Das Ende von Denuvo

Jahaa, schön reisserischer Titel! Clickbait!!

Nein, ehrlich. Denuvo, die Anbieter des gleichnamigen Kopierschutz/DRM-Systemes könnte tatsächlich am Ende sein.

Will man diesem Bericht von Arstechnica Glauben schenken, so wurde im letzten Update von Doom 4 Denuvo herausgepatcht. Doom 4 enthält jetzt nur noch das übliche Steam-DRM. Die Entwickler von „Inside“ haben Denuvo entfernt. Warum? Spontane Erkenntnisgewinnung in der Vorstands/Chefetage? Nein, wohl nicht.

Laut dem Bericht soll es angeblich eine Klausel im Vertrag zwischen Denuvo und Publisher/Entwickler geben, dass Denuvo den Kaufpreis zurückerstattet, sollte das System innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach Veröffentlichung geknackt werden. Nun, nach dem die Szene Denuvo grundsätzlich geknackt hat, fallen die Barrieren immer schneller. Man weiß jetzt, wo man nachzuschauen, auf was man zu achten, wo man herumschrauben muss. Die Klausel greift, Denuvo muss zahlen, das System wird nach der offiziellen Bestätigung seiner Nutzlosigkeit entfernt.

Und das bedeutet jetzt was? Keine neuen Spiele mehr mit Denuvo. Denuvo pleite? All hail crackers world wide? Keine Ahnung, kann ich nicht sagen. Vielleicht wird man bei Denuvo das System abändern, um wieder einen gewissen Vorsprung herausarbeiten zu können. Auf JEDEN FALL wird man wohl die Verträge ändern, so es solche Klauseln geben sollte.

Ich bin eher gespannt, ob Bethesda jetzt vermehrte Umsätze von Doom 4 verzeichnen wird. Ich bin gespannt, ob Denuvo künftig noch in den potentiellen Blockbuster-Veröffentlichungen der Majors auftauchen wird. Ich bin vor allem gespannt, welche Firma es dann wagen wird die Quadratur des Kreises zu meistern: Einen nur schwer knackbaren Kopierschutz für Consumer-Inhalte auf reiner Software-Basis zu schaffen. Was nach meiner Einschätzung aber grundsätzlich nicht möglich sein wird, da man hier zwei gegensätzliche Ziele vereinbaren muss.

Die Krux des PCs ist nämlich seine offene, mit abertausend Varianten versehene Hardware- und Softwareumgebung. Kein PC ist gleich, aber auf möglichst vielen PCs müssen die Inhalte abrufbar und im Falle von Spielen ausführbar sein. Ein in der Breite funktionierendes DRM-System kann daher zwangsläufig nicht so sicher sein, wie man das in einer Umgebung ähnlich Konsolen schaffen kann. Limitierte Vielfalt erhöht die Sicherheit. Wird sich dies auf dem PC je ändern? Nein. Der PC wird weiterhin ein unkontrollierbarer Dschungel bleiben, auch wenn Microsoft und andere Anbieter sich auf den Kopf stellen. Diese Katze kann nicht mehr in den Sack gesteckt werden, aus dem sie in den 80ern geflohen ist.

Aber könnten die Firmen nicht einfach einen Hardware-Dongle verwenden?

Klar, könnten sie. Das würde eine künstliche Einheitlichkeit schaffen, welche die Sicherheit eines DRM/Kopierschutz-Systemes massiv erhöhen würde. Unknackbar ist ein Hardware-Dongle natürlich nicht, wie man mittlerweile weiß, aber es würde erheblichen Mehraufwand bedeuten.

Und warum macht man es dann nicht?

Oh, ganz einfach. Erstens, Hardware-Dongles kosten zu viel und damit geschützte Consumer-Inhalte werden dadurch sehr unbequem zu konsumieren. Jedweder potentielle Vorteil, der sich durch solche strikten Systeme vielleicht ergeben könnte, wird durch handfeste und nachweisbare Nachteile negiert.

Zweitens, den Anbietern geht es ja nicht wirklich darum Inhalte zu schützen, sondern lediglich eine Schutzillusion für die Anleger und Geldgeber aufzubauen. Man möchte den Eindruck erwecken alles getan zu haben, um das Geschäftsmodell vor allen potentiellen Gefahren geschützt haben. Und Raubmordneonazikinderficker-Kopien gelten immer noch als potentielle Gefahrenquelle für das Geschäftsmodel der Rechteverwerter.

Denuvo wird gehen, ein anderer Anbieter wird kommen, die Anleger werden wieder verarscht, die Kunden ärgern sich, die Hacker cracken und in ein paar Jahren werde ich wieder einen ähnlichen Artikel schreiben.

Das Spiel beginnt von Vorne. Nichts ändert sich.

Zumindest nicht im AAA-Bereich, aber wer braucht die schon 🙂

PS: Nichts ändert sich auch bei Crytek, meinem Lieblingsentwickler. Gehälter werden nicht ausgezahlt, der Geschäftsführer ist angeblich seit Monaten nicht mehr im Büro anzutreffen, seine Brüder fuhrwerken willkürlich und planlos durch die Gegend. Ich glaube, das war’s dann jetzt endlich. Ich glaube nicht, dass da ein zweites Mal ein weißer Ritter vorbeischneit und den Yerlis den Arsch rettet, so wie das Amazon vor zwei Jahren mit der Lumberyard-Geschichte getan hat.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Corporate.

17 Kommentare zu “Das Ende von Denuvo

  1. Joe sagt:

    Denuvo wird gehen, ein anderer Anbieter wird kommen, die Anleger werden wieder verarscht, die Kunden ärgern sich, die Hacker cracken und…

    …ich bin nach acht Jahren digitaler Online-DRM-Experimente zurück zu physischen Spielen auf Disc. Fühlt sich ein bißchen an wie ein Flashback zurück in die PC-Zeit vor 10-20 Jahren. War doch gar nicht so schlecht damals…

  2. Hand sagt:

    Ich kaufe inzwischen auf GoG oder: nicht.
    Sprich: irgendein DRM und/oder bzw. Steam und die können ihren Kram behalten.

    Ist doof, wenn man ein paar Jahre warten muss, bis das gewünschte Spiel da auftaucht. Andererseits gibts da so viel schönes zu spielen, dass ich eh nicht zu allem komme.

    Früher habe ich viel Geld für Spiele ausgegeben, aber das hat die Branche nicht vergolten. Jetzt gibts Klassiker für nen Appel und ein Ei und nebenbei unterhalten mich Sachen wie Hearthstone seit Jahren.

  3. LordFjord sagt:

    Hihihi, bin dann mal weg, DOOM 4 kaufen 🙂

    Noch was zu Hardware-Dongles und warum es sie quasi nicht für Spiele gibt: bei den meisten Tokens brauchst du passende Treiber – und da war sie wieder die wundervolle Hardware-Vielfalt der PC Welt. Es ist quasi unmöglich das große Hardware-Spekrum abzudecken. Theoretisch schon, aber die Hardware-Hersteller frickeln genauso wie die Softwareler.

    Time, Price, Quality – pick any two.

    Sprich die Standards werden nicht immer so umgesetzt wie es im Buche steht, weil zu teuer oder zu viel Termindruck.

  4. Harzzach sagt:

    Zu Dongles:

    Ich kenne das ein klitzekleinwenig aus dem Tonstudiobereich, wo Dongles für diverse schweineteure Spezialsoftware weit verbreitet sind. Ebenso weit verbreitet sind aber auch Cracks dafür, weil es immer wieder vorkommt, dass der Hardware-Dongle keinen Bock hat mit dem PC zu harmonieren, auf dem die brav gekaufte Software eigentlich laufen soll.

    Und ja, nach Doom 4 wird im kommenden Steam Wintersale ganz ausdrücklich Ausschau gehalten 🙂

  5. Michael sagt:

    Ich kaufe auch GOG, oder ein DRM-freies Retail (bei den Indies gibt’s das manchmal, bei P’dox gab’s das früher auch, leider sind die ja auf den All-Steam-Zug aufgesprungen), meine GOG-Bibliothek ist inzwischen 75 Titel stark, wovon ich das meiste noch nicht mal angespielt habe…. :-/
    Ich bekomme – wenn es denn mal fertig ist – als Backer noch Kingdom Come:Deliverance, das System Shock Remake und David – The Bible Videogame. Mir wird also auch ohne den DRM- und „Gamingcommunity“-Rotz der Spielestoff so schnell nicht ausgehen.

  6. Ziggurat sagt:

    Das mit den Cracks (oder gecrackten Versionen) für Produktionssoftware kann ich bestätigen, ein Dongle ist kein Hindernis mehr. Leider stimmt es, dass einige sogar sehr oft auf „illegale“ Software zurückgreifen müssen (dennoch Original kaufen..), da sonst das System vor lauter Dongles und anderem Zeug aus den Fugen gerät, zig Registrierungen nötig sind.Muss mal das ganze System neu aufgesetzt werden (bei Win alle Zeiten must have), ist das die reine Hölle.

    Ob man mit Doom und Denuvo nun arg viel mehr verdient hat, bezweifle ich persönlich. Ich für meinen Teil bin bei Doom ein ehrlicher Fan dieser Reihe, alleine schon wegen Id.Software (auch wenn da nur noch Reste vorhanden sind). Zudem haben es die Entwickler tatsächlich geschafft, ein altes Genre neu zu beleben, erstaunlich! Zudem war ich zugegebenermaßen beim Release viel zu geil auf das Game um mir irgendwelche Gedanken um Denuvo machen hrhr 😉

  7. Joe sagt:

    Ich habe selbst zwei Dongles für Audio-Software und kann sagen, daß es neben komplett DRM-frei nichts Bequemeres gibt. Ich habe die auf sämtlichen Rechnern installiert und sobald ich die Audio-Technik per USB anklemme, sind auch die Dongles auf dem gleichen Hub aktiv und die Sache läuft.

    Ich habe auch SONAR auf Steam (95 % reduziert hehe) und deren Online-Aktivierung ist totale Grütze im Vergleich.

  8. Joe sagt:

    Auch interessant zu sehen in Forendiskussionen, daß angesichts der Denuvo-Seuche SteamWorks jetzt plötzlich als „vernünftig“ gilt.

    Denn Doom4 ist mitnichten DRM-frei jetzt.

    Ich werde auch nicht losrennen, um ein Bethesda-Spiel zu kaufen. Ich möchte Zenimax nach Möglichkeit kein Geld geben. Die sind für mich schlimmer als EA. Und das will was heißen, nachdem EA alle großartigen PC-Spiel-Franchises erfolgreich zerstört hat.

  9. Harzzach sagt:

    Natürlich ist Doom 4 jetzt nicht DRM-frei. Ist ja immer noch mit Steam verdongelt. Aber wenn ich schon Geld für ein Steam-Spiel ausgebe, dann will ich mich wenigstens mit nur einem, auch noch total harmlosen DRM herumschlagen, welches mit sehr geringem Aufwand umgangen werden kann. Denuvo hat mich ja nicht als Denuvo gestört, so wie Starforce einfach ein faktisches pain in the ass war, sondern weil doppelt und dreifaches DRM ein selten dämlicher Hirnfick ist, dem man grundsätzlich fernbleiben sollte. Ich denke nur mit Schmerzen daran, was da gestartet und connected werden muss, wenn ich ein auf Steam erworbenes Ubisoft-Spiel starten will. Meine Fresse, was für ein dummer Kack …

    Ich warte einfach mal die kommenden Sales ab. Wenn Denuvo dauerhaft fernbleibt und die Preise in die Regionen fallen, die ich für Miet-Software normalerweise ausgebe, schlage ich zu.

  10. Joe sagt:

    Natürlich ist Doom 4 jetzt nicht DRM-frei. Ist ja immer noch mit Steam verdongelt. Aber wenn ich schon Geld für ein Steam-Spiel ausgebe, dann will ich mich wenigstens mit nur einem, auch noch total harmlosen DRM herumschlagen, welches mit sehr geringem Aufwand umgangen werden kann.

    Das mag ja nun als akzeptabel gelten, aber es gab mal Zeiten, da wurde nach einigen Wochen der Kopierschutz komplett entfernt. Doom3 ist so ein klassisches Beispiel. Nur die 1.0 fragte die CD ab. Und das Spiel kam auch komplett auf 4 CDs, anders als 70 GB von Doom4, dank haufenweise unkomprimierter Audiodateien in 90 verschiedenen Sprachen.

    Ich denke nur mit Schmerzen daran, was da gestartet und connected werden muss, wenn ich ein auf Steam erworbenes Ubisoft-Spiel starten will. Meine Fresse, was für ein dummer Kack …

    Die drölf Spiele-Launcher mit Sozialgimmicks, die mittlerweile jeden PC zumüllen sind für mich alle gleich schlecht und gleich unnötig. Ich nehme da auch GOG Galaxy nicht aus. Ich frage mich auch, warum man es nicht schafft, den unvermeidlichen Patcher einfach ins Spiel selbst einzubauen.

  11. Joe sagt:

    Der Verbraucherschutz ist ja erst kürzlich beim BGH auf die Fresse geflogen mit dem Versuch „gekaufte digitale Downloads“ physischen Produkten gleichzustellen. Die rechtlichen Konsequenzen sind damit ziemlich klar:

    Wer Geld in einen Videospiel-Facebook-Account (Steam, Origin, uPlay etc.) steckt, erhält keinerlei Besitzansprüche. Der Service-Anbieter kann den Service jederzeit beenden und einen jederzeit frei Schnauze rauswerfen. Man hat keinen Anspruch darauf, weiter Zugriff zu erhalten.

    Und solltest du den Zugriff verlieren, bist du verpflichtet, alle über den Service heruntergeladenen Dateien zu löschen, da du dich ansonsten strafbar machst. Du hast keine Rechte an diesen Dateien, auch das hat der BGH noch mal eindeutig klargestellt.

    Denuvo ist also nur die logische Konsequenz und für etwas bezahlen, was am Ende (Account gelöscht) den Status einer Raubkopie erhält, ist in meinen Augen ziemlich dämlich. Mein Usenet-Account bietet exakt den gleichen Service.

  12. Harzzach sagt:

    Und genau deswegen zahle ich für Mietsoftware auch nur Mietpreise.

  13. Joe sagt:

    Und genau deswegen zahle ich für Mietsoftware auch nur Mietpreise.

    Ich bin halt dem (nun korrigierten) Irrtum aufgegessen, daß ich das, was auf legalem Wege auf meiner Festplatte gelandet ist, zumindest unbegrenzt behalten kann, wenn ich es schon nicht verhökern kann. So wie Cracks für CD-basierte Spiele ja als legal gelten (jetzt weiß ich auch warum).

    Ich habe aus der Rechtsprechung natürlich meine Konsequenzen gezogen und bezahle nun exakt gar nichts mehr. Streaming-Quatsch können die behalten.

  14. Hand sagt:

    Bin da ganz bei Joe.

    GoG-Galaxy mag ich deswegen, weil es optional ist und somit niemals bei mir laufen wird. ^^

  15. crix sagt:

    Am Ende? Wenn man Denouvo für Laufzeit bezahlt, dann sehe ich es als durchaus möglich an, das man beschlossen hat Doom3 nur für eine Zeit zu schützen und da nix mit Vertragsbruch ist. Der Boom, ist auch bei den „parallel“ downloads dann vorbei und es ist wirtschaftlicher den Kopierschutz rauszunehmen.

  16. Johannes sagt:

    „Spontane Erkenntnisgewinnung in der Vorstands/Chefetage? Nein, wohl nicht.“
    😀
    Danke, wirklich guter Artikel. Informativ und unterhaltsam zugleich!

  17. Bradamante sagt:

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Artikel gesehen habe, die Denuvo und die Vertragsbedingungen anders beschrieben haben, als hier angegeben. Demnach verspricht Denuvo den Käufern nicht Schutz auf ewig, sondern nur während des Release Windows, also meinetwegen drei oder sechs Monate. Daher müsste Denuvo im Fall von Doom 4 auch nichts zurück zahlen an ZeniMax/Bethesda.

    Hinzu kommt noch etwas anderes. Ich dächte ich hätte gelesen, dass Denuvo als Crypto-basiertes System nicht wirklich geknackt sei. Statt dessen werden nur die Spieldaten von Hand überarbeitet. Man muss daher das ganze Game runterladen, wenn man es piratisieren will. Und das nächste Patch macht das Ganze vielleicht dann wieder unbrauchbar. Insofern könnte die Cracking Community zwar einen Fortschritt erzielt haben, aber keinen dauerhaften Sieg. So ich das alles denn richtig verstanden habe.

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