ARGHLLLL, HERRGOTTZACK, DAMMICH

Wenn man entkräftet in der Wohnung liegt, weil die Luftfeuchtigkeit den Körper niederdrückt und wenn man beginnt Gilmore Girls und Outlander mitzuschauen, weil alles andere (neue Folgen von OITNBOrphan Black, Better Call Saul et all) viel zu anstrengend ist und man beginnt bei Gilmore Girls hin und wieder tatsächlich mit zu grinsen (weil’s gar nicht mal so übel ist) und wenn man merkt, dass man keinen Bock auf irgendwelche anstrengenden Stressbolzenspiele hat und ausufernde RPGs vom Limbischen System in meinem Schädel momentan nicht verarbeitet werden können und man merkt, dass der Satz einfach kein Ende nehmen will und man panisch versucht Hände oder Finger zu stoppen weiterhin auf dem Keyboard herumzuhacken … dann sollte man sich als Hardcore-Brutalo-Noncasual-Mega-SeniorGamer besser umschauen, was der Pile of Shame für solche Umstände zu bieten hat.

Es fällt der Blick auf „Dungeons of Dredmor„, welches vor einigen Jahrhunderten im Rahmen eines Humble Bundles erstanden, bis dato aber nie angerührt wurde. Nun, wieso nicht jetzt?

dredmor_intro

Rein äußerlich ist Dungeons of Dredmor ein traditionelles Roguelike. Man schnetzelt und metzelt sich durch prozedural generierte Dungeons und versucht dabei den Spielercharakter ums Verrecken am Leben zu erhalten, denn Permadeath ist ja eines der Hauptmerkmale eines Roguelikes. Isse alde Char gesterbt, musse beginnen mit neuem Char wieder ganz bei de Null, mit neue Dungeon, weissu?

Da ich nicht so der von Roguelikes viel Ahnung habende Hardcore-Zocker bin, habe ich auch keinen blassen Schimmer, ob die willkürlich ausgewählten Fähigkeiten, die ich meinem Char mitgeben kann, auch nur ansatzweise sinnvoll sind. Aber als erfahrener RPG-Veteran glaube ich zu ahnen, dass die Präferierung einer bestimmten Waffenart, bessere Nutzung von Rüstungen, höhere kritische Trefferwahrscheinlichkeit oder eine bessere Erkennung von Fallen gerade in einem Permadeath-Spiel keine so schlechte Idee sein sollten. Was dann noch an Fähigkeiten-Slots übrigbleibt, wird relativ wahllos ausgefüllt. Alchemie? Why not! Pilze züchten? erm … ok! Archäologie? Hmmm, könnte mit Fallenerkennung harmonieren!

Ready, set, go!

Eine Handvoll Schritte später löst mein erster Char durch Unachtsamkeit doch eine blöde Sichelfalle aus, versucht seine eigenen Eingeweide zurück in die Bauchhöhle zu schaufeln, derweil ein wütender Aal ihn mit Elektroschocks bearbeitet.

Highscore: 112

Ahahahahahahaha! Lustig! Nein, ehrlich. Ich liege wirklich vor Lachen am Boden. Kaum das Spiel begonnen und schon den ersten Char auf dem Gewissen.

Ich beginne einen neuen Char, wähle der Einfachheit halber die gleichen Fähigkeiten. Welche mir bequemerweise über den „Choose Previous Skills“-Button auch so angeboten werden.

Highscore: 287

Pro-Tip: Wenn man als ganz kleiner, frischer und unerfahrener Spieler, dessen beste Waffe aktuell ein rostiges Schwert ist und dessen Rüstung aus einem löchrigen Leinenhemd besteht auf eine Kiste stößt, die sich „Chest of Evil“ nennt … nicht aufmachen! Zumindest nicht, bis man eine halbwegs vernünftige Ausrüstung und zumindest die eine oder andere aufgewertete Kampffähigkeit hat.

Highscore: 1342

Hey, immerhin fast den ersten Level komplett erkundet. War dann aber unaufmerksam und habe mitten in einem Kampf an Stelle eines Heiltrankes zum Gift gegriffen, was zusammen mit dem Umstand, gerade die Tür zu einem Monster-Zoo geöffnet zu haben, KEINE gute Idee war.

Char Nummer Vier hat jetzt die dritte Ebene erreicht. Elegant entschärfe ich ausgebuffte Fallensysteme, während ich gelassen die Angriffe diverser Dungeon-Bewohner über mich ergehen lassen kann, sterben diese doch gerne, bevor sie mich erreichen, weil sie zuerst durch giftige Schwaden meiner eigenen Fallen und Spezialarmbrustbolzen müssen. Hahaha, fresst Dreck!!!

Ich will aufhören, weil ich merke, dass ich beginne faul und unachtsam zu werden. Eine Pause wird mir und meinem Char gut tun. Aber noch diese eine Tür da, nur noch mal um diese Ecke dort schauen …

ARGHLLLL, HERRGOTTZACK, DAMMICH

*gesicht in hände vergrab*

„Alles in Ordnung? Spiel nicht gut?“

Alles in Ordnung, Spiel ist geil, schau weiter!“

Ja, Dungeons of Dredmor ist geil!

dredmor_dungeon

Sicher, auf höheren Schwierigkeitsgraden haut man wegen des unerbittlichen Zufallsfaktors gerne neue Löcher in die Wand, aber auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad kann man planvoll und gezielt vorgehen. Bis man eben nicht mehr planvoll und gezielt vorgeht. Mag sein, dass erfahrene Roguelike-Spieler auf Grund ihrer masochistischen Veranlagung die Nase über die Wahl von „Elvishly Easy“ rümpfen, derweil sie ihre Wunden verbinden, die sich selbst beigebracht haben, aber da ich schon seit vielen Jahren Spiele nicht mehr spiele, um mein Selbstwertgefühl aufzupumpen … ist mir das grad egal🙂

Mit zur anhaltenden Motivation trägt auch der feine (oder mitunter nicht ganz so feine) Humor des Spieles bei, der in Form von Item-Beschreibungen und Beleidigungen, die Monster dem Spieler entgegenschleudern, schnell klar macht, dass das nur ein harmloses Spiel ist und kein Grund besteht die Contenance …

WARUM? WARUM VERKACKT NOCHMAL JETZT DAS HIER? DU BIST SO DUMM!!!!

AHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!

Dazu noch eine charmante Optik und gute Sound- und Musikuntermalung und ich habe mein Spiel für schwüle Sommerabende gefunden.

Feine Sache, das da: Dungeons of Dredmor

7 Kommentare zu “ARGHLLLL, HERRGOTTZACK, DAMMICH

  1. MrT sagt:

    Mal davon abgesehen dass ich DoD ebenfalls sehr spassig empfand. Gilmore Girls musste ich mir ebenfalls anschauen (Wer kuscheln will muss freundlich sein) und ich muss sagen das es irgendwie schon einen netten subtieln Humor aufweist. Allerdings kann man es nicht schauen wenn man von Hitze erdrückt wird. So viel Text in kurzer Zeit wie die Mutter und Tochter da von sich geben – das halt ich auf die späten Tage nicht mehr aus !

  2. Harzzach sagt:

    Wenn’s zuviel wird, ziehe ich mir immer wieder gerne „Conan“ von John Milius rein, den einzig wahren, bislang unerreichten Barbarenfilm. Schwarzeneggers Char spricht erst nach zwanzig Filmminuten🙂

  3. LordFjord sagt:

    Ich mag rogue-likes seit dem ich FTL über dem Weg gelaufen bin. Dein Review von DoD könnte man durch einzwei Textersetzungen locker auf FTL übertragen.

    Ich kann gar nicht zählen wie oft ich wegen blöden Entscheidungen und einige Male durch Pech draufgegangen bin. Und dass ich bei der „normalen“ Schwierigkeitsstufe angefangen hab. Nix „hurt me plenty“ für mich, es muss schon „Nightmare“ sein. Naja, bei FTL war ich dann gaaaanz schnell wieder bei „I’m too young to die“.🙂

    Wo wir schon bei roguelikes sind: Darkest Dungeon kann ich empfehlen. Den schmalen Grad zwischen Wahnsinn, Frustration und Erfolgserlebnis hat kaum ein anderer so gut hinbekommen.

  4. Harzzach sagt:

    Die FTL-Advanced Edition habe ich mir noch gar nicht angeschaut. Ja, das wäre was, wenn mir Dredmor zum Hals raushängt und es immer noch so schawül ist.

  5. Enrico sagt:

    FTL ist wirklich super!
    Was habe ich da schon geflucht, wenn mein waffenstrotzendes Schiff, mit dem man eigentlich gar nicht verlieren kann geentert und die Besatzung niedergemetzelt wurde. Oder durch um sich greifendes Feuer die wichtigsten Stationen lahmgelegt wurden.
    Oder einer Stirbt und die wiederbelebungskapsel wegen Strommangel aus war – oder oder oder…😉
    Die advanced Edition ist gut gelungen, obwohl ich anfänglich das Gefühl hatte, dass das Balancing darunter eher etwas leidet. (Aber spiele mittlerweile nur noch mit enhanced Content „on“)

    Expeditions Conquistador hingegen (aus einem früheren Post) hat mich spielerisch so gar nicht in den Bann ziehen können. Bedienung ist unnötig kompliziert und vor allem in Kämpfen habe ich mich nicht in die Steuerung einarbeiten können und so ständig das Gefühl, dass die Rundenkämpfe nicht optimal ablaufen – mangels intuitiver UI.
    (Entsprechend quasi 95% aller Kämpfe verloren und dann lustlos in die Ecke gelegt) das ginge besser!

    Gruß,
    Eno.

  6. Harzzach sagt:

    Zu Exp. Conqistador:
    Richtig. Das UI bei den Rundenkämpfen ist nicht so gelungen. Ich habe die ersten Kämpfe auch nur mit Mühe gewonnen, bis ich begriffen hatte, wie man Party-Mitglieder so positioniert, dass sie nicht ständig mit dem Rücken zum Gegner die nächste Runde beginnen. Ich bin gespannt, ob das in „Exp. Viking“ intuitiver gestaltet wird.

  7. Anonymous sagt:

    Mit den ganzen RLs kann ich nix anfangen, selbst das durchaus-nachvollziehbar-fantastische-aber-lässt-mich-kalt-FTL hat da nix geändert. Neues erkunden und die Spielmechaniken lernen, alles gern, aber RNG? Na, da bleib ich lieber bei Pillars, was ich grad im 3ten Anlauf endlich mal „richtig“ Spiele…. Das einzige RL was bei mir je sowas wie Spass erzeugt hat, war AliensRL und dass auch nur wegen dem Setting und weil es von der Optik her (grün/weiss in ASCII) so richtig toll an die Konsolen der Sentry-Guns aus Aliens erinnert hat.

    Gruß
    Frank

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