Superbrothers: Swear & Trickery

Normalerweise schimpft der hippe Indie-Gamer gerne auf die mangelhafte Arbeit, die viele Majors bei PC-Versionen von Multiplattform-Titeln abliefern. Hinweise auf Controller-Buttons, “Drücke Start um zu spielen”, “Schalte nicht die Hardware aus, während das Spiel speichert”, schwammige Steuerung, nur rudimentärste Einstellungsmöglichkeiten in den Optionen, niedrig aufgelöste Texturen und was der Dinge noch so sind, an denen man merkt, dass dem Publisher nur daran gelegen war die Konvertierungskosten so niedrig wie möglich zu halten, weil ihm die PC-Version eh am Arsch vorbei geht und er einfach nur auf die Schnelle mit ein paar Dollar Zusatzinvestition ein paar hundert Dollar Mehreinnahmen erzielen möchte. Böse, böse Majors, denkt sich der hippe Indie-Gamer dann immer und setzt sich wieder vor sein hippes Indie-Game, wo die Welt noch in Ordnung ist. Oder nicht?

Superbrothers: Sword & Sworcery

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Preisgekrönter Titel mit einem ungewöhnlichen und atmosphärischen Art Design und einem exzellenten Soundtrack. Großer Erfolg auf dem iPad, wo man mit der Touchscreen-Steuerung den Helden locker-lässig durch die Landschaft schickt, Rätsel löst und sich hin und wieder einfachen Kämpfen hingibt. Die PC-Version samt Soundtrack hatte ich über ein Humble Bundle erstanden und der erste Eindruck bestätigt all das Lob. Das hochauflösende Pixel-Art Design (eigentlich ein Widerspruch in sich, aber es ist so, wie es ist. Pixelig UND hochauflösend) zaubert mystische Bilder auf den Bildschirm und der Soundtrack verleiht diesem mystischen Abenteuer eine relaxte/entspannte Easy Listening-Note.

Dennoch hilft der Soundtrack nur marginal dabei mich zu entspannen, denn was in Sachen Interface auf dem iPads ein sog. Nobrainer ist, bleibt auf dem PC weit hinter den Möglichkeiten, die diese Plattform bieten kann. Und das war noch das höflichste, was ich dazu sagen kann.

Ok, Doppelklick auf den Bildschirm, um mit NPCs zu reden und mit Objekten zu interagieren oder die Figur zum Ort des Doppelklicks zu schicken. Mausrad zum Rein- und Rauszoomen. Rechtsklick, um den Kampfmodus zu betreten und dann mit Linksklick auf das Schild- oder Schwert-Symbol Aktionen ausführen. Bis man kapiert, dass man im Kampf auf die entscheidende Millisekunde im Bewegungsablauf des Gegners warten muss, um einen Treffer mit dem Schwert zu erzielen, vergehen zwar so einige frustrierende Minuten, aber das kann ich dem Spiel verzeihen. Soweit ist das alles noch im Rahmen.

Richtig, RICHTIG ÄRGERLICH wird es, wenn man in einigen Abschnitten, vornehmlich in dunklen Tunnel- und Höhlenpassagen, einmal Linksklicken und dann die linke Maustaste halten soll, um die Spielfigur direkt mit der Maus durch den Level zu “ziehen”. Das Problem dabei ist jedoch, bei 10 Versuchen diese Bewegungsart auszulösen, bewegt man 9.8 mal statt der Figur nur die Kamera. Und so stehe ich im Eingang einer Höhle, in der die Doppelklick-Fortbewegung deaktiviert wurde, und racker mir vergeblich einen ab. Ohhhh, halt, da, jetzt geht es plötzlich, obwohl ich nichts anderes getan habe als die vorherigen 9.8 Male und bei der nächsten Höhle geht wieder … gar nichts. Ich bewege erneut nur die Kamera und knirsche unentspannt mit den Zähnen. Wenn ich Glück habe, geht es im Laufe der nächsten Minuten vielleicht weiter. Wenn nicht, sitze ich noch in den Morgenstunden da und versuche die Figur in Bewegung zu versetzen.

Bähhhh, einfach nur bähhhh!

Immerhin kann man sich den Soundtrack im hochwertigen FLAC-Format auch ohne Spiel anhören. Und damit vergnügliche 57 Minuten und 32 Sekunden verbringen. Weil der Soundtrack gut und hörenswert ist. Mit dem Spiel ärgere ich mich nicht mehr rum. Das streiche ich für immer dar von meinem Backlog. Eins weniger. Hurraaaaaa! 🙂

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16 Kommentare zu “Superbrothers: Swear & Trickery

  1. Gonzo sagt:

    Hähä. Ich spiel das gerade auf meinem Ubuntu Couch Laptop. Technisch läuft alles (wie das ganze Humble Bundle), aber via Touchpad vergehts mir langsam erst recht. Es geht mir langsam voll auf die Eier, abgesehen davon komm ich seit ner Stunde bei 25% nicht voran.

    Dieses Mars-Spiel is nach anfänglicher Skepsis ganz gut.

  2. Harzzach sagt:

    Ach, klappt es mit Touchscreen auch nicht so dolle?

  3. unterwegs sagt:

    Ich denke du bist einfach nur zu alt. Die Steuerung funktioniert zumindest bei mir tadellos.

  4. Harzzach sagt:

    Was machst Du, damit nicht die Kamera bewegt wird, sondern die Figur?

  5. Gonzo sagt:

    Touchpad….das kleine Feld vor der Tastatur, mit dem manch ein ewig Gestriger noch den Mauszeiger bewegt 😀

  6. eines der vielen titel die ich (wie du im HIB) gekaft habe und noch nicht gespielt habe. Aaaaber Bastion hab ich auf deiwel gomm raus durchgeknechtet und ich hab nicht bereut 😀 aber dennoch, wenn ich mir mein gekauften hib-titel angugge die ich noch spielen muss, hab ich schon wieder keine lust mehr *meh, aber immer alles haben wollen …

  7. Harzzach sagt:

    Bastion ist klasse, mit Gamepad vorzugsweise.

  8. arillo sagt:

    Nachdem ich den Soundtrack bei YT und anderen Plattformen rauf und runter und wieder rauf gehört habe, hab ich beim Erscheinen der PC Version gleich zugeschlagen und nach einer halben Stunde, plus/minus 10 Minuten, wieder ausgemacht. Was für ein unglaublich ermüdendes Spiel, welch grausig langweilige Steuerung. In das Art Design habe ich mich schon beim ersten Screenshot verliebt, in den Soundtrack beim ersten Trailer und seitdem ziert das Spiel auch immer wieder meinen Desktophintergrund. Aber dieses ewig langweilige Herumgetappe, vor allem wenn ich merke, dass da ja gerade noch eine Abzweigung war und erstmal 2 Minuten zugucken muss, wie meine Heldin zurückspaziert, vergeht es mir. Der Zauber, den Musik und Grafikstil über mich legen, verpufft nach ein paar Minuten wie nie dagewesen. Mit den Texten weiß ich auch nichts anzufangen.
    „TO THE MOUNTAIN FOLK OF THE CAUCASUS HE WAS KNOWN AS ‚LOGFELLA‘ … HE SEEMED COOL.“ — „STILL WE DEFINITELY GOT THE FEELING THAT HE WASN’T SUPER JAZZED ABOUT THIS.“ — das klingt zwar alles superlässig und bringt mich zum Schmunzeln, das Spiel wird dadurch aber eher schlechter als gewitzter, weil es für mich nicht in diese glorifizierte Vorstellung des Spiels passt, die ich mir über die lange Wartezeit auf die PC-Version hinweg angeeignet habe – und das ist wahrscheinlich der Punkt wo ich sagen muss: Ich bin selber schuld.
    Trotzdem, hier noch der Link zu meinem Lieblingsabrechnungsartikel der letzten Jahre: http://zockworkorange.com/warum-sword-sworcery-ein-schlechtes-spiel-ist/
    Danke fürs Zuhören. Und danke für diesen Blog. :>

  9. Uranochos sagt:

    Als ich die ersten Screenshots von Sword & Sworcery gesehen hatte, habe ich mich sozusagen auf den ersten Blick verliebt. Die Verliebtheit hat aber nicht lange angehalten, denn das Spiel ist mir schnell zu langweilig geworden.

  10. Harzzach sagt:

    Dieses „All style, no substance“-Gefühl stellt sich tatsächlich sehr schnell ein. Im Gegensatz zu „Dear Esther“, wo das Spiel plötzlich begann mit meiner Vorstellungswelt zu spielen. Vielleicht hätte Superbrothers tatsächlich auf dem iPad bleiben sollen. Da passt es dann zur Zielgruppe 🙂

  11. Corexx sagt:

    Bei den luftigen Höhen des Olymp,
    ich dachte schon ich wäre der Einzige, der diesem über den Klee gelobten Indie-Game nichts abgewinnen konnte und es strunzlangweilig fand. Bastion, Lone Survivor, Limbo – dafür hat sich das entsprechende Humble Bundle wirklich gelohnt, aber Sword & Sworcery ist, nicht nur wegen dieser merkwürdigen Twitter-Einbindung, ein Fail sondergleichen. Selten so eine krasse Differenz zwischen äußerlichen und inhaltlichen Werten erlebt. *zzz*
    Soundtrack und Hintergrundbilder, sogar die Pixelanimationen sind natürlich einfach nur awestrucking; der Rest leider nicht. Kampfsystem, Rätsel, Pacing, Storytelling: meh. Einfach nur: meh. 8[

  12. Caramarc sagt:

    Das mit der Zielgruppe war gemein.
    Eines muss man dem *hmwasisesdennjetzt „Spiel“ zu Gute halten, hat bei mir Erinnerungen an Shadow of the Beast aufkommen lassen.

  13. Joe sagt:

    Hehe, diesen Murks hatte ich auch nie verstanden. Ich hab mir das geschätzte 5-10 min angeguckt und mich dabei die ganze Zeit gefragt: „Wann startet denn jetzt das Spiel?“

  14. Akabei sagt:

    Tjahaha, für Shadow of the Beast würde der “All style, no substance” Spruch aber sogar noch besser passen. Zumindest, was die ersten beiden Teile betrifft.
    Insgesamt möchte ich aber nicht allzu viel an Sword&Sworcery herummäkeln. Für die paar Kröten, die ich im Humble Bundle dafür hingelegt habe, ist es schon in Ordnung und das Humble Indie Bundle V ist allgemein bisher immer noch das Beste imo.

  15. Minando sagt:

    Wie beruhigend, ich dachte schon ich werde zu alt um mich für ein Rollenspiel zu begeistern. Ein ROLLENSPIEL, Herrgott, das KANN doch nicht langweilig sein ?! Aber wie Corexx schon sagte:
    meh.
    Immerhin, ganz nette Musik.
    Peinlicherweise fahre ich stattdessen total auf Baldur fürs iPad ab- trotz hundsmiserabler Fummelsteuerung. Es ist als würde man einen alten Freund wiedersehen den man lange vermisst hat. Er ist nicht hübscher geworden, aber man läd ihn trotzdem gerne wieder aufn Bier ein. Plus, man kann die Party (harhar) jetzt auch bequem beim Faulenzen steigen lassen- Baldur´s Gate vorm Kamin auf dem Sofa, das hat schon was.

  16. Dlaas sagt:

    Komisch, ich kam mit dem Teil eigentlich gut zu Rande.

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