Ungefragte Ratschläge: GODS Remastered

Abgesehen davon, dass ich eh immer alles besser weiß … manchmal weiß ich es tatsächlich besser. Wie im Falle des folgenden Projektes, wo man versucht dem Bitmap-Brothers-Klassiker “GODS” aus dem Jahr 1991 eine Frischzellenkur zu verpassen.

Prinzipiell habe ich gar nichts gegen Remakes und Remasters und Whatnots. Weil sie helfen alte Klassiker weiter im Bewusstsein nachfolgender Generationen zu halten und weil wir alten Säcke eh keinen Bock auf all den neuartigen, komischen Kram haben, mit dem sich heute kleine Zwuggel die Zeit vertreiben, nicht wahr?

Jetzt hat sich also jemand GODS vorgenommen und dafür, laut Beschreibung auf der oben verlinkten Steam-Greenlight-Seite, sich sogar die Unterstützung von Mike Montgomery, einem der Gründer des ehem. britischen Videospiel-Entwicklers gesichert.

Kann also nix schiefgehen, oder?

Nun, erm, also …

Meine erste Reaktion nach Anblick dieses Screenshots …

GODS_remake_01

… vor allem, wenn man ihn mit der gleichen Szene aus dem Original vergleicht …

GODS_remake_02

… heilloses Entsetzen!

Es hatte schon seinen Grund, dass sich die Bitmap Brothers Bitmap Brothers genannt haben, waren sie doch damals Meister hochwertiger, aufwendiger Pixelkunst. Der Screenshot aus dem Remaster hingegen, Jesses Maria! Ob es daran liegt, dass hier jemand ohne viel Ahnung von der Materie Texturen erstellt hat oder ob man zeitlose Pixelkunst einfach nicht verbessern kann, ich weiß es nicht. Da hilft es auch nicht, wenn man im weiteren Textverlauf erfährt, dass die Remaster-Screenshots wohl aus der Mobile-Version des Remakes stammen und die PC-Version angeblich voll viel tollere Graphik bekommen soll.

Von daher, mein ungefragter Rat der Woche:

Wenn ich für einen PC-Port werben möchte, sollte ich das idealerweise mit finaler PC-Graphik oder wenigstens einem Mockup der angedachten PC-Graphik tun. Und nicht abscheuliche Bilder aus einer Smartphone-Version verwenden, wo der kleine Bildschirm so manche optische Grausamkeit gnädiger weise im allgemeinen Gewusel verschwinden lässt.

Da ist es dann auch nicht weiter tragisch, wenn man den Soundtrack vom Dutzendware-Anbieter “Sound of Games” aus Hammurch, Djörmänie neu zusammenstellen und abmischen lässt. Zumindest den legendären Titeltrack aus der Feder von John Foxx hat man nicht vollständig gemeuchelt:

Hier das AMIGA-Original:

Als ich heute morgen die Meldung las, dass es a) überhaupt einen Remaster von GODS gibt und b) dieser sich derzeit im Steam-Greenlight-Programm befindet, war meiner erster Reflex auf den Like-Button auf der Greenlight-Seite zu klicken. Doch nachdem ich mir das verlinkte Video und die Screenshots angeschaut habe, den Text dazu gelesen habe … ich weiß ja nicht so recht. Wirklich nicht.

Obwohl ich nix grundsätzlich etwas gegen Remakes und Remasters und Whatnots habe, so habe ich auf jeden Fall etwas gegen schlechte (!) Remakes, Remasters und Whatnots. Denn das hier, das riecht förmlich danach …

Smartphone-Graphiken, sie benutzen häßliche Smartphone-Graphiken um für die PC-Version dieses Projekts zu werben.

*facepalm*

Ich rechne daher nicht wirklich damit, dass der finale Look so sehr viel besser sein wird. Gut, immerhin soll man das Teil auch mit Originaloptik und Originalsounds spielen können.

Was ich mit einem Blick auf meine DOS-Bibliothek und dem Hinweis auf etliche Dutzend Abandonware-Seiten wohl wieder tun werde. Weil das auch heute noch ein richtig geiler Plattformer ist, der solche greulichen Quickbuck-Versuche nicht verdient hat.

Habe ich diesen Remaster nun für mich abgeschlossen? Nun, ich warte einfach ab, was Ende des Jahres erscheint. Vielleicht wird die PC-Version optisch besser geraten sein? Man kann mich nämlich gerne positiv überraschen, ich bin da gar nicht so. Ich rechne nur nicht ernsthaft damit 🙂

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10 Kommentare zu “Ungefragte Ratschläge: GODS Remastered

  1. LordFjord sagt:

    Ich hatte am Wochenende auch ein „remastered“ Erlebnis, allerdings von einer ganz anderen Sorte… Genau genommen auch kein remastered, aber ein Remake.
    Als Jünger der oldschool Shooter war mir eh klar, dass ich mich da nicht mehr allzulange davon fernhalten kann: DOOM

    Ich wurde nicht enttäuscht. Und dank Vulkan flutscht es auch auf meiner inzwischen in die Jahre gekommenen Gamer PCs. Selbst auf „medium“ Grafik sieht es schick aus, ist schnell und eben – „Ultra Violence“. Die alten Tastatur-Maus Reflexe erwachen wieder zum leben, wenn man ein kill-finish nach dem anderen hinlegt. Ducken? Snipern? Geht zwar, is aber für Weicheier.
    Dafür wird schnelle FPS Action mit viel Bewegungsfreiheit und killing sprees gefördert.

    Gelbe/Blaue/Rote Tür mit entsprechenden Schlüsseln? Breites Grinsen in meinem Gesicht. Secrets mit einer „mini-Doom Figur“ was die E1M1 Melodie dudelt? Herrlich!

    Es hat ein wenig den Flair von aneinandergereihten Deathmatch-Arenen. Aber in todschick. Die Story ist ebenso klar wie nebensächlich. Der Soundtrack rockt und untermalt das Spielgeschehen mit Riffs so wie sich die Umgebung rot färbt.

    Da fühlt sich der alte Sack wieder Jung! 😀

    Es hat manchmal vorher schon gekribbelt, alte Spiele wieder auszupacken und der „guten alten Zeiten“ Willen nochmal anzuschmeißen. Homeworld Remastered war zwar auch nett gemacht, aber es ist irgendwann in der Pile of Shame versumpft. Der Funke war irgendwie … weg, was mich bei dem Titel ein bisschen traurig macht.

    Ich denke es ist hin und wieder ganz gut, die alten Games mit der rosaroten „alles war cool“ Nostalgie Brille in Erinnerung zu halten. Remastered Spiele funktionieren nicht immer, manchmal zündet es eben nicht nochmal. Dafür überrascht mancher Remake umso mehr 🙂

  2. Harzzach sagt:

    Ja, Doom 4 steht schon auf der Wishlist. Vor allem, da man jetzt nicht mehr mit Steam UND Denuvo als DRM belästigt wird, sondern nur noch mit Steam 🙂

    Wahrscheinlich Ende des Jahres.

  3. Pixelex sagt:

    Das neue DOOM kann man wirklich nur empfehlen!

    Bei diesem GODS Remastered stimme ich dir vollkommen zu. Sowas geht ja mal garnicht.
    Das Original sieht erheblich besser aus. Selbst die Farben sind komplett anders. Die neue Version ist viel zu dunkel/bräunlich. Atmosphäre null…

  4. Jekhar sagt:

    Oha. Solche Machwerke bekam man früher als Freeware hinterhergeworfen. Die waren teilweise nicht weniger schrecklich, aber da konnte man wenigstens noch beide Augen zudrücken. Das waren halt Hobbyprojekte und hey, kost‘ nix. Aber für sowas jetzt Geld zu verlangen?

  5. Aloha2 sagt:

    @LordFjord:
    Das Ding hatte bei mir schon gewonnen, als beim Einstieg in die Kampagne
    – der gute Marine seinen Helm aufsetzt,
    – er dann auf dem Bildschirm daneben eine Sprachnachricht von Dr. EvilWhatnotGedöns bekommt,
    – man so denkt „Grmpffff, wieder von quatschendem Bildschirm zu quatschendem Bildschirm latschen!“

    – und er anschließend das Terminal (samt Aufhängung) mitten in der noch laufenden Nachricht zusammentritt.

    Solches Verhalten in Videospielen MUSS gefördert werden!
    Ja.
    Das ist Wahrheit.

  6. ridikulathlet sagt:

    Ich habe auf die harte Tour gemerkt, dass man sich seine Nostalgie der alten Spiele nicht kaputt machen sollte, indem man sie heutzutage nochmal rauskramt und spielt. Hab neulich diverse Sachen mal wieder durch den Amiga-Emulator gejagt: Moonstone, das hier erwähnte Gods, X-Out, Project X, Alien Breed und co.

    Ich kann nur sagen: manches davon macht noch Spaß, weil’s wirklich das beste der besten aus der langen Ära war. Aber das meiste spielt sich echt träge und mies, ist beschissen designt und scheisse zu steuern. Gerade Gods und auch Moonstone war eine unglaubliche Enttäuschung.

  7. Harzzach sagt:

    Ja, es kommt wirklich darauf an. Manche alte Spiele funktionieren auch heute noch prächtig, weil das Gameplay immer noch „funkt“. Die alten Apogee-Plattformer spiele ich heute immer noch, wenn ich ein paar Minuten Zeit totschlagen will.

    Bei anderen merkt man überdeutlich, dass sie fast nur aus veralteter UI und prähistorischem Gameplay-Gewürge bestehen. Bards Tale, Wizardry, die frühe M&M-Serie, die frühe Ultima-Serie. Meilensteine wie Dune 2 oder Warcraft, frühe Hero und Space Quest-Teile … das geht nicht mehr, das kann ich mich nur noch im Rahmen von Recherche geben. Aber nicht mehr „zum Spaß“.

    Interessanterweise habe ich das Gefühl kurz vor einem sehr persönlichen Text-Adventure-Flash zu stehen. Keine Graphik, kein Sound, nur ASCII und Vorstellungsvermögen.

  8. Pixelex sagt:

    @Harzzach:

    Deinen letzten Satz mit dem Text-Adventure-Flash finde ich besonders interessant, da ich diesen Flash schon seit Jahren selbst habe. 😀

    Es gibt da draußen wirklich etliche gute Text-Adventures. Neben Klassikern wie Zork kann ich auch die Choice of Games empfehlen. Da ist wirklich jede Menge interessantes Zeug dabei und die Adventures dauern auch nicht allzulang. Leider sind die immer alle nur auf Englisch. Würde mir da viel mehr Material auf Deutsch wünschen.

    Ich selbst arbeite übrigens auch an einem Text-Adventure… :3

    Ach und wenn man es doch mal gerne modern aufgemacht möchte, dann kann ich auch Code 7 empfehlen. ^^

    Ich fände es auf jedenfall interessant, wenn du mal über Text-Adventures hier berichten würdest.

  9. Harzzach sagt:

    Ich werde mich melden, wenn das Feuer brennt und der Brennstoff zur Neige geht. Danke für Deinen Hinweis 🙂

  10. Joe sagt:

    Prinzipiell habe ich gar nichts gegen Remakes und Remasters und Whatnots. Weil sie helfen alte Klassiker weiter im Bewusstsein nachfolgender Generationen zu halten und weil wir alten Säcke eh keinen Bock auf all den neuartigen, komischen Kram haben, mit dem sich heute kleine Zwuggel die Zeit vertreiben, nicht wahr?

    Dachte ich auch, ja. Dann wurde ich plötzlich daran erinnert, daß hervorragende moderne Videospiele auch wieder existieren können. Das verändert den Blick auf die akkumulierte GOG-Bibliothek, den Elite-Account und die Citizen Card Zeit deutlich. Der Nostalgie-Trip aus Mangel an Alternativen geht zu Ende.

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