Civilization: Beyond Fun

Während auf der Erde mal wieder und wenig überraschend die Dummheit grassiert und eigentlich wichtige und gute Themen im Spielebereich wie „Integrität von Journalisten“ oder „Diskriminierung von Frauen“ oder „Frauenbilder in Spielen“ leider von einer äusserst lautstarken Minderheit von Vollidioten und debilen Spacken allerlei Couleur und ideologischer Ausrichtung bis zur Unkenntlichkeit in den Boden getrampelt werden, begebe ich mich derweil ins weite, weite All.

Nur um doch wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren und herauszufinden, wie ein Civilization-Veteran wie meine Wenigkeit, der neben all den ungezählten Mannjahren für alle bisherigen Spiele der Serie laut Dampf-Statistik auch bereits knapp 100h in Civilization V versenkt hat, mit dem neuesten Ableger „Civilization: Beyond Earth“ klarkommt. Mehr als nur erfreut darüber seiend, dass es für dieses Spiel sogar eine richtige Demo gibt, habe ich mir selbige am Samstag natürlich gleich gezogen und dann zwei Stunden lang versucht mir einen Reim aus diesem Spiel zu machen.

„Auffe Fresse“ ist nur eine höfliche Umschreibung für das, was mir in diesen zwei Stunden widerfahren ist. Sicher, es ist vollkommen normal, dass man bei einem neuen Spiel der Serie zuerst Erfahrungen sammelt und alles falsch macht, was es falsch zu machen gibt. Doch man lernt und mit jedem Neustart steigt auch die Lebensdauer des eigenen kleinen Reiches. Dieses Scheitern und Lernen war unterhaltsam genug, dass ich mir spontan die Vollversion besorgt habe. Noch ne Runde! Und noch eine.

War ein Fehler. Ein großer Fehler!

Denn ich habe gelernt, dass eine an sich tolle Idee, den Aliens eine wichtigere Rolle zu geben, leider besch… umgesetzt wurde. Die lokale Fauna und Flora des Planeten (wenn man diese Unterscheidung überhaupt treffen kann) ist sogar auf leichten Schwierigkeitsgraden so aggressiv (und zahlreich), dass man Explorer und frühe Militäreinheiten am Fließband herstellen muss, nur um mit Mühe so halbwegs Fuß fassen zu können. Dann schnackelt es irgendwann. Die Einheimischen (die Aliens sind ja wir) lassen einen in Ruhe, wenn man Abstand von deren Nestern hält. Die automatische Erkundungsfunktion des Spieles interessiert das aber nicht im Mindesten und so fängt man bereit in den ersten Runden ohne Not einen Krieg an, der zwar nicht zum Ende der ersten Kolonie führt, der einen aber effektiv daran hindert sein Reich schnell auszubauen.

Auch wenn im Laufe der Serie diverse Automatik-Routinen immer besser geworden sind und man nicht mehr so derart viele Stunden mit Mikromanagement verbringen muss (man kann aber immer noch, wenn man möchte, das ist ja das Schöne an dieser Serie), so ist sie hier ein Totalausfall, was die Erkundungsfunktion betrifft. Denn der Explorer tut nur das, was er eben tun soll: Erkunden! Dass man aber zumindest am Anfang weiten Abstand von den Nestern halten sollte, um nicht die gesamte indigene Population des Planeten gegen sich aufzubringen, das wissen die Kerle nicht. Das weiß man als Spieler zuerst ebenfalls nicht. Irgendwann aber fällt es auf, dass Fauna von „Grün – friedlich“ auf „Rot – feindlich“ wechselt.

Dann lernt man durch Trial & Error, welchen Abstand man halten muss, um keine aggressive Gegenreaktion zu provozieren. Zwei Felder! Das klingt nach nicht viel. Klingt eigentlich ziemlich harmlos, oder? Dann geht man den Nestern halt aus dem Weg, oder? Sicher, man geht den Nestern anfänglich aus dem Weg. Selbst wenn man mit Militäreinheiten erkundet und den Explorer in der Garage lässt, kommt man auf keinen grünen Zweig, denn im Gegensatz zu den Barbaren der sonstigen Civilization-Spiele sind die Einheimischen sehr viel stärker und sie treten immer in Gruppen auf. Das überlebt meine kümmerliche Start-Einheit nicht lange.

Ok, dann weiche ich eben anfänglich aus, bis ich stärker/schlauer geworden bin. Ist ja kein Ding, oder?

Und jetzt kommt mein, hmmm, mein “Problem” mit diesem Spiel. Mein ganz großes Problem, welches alle positiven Aspekte, die das Spiel sonst hat, kaum aufwiegen können:

Firaxis verteilt diese Nester äußerst großzügig und alles andere als sparsam auf der Karte. Es gibt viele von ihnen, was im Rahmen des Settings auch logisch ist, weil das ja die Heimat dieser Lebewesen ist. Dummerweise führt dies oft genug dazu, dass man sehr schnell an die Grenzen des erkundbaren und besiedelbaren Raumes stößt. Weil die Kartengenerierung und Startplatzierung einen mitten in eine Nest-Vollversammlung oder auf eine kleine Halbinsel gesetzt hat, die durch Nester vom Rest des Kontinents abgeriegelt wird. Zwei Felder Abstand. Plus das eigentliche Nestfeld. Nach allen Richtungen. Macht schon bei zwei nur auf einer Linie liegenden Nestern insgesamt 10 (!) Felder Länge. Dat is ne Menge Holz. Sogar auf Großen Karten. Es gibt zwar Technologien und Spielstil-Boni, die das mit der Zeit ausgleichen können, doch genau da liegt das Problem.

“Mit der Zeit”

Es dauert, bis man entweder robuste/schlagkräftige Militäreinheiten bauen kann. Es dauert, bis man Tier 1 der “Harmonie”-Ideologie erreicht hat, in der die Einheimischen sich schneller beruhigen und die Gefahr eines Abnutzungskrieges mit den Einheimischen nicht so stark im Vordergrund steht. Zeit, in der die anderen menschlichen Fraktionen sich geruhsam überall verteilt haben, weil sie z.T. günstigere Startbedingungen vorfinden oder sie wieder massiv bescheißen. Da müht man sich Runde um Runde ab, versucht das Beste aus dem zu machen, was das Spiel einem in dieser Partie vor die Fresse gesetzt hat und stellt nach etlichen Stunden fest, dass all die ganze Mühe umsonst war, weil eine Fraktion in der Zwischenzeit uneinholbar vorne liegt und lockerst eine der Siegbedingungen erfüllt.

Sicher, früher habe ich auch oft eine Partie Civilization nach nur wenigen Runden neu gestartet, weil mir was an meiner Umgebung nicht gepasst hat. Da ging es aber um das Finden einer möglichst optimalen Ausgangsbedingung und nicht um das Finden einer Umgebung, die einem wenigstens halbwegs eine vernünftige Chance lässt das Spiel erfolgreich beenden zu können.

Bei allem, was „Civilization: Beyond Earth“ gut und richtig macht, aber dieser extreme Zufallsfaktor macht mir persönlich zu viel Spielspaß kaputt. Es würde bereits helfen, wenn man die Dichte und Anzahl der Nester beim Spielstart einstellen könnte. Es würde helfen die Explorer-Einheiten ein wenig stabiler oder die Einheimischen etwas schwächer zu machen. Es ist bezeichnend, dass einer der ersten Workshop-Mods eine robustere Explorer-Variante zur Verfügung stellt. Erinnert an Doom 3 und den Umstand, dass man in der Zukunft kein Klebeband zu kennen scheint, weil der Gamedesigner eine fixe Idee hatte und meinte den Spieler dazu zwingen zu müssen entweder zu schießen oder zu leuchten, um damit ein “besonderes” Horror-Feeling zu erzeugen. Erzeugt hat er nur durchgebissene Tischkanten und ruinierte Zähne, denn was erschien als einer der ersten Mods für Doom 3? Der Duct Tape-Mod.

Es würde indirekt auch helfen, wenn die KI der menschlichen Fraktionen nicht so unberechenbar und willkürlich handelt wie in kaum einem anderen Civilization-Spiel zuvor. Da wird einem spontan der Krieg erklärt, vorher bestand ein neutrales Verhältnis. Dann lässt die gegnerische Fraktion sich auf keine Friedensverhandlungen ein. Dann dilettieren die feindlichen Einheiten etliche Runden vor meiner Stadt herum, die sich locker-lässig mit lediglich zwei Einheiten (ein Nah-, ein Fernkämpfer) verteidigen lässt. Dann bricht der gute Herr Kozlov seinen Angriff ab und bietet mir Frieden an, den ich natürlich gerne annehme. Es werden weitere Vereinbarungen getroffen. Der Handel zwischen unseren Einflußbereichen blüht, die Beziehungen verbessern sich. Dann läuft ein Vertrag aus und bevor ich ihn in der nächsten Runde erneuern kann, erklärt dieses Arschloch mir wieder Krieg. Und erobert in wenigen Runden die Hälfte meines Gebietes. Was soll das? Wozu all der ganze Diplomatie-Beziehungsquark, wenn das alles keine Rolle zu spielen scheint? Da spiel ich doch lieber wieder Civilization I aus dem Jahr 1991, weil da konnte man sich darauf verlassen, dass Führer XYZ immer nur stur angegriffen hat und Führer ZYX handzahmer und friedlicher war. Ehrlich, wir schreiben das Jahr 2014 und die Primitiv-Routinen eines über zwanzig Jahre alten Spieles sorgen im selben Genre und beim selben Gameplay-Prinzip für mehr Spielspaß als dieses willkürliche Simulieren von “Diplomatie”.

Bahhhh … ich mag nicht mehr!

Vielleicht repariert Firaxis dieses Spiel noch etwas. Weil, es wäre schade, wenn es so bliebe. CBE macht viel richtig. CBE würde richtig, RICHTIG Spaß machen.

So aber … ist das derzeit ein Griff ins Klo.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Review.

12 Kommentare zu “Civilization: Beyond Fun

  1. Longbow sagt:

    „Dann läuft ein Vertrag aus und bevor ich ihn in der nächsten Runde erneuern kann, erklärt dieses Arschloch mir wieder Krieg. Und erobert in wenigen Runden die Hälfte meines Gebietes.“
    Ah, endlich eine realistische Simulation der menschlichen Psyche. Erstmal angreifen und dann merken, dass man so nicht weiterkommt. Dann also die diplomatische Route einschlagen und das zukünftige Opfer in Sicherheit wiegen. Und wenn er es am wenigsten erwartet und seine Verteidigung unten ist, treten wir ihm kräftig in die Kronjuwelen und nehmen ihm alles weg.
    ^^

  2. Harzzach sagt:

    Jepp. Und alles, was man dazu benötigt ist ein simpler Zufallszahlengenerator 🙂

  3. Frank sagt:

    Obwohl ich nie ein riesen Civ-Fan war, hab ich doch in den letzten Jahren viel Zeit in Civ 4,5 und Colonization gesteckt. Aber immer erst nachdem es das Vollpaket mit allem drum und dran im Sale gab. Schade, grade Beyond Earth hätte mich, im Besonderen wegen des Settings, wirklich von Start ab interessieren können. Die Demo habe ich auch schon geladen, aber noch keine Zeit gehabt wirklich ausgiebig rein zu schauen.

    Naja, aber nach dem was ich da lese, warte ich lieber wieder auf den X-Mas Sale in 2 Jahren wo dann alles gepatcht und geDLCed ist. So hats für mich bei Civ5 auch gepasst.

    Gruß
    Frank

  4. vyolin sagt:

    Das klingt ja doch ganz anders als die erste Fassung des Artikels – hatte mich schon gewundert, wohin er verschwunden ist.
    Wirklich schade, dass in der heutigen Zeit und bei einem Spiel, dass so auf das Einzelspielererlebnis zentriert ist, die KI so wenig Aufmerksamkeit geschenkt bekommt. Wieder ein Entwickler, dem man Jeff Orkins Artikel über die AI von FEAR ans Herz legen möchte.
    Wie spürbar sind eigentlich die Boni, die die KI bezieht?

  5. Harzzach sagt:

    Der Punkt … das Spiel an sich ist ja faszinierend. Und meine ersten Eindrücke waren auch positiv. Doch nach einigen Stunden war schnell Schluß mit Lustig. Ich mach jetzt Pause und schaue mir das alles in ein, zwei Monaten nochmal an. Derzeit hat es keinen Sinn mich weiterhin durchs Spiel zu würgen, es wird davon nicht besser, ganz im Gegenteil.

    Welche Boni die KI bekommt, kann ich nicht sagen, aber wenn sie NACH mir startet und selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad schnell die doppelte und dreifache Ausdehnung erreicht, dann stehe ich entweder (wie damals beim Colonization-Remake) gewaltig auf dem Schlauch oder sie cheatet massiv oder sie hat einfach das Glück in einer besseren Umgebung zu beginnen.

    Vielleicht habe ich auch die Schnauze voll vom üblichen „Planlos-Im-Nebel-Herumstochern-Bis-Vielleicht-Irgendwann-Die-Erleuchtung-Kommt“. Bei Civ 5 spiele ich kaum höhere Schwierigkeitsgrade, weil mir ein erheblicher Teil der Abhängigkeiten immer noch verborgen ist. Ich erfreue mich dabei entspannt und ohne Stress ein Reich nach dem anderen aufzubauen, aber so wirklich durchblicken, welche Schraube zu welchem Zahnrad gehört? Keine Ahnung und auch keine Lust mehr es herauszufinden …

  6. Boreas sagt:

    Hört sich nach einem Civ für mich an. Ich habe diese Teile nie gespielt um zu siegen, ich habe sie gespielt um z.b. einen kleinen Grenzkonflikt mit Griechenland so eskalieren zu lassen dass von den Säcken am Ende nurnoch ein Stück rauchendes, verstrahltes Ödland übrig war. Selbst schuld, wer mein Terretorium durch irgendwelche fiesen Tricks klaut ^.^

    Werde mich beim neuen Teil aber an Frank halten und in 2 Jahren zuschlagen. Bisher erscheint mir Civ nicht wirklich viel neues gemacht zu haben. Also nicht so unschlagbar anders dass ich den gleichen Spaß nicht auch in Civ5 haben könnte.

  7. Fuma sagt:

    Nunja war bei Civ5 anfangs auch nicht viel besser mit der KI. Selbst heute hab ich da noch das Problem das ich mal nen kleinen Fehler mache und die mich dann plötzlich alle denunzieren ^^‘ wenn das nach etlichen Runden dann mal ausläuft kommt gleich die nächste denunzierung, da hatte ich bei CIV 4 weitaus weniger Probleme…

  8. Michael sagt:

    What about this: http://www.4players.de/4players.php/spielinfo/Allgemein/35283/Pandora_First_Contact.html ?

    Das scheint mir dasselbe in grün… OK da ist kein „Civilization“ im Namen…

  9. Harzzach sagt:

    Habe ich irgendwo noch im Hinterkopf … kommt Zeit, kommt Sale 😉

  10. Uranochos sagt:

    Ein aufgehübschtes Remake von Alpha Centauri, mit Zufallsgenerator anstatt KI?
    Muss ich nicht haben.

  11. Michael sagt:

    Ich meine mich gar zu erinnern, dass einen – zumindest die Retailversion – nicht mit einer „Gamingplattform“ zwangsbeglücken möchte damit sie überhaupt funktioniert.

  12. Joe sagt:

    kommt Zeit, kommt Sale

    Ist gerade wieder einer. Wer zahlt die höchsten Preise?
    https://archive.today/KGoUZ
    Ich jedenfalls nicht mehr. 😉

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