Platzende Blasen

Beim letzten Humble Bundle ist mit aller Deutlichkeit die DRM-Blase der etablierten Verleger so laut geplatzt, dass es keinen rationalen Grund mehr gibt an DRM festzuhalten. Jetzt gilt nicht einmal mehr die Ausrede, man mache das ja nur wegen den Investoren. Man verweise die Investoren bitte auf den enormen kommerziellen (!) Erfolg, den Autoren wie Doctorow oder Gaiman schon seit geraumer Weile erleben. Man zeige ihnen die Erfahrungen, die auch andere Autoren gemacht haben, wenn diese ihre Bücher a) DRM-frei anbieten und b) sogar kostenlos auf ihrer Homepage zum Download angeboten haben. Es wird wiederholt von drei- bis vierstelligen Umsatzsteigerungen berichtet. Die Umsätze des Humble Bundles für jeden einzelnen Autor hätten genügt, um JEDES EINZELNE der dort angebotenen Bücher in die Beststeller-Liste der New York Times zu bringen.

Sicher, man kann immer noch der Realitätsverweigerung huldigen, so wie man es mal wieder auf der kürzlich zu Ende gegangenen Frankfurter Buchmesse kopfschüttelnd feststellen konnte. Ich weiß nicht, wie es in anderen Ländern zugeht (wahrscheinlich nicht viel anders), aber die deutschen Verleger sind sowas von ignorant und borniert, ängstlich und verunsichert, dass da auf lange Sicht keine Besserung zu erwarten ist. Da kann man nur warten, bis diese Generation in den üblichen biologischen Ablöseprozeß eingetreten ist. Erkenntnisgewinn darf man, so meine betrübliche Einschätzung, von diesen Dinosauriern nicht mehr erwarten. Man kann sie nur noch ignorieren und hoffen, dass es in den kommenden Jahren weiterhin genügend Widerstand gibt, um den durch ihre paranoiden Wahnvorstellungen ausgelösten Kollateralschaden möglichst gering zu halten.

Eine zweite Blase ist bei Social- und Browser-Games geplatzt. Zynga und Bigpoint müssen jede Menge Personal entlassen und Niederlassungen schliessen. Zum einen, weil der Aktienkurs von Zynga gewaltigst in den Keller gefallen ist, obwohl die buchhalterischen Eckdaten jetzt nicht sooo schlecht ausgefallen sind, nur eben nicht zur Freude der Investoren, die dachten, dass das irre Wachstum dieser Firma noch etwas länger anhält. Und zum anderen bei Bigpoint auf Grund des mit dem Wachstum der Firma nicht Schritt mithaltenden Umsatzes. Bigpoint wurde mit Venture Capital gewaltig aufgeblasen, der Umsatz mit Browserspielen hat sich aber nicht in gleichem Maße steigern können, es wurde verdammt viel Geld verbrannt. Zynga gebe ich gerade auf Grund der halbwegs soliden wirtschaftlichen Grundlage eine gute Überlebenschance. Vielleicht nicht mehr als Börsenüberflieger, sondern als ganz normale Videospielfirma. Bei Bigpoint bin ich mir nicht so sicher, ob das auf Dauer gut geht.

Und puff, wieder eine Blase geplatzt, wieder viel Geld dummer Anleger verbrannt. Das Problem bei der ganzen Geschichte ist nur, dass es verdammt viele dumme Leute mit viel zuviel Geld gibt …

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Corporate.

14 Kommentare zu “Platzende Blasen

  1. jillstein4president sagt:

    Zu den Büchern:
    Die Blase mit DRM ist eigentlich schon vor ein paar Monaten geplatzt als Tor angefangen hat alle ihre Bücher DRM-frei zu publishen und sogar in DRM-freie Versionen umzutauschen falls man doch mal eins mit DRM erwischt. BTW: Die kriegen als Verlagshaus wegen irgendwelchen Verträgen auch einen Teil des Geldes vom Bundle zu sehen…

  2. Harzzach sagt:

    Schon klar, das Humble Bundle eignet sich aber vorzüglich zur Verdeutlichung und als Beispiel 🙂

  3. Joe sagt:

    Gerade die lustige Episode mit der „Bestseller-Liste“ zeigt ja schön, daß die Legacy-Verleger viel zu klein sind, um 7 Milliarden Menschen überhaupt mit der erforderlichen Menge und Vielfalt an Content beliefern zu können. Deren Infrastruktur ist nichtmal einer der Weltbevölkerung von 500 Mio. um 1600 angemessen.

    Auch die Fernsehsender jammern schon wegen YouTube herum:

    http://www.golem.de/news/prosiebensat-1-google-ist-meinungsmacht-1210-95293.html

    Google dringe in immer neue Geschäftsbereiche vor, präsentiere sich mit Youtube wie ein Fernsehkanal und ziele auf die Werbeetats der TV-Branche.

    YouTube ersetzt nicht einen Fernsehkanal, sondern Millionen (!).

    Das sind jetzt ja alles erst noch die Anfänge. Wenn es erstmal richtig losgeht, werden die Medien-Popel vom riesigen Internetschneeball einfach plattgewalzt. They don’t know what hit ‚em.

  4. Harzzach sagt:

    Doch, die wissen schon was sie trifft … deswegen wird auch so lautstark rumgejammert. Die Verlagshäuser wollen für sich eine staatliche Grundsicherung, weil sie sich nicht anpassen wollen und die Telkos wollen einfach mit staatlichem Druck Geld von Google, weil Google viel Geld hat.

  5. t-bone sagt:

    humble bundles ftw! habe auf steam zugeschlagen und hätte es bei den ebooks auch getan, hätte ich vorher davon gewußt. schade dass es anscheinend nur eine zeitlich begrenzte aktion ist…

    bigpoint wünsche ich einen langsamen tod mit allem was dazu gehört…sowas wie bei dieser firma habe ich noch nie erlebt.
    micropayments sind schon schlimm genug, aber dann die karikatur von support….hat mich wenigstens damals gelehrt, kein geld in browsergames bzw in „f2p“ games prinzipiell mehr zu investieren.

  6. Joe sagt:

    Die kriegen ja auch ihre staatliche Grundsicherung. So wie diverse andere „Kultur“-Fuzzis auch. Sie haben nur bei künftigen in Größenordnungen höheren Umsätzen im Massengeschäft nichts mehr zu melden und versinken in der Irrelevanz.

    Und die Telkos fordern solange von Google, bis Google selber auf Provider macht und diese Gatekeeper auch aus dem Geschäft kegelt.

  7. Rollenprinz sagt:

    Platzende Blasen bei den alten Säcken… das passiert wenn man nicht mehr richtig Wasser lassen kann.

  8. Das Alien sagt:

    Dass man hier in Deutschland die Sache mit den eBooks wahrscheinlich noch nicht gebacken bekommen hat, wenn man sich Texte inzwischen mittels supraleitender Quanteninteferrenz-Technologie direkt ins Gehirn läd, ist mir inzwischen aufgegangen und ziemlich schnurz.

    Dabei wäre es so einfach, mehr Geld mit eBooks zu machen. Mit einem etwas niedrigeren Preis als für die physische Kopie zum Beispiel. Aber neeein, ein eBook MUSS genau so viel wie das gedruckte Werk kosten. Ich zum Beispiel mag meinen Reader, aber prinzipiell habe ich immer noch viel lieber ein richtiges Buch in den Händen. Erzählt mir, was ihr wollt, aber ein richtiges Buch liest sich einfach angenehmer, so gut die aktuellen Reader auch sein mögen. Und ein echtes Buch kann ich VERLEIHEN, ich kann reinschreiben, es als Untersetzer benutzen und wie so oft meine Telefonkarte als Lesezeichen benutzen und darin vergessen… ich bekomme also durchaus einen Mehrwert gegenüber dem eBook.

    Oder man könnte dem Käufer des Buches für einen geringen Aufpreis das eBook verfügbar machen. DAS wäre zum Beispiel etwas, für das ich zumindest bei einigen Büchern durchaus ein wenig mehr ausgeben würde.

    Aber dieses ganze Stromzeugs ist ja des Teufels, also bleibt dem deutschen Verlagswesen bloss weg damit! Na gut, sollen sie. Das läuft dann eben genau so wie mit Spielen, Serien, Filmen…

    Aber was mich, man verzeihe mir die Wortwahl, wirklich ankotzt, ist der Umstand, dass die deutschen Verlage genug Macht und Einfluss besitzen um Anderen ihre antiquierte Meinung aufzupressen und dies auch mit aller Gewalt tun.
    Ist hier schon einmal jemandem aufgefallen, dass Beiträge wirtschaftlicher oder politischer Natur nach einiger Zeit wieder von den Servern der Öffentlich-Rechtlichen verschwinden? Weil ds deutsche Verlagswesen nämlich der Meinung ist, es wäre seine Aufgabe, Information unters Volk zu bringen und das gebührenfinanzierte Online-Angebot der Öffentlich-Rechtlichen wäre Wettbewerbsverzerrung, Völkermord oder Schlimmeres.

    Dass sich die Angebote von ARD und FAZ irgendwie doch sehr grundlegend unterscheiden, spielt dabei anscheinend keine Rolle.
    Dass ich für das Online-Angebot der FAZ auch bezahlen muss, nur eben nicht zwangsweise, bemerkt anscheinend auch keiner.
    Und dass ich als Gebührenzahler quasi abgezockt werde, weil ich für ein nicht vorhandenes Angebot zahle, fällt dann fast schon unter „Randnotizen“.

    Wuargh, ich bin dann mal weg, meine Wut mit ein paar raubmordkopierten eBooks dämpfen…

  9. anigunner sagt:

    DRM war noch nie eine vernünftige Lösung in meinen Augen. Egal für welches Medium. Aber wie immer gilt, dejenigen die sich wagen auch mal über den Tellerrand zu schauen und etwas neues probieren haben eine Chance sich abzuheben und den Erfolg einzufahren. Man muss nur den Mut dazu haben.
    Von einem fairen Umgang miteinander profitieren wir doch alle. Keine Seite lässt sich eigentlich gerne verarschen und gängeln.

    Wobei ich an der Stelle doch konservativ bin, ich mag meine Bücher am liebsten auf Papier. Ich bin so oft in digitalen Medien unterwegs, da ist es immer wieder was „besonderes“ wenn man am Wochenende mit einem Buch auf die Couch liegen kann. Abgesehen davon macht sich so was immer gut in meinem Buchregal 🙂

  10. Tassido sagt:

    Google macht ja in den USA schon auf ISP… ich warte darauf, dass sie das auf andere Länder ausdehnen.

  11. Joe sagt:

    Ist doch egal. Rundfunkbuden gegen Tageszeitungen. Weder die ARD noch die FAZ braucht im Internet irgendwer.

  12. Harzzach sagt:

    Wobei ich an der Stelle doch konservativ bin, ich mag meine Bücher am liebsten auf Papier.

    Bis zu meinem Umzug war ich ganz Deiner Meinung. Wieder Deiner Meinung bin ich, wenn ich bei einem Umzug nichts mehr selber einpacken, geschweige denn schleppen muss 🙂

  13. Harzzach sagt:

    Ein umfassendes, grundlegendes und steuerfinanziertes Informationsangebot im Internet, frei von kommerziellen Interessen und relativ neutral & objektiv (sofern das eben möglich ist), das ist eine feine Sache. Ich sehe daher kein Problem in GEZ für Internetanschlüße, wenn die dadurch finanzierten Inhalte auch vollständig & kostenlos abrufbar sind. Was aber derzeit läuft, ist wieder die übliche Volksverarschung.

    Wir bezahlen Kopierabgaben auf Leermedien und Kopiergeräte, dürfen aber nichts kopieren, weil die Industrie ja Kopierschutzsysteme verwendet. Wir finanzieren die Produktion von Inhalten über Steuern und GEZ, können diese Inhalte aber nicht mehr abrufen, weil die kommerziellen Anbieter so lange rumgejammert haben, dass ARD/ZDF diese gebührenfinanzierten Inhalte wieder löschen muss.

    Und wenn die Piraten sich endlich intern vernünftig aufgestellt haben und den Anteil an Selbstdarsteller und Vollhonks auf das übliche Maß eingedampft haben, kann in der Hinsicht auch endlich wieder der politische Druck entstehen, der notwendig ist, um diese Verarsche zu beenden.

  14. askies sagt:

    … oder Kohle für ein Umzugsunternehmen hast.

    Schöner Artikel, nur leider lernen nicht die Richtigen was daraus. Wir wissen wie es richtig geht, während die Publisher damit beschäftigt sind, weiterhin alles auf peinliche Art und Weise gegen die Wand zu fahren.

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