die Kunden eine PC-Version von Arkham Knight los, für welche die Tags „unfertig“ und „miserabel portiert“ noch vie zu höflich wären. Dann, nach einem richtig fetten Shitstorm, zieht man das Teil endlich aus dem Verkauf, veröffentlicht es einige Monate später erneut … mit nur marginalen Verbesserungen. Die PC-Version ist wohl weiterhin auf technischer Ebene broken by design zu sein. Nichtsdestotrotz stürmt das Arkham Knight-Rerelease kurzeitig die Steam-Verkaufscharts, weil sogar die Herrenrasse an emotionaler Abhängigkeit, gallopierender Vergesslichkeit und einem ausgeprägten Blitzblendvorgaukelreinfall-Syndrom leidet. Von daher wundert es auch gar nicht, wenn Warner Brothers überhaupt keinen Bock hat die technisch höchst unzulängliche PC-Version von Mortal Combat X entsprechend zu fixen und lieber tonnenweise DLC dafür anbieten möchte. Weil … man kann es mit den Leuten ja machen, weil die Leute größtenteils dumme, lernresistente Hohlfritten sind, die man noch leichter am Nasenring durch die Gegend ziehen kann als ein kleines, verängstigtes Schaf.

Übrigens ein durchgängiges Leitmotiv für das bald abgelaufene Jahr … doch zurück in den Spielebereich, hehe.

Höchst faszinierend war eine Graphik, die Ende November von Mr. Steamspy aka Sergey Galyonkin veröffentlich wurde:

Holy crap, Batman! Dieses enorme Wachstum, die Flut an Sturgeon’schem Ausschuß nicht besorgniserregend zu finden, setzt entweder große Wissenslücken in grundlegenden volkswirtschaftlichen Prinzipien voraus (was nicht schlimm ist) oder bewusstes Ignorieren des Umstandes, DASS DAS DA, vor allem im Lichte der Weigerung seitens Valve endlich eine vernünftige Qualitätssicherung einzuführen, kein gutes Ende nehmen kann. Kein gutes Ende für Valve. Kein gutes Ende für gute (!) Indies, die über Steam den Großteil ihres Umsatzes bestreiten und angesichts dieser schier unfassbaren Masse immer weniger gefunden werden. Kein gutes Ende für Leute, die viel Geld in Mietsoftware gesteckt haben, ohne entsprechende DRM-freie Sicherungen anzulegen.

Im diesen Zusammenhang möchte ich eine der guten Sache erwähnen, die 2016 passiert sind:

  • GOG Connect:
    Mit dem Steam-Account verbinden lassen und PRESTO! verfügt man ganz offiziell und legal über DRM-freie Versionen ausgewählter Titel, die man bereits im Steam-Konto hatte.

Erwähnenswert finde ich im negativen Kontext noch die Releasepolitik von EA. Gut, nicht für mich und den Rest der Menschheit negativ, aber wäre ich ein Angestellter von Respawn, ich würde nach Neujahr anfangen mich nach einem neuen Job umzusehen. Weil, haha, Verschwörungstheorie, EA offenbar ganz bewusst Respawn ruinieren will, um dann aus der Insolvenzmasse die Rechte an Titanfall herauskaufen zu können. Sicher, man könnte auch sagen, dass bei EA Vollidioten arbeiten, die meinten, es sei eine schlaue Idee den Nachfolger des als MP-Shooter etablierten Titanfall direkt nach dem alle Schlagzeilen dominierenden MP-Shooter Battlefield 1 zu veröffentlichen. Der EBENFALLS bei EA erschienen ist. Aber ich will nicht annehmen müssen, dass bei EA die Führungsetage, die solche Grundsatzentscheidungen trifft, aus Vollidioten besteht. Der Vorstand solcher international agierender Konzerne mit jährlichen Umsätzen in Höhe einiger Milliarden Dollar besteht doch ganz bestimmt aus gewieften Geschäftsleuten, die jeden Tag mindestens drei diabolische Welteroberungspläne beschliessen, oder? Oder nicht? Nun, Ockham Rasiermesser lässt nur einen Schluss zu 🙂

Im Gegensatz zu früheren Jahren reibe ich mich an solchen negativen Geschichten aber nicht mehr auf. Ich habe gelernt mich entweder darüber königlich zu amüsieren oder es nach kurzem Kopfschütteln zu ignorieren, so es mich nicht betrifft. PAL, das Problem Anderer Leute, ist immer mehr zum Leitmotiv geworden. Was aber nur heisst, dass ich mich über ein gewisses Maß hinaus nicht mehr mit den Problemen anderer Leute belaste und sie zu meinen eigenen mache. Und nicht, dass ich gänzlich die Augen vor allem verschliesse, was nicht unmittelbar vor der eigenen Nasenspitze stattfindet.

2016 ist für mich ein tolles Spielejahr, weil folgende Dinge passiert sind:

  • „Battletech“ von Harebrained Schemes:
    Ein erfolgreicher Kickstarter plus zusätzlich nach aktuellem Stand über 300k durch die weiterhin offen stehenden LateBacker-Zahlmöglichkeit plus eine phantastisches Alpha-Gameplay-Video lassen mein Herz höher schlagen. Und zwar nicht, weil ich als Battletech-Fanboy blind alles bejubele, was auf zwei myomermuskelbepackten Laufbeinen über das Schlachtfeld stapft, sondern weil der Entwickler mehrfach (!) in den letzten Jahren bewiesen hat, dass er lizensierte Settings respektiert und nicht nur ankündigen, sondern auch liefern kann.
  • „Shadow Warrior 2“ von Flying Wild Hog:
    Ein Shooter, so gänzlich und durch und durch nach meinem Herzen. Ich herze SW2. Sehr! Deswegen muss ich auch gar nicht viel dazu sagen. Nur lieben!
  • „Grim Dawn“ von Crate Entertainment:
    Innerhalb kürzester Zeit hat sich „Grim Dawn“ an die Spitze meiner persönlichen „Schau, wie Du Dein Leben an Videospiele vergeudest“-Chart gesetzt und dominiert dort alles, was ich im Laufe von über 8 Jahren jemals über den Steam-Client an Playtime „erzeugt“ habe. Satte 269 Stunden. Was einen Grund hat. Der Grund lautet: Grim Dawn ist für mich das derzeit beste Hack & Slay, was wo geben tut. Da stimmt (fast) alles. Der Perfektion ganz gefährlich nahe. Großartig.
  • Das Hack & Slay Genre von allen:
    Hacken und Schlachten. Looten und Leveln. Aber dieses Jahr so richtig viel davon. Weil dieses Genre quicklebendig ist und zum Glück nie Gefahr lief ein glattgebügelter Mainstream-Zombie zu werden, nie das Schicksal des Egoshooters teilte. Grim Dawn als neuer Titel. Titan Quest bekam mit der Anniversary Edition eine erneuerte und verbesserte Neuauflage. Ich habe mich wieder dem gepflegten Irrsinn eines Sacred 2 hingegeben. Torchlight 2 wurde einer größeren Modding-Kur unterworfen. Selbst ein Diablo 3 RoS hat endlich Gnade vor meinen Augen gefunden. Hacken und Schlachten. Mehr, MEHR!
  • Brutal Doom von Sergeant_Mark_IV:
    Ja, mehr von allem. Mehr Pixelblut, mehr Pixelgedärme, mehr Finishing Moves und mehr von einer endgeilen neuen Kampagne mit 30 Maps. Als „Brutal Doom“ in der rundumerneuerten Version 2.0 gleich zu Beginn des Jahres erschien, habe ich mich wochenlang mit nichts anderem beschäftigt. Die neue Kampagne, die alten Maps von id Software, neue User-Maps. Alles wurde mit „Brutal Doom“ versehen. Dann wurden Mods für den Mod ausprobiert. Neue Waffen mit NOCH FETTEREN Sounds. Neue Marine-Voiceovers. Neuer Soundtrack. Und seit ein paar Wochen gibt es immer wieder ein paar Minuten mit „Brutal Doom 64„, wo man dem PC-Nachbau der N64-Version eine modifizierte BrutalDoom-Behandlung unterzieht. Mod des Jahres! Nein, stop …
  • Enderal von Sure.AI:
    DAS HIER, DAS HIER IST MOD DES JAHRES 2016!!!! Andernorts werden solche Projekte mit Millionenaufwand produziert und entsprechend massenmarkt-mäßig verkauft. Sure.AI verschenkt solche Projekte als kostenlosen Mod. So wie Enderal, wo man auf der Basis von Skyrim wieder ein vollkommen eigenständiges Spiel mit den üblichen Containerschiffen voller Leidenschaft, Detailwahn und Herzblut erstellt hat. Und damit nicht genug, wurde jetzt ein DLC (ich traue mich kam dieses schmutzige Wort für dieses Werk der Liebe zu verwenden) zum Mod angekündigt, der mehr Umfang bieten soll als so manches Vollpreis-RPG.
  • WoW Legion von Blizzard:
    wut? Was macht das hier?
    Was das hier macht? Das macht Sinn hier! „Legion“ ist der Grund, warum ich derzeit wieder WoW spiele. „Legion“ zeigt, dass Blizzard WoW nicht kampflos in den nächsten Jahren ausdümpeln lässt. Mit einem irrsinnigem Aufwand wurden hier Tonnen von neuen Inhalten geschaffen, es wurde aus den Fehlern des Vorgängers gelernt. Vor allem ich als PvE-Spieler bin schwer begeistert. Es gibt viele richtig, RICHTIG gute Questreihen und wenn man glaubt, dass man das Ende der Storyprogressions-Level-Fahnenstange erreicht hat, fängt es bei „Legion“ erst so richtig mit PvE an. Grind gibt es nicht mehr. WoW war eh schon sehr frei vom typischen Galeerensklaven-Gameplay asiatischer MMOs, Legion ist der Höhepunkt dieser Entwicklung. Denn gerade durch den Umstand, dass es nach Erreichen des Maxlevels das PvE-Spiel erst richtig anfängt, löst man sich gedanklich immer mehr vom typischen „Ich muss noch 240 NPCs killen oder 719 Brote backen, damit ich den nächsten Level erreiche“. Man beschäftigt sich immer weniger mit der üblichen MMO-Zahlenmühle, sondern konzentriert sich mehr auf die Geschichte, die Landschaft, das Spiel selbst. Laune. Viel!
  • Crowdfunding von allen Bäckern und Backern:
    Crowdfunding wurde auch dieses Jahr totgesagt, zu Grabe getragen und erfreut sich bester Gesundheit. Crowdfunding ist nicht mehr dieses obskure Ding, unter dem sich niemand etwas vorstellen kann, sondern ein etabliertes und valides Finanzierungsmodell. Hier geht nix mehr weg, hier bricht nix mehr zusammen. Crowdfunding bleibt. Und sorgt jedes Jahr für die Realisierung einer ganzen Reihe von Projekten, die sonst nie das Licht der Welt erblicken könnten. Große Projekte, kleine Projekte. Gescheiterte Projekte, erfolgreich abgeschlossene Projekte. Gauner und seriöse Entwickler, Chaoten und Vollprofis buhlen um unser Geld. Welches wir selbstverständlich, als die aufgeklärten und vernünftigen Backer, die wir sind, nach intensiven Due Dilligence-Prüfungen natürlich nur in Projekte stecken, die unser Geld verdient haben ;-P
  • Tyranny von Obsidian:
    Und zum Schluß das dritte crowdfinanzierte (doch nicht so wirklich crowdfinanzierte) Projekt, welches mein Spielejahr 2016 zu einem guten Spielejahr gemacht hat. „Tyranny“ ist meines Erachtens eines der wenigen Spiele, die mir als Spieler die Ambivalenz des Bösen, die manchmal so leichte Austauschbarkeit mit dem Guten erstklassig nähergebracht hat. Das ist nicht einfach nur ein simples Hochzählen von Werten auf einer Gut/Böse-Skala. Das ist nicht einfach nur ein simples Abklicken von klar als „gut“ oder „böse“ markierten Dialogoptionen, so dass ich als Spieler möglichst NICHT denken muss. Tyranny ist kein Bioware-Spiel. Tyranny ist deswegen auch kein Spiel für den Feierabend. Es gibt nicht DEN bösen Pfad, nicht DEN guten Pfad. Es gibt nur den Pfad der eigenen Entscheidung. Und die Folgen, die meinen Entscheidungen folgen. Die manchmal nutzbringend ausfallen können. Die manchmal lästig sein können. Die manchmal auch ziemlich übel ausfallen können. Es gibt nicht DEN idealen Pfad, es gibt nur meinen Pfad. Tyranny ist eines der wenigen Rollenspiele, wo es tatsächlich Rolle spielt, welche Rolle ich spiele. Mehr davon. Auch wenn ich nur selten die Muße dazu habe, aber mehr davon, bitte. DAS ist Weiterentwicklung und Innovation. DAS ist interaktives Geschichtenerleben und -gestalten, wie es sein sollte.

Wenn ich noch ein wenig nachdenke, gibt es mit Sicherheit noch den einen oder anderen Punkt, der mir dieses Jahr angenehm aufgefallen ist. Das war ein gutes Spielejahr! Ein richtig gutes Spielejahr.

Das Ende von Denuvo

Jahaa, schön reisserischer Titel! Clickbait!!

Nein, ehrlich. Denuvo, die Anbieter des gleichnamigen Kopierschutz/DRM-Systemes könnte tatsächlich am Ende sein.

Will man diesem Bericht von Arstechnica Glauben schenken, so wurde im letzten Update von Doom 4 Denuvo herausgepatcht. Doom 4 enthält jetzt nur noch das übliche Steam-DRM. Die Entwickler von „Inside“ haben Denuvo entfernt. Warum? Spontane Erkenntnisgewinnung in der Vorstands/Chefetage? Nein, wohl nicht.

Laut dem Bericht soll es angeblich eine Klausel im Vertrag zwischen Denuvo und Publisher/Entwickler geben, dass Denuvo den Kaufpreis zurückerstattet, sollte das System innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach Veröffentlichung geknackt werden. Nun, nach dem die Szene Denuvo grundsätzlich geknackt hat, fallen die Barrieren immer schneller. Man weiß jetzt, wo man nachzuschauen, auf was man zu achten, wo man herumschrauben muss. Die Klausel greift, Denuvo muss zahlen, das System wird nach der offiziellen Bestätigung seiner Nutzlosigkeit entfernt.

Und das bedeutet jetzt was? Keine neuen Spiele mehr mit Denuvo. Denuvo pleite? All hail crackers world wide? Keine Ahnung, kann ich nicht sagen. Vielleicht wird man bei Denuvo das System abändern, um wieder einen gewissen Vorsprung herausarbeiten zu können. Auf JEDEN FALL wird man wohl die Verträge ändern, so es solche Klauseln geben sollte.

Ich bin eher gespannt, ob Bethesda jetzt vermehrte Umsätze von Doom 4 verzeichnen wird. Ich bin gespannt, ob Denuvo künftig noch in den potentiellen Blockbuster-Veröffentlichungen der Majors auftauchen wird. Ich bin vor allem gespannt, welche Firma es dann wagen wird die Quadratur des Kreises zu meistern: Einen nur schwer knackbaren Kopierschutz für Consumer-Inhalte auf reiner Software-Basis zu schaffen. Was nach meiner Einschätzung aber grundsätzlich nicht möglich sein wird, da man hier zwei gegensätzliche Ziele vereinbaren muss.

Die Krux des PCs ist nämlich seine offene, mit abertausend Varianten versehene Hardware- und Softwareumgebung. Kein PC ist gleich, aber auf möglichst vielen PCs müssen die Inhalte abrufbar und im Falle von Spielen ausführbar sein. Ein in der Breite funktionierendes DRM-System kann daher zwangsläufig nicht so sicher sein, wie man das in einer Umgebung ähnlich Konsolen schaffen kann. Limitierte Vielfalt erhöht die Sicherheit. Wird sich dies auf dem PC je ändern? Nein. Der PC wird weiterhin ein unkontrollierbarer Dschungel bleiben, auch wenn Microsoft und andere Anbieter sich auf den Kopf stellen. Diese Katze kann nicht mehr in den Sack gesteckt werden, aus dem sie in den 80ern geflohen ist.

Aber könnten die Firmen nicht einfach einen Hardware-Dongle verwenden?

Klar, könnten sie. Das würde eine künstliche Einheitlichkeit schaffen, welche die Sicherheit eines DRM/Kopierschutz-Systemes massiv erhöhen würde. Unknackbar ist ein Hardware-Dongle natürlich nicht, wie man mittlerweile weiß, aber es würde erheblichen Mehraufwand bedeuten.

Und warum macht man es dann nicht?

Oh, ganz einfach. Erstens, Hardware-Dongles kosten zu viel und damit geschützte Consumer-Inhalte werden dadurch sehr unbequem zu konsumieren. Jedweder potentielle Vorteil, der sich durch solche strikten Systeme vielleicht ergeben könnte, wird durch handfeste und nachweisbare Nachteile negiert.

Zweitens, den Anbietern geht es ja nicht wirklich darum Inhalte zu schützen, sondern lediglich eine Schutzillusion für die Anleger und Geldgeber aufzubauen. Man möchte den Eindruck erwecken alles getan zu haben, um das Geschäftsmodell vor allen potentiellen Gefahren geschützt haben. Und Raubmordneonazikinderficker-Kopien gelten immer noch als potentielle Gefahrenquelle für das Geschäftsmodel der Rechteverwerter.

Denuvo wird gehen, ein anderer Anbieter wird kommen, die Anleger werden wieder verarscht, die Kunden ärgern sich, die Hacker cracken und in ein paar Jahren werde ich wieder einen ähnlichen Artikel schreiben.

Das Spiel beginnt von Vorne. Nichts ändert sich.

Zumindest nicht im AAA-Bereich, aber wer braucht die schon 🙂

PS: Nichts ändert sich auch bei Crytek, meinem Lieblingsentwickler. Gehälter werden nicht ausgezahlt, der Geschäftsführer ist angeblich seit Monaten nicht mehr im Büro anzutreffen, seine Brüder fuhrwerken willkürlich und planlos durch die Gegend. Ich glaube, das war’s dann jetzt endlich. Ich glaube nicht, dass da ein zweites Mal ein weißer Ritter vorbeischneit und den Yerlis den Arsch rettet, so wie das Amazon vor zwei Jahren mit der Lumberyard-Geschichte getan hat.

Im Schneesturm gefangen

Nein, das stimmt nicht so ganz. Ich bin kein hilfloses Opfer, welches durch einen plötzlich heraufziehenden Schneesturm an einer Flanke des steilen Berges festgenagelt wird. Ich habe ganz bewusst das Basislager verlassen, obwohl man mich oft genug gewarnt hatte, dass schlechtes Wetter aufzieht und es da oben nicht gut aussieht. War mir egal. Ich habe den Schneesturm gesucht. Und stehe jetzt mittendrin.

Warum tue ich das? Weil es unter anderem an der Zeit ist.

Es ist wieder Zeit für einige Monate World of Warcraft. Und weil Legion für PvE-Spieler, Questler und Lore-Liebhaber ein Traum ist!

Es ist nach dem letztjährigen Release von Legacy of the Void höchst (!) an der Zeit sich endlich (!) eingehend mit Starcraft 2 zu beschäftigen.

Und nach über 200h Grim Dawn und knapp 70h Titan Quest Anniversary Edition, dazwischen eingestreut ein wenig Torchlight 2 mit Mods und Van Helsing ist es an der Zeit sich eingehend mit Diablo 3 zu beschäftigen, welches mit dem originalen Release vor vier Jahren ja nicht mehr viel zu tun hat.

Es ist Schneesturm-Zeit, es ist Blizzard-Zeit!

Jetzt sitze ich also da, habe fünfunddrölfzig Milliarden Spiele auffer Halde und beschäftige mich derzeit nur mit Blizzard-Titeln. Dafür gibt es einen Grund. Einen ganz konkreten Grund. Nein, eigentlich deren zwei.

  1. Grund: Produktions- und Releasequalität

Auch wenn es durchaus opportun erscheinen mag auf Blizzard und die aktuellen Spiele dieser Firma einzudreschen und so mancher Schlag mehr als nur berechtigt ist … ja, Blizzard ist schon lange nicht mehr die Firma, die unangefochten über allem thront, was so im Videospielreich kreucht und fleucht … so ist die grundsätzliche Qualität, alleine nur die Produktions- und Releasequalität von Blizzard-Spielen weiterhin so hoch, dass ich mich fremdschämend für andere AAA-Majors in der Ecke verkrieche. Ich muss das leider stellvertretend übernehmen, weil sich in den dortigen Vorstandsetagen ja niemand für diese Firmenpolitik schämt.

Ob man sich bei Blizzard noch nicht traut den Kunden vollkommen schmerzfrei mit Shovelware abzuziehen oder ob man dort die Freiheit genießt nicht dazu gezwungen werden zu können, ich weiß es nicht. Spielt auch keine Rolle, weil das Ergebnis Spiele sind, die poliert und geleckt und technisch um Größenordnungen sauberer sind als alles, was der Rest der Major-Mischpoke regelmäßig auf den Markt wirft.

2. Grund: Blitzeblank optimiertes und perfekt gebügeltes Gameplay

Ja, man kann Blizzard zu Recht herbste Vercasualisierung vorwerfen. Vergleicht man WoW jetzt und dreizehn Jahre früher, so kann man als WoW-Veteran durchaus den Eindruck gewinnen vor einer selbstablaufenden Demo zu sitzen, so herausforderungslos stolpert man über Azeroth. Andererseits, ich bin nicht mehr der gleiche Mensch wie vor dreizehn Jahren. Vor dreizehn Jahren hätte ich ohne mit der Wimper zu zucken zwei Wochen für Raid-Vorbereitung und dann ein ganzes Wochenende für die Schwarzfelstiefen geopfert. Als ich mit „Burning Crusade“ eingestiegen bin, habe ich ohne mit der Wimper zu zucken Ähnliches unternommen. Das heutige Ich würde dem damaligen Ich wohl nur den Stinkefinger zeigen! Das damalige Ich würde nur sagen, dass das heutige Ich selber Schuld sei 🙂

Das heutige WoW passt perfekt zu meinem Leben, weil es sich meinem Leben anpasst und nicht umgekehrt ich mich den Zeiterfordernissen des Spieles anpassen muss. Deswegen spiele ich immer  wieder World of Warcraft. Weil es passt.

Auch Diablo 3 hat eine Reise hinter sich. Abgesehen vom aufgelösten Auktionshaus und den damit verbundenen Auflösungen bestimmter Gameplay-Mechaniken, so hat sich das Spiel auch sonst massiv verändert. Es ist spürbar schneller und dynamischer geworden, man wird mit Loot nur so zugeschissen und mitunter muss man sogar ein wenig überlegen, welche passiven Skills besser zu den aktuell gewählten aktiven Skills passen könnten. „Hard“ ist immer noch viel zu einfach, die Story ist nicht besser geworden, die Charaktere interessieren weiterhin nicht und großartige Unterschiede in der Spielweise zwischen den Klassen muss man weiterhin mit der Lupe suchen. Die ebenfalls weiterhin minimalistische Talentauswahl hilft da nicht unbedingt. Aber die Dinge, die an Diablo 3 weiterhin nicht gut sind, sind nicht mehr so störend wie früher, weil das grundlegende Hack & Slash-Spiel mittlerweile so sauber und flüssig über den Bildschirm rollt, dass man über die Mängel von Diablo 3 sehr viel besser hinwegsehen kann.

Und man muss ganz wertneutral feststellen, dass sich andere Firmen diese Mühe nicht gegeben hätten. Da hätte man Diablo 3 als großen kommerziellen Erfolg mitgenommen und sich keine Gedanken darüber gemacht, dass das Spiel keine zwei Jahre nach Release vollkommen verwaist gewesen wäre, die dringend nötige Mitspielerdichte für Handel und Itemtausch nicht mehr gegeben wäre, DAS zentrale Feature des damaligen Diablo 3 nicht mehr funktioniert hätte. Weil es dann Diablo 4 gegeben hätte und kein müder Cent mehr für den Vorgänger investiert worden wäre.

Zu Starcraft 2 kann ich noch nicht viel sagen, ausser dass Wings of Liberty, der erste Teil, das wohl längste Tutorial aller Zeiten hat und dabei fast Final Fantasy 13 schlägt. Ich frage mich nach der gefühlten Hälfte der WoL-Kampagne, wann ich endlich alle Einheiten-Missionen abgeschlossen habe und ich auf die vollständige Schlagkraft der terranischen Militärtechnik zugreifen kann. Aber im Gegensatz zu FF13’s drögen, abwechslungslosen Rumgemähre, bis das eigentliche Spiel erst beginnt, macht WoL vom ersten Moment an Spaß. Keine große Herausforderung, aber es läuft einfach gut rein. Kurz mal ne Mission, ne neue Einheit und dann ist auch schon wieder Zeit ins Bett zu gehen. SC2, ein Spiel für Leute mit einem ausgefüllten Tag.

Ich stehe gerne im Schneesturm. Nicht aus blindem Fanatismus, weil ich alles toll finde, was Blizzard so treibt (die drei anderen Titel im Battle.net-Launcher rühre ich nicht einmal mit der Kneifzange an), sondern weil es derzeit passt. Die Spiele sind gute Unterhaltung und ich muss nicht kostbare Stunden an Fehlersuche und andere Ärgernisse mit Technik oder Gameplay vergeuden.

Es passt einfach.