So müde …

Man sagt zwar, dass ältere Leute weniger Schlaf benötigen, aber entweder ist das eine Urban Legend oder ich bin noch nicht alt genug. Fakt ist, dass ich sackmüde bin, weil ich zu wenig Schlaf bekomme. Schuld daran sind keine hungrigen, zahnenden Säuglinge, keine nervigen Nachbarn, kein Strassenlärm, sondern, wie kann es auch anders sein in einem Spieleblog, ein Spiel.

„Grim Dawn – Ashes of Malmouth“

GD_Ashes_of_Malmouth

Das Addon setzt handlungstechnisch nahtlos an das Ende des Hauptspieles an. Man muss dazu nicht von vorne beginnen, Voraussetzung ist lediglich, dass bereits vorhandene Spieler-Charaktere den chtonischen Obermotz von Akt 4, Loghorrean, gelegt haben. Inquisitor Creed hat danach eine neue Quest und man kann sofort in die Gebiete des Addons starten.

Weil es aber schon eine Weile her ist und durch Patches sich auch einiges im Balancing geändert hat, fange ich einen neuen Charakter an. Der Soldat wird es diesmal sein, die beiden neuen Klassen, bzw. deren Fähigkeiten hebe ich mir für später auf. Schnell merke ich, dass der Soldat ein recht robuster Geselle ist, im Gegensatz zu den Glaskanonen, die ich sonst gewohnt bin zu spielen.

Spielerisch bietet das Addon nicht viel Neues, was zumindest mich nicht stört. Grim Dawn ist so, wie es ist, fast perfekt, da muss man nicht viel ändern. Vielleicht hier und da ein wenig polieren und mit dem Ziselierhammer feinere Linien ziehen, aber grundsätzlich stimmt alles.

Die Umgebung ist wieder schmierig-schauerlich-prächtig. Mutierte Vegetation und ätherische Verwüstung verwandeln Stadt und Land noch mehr in Alptraumlandschaften. „Nuke it from Orbit“ erscheint immer mehr als einzig sinnvolle Handlung. Da mir in der Welt von Cairn aber weder Raumschiffe, noch nukleare Sprengköpfe zur Verfügung stehen, muss ich mich notgedrungen doch zu Fuß ins Zentrum der Korruption vorkämpfen.

Der Schwierigkeitsgrad steigt kräftig an. Gut ausgebaute Widerstände vor allem gegen Gift helfen zu Beginn, später dann ist hoher Aether-Widerstand nicht verkehrt, vor allem, wenn man sich auf höheren Schwierigkeitsgraden tummelt. Auf dem niedrigsten kein absolutes Muß, es ist aber auf jeden Fall nicht verkehrt, zumindest ein paar Fähigkeiten oder Komponenten hierfür zu investieren, will man sich nicht in einer Respawn-Dauerschleife wiederfinden.

Aber auch dann stirbt man vor allem in Malmouth, zum Schluß des Addons, viele Tode. Dem unvorsichtigen, zu nassforschen Spieler werden etliche und eindrückliche Lektionen in Demut erteilt. Vor allem die Bosse haben oft genug fatale Sekundärzauber und -angriffe, die einem wertvolle Widerstandswerte rauben oder mit Blutungs-, Aether- und Giftschaden jenseits von Gut und Böse sorgsam choreographierte Attacken nötig machen. Keiner ist jedoch unbesiegbar. Auf Normal kann man sich mit Geduld und Spucke und/oder entsprechenden Komponenten behelfen, welche Resistenzen erhöhen. Auf höheren Schwierigkeitsgraden ist zusätzlich ein zielgerichtetes, immer wiederkehrendes Umspeccen diverser Talent- und Devotionpunkte nötig. Und natürlich ein wenig Lootdrop-Glück. Aber das kennen Veteranen ja bereits von Titan Quest. Und Veteran wissen auch, dass es keine Schande ist ein Dutzend Mal und mehr zurück ins Schlachtgeschehen zu teleporten, bis ein härterer Gegner gelegt oder eine knifflige Stelle geklärt ist. Man braucht ein wenig Geduld, bzw. Sturheit mit dem Spiel, darf sich nicht zu schnell entmutigen lassen. Es gibt immer einen Weg. Genauer auf Flächenschaden achten, genauer auf Angriffsmuster achten, öfter weglaufen und Cooldowns abwarten, anstatt dumm im Aetherfeuer zu stehen und z.B. keinen Heiltrank einsetzen können. Manchmal dreht man Kreise um den Boss, beharkt ihn mit Fernangriffen und dankt sich selbst für die kluge Entscheidung auf hohe Damage-over-time-Fähigkeiten zu setzen, mit denen man auch harte Gegner allmählich zermürben kann. Was manchmal dazu führt, dass man nach dem Respawn hektisch aus dem Lokalrift stolpert und feststellt, dass der Gegner in der Zwischenzeit am zugefügten Blutungsschaden verreckt ist. Nicht unbedingt die feine Art, aber man spielt ja auch keinen edlen Ritter.

Die Story lässt sich zwar problemlos ignorieren, aber wer möchte, kann sich wohlig in Schauern wälzen, die einem mitunter den Rücken runterlaufen. Gerettete Flüchtlinge begegnen dem Spieler feindselig und aggressiv, weil man Familienmitglieder zurück lassen musste. Soll man einem verzweifelten Vater sagen, dass die zu suchende Familie nur noch in Stücken verteilt gefunden wurde oder soll man ihn anlügen? Soll man sich mit dem Führer einer Gemeinschaft einlassen, weil er nützliche Ausrüstung anbietet, wohlwissend, dass die eben geretteten Flüchtlinge wahrscheinlich zu Eintopf verarbeitet wurden? Oder soll man diese wehrhafte Enklave in der Wildnis auslöschen, wohlwissend, dass die Überlebenden der Apokalypse eigentlich jede Hilfe im Kampf gegen Chtonians und Aetherials gebrauchen können, sei sie auch noch so widerwärtig?

Was ist schlecht an diesem Addon?

Alles! Anstatt rechtzeitig ins Bett zu gehen, klebe ich immer noch am Bildschirm, weil ich ja gleich den nächsten Regionalrift erreicht habe. Und ich kann ja noch schnell die eine Fraktionsquest abschliessen, wo man doch nur schnell in den einen Dungeon da hinuntersteigen muss, um …

Ashes of Malmouth ist gesundheitsschädlich, weil zu wenig Schlaf gesundheitsschädlich ist. Spielt das nicht, bitte! Vor allem im Alter macht man’s nicht mehr so mit 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Review.

3 Kommentare zu “So müde …

  1. J. R. Hermes sagt:

    Ok, Ok. Überzeugt. Jetzt muss ich das Teil wohl mal kaufen.

    Danke. 🙂

  2. Aloha2 sagt:

    Weia!

    Mach mit grade Sorgen, kann mal jemand schnell nach Hazz sehen? Bei Infektionen mit der neuen Grim Dawn-Mutation wäre eine Ansteckung mit dem gerade grassierenden Stranger Things-Bingewatch des Typs „Season 2“ fatal.

    Hazz, wenn Du zuliest: warme Milch mit Honig, dann ab ins Bett und dazu „Legenden der Leidenschaft“ im Bildschirmunterhaltungsgerät.

    Gute Besserung 😉

  3. Harzzach sagt:

    Mir reicht ne halbe Season „Outlander“, danke! 🙂

    Zu „Stranger Things S02“ könnte ich mich nur wiederholen. Also sage ich nix dazu und binge-watche.

    Im positiven Sinne überrascht bin ich von Star Trek – Discovery. Ich warte noch die Halbzeit/Winterpause ab, bevor ich was dazu schreibe, dann sind genug Folgen gelaufen. Vorab nur … ich kann das helle Entsetzen von struktur-konservativen Fans nachvollziehen, die Seth McFarlanes „The Orville“, obwohl das eine geile und freche Parodie des 90er-Jahre StarTrek darstellt, DIS vorziehen. Wer unter ST nur das bequem-betuliche Kommando-Sofa eines Jean-Luc versteht, wo niemand aufs Klo geht, weil replizierte Nahrungsmittel rückstandsfrei zu 100% verdaut werden … da kann DIS schon prinzipiell nicht gut sein. DIS ist bewusst anders als TNG/DS9/Voyager. DIS ist mehr in der Nähe von TOS, wo das All noch laut, bunt und rüpelhaft war. Ich empfinde das als dringenst nötigen frischen Wind, aber ich kann verstehen, wenn man DIS als greuliches Abramsverse-Gedöns in die tiefste, hinterste Ecke der Hölle verwünscht. DIS positioniert sich deutlich und unmißverständlich und darin ist DIS 100% Star Trek. Nicht bequem und bräsig, sondern fortschrittlich.

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