Wohin geht die Reise

Heute vor 2757 Tagen erschien das erste Posting auf „Senior Gamer“, damals noch unter Googles Blogger-Dienst. Einst motiviert durch all die Scheisse und all den Dreck in der Spielebranche, der mich beinahe dazu brachte mein Lieblingshobby an den Nagel zu hängen, selbigen Frust, Wut und Ärger schreibenderweise rauszulassen, anstatt weiter in mich hineinzufressen, so führe ich dieses Blog immer noch, obwohl der Frust und die Wut und der Ärger längst gewichen sind.

Ich hatte die Möglichkeit dieses Blog hier zu professionalisieren, ich hatte die Möglichkeit mich an einem professionellen Multiautoren-Blog zu beteiligen. Doch wenn es um mein Lieblingshobby geht, tauge ich nicht zum professionellen Arbeiten. Entweder leide ich unter Schreibblockade, weil ich ständig die Schere im Kopf ansetze oder mich widert mein Geschreibsel an, weil es mir blutleer, fade und feige vorkommt. Weil es nicht von Herzen kommt. Weil ich in solchen Fällen nicht schreibe, weil ich SCHREIBEN muss, sondern weil ich schreiben MUSS.

Beruflich befülle ich unter anderem Blogs. Zum Teil täglich. Redaktionelle Arbeiten rund um Text und Textbebilderung, Recherche und auch das Verfassen von Werbetexten sind Alltagsgeschäft. Wenn ich wollte, könnte ich aus diesem Blog ein nettes Nebengewerbe machen. Aber das geht nicht. Ich kann es nicht. Selbst wenn ich rein rational durch und durch wollen würde. Emotional sperrt sich in mir alles gegen diesen Gedanken. Nicht aus Prinzip, weil ich ein sozialromantischer Kommerz-Hasser bin, sondern weil es hier um mein Lieblingshobby geht, dem ich aber emotional so stark verbunden bin, dass ich nicht genug Distanz schaffen kann, um professionell genug sein zu können. Und Bock auf halblebiges Gewurschtel habe ich nicht. Das erlebe ich zu oft im Job, das will ich mir hier nicht geben, wenn ich diesen Weg beschreiten würde.

Von daher … ich weiß nicht, wohin die Reise mit diesem Blog geht. Ich weiß nur, dass es weiter gehen wird so lange ich lebe und so lange es Strom, Internet-Anschluß und Videospiele geben wird. Also noch eine ganze Weile, kein Grund für vorzeitigen Jubel! 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Intern.

19 Kommentare zu “Wohin geht die Reise

  1. Frank sagt:

    Beim Lesen des ersten Absatzes hab ich schon fast einen Schreck bekommen, dachte Du wolltest aufhören. Dein Blog ist der einzige Blog, der mich aus der Hypezeit des Bloggens noch immer begleitet. Und auch wenn Du teils recht unregelmäßig schreibst, finde ich deine Beiträge IMMER interessant, egal ob mich das Thema grad interessiert oder nicht.

    Auch wenn ich mit 31 immer noch nicht zu den Senioren zähle, bin ich doch schon ein Stück reifer in vielerlei Hinsicht geworden seit ich mit 23 angefangen hab hier zu lesen. Das mag jetzt vielleicht schwulstig klingen, aber viele – vor allem – politische und wirtschafltiche Dinge im kleinen Kosmos der Videospiele lassen sich auch auf die „große“ Welt projizieren. Und da fand ich als kleiner Bub deine Kommentare oft erhellend.

    Mach weiter so!!!

    Und btw. ich glaube, solange Du deine eigene unbeeinflusste Meinung behälst (Dein Markenzeichen), hat sicherlich niemand was dagegen wenn Du dir das ein oder anderen Goodie aus dem Blog ziehst.

    Gruß
    Frank

  2. Harzzach sagt:

    Danke! 🙂

    Ich habe natürlich GAR NICHTS gegen Geschenke, aber Geschenk ist nicht gleich Geschenk. Manchmal stecken die alten Danaer dahinter. Bei manchen Geschenken musste ich schon überlegen, ob ich sie annehme und im Zusammenhang mit diesem Blog habe ich schon eines abgelehnt. Wobei ich dem Schenkenden nichts unterstellen will, doch manchmal passt es einfach nicht. Aber seitdem ich nicht mehr so regelmäßig poste, sind auch die Besucherzahlen etwas gefallen und das Blog taucht nicht mehr so häufig prominent in irgendwelchen Statistiken auf. Was dazu führt, dass mich weniger solcher Anfragen erreichen.

  3. Boreas sagt:

    Erfreue mich auch über jeden Blogeintrag von dir. Aber hast du irgendwo eine Sammlung deiner ganzen gelinkten Musik? Ich finde nämlich so einiges in den vielen Einträgen einfach nicht wieder, was bei den tollen Stücken eine Schande ist. Ich habe nämlich schon den ganzen Abend das Gefühl dass du schonmal etwas ähnliches wie den Soundtrack von Spacebase gelinkt hattest, was mir gefallen hat.
    Aber irgendwie ist das wohl bei mir untergegangen.

  4. Anonymous sagt:

    Schönes Resümee.
    Ich lese deinen Blog seit ungefähr 2 Jahren, und finde immer wieder Parallelen zu meiner eigenen Wahrnehmung der vor sich hin pervertierenden Spieleindustrie.
    Nächstes Jahr werde ich 50, was mich durchaus in die Riege der alten Säcke hievt.
    Auch wenn ich kein Spiel auch nur annährend durchzuspielen vermag ( bei Wolfenstein NO hab ich zumindest den Endgegner kurz gesehen, gepackt von einer geradezu nostalgischen Begeisterung für diese Perle von FPS ) versuche ich doch im Blick zu behalten, wie sich dieser Zweig Popkultur so entwickelt.
    Dein Blog hat mich schon auf einige Interessante Spiele (-news) aufmerksam gemacht.

    Auf die nächsten 2757 Tage oder bis ins Jahr 2757, ich mach ein Flens für dich auf…

    Plopp!

  5. Harzzach sagt:

    @Boreas:
    Wenn ich in einem Beitrag einen Soundtrack erwähne und verlinke, nehme ich normalerweise zusätzlich den Audio-Tag, aber manchmal vergesse ich das und die Links in den Comments sind dummerweise ungetagged.

    @50: Prost und Danke!

  6. arillo sagt:

    Auch ich kann mich mit meinen 27 Jahren zumindest auf dem Personalausweis nicht zu den hier schon vom Titel angesprochenen fossilen Spielern zählen, fühle mich aber dennoch emotional verbunden und zugehörig.

    Ich habe meinen ersten Gameboy heimlich mit 13 Jahren gekauft, etwa um die Zeit herum, als meine weitestgehend alleinerziehende Mutter endlich klein beigegeben und dem Einzug eines von meinem Vater gesponsorten Medion-PCs in unseren etwas alternativ angehauchten und zeitweise sogar fernsehlosen Haushalt zugestimmt hat.
    Seitdem habe ich vielleicht etwas zuviel Zeit mit diesem und folgenden Modellen verbracht.

    Schluss mit dem Geschwafel. Ich lese deinen Blog auch erst seit etwa anderthalb oder zwei Jahren, schaue aber seitdem für gewöhnlich täglich, zumindest aber mehrmals wöchentlich vorbei. Danke für diese Bastion des klugen und differenzierten Befassens mit, und der vielseitigen Bereicherung deiner, unserer Spielkultur.

  7. Bravo sagt:

    Es freut mich außerordentlich das zu hören. Tatsächlich habe ich mir erst kürzlich Gedanken darüber gemacht, daß du nun schon so geraume Zeit eine Konstante in meinem Bookmarksordner darstellst, und ich immer wieder gerne vorbeischaue.
    Daß dir dieses Blog eine Herzensangelegenheit ist merkt man gerade als langjähriger Leser, und es stimmt mich immer auch ein wenig zufrieden und glücklich, wenn ein noch älterer Sack als ich die Lust und Laune am Spiel einfach nicht gänzlich verlieren will.

    In diesem Sinne, auf viele weitere zufriedene (und manchmal auch unzufriedene) spielende und schreibende Jahre.

  8. Herb sagt:

    Gute Entscheidung, Dein Hobby als solches zu behalten und keinen Beruf daraus zu machen. Ich hab vor vielen Jahren den Fehler gemacht, aus meinem Hobby einen Beruf zu machen, und mittlerweile bereue ich das sehr. Ich hab einfach nach zehn Stunden Arbeit keine grosse Lust mehr, in meiner Freizeit noch mal was ähnliches zu machen…

  9. Anonymous sagt:

    Wer hat den Big Mac bestellt?

  10. askies sagt:

    Einen Toast an dieser Stelle auf Harzzach und seine schön geschriebenen Texte, die einen bei allem was bei unserem schönen Hobby so schiefgeht, noch lachen lassen. 🙂

  11. AltaSack sagt:

    Lass dich auch weiterhin nicht verbiegen. Wer sich von der Industrie kaufen lässt, wird nämlich im nächsten (virtuellen) Leben ein NPC. Jahr für Jahr für Jahr wird eine solche Seele in beschissenen AAA-Games mit einem Fragezeichen über dem Kopf wiedererpixeln und Spielern mit generischen Hol- und Bring-Aufgaben das Questlog zumüllen.

    Entschuldigung für den Spoiler, aber genau das ist es, was Zocker in der Hölle erwartet ;-).

    Stichwort Hobby/Beruf. Jetzt mal im Ernst, Arbeit ist, in der Form, wie wir sie kennen, wirklich immer Scheiße. Der Mensch ist nicht für die tägliche, stundenlange Arbeit gemacht und in seiner natürlichen, sprich nicht gesellschaftlich degenerierten Form, würde ein Mensch vielleicht zwei, maximal drei Stunden am Tag mit der Nahrungssuche verbringen und den Rest der Zeit der Muße, dem Schlaf und den körperlichen Belangen widmen.

    Muße ist wichtig, damit die Seele atmen kann.

    Wer sein Hobby dem Beruf als Opfergabe reicht, wer also so kurzsichtig ist, in einer Gesellschaft, die einen zwingt, acht Stunden des Tages (und oft mehr) zu arbeiten, das einzige, was ihm Seelenheil verspricht, dadurch zerstört, dass er sich nicht nur total daran übersättigt, sondern sich auch durch den Arbeits-Zwang den Spaß daran nachhaltig versaut, muss sich natürlich nicht wundern, wenn er dann doppelt unglücklich ist. Denn die Arbeit bleibt Scheiße, das ist ihr Naturell. Das kann nur unglücklich machen. Der Weg Zum inneren Ausgleich ist jetzt aber auch verbaut. Zum Glück gibt es nicht nur ein Hobby, sonst wären all die Menschen, die diesen Fehler gemacht haben, wirklich verloren.

    Wer also glaubt, mit Games arbeiten zu wollen, nur weil er in seiner Freizeit auch schon mal 10 Stunden zockt, der sollte sich einfach mal die Frage stellen, wie geil es wäre, wenn man ihn fortan morgens um 6 weckt, damit er direkt zehn Stunden CoD spielen kann oder irgendein Handygame. Nach spätestens zwei Wochen rechne ich bereits mit großem Frust. Dieses Gefühl jetzt einfach nur noch auf 40 Jahre hochrechnen und man hat seine Antwort.

    Die Freiheit, darüber zu entscheiden, wann man sich einer Sache widmet und wann nicht, macht doch einen gravierenden Unterschied. Ich kann acht Stunden zocken, wenn mir danach ist, vielleicht sogar zwölf, wenn ich will. Alles kein Problem, solange ich Start- und End-Punkt festlege. Auch ein halbes Jahr Abstinenz wäre möglich. Ich selbst spiele phasenweise täglich und auch lange, fasse dann aber auch mitunter Wochenlang kein Spiel an. Diese Freiheit hat im Beruf niemand.

    Jetzt ist gut, sonst schreibe hier noch einen Roman.

    Mach weiter so, du bist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.

  12. Harzzach sagt:

    Das Wort zum Sonntag am Sonntag. Passt!

    Zum Thema Hobby & Beruf: Das kann man schon vereinen, wenn man die Rahmenbedingungen des Berufes größtenteils selber kontrollieren kann. Wenn die Tätigkeit, die man hier ausübt auch tatsächlich die Tätigkeit ist, die man ausüben möchte.

    Wenn das nicht übereinstimmt, passiert das, was Du beschrieben hast und was ich von einem Bekannten höre, der bei Crytek beschäftigt ist. Er zockt so gut wie nicht mehr privat. Wenn er nicht arbeitet, meidet er das Thema Zocken so weiträumig wie nur möglich. Zocken ist für ihn ein Beruf geworden, mit dem er in seiner Freizeit nichts mehr am Hut haben möchte.

  13. Andreas sagt:

    Nur kurz: Dein Blog hat mein Leben verändert. Der Ausdruck „Pile of Shame“ ist nun fest in meinem Wortschatz verankert.

    Aber dennoch will auch ich „neue“ Spiele spielen, doch dabei habe ich das verm. altersbedingte Problem, dass ich keine nur-Download-Spiele kaufen will, denn ich brauche was fürs Regal! Leider zerbröselt der PC-Retail-Markt, wie Du erst letztens berichtetest. Also werden von mir übersehene Perlen für mich immer wichtiger und auch da hast Du immer wieder geholfen, letztens erst wieder mit Anachronox.

    Und ich glaube, Du warst auch derjenige, der mich auf Legend of Grimrock aufmerksam machte, mein erstes nur-Download-Spiel.

    Also bitte: weiter so, Du wirst gebraucht.

  14. DaBrain sagt:

    Puh, ich dachte erstmal echt, dass du dich gerade verabschieden möchtest – glück gehabt.

    Ich glaube ich bin schon seit ca. ende 2007 treuer Leser deines Blogs. Seit dem hat sich viel für mich geändert, ich sehe viele Dinge anders – man wird wohl älter 😉 . Was in der Zeit aber konstant geblieben ist, sind meine Besuche in deinem Blog. Und ich würde mich freuen, wenn dies auch noch eine ganze Weile so bleibt.

    Sehr gerne lese ich hier immer wieder deine kritischen oder spassigen Beiträge zu unser aller liebsten Hobby, die mich immer unterhalten und zum Nachdenken / Diskutieren angeregt haben. Allerdings – Achtung Kritik – könntest du mal wieder zur Weihnachtszeit ein posting mit netten Buchempfehlungen schreiben. Die fand ich immer ganz gut. 😉

    Also, vielen Dank für die nette Zeit mit deinem Blog! Ich hoffe noch viel mehr davon zu bekommen!

  15. Harzzach sagt:

    Zum Buch-Thema:
    Das würde ein wenig einseitig werden, lese ich mich doch seit geraumer Weile wieder sehr intensiv durch die Perry Rhodan-Serie. Alte Zyklen, aktuelle Ausgaben und die NEO-Serie. Das füllt meinen Literatur-Slot zu ziemlich genau 100% aus. Ab und an stolpere ich zwar im Buchhandel über Titel, die recht vielversprechend klingen, aber ich habe keine Lust zum Spiele-PileOfShame mir noch einen Buch-PileOfShame zu zulegen.
    Für die Winterzeit habe ich mir jedoch vorgenommen Steven Eriksons „Malazan Empire“ auf Englisch zu Ende zu lesen, weil ich keinen Bock mehr habe auf die Fertigstellung der deutschen Übersetzung zu warten.

  16. Andreas sagt:

    Harzzach, vielen Dank für Deine Zeit, die Du hier investierst – Dein Blog ist eine absolute Konstante in meinen Favoriten. Carry on!

  17. arillo sagt:

    Ich begeistere mich ja eher für Maddrax. 😀
    Habe mir aber neulich auch zwei Hefte PR gekauft, aber bisher nur reingelesen. Man weiß auch nicht so recht, wo man da anfangen soll. Und die aktuell laufende Miniserie Stardust war so ungünstig getimed in Maddrax beworben, dass ich erst darauf aufmerksam wurde, als Heft 3 schon fast im Laden stand. Sehr doof gemacht.
    Egal. Groschenhefte werden sich in nächster Zeit ohnehin bei mir stapeln, da ich mit „Narrenturm“ Andrzej Sapkowski wiederentdeckt und mir jetzt zusätzlich die letzten vier Bücher des Geralt-Zyklus vorgenommen habe. Endlich.

  18. Harzzach sagt:

    Andrzej Sapkowski. Steht noch an. So viel zu lesen. So wenig Zeit. Frührentner. Jetzt! 🙂

  19. Minando sagt:

    Du ahnst wahrscheinlich nicht mal wie bekannt dein Blog inzwischen ist…agh…ich vergesse immer wieder was du beruflich machst…NATÜRLICH weisst du das ganz genau. Um so mehr muss man es respektieren, dass du nach wie vor dem Wunsch widerstehst eine Goldgrube daraus zu machen.

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