Zwischenbericht 2 – Grim Dawn

Es hat sich viel getan in der Welt der grimmigen Morgendämmerung.

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Aetherials und Chtonians, Untote und Dämonen, Monster und Menschen lassen sich flüssiger, stabiler und freier von Bugs verprügeln. Die Unart der Titan Quest-Engine, anstatt Daten schnell und zügig zu laden, manchmal in einen stotternden Schluckauf zu verfallen, wird von Release zu Release auch immer besser, obwohl es natürlich immer noch einige Hardware/Treiber-Kombos gibt, die z.T. erhebliche Probleme bereiten.

Art Assets wurden überarbeitet, Animationen ausgetauscht und erweitert, neue Ausrüstung und Sets hinzugefügt, neue Gameplay-Features eingeführt und funktionierende Features verbessert. Der Multiplayer-Modus wurde verbessert, der Severbrowser überarbeitet, sowie die Stabilität von MP-Partien erhöht.

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Mit dem Update von Anfang der Woche wurde das Fraktionensystem freigeschaltet, welches man im Prinzip bereits aus MMOs wie World of Warcraft kennt. Getötete Gegner und erfolgreich abgeschlossene Quests erhöhen oder senken den Ruf bei diversen Fraktionen. Ein höherer Ruf schaltet besondere Gegenstände bei Fraktionshändlern und spezielle Aufträge im Namen der Fraktion frei und sorgt für bessere Handelspreise.

Der Kniff bei diesem Feature ist aber die andere Seite der Medaille. Je schlechter der Ruf der Spielerfigur bei einer Fraktion wird, um so stärkere Gegner schickt diese Fraktion dem Spieler auf den Hals. Freut man sich anfangs über die zusätzlichen XP und die nette Beute, die solche Gegner droppen und den damit verbundenen Rufzuwachs bei den freundlichen Fraktionen, wird die ganze Sache weniger spaßig, sobald man den sog. Nemesis-Status erreicht hat. Ist man für eine Fraktion die Nemesis, die wüst und ohne Gnade durch die eigenen Truppen schnetzelt, lässt diese Fraktion alle Hemmungen fallen und schickt Gegner los, die dann die Nemesis für den Spieler darstellen sollen. Nach Aussagen der Entwickler sollen diese Nemesis-Gegner die so ziemlich stärksten Gegner sein, auf die man im Spiel treffen kann. Wegrennen ist zwecklos, weil sie den Spieler gnadenlos über weite Strecken der Karte verfolgen sollen. Dementsprechend hochwertig soll dann auch der Loot sein, den sie danach hoffentlich fallen lassen.

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Ob das letztendlich für mehr Abwechslung und nicht für Frust sorgt, wenn ein zu starker Gegner das Betreten bestimmter Regionen verhindert oder gar das Weiterkommen in der Story blockiert, ist natürlich eine Frage des Balancings. Und angesichts der Kleinheit des Entwickler-Teams auch eine Frage der Zeit.

Wobei ich, nach knapp 120h Spielzeit, nur eines sagen kann: Wenn Du in “Grim Dawn” zu schlecht bist, musst Du mehr lesen. Wenn Du in “Grim Dawn” zu derbe die Hucke vollbekommst, musst Du Dich eingehend mit dem Talentbaum beschäftigen. Was für Stärken hat meine Klasse? Welche Defensivfähigkeiten hat meine Klasse? Was für Item-Eigenschaften können Offensiv- und Defensiv-Fähigkeiten ergänzen oder verstärken? Ist es sinnvoll vielleicht ein paar Punkte in eine Klassen-Combo zu stecken, um sich z.B. die Fähigkeit des Nightblades (Assassinen-Klasse) anzueignen zwei Meelee-Waffen gleichzeitig zu tragen? Kombiniert man dies mit Waffen, die Angriffstärke teilweise in Gesundheit umwandeln, kann man sich über die Zeit hinweg einen offensiven Char basteln, der sich mit seinen Attacken selbst am Leben erhält. Oder man investiert in bestimmte Defensivfähigkeiten und den Ausbau von Widerstandswerten, um in Kämpfen länger bestehen zu können. Oder, oder, oder … es gibt viele Möglichkeiten zum Erfolg, es gibt aber noch mehr Sackgassen🙂

Auch wenn gerade bei den harten Mini-Bossen manchmal der Eindruck entsteht, dass man überhaupt keine Chance hat, so täuscht dies. Man hat nicht überhaupt keine Chance, sondern nur mit dem aktuellen Build keine Chance. Also studiert man den Talentbaum. Hat man was übersehen? Was sieht nach „Heilung, Schutz“ aus? Denn der Grund, warum man gegen solche Gegner nicht besteht, liegt nicht unbedingt an einer mangelhaften Angriffsstärke, sondern einer mangelhaften Verteidigung, die One-Hit-Kill-Attacken des Bosses zur Folge haben. Es lohnt sich also das spärliche Geld nicht für firlefanzige Items auszugeben, sondern für den Fall bereitzuhalten, dass man beim entsprechenden NPC Talentpunkte „zurückkaufen“ muss, weil man sich entweder vollkommen beim Ausbau vergallopiert hat oder weil ein neues Kapitel mit neuen Gegner eine andere Heransgehensweise erfoderlich macht. Wer Titan Quest kennt, dem wird das durchaus vertraut sein. Vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden war der ständige (natürlich zielgerichtete) Umbau des Chars eher die Regel als die Ausnahme.

“Grim Dawn” ist weiterhin ein anspruchsvolles Hack & Slay, weil es den Spieler nicht Händchenhaltend über das Schlachtfeld führt. Die Entwickler geben Dir zwar alle Tools, um die Herausforderungen des Spieles zu meistern, welche Tools aber wie eingesetzt werden müssen, das herauszufinden ist die Aufgabe des Spielers. Sicher, der Zufallsfaktor beim Drop spielt natürlich immer einer Rolle. Da müht man sich gegen einen deftigen Zwischengegner ab, der dann nur MÜLL, ABSOLUTEN MÜLL dropt, während sich rein zufällig in irgendeiner Kiste in der Spielwelt genau das Item finden lässt, welches den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage bedeuten kann.  Ja, das ist frustrierend. Das war auch schon bei Titan Quest Anlass genug für Gebißspuren an der Tischkante und dem Keyboard. Könnten die Jungs bei Crate durchaus etwas streamlinen bis zum Release.

Ach ja, und vielleicht etwas mehr Varianz beim Drop. Wie schon bei Titan Quest, so freue ich mich zwar über jedes seltene Item welches den Weg in meine Ausrüstung findet, vor allem, wenn man über das Storage Sharing anderen Chars die Ausrüstung zukommen lassen kann … doch, ganz ehrlich, wenn ich nach einem halben Dutzend schwerer Bosse ein halbes Dutzend Mal EXAKT DAS GLEICHE ITEM finde, das nagt schon schwer an meiner Selbstbeherrschung, Ja, das könnte man wirklich noch etwas streamlinen zum Release.

Ansonsten ist das Projekt auf einem sehr, SEHR guten Weg. Die Entwickler fixen schnell Bugs und korrigieren zügig neu eingeführte Features, anstatt sich monatelang in Schweigen zu hüllen. Auch ist man im Steam-Forum zu GD aktiv, im eigenen Forum sowieso schon seit Beginn des Projekts. In nächster Zeit soll auch wieder ein größeres Content-Update stattfinden, welches den aktuellen Level-Cap von 40 anhebt und neue Storygebiete erschließen lässt. Bis zum finalen Release ist es zwar ein nicht gerade kleiner Weg, weil, wie bereits gesagt, Crate Entertainment aus gerade einer Handvoll Mitarbeiter plus einem Dutzend Freelancer besteht, die immer wieder für einzelne Teilaufgaben hinzugezogen werden. Aber es ist der richtige Weg.

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“Grim Dawn” ist eines der wenigen Early Access-Projekte auf Steam, die man bereits in dieser Phase vollumfänglich empfehlen kann. Es gibt bereits jetzt schon TONNEN von spielbarem Content, das Spiel wirkt bereits jetzt schon so rund, dass eigentlich nur noch weitere Kapitel hinzugefügt werden müssen.

Und habe ich schon erwähnt, dass ich laut Steam bereits knapp 120h mit diesem Beta-Release verbracht haben soll? Ohne Bezahlung? Freiwillig? Ohne dass ich den Eindruck hatte jetzt als QA-Tester missbraucht zu werden?

8 Kommentare zu “Zwischenbericht 2 – Grim Dawn

  1. schreiber sagt:

    Vielen Dank, dass Du uns zu diesem Projekt so regelmäßig auf dem Laufenden hältst. Was mich noch interessieren würde: Wie gefällt Dir denn die Story bis jetzt? Wie viele Akte/Kapitel fehlen denn noch? Ansonsten wünsch ich mehr Glück bei seltenen Items🙂

  2. Harzzach sagt:

    Ganz ehrlich, die Story ist mir in einem Hack&Slay ziemlich wurst. In GD dient sie auch nur als Setting, um einen Grund für diese apokalyptische, von Dämonen und Untoten verdorbene und überwucherte, leicht steampunkige Welt zu haben. Und das Setting ist klasse umgesetzt. Ich hatte damals nach nur wenigen Minuten das Bedürfnis den Bildschirm zu putzen, weil das alles so krank und kaputt und schimmlig und rostig und verfallen und verdorben war. Grandioses Art Design!

    Inhaltlich ist man aktuell bei Act 3, Chapter 2 von insgesamt 4 Akten. Wenn alles klappt, möchte man Act 4 Ende des Jahres veröffentlichen. Das finale Release, wenn alles superklasse klappt, kurz nach Akt 4, ansonsten Anfang 2016.

  3. schreiber sagt:

    Dank für die Info. Bei mir ist das komisch: Obwohl freilich die Story bei H&S grundsätzlichundsowiesoundüberhaupt keine Rolle spielt, brauche ich sie irgendwie doch. Muss nit so doll inszeniert sein wie in Diablo2 damals, aber ganz ohne würde ich’s nicht spielen. Das großartige „Path of Exile“ hat ja auch nur rudimentäre, für mich ausreichende Storyansätze, aber ganz ohne – hm. Weniger als in Path of Exile wird’s ja wohl bei GD auch nicht sein – insofern bin ich seeeehr gespannt. Merci!

  4. derMicha sagt:

    Hi,
    gestern mal gekauft und angetestet, muss ein anderes Spiel sein von dem du immer schreibst.😉

    Nach 30 Minuten Langeweile pur, sieht aus wie Titanquest, spielt sich wie Titanquest, nur die Zeiten haben sich halt geändert. Das Inventar ist Langeweile pur, halt wie Titanquest, von allen zuviel und nix richtig gut. Finde ich richtig schlecht, dann kann ich auch Titanquest spielen.
    Wirkt völlig öde alles, wie schon x-mal durchgekaut, was haben die 8 Leute eigentlich gemacht?
    Warum kein neues frisches Set?

    Kann da echt nix besonderes dran sehen, so ein Talentbaum hat heute jedes Indigame, ist nix besonderes mehr. Die Klassen wirken auf mich wie bemüht kreativ aber nicht wirklich gut. Dann wären klassische Klassen besser gewesen, Soldaten, Fernkämpfer, Magier. Dieses Mischmasch naja .
    Die Grafik ist wie bei Titanquest, halt bissel hübscher, aber sooooo pralle nun wirklich nicht. Schein die alte Engine zu sein.

    Was mir aber wirklich bisher völlig abhanden geht, ist das Sammelfeeling bei den Spiel und der Metzelfaktor, alles wirkt irgendwie nicht mehr zeitgemäß in Zeiten von Diablo und Torchlight. Vorallen Dingen die Geschwindigkeit. Der fehlt der Reiz, wo gehts hin, der Wille etwas zu erkunden, es sieht im ersten Abschnitt schon aus wie tausendmal woanders gesehen, halt kaputte Hütten und Retortenzombis.

    Auch keine Story, irgendwas was Emotionen erzeugt, Kidnapping der Prinzessin, was weis ich, nix zu sehen. Du stehst da und los. Wenn ich schon gelbe Fragezeichen als Questgeber sehe, komme ich mir 10 Jahre zurückversetzt vor. Also die sind ja nun wirklich schon lange überholt.

    120 Stunden? Sitze ich an Pillar of Ethernity zur Zeit, da weiss ich auch wieso!!! Aber bei Titanquest 2.0 was willste denn da machen?

  5. Harzzach sagt:

    Hey, ich bin nicht verantwortlich für den Geschmack anderer Leute🙂

  6. Minando sagt:

    Ich schätze mal, wen die Diablos gelangweilt haben wird von GD auch nicht vom Stuhl gerissen. Das ist wirklich Geschmackssache.
    Ich warte mal auf Diablo 4 für VR-Brille🙂

  7. Cold sagt:

    Wer sich bei GD etwas zeit lässt und die Quests durchliest und auch alle Notizen die man im Spiel findet wird es sicher nicht bereuen!!
    ich brauche eigtl auch nicht viel story in einem hack und slay, aber ich muss sagen das mir die Geschichte sehr gut gefällt!

    Wenn ich ehrlich bin muss ich aber auch sagen, dass mir das Spiel anfangs bisschen Langeweile bereitete.
    Ich habe einen Char bis ca lvl 20 gespielt.
    Als ich aber dann einen weiteren Char anfing wurde das ganz anders!
    Der demolitioner macht mir extrem viel Spass.

    Ein weiterer pluspunkt ist die individualität bei manchen Queste.
    Man kann, questbedingt, mit einem NPC reden und sich zB entscheiden ob man diesen in die Stadt/Dorf mitnimmt oder aber angreift und ihn tötet.

    Bin schon auf die finale version gespannt, aber bis jetzt siehts sehr gut aus😉

    LG

  8. Wollte mir schon lange Grim Dawn holen, aber nicht zu dem Preis. War aber anscheinend auch noch nicht im Sale oder ich hab was verpasst.. Allgemein liebe ich ja so Hack&Slays..😀
    Path of Exile fand ich übrigens auch noch sehr toll (und ist free).

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