Dieselstörmers oder Wie ich lernte Refund zu schätzen

Man kennt das vielleicht: Auch wenn sich entsprechendes Wissen auf rationaler Ebene längst festgesetzt hat, so braucht es manchmal eine Weile, bis dieses Wissen auch vom Rest der ÜBSEF-Konstante, des eigenen Wesenskernes verinnerlicht wurde.

Sei es das immer wieder lustige „Ja, meine Frau ist jetzt seit drei Monaten schwanger, in einem halben Jahr werde ich Vater.“ *kurze pause* *atem scharf einzieh* „Scheisse! In einem halben Jahr werde ich Vater!!!“ *aufjaul* oder diverse andere Veränderungen etablierter Lebensumstände, deren Folgen man erst nach einer Weile tatsächlich VERSTANDEN hat.

Weniger dramatisch und einschneidend (potentielle Nachwuchsglückwünsche also bitte wieder unauffällig entsorgen) erfolgte das letztlich beim Durchstöbern der Angebotsliste auf Steam. Es fanden sich ein paar nette Titel (über die es das eine oder andere später zu sagen gibt), die gemietet und gleich angespielt wurden.

Einer davon entpuppte sich als Rohrkrepierer. Was jetzt weniger am Spiel als vielmehr an mir, bzw. der Kombination aus Spiel und meinen Vorlieben bestand. „Dieselstörmers“ (den neuen Namen weigere ich mich aus Protest gegen besagten Hersteller von Textilien zu verwenden) würde ich nicht als schlechtes Spiel bezeichnen. Es ist nur nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Spiel und meine Wenigkeit entpuppen sich nach nur wenigen, immer mehr mit Frustration angefüllten Minuten (Wo gibt es hier Healthpacks? Was mache ich hier? Hallo? Warum sind da so viele Gegner? Hilfe! Warum ist das so bockelheftig?) als nicht miteinander kompatibel.Also so gar überhaupt nicht. Vollständig. Komplett aneinander vorbei, ohne auch nur den Hauch potentieller Berührungspunkte. Schneller und gründlicher das Beziehungsstadium „Hat sich nichts mehr zu sagen“ erreicht als bei einem eher unerquicklichen Blind Date.

Ein eklatanter Fehlkauf.

Früher™ hätte ich leise geflucht und mich maßlos geärgert. Weil halt Geld sinnlos rausgeballert und so. Mein Steam-Account enthält den einen oder anderen auf diese Weise entstandenen, verschämt ausgeblendeten Fehlgriff. Dass der Kunde aber seit letztem Jahr den Mietvertrag zwischen Steam und Kunde nach weniger als 2h Spielzeit anstandslos, bei voller Kostenrückerstattung aufheben kann, das ist mir bekannt. Das weiß ich. Da in meinem Kopf. Schwarz auf Weiß in plakatgroßen Lettern. ICH WEISS DAS!

Aber ich habe es noch immer nicht verinnerlicht, denn was tue ich nach 15 Minuten erfolglosen Versuchen mit Dieselstörmers anzubandeln? Leise fluchen und mich maßlos ärgern. Bis dann irgendwann die flache Hand gegen die Stirn klatscht. Neeee, musse ja gar nich fluchen und ärgern. Isse doch nix chlimm, weil kannse doch refunden!!!

Steam Support angeklickt, den letzten Mietvorgang angeklickt, auf Refund geklickt, auf Deinstallieren geklickt. Fall erledigt. Der Betrag wurde nach wenigen Stunden gutgeschrieben, alles war wieder grün. Supergrün. Manche Dinge brauchen eine Weile, bis man sie tatsächlich VERSTANDEN hat. Hätte nie gedacht, dass so eine lächerliche Sache wie ein neues Refund-System dazugehören 🙂

Übrigens, was habe ich mit der Kohle gemacht? Richtig, sie natürlich gleich in ein neues Spiel gesteckt, ich kleiner Schelm.

Das Spielejahr 2016

Eigentlich … eigentlich war das bald ablaufende Jahr 2016 ein gutes Spielejahr aus meiner ganz subjektiven Perspektive. Ich steigere mich sogar zu der Behauptung, dass 2016 das mit Abstand beste Spielejahr ist/war, seit ich vor bald zehn Jahren dieses Blog begonnen habe.

Warum eigentlich? 2016 hat erneut, mal wieder, wenig überraschend jede Menge übles Zeugs in der Spielebranche stattgefunden. Die Majors treiben es immer wüster und haben mittlerweile kein Problem damit Vollpreisspiele nachträglich oder gleich zum Release mit Mikrotransaktionen und Ingame-Shops vollzustopfen, weil die Kundschaft offenbar damit kein Problem hat. Oder nicht genug, weil bevor man auf das neue Lieblingsspiel verzichtet, beisst man doch lieber die Zähne zusammen und lässt sich duldsam mit einem rostigen Nagelstock gesäßpenetrieren.Weil die Wundsalbe für danach, die kann man ja als Vorbesteller-Extra beim Erwerb des Season Pass bekommen, nicht?

Emotionale Abhängigkeit is a bitch und hat auch 2016 nichts von ihrer fatalen Wirkung verloren.

Warner Brothers haben 2016 EA und sogar Ubisoft den Rang als Shittiest Publisher abgelaufen. Zuerst lässt man willentlich auf die Kunden eine PC-Version von Arkham Knight los, für welche die Tags „unfertig“ und „miserabel portiert“ noch vie zu höflich wären. Dann, nach einem richtig fetten Shitstorm, zieht man das Teil endlich aus dem Verkauf, veröffentlicht es einige Monate später erneut … mit nur marginalen Verbesserungen. Die PC-Version ist wohl weiterhin auf technischer Ebene broken by design zu sein. Nichtsdestotrotz stürmt das Arkham Knight-Rerelease kurzeitig die Steam-Verkaufscharts, weil sogar die Herrenrasse an emotionaler Abhängigkeit, gallopierender Vergesslichkeit und einem ausgeprägten Blitzblendvorgaukelreinfall-Syndrom leidet. Von daher wundert es auch gar nicht, wenn Warner Brothers überhaupt keinen Bock hat die technisch höchst unzulängliche PC-Version von Mortal Combat X entsprechend zu fixen und lieber tonnenweise DLC dafür anbieten möchte. Weil … man kann es mit den Leuten ja machen, weil die Leute größtenteils dumme, lernresistente Hohlfritten sind, die man noch leichter am Nasenring durch die Gegend ziehen kann als ein kleines, verängstigtes Schaf.

Übrigens ein durchgängiges Leitmotiv für das bald abgelaufene Jahr … doch zurück in den Spielebereich, hehe.

Höchst faszinierend war eine Graphik, die Ende November von Mr. Steamspy aka Sergey Galyonkin veröffentlich wurde:

Holy crap, Batman! Dieses enorme Wachstum, die Flut an Sturgeon’schem Ausschuß nicht besorgniserregend zu finden, setzt entweder große Wissenslücken in grundlegenden volkswirtschaftlichen Prinzipien voraus (was nicht schlimm ist) oder bewusstes Ignorieren des Umstandes, DASS DAS DA, vor allem im Lichte der Weigerung seitens Valve endlich eine vernünftige Qualitätssicherung einzuführen, kein gutes Ende nehmen kann. Kein gutes Ende für Valve. Kein gutes Ende für gute (!) Indies, die über Steam den Großteil ihres Umsatzes bestreiten und angesichts dieser schier unfassbaren Masse immer weniger gefunden werden. Kein gutes Ende für Leute, die viel Geld in Mietsoftware gesteckt haben, ohne entsprechende DRM-freie Sicherungen anzulegen.

Im diesen Zusammenhang möchte ich eine der guten Sache erwähnen, die 2016 passiert sind:

  • GOG Connect:
    Mit dem Steam-Account verbinden lassen und PRESTO! verfügt man ganz offiziell und legal über DRM-freie Versionen ausgewählter Titel, die man bereits im Steam-Konto hatte.

Erwähnenswert finde ich im negativen Kontext noch die Releasepolitik von EA. Gut, nicht für mich und den Rest der Menschheit negativ, aber wäre ich ein Angestellter von Respawn, ich würde nach Neujahr anfangen mich nach einem neuen Job umzusehen. Weil, haha, Verschwörungstheorie, EA offenbar ganz bewusst Respawn ruinieren will, um dann aus der Insolvenzmasse die Rechte an Titanfall herauskaufen zu können. Sicher, man könnte auch sagen, dass bei EA Vollidioten arbeiten, die meinten, es sei eine schlaue Idee den Nachfolger des als MP-Shooter etablierten Titanfall direkt nach dem alle Schlagzeilen dominierenden MP-Shooter Battlefield 1 zu veröffentlichen. Der EBENFALLS bei EA erschienen ist. Aber ich will nicht annehmen müssen, dass bei EA die Führungsetage, die solche Grundsatzentscheidungen trifft, aus Vollidioten besteht. Der Vorstand solcher international agierender Konzerne mit jährlichen Umsätzen in Höhe einiger Milliarden Dollar besteht doch ganz bestimmt aus gewieften Geschäftsleuten, die jeden Tag mindestens drei diabolische Welteroberungspläne beschliessen, oder? Oder nicht? Nun, Ockham Rasiermesser lässt nur einen Schluss zu 🙂

Im Gegensatz zu früheren Jahren reibe ich mich an solchen negativen Geschichten aber nicht mehr auf. Ich habe gelernt mich entweder darüber königlich zu amüsieren oder es nach kurzem Kopfschütteln zu ignorieren, so es mich nicht betrifft. PAL, das Problem Anderer Leute, ist immer mehr zum Leitmotiv geworden. Was aber nur heisst, dass ich mich über ein gewisses Maß hinaus nicht mehr mit den Problemen anderer Leute belaste und sie zu meinen eigenen mache. Und nicht, dass ich gänzlich die Augen vor allem verschliesse, was nicht unmittelbar vor der eigenen Nasenspitze stattfindet.

2016 ist für mich ein tolles Spielejahr, weil folgende Dinge passiert sind:

  • „Battletech“ von Harebrained Schemes:
    Ein erfolgreicher Kickstarter plus zusätzlich nach aktuellem Stand über 300k durch die weiterhin offen stehenden LateBacker-Zahlmöglichkeit plus eine phantastisches Alpha-Gameplay-Video lassen mein Herz höher schlagen. Und zwar nicht, weil ich als Battletech-Fanboy blind alles bejubele, was auf zwei myomermuskelbepackten Laufbeinen über das Schlachtfeld stapft, sondern weil der Entwickler mehrfach (!) in den letzten Jahren bewiesen hat, dass er lizensierte Settings respektiert und nicht nur ankündigen, sondern auch liefern kann.
  • „Shadow Warrior 2“ von Flying Wild Hog:
    Ein Shooter, so gänzlich und durch und durch nach meinem Herzen. Ich herze SW2. Sehr! Deswegen muss ich auch gar nicht viel dazu sagen. Nur lieben!
  • „Grim Dawn“ von Crate Entertainment:
    Innerhalb kürzester Zeit hat sich „Grim Dawn“ an die Spitze meiner persönlichen „Schau, wie Du Dein Leben an Videospiele vergeudest“-Chart gesetzt und dominiert dort alles, was ich im Laufe von über 8 Jahren jemals über den Steam-Client an Playtime „erzeugt“ habe. Satte 269 Stunden. Was einen Grund hat. Der Grund lautet: Grim Dawn ist für mich das derzeit beste Hack & Slay, was wo geben tut. Da stimmt (fast) alles. Der Perfektion ganz gefährlich nahe. Großartig.
  • Das Hack & Slay Genre von allen:
    Hacken und Schlachten. Looten und Leveln. Aber dieses Jahr so richtig viel davon. Weil dieses Genre quicklebendig ist und zum Glück nie Gefahr lief ein glattgebügelter Mainstream-Zombie zu werden, nie das Schicksal des Egoshooters teilte. Grim Dawn als neuer Titel. Titan Quest bekam mit der Anniversary Edition eine erneuerte und verbesserte Neuauflage. Ich habe mich wieder dem gepflegten Irrsinn eines Sacred 2 hingegeben. Torchlight 2 wurde einer größeren Modding-Kur unterworfen. Selbst ein Diablo 3 RoS hat endlich Gnade vor meinen Augen gefunden. Hacken und Schlachten. Mehr, MEHR!
  • Brutal Doom von Sergeant_Mark_IV:
    Ja, mehr von allem. Mehr Pixelblut, mehr Pixelgedärme, mehr Finishing Moves und mehr von einer endgeilen neuen Kampagne mit 30 Maps. Als „Brutal Doom“ in der rundumerneuerten Version 2.0 gleich zu Beginn des Jahres erschien, habe ich mich wochenlang mit nichts anderem beschäftigt. Die neue Kampagne, die alten Maps von id Software, neue User-Maps. Alles wurde mit „Brutal Doom“ versehen. Dann wurden Mods für den Mod ausprobiert. Neue Waffen mit NOCH FETTEREN Sounds. Neue Marine-Voiceovers. Neuer Soundtrack. Und seit ein paar Wochen gibt es immer wieder ein paar Minuten mit „Brutal Doom 64„, wo man dem PC-Nachbau der N64-Version eine modifizierte BrutalDoom-Behandlung unterzieht. Mod des Jahres! Nein, stop …
  • Enderal von Sure.AI:
    DAS HIER, DAS HIER IST MOD DES JAHRES 2016!!!! Andernorts werden solche Projekte mit Millionenaufwand produziert und entsprechend massenmarkt-mäßig verkauft. Sure.AI verschenkt solche Projekte als kostenlosen Mod. So wie Enderal, wo man auf der Basis von Skyrim wieder ein vollkommen eigenständiges Spiel mit den üblichen Containerschiffen voller Leidenschaft, Detailwahn und Herzblut erstellt hat. Und damit nicht genug, wurde jetzt ein DLC (ich traue mich kam dieses schmutzige Wort für dieses Werk der Liebe zu verwenden) zum Mod angekündigt, der mehr Umfang bieten soll als so manches Vollpreis-RPG.
  • WoW Legion von Blizzard:
    wut? Was macht das hier?
    Was das hier macht? Das macht Sinn hier! „Legion“ ist der Grund, warum ich derzeit wieder WoW spiele. „Legion“ zeigt, dass Blizzard WoW nicht kampflos in den nächsten Jahren ausdümpeln lässt. Mit einem irrsinnigem Aufwand wurden hier Tonnen von neuen Inhalten geschaffen, es wurde aus den Fehlern des Vorgängers gelernt. Vor allem ich als PvE-Spieler bin schwer begeistert. Es gibt viele richtig, RICHTIG gute Questreihen und wenn man glaubt, dass man das Ende der Storyprogressions-Level-Fahnenstange erreicht hat, fängt es bei „Legion“ erst so richtig mit PvE an. Grind gibt es nicht mehr. WoW war eh schon sehr frei vom typischen Galeerensklaven-Gameplay asiatischer MMOs, Legion ist der Höhepunkt dieser Entwicklung. Denn gerade durch den Umstand, dass es nach Erreichen des Maxlevels das PvE-Spiel erst richtig anfängt, löst man sich gedanklich immer mehr vom typischen „Ich muss noch 240 NPCs killen oder 719 Brote backen, damit ich den nächsten Level erreiche“. Man beschäftigt sich immer weniger mit der üblichen MMO-Zahlenmühle, sondern konzentriert sich mehr auf die Geschichte, die Landschaft, das Spiel selbst. Laune. Viel!
  • Crowdfunding von allen Bäckern und Backern:
    Crowdfunding wurde auch dieses Jahr totgesagt, zu Grabe getragen und erfreut sich bester Gesundheit. Crowdfunding ist nicht mehr dieses obskure Ding, unter dem sich niemand etwas vorstellen kann, sondern ein etabliertes und valides Finanzierungsmodell. Hier geht nix mehr weg, hier bricht nix mehr zusammen. Crowdfunding bleibt. Und sorgt jedes Jahr für die Realisierung einer ganzen Reihe von Projekten, die sonst nie das Licht der Welt erblicken könnten. Große Projekte, kleine Projekte. Gescheiterte Projekte, erfolgreich abgeschlossene Projekte. Gauner und seriöse Entwickler, Chaoten und Vollprofis buhlen um unser Geld. Welches wir selbstverständlich, als die aufgeklärten und vernünftigen Backer, die wir sind, nach intensiven Due Dilligence-Prüfungen natürlich nur in Projekte stecken, die unser Geld verdient haben ;-P
  • Tyranny von Obsidian:
    Und zum Schluß das dritte crowdfinanzierte (doch nicht so wirklich crowdfinanzierte) Projekt, welches mein Spielejahr 2016 zu einem guten Spielejahr gemacht hat. „Tyranny“ ist meines Erachtens eines der wenigen Spiele, die mir als Spieler die Ambivalenz des Bösen, die manchmal so leichte Austauschbarkeit mit dem Guten erstklassig nähergebracht hat. Das ist nicht einfach nur ein simples Hochzählen von Werten auf einer Gut/Böse-Skala. Das ist nicht einfach nur ein simples Abklicken von klar als „gut“ oder „böse“ markierten Dialogoptionen, so dass ich als Spieler möglichst NICHT denken muss. Tyranny ist kein Bioware-Spiel. Tyranny ist deswegen auch kein Spiel für den Feierabend. Es gibt nicht DEN bösen Pfad, nicht DEN guten Pfad. Es gibt nur den Pfad der eigenen Entscheidung. Und die Folgen, die meinen Entscheidungen folgen. Die manchmal nutzbringend ausfallen können. Die manchmal lästig sein können. Die manchmal auch ziemlich übel ausfallen können. Es gibt nicht DEN idealen Pfad, es gibt nur meinen Pfad. Tyranny ist eines der wenigen Rollenspiele, wo es tatsächlich Rolle spielt, welche Rolle ich spiele. Mehr davon. Auch wenn ich nur selten die Muße dazu habe, aber mehr davon, bitte. DAS ist Weiterentwicklung und Innovation. DAS ist interaktives Geschichtenerleben und -gestalten, wie es sein sollte.

Wenn ich noch ein wenig nachdenke, gibt es mit Sicherheit noch den einen oder anderen Punkt, der mir dieses Jahr angenehm aufgefallen ist. Das war ein gutes Spielejahr! Ein richtig gutes Spielejahr.

Das Ende von Denuvo

Jahaa, schön reisserischer Titel! Clickbait!!

Nein, ehrlich. Denuvo, die Anbieter des gleichnamigen Kopierschutz/DRM-Systemes könnte tatsächlich am Ende sein.

Will man diesem Bericht von Arstechnica Glauben schenken, so wurde im letzten Update von Doom 4 Denuvo herausgepatcht. Doom 4 enthält jetzt nur noch das übliche Steam-DRM. Die Entwickler von „Inside“ haben Denuvo entfernt. Warum? Spontane Erkenntnisgewinnung in der Vorstands/Chefetage? Nein, wohl nicht.

Laut dem Bericht soll es angeblich eine Klausel im Vertrag zwischen Denuvo und Publisher/Entwickler geben, dass Denuvo den Kaufpreis zurückerstattet, sollte das System innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach Veröffentlichung geknackt werden. Nun, nach dem die Szene Denuvo grundsätzlich geknackt hat, fallen die Barrieren immer schneller. Man weiß jetzt, wo man nachzuschauen, auf was man zu achten, wo man herumschrauben muss. Die Klausel greift, Denuvo muss zahlen, das System wird nach der offiziellen Bestätigung seiner Nutzlosigkeit entfernt.

Und das bedeutet jetzt was? Keine neuen Spiele mehr mit Denuvo. Denuvo pleite? All hail crackers world wide? Keine Ahnung, kann ich nicht sagen. Vielleicht wird man bei Denuvo das System abändern, um wieder einen gewissen Vorsprung herausarbeiten zu können. Auf JEDEN FALL wird man wohl die Verträge ändern, so es solche Klauseln geben sollte.

Ich bin eher gespannt, ob Bethesda jetzt vermehrte Umsätze von Doom 4 verzeichnen wird. Ich bin gespannt, ob Denuvo künftig noch in den potentiellen Blockbuster-Veröffentlichungen der Majors auftauchen wird. Ich bin vor allem gespannt, welche Firma es dann wagen wird die Quadratur des Kreises zu meistern: Einen nur schwer knackbaren Kopierschutz für Consumer-Inhalte auf reiner Software-Basis zu schaffen. Was nach meiner Einschätzung aber grundsätzlich nicht möglich sein wird, da man hier zwei gegensätzliche Ziele vereinbaren muss.

Die Krux des PCs ist nämlich seine offene, mit abertausend Varianten versehene Hardware- und Softwareumgebung. Kein PC ist gleich, aber auf möglichst vielen PCs müssen die Inhalte abrufbar und im Falle von Spielen ausführbar sein. Ein in der Breite funktionierendes DRM-System kann daher zwangsläufig nicht so sicher sein, wie man das in einer Umgebung ähnlich Konsolen schaffen kann. Limitierte Vielfalt erhöht die Sicherheit. Wird sich dies auf dem PC je ändern? Nein. Der PC wird weiterhin ein unkontrollierbarer Dschungel bleiben, auch wenn Microsoft und andere Anbieter sich auf den Kopf stellen. Diese Katze kann nicht mehr in den Sack gesteckt werden, aus dem sie in den 80ern geflohen ist.

Aber könnten die Firmen nicht einfach einen Hardware-Dongle verwenden?

Klar, könnten sie. Das würde eine künstliche Einheitlichkeit schaffen, welche die Sicherheit eines DRM/Kopierschutz-Systemes massiv erhöhen würde. Unknackbar ist ein Hardware-Dongle natürlich nicht, wie man mittlerweile weiß, aber es würde erheblichen Mehraufwand bedeuten.

Und warum macht man es dann nicht?

Oh, ganz einfach. Erstens, Hardware-Dongles kosten zu viel und damit geschützte Consumer-Inhalte werden dadurch sehr unbequem zu konsumieren. Jedweder potentielle Vorteil, der sich durch solche strikten Systeme vielleicht ergeben könnte, wird durch handfeste und nachweisbare Nachteile negiert.

Zweitens, den Anbietern geht es ja nicht wirklich darum Inhalte zu schützen, sondern lediglich eine Schutzillusion für die Anleger und Geldgeber aufzubauen. Man möchte den Eindruck erwecken alles getan zu haben, um das Geschäftsmodell vor allen potentiellen Gefahren geschützt haben. Und Raubmordneonazikinderficker-Kopien gelten immer noch als potentielle Gefahrenquelle für das Geschäftsmodel der Rechteverwerter.

Denuvo wird gehen, ein anderer Anbieter wird kommen, die Anleger werden wieder verarscht, die Kunden ärgern sich, die Hacker cracken und in ein paar Jahren werde ich wieder einen ähnlichen Artikel schreiben.

Das Spiel beginnt von Vorne. Nichts ändert sich.

Zumindest nicht im AAA-Bereich, aber wer braucht die schon 🙂

PS: Nichts ändert sich auch bei Crytek, meinem Lieblingsentwickler. Gehälter werden nicht ausgezahlt, der Geschäftsführer ist angeblich seit Monaten nicht mehr im Büro anzutreffen, seine Brüder fuhrwerken willkürlich und planlos durch die Gegend. Ich glaube, das war’s dann jetzt endlich. Ich glaube nicht, dass da ein zweites Mal ein weißer Ritter vorbeischneit und den Yerlis den Arsch rettet, so wie das Amazon vor zwei Jahren mit der Lumberyard-Geschichte getan hat.

Im Schneesturm gefangen

Nein, das stimmt nicht so ganz. Ich bin kein hilfloses Opfer, welches durch einen plötzlich heraufziehenden Schneesturm an einer Flanke des steilen Berges festgenagelt wird. Ich habe ganz bewusst das Basislager verlassen, obwohl man mich oft genug gewarnt hatte, dass schlechtes Wetter aufzieht und es da oben nicht gut aussieht. War mir egal. Ich habe den Schneesturm gesucht. Und stehe jetzt mittendrin.

Warum tue ich das? Weil es unter anderem an der Zeit ist.

Es ist wieder Zeit für einige Monate World of Warcraft. Und weil Legion für PvE-Spieler, Questler und Lore-Liebhaber ein Traum ist!

Es ist nach dem letztjährigen Release von Legacy of the Void höchst (!) an der Zeit sich endlich (!) eingehend mit Starcraft 2 zu beschäftigen.

Und nach über 200h Grim Dawn und knapp 70h Titan Quest Anniversary Edition, dazwischen eingestreut ein wenig Torchlight 2 mit Mods und Van Helsing ist es an der Zeit sich eingehend mit Diablo 3 zu beschäftigen, welches mit dem originalen Release vor vier Jahren ja nicht mehr viel zu tun hat.

Es ist Schneesturm-Zeit, es ist Blizzard-Zeit!

Jetzt sitze ich also da, habe fünfunddrölfzig Milliarden Spiele auffer Halde und beschäftige mich derzeit nur mit Blizzard-Titeln. Dafür gibt es einen Grund. Einen ganz konkreten Grund. Nein, eigentlich deren zwei.

  1. Grund: Produktions- und Releasequalität

Auch wenn es durchaus opportun erscheinen mag auf Blizzard und die aktuellen Spiele dieser Firma einzudreschen und so mancher Schlag mehr als nur berechtigt ist … ja, Blizzard ist schon lange nicht mehr die Firma, die unangefochten über allem thront, was so im Videospielreich kreucht und fleucht … so ist die grundsätzliche Qualität, alleine nur die Produktions- und Releasequalität von Blizzard-Spielen weiterhin so hoch, dass ich mich fremdschämend für andere AAA-Majors in der Ecke verkrieche. Ich muss das leider stellvertretend übernehmen, weil sich in den dortigen Vorstandsetagen ja niemand für diese Firmenpolitik schämt.

Ob man sich bei Blizzard noch nicht traut den Kunden vollkommen schmerzfrei mit Shovelware abzuziehen oder ob man dort die Freiheit genießt nicht dazu gezwungen werden zu können, ich weiß es nicht. Spielt auch keine Rolle, weil das Ergebnis Spiele sind, die poliert und geleckt und technisch um Größenordnungen sauberer sind als alles, was der Rest der Major-Mischpoke regelmäßig auf den Markt wirft.

2. Grund: Blitzeblank optimiertes und perfekt gebügeltes Gameplay

Ja, man kann Blizzard zu Recht herbste Vercasualisierung vorwerfen. Vergleicht man WoW jetzt und dreizehn Jahre früher, so kann man als WoW-Veteran durchaus den Eindruck gewinnen vor einer selbstablaufenden Demo zu sitzen, so herausforderungslos stolpert man über Azeroth. Andererseits, ich bin nicht mehr der gleiche Mensch wie vor dreizehn Jahren. Vor dreizehn Jahren hätte ich ohne mit der Wimper zu zucken zwei Wochen für Raid-Vorbereitung und dann ein ganzes Wochenende für die Schwarzfelstiefen geopfert. Als ich mit „Burning Crusade“ eingestiegen bin, habe ich ohne mit der Wimper zu zucken Ähnliches unternommen. Das heutige Ich würde dem damaligen Ich wohl nur den Stinkefinger zeigen! Das damalige Ich würde nur sagen, dass das heutige Ich selber Schuld sei 🙂

Das heutige WoW passt perfekt zu meinem Leben, weil es sich meinem Leben anpasst und nicht umgekehrt ich mich den Zeiterfordernissen des Spieles anpassen muss. Deswegen spiele ich immer  wieder World of Warcraft. Weil es passt.

Auch Diablo 3 hat eine Reise hinter sich. Abgesehen vom aufgelösten Auktionshaus und den damit verbundenen Auflösungen bestimmter Gameplay-Mechaniken, so hat sich das Spiel auch sonst massiv verändert. Es ist spürbar schneller und dynamischer geworden, man wird mit Loot nur so zugeschissen und mitunter muss man sogar ein wenig überlegen, welche passiven Skills besser zu den aktuell gewählten aktiven Skills passen könnten. „Hard“ ist immer noch viel zu einfach, die Story ist nicht besser geworden, die Charaktere interessieren weiterhin nicht und großartige Unterschiede in der Spielweise zwischen den Klassen muss man weiterhin mit der Lupe suchen. Die ebenfalls weiterhin minimalistische Talentauswahl hilft da nicht unbedingt. Aber die Dinge, die an Diablo 3 weiterhin nicht gut sind, sind nicht mehr so störend wie früher, weil das grundlegende Hack & Slash-Spiel mittlerweile so sauber und flüssig über den Bildschirm rollt, dass man über die Mängel von Diablo 3 sehr viel besser hinwegsehen kann.

Und man muss ganz wertneutral feststellen, dass sich andere Firmen diese Mühe nicht gegeben hätten. Da hätte man Diablo 3 als großen kommerziellen Erfolg mitgenommen und sich keine Gedanken darüber gemacht, dass das Spiel keine zwei Jahre nach Release vollkommen verwaist gewesen wäre, die dringend nötige Mitspielerdichte für Handel und Itemtausch nicht mehr gegeben wäre, DAS zentrale Feature des damaligen Diablo 3 nicht mehr funktioniert hätte. Weil es dann Diablo 4 gegeben hätte und kein müder Cent mehr für den Vorgänger investiert worden wäre.

Zu Starcraft 2 kann ich noch nicht viel sagen, ausser dass Wings of Liberty, der erste Teil, das wohl längste Tutorial aller Zeiten hat und dabei fast Final Fantasy 13 schlägt. Ich frage mich nach der gefühlten Hälfte der WoL-Kampagne, wann ich endlich alle Einheiten-Missionen abgeschlossen habe und ich auf die vollständige Schlagkraft der terranischen Militärtechnik zugreifen kann. Aber im Gegensatz zu FF13’s drögen, abwechslungslosen Rumgemähre, bis das eigentliche Spiel erst beginnt, macht WoL vom ersten Moment an Spaß. Keine große Herausforderung, aber es läuft einfach gut rein. Kurz mal ne Mission, ne neue Einheit und dann ist auch schon wieder Zeit ins Bett zu gehen. SC2, ein Spiel für Leute mit einem ausgefüllten Tag.

Ich stehe gerne im Schneesturm. Nicht aus blindem Fanatismus, weil ich alles toll finde, was Blizzard so treibt (die drei anderen Titel im Battle.net-Launcher rühre ich nicht einmal mit der Kneifzange an), sondern weil es derzeit passt. Die Spiele sind gute Unterhaltung und ich muss nicht kostbare Stunden an Fehlersuche und andere Ärgernisse mit Technik oder Gameplay vergeuden.

Es passt einfach.

 

Geteilte Freude ist halbe Freude

Sodeli, „Deus Ex – Mankind Divided“ ist erschienen und scheint inhaltlich genau da weiterzumachen, wo der Vorgänger aufgehört hat.

Eine packende Story, ein offenbar recht gelungener Versuch sich an schwere, gehaltvolle Themen zu wagen und ein recht überzeugendes Gameplay zeigen, dass AAA-Titel nicht zwangsläufig die dünne, dumme Grütze sein müssen, die sie oftmals leider sind. Und weil man dieses, erm, Wagnis eigentlich belohnen sollte, in dem man solche Spiele zum Release und zum vollen Retailpreis erwirbt, so habe ich mich auf den Weg zum nächsten Internet-Anschluß aufgemacht und Mankind Divided in den Warenkorb gelegt.

HALT! STOP!!„, sagt der kleine Mann im Ohr. Brüllen muss er dabei nicht, weil er mitten im Ohr sitzt, daher ist sogar sein Flüstern ziemlich laut.

HALT! STOP!!„, sagt also der kleine Mann im Ohr. „Warte noch einen Tag ab. Schau Dir zuerst ein, zwei Tage lang den Review-Schnitt auf Steam an. Lies Foren und schau, ob das Teil technisch halbwegs sauber läuft.

Ok. Ein, zwei Tage sind nicht viel. Heck, ein, zwei Wochen wären auch noch in Ordnung. Kann ich also solange warten und ein wenig recherchieren. Was ich sodann getan habe. Recherchiert.

Nun, rein inhaltlich und spielerisch scheint der Titel wirklich zu überzeugen. Sicher, perfekt ist das Spiel nicht, aber es gibt kein perfektes Spiel. Nur unsere Idealvorstellung von einem perfekten Spiel in unseren Köpfen, wo diese Idealvorstellung nach Möglichkeit auch bleiben sollte. Denn nicht immer ist weise das zu bekommen, was man sich wünscht 🙂 Dennoch scheint „Mankind Divided“ zumindest meinem Ideal sehr nahe zu kommen. Schön! Freut mich!

Der Mauszeiger schiebt sich in Richtung „Kaufen“-Button.

Technisch, nun technisch scheint die Releaseversion recht durchwachsen zu sein, um es mal höflich auszudrücken. „Mankind Divided“ erreicht hier zwar nicht die Abgründe eines „Arkham Knight“, aber für 50-60 Ocken darf man, MUSS man hier bessere Qualität bekommen. Will ich Squeenix zeigen, dass ich bereit bin meine Ansprüche bei der technischen Qualität zurück zuschrauben, wenn zumindest die inhaltliche Qualität stimmt? Hmmm …

Der Mauszeiger bewegt sich ein wenig weiter weg vom „Kaufen“-Button.

Season-Pass. Unmengen von DLC. Natürlich. Pre-Order-Boni. Klar, keine Frage. Wie denn auch anders? Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die DLC aus der Sicht des Unternehmens aus einer optionalen Umsatzvermehrung fast schon ein Pflicht-Feature gemacht haben, mit dem der weiterhin fixe Verkaufspreis von Spielen angesichts diverser Kostensteigerungen ausgeglichen werden MUSS, die kann ich nachvollziehen. Aber ich muss es nicht gut finden.

Überhaupt nicht.

DLC nehme ich zähneknirschend noch hin, bei Mikrotransaktionen hört bei mir der Spaß auf.

Aaaaaber … ich kann das theoretisch ignorieren. Squeenix hat offenbar darauf verzichtet all diese effin Mikrotransaktionen dem Spieler während (!) der SP-Kampagne aufs Auge zu drücken. Es gibt nur einen Shop-Button im Hauptmenü. Was, so bitter das klingt, unter Betrachtung der Umstände fast schon lobenswert wäre, wenn man es als lobenswert empfindet, nicht von einem rostigen Nagelstock, sondern von einem glatten, sauberen Plastikstab gesäßpenetriert zu werden. Wir kennen ja andere Beispiele, wo das nicht so dezent abgewickelt wurde. Jim Sterling erwähnt Dead Space 3, ich selbst erinnere mich mit Grauen an potentielle Questgeber in „Dragon Age: Origins“, die einem den mit der Quest verbundenen DLC aufschwatzen wollten. Oder das Addon zu „Dungeon Siege 2“, wo man auf einen Händler stößt, der den Spieler eher weniger zurückhaltend auf die PSP-Version von DS2 hinweist. Von diversen F2P-Titeln gar nicht erst zu reden, die ja nichts weiter als die interaktive Verpackung für ein simples Einkaufsportal darstellen.

Ich tue mich jedoch schwer die weniger invasive Integration von Mikrotransaktionen in Spielen mit dem Verweis auf die Nagelstock-Fraktion zu relativieren. Nur weil es manche weniger schlimm machen als andere, ist das nicht plötzlich grundsätzlich in Ordnung.

Der Mauszeiger klickt auf „Aus dem Warenkorb entfernen“.

  1. Warum jetzt kaufen, wenn ich doch eh nicht richtig zum Zocken komme?
  2. Wenn ich endlich die Zeit und Muße habe, sind auch die gröbsten technischen Probleme gefixed. Vielleicht.
  3. Wenn ich noch ein wenig länger warte, kann ich das Spiel mit samt dem unvermeidlichen DLC für günstig Geld bekommen. Meist werden mir dann sogar die *huch* *hach* voll total exklusiven Pre-Order-Boni nachgeschmissen.
  4. Ich hasse das Nickle&Dime-Prinzip von Mikrotransaktionen.
  5. Es ist mir egal, dass die Mikrotransaktionen nur für den Breach-Mode des Spieles gedacht sind. Ich hasse Mikrotransaktionen und verabscheue die Denke dahinter, weil hier ganz bewusst, mit psychologischen Tricks und Kniffen Menschen zu mehr Geldausgaben überlistet werden, als sie rational ausgeben wollen würden.

Ja, ich bin mir durchaus bewusst darüber, dass Sqeenix mein Geld nicht benötigt. Kein AAA-Publisher braucht mein Geld, weil ich schon lange nicht mehr deren Kunde bin. Es spielt für diese Firmen keine Rolle, ob ich mir deren Produkte jetzt zum Vollpreis, später im Sale oder nie kaufe. Dort braucht niemand mein Geld! Ich bin für diese Firmen so irrelevant wie nur irgendwas.

Aber ich brauche mein Geld und ich entscheide, für was ich mein Geld ausgebe! Weil ich mir selbst gegenüber relevant bin 🙂

 

Wie soll man mit ihnen umgehen?

Ich behaupte, dass so ziemlich jeder hier letzte Woche neben den sonst üblichen, ihr Smartphone intensiv nutzenden Mitmenschen, eine zweite Gruppe ihr Smartphone intensiv nutzende Mitmenschen bemerkt hat.

Bemerkt an zwei Hauptcharakteristika:

  1. Laufen an Orten und in Gegenden herum, wo sich normalerweise kaum Smartphone dauernutzende Mitmenschen herumtreiben.
  2. Heben hin und wieder ihren Blick und schauen sich suchend um.

Wer immer noch nicht weiß, von wem ich rede … ich rede von Pokemon GO-Spielern. Zum Spiel selbst sage ich nicht mehr viel. Wer nicht weiß, was Pokemon GO ist, den verweise ich gerne auf die diversen Nachrichten- und einschlägigen Fachportale.

Viel wichtiger ist daher die Frage, wie wir, die Hardcore-PC-Master Race, die wir schon alles erlebt haben, was es in Sachen Videospiel gibt, mit dieser Sache da umgehen sollen?

  • Entspannt Spiel und Spieler ignorieren. Weil wir alten Säcke eh schon genug Scheiss mitgemacht und erlebt haben und auch diesen Hype enstpannt an uns vorbei ziehen lassen können. Denn in einem halben Jahr redet davon niemand mehr.
  • Entspannt Spiel ignorieren und Spieler davor bewahren hochkonzentriert Treppen hinunter zu fallen oder in den Strassenverkehr zu laufen, nur weil da drüben gerade ein Legendäres Pokemon gemeldet wurde.
  • Entspannt Spiel ignorieren und Spieler die Folgen unaufmerksamen Herumlaufens spüren lassen, wenn wir entscheiden, dass der notgedrungen folgende Schmerz erträglich ist und in Relation zum hoffentlich einsetzenden Lerneffekt stehen wird.
  • Vollkommen hysterisch mitspielen und unsere gestählte Muskelkraft dazu einsetzen bei der Jagd nach Legendären Pokemons all die schwächlichen Nerds mit einem gezielten Body Check ausser Gefecht zu setzen. Mir schwebt für diesen Fall ein gewisser Stan Smith aus „American Dad“ vor.
  • Zeter und Mordio schreien, den Untergang der zivilisierten Welt an die Wand malen und grundsätzlich die eigene Vergangenheit glorifizieren, wo wir noch eine richtige Kindheit hatten und sicher im trockenen und warmen Wohnzimmer vor der Glotze gespielt haben, anstatt sich draussen hochgefährlicher UV-Strahlung auszusetzen.
  • Pokemon GO-Spieler schallend laut auslachen und mit dem Finger auf sie zeigen.
  • Neben einem Legendären Pokemon auf unvorsichtige Pokemon GO-Spieler warten und sie ausrauben. Wie es bereits passiert ist.
  • Wild gestikulierend die Verschmelzung von Virtualität und Wirklichkeit bejubelnd, nur um dann versehentlich die Kellertreppe herunter zu fallen, weil wir beim Spielen eines VR-Titels nicht richtig aufgepasst haben.

Wie auch immer … ich habe mich letztes Wochenende königlich dabei amüsiert mit mir selbst Wetten abzuschliessen. Welcher Smartphone-Träger spielt PGO und wer nicht? Meistens lag ich richtig, die PGO-Spieler waren meist schnell zu erkennen. Nur in einem Fall hatte man mich leicht aus dem Konzept gebracht.

Klein-Harzzach geht Kühlschrank vollmachen und läuft auf dem Weg zur Lebensmittelausgabestelle an einer ausgelassenen Hochzeitsgesellschaft vorbei. Aus der Gruppe eifrig parlierender und lachender und das aufgebaute Buffet leerender Gäste löst sich eine Gruppe fein gewandeter Damen, so Mitte Zwanzig bis Mitte Dreissig. Alle starr den Blick aufs Smartphone und lautstarkes Gegacker von sich gebend. Ja, irgendwo hinter den Büschen des Schloßparkes muss ein Pokemon angezeigt worden sein, denn eine zweite Gruppe fein gewandeter Herren, offenbar in diversen Beziehungsstadien zur ersten Gruppe stehend, feuerte selbige Gruppe eifrig an doch schnell dieses Pokemon da (der Name ist mir als Nicht-Pokemon-Spieler leider sofort entfallen) einzufangen. Hell on earth!!!

Wie auch immer … mir hat sich dann die Frage gestellt, ob mir so eine Art Spiel, mit einem mir genehmeren Setting und auch besser gemacht, denn gefallen würde. Nun mangels Smartphone und generell der mobilen Kommunikation wenig Hold seiend, erübrigt sich die Frage eigentlich sofort.

Aber angenommen, ich hätte ein Smartphone …

Hmmm, wenn ich ehrlich bin …

Es kommt darauf an. Ich möchte es nicht grundsätzlich ablehnen. Aber wahrscheinlich würde es an meiner Anspruchshaltung scheitern, denn auf so einen billigen Schnellschuß wie Pokemon GO falle ich nicht mehr rein. Dazu habe ich schon viel zu viel Zeit an billig runtergerissene Zeitverschwender verschwendet, um das nochmal zu tun. Falls aber eines Tages jemand ein Augmented Reality-Spiel in Gut und Aufwendig und tatsächlich spielenswert machen würde … wer weiß?

 

Never forget

SEGA hat vor ein paar Tagen die Veröffentlichung des dritten Teils der W40K – Dawn of War-Serie angekündigt. Das ist an sich nichts besonderes, weiß man doch, dass man bei Relic schon seit einer ganzen Weile an diesem Projekt sitzt und werkelt. Zwar sind noch nicht viele Details bekannt, aber angesichts der Erfahrungswerte mit Company of Heroes 2 ist zu vermuten, dass auch DoW 3 als abgespecktes Basis-Spiel erscheinen wird, mit Tonnen von begleitendem DLC zum Start und im Laufe der kommenden Monate nach Release, inklusive Season Pass und was der Umsatzmaximierungen noch so üblich sind.

Umsatzmaximierung!

Umsatzoptimierung!

Psychologisch geschickte Stückelung von Inhalten, um mehr Umsatz mit diesen Inhalten erzielen zu können.

DLC! Season Pass!

Fokussierung auf den Multiplayer, um mehr Druck auf die Kunden ausüben zu können. Kaufe JETZT, weil JETZT alle spielen. Warte nicht. Kaufe JETZT! Wer wartet, wird auf leere Server treffen! Kaufe JETZT! Kaufe JETZT alle Skins und Rassen und Squads! Du willst doch gewinnen, oder? Und Du willst doch Deine Lieblingseinheit spielen, nicht? Dann kaufe JETZT! Los, überziehe Dein Konto! Kriech Deinem Arbeitgeber noch mehr in den Arsch. Schiebe mehr unbezahlte Überstunden, damit Du Deinen Job behalten kannst, damit Du Dir all diesen nutzlosen Krempel kaufen kannst! JETZT!!!

Evolve_DLC

Evolve, DLC-Übersicht

Sicher, “Evolve” hat diesen Irrsinn auf die Spitze getrieben, aber das Umsatzmaximierungs-Prinzip, welches hinter DLC und der Aufstückelung von Inhalten in kleine Bröckchen steckt, das betreiben alle Anbieter. Alle! Ohne Ausnahme. Es gibt keinen “richtigen” oder gar fairen DLC. Das ist nur DLC, der einem das “Ich will ALL Dein Geld!” nicht ganz so ungeschminkt aufs Auge drückt.

Das Ausnutzen emotionaler Abhängigkeiten bei gleichzeitiger psychologischer Kriegsführung ist zentraler Dreh- und Angelpunkt heutiger Geschäftsmodelle vor allem im Videospielbereich. Seien es AAA-Titel der Majors oder ein F2P-Titel eines Nischenanbieters im Browser-Segment. Je mehr Geld man den Leuten für die gleiche Arbeit abknöpfen kann, umso besser. Was unterscheidet einen Anbieter von solchen Geschäftsmodellen von einem Drogendealer? Das eine ist illegal, das andere nicht. Beide operieren jedoch auf der Basis von Kunden, die man abhängig gemacht hat.

Sicher, man könnte sagen … Du musst das nicht kaufen!

Richtig, ich muss es nicht kaufen. Aber dann bin ich ja auch nicht abhängig, wenn ich tatsächlich diese Entscheidung treffen kann. Doch dann gehöre ich auch nicht zur Zielgruppe. Dann gehöre ich zu denen, deren Geld die Anbieter gar nicht wollen. Dann spielt es auch keine Rolle, ob ich dort Geld ausgebe oder nicht.

Was spielt dann eine Rolle?

Wenn jemand begreift, was für eine Art Geschäftsmodell hier betrieben wird. Wenn jemand feststellt, dass er emotional von einem Spiel abhängig ist und deswegen nach Strich und Faden ausgenommen werden kann. Wenn jemand dann sagt: “Nein danke! So nicht!”.

Das spielt eine Rolle!