Revenue Reducing Kits

Nicht nur dass Raubkopierer und Raubgebrauchtkäufer den Weiterbestand unserer geliebten Industrie bedrohen, nein, jetzt bildet sich eine dritte, hochgefährliche Front auf, die von Publishern und Politikern bislang sträflich vernachlässigt wurde.

Ich rede von der Bedrohung alternativloser Umsätze durch Software Developement Kits, die von Firmen wie zB. Epic oder Crytek jedem interessierten professionellen Entwickler angeboten werden, damit dieser mit vergleichsweise wenig Kapitaleinsatz aktuelle Render-Technologie und integrierte Middleware-Systeme für die Produktion neuer Titel einsetzen kann. Titel wie “Hawken” können so preisgünstig entwickelt werden, um das Umsatzpotential neuer F2P-Geschäftsmodelle besser erschließen zu können.

Nun jedoch stellt sich heraus, dass immer mehr Privatanwender diese SDKs zur Herstellung von Raubmods mißbrauchen. Raubmods, mit denen hochgefährliche Freeware erstellt wird oder unter Mißachtung von Lizenzen und Urheberrechten Remakes von Spielen hergestellt werden, die bei den Inhabern dieser IPs Schäden in Höhe von geschätzt 1.7 Mrd. Dollar jährlich erzeugen.

Aktuell liegt mir zB. ein ganz eklatanter Fall von Urheberrechtsverletzung und und Raubmodding vor.

In “Aliens vs. Marines” verwendet der Raubmodder das FreeSDK von Crytek, um damit ein kostenloses (!) Remake von Rebellions Hit-Titel “Aliens vs. Predators” aus dem Jahr 1999 zu erschaffen. Bei Rebellion drohen hunderte von Arbeitsplätzen verloren zu gehen, weil der Absatz des eigenen AvP-Remakes und des neuen, re-imagined Remakes aus dem Jahr 2010 nun aufs höchste gefährdet sind. Ein Sprecher von SEGA betonte, dass die finanziellen Engpässe des japanischen Publishers ihre Ursachen in erste Linie in über das Internet verteilten Raub-Mods hat, welche die Qualitätsproduktionen des etablierten Publishers kommerziell unattraktiver macht.

Erste Reaktionen von Cevat Yerli beinhalten die Ankündigung das FreeSDK nicht mehr kostenlos auf der Webseite von Crytek anzubieten, um diesen Missbrauch geistigen Eigentums einzuschränken. Yerli sieht zudem nur noch geringe Chancen für die eigenen F2P-Titel, weil “… ja jetzt jeder Idiot F2P-Spiele mit unserer Technologie anbieten kann.”. Yerli wurde während des Interviews mehrfach von Weinkrämpfen geschüttelt.

Mark Rein von Epic konnte wegen des Thanksgiving-Feiertages noch nicht zu einer Stellungsnahme erreicht werden, aber von CliffyB wird ein entschiedenes “Bro! Dude! Not cool, NOT COOL!” berichtet.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Modding.

16 Kommentare zu “Revenue Reducing Kits

  1. SpiritWolf448 sagt:

    Ach, haben die es endlich auch gemerkt, das in über der Hälfte aller Fälle die Modder kompetenter, effizienter und mit mehr Herzblut arbeiten als die bezahlten Lohnsklaven der großen Paten?

    Tjaja, nach so vielen Jahren an der vermeintlichen Spitze der Nahrungskette kann man schonmal Betriebsblind werden. >:-D

  2. arillo sagt:

    Das ist doch nicht ernsthaft ein Zitat. Hierzu würde ich gern Quellenangaben sehen, weil ich nicht auseinanderhalten kann, was übertrieben ist und was nicht.^^

    Zum Video: SEGA hat hier allen Grund, Angst zu haben. Der oder die Modder drehen hier mit ihrem Projekt einem professionellen Entwicklerstudio eine lange Nase.
    Die Atmosphäre scheint mir unglaublich dicht zu sein, das Konzept lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen und das Sounddesign…verdammt…dieses Sounddesign!! ❤

  3. Harzzach sagt:

    Das traurige daran ist, sonderlich weit von der Wirklichkeit bin ich gar nicht … es gibt in der Industrie (hauptsächlich auf der Vertriebsseite) genug Leute, die Mods vollkommen zu Recht als potentielle Gefährdung ihres Geschäftsmodelles betrachten.

    Das sog. EA-Geschäftsmodell, wo man in kurzen Abständen neue Spiele einer Serie veröffentlicht und durch bestimmte Gamedesign- und Technik-Entscheidungen Modding extrem erschwert oder gar verhindert. Die Leute sollen gefälligst jedes Jahr den Nachfolger zum Vollpreis kaufen, was zB. bei CoD ja auch wunderbar funktioniert. Im Gegensatz dazu gibt es das Bethesda-Geschäftsmodell, wo man schon sehr früh die Modding-Szene als Antriebsmotor für langfristig hohe Umsätze erkannt hat. Wenn ich nur alle drei, vier Jahre ein neues Spiel veröffentliche, kann Modding die kommerzielle Lebensdauer der Serie zT. extrem verlängern. Man schaue sich nur mal die Steam-Verkaufscharts an, wenn selbst ein nur moderater Morrowind- oder Oblivion-Sale angeboten wird.

    Entwickler sind auch grundsätzlich an der Modbarkeit ihrer Spiele interessiert, weil sie dadurch ohne großen Aufwand neues Job-Talent erkennen und anheuern können. Den Vertriebler interessiert das natürlich nicht, da für ihn Code-Monkeys irgendwo im Keller in irgendwelchen Schlammlöchern ausgebrütet werden.

  4. Da ist es schön das es noch (oder wieder), jede Menge Indieentwickler gibt die Dinge eben anders machen. Als extremes Modding positiv beispiel fällt mir da Nadeo ein, die mit Trackmania eine Nische besetzen, in der das Geschäftsmodell sich fast ausschliesslich auf Modding (Lite) auslegt und die Nutzer Quasi dazu gezwungen werden mit den beiliegenden Editoren Strecken, Fahrzeuge, oder sogar einzelne Streckenteile neu zu basteln.

    An dieser Stell auch noch mal etwas Off-Topic:
    Vielen Dank für die Aufnahme in deine Blogroll, Ich lese deinen Blog schon seit einigen Jahren, und du warst letztlich sogar die Inspiration, überhaupt selbst zu schreiben. 🙂

  5. Enrico sagt:

    …oder die Arma 2 Verkaufscharts seit es DayZ gibt 🙂

  6. Akabei sagt:

    „die bei den Inhabern dieser IPs Schäden in Höhe von geschätzt 1.7 Mrd. Dollar jährlich erzeugen“

    Ich fürchte, du hast dich um zwei, drei Potenzen(nach oben) vertan. Normalerweise wäre der Hunger schon besiegt, wenn nur diese ganzen Raub[beliebiges Wort einfügen] nicht wären. 🙂

    btw: Bei ARMA 2 hat wohl auch nur der Verlag profitiert, der das Spiel zufälligerweise gerade als Vollversion auf einer Heft-DVD hatte. Die Beachtung, welche dem Spiel im nachhinein noch zugekommen ist, hat es ohne die Mod auch nicht verdient.

  7. Ghostbit sagt:

    Auch nicht zu vergessen DoTA als WC3 „Mod“ (eigentlich ja Custom Map). Hat Blizzard massiv Verkäufe beschert und beiden damaligen Lead Entwicklern gute Jobs gebracht. Pendragon ist bei Riot und Icefrog bei Valve.

    Darum haben wir ja auch den SC2 Editor bekommen. Schade, dass bis heute die meisten Custom Maps irgendwie schlecht sind. GoGo Blizzard DoTA already! >:|

    Ajo, gäbe es D3 Mods und private Server dafür, wäre das Bnet sicher auch um einiges leerer und die Hasstiraden, die Blizzard grade durchleiden muss, sicher auch nicht ganz so ausgeprägt. Aber nuja, dann gäbs ja auch keine lecker Knete aus dem RMAH und so muss man das nun eben aussitzen. Breit genug ist der Hintern ja mittlerweile.

  8. Uranochos sagt:

    Ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage.
    Aber was soll ich denn machen, wenn niemand ein RPG entwickelt, wie ich es haben will?

  9. taake sagt:

    Kleiner Tipp wenn man das Wort „Raub“ noch um den Zusatz „Mörder“ ergänzt wird es noch spektakulärer Raubmordkopierer, Raubmordmodder, Raubmordirgendwas.
    Denn nie vergessen wer spiele kopiert, quält auch süße katzenbabys!!!!
    Vom Crack Konsum ganz abgesehen ^^

  10. anigunner sagt:

    Das erste AvP war schon ziemlich cool. Ein schickes Remake wäre doch eine tolle Sache. Zumindest ist man hier auf gute Atmosphäre aus, und nicht wie bei den aktuellen Teilen auf Gore (Kuck mal, man kann den Kopf mitsamt der Wirbelsäule rausreißen! Ist das nicht obercool!?). Bei den Trailern ist mir wirklich fast das Essen hochgekommen, so ekelhaft war das. Der erste Teil hatte so einen Blödsinn nicht, aber fein dosierte Schockelemente. Ich erinnere mich da nur an das Krafwerk, und dem explodierenden Heizrohr in der Decke. Selten so einen Schreck bekommen.. selten so gut unterhalten worden.

    Ansonsten ist es ja eher ein Trauerspiel das die Fans ihre Spiele selbst machen-, oder über Kickstarter „unrentable“ Projekte selbst finanzieren müssen. Ich selbst arbeite mich gerade etwas in Unity 3D ein, rein aus Spaß. Aber wer weiß, vielleicht könnte ich eines Tages auch auf die dumme Idee kommen z.B ein Missionforce: Cyberstorm nachzubauen?

  11. Harzzach sagt:

    Aber wer weiß, vielleicht könnte ich eines Tages auch auf die dumme Idee kommen z.B ein Missionforce: Cyberstorm nachzubauen?

    Weder habe ich das Know-How für sowas, noch sonst Ahnung von irgendwas, aber ich tät Dich backen 🙂

    Ansonsten finde ich es eigentlich toll, dass Fans mittlerweile ihre eigenen Spiele machen können, die über simple BASIC-Textadventures weit hinausgehen.

  12. Minando sagt:

    Ich wünschte, im Falle von Baldur´s Gate/ ios würde es so ein Kit geben, dann hätten wir´s schon seit Monaten auf dem iPad. Stattdessen: eine Verschiebung nach der anderen. Pfft, Amateure- lasst mal die (unbezahlten) Profis ran.

  13. skyfall1 sagt:

    Nebenbei bemerkt: letzte Chance für Sui Generis zu spenden (http://www.baremettle.com/sg/home/)

    Ich find die Engine wirklich super! Klar, Story fehlt noch, aber M&B kam auch gut ohne aus.

  14. Rollenprinz sagt:

    Anleitung zum Arschloch sein:
    Auf die Website vom aktuellen THQ Humble Bundle gehen. (THQ ist pleite und versucht deswegen noch was mit dem Bundle zu retten)
    Ein Cent über dem Durchschnittspreis eingeben.
    Vor dem Bezahlen den Schieberegler für die Aufteilung des Kaufpreises auf 0.00 € für THQ schieben.
    Diebisch grinsen!

  15. Harzzach sagt:

    😛

  16. Red sagt:

    -no autoheal-

    xD

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