Warcraft – The Beginning

Ich spiele gerne World of Warcraft und klicke mich ab und an wiederholt durch Warcraft 3. Das eine ist ein leicht bekömmliches MMO, ideal für meinen aktuelles persönliches Zeitguthaben und das andere ist immer noch ein unterhaltsames und gutes RTS. Ich habe die Vorgänger von Warcraft 3 mit Begeisterung verschlungen und mir hätte mit Sicherheit auch das damals geplante Warcraft-Adventure gefallen, wenn es denn erschienen wäre.

Ich mag das Setting, ich mag diese Welt. Azeroth ist ein Stück Heimat geworden, weil ich mir durchaus vorstellen könnte dort in einem kleinen, schnuckeligen Häuschen zu leben, geruhsam über den grasigen Ebenen von Nagrand schwebend oder ein Stadtappartment im nie zur Ruhe kommenden Ironforge zu beziehen.

Ich bin DAS Zielpublikum für den letztes Jahr in die Kinos gekommenen Warcraft-Film.

warcraft_twoworlds_onehome

Und doch habe ich ihn nicht im Kino angeschaut, mir keine DVD besorgt. Auch wenn die Trailer ganz nett waren und ich natürlich in fast jedem Frame diverse Dinge aus den Spielen referenziert sah … ich blieb skeptisch. Wenig begeisterte Kritiken halfen nicht unerheblich beim Halten einer gewissen Distanz.

Gestern Abend überkam es mich dann. Ein ganz heftiges Schaubedürfnis, welches sofort gestillt werden musste. Weil, all diese pseudo-intellelen Kritiker haben sowieso keine Ahnung, nicht wahr?

Und wie stillt man so ein heftiges Schaubedürfnis, wenn man nicht warten will, bis Amazon im Laufe der kommenden Woche die DVD liefert oder Netflix den Film nicht im Angebot hat? Richtig, im Digitalen Zeitalter, wo alles nur einen Mausklick entfernt liegt, lag auch der XXX-HD-Stream nur einen Klick entfernt. Zwischen Eingabe grundlegender Suchbegriffe in der Suchmaschine und dem Klick auf “Play” lagen nicht einmal 60 Sekunden. Kinderleicht ist das trotzdem nicht, denn man muss schon zielsicher diverse Lockvogel- und “Lade jetzt die aktuelle Viewer-Exe herunter!” (Haha, ja klar mache ich das … NICHT!)-Angebote umschiffen, um zum Ziel zu gelangen. Man sollte wissen, worauf man klickt und wie man den Browser so verwendet, damit keine unliebsamen Gäste mit zur Party kommen. Aber wenn man dort ist … ein 1080p-Stream in astreiner Bild-, Ton- und Streamingqualität. Rein technisch können diese schmierigen Streaming-Portale jedem legalen Angebot mehr als nur das Wasser reichen. Ich gestehe ein klein wenig beeindruckt gewesen zu sein.

Doch zurück zum eigentlich Abendereignis, dem Film.

Nun, was soll ich sagen? Dass es ein hervorragend produzierter Effekt-Film war, der in Sachen Art Design und Music Score die Essenz dieser Welt treffsicher und gekonnt eingefangen hat? Dass es viele, VIELE treffende und nette Details aus den Spielen gab und man merkte, dass sich hier jemand wirklich Mühe gegeben hatte? Dass ich trotz perfekter Production Design-Orgie und blubbernden Murlocs sehr schnell nur noch mit den Augen rollen konnte und zum Schluss stark gegen den Drang kämpfen musste laut zu lachen? Weil es abgesehen vom interstellaren Production Design ein SCHRECKLICHER, PEINLICHER Film war? Ich weiß zwar, dass Duncan Jones jetzt nicht gerade ein unbegabter Regisseur ist, weil “Moon” schlichtweg phänomenal ist und da er selbst WoW spielt, scheint er DIE Traumbesetzung für diesen Posten zu sein … aber das ist ihm vollkommen entglitten. War es die Größe des Projekts? Die enorm hohe Verantwortung für irrsinnige 160 Millionen Dollar samt den noch irrsinnigeren Umsatzerwartungen? Waren es Einmischungen seitens der Produzenten oder Blizzard? Ich weiß es nicht …

Sicher ist hingegen nur eines: Das hier, das ist ein Griff ins Klo. Ein richtig großer Griff ins Kodo-Klo! Aber gut, als WoW-Spieler ist man es ja gewohnt in diversen Kot-Haufen herumzuwühlen 🙂

Dünne Dialoge. Viel zu viele Dialoge. Ständige Verletzung der grundlegenden Film-Regel “NICHT drüber reden, ZEIGEN!”. Charaktere ohne Biss, aber mit großen Hauern. Langweilige, oberflächliche, klischeebeladene Charaktere. Holperig inszenierte, sprunghafte Handlung. Kein Charme. Ein vollständig charmefreier Film, der von irgendeiner unsichtbaren Last niedergedrückt und fast erstickt wird. Als habe die Fel-Magie der Brennenden Legion diesem Film alles entzogen, was Duncan Jones frühere Filme so sehenswert gemacht haben.

Wow! Was für ein schrecklich schlechter Film! Ich war gestern Abend … “sprachlos” wäre zu viel, das englische “stupefied” (verblüfft, entsetzt und betäubt in einer einzigen gemeinsamen Emotion) trifft es besser.

Aber weil “Warcraft – The Beginning” international, offenbar vor allem in China, richtig viel Schotter gebracht hat ($160 Mio. Kosten, knapp $450 Mio. weltweit eingenommen, was diesen Film zur mit Abstand kommerziell erfolgreichsten Spieleverfilmung macht), wird es natürlich eine Fortsetzung geben. Dieses Geld lässt niemand in Hollywood liegen.

Ich weiß nur nicht, ob ich darüber erfreut sein soll oder eher nicht …

Wobei es mir im Grunde auch egal sein kann. Ich spiele weiterhin mit meinen Twinks, hole mir ab und an Warcraft 3 aus der Software-Gruft und wenn es mich doch packt, kann ich mir eine Fortsetzung wieder auf diesen schmierigen Streaming-Portalen anschauen.

So ist jedem geholfen 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Kack.

18 Kommentare zu “Warcraft – The Beginning

  1. Jonnze a.k.a arillo sagt:

    Du spielst mit Twinks?

    Ich denke gern an meine Anfangstage als Spieler mit Warcraft 2 und an Teil 3 zurück, habe WoW nicht über die 14 Tage Trial hinaus gespielt und innerhalb dieser 14 Tage auch nur etwa dreieinhalb Stunden…aber über Geschmack lässt sich nicht streiten. Also…außer dass ich alles hasse, was ich nicht liebe.^^
    Der Film hingegen war gut für einen Abend mit Bier in jemandem, der nur wenig Bier verträgt, bevor seine Konzentrationsfähigkeit von gering auf nicht vorhanden sinkt. Also…netter Film, unterhaltsam, alles wieder vergessen. Außer dass ich überrascht war, nach wie kurzer Zeit die echten Menschen sich in die wilden CGI-Vorder-, Hintergründe, und -Charaktere einfügen. Im Trailer stachen die imo unangenehm heraus, was den Film viel billiger aussehen ließ, als er war.

    Aber nochmal….du spielst mit Twinks? : 3

  2. Harzzach sagt:

    Hey, mit wem ich spiele (oder nicht) ist immer noch mein Bier! ;-P

  3. Jonnze a.k.a arillo sagt:

    Bist du nicht eine Person des öffentlichen Lebens? Dann ist deine sexuelle Orientierung samt eventueller Fetische nämlich äh…Allgemeingut. : D

  4. Harzzach sagt:

    Harzzach ist eine Person des öffentlichen Lebens. ICH nicht 🙂

    Abgesehen davon sollte klar sein, welche von den möglichen Bedeutungen des Begriffes „Twink“ im Kontext „World of Warcraft“ zutrifft und welche nicht.

  5. UFO sagt:

    Auf diesen Film freute man sich schon, da spielte ich noch WoW – und das war bis BC…
    Ich sah ihn auf DVD und kann mich schon nicht mehr an den Inhalt erinnern. So beliebig und austauschbar war er. Naja, wenn man fies ist, passt er damit zum aktuellen Zustand des Spiels: Alles wurde austauschbar.
    Nur die Szene mit dem Murloc und einige andere „Eastereggs“ blieben hängen und erinnerten uns an die tolle Zeit im Spiel.

  6. Harzzach sagt:

    Übrigens, bitte nie vergessen: WoW wurde explizit als Casual-Alternative zu Hardcore-MMOs wie Everquest entworfen. Wo man sich am Feierabend kurz einwählen und ein paar Quests machen kann.

    Wenn man also von der guten, alten Vanilla-Zeit in WoW schwärmt, wo man noch richtig was tun musste, schwärmt man von einem Casual-MMO 🙂

  7. Enrico sagt:

    Die Story war doch eher aus Warcraft (1) und nicht etwa WoW… (aus welchem lediglich einige Locations herhalten mussten, um die ganzen 12 jährigen WoWler (pun intended) in die Kinos zu locken?!
    Nach dem schauen des Films, den ich auch als durchschnittlich unterhaltsam empfand und das anschauen nicht bereut habe – habe ich mir auf youtube den Story / Cutscene Zusammenschnitt der Warcraft Strategiespiele angesehen und die Charaktere wiederentdeckt. 😉

  8. Harzzach sagt:

    In Sachen Lore-Treue und Detailkorrektheit ist das auch unbenommen die bislang beste Videospielverfilmung. Hier hat man wirklich nicht geschludert, hier wurde der Stoff ernst genommen.

    Nur hat man es nicht geschafft diese Details zu einem akzeptablen Film zusammen zu schnüren.

  9. UFO sagt:

    Was heißt schon Casual? WoW war zu Anfang wenigstens von den Grundzügen her ein Rollenspiel, in dem man einen Charakter formte und Entscheidungen sich auf ihn auswirkten. Es gab Unterschiede zwischen Fraktionen, Rassen und Klassen. Da skillte man nicht mal eben für jede Ini passend um. Vor allem bildeten die Server eine gewisse Gemeinschaft. Man kannte seine Pappenheimer, im Guten wie im Schlechten.

    Heute ist alles so austauschbar wie in einem Egoshooter. Kann man alles gut finden, muss man aber nicht. 🙂

  10. Jonnze aka. arillo sagt:

    @Twinks: Ich kenne nur eine Bedeutung. :>

  11. anigunner sagt:

    Das mit den schmierigen Portalen stimmt leider. Habe neulich einen alten Anime ansehen wollen, und den gab es nirgends „legal“. Bis auf einem dieser besagten Portale. Ohne Schnickschnack, gutes Bild, guter Ton, DUB,SUB, was das Herz begehrt. Wenn ich mir überlege, was für ein Hickhack war, bis ich „Das fliegende Auge“ auf einem Streamingportal ansehen konnte.. Browser wechseln, Player installieren etc etc. Also in Sachen Bequemlichkeit – und Kundenfreundlichkeit können die legalen Plattformen sich da teilweise echt eine dicke Scheibe von der „bösen“ Konkurrenz abschneiden.

    Tröste dich, ich habe mit „Ghost in the Shell“ neulich im Kino ein ähnliches Erlebnis gehabt. Geht also nicht nur bestimmten Warcraft-Fans so, was Enttäuschung angeht 😉

  12. Harzzach sagt:

    Zu GitS … jetzt habe ich von mehreren Leuten, deren Geschmack ich kenne, unterschiedliche Urteile gehört. Von „Pfui, bähhh!“ über „Ganz nett, aber nix besonderes.“ bis zu „Storyumsetzung besser als befürchtet.“ gehört. Sprich, ich komme nicht umhin mir den Film selbst anschauen zu müssen 🙂

    Immerhin soll er, wie auch WoW, optisch einiges bieten …

    Nein, aber viel besser … HOT NEWS!!!!

    Netflix will die Witcher-Bücher (!) als Serie bringen! Sapkowski als offizieller Berater engagiert. Produzenten sind Leute u.a. von The Expanse. Ausführend ist die Firma, die schon die Witcher-Cutscenes für die Spiele gemacht haben. Wahrscheinlich ne CGI-Serie

  13. Anonymous sagt:

    Du übertreibst!
    Der war richtig gut.
    War alles drin. Die Caraktere, die Städte, die Greifen usw. Effekte super. Schöne Landschaften, die Orcs kamen gut rüber.
    Ich fand den für eine Spieleverfilmung einfach genial. Eigenlich die beste Spielverfilmung! Welche war denn richtig gut? Resident Evil, klar, aber sonst?
    Ein Problem hatte der Film, sie haben versucht zuviel Story da reinzubauen. Die haben ja die halbe WOW Geschicht in den Film gequetscht, das wirkte überladen. Selbst die Mucke war ok.
    Also da habe ich mit deutlich schlimmeren gerechnet. War jetzt kein „Herr der Ringe – Die zwei Türme“ aber war gut.
    Gruß Micha

  14. Anonymous sagt:

    Da schwenkt jetzt eine Menge Nostalgie mit, aber “Mortal Kombat“ (1) ist immer noch die beste Spieleverfilmung. xD

  15. Jonnze sagt:

    @Witcher Serie: Ich habe das so verstanden, dass der Regisseur der Cutscenes bei mindestens einer Folge pro Staffel Regie führen wird. Auf eine CGI-Serie deutet das nicht hin und ich hoffe es kommt auch nicht dazu. Andererseits wär’s mal was Neues: Eine CGI-Serie, die sich an Erwachsene richtet.

    Ich sehe sowieso eine positive Entwicklung was den Umgang mit Adaptionen abseits von Hollywood angeht. Der dunkle Turm übertrift alle meine Befürchtungen um ein Vielfaches – schlimmer könnte es gar nicht sein. Ich muss mir immer noch die Augen reiben.

    American Gods dagegen hält sich bisher sehr genau an die Vorlage und liefert richtig gut ab.

  16. Chico sagt:

    Ich weiss noch, als ich denn Film gesehn hab, fand ich das plätschernde Niveau gar nicht so störend, wobei ich da eigentlich sonst sehr empfindlich bin, meine Erwartungshaltung war wohl auch dementsprechend. Am meisten gingen mir aber die ganzen Sprünge auf den Sack. Es ist wohl so, das knapp ne Stunde Film in der Kino und BR Version fehlen, um es auf Marketingheinigedöhnslänge zu bekommen… Sollte der per directors Cut noch nachgereicht werden, würde ich mir den sogar nochmal anschaun…

  17. Harzzach sagt:

    Es ist wohl so, das knapp ne Stunde Film in der Kino und BR Version fehlen, um es auf Marketingheinigedöhnslänge zu bekommen…

    Das erklärt so manches …

  18. jge sagt:

    Der Honest Trailer triffts schon ganz gut. Außerdem ist es ja nicht so, dass die Spiele WC1 und WC2 damals ne gute Story gehabt hätten. (Was im Film gefehlt hat: dass Bergbau betrieben wird :-))) Die Story ist absolut überraschungslos und vorhersehbar.

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