Lass sie doch …

Im Zuge der kommerziell erfolgreichen Releases von Divinity Original Sin und Wasteland 2 kamen in den letzten Wochen immer wieder Stimmen auf, in denen vehement die Majors aufgefordert wurden doch endlich wieder solche anspruchsvolleren Spiele ins Programm aufzunehmen. Weil solche Spiele ja alles andere als tot seien. Auch wird dann gerne ins Feld geführt, dass man mit PC-Spielen allem Anschein nach mehr Geld umsetzt als mit Spielen für Konsolen und Handhelds.

Nun … die Major Publisher haben sehr wohl vernommen, dass hier eine lange nicht befriedigte Nachfrage endlich wieder auf ein Angebot gestoßen ist. Crowdfunding, der Indie-Boom, das stete Abwandern erfahrener Entwickler-Veteranen in die neue Indie-Selbstständigkeit sind allesamt durchaus wahrgenommen worden. Es werden Gedankenspiele durchgeführt, wie man das für eigene Zwecke nutzen kann. Manches bleibt ein reines Gedankenspiel. EA hat kurzfristig mit einem EA-Indie-Label experimentiert und Ubisoft macht selber den „Indie“, in dem man kleinere Projekte veröffentlicht, bei denen die Entwickler sich weitaus größerer kreativer Freiheit erfreuen dürfen als bei den sonst bei Ubisoft üblichen Iterationen des sattsam bekannten Sandbox-Gameplay-Designs. Die Majors haben die PC-Plattform auch nie abgeschrieben. Man hat sich zwar in den letzten zehn Jahren mehr auf Konsolen konzentriert, weil hier das GANZ GROSSE Geld zu machen war, aber die PC-Plattform wurde selbstverständlich immer noch bedient. Kein Publisher verzichtet freiwillig auf eine Plattform, die je nach Quartal und Firma zwischen einem Fünftel und einem Drittel zum Gesamtumsatz beiträgt.

Werden wir also in Zukunft Spiele wie DOS oder Wasteland 2 mit einem AAA-Budget oder wenigstens AA-Budget sehen?

Nope!

So erfolgreich diese Spiele für ihre verantwortlichen Studios auch sind, so bedeutungslos sind die dabei erzielten Umsätze für Konzerne, die jährlich (!) locker die Milliardengrenze beim Umsatz durchstoßen. Sogar ein Star Citizen, der Spendensammelriese der Crowdfunding-Szene, sogar das ist für die Majors lediglich ein Mittelklasse-Projekt, welches man gerne in den Monaten veröffentlicht, wo keine potentiellen Hits an den Start gehen. Damit das Quartal nicht ganz so schlecht aussieht.

Wir, die ewig nörgelnden Hardcore-Zocker und hyper-anspruchsvollen Gamer, denen man nichts wirklich recht machen kann, wir sind einfach zu unbedeutend für diese Firmen. Man braucht unser Geld nicht mehr. Wir taugen nur noch als Aushängeschild, wenn wir Ubisofts kreative Experimente bejubeln. Spiele, die Ubisoft nur deswegen veröffentlich, damit man sich in unseren Jubel sonnen kann, derweil mit dem alljährlichen Assassins Creed und Far Cry und Watchdogs noch derber die Recyclingschraube gedreht wird als es EA und Activision jemals hinbekommen haben. Wir sind für die Majors entweder bedeutungslos oder werden als Ablenkungsmanöver mißbraucht.

Auch wenn es vielleicht so klingen mag, aber ich finde das nicht wirklich schlimm. Wenn Ubisoft meint mich mit Spielen wie Child of Light oder Valiant Heart bestechen zu können, dann kann man das gerne tun. Denn ich bediene mich Ubisoft nämlich genauso skrupellos, wie man sich dort meiner bedient. Ich erfreue mich an diesen Spielen (sobald Uplay endlich in die Tonne getreten wurde) und weise dann stets auf die Leichen im Keller von Ubisoft hin. Von daher ist jedem geholfen. Ein Geschäft zu beiderseitiger Zufriedenheit.

EA wird bis zum bitteren Ende vor sich hin dilletieren, Activision soll mit Destiny gerne den glorreichen Zehn-Jahres-Plan des Geliebten Führers Kim-Bob-Kotick feiern dürfen und TakeTwo weiterhin hoffen, dass man mit Borderlands und NBA die Zeit zwischen zwei GTAs halbwegs überstehen wird. Was Sony, SEGA, Capcom und Nintendo machen, geht mir eh am Allerwertesten vorbei und während Square Enix in aller Verzweiflung mit Final Fantasy-Ports auf der PC-Plattform anschaffen geht, erfreue ich mich an der Mitteilung von Sven Wincke von Larian, dass man für zusätzliche Inhalte für DOS und neue Projekte nicht mehr auf Crowdfunding setzen wird, weil man bereits jetzt schon mit DOS genug Geld eingenommen hat, um alles weitere aus eigener Kraft stemmen zu können.

Das schöne an Crowdfunding, an Internet-Vertriebsplattformen und kostengünstigen Middleware- und Engine-Tools für Jedermann ist ja, dass es keine Rolle mehr spielt, was die Majors so tun oder nicht tun. Wenn sie ab und an etwas Spielenswertes veröffentlichen, dann kann man sich das gerne antun und wenn nicht, dann eben nicht.

Zumindest was Spiele angeht, so sind die Zeiten so gut wie schon lange nicht mehr. Ob uns ein neues Goldenes Zeitalter der Vielfalt bevorsteht oder nicht, ob wir uns bereits in einem solchen befinden oder nicht, auch das spielt keine Rolle. Der Wegfall einst so wichtiger Hierarchien und Strukturen, der Bedeutungsverlust früherer Gatekeeper in Sachen Produktion, Werbung und Berichterstattung bringt auch eine gewisse, hmmm, Lethargie gegenüber den Dingen mit sich, die andere tun. Sollen andere doch ein Goldenes Zeitalter ausrufen, sollen andere doch das Ende der Welt an die Wand malen. Ich sehe nur ein Meer voller Möglichkeiten und schöpfe mit meinem kleinen Becher die Menge Wasser heraus, die ich benötige. Und wenn jemand drei Meter weiter in selbiges Meer pinkelt, mei, dann sucht man sich einfach ein anderes Plätzchen. Der Strand ist mittlerweile groß genug für alle.

 

 

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10 Kommentare zu “Lass sie doch …

  1. Enrico sagt:

    Schön zusammengefasst.
    Das ist im Spielebereich ebenso, wie in vielen anderen Bereichen.

    Beispiel Automobilbranche: Da wird sich in AMG und M-Modellen, RS und OPC Versionen gesonnt und die dadurch entstehende Publicity gern mitgenommen – das Geld wird aber mit Brot und Butterautos verdient, die niemand, der Autofahren etwas mehr abgewinnen möchte, als von A nach B zu kommen auch nur anrühren würde.
    Ich habe sogar im Kopf, dass bestimmte Modelle sogar ein Verlustgeschäft sind, aber wegen des Images der Marke produziert werden.

    Gruß
    Enrico.

  2. onepiece sagt:

    Sehr schöner Text!

    Denke auch, dass die Zeiten heute besser sind als sie es wohl je waren, eben der sehr vielen Möglichkeiten wegen.

    Dass die Majors ihre Kohle hauptsächlich mit ständigen Wiederholungen machen würde ich unterschreiben, wobei ich aktuell das Gefühl habe, dass wir bald eine „Welle“ neuer Marken sehen.
    Warum?
    Bei Activision hat man ja mit Destiny den Anfang gemacht, weil die alten Marken einfach langsam aufgebraucht sind.
    Das sehe ich z.B. auch bei den anderen von Dir @Harzzach angeführten Titeln der Majors: Die Luft ist langsam raus.
    Es stimmt, damit wird noch immer die meiste Kohle gemacht, aber da man es versäumt hat, auch nur halbwegs was an Neuem diesen Titeln zu gönnen und gleichzeitig ehemals tolle Marken zerstört (siehe z.B. kürzlich Age of Empires… *grusel*), bricht denke ich bald mal wieder eine Zeit der „Neuetablierung“ an.
    [Nicht, dass nicht immernoch viele Leute das Assasins Creed XXX kaufen würden, nur scheint mir, ist der RoI(Return on Invest) langsam nicht mehr für die Majors attraktiv (Entwicklung der Spiele kostet denke ich nicht die Masse, eher die immer wieder notwendige Neu-Vermarktung, weils sonst keine Sau kaufen würde…)]

    Vielleicht ist dann als „Startmarke“ auch mal was für uns anspruchsvollere Gesellen dabei (die meisten „Starter“ einer Serie waren ja im Vergleich zum Rest doch eher anspruchsvoll^^). Würde auch gut zu Deiner Theorie, dass die Majors auf „uns“ als Qualitäts-Bestätigung setzen passen, ergo, dass man zu Beginn einer neuen Marken versucht, diese auch qualitativ als… „gut“ darstellen zu lassen^^

    Dank Crowdfunding und Co. hast Du aber ganz recht:
    Ist ****ß egal, was die machen, es kommt schon wer anders und füllt den Platz 🙂

    Und das ist doch wirklich etwas, worüber man sich freuen kann 🙂

  3. Harzzach sagt:

    Ebend. Es ist vollkommen wurschtegal, was die Majors machen. Wenn man sich der Strategie der Filmstudios bedienen möchte und sich eine ganze Reihe von „Indie“-Labels hält, wo sich Nachwuchstalente an kreativen Stoffen versuchen dürfen und man vielversprechende Talente Stück für Stück immer größere Budgtes anvertraut … wieso nicht? Denn DAVON können auf lange Sicht alle profitieren. Ich hätte nichts dagegen, wenn ein Spiele-Christopher Nolan irgendwann schweineteure AAA-Spiele macht, die hohe spielerische Qualität mit Massenmarktattraktivität verknüpfen. Niveauvolle Popcorn-Spiele … da sehe ich die kommerzielle Zukunft der Majors. Die bisherige, übliche Strategie des unkreativen Wiederholen-bis-zum-geht-nicht-mehr führt nur zu verbrannter Erde. EA hat damit Command & Conquer, Medal of Honor und Need for Speed getötet. Ohne Not. Durch kurzsichtige Gier und Dummheit. Drei populäre und kommerziell äusserst erfolgreiche Serien.

    Man schaue sich nur an, auf welchem hohen Niveau Disney die Marvel-Superhelden-Filme produzieren lässt. Und zwar nicht nur produktionstechnisch, sondern auch inhaltlich. Das sind keine dummen Effektprotz-Filme wie Transformers.

  4. onepiece sagt:

    @Harzzach:

    🙂 Deine „Prognose“ klingt gut und ich halte es auch für wahrscheinlich, dass es langfristig in diese Richtung geht.
    Allein schon deswegen, weil „wir“, also eher anspruchsvollere Spieler, die bereit sind, für wirkliche Qualität auch was zu bezahlen, mehr werden.

    Denke, momentan ist dahingehend ein wenig ein Wandel im Begriff.
    Viele der (sehr jungen) Spieler, die jetzt noch den „Mainstream“ ausmachen, werden auch in 10-15 Jahren noch spielen, aber dann mit deutlich höheren Ansprüchen (klar, man hat dann doch schon viel gesehen und ist – so wie wir^^ – nicht mehr bereit, für 0 Quali auch noch vollen Preis zu bezahlen).

    Würde mich freuen, wenn es von der Produktion her in Richtung Deiner vorgeschlagenen Art und Weise gehen würde (auch wenn ich vieles in der Filmindustrie für uneffizient und nicht gelungen halte, funktioniert doch anderes umso besser dort).

    Gespannt bin ich, ob und wie sich die heutigen Majors halten werden.
    Außer Ubisoft, die von Dir ja immer wieder teils-lobend erwähnt werden, sehe ich nirgendwo ein „Umdenken“.
    Im Gegenteil, die „frechen“ Ankündigungen von EA doch „jetzt alles für die Qualität und die Kommunikation mit den Spielern tun zu wollen“ (hallo, Deja-vu?!?), fand ich zuletzt ein interessantes Zeichen, denn scheinbar (zumindest lassen die spielerischen Entwicklungen das vermuten), versucht man echt, die Leute vollends für blöd zu verkaufen 🙂
    Bin gespannt, ob sich das rächen wird… 😉

    Wer wohl von den Majors noch in 10 Jahren da ist?
    Vielleicht ist dann z.B. Larian DAS Studio für Rollenspiele und ein etablierter Major, der im Quartal 1-2 hochklassige Spiele rausbringt?
    Schön wäre es ja 🙂

    Dein Vergleich mit den Marvel-Filmen ist echt treffend.
    Zuerst dachte ich, als ich Ironman angeschaut habe, dass da eben wieder so ein doofer Transformers-Verschnitt käme, aber es liegen doch Welten dazwischen. Und ich denke, Disney hat dies auch ganz bewusst so gemacht, denn mittlerweile stehen die „Superhelden“ eben schon als Franchise für qualitative Filme, selbst bei „neu“ verfilmten scheint mir, ist die Presse eher wohlwollend und neugierig, was auch von Disney bisher sinnvollerweise mit passender Qualität beantwortet wurde.

    Bei Disney haben sie wohl einfach schon bissl Erfahrung, wie man Marken aufbaut und erhält^^

  5. Harzzach sagt:

    Ach, bei Disney werden auch mal gerne hunderte von Millionen zum Fenster rausgeworfen. „John Carter of Mars“ war vor zwei Jahren so ein unglaubliches Dollar-Grab, dass angeblich bald danach der Vorstand umgebaut wurde.

  6. onepiece sagt:

    🙂 Ich verfolge die Entwicklungen jetzt nicht so detailliert, weshalb dieser Film vollkommen an mir vorbeigegangen ist.

    Was ich ausdrücken wollte war auch mehr, dass man es mit der Art und Weise, wie man eine Marke aufbaut und pflegt, bei Disney zumindest schon länger recht gut hinbekommt.
    Sicher gibts da auch immer wieder Griffe ins Klo, das gehört zur Spekulation halt auch dazu 🙂

  7. shenmue sagt:

    Wer verlangt denn von den Majors anspruchsvolle Spiele? Selbst wenn z.B. ein anspruchsvolles cRPG von den Majors produziert werden würde, wenn ein Erfolg dabei rauskommen sollte, und alle zufrieden sind, zwingt die Majors das Konzept der Steigerung darüber nachzudenken wie man mit Teil zwei mehr Kohle macht.
    Und wie macht man mehr Kohle? Was hat sich im Großen und Ganzen bewährt?
    Massentauglich machen! Und 5-10 Jahre später sind wir wieder am selben Punkt wie jetzt.
    Nee, das brauchen wir nicht nochmal.
    In meinem Fall siehts bei den grossen Publishern so aus:
    EA wird prinzipiell ignoriert.
    Activision hat schon lange nichts mehr rausgebracht was mich interessiert. Sieht auch nicht so aus als ob von denen jemals was für mich erscheint.
    Ubisoft wird geguckt, wenn gut wird hier und da mal was gekauft. Ich hab das Gefühl, Ubi versucht wenigsten im Rahmen der Möglichkeiten eines Majors noch Inhalte ins Spiel zu packen. Ob jetzt alles davon toll ist sei mal dahingestellt, aber die packen wenigstens, zwar meist repetitiven,aber immerhin, content hinein. Für die ganzen Trophäen-/Erfolge-Jäger nehm ich mal an.
    Assassins Creed 1 und 2 fand ich ok, Watch Dogs hat mich auch gut unterhalten, und ein paar von den „Indie“-Sachen sind auch ganz nett.
    Anno ist zwar auch nicht mehr das was es mal war, aber immer noch besser als kein Anno mehr 🙂
    Und der Vergleich mit den Filmstudios, na ich weiss nicht.
    Die Marvel-Sachen sind wirklich gut, stimme ich zu. Aber bei allen anderen kommt mehr Mist als vernünftiges raus. Für mich ein Zustand wie ich ihn bei den Majors empfinde.
    Zwei bis drei gute Filme pro Jahr sind dann doch ein bissl wenig.
    Für mich sind da die Serien die Indies, was da an Qualität zugelegt wurde ist schon erschreckend.
    Daher kommt Netflix bei mir gut an, wenn kein gutes Spiel greifbar ist, wird Serie geguckt.
    Aber da ich jetzt Wasteland 2 angefangen habe dürfte jetzt erstmal Serienpause sein, danach noch D:OS und Defense Grid 2, das reicht bis zum Frühling 🙂

  8. Oddgamer sagt:

    Besser hätt ich’s auch nicht formulieren können. Mir gehts am Hinterteil vorbei was die AAAs tun, so lange ein Nachschub über die Indies gesichert ist. Alles was die Grossen ordentliches bringen wird irgendwann für kleines Geld mitgenommen und ansonsten die Füsse stillgehalten und nicht durchgespieltes zeuch abarbeiten.

  9. Joe sagt:

    Mir gehts am Hinterteil vorbei was die AAAs tun, so lange ein Nachschub über die Indies gesichert ist.

    Naja, die sind ja auch nur noch darauf aus, Geld zu kassieren, ohne überhaupt was zu liefern. Auf die Schaufelware aus der Shareware-Hölle kann ich genauso gut verzichten, wie auf die Schaufelware der Major-Publisher.

    Ich warte jedenfalls immer noch auf das nächste GOTY für mich, 2014 war da bisher ein ziemlich dürres Jahr.

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