Sturgeon’s Law

Theodore Sturgeon, ein nicht ganz unbekannter Science Fiction-Schriftsteller und Kritiker, hat irgendwann in den 50ern des letzten Jahrhunderts eine Aussage getroffen, die heute unter dem Namen “Sturgeon’s Law” oder Sturgeon’s Gesetz bekannt ist:

90% von allem ist Mist!

90% aller Bücher sind Mist, 90% aller Filme sind Mist und vor allem 90% aller Spiele sind Mist. Das fällt uns vielleicht nicht so unmittelbar auf, weil wir uns vornehmlich mit den Dingen beschäftigen, die uns ganz ausdrücklich gefallen oder weil wir uns nicht so wirklich viele Gedanken über die TV-Serie machen, die wir im Hintergrund laufen lassen, damit Geräusch in der Wohnung ist. Aber die große Masse aller kreativen Werke, die uns heute zur Verfügung stehen, aus allen Jahrzehnten, ist tatsächlich Mist. Müll. Schreckliche, uninspirierte, langweilige Grütze! Nur der Umstand, dass es grundsätzlich SO VIELE Werke gibt, dass die restlichen 10% uns länger beschäftigen können, als wir Zeit dafür haben, sorgt für den subjektiven Eindruck, dass das alles doch nicht so schlimm sei.

Ganz ehrlich, es ist auch nicht grundsätzlich “schlimm”. Wir alle haben mehr oder weniger bewusst gelernt Dinge aus unserer Wahrnehmung auszublenden, die uns nicht in den Kram passen. Seien es nun peinliche Spiele oder unangenehme Charakterzüge an unseren Lebensabschnittspartnern oder an uns selbst, die wir nicht wahrhaben wollen, weil die Lebenslüge stärker ist als der Willen sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Ich selbst nehme mich dabei ausdrücklich nicht aus. Ich bin mir bewusst, dass ich gewisse “blinde” Flecken in meiner eigenen Wahrnehmung habe. Der Punkt ist nur, wann hört dieses Ausblenden auf eine durchaus sinnvolle Aktion unseres Verstandes zu sein, selbigen vor Schaden zu bewahren und wann beginnt der gefährliche Teil entweder der Selbstverleugnung oder des umso schädlicheren, weil heftigen Einbruchs der Wirklichkeit in unser Leben, nachdem der Damm gebrochen ist?

Zurück zu Spielen …

Francis, oder Boogie oder wie auch immer der Mann mit der umfangreichen Leibesfülle sich nennen möchte, hat kürzlich einen interessanten Beitrag gepostet:

The 2nd Big Gaming Crash is coming…

Und zwar hat er sich nicht angeschaut, wie sich die Umsatzzahlen der Majors entwickeln, sondern er ist schlau genug sich mit den tatsächlichen Ursachen und Rahmenbedingungen des damaligen Großen Marktversagens Anfang der 1980er zu beschäftigen, die eigentliche Ursache zu benennen und sie in Kontext mit der heutigen Zeit zu setzen. Ja, der Titel seines Videos ist ein wenig arg plakativ und click-baitisch. Aber nur der Titel. Seine Aussagen selber sind wohl durchdacht und gut präsentiert.

Denn er spricht von einem zunehmenden Vertrauensverlust der Kunden in die Qualität der zu erwerbenden Spiele. Und zwar nicht nur von Spielen der Majors, sondern von ALLEN! Auch von Indie-Spielen, Spielen kleiner Anbieter und Spielen, die von Einzelkämpfern am Küchentisch hingefrickelt werden. Das Ausmaß an Mist im Spielebereich ist durch die Öffnung und Liberalisierung der Herstellungs- und Vertriebsmöglichkeiten mittlerweile so groß, weil sprichwörtlich JEDER Spiele machen und anbieten kann, dass die Flut an eher unterdurchschnittlichen bis katastrophalen Spielen und astreinen Abzockversuchen droht alles zu ersticken, was es an guten Werken gibt. Weil man die guten Werke nicht mehr findet. Weil diejenigen, die auf die spielenswerten 10% hinweisen sollen, nach seiner Ansicht ihren Job nicht gut genug machen.

Die Majors verlassen sich dabei zunehmend auf die Macht des Marketings, um die nötigen Umsätze zu erzielen, anstatt auf die Qualität der Produkte. Da wird mit aller Gewalt Mittelmaß auf den Markt gepresst und als der heißeste Shice auf Erden angepriesen und immer mehr Spieler müssen feststellen, dass sie gutes Geld für lediglich mittelmäßige Spiele ausgegeben haben, die eher einen niedrigen Budgetpreis anstatt einen hohen Erstverkaufspreis wert sind. Die technische Unterstützung für AAA-Spiele wird immer schneller und immer offensichtlicher gekappt und eingestellt, so dass der kurzfristige und kurzatmige Charakter vieler Produkte der Majors immer offensichtlicher wird.

Im Indie-Bereich EXPLODIERT das Angebot geradezu. Und Valve, die mit Steam einer der Haupttriebfedern dieses Booms darstellen, hat mit dem Greenlight-Programm, so wohlwollend die Idee auch gewesen ist, mangels entsprechender Qualitätskontrolle die Lukrativität billigsten Schrunzes erst ermöglicht. Ich kann derbsten Dreck auf Steam einstellen, ein paar hundert oder tausend oder zehntausend Dollar einsacken und dann allen die Zunge rausstrecken. Da gibt es “Spiele” auf Steam, kostenpflichtig zu erstehen, die kann man nur als dreisten Betrug bezeichnen. Valve reagiert auf entsprechende Hinweise nur sehr langsam. Wenn sie überhaupt reagieren. Und dann auch nur auf Fälle, die vorher prominent in der Presse durchgenudelt wurden und entsprechend Staub aufgewirbelt haben. Als Folge unter anderem davon wird Valve das Greenlight-Programm einstellen. Anstatt ein paar Leute einzustellen und ein Gegenstück zu Nintendos damaligem “Seal of Quality” zu etablieren, welches Nintendo seinerzeit als Reaktion auf den Vertrauensverlust der damaligen Kundschaft eingeführt hatte. Anmerkung: Valve wird nicht aufhören Indie-Spiele anzubieten. Man wird nur damit aufhören sie mit dem Greenlight-Programm selbst aktiv zu fördern. Ob es einen Ersatz dafür geben wird oder nicht, das ist nicht bekannt. Bei Valve hüllt man sich dazu, wie üblich, in beredtes Schweigen.

Wird es zu einem zweiten Großen Crash kommen, aus genau den gleichen Gründen wie damals?

Ganz ehrlich? Nein. Ich denke nicht.

Weil genau die Gründe, die im Indie-Bereich zu einer enormen Ausweitung des Angebotes geführt haben, auch der Grund für die hohe Widerstandsfähigkeit gegen Krisen darstellt. Wenn immer mehr Kunden die Schnauze voll von Indies haben, weil da nur Mist zu finden und niemand vernünftige Orientierung bietet, dann schrumpft der gesamte Markt wieder. Diejenigen aber, die schon vorher wussten, wo sie ihre Perlen finden können und diejenigen, die diese Perlen herstellen, die werden weiterhin in beidseitigem Nutzen koexistieren. Es wird weiterhin Neulinge geben, die sich durchsetzen können, es wird weiterhin etablierte Veteranen geben, die souverän ihr Stammpublikum bedienen. Weil es im Zeitalter dezentraler Strukturen scheißegal ist, ob dieser eine Entwickler drei Mausklicks weiter aufgibt oder nicht, ob Steam existiert oder nicht. Das Internet ist eine dezentrale Vertriebsplattform, die niemandem genug gehört, um bei einer Pleite selbst großer Konzerne entsprechenden Schaden anzurichten. Die Nachfrage besteht und der Aufwand, diese Nachfrage zu befriedigen, ist nicht so hoch, als dass es der Konkurrenz nicht schnell gelingen würde diese Lücken zu schließen. Berichtet wird über Spiele weiterhin, es wird weiterhin professionelle Portale und private Blogger und Vlogger geben. Weil man dazu nur Zeit und einen Internet-Anschluss benötigt. Ahnung von der Materie ist übrigens keine Grundvoraussetzung 🙂

Selbst eine massive Krise im Major-Bereich wird nicht zu einem Crash führen. Denn nicht alle Majors sind so dumm, bzw. arrogant sich ausschließlich auf die Macht des Marketings zu verlassen. Auch wenn ich kein ausgesprochener Freund von Ubisoft bin (um es sehr höflich auszudrücken), so muss ich doch anerkennen, dass in Sachen langfristiger Produktstrategie Herr Guillemot in den letzten Jahren sehr viel richtig gemacht hat. Anstatt die Wii mit billigem Dreck zu fluten hat Ubisoft als mithin einziger 3rd-Party-Anbieter auf dieser Plattform entsprechende Qualität geboten. Der kommerzielle Erfolg von Ubisoft, bzw. der Misserfolg anderer Publisher auf dieser Plattform spricht für sich. Bei Ubisoft wird gerne experimentiert. Kleine (!) Budgets für ungewöhnliche Spiele. Einfach um Dinge ausprobieren zu können, was geht, was Potential hat. Um sich Chancen zu erhalten. Und nicht mit enormem AAA-Aufwand neue Spiele präsentieren und sich dann wundern, wenn diese nicht sofort die Umsätze etablierter Marken bringen. Siehe Mirrors Edge, Bulletstorm, Dead Space und Alice. Ja, alle von und mit EA 🙂

Sollte EA dereinst, in nicht allzu ferner Zukunft verschwinden oder Activision es nicht gelingen nach dem unvermeidlichen kommerziellen Ende von Skylanders und Call of Duty entsprechenden Ersatz vorweisen zu können … Ubisoft wird da sein und die ehem. Kunden dieser dann ehem. Anbieter gerne willkommen heißen. Gut möglich, dass die Firma DANN zu genau dem arroganten und faulen Drecksack mutiert, der bereits EA das Genick gebrochen hat und Activision höchstwahrscheinlich das Genick brechen wird, aber bis dahin ist noch viel Zeit.

Ja, 90% von allen Spielen werden weiterhin Mist sein. Aber das ist nicht schlimm. Weil wir, die wir unsere Freizeit nicht mit Mist füllen wollen, in der Zwischenzeit hoffentlich gelernt haben, wo und wie man die restlichen 10% findet.

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49 Kommentare zu “Sturgeon’s Law

  1. LordFjord sagt:

    Den ersten crash hab ich nicht mitbekommen, da ich damals im Kindergarten noch nichtmal wusste was Computer und Videospiele sind. Hatte halt damals keiner im Ostblock. Das war noch vor meiner Zockerzeit – aber als „senior“ von zwei Juniors bin ich hier doch richtig? 😀

    Wie auch immer, das mit den 90% Schund könnte gut hinkommen, interessante Theorie, kannte ich vorher auch noch nicht. Da fällt bei mir vieles durch das Raster „is klump“ oder „interessiert mich nicht“, einer empirischen Untersuchung habe ich es noch nicht unterzogen.

    Vor einem erneuten Crash muss ich sagen, habe ich keine Angst. Schau dir mobile games an, da ist gefühlte 99,9% einfach nur Schrott. Da hätte es auch schon crashen können, hat es aber nicht.
    Hätte vielleicht dem Bereich aber ganz gut getan. Crashes haben manchmal an sich dass sich danach neue Ideen und Konzepte aus der Asche erheben.

    „Damals“, beim 1. Crash war die Welt außerdem noch nicht so global vernetzt wie Heute und auch wurden irgendwelche Lücken des Bedarfs – von welchen Gütern auch immer – nicht so schnell geschlossen wie Heutzutage. In jedem Spielgenre tut sich doch was um fleißig Nachschub zu liefern.

    Ich weiß wo ich meine 10% an guten neuen Spielen herbekomme. Auch könnte ich noch gefühlte Jahre mit bereits installierten Spielen verbringen und notfalls auf das berühmte pile of shame zurückgreifen. Ich denke wenn man sich ein wenig mit seinem Lieblingshobby auseinandersetzt dann informiert man sich und merkt schnell, ob ein Spiel was taugen könnte oder einfach nur Abzocke ist.
    So manche Abzockversuche sind doch auch unterhaltend, mit viel Drama, Shitstorms und ganz viel Popkorn. Wie letztens Transverse von den Mechwarrior Online machern. Köstlich.

  2. Harzzach sagt:

    Oh ja, Mechwarrior Online und Piranha Games. Da weiß man nicht, ob man mitfühlend mitlärmen soll, wenn sich die Leute dort zu Recht beschweren oder ob man sie nur noch auslachen soll, angesichts des Umstandes, WIE OFT man die Leute bei MWO schon über den Tisch gezogen hat. Ja, ganz großes Kino!

  3. LordFjord sagt:

    Piranha Games wird aber zum Glück auch schön von der Kundschaft dafür abgestraft. Nach grob einer Woche 1% Wohltätigkeitsspenden (anders kann man das nicht nennen) für das erste von vielen Budgetzielen – was nachträglich auch noch runtergeschraubt wurde – wohl in der Hoffnung das zu erreichen weil dann die Geldrückgabe nach fehlgeschlagenem Funding nicht mehr zieht.
    Da haben sich immerhin 100 denkbefreite gefunden, die da mitmachen.
    Wobei, die können das ja auf einen Spontan/Fehlkauf wegen mangelndem Informationen schieben. In drei Wochen ist der Spuk vorbei, Tränen werden fließen, die Enttäuschung wird groß sein – und die Piranhas werden sich überlegen müssen wo sie bleiben.

  4. onepiece sagt:

    Hallo,

    lese erst seit kurzem Deinen tollen Block und erstmal Hut ab, echt spannende Sachen, die Du hier thematisierst.

    Zwar bin ich mit 25 noch kein „Senior“, denke aber, dass ich trotzdem was sagen darf 😉

    Du hast sicher recht damit, dass heute mehr Mist produziert und unters Volk geworfen wird.
    Ich denke aber, dass das nicht unbedingt ein Nachteil ist. Wie Du ja selbst sagst, ist dann bei insgesamt mehr Spielen auch mehr an „Spielenswertem“ dabei. Früher gabs halt kaum die Möglichkeit, Spiele zu veröffentlichen, wohl aber auch derbe schlechte Titel. Andererseits sollte man auch ehrlicherweise sagen, dass gerade vor dem Hintergrund besserer Platformen (PC, Konsolen, Gameboy u Co.) auch der allgemeine Anspruch an die Spiele gestiegen ist. Was früher als Pixelhaufen noch halbwegs wohlwollend kommentiert (und auch gekauft!) wurde, schaut heute niemand mehr an. Klar, man hat ja bessere Alternativen.

    Was ich aber eigentlich sagen wollte ( 🙂 sorry, schweife gerne ab^^):
    Die heutige Zeit ist geprägt von viel mehr Möglichkeiten. Das beinhaltet die Möglichkeiten, tolle Games, tolle Blogs, etc. zu finden und mit denen ne tolle Zeit zu haben, genau so wie die Möglichkeit, die größte Kacke zu kaufen und sich zu ärgern. Der Spieler ist heute einfach mehr selbst in der Pflicht, aus dem Wust an Dingen, die ihm geboten werden, was Tolles rauszusuchen.
    Vergleiche ich das damit, dass es nur „paar“ Spiele gibt, die dann vllt. mittel bis gut sind, dann hab ichs doch lieber so, muss halt bissl Hirnschmalz anstrengen, Berichte lesen, etc. Alles möglich und einfach zugänglich, Internet sei dank.

    Daher nicht verzagen, es werden auch in kommenden Jahren tolle Spiele kommen und ich denke, sogar eher bessere, wenn die ganzen Luschen jetzt ihre Scheiße nicht mehr loswerden und daher untergehen und platz für bessere machen 🙂 (sorry für die Wortwahl, aber gerade EA… naja, lassen wir das^^)

    Grüße

    onepiece

  5. Harzzach sagt:

    Nicht mehr Mist, MEHR Spiele, mehr gute Spiele und zwangsweise auch mehr Mist. Was jedoch nicht gleichermaßen mitwächst, so zumindest die These von „Francis“, sind die Auswahl- und Selektionskriterien, die einem ermöglichen die 90% Mist von den 10% spielenswerten Titeln zu trennen. Die es einem ermöglichen, sich mit vertretbarem Aufwand entsprechend zu informieren, um eine informierte Kaufentscheidung treffen zu können. Dadurch wächst die Unzufriedenheit und Vertrauen in das Produkt als solches, als solider Freizeitspaß, wird abgebaut. Was, wenn es dumm läuft, zu einem vollständigen Marktversagen, einem Crash führt.

    Verkompliziert wird die Sache dadurch, worauf ich im 4P-Forum gestoßen bin, dass unterschiedliche Presseplattformen unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Die Gamestar spricht klar Leute an, die nicht viel Erfahrung haben und die sich noch leicht von Blitzblendvorgaukel beeindrucken lassen. Deswegen bekommt dort der übliche 08/15-Blitzblendvorgaukel-Titel eben seine 90%-Wertung. Andere Plattformen und Magazine wie 4P, RockPaperShotGun oder The Escapist sprechen Leute an, die z.T. seit über 20-30 Jahren Videospiele zocken und die daher einen ganz anderen Blick auf ihr Hobby haben, die auf ganz andere Dinge wert legen. Das muss man als „Welches Spiel taugt was für mich“-Sucher aber vorher wissen, bevor man Empfehlungen von diesen Seiten folgt.

    Und da kommt, Du sprichst es selbst schon an, die berühmt-berüchtigte Eigenverantwortung zum Tragen. Glaube ich blind einem Reviewer, nur weil es da im Internet steht? Oder glaube ich lieber meinem Kumpel, der weiß, was mir für Spiele gefallen und welche nicht? Oder lese ich mich einfach mal eine Weile quer durch alle möglichen Blogs und Seiten und schaue Let’sPlayer an und bleibe dann bei einer Handvoll Seiten hängen, wo ich einschätzen kann, auf was die Leute dort Wert legen? Letzteres kostet Zeit. Und Mühe. Macht deswegen, durchaus nachvollziehbar, auch kaum jemand, wenn man doch einfach nur was geiles zum Zocken haben will.

    Von daher sehe ich es nicht ganz negativ, wie das Francis hier tut. Ich sehe kein „Medienversagen“. Wer Augen im Kopf zu sehen und ein Gehirn im Kopf zum Denken hat, der kennt seine Pappenheimer und liest Reviews, schaut Videos auf manchen Seiten nur noch zur Unterhaltung, aber nicht, um herauszufinden, wo mein Geld gut angelegt werden könnte. Es GIBT genug Möglichkeiten sich zu informieren. Sicher wäre es hilfreich, wenn gerade Vertriesbplattformen wie Steam den Flut der Veröffentlichungen besser kanalisieren würden, aber … es ist meiner Meinung nach nicht so tragisch, wenn sie es nicht tun.

  6. onepiece sagt:

    Hallo Harzzach,

    danke für die schnelle Antwort.

    Ich wollte auch gar nicht aussagen, dass es wenig Aufwand ist, aber ich denke, das ist in jedem Hobby so, das man betreibt.
    Wenn man es wirklich leidenschaftlich tut, dann findet man auch die Zeit dafür und entwickelt ein gewisses Gespür…

    Weil ich aber auch daran dachte wollte ich mal spontan fragen, ob Du in einem Deiner nächsten Beiträge vllt. auf die Reviewer-Platformen eingehen könntest, also mal so ein grober Schwenk.
    Gleichzeitig wäre es sicher auch für andere toll, wenn man sich (vllt. in einer Art Übersichtsartikel oder so, der schnell auch über Seitenleiste erreichbar und ggf. editierbar) mal ein bischen austauschen könnte über Blogs, etc., die einem helfen, vllt. mit ganz kurzer Begründung, warum grade da, etc. …

    Könnte vllt. dem ein oder anderen (auch mir, obwohl ich fast nur noch bei 4P lese) helfen, mal den Horizont wieder etwas zu weiten 🙂

    Hab kurz geschaut, hoffe, ich hab einen derartigen Artikel nich übersehen 🙂

  7. Joe sagt:

    RockPaperShotGun oder The Escapist sprechen Leute an, die z.T. seit über 20-30 Jahren Videospiele zocken

    Naja, die haben sich hauptsächlich damit beschäftigt, Indie-Schrott von „Entwicklern“ zu hypen, in die sie vorher selbst fett Kohle investiert haben. Kein anderes Konzept als bei diversen „Börsenbrief“-Betrügern. Inzwischen haben sie auf politische Propaganda getarnt als Videospielmagazin umgestellt. Auf deutsch: Völlig diskreditiert, können gepflegt sterben gehen.

    Ich habe neulich erstmal aus meiner Steam-Library ein paar Schrottspiele mit IGF-„Awards“ entsorgt, die sich da per Bundle-Beifang mit reingeschlichen hatten. Die habe ich zwar nie länger als 5 min ausprobiert, aber immerhin ist dabei die PoS ein kleines Stückchen geschrumpft. Steam hat jetzt in der Kategorien-Einstellung auch eine Option, um Einträge in der Library verstecken zu können. Eine deutliche Ansage zur der Pile of Schrott, zu der der Steam-Store inzwischen geworden ist.

    Vor einem erneuten Crash muss ich sagen, habe ich keine Angst. Schau dir mobile games an, da ist gefühlte 99,9% einfach nur Schrott. Da hätte es auch schon crashen können, hat es aber nicht.

    Ich schaue „Mobile Games“ aus diesem Grund überhaupt nicht an. Ist mir völlig egal, ob ich da irgendwelche „Perlen“ verpasse. (Wenn eine kritische Masse plötzlich auf die gleiche Idee kommt, platzt diese Blase.)

    Meine Reaktion auf „Greenlight“ und „3rd-Party-DRM“ ist, daß ich bei Steam Sales nun gar nichts mehr kaufe, weil das Schrottrisiko schlicht zu hoch ist, die Recherche schlicht zu aufwendig und selbst User-Reviews unzuverlässig sind.

    Es gibt noch andere schöne Freizeitbeschäftigungen als Videospiel-Eskapismus, in die man Geld reinbuttern kann. Ich werde nach Microsoft Minecraft und Facebook Rift auch nichts mehr kickstarten, egal wie geil ich die Idee finden könnte. Weil ich gar keine Zeit habe, mich mit diesen Ideen und möglichen Finanz-Betrügereien zu beschäftigen.

    Wir sollten nicht vergessen, daß wir es hier mit dem tertiären Sektor zu tun haben. Videospiele sind nicht lebenswichtig und tatsächlich vollständig verzichtbar. Deshalb ist diese Industrie crashgefährdet, vielleicht nicht gerade akut, aber langfristig immer.

  8. Enrico sagt:

    @MWO: Ich muss ehrlich zugeben, dass ich dort das Gejammer nicht wirklich nachvollziehen kann. Erst recht nicht das Gemecker.
    Das liegt vielleicht daran, dass diejenigen, die dort hunderte von Euros „investiert“ haben denken, sie könnten jetzt bestimmen, wohin der Weg führt.
    Ich für meinen Teil habe ~12 Euro gezahlt und mir meinen Favorisierten Hero dafür gegönnt, um meinen Support zu zeigen. Ich habe an dem SPiel SPass – und auch ohne HeroMech schon lang und mit Freude gespielt.

    Das allgemeine Problem ist mittlerweile, dass jeder Hinz und Kunz meint, sich über diverse Sachen aufregen zu müssen und das Publikumswirksam kund zu tun.

    Bestes Beispiel: Fakefactory Mod für HL2, wo einige mit ihrem scheusslichen gezetere über die (optionalen!) Charaktermodelle fast dazu geführt hätten, dass die Mod nicht mehr verfügbar ist.
    Die Mod ist übrigens einfach nur wow…

    Ich für meinen Teil versuche, konstruktive Kritik zu üben, wo es mir angebracht erscheint. Aber das, was da teilweise für Shitstorms herbeigeführt werden, ist mir wirklich unverständlich. Auch im Zusammenhang mit dem neuen Spiel von PGI – da habe ich auch die Augenbrauen hochgezogen, aber Shitstorm lostreten? warum? mit welcher Berechtigung?
    Wenn man dort mal ins Forum schaut – z.b. zu den aktuellen Jubiläumsgeschenken – gleich der 2. Post einer, der sich beschwert. Da frag ich mich echt, was da schief läuft.

    Ich habe erst Geld gezahlt, als ich wusste, dass ich mit dem Spiel zufrieden bin.
    Wenn ich 500 Dollar für einen goldenen Mech ausgebe habe ich noch immer kein Mitspracherecht, was PGI zu tun und zu lassen hat.
    Eher andersherum wird ein Schuh draus: Wenns mir nicht (mehr) gefällt, gibts kein Geld und fertig. Das Geld was ich gezahlt habe, habe ich derweil längst wieder „eingespielt“ bzw. hatte es vorher schon.

    Gruß
    Enrico.

  9. Harzzach sagt:

    Das allgemeine Problem ist mittlerweile, dass jeder Hinz und Kunz meint, sich über diverse Sachen aufregen zu müssen und das Publikumswirksam kund zu tun.

    Nope. Die Schwierigkeit liegt nur darin, dass man Gegenwind aushalten muss, sobald man sich in die Öffentlichkeit wagt. Und je leichter es ist sich in die Öffentlichkeit zu begeben, dazu reicht ja schon ein Blog-Kommentar), um so schneller wird man früher oder später auf Gegenwind stoßen. Damit muss man umgehen können oder bereit sein es zu lernen. Man kann auch lernen Shitstorms zu entschärfen. Man kann lernen, wie man mit Leuten umgeht, die wirklich nur sinnfrei stänkern. Das fällt dem einen vielleicht leichter als dem anderen, aber das ist so. Man muss damit umgehen. Oder man hat jemanden, der das für einen erledigt, weil man keinen Bock hat sich via Internet mit Idioten herumzuschlagen.

    Das ist alles eine Frage der Kommunikation. Die man natürlich auch strikt verweigern kann. Ich kann meine Blogbeiträge online stellen und die Kommentarfunktion abschalten. Dann doziere ich so vor mich hin und was andere davon halten, wie andere bestimmte Sachverhalte sehen, interessiert mich dann nicht. Geht auch. Aber dieses berühmte „Wasch mich, aber mach mich dabei nicht nass“, das geht eben nicht.

  10. LePie sagt:

    Ganz unabhängig von MWO, die Kritik an Transverse ist alleine aufgrund des durchgeknallten Finanzierungsmodells völlig angebracht. Was ist, wenn genau die nötige Summe für den Alpha-Prototypen zusammen kommt (und damit ins Blaue hinein mit der Entwicklung begonnen wird), jedoch nicht mehr? Wie sieht der Ausweichplan zur Fertigfinanzierung aus? Gibt es dann mögliche Investoren? Wann steht der geplante Release der EarlyAccess-Version an? Alles elementare Fragen, um die die PGI-Mitarbeiter herumnavigieren, der entsprechende Thread wird geschlossen oder gleich der Bannhammer gezückt. Das einzige, worum sie sich indes wirklich kümmern, ist das Eröffnen neuer Bezahloptionen.
    Auf Reddit gar haben sie sich in solchem Maße daneben verhalten, dass Admins einschreiten und die PGI-Mitarbeiter aus ihrem eigenen Subreddit shadowbannen mussten.
    http://www.incgamers.com/2014/09/piranha-shadow-banned-on-reddit-as-transverse-fallout-continues

    Und jetzt frage ich: Ist so ein Entwickler transparent und vertrauenswürdig genug für eine Schwarmfinanzierungskampagne? Meines Erachtens nach nicht.

  11. Halunke sagt:

    Danke Harzzach, du weißt warum! 🙂

  12. Halunke sagt:

    Um dem ganzen mehr Gehalt zu geben: ich stimme dir als auch Sturgeon uneingeschränkt zu. Ich bin häufig in den Katalogen von Steam und Gog unterwegs – aber ich finde sie nicht mehr, die kleinen Juwelen. Sehr subjektiv, aber ich liebe Dont Starve, Banished oder FTL, sollte deren Erfolg nicht Motivation genug sein, ähnliche Spiele zu schaffen, mit der gleichen Hingabe und dem Qualitätsbewusstsein? Nein, stattdessen ist unter den Indies eine Quick&Dirty Seuche ausgebrochen. Am schlimmsten im Mobile Bereich, wo das Öffnen der App-Store Spielesektion einen sofortigen Brechreiz verursacht.

    Zu Ubisoft: doch, die Firma ist äußerst marketinggetrieben – aber es ist ein cleveres, strategisches Marketing mit einer „Fehler sind erlaubt“ Halung 🙂

  13. Harzzach sagt:

    Nicht dass wir uns mißverstehen … Uplay ist der allergrößte Rotz, der mir bislang an Download-Clients untergekommen ist. Das Teil ist ein nervtötender Kack und die zunehmende Online-Verknüpfung von SP-Spielen bei Ubisoft, wo man zwangsläufig ständig im Clinch mit Uplay liegt, mit DER Grund, warum ich keine Ubisoft-Spiele mehr kaufe, auch wenn sie noch so delikat und deliziös daherkommen wie Child of Light oder Valiant Hearts. Erst kürzlich wieder die Qualen von jemandem mitbekommen, der sich Anno 2070 gekauft hat und während des ganzen Installations- und Registrierungsprozesses, inklusive eines lahmarschigen Anno-AutoUpdaters, sage und schreibe DREIMAL den Serienschlüssel des Spieles eingeben musste, weil Uplay zum Download, die Spielinstallation von Anno 2070 UND das Spiel Anno 2070 an sich drei isolierte Prozesse sind, die nichts miteinander zu tun haben …

    … nee ehrlich, ich schätze den Laden für seine Bereitschaft hin und wieder mal kreative Stoffe zu veröffentlichen, aber Uplay ist und bleibt ein unerträglicher Rotz! Richte das bitte aus: Uplay stinkt! 🙂

  14. Halunke sagt:

    jepp, die Meinung hast du nun wirklich nicht exklusiv 🙂 Aber auch das wurde auf die schmerzvolle Art bereits ganz oben registriert.

  15. Ich sehe keinen neuen Crash, dazu sind Videospiele zu sehr im Alltag der Menschen verankert. Das war in der 80ern noch nicht der Fall. Ich sehe aber einen Abschwung, aus den von Harzzach genannten Gründen. Mein Konsumverhalten in Sachen Videospiele hat sich in den letzten Jahren komplett gedreht. Spiele werden bis auf Ausnahmen grundsätzlich nicht mehr vorbestellt und zu Release gekauft, seit man sie nicht mehr besitzen, sondern dank Steam nur noch mieten kann, schon gar nicht zum Vollpreis. Majortitel werden prinzipiell bei Sales zu Salepreisen gekauft ( Ausnahme Diablo 3 + RoS ). Hypes spielen ebensowenig eine Rolle bei Kaufentscheidungen wie die übertriebenes Marketing ( Destiny )

    Die Indyszene wird genaustens beobachtet, das Meiste jedoch ignoriert, vor allem der Greenlightkram. Das einzigen Spiele, die mich laut Steam Statisik die letzten 3-4 Jahre unterhalten haben, sind: Panzer Corps, FTL, Kerbal Space Program, Prison Architect, Broforce, Total War 2, Civ 5 + Addon, sowie Unity of Command. Und das bei über 100 Spielen in der Liste ( Diablo ausgenommen ). Weiterhin erfuhren die Emulatoren meine ungeteilte Aufmerksamkeit, vor allem ZSNES.

    Magazine und Zeitungen werden kaum noch zu Kaufentscheidungen herangezogen, zu viel Kredit wurde verspielt. Die Einen, wie 4players, versuchen krampfhaft gegen den Strom zu schwimmen und schreiben alles nieder; die Anderen, wie Gamestar, hypen jeden Dreck. Ich trauere den Zeiten hinterher, wo man sich auf die neueste Ausgabe von Videogames ( Ralf, Tet, Dirk & Co, ), Total! oder andere Magazine gefreut hat. Wo man bis zum nächsten Monat auf Tests, Tipps & Tricks oder Previews zu seinem Lieblingsspiel gewartet hat. Wo eine 85 eine unverschämt hohe Wertung war, die 90 nur absoluten Ausnahmetiteln verliehen wurde.

    Hört sich alles sentimental an, verklärend. So einseitig will ich’s nicht gemeint haben , gab auch viel Scheiße. Nur ist es momentan viel beschissener als damals.

  16. Joe sagt:

    Ich bin häufig in den Katalogen von Steam und Gog unterwegs – aber ich finde sie nicht mehr, die kleinen Juwelen.

    Es gab mal eine kurze Zeitspanne, da war es lohnend, den gesamten Katalog von GoG zu besitzen. Dann folgte die Umbenennung in GOG und es ergoß sich eine Indieschrottschwemme wie zu Zeiten der schlimmsten Sharewarehölle. Nur daß die „Independent-Entwickler“ heute schon vorher kassieren wollen, bevor sie überhaupt fertig sind.

    Ich sehe keinen neuen Crash, dazu sind Videospiele zu sehr im Alltag der Menschen verankert. Das war in der 80ern noch nicht der Fall.

    Das war vielleicht in der BRD nicht der Fall, aber dank der ausgeprägten Arcade-Kultur durchaus in dem Land, in dem der Crash stattfand: den USA. (Der VGC 1983 war nämlich mitnichten ein globales Phänomen.) Urplötzlich war das Heimtamagotchi dort wieder aus der Mode und Atari mußte dran glauben. Japan-based Nintendo halt nicht, dort gab es nämlich keinen Crash. Kaum waren die US-Buden weg, ging es prompt mit der Release-Qualität wieder aufwärts. Also wissen wir klar, wo das Problem liegt. 😉 Der Consumer wird es auch diesmal auf die ganz harte Tour lösen.

  17. Das Alien sagt:

    Inzwischen finde ich es doch recht schwierig, sich einen wirklichen Eindruck von einem neuen Spiel zu verschaffen, DIE Anlaufstelle jedenfalls existiert schon lange nicht mehr. Die Tests der bekannten Online-Magazine kann man sich ja mal interessehalber antun, aber wirklich aussagekräftig, im Sinne von „objektiv“, sind die meisten Tests auch auf den von dir erwähnten Seiten schon lange nicht mehr.

    Es mag daran liegen, dass man in der heutigen Zeit der Versuchung, sich selbst und die eigenen Befindlichkeiten als besonders wichtig zu sehen, so schnell erliegt, aber gerade bei 4P und The Escapist sind die meisten Spieletests inzwischen zur reinen Egoshow verkommen. Meist sehr unterhaltsam, keine Frage, aber es entsteht doch sehr oft der Eindruck, die Entwickler hätten irgendetwas nicht zu 100% im Sinne des Testers umgesetzt und dieser nähme das jetzt doch sehr, sehr persönlich.

    Wer sich wirklich eine Meinung über ein Spiel bilden will, der hat letztlich keine andere Wahl, als sich sein eigenes Review aus einer Vielzahl von Quellen zusammenzubasteln, was schon zeitintensiv sein kann. Natürlich war es schon immer besser, sich nicht nur auf eine Zeitung oder, in jüngerer Zeit, auf ein Online-Magazin zu verlassen, aber ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen die meisten Tests doch Hand und Fuß hatten. Stand in der ASM oder der Amiga Joker, dass Ruff’N’Tumble ein super Spiel ist, dann konnte ich am nächsten Tag in den Laden marschieren, mir Ruff’N’Tumble kaufen und mir sicher sein, dass ich damit Spaß haben würde (vorausgesetzt natürlich, mir liegt das Genre).

    Heute lese ich Tests auf diversen Internetseiten, schaue mir Reviews und LetsPlays auf Youtube an und bin mir immer noch nicht sicher, ob man mich nicht auf die Schippe nimmt. Ein gewisses Maß an Unsicherheit gab es natürlich immer, aber heute habe ich das Gefühl, dass der einzige Test, dem ich wirklich vertrauen kann, der eigene ist.

    Was mir heute inzwischen schmerzlich fehlt ist das Gefühl, irgendwem in seiner Objektivität vertrauen zu können. Dass Blogs oder private Videoreviews meist subjektiv sind ist ja okay, da erwarte ich auch nichts anderes, aber ich würde doch gerne einmal wieder einen Test eines Online-Magazins lesen, bei dem ich nicht das Gefühl haben muss, der Tester ist entweder gekauft (oder geht mit der Entwicklerin ins Bett) oder führt eine private Vendetta gegen die Entwickler.

  18. Enrico sagt:

    @Gegenwind und Öffentlichkeit:
    Ich stimme deinem Post zu, Harzzach. Das steht auch nicht im Gegensatz zu dem, was ich meine.

    Ich sehe immer öfter Leute, die Shitstorms anzetteln und andere, die sich daran beteiligen und so einer Sache nach außen mehr Gewicht verleihen, als sie es wert ist – bzw. Einzelmeinungen und Einzelbefindlichkeiten verallgemeinern.

    Ich halte es für sehr schwierig, das zu managen – und es ist ein größerer Aufwand, sich ständig damit zu beschäftigen, diese „Schreihälse“ ruhig zu halten bzw. zufriedenzustellen. (Es gibt ja auch Leute, die beschweren sich, wenns Jubiläumsgeschenke gibt.)
    Das (sich hauptsächlich um die Lautesten zu kümmern) ist meiner Ansicht nach auch Kontraproduktiv, da sie eben nicht die Meinung der Gesamtcommunity widerspiegeln, nur weil sie in Foren am lautesten schreien.

    Was ich kritisieren wollte, ist dass aus der Community heraus mehr sinnlose Shitstorms statt wirklich konstruktive Beiträge kommen – und man sich am Ende auf die Schultern klopft, wie man es diesen Versagern von PGI doch gezeigt hat.
    Ich bin der Ansicht, dass ich mit meinem Geld kein Mitspracherecht erwerbe (egal, ob ich Founder bin, oder erst später etwas zahle.) Ich erwerbe das, was vorhanden ist.

    Ich kann sehr wohl sagen, was mir nicht gefällt, und Vorschläge unterbreiten, wie das abgestellt werden kann. Ich kann aber dann auch damit leben, wenn mir wer sagt: nope, machen wir nicht.
    Dann gibts halt in Zukunft kein Geld mehr von mir, und als Founder bin ich ggf. enttäuscht, aber das Risiko habe ich vorher ja schon gekannt.

    Ich für meinen Teil fühle mich durch PGI nicht betrogen oder über den Tisch gezogen. Habe auch kein ClanPack gekauft, weil mir die aufgerufenen Preise utopisch hoch erscheinen – spiele das Spiel aber trotzdem noch gern mit meinen IS Mechs. (und warte darauf, dass die ClanMechs für CBills zu erhalten sind)
    Und wenn Sie für goldene Mechs 10k Dollar verlangen fange ich auch keinen Shitstorm an – mich zwingt doch keiner, für einen Skin soviel Geld auszugeben.
    Ich begrüße das sogar, denn die die das dann kaufen, sorgen ja dafür, dass das Spiel weiterentwickelt wird.

    Gruß
    Enrico.

  19. shenmue sagt:

    @Enrico

    Ich würde dir ja gerne Recht geben, wenn die „shitstormer“ auf Webseiten Werbung mit Ihrem shitstorm schalten würden oder wie die Red Nose Leute mich auf der Strasse belästigen würden.

    Und nur weil Du der Meinung bist das Du für dein Geld nichts erwartest gilt das nicht für alle anderen.
    Wenn Du Leute kritisierst, die in entsprechenden Foren zum passenden Thema Kritik üben und dafür kein Verständnis hast, ja mein Gott, genau diese Menschen produziert der heutige Marketingkapitalismus.

    „shut up and take my money“

    Herzlichen Glückwunsch Apple, EA, Activision, Steam etc.

    Hier habt Ihr Euch ein Musterbeispiel an anspruchslosem Konsumzombie geschaffen, jetzt gilt es herauszufinden wie man es bei den restlichen „Geisteskranken“ schafft die da nicht mitspielen wollen.

    Ich hoffe leere Ankündigungen ala EA wie „wir bessern uns, versprochen, (aber nur wenn SIMS 4 erfolgreich wird, ansonsten könnt Ihr Euch nen noch innovativeren Teil 5 gleichmal knicken), oder Acc/Blizz „Destiny macht erst ab Level 20 Spass, und dann ist es auch ein ganz anderes Spiel, ehrlich!!“ glaubt mittlerweile niemand mehr.

    Ich fühle mich durch EA auch nicht betrogen, habe seit mind. zehn Jahren kein Spiel mehr von denen gekauft. Das letzte war irgendein NHL-Teil fürs Sega Saturn, da hat man schon gemerkt in welche Richtung es geht.

    Trotzdem sollte man erkennen, das EA den Markt langsam zerstört, und nicht die Soziopathen-Karte ausspielen nach dem Motto was interessiert mich das Elend der anderen, wenn ich Hunger hab gehe ich zum Imbiss, das die das in Afrika nich machen versteh ich nich. Wenn die jetzt auch noch anfangen in Internetforen über Hungersnöte sich darüber aufzuregen dann flipp ich aber mal so richtig aus und werde der Welt verkünden das die doof sind. Ich krieg mein essen ja easy im Supermarkt oder beim Döner umme Ecke. Das die sich immer so anstellen müssen.

    Gott wirf Hirn herab.

  20. onepiece sagt:

    Irgendwie hat die Diskussion sich immer mehr vom Inhalt entfernt… 🙂

    Was den „Betrug“ (wie man das auch auslegen möge) der Entwickler an den Spielern angeht, so denke ich, ist es wie in jeder anderen Branche auch. Die großen Player können sich – dank eines „guten“ Names, bekannter Titel, etc., halt ein paar eher kundenunfreundliche Dinge erlauben. Aber das geht, zumindest, wenn die Leute sich veralbert vorkommen, nicht lange gut. Spätestens dann, wenn zum 3. Mal beteuert wird, dass man doch die Kommunikation verbessern wolle und sowas, ist denke ich dann Schluss.
    Mittlerweile ists ja auch gottlob nicht mehr so, dass man auf bestimmte Entwickler/Firmen angewiesen wäre, weil es immer wen anderes (mittlerweile) gibt, der die entsprechende Lücke mit (genau den gleichen mittelmäßigen^^) Spielen füllen kann.

    Zu der Qualität der Bewertungsportale kann ich nicht viel sagen, weil ich die noch nicht so lange kenne. Ich gehöre eher zu der Gruppe, die sich im Vorfeld mal die Demo besorgt (hat) und dann ein bischen geschaut hat, obs was für mich ist. Das braucht natürlich etwas Frustrationstoleranz, aber (nach kurzer Recherche, um was es im Spiel eigentlich geht^^) dann bin ich damit eig. ganz gut gefahren.

    In der letzten Zeit bin ich aber z.B. auch mit den Wertungen von 4Players ganz gut gefahren. Sicher ist da immer auch eine subjektive Sicht dabei, es ist nunmal ein Mensch, der das bewertet, aber zur groben Orientierung, hat es mir doch geholfen 🙂

    Gruß

  21. shenmue sagt:

    @ onepiece
    Ich behaupte mal das es zum Thema „90% ist immer Mist“ keinen Inhalt gibt von dem man sich entfernen könnte. Ob es nun Filme, Spiele, Autos oder was auch immer ist.

    Welchen konkreten Inhalt/Bezugspunkt hast Du denn für Dich gefunden in diesem Thread?

  22. Harzzach sagt:

    Reviews (egal ob professionell oder privat) lese und schaue ich nur noch, weil ich wissen will, wie bestimmte Menschen auf das Spiel reagiert haben. Wie findet der und der dieses und jenes Spiel? Oder weil es einfach unterhaltsam ist. Siehe Yahtzee. Oder weil es interessant ist, wie jemand seine Eindrücke beschreibt und versucht zu begründen, warum er so denkt. Auch wenn ich ein „Dear Esther“ geradezu verschlungen habe, so fand ich die Review von Totalbiscuit, der damit halt so gar nichts anfangen konnte, interessant und lehrreich. Weil er in der Lage ist seine Meinung zu begründen.

    Aber Reviews verwende ich schon lange nicht mehr zur Kaufentscheidung. Kaufentscheidungen treffe ich entweder sofort (!) aus dem hohlen Bauch heraus (was mal mehr, mal weniger klappt) oder weil ich mir vorher einen eigenen spielerischen Eindruck vom Spiel besorgt habe. Sei es Demo oder Lets Play oder ne Kopie. Wenn es da nicht nach ner halben Stunde funkt, dann wird dafür kein Geld locker gemacht. Und je nach Ausmaß des dann stattgefunden habenden Funkens, wird entweder gleich zum vollen Preis zugeschlagen oder erst später im Rahmen eines Sales. Pillars of Eternity z.B. Da reicht nur das erste Gameplay-Video, um mich vor Vorfreude in die Hose machen zu lassen. Wasteland 2? Ist auf jeden Fall was für mich, aber nicht genug, dass ich sofort zuschlagen muss.

    Was anderes sind dabei Empfehlungen. Wenn jemand, dessen Geschmack ich kenne und der halbwegs deckungsgleich mit meinem ist, sagt, dass Spiel XYZ gar nicht schlecht ist, dann schaue ich mir das irgendwann an. Ist dann meistens auch ein Spiel für mich. Aber ich muss es zuerst selber in Augenschein nehmen. Von daher habe ich kein „Vertrauensproblem“. Ich weiß, was ich will und ich weiß, woher ich die Informationen für eine Kaufentscheidung bekomme.

  23. shenmue sagt:

    @Harzzach
    Exakt, Gehirn einschalten, gucken und dann entscheiden ist immer die beste Methode.

    Traurigerweise ist der erste Punkt für viele einfach zu Anstrengend, der zweite zu Aufwändig und ein dritter fällt ihnen nicht ein.

    Wenn es dann jemanden gibt der Geld dafür bekommt mir zu sagen ob das Spiel gut ist oder schlecht, na super, die werden schon recht haben.

    Auch wenn das Produkt noch nicht veröffentlicht ist, das sind ja Experten, die werden schon recht haben. Und die Werbung gibt ihnen ja Recht, da steht auch das es absolut amazimg awesome brainwashing ist. 25,75 Awards hat es ja auch schon bekommen auf den diversen GameShows und Conventions. Da kann doch nichts schiefgehen, oder?

    Und Destiny spielt sich sich dann ab Level 30 wie Tetris, das finden immer noch alle gut, warum soll es hier nicht klappen?
    Für ganz schlaue kommt aber bald der „Ab Level 30 wie Tetris-DLC“
    Werde zu Helden, werde zur Legende!!!!

  24. Harzzach sagt:

    Nuja, man darf von Leuten, für die Spiele nur ein netter Zeitvertreib sind, nicht unbedingt erwarten, dass sie Stunden damit verbringen mögliche Kandidaten für eine Geldausgabe zu evaluieren. Da werden auch keine ausgefeilten Ansprüche an ein Spiel gestellt. Es muss einfach nur ein paar Stunden Spass machen und für Ablenkung sorgen. Was ja ok ist, wenn man in Spielen nur einen Zeitvertreib unter vielen anderen sieht.

    Nur … das sind die Kunden, die dann eines Tages wegbleiben, wenn die Spiele nicht mehr halten, was versprochen wurde. Wenn man sich, anstatt ein paar Stunden seinen unkomplizierten Spaß zu haben, langweilt oder sich gar ärgern muss, dann hört man irgendwann auf Spiele zu kaufen und macht was anderes, um sich die Zeit zu vertreiben. Einen Crash werden in einem solchen Fall daher nur die Firmen erleiden, die Produkte explizit oder mehrheitlich für diese Art Kunde hergestellt haben. Firmen, die sich in den letzten Jahren wie die Wilden auf die sog. „Casuals“ gestürzt haben. Wie z.B. Zynga, wo man aktuell einen Vorgeschmack auf so einen Crash mitansehen kann. Denn hier, in diesem Bereich, gibt es keine Kundenbindung. Man muss für jedes Spiel aufs neue massiv Marketing machen, um für jedes (!) Spiel wieder von vorne anfangen.

    Entwickler und Firmen, die aber mehrheitlich Spiele für Leute machen, für die Spiele ein Hobby ist und nicht nur ein Zeitvertreib, die werden sich auch in Zukunft keine Sorgen machen müssen. So lange diese Spiele halbwegs halten können, was die Kunden bereit sind zu akzeptieren. So lange die Kunden von sich aus Interesse an Produkten speziell dieses Anbieters haben und eben „treu“ sind.

  25. Minando sagt:

    Wer weiss, was gerade aus Destiny noch werden kann. Vielleicht ist das in fünf Jahren ein richtig gutes Spiel ? …kann natürlich auch sein dass „weisste noch, Destiny“ in fünf Jahren nur noch für ratloses Schulterzucken sorgt.

    Moderne Spiele werden nicht mehr veröffentlicht.

    Sie werden hochgefahren.

    Das ist ein langsamer, laaangsamer Prozess wie bei einem uralt- PC und bis das Teil richtig auf Touren kommt können schon Monate bis Jahre vergehen. Wenn es aber richtig rund läuft, alle nötigen Teile eingesetzt sind und Preis seine Schrumpfkur beendet hat…starren die jungen, ungeduldigen schon alle auf den nächsten „Hochfahrer“ und haben „das alte Ding“ schon halb vergessen.

    Das ist das spezielle an den senior gamern: wir haben die Geduld zu warten und damit bessere Aussichten ein fertiges, gereiftes Spiel zu spielen und keine Pre-Alphas mit Zukaufoptionen.

    Auch wenn wir dafür gelegentlich von den (eigenen ?) Kids „was willstn mit dem alten Scheiß“ anhören müssen.

    Denn senior gamer sind auch langmütig.
    Und unsere Spiele sind sowieso way better als dein notgeiles Turbografikgehampel, du planloses A*&%$…

  26. shenmue sagt:

    Nuja, crash hin oder her, wenn EA-Spiele nun keiner mehr spielt und sie pleite gehen, dann merken es ja nicht viele, vergleichbar mit der philosophishen Frage: Wenn im Wald ein Baum umkippt und keiner kriegt es mit, ist der Baum dann umgefallen?

    Den crash der deutschen/europäischen/japanischen Elektronikkonzerne hat ja auch niemand wahrgenommen. Grundig, Loewe, Elektronik-Sparte von Siemens etc., waren/sind am Ende, werden gekauft und im besten Fall wird nicht nur knowhow rausgezogen, sondern unter dem gleichen Namen minderwertige Produkte angeboten. Oder die restlichen Firmen müssen kooperieren (Japan) damit sie nicht untergehen.

    Hab neulich gelesen das Samsung, legt mich nicht auf den genauen Zeitpunkt fest, ich glaube es war vor 10 oder 15 Jahren, mehr Gewinn gemacht hat als die sieben grössten japanischen Elektronikkonzerne zusammen!!! Diese 7 Firmen, darunter Sony, Panasonic, Hitachi, JVC waren jeweils Marktführer in den unterschiedlichsten Segmenten zehn Jahre vorher.
    Das nenne ich mal crash.
    Hat aber dank Samsung und Co niemand mitbekommen.

    Ich behaupte daher mal, selbst wenn EA, Acc/Blizz crashen, ist das Interesse daran so gering und die alternativen so zahlreich, das es, zurecht, niemanden interessiert der sich ernsthaft mit Games beschäftigt. Welcher se(nio)riöse Gamer interessiert sich noch für deren Spiele?
    Außer natürlich die Investoren und die Magazine die sich neue Märkte/Werbekunden an Land ziehen müssen.

  27. shenmue sagt:

    Wenn jetzt jemand sagt, Sony und Co gibt es ja noch, also kein crash:

    Die haben nur mithilfe von Investoren, massiven Krediten und Zusammenschlüssen überlebt.
    Ohne Hilfe von außen würde es keine dieser Firmen mehr geben.

  28. Harzzach sagt:

    Wer weiss, was gerade aus Destiny noch werden kann. Vielleicht ist das in fünf Jahren ein richtig gutes Spiel ?

    Ich weiß nicht, ob Bobby fünf Jahre Geduld hat. Bungie muss jetzt SCHNELL die Leute beeindrucken, ansonsten bleibt Destiny nur ein durch Marketing und Erwartungen hochgejazztes Einzelereignis, für welches sich schon in zwei Jahren nur noch wenige Leute interessieren. Man sieht ja an Titanfall, wie enorm schnell hier der Zuspruch schwindet. Und Titanfall kommt von keinem anderen als Ex-Infinity Ward, den Erschaffern von Call of Duty, sollte für EA eine ähnliche Dauer-Cash-Cow werden.

  29. Joe sagt:

    Traurigerweise ist der erste Punkt für viele einfach zu Anstrengend, der zweite zu Aufwändig und ein dritter fällt ihnen nicht ein.

    Wenn die Beschäftigung mit Videospielen „anstrengend“ und „aufwendig“ wird, dann erfüllen diese ihren Zweck nicht mehr: nämlich kurzweile Unterhaltung zwecks Entspannung anzubieten. Damit sind sie dann überflüssig.

    Gerade sehe, daß es ein neues „Humble Indie Bundle“ gibt:

    $171 worth of awesome games Get games valued at a total of up to $171

    Gone Home

    Daran ist nichts mehr Humble, noch Indie und um Games geht es auch nicht mehr. Clever ist auch der $10-Tier, mit dem sie den Durchschnittspreis hochtreiben. Es fiel mir nie leichter, dieses Bundle (und wahrscheinlich auch alle zukünftigen) auszulassen, und das obwohl seit dem ersten HiB dabei bin.

  30. shenmue sagt:

    @Joe

    Bitte nicht den momentanen Zustand als Status Quo betrachten.

    Im Umkehrschluss wären ja alle Spiele vor, sagen wir mal 2005/2006 zweckentfremdet.

    Meine ersten Spiele, angefangen mit Pong und dann eigentlich fast alles was es gab vom VC20 über Amiga bis PS4 (ein Moment der schwäche und Desillusion) waren dann zum Großteil zweckentfremdet und überflüssig?

    Die besten Spiele die ich je gespielt habe hatten keine blinkenden Items und Pfeile (Deus Ex:HR mal ausgenommen, aber da war es für mich akzeptabel integriert) die mich zwanghaft zum Ziel führen ohne dabei zu wissen warum und wofür ich jetzt dahin soll.
    Kennt noch jemand Seven Cities of Gold? Das war noch ein Spiel, dagegen ist Morrowind selbsterklärend. Hat aber ne Menge fun gemacht.

    Splinter Cell Conviction anyone? Ein Armutszeugnis des Spieledesigns.

    Der Mensch überlebt weil er anpassungsfähig ist, also sollte man, wenn man gute Spiele spielen will, sich soweit anpassen und diesen Mehraufwand akzeptieren, oder wirklich ruhig sein wenn das Spiel trotz Marketingversprechen und guter Wertungen Scheisse ist.

    Wie es um die Indieszene bestellt ist weißt du ja auch nicht aus der Bild oder von t-online.
    Neidische Hipster-Nerds, die auch ein großes stück vom Kuchen abhaben wollen und Apple trotzdem immer noch für cool und gegen den Strom halten, was für armselige Kreaturen!

    Ich zitiere mal von der Blogstartseite, stand da mal vor einer Weile unter Wahre Worte glaub ich, Harzzach kann es ja nochmal ausgraben:

    „Heute spielt jeder zwischen Schule und Fussballtraining Videospiele, und dementsprechend sehen sie auch mittlerweile aus.“

    Oder so ähnlich.

    Ich kann mich ja mit dem momentanen Zustand anfreunden und ihn weitestgehend akzeptieren, solange noch Sachen wie Wasteland2, Divinity: OS, Defense Grid2 usw. herauskommen.
    Für zwischendurch kann ich auch mal Watch Dogs oder D3/RoS ertragen,

    Aber ich akzeptiere es nicht, Sachen wie CoD, BF4, SimCity und die anderen Verdächtigen als der Videospieleweisheit letzter Schluss zu sehen, nur weil ein paar verwöhnte Teens zu blöd oder zu faul zum lesen sind.

    Aber so ist es nunmal in Zeiten, wo man auf einen Kaffeebecher „CAUTION!!! HOT INGREDIANTS“, schreiben muss,und auf ne Mikrowelle nen Aufkleber:“ ACHTUNG, NICHT ZUM TROCKNEN VON TIEREN GEEIGNET“
    kleben muss.

    Wie viele Planeten gibt es eigentlich da draussen? Und warum bin ich gerade hier gelandet?

  31. Enrico sagt:

    @shenmue:
    Auto ist vielleicht ein gutes Beispiel: Siehst du jemanden, der einen Shitstorm bei $Automarke veranstaltet, weil er in seinem Auto $Feature vermisst oder es einfach viel besser haben möchte?
    Nein, da geht man zu einem anderen Hersteller und sucht sich seinen Wagen dort.

    Dass du ein Auto gekauft hast, berechtigt dich nicht, dem Autohersteller vorzuschreiben, dass du aber keinen doofen Turbo haben wolltest, sondern einen schönen Hochdrehzahlsauger.
    Du gibst einfach dem Hersteller, der dir das bietet dein Geld.

    Der Vergleich mit der Beschaffung von Nahrung ist so finde ich nicht ganz treffend. ABer auch hier: startest du einen Aufstand in einem Restaurant, weil dir das Essen dort nciht gefällt? Nein, du gehst in ein anderes.

    Im Internet denkt aber jeder, der irgendwann mal ein Spiel gekauft hat, dem Entwickler vorschreiben zu müssen, was er zu tun und zu lassen hat.
    Im Sinne der Community Relations muss ein Studio das natürlich handeln können – da gebe ich Harzzach recht – aber jedem Polterer seine Bühne lassen? Ich weiss nicht so recht. (und mit Polterer meine ich nicht diejenigen die konstruktiv und auch mal aus der Sicht der Entwickler Argumente und Vorschläge bringen)

    Ich ignoriere einfach die Sachen, die mir nicht gefallen und mein Geldbeutel bleibt zu – so einfach ist das.

    Das hat auch nichts mit anspruchslosem Konsumvieh zu tun, im Gegenteil: durch den Anspruch entscheide ich, wer wieviel Geld von mir bekommt.

    Gruß
    Enrico.

  32. Harzzach sagt:

    Enrico: Schau mal in ein Auto-Forum, schau mal bei Vegetariern nach, bei Eishockey-Fans oder CB-Funkern … wo Menschen sind, wird aber einer gewissen Teilnehmerzahl geshitstormt. Wer sich vor Shitstorms schützen will oder wer das einfach nicht sehen will, der darf sich nicht an Orten aufhalten, wo viele Menschen sind. Und zu CoD und Co. … ja, ich muss es nicht kaufen, ich kann es ignorieren. Und seit dem ich durch Indies die lange vermisste Vielfalt im Angebot wiederhabe, muss ich die Existenz von Spielen wie CoD und die kurzatmigen Entscheidungen der Majors nicht mehr laustark kritisieren. Weil sie nicht mehr das Angebot dominieren.

    Abgesehen davon …
    @Shenmue (welches ich auch mal irgendwann in ferner Zeit zumindest anspielen möchte):
    Man macht sich das Leben leichter, in dem man den Umstand akzeptiert, dass a) die Mutter der Idioten immer schwanger ist und b) die Menschen es trotzdem ganz schön weit gebracht haben. Trotz oder vielleicht sogar wegen all den Idioten, die da draussen rumlaufen. Denn wenn alle schlau und aufgeklärt und informiert und sich selbst und ihrer Umgebung und ihren Handlungen superbewusst wären … ich weiß nicht, ob ich in so einer Welt leben wollen würde. Vielleicht ist es besser sich sie nur als Ideal vorzustellen. Aber nicht als realisierte Wirklichkeit 🙂

  33. @ Harzzach

    Shenmue befindet sich in deinem PoS? Peinlich…

  34. onepiece sagt:

    @Enrico: Ich stimme Dir/Ihnen im Meisten zu.

    Letzten Endes entscheidet doch der „Markt“, bzw. halt die zahlenden Kunden, was produziert wird, bzw. genauer, was sich hält, eine Fortsetzung bekommt, etc.
    Wenn nunmal Spiele, die man selbst nicht mag, großen Zuspruch bekommen – sei es, weil sie von den Käufern wirklich gut gefunden werden, die Käufer dem (geschickten) Marketing auf den Leim gehen oder einfach „dumme“ Leute mit zu viel Geld da draußen rumlaufen – Es ändert nix daran, dass der Spieleentwickler die Kohle bekommt.
    Baut der aber Mist, die Spieler werden vorsichtiger, kaufen den Folgeteil nicht mehr ausm Blauen heraus, dann wird der „Mist“ eben eingestampft. Evtl. der Entwickler auch gleich mit.
    So bekommt dann wer anders die Möglichkeit, die Kohle, die nicht ausgegeben wurde, abzugreifen.

    Daher würde ich auch nur einen „Crash“ sehen, wenn es einen grundsätzlichen Rückzug in der Bereitschaft gäbe, keine Kohle mehr für Spiele an sich auszugeben (weil die Leute zu oft enttäuscht wurden, wie oben im Artikel angeführt).
    Das denke ich, trifft momentan aber kaum zu, weil es eben neben vielen sehr unsteten Entwicklern auch einige gibt, die mit ziemlich gleichbleibenden, vllt. mitunter langweilig erscheinenden Titeln, eine mehr oder weniger feste Basis haben, die dann aber auch mal was anderes neben diesen Titel kaufen könnte (wie Harzzach oben auch ausführte).

    Deswegen seh ich keine Krise oder so im Videospielmarkt, sondern wenn überhaupt mehr ein Übergangsprozess hin zu mehr Vielfalt und eben auch mehr Verantwortung/Aufwand für den Spieler.

  35. Harzzach sagt:

    Shenmue befindet sich in deinem PoS? Peinlich…

    Wenn ich schon nicht die Muße finde mir ne PS2 ins Wohnzimmer nicht nur zu stellen, sondern auch zu verwenden, wie soll ich dann die Muße finden mich mit einer Dreamcast zu beschäftigen? 😦

    Abgesehen davon, Shenmue enthält QTEs und das nicht wenig. Ich hasse QTEs, ich mag sie nicht. Von daher werde ich Shenmue höchstwahrscheinlich nur unter Protest durchspielen. Aber anspielen, dass will ich eines Tages schon.

  36. Enrico sagt:

    @onepiece: schön zusammengefasst! (Du ist hier im Netz für mich vollkommen in Ordnung! 🙂 )

    @Harzzach:
    Ja, was die Shitstorms angeht stimmt das wohl. Ich bin im Übrigen unter Anderem wegen der (du sagst es ja schon) leider etwas seltener gewordenen „rants“ über Publisher usw. hier – weil ich das gern lese, unterhaltsam finde und immer auch einen Kern Wahrheit wiederfinde. In diesem Sinne: Nur raus damit, wenn sich etwas anbietet. 😉

    Hier muss man aber wie ich finde zwischen Blogs (wo ich als Betreiber poltern kann, wie ich will) und Foren unterscheiden. Ich kann konstruktive Kritik, die nachvollziehbar argumentiert ist, ebenfalls verstehen. Was mir missfällt, sind die Ausmaße, die das manchmal annimmt.

    Unabhängig von Beispielen bei MWO oder Spielen im Allgmeinen fällt mir z.b. die Geschichte mit der an Löwen verfütterten Giraffe ein. Unglaublich, welche Experten auf einmal von überall herauskamen und meinten, sich dazu äußern zu müssen und die Geschichte derart aufzubauschen.
    Wo ich verstehen kann, dass jemand nachfragt, ob es da nicht andere Möglichkeiten gegeben hätte (konstruktive Kritik) kann ich nicht verstehen, wenn dem Leiter des Zoos persönliche Drohungen zugehen (Polterei ohne Sinn und Verstand)

    Das führt dazu, das man sich viel mehr mit den Polterern beschäftigt / beschäftigen muss, als denen, die berechtigte Fragen in einem konstruktiven Umfeld stellen.

    Gruß
    Enrico.

  37. shenmue sagt:

    Sicherlich helfen alle diese Leute den eigenen Kompass auszurichten, dazu muss es sowohl intelligente als auch weniger intelligente geben, sonst gäbe es auf der Skala ja kein Anfangs- und Endpunkt zwischen dem man sich einordnet.
    Trotzdem muss ich ja nicht mit allen daraus entstehenden Facetten/Produkten/Lebensweisen die solch eine Gemeinschaft hervorbringt konform gehen, geschweige denn zu erwarten das die Welt einmal so sein wird wie ich es gerne hätte. Mein Gott, wär das langweilig, oder awesome, keine Ahnung, werd ich wohl nie erfahren.
    Und wenn Spiele der großen Publisher jetzt kurz, repetetiv und anspruchslos sein müssen, ja mei, wems Spass macht.
    Ich finde es auch nicht ok das jeder überall sein Unmut überall posten und seine Kleingeistigkeit beweisen kann, aber wenn die Hersteller von dem ganzen Mist Foren zur Verfügung stellen und sie eine Plattform bieten, tja, bringt Qualität, dann lest ihr mehr Lobeshymnen und weniger shitstorm.
    Macht so weiter, und der shitstorm wird nicht aufhören die Lobeshymnen zu dominieren.

    Aber ich werde bestimmt nicht akzeptieren das solche Spiele die Krönung der Spieleprogrammierung darstellen sollen, jedenfalls solange es noch Alternativen gibt.
    Gibt es die nicht mehr, spiele ich halt nicht mehr.

    So einfach ist meine Welt.

    Ich möchte nicht wissen was los ist, wenn alle mitkriegen würden was in der Welt los ist!

    Da gebe ich Harzzach recht, in einer Welt in der Köpfe rollen will ich auch nicht leben 🙂

  38. Harzzach sagt:

    @Enrico:
    Ich weiß schon, was Du meinst. Hier in meinem kleinen Kuschelblog ist die Welt ja noch in Ordnung, aber ca. ein Viertel aller Postings, die ich z.b. auf 4P oder bei Golem oder heise, oder sonstwo im Netz schreibe, schicke ich nie ab. Weil ich angesichts der DUMMHEIT mancher meiner geschätzten Mitmenschen einfach nur willenlos schreien könnte. Nein, nicht weil sie eine andere Meinung haben … sondern weil sie nur DUMMEN ROTZ von sich geben.

    Dann poltere ich eine ätzende, zynische und ganz bewusst beleidigende Polemik zurück und … lösche dann meinen Text. Weil es das nicht wert ist, weil ich mich alleine nur durch das Schreiben und Formulieren, das Feilen an fiesen Formulierungen genügend abreagiert habe. Für Flamewars ist mir meine Zeit mittlerweile zu schade.

    *buddha-pose einnehm* *om mani padme hum* *in mir selbst ruh* *ein stück weit zumindest*

  39. Longbow sagt:

    Ja, wenn ich lese, was manche Leute so im Internet schreiben, würde ich mir auch wünschen, diese Kraft zu besitzen…

  40. AltaSack sagt:

    Als Sturgeon diese Weisheiten aussprach, wusste er nicht, dass es noch schlimmer werden würde.

    Ich würde gerne glauben, dass sich früher oder später die Lage wieder zum Guten ändert. Das Problem ist dabei, dass der Qualitätssturz der AAA-Games in den letzten Jahren durch den beschleunigten Zeitgeist verursacht wurde, der unsere gesamte Kultur ausbluten lässt und dem am Ende auch die ganzen Indie-Klitschen unterliegen. Die Schwemme der Indiegames spricht eine genauso klare Sprache, wie die Stromlinienförmigkeit der Blockbustertitel. Nur ganz wenige Titel wollen wirklich den nächsten Schritt machen und sich weiterentwickeln.

    Wäre der Indie-Sektor die Hoffnung, den so viele Gamer darin sehen wollen, hätte es in den letzten Jahren weit mehr als nur ein paar respektable Titel (wie Limbo, Brothers o.ä.) geben müssen. Bisher bedeutet Indie häufig das Wiederkäuen bekannter Konzepte, die mal gut gelaufen sind, fragwürdige Experimente mit Narration, die schlecht ins Spiel eingebaut wurde oder Eso-Quark für Leute mit Jutebeuteln.

    Es ist nicht innovativ, alte Konzepte wiederzubeleben, die irgendwann mal als fortschrittlich gegolten haben. Es ist nichts Gutes an Pixelgrafik, die doch nur Nostalgie verkaufen soll. Ich habe mein ganzes verfluchtes Leben mit Spielen verbracht. Ich bin mit ihnen aufgewachsen, habe mich weiterentwickelt, bin gereift, aber die Spiele sind so um die Jahrtausendwende stehengeblieben. Ich will Spiele, die eines erwachsenen Gamers würdig sind und das tun weder die großen Titel, die nur noch Geld akkumulieren sollen, noch die ganzen verklärten Retrospielchen, die mir vorgaukeln, wie toll Spiele früher mal waren.

    Über Kickstarter bekommst du auch nur Klone alter Perlen in Isografik oder Pixellook und Mechaniken aus dem letzten Jahrtausend. Niemand versucht mal, Rollenspiele zu machen, in denen nicht Stärke für Schaden, Intelligenz für Zauber da sind, etc.. Keiner baut mal ein Spiel, das auf soziale Kompetenzen setzt, indem man Konflikte ausschließlich gewaltfrei bereinigt und eine Geschichte erzählt, die ohne Kampf, Krieg etc. auskommt. Alles immer nur derselbe Mist, den es bereits seit der Homecomputerzeit gibt. Bewährtes halt.

    Da ist keine Weiterentwicklung und man möge mir bitte nicht mit den ganzen sozialkritisch angehauchten Experimenten für esoterisch „erhellte“ Gemüter mit verkappten Neurosen kommen, die dem Mittdreißiger als Entschuldigung für seine vermeintlich infantilen Hobbys herhalten müssen. Spiele sind zudem interaktiv und diesen Vorteil spielen gerade diese modernen Indiespiele mit ihrer aufgesetzten Erzählstruktur nicht aus, die mich stundenlang auf Schnitzeljagt schicken, um Papierfragmente zu sammeln, die mir eine ganz töffte Geschichte erzählen. Das ist Hipsterscheiße.

    Klingt alles ganz schön pessimistisch, ich weiß. Es ist auch nicht so, dass ich jetzt aufhören werde, zu Zocken, denn es gibt tatsächlich noch immer ein paar gute Spiele und in den ersten beiden Souls Games habe ich sehr spät die besten Spiele meiner Vita gesamten gefunden. Dass es irgendwann gar keine guten Spiele mehr geben wird, ist wohl nicht zu befürchten. Nur habe ich in den letzten Jahren immer weniger Spiele erworben und auch keinen Stapel der Schande angehäuft, der aus Klonen guter Klassiker besteht. Ich begnügte mich eben damit, diese guten Klassiker (wie Anachronox, System Shock 2, KotoR etc) nochmal zu zocken, wenn es keine guten neuen gab und das hat mich voll und ganz befriedigt.

    Insgesamt ist der Zustand, in dem sich mein ältestes Hobby befindet, eher desolat und der neoliberale Zeitgeist verheißt auch keine absehbaren goldenen Zeiten. Dieses Jahr habe ich mit nur einem neuen Spiel (Dark Souls 2 – eine kleine Enttäuschung, auch wenn es dennoch ein gutes Game ist) mein bisheriges Minimum erreicht.

    Ich würde Sturgeons Law umschreiben, denn der Crap-Anteil ist inflationär und steigt unentwegt, solange der Turbokapitalismus weiter das Zepter schwingt.

  41. Joe sagt:

    Ich würde Sturgeons Law umschreiben, denn der Crap-Anteil ist inflationär und steigt unentwegt, solange der Turbokapitalismus weiter das Zepter schwingt.

    Es wurde ja allerorts der Wegfall der Gatekeeper bejubelt. Und oh Wunder, kaum sind die weg, steht man in einem Sturm aus Scheiße. 😉

    Wie bereits erwähnt erinnert mich das an die große Shareware-Flut der 1990er. BBS-Downloads und CD-ROMs machten die Verbreitung selbstgeschriebener Software von Hobbyisten so einfach wie nie. Das Resultat: Eine gigantische Schrottschwemme mit frechen Preisschildern ergoß sich über die Welt der PC-Software. Mit den App Stores wiederholte sich das Gleiche exakt nochmal bei den mobilen Plattformen. Und nun eben „Indiegames“ im Grünlichtviertel bei Steam…

  42. onepiece sagt:

    Also ich kann nicht nachvollziehen, warum ihr alle so schlimme Ängste bzgl. der „Indiegames“ habt.

    Es zwingt euch doch keiner, auch nur eines davon zu spielen/zu kaufen.

    Gerade dadurch, dass es jetzt so viele Spiele gibt, ist doch die Chance, dass da mal was dabei ist, was einem gefällt, doch ungleich größer.

    Sicher sind davon 90% vllt. sogar 99% Müll.
    Kann ja gut sein.
    Die „paar“ guten Ideen/Spiele, die sich dann durchkämpfen und deren Entwickler tolle Sachen leisten, kommen dann halt in den kommenden Jahren größer raus. Und deren Entwickler machen weiter gute Spiele, die Leute kaufen wollen.

    Das Problem ist doch, wenn überhaupt, dass viele Leute einen anderen Geschmack haben als man selbst.
    Ich persönlich kann z.b. 0 mit Spielen wie die Sims anfangen. Eine Menge Leute finden das aber klasse und kaufen sich jetzt sogar die 4. Version.
    Da geht dann Geld hin, was doch in soooooooooo viel bessere Titel fließen könnte 😉

    Aber so ist das halt im pöhsen „Turbokapitalismus“, der Käufer entscheidet 😉

  43. Das Alien sagt:

    @ AltaSack

    Danke, endlich sagt das mal jemand (außer mir)! Allerorten wird gemeckert, wenn die Majors werbetechnisch auf den Putz hauen und die Benutzung des Wortes „Hype“ kommt einer Stigmatisierung gleich, gerechtfertigt oder nicht. Aber wenn ich mir die Großzahl der Indiespiele ansehe, die in den letzten Jahren so über den grünen Klee gelobt wurden, dann fällt mir auch kein anderes Wort als „Hype“ ein. Nur, dass der Hype hier eben zu großen Teilen von der Gemeinschaft der Spieler selber stammt und ohne riesige Geldsummen produziert wird. Und genau wie bei den einschlägigen Titeln der Majors steckt oft genug nicht mehr hinter der ganzen Aufregung als jede Menge heiße Luft.

    Und oft genug beschränkt sich, wie AltaSack das schon beschrieben hat, die Innovation auch nur auf das Kosmetische. 16-bit Grafik, OH, AH! Wie toll! Während mir das ganze Pseudo-Retro-Gedöhns bis Oberkante Unterlippe steht und ich bei vielen dieser Exemplare auch keine bessere oder innovativere Spielmechanik sehe. Und dass sich auch unabhängige Spieleentwickler dem Kunden gegenüber wie ein größenwahnsinniger Westentaschendespot benehmen können, ist ja nun spätestens seit Fez und Phil Fish auch nichts Neues mehr. (Na gut, vielleicht ist der Typ auch schlichtweg irre.)

    Jedenfalls ist es fast schon witzig, wie hier so mancher ungeniert mit zweierlei Maß misst ohne auch nur im Ansatz darüber nachzudenken, ob die Hype-Kultur nicht vielleicht doch schon längst auch in der Indie-Szene angekommen ist, nicht zuletzt dank des eigenen Zutuns.

  44. Joe sagt:

    Die “paar” guten Ideen/Spiele, die sich dann durchkämpfen und deren Entwickler tolle Sachen leisten, kommen dann halt in den kommenden Jahren größer raus.

    Nein, „groß raus“ kommen diejenigen, die sich durch die Review-Seiten hochschlafen, wir wie inzwischen wissen. Es gibt keien zuverlässige Metrik mehr.

  45. shenmue sagt:

    Welche Innovationen sollen denn noch kommen? Die PC-Masterrace geilt sich an 4k-Auflösung, 60fps und ein paar visuellen Effekten auf. Ob die Spiele jetzt dadurch innovativer gegenüber den Konsolengames sind muss jeder selber entscheiden. Neue Spielmechaniken wird es so schnell nicht geben, vielleicht ein paar Immersion-Innovationen hier, ein bischen geil animiertes Wasser und Haare auf Köpfen oder Tieren da.
    Aber was soll da noch kommen?
    Sicher, dem Luibl Jörg würde es reichen, wenn er beim Echtzeit-Strategiespiel einen Anruf der NPC-Mutter kriegt und Sie Ihm mitteilt, das durch seine Kriegstreiberei der Feind vor den Toren Ihrer Stadt steht und er dadurch schuld am tot von allen Freunden, Verwandten, Bekannten und auch sonst an allem ist, und er überlegen sollte ob er nicht lieber aufhört.
    Oder ob er in einer rasenden Vendetta nun die ganze Welt zerstören will. Drücke [1] für Frieden
    Drücke [2] für Armageddon.
    Mir würde eine gute Story reichen, habe mich damals auch durch Alpha Protocol gequält.
    War nich immer einfach, aber wollte schon wissen wie die Story endet.

    ps: Ocolus Rift hab ich für mich persönlich abgeschrieben. Hier liegt die Innovation meiner Meinung nach nur in der Visualisierung, aber ein Rennspiel wird dadurch nicht anders, geschweige denn besser, nur weil ich Rundumsicht habe und aus dem virtuellen Fenster direkt ins Wohnzimmer kotzen kann.
    Aber bestimmt geile Immersion so mit direkt in die Wohnung reihern und so.

  46. AltaSack sagt:

    @onepiece
    Angst vor Indiegames hat doch auch niemand. Sie sind nur nicht das allerorten beschworene Gegengewicht, das den Karren aus dem Dreck ziehen wird, in den die Industrie ihn gelenkt hat. Zumindest sehe ich nicht, wie Schnöselspielchen und Retro um der Pixeloptik willen irgendeinen Ausweg aus der Misere bieten. Manche Indies sind zwar mal eine nette Abwechslung für die paar Stunden, die sie dauern, aber mehr als das kann ich darin nicht entdecken.

    „viele Leute [haben] einen anderen Geschmack […], als man selbst.“ „…der Käufer entscheidet“

    Im Prinzip ja. Diese verschiedenen Geschmäcker müssten zu einer größeren Diversität und damit zu einer bunten Palette an unterschiedlichen Spielen führen. Theoretisch. Aber nicht im Beschleunigten Kapitalismus, wo nur die umsatzstärksten Genres und die beliebtesten Franchises zählen. Das ist das Prinzip der Gewinnmaximierung. Nur das, was die höchsten Gewinne erzielt und die größte Kaufkraft anspricht, zählt. Der Kunde wird von der Industrie nur noch bedient, wenn eine gewisse Kauf-Masse erzeugt wird. Dadurch lenkt er nur noch den Mainstream in bestimmte Richtung und Nischen bleiben brach liegen. Der Kunde bestimmt somit nicht die Angebotsvielfalt, sondern nur noch Richtung und Masse des Angebots, ergo das Ausmaß der Monotonie.

    Das Mittelfeld bricht hier komplett weg, weil die die Industrie nur noch Mainstream macht und Indies zwar bestimmte Nischen bedienen, aber diese ganz weit weg sind von dem, was gereifte Zocker wie meine Wenigkeit sich wünschen würden. Dazwischen klafft eine riesige Lücke. Du bekommst entweder stromlinienförmigen, weichgespülten Mainstream, oder musst dich mit spielerisch aufbereiteter Kunst befassen und dir die ludische Metaebene erdaddeln. Der Rest ist, wie ich in meinem ersten Post bereits beklagte, alter Wein in neuen Schläuchen.

    @Alien
    Hype ist ja eine künstlich erzeugte Erwartungshaltung, der die Realität dann oft nicht gerecht wird. So gesehen, hast du vielleicht sogar irgendwie recht mit dem „Indie-Hype“. Allerdings kommt diese Euphorische Haltung in diesem Fall ja nicht von außen, sondern entspringt dem Glauben der Spieler an die vermeintlich heilsame Kraft der Indie-Szene.
    Diese Indie-Gläubigkeit entspringt also nicht den üblichen falschen Versprechen und irreführenden Behauptungen der Hersteller, die dann in Kombination mit der Erwartungshaltung des Hype-Opfers zum Selbstläufer werden, sondern die eigene Hoffnung ist hier eher der Auslöser. Woraus sich diese speist, ist mir allerdings wieder ein Rätsel.

    @Shenmue
    Wenn ich Innovation suche, meine ich damit keine experimentellen Konzepte, komplett neue Wege oder soziale Feldversuche. Das geht zwar alles soweit in Ordnung und bereichert das Hobby, aber es ist nicht das, wonach ich als alter Zocker suche. Innovation muss nicht via Quantensprung stattfinden, sondern kann auch kontinuierliche Weiterentwicklung heißen.

    Mir fehlen da Spiele die annähernd den Umfang von AAA-Titel haben, die auf Hochglanzgrafik verzichten und stattdessen die Komplexität der wegweisenden Klassiker weiterführen und ausbauen. Spiele, die tolle Geschichten mit den Möglichkeiten der Interaktion erzählen, ohne Zwischensequenzen und ohne Schnickschnack. Keine übergroßen Open-World-Sandkästen mit tausend kurzweiligen Beschäftigungsmöglichkeiten für ein ADS-gestörtes Publikum, sondern eine einigermaßen große, nicht zu offene Welt in der Nebenschauplätze und kleinere Aufgaben nicht den Umfang aufblasen, sondern Sinn machen. Statt hunderter generischer Items, Waffen und Rüstungen, die per Zufallsgenerator in der Welt verteilt werden, lieber ein oder zwei Dutzend einzigartige (nicht nur so betitelte) an handverlesenen Stellen. Aufgeben mit Wiedererkennungswert, statt strunzdummer Dienstbotengänge. Eben einfach Klasse statt Masse. Die Spiele sollen einfach da weitermachen, wo man um die Jahrtausendwende stehengeblieben ist.
    Jetzt noch die Spieltiefe verbessern, die Komplexität intensivieren, bestehende Ideen erweitern und ausbauen.

    Solche Spiele gibt es so gut wie gar nicht, weil sie weder Hip noch außerordentlich Gewinnträchtig sind. Zudem sind sie zu komplex für Casuals, zu lang für Gelegenheitsspieler, zu teuer und aufwendig im Hinblick auf die zu erwartenden Erträge für die Industrie, zu groß für viele Indie-Entwickler.

    Zu deinem letzten Absatz. Auch wenn der Oculus jetzt nur noch das virtuelle Fenster in die Timeline der sozial-Vernetzten ist, glaube ich, dass diese Technologie das Potenzial hat, dem geschändeten Terminus Next-Gen zu neuer Würde zu verhelfen. Denn seit dem Sprung in die dritte Dimension ist nie wieder etwas passiert, was den inflationären Einsatz dieses Begriffs gerechtfertigt hätte.

    „…aus dem virtuellen Fenster direkt ins Wohnzimmer kotzen…“ – wunderbar beschrieben! Dafür bekämst du einen Platz in meinem abendlichen Gebet, wenn ich denn beten würde.

  47. shenmue sagt:

    @AltaSack

    Was bedeutet denn NextGen konkret?
    Höre das Wort (is das überhaupt ein offizielles Wort?) eigentlich nur beruflich und in der Spielebranche.
    Hat irgendein Hersteller von Autos mal mit NextGen geworben?
    Den Begriff gibt es doch nur in bestimmten Bereichen, und dementsprechend wird eine Evolutionsstufe suggeriert, die nur Marketingtechnisch relevant ist und Erwartungen schürt die nicht zu erfüllen sind.
    Für mich habe ich NextGen mit: wird alles einfacher, schneller, besser und so definiert.
    Beruflich ist genau das Gegenteil eingetreten, es ist alles komplizierter, unübersichtlicher, komplexer und keiner hat mehr den Durchblick. Wenn ich das Wort (Fach-)Experte höre, könnt ich in allen Regenbogenfarben kotzen, nur powerpoint und excel scroller mit null Praxiserfahrung, dafür mit Visionen.
    Das gleiche gilt für so nen Schukarton vorm Kopp.
    Sieht für Aussenstehende bestimmt witzig aus, aber für mich nicht NextGen.
    Warum kreise ich mich nicht mit Monitoren ein, is doch das selbe, nur das ich dann höchstwahrscheinlich keine Einrichtung im Wert von 100€/Monat zerstöre weil ich meine Umwelt nicht mehr wahrnehme. So hat man die Mehrkosten für die Monitore nach nem Jahr wieder raus.

    Und wenn es so weiter geht sollte man besser anfangen zu beten, schlimmer wirds dadurch bestimmt nicht.

    …..und lasse mich bitte nicht einschlafen mit der Rift uffm Kopp, denn die Krankenkasse zahlt dafür nicht
    …. und vergib mir meine Dioptrien, so wie ich dir vergebe den Brechreiz beim spielen

    …und gesegnet sei dein Update

    Download!!

  48. AltaSack sagt:

    @ shenmue
    Du hast mit allem Recht. Dieser Begriff ist völlig überstrapaziert und im Hinblick auf die Technik, auf die man ihn seit Jahren zu quetschen versucht, genauso unpassend wie das Hawaiihemd zur Beerdigung. Seit Theresa Orlowskys Zeiten war wahrscheinlich nichts auf der Welt mehr so wundgescheuert wie dieser Terminus.

    Und gerade deshalb passt meine Assoziation dieses Wortes mit der VR-Brille ja. Das wird die nächste Generation, eine neue Ebene des Zockens. Das Holodeck 0.1, nur eben noch mit Stützrädern. Es braucht auch wohl noch ein Weilchen, bis das ausgereift ist, aber es wird das Zocken revolutionieren.

    Die Hersteller von Mitteln gegen die Reisekrankheit werden ebenso jubeln – wenn das mal nicht sogar „Enhanced Gaming“ ist. Da haben praktisch alle was davon 😉

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