5 Millionen

Dead Space 3 bietet dem Interessenten nichts grundsätzlich neues, was einen enormen Entwicklungsaufwand erfordern würde. Für Dead Space 3 verwendet EA die gleichen Tools, die man schon für die Vorgänger verwendet hat, das Team ist eingearbeitet und ist vertraut mit den Tools, kann schneller und effizienter Ergebnisse liefern. Die Graphik-Engine ist eine Eigenentwicklung, es fallen keine Lizenzkosten an. Dead Space 3 kann günstig und schnell produziert werden, ohne Abstriche bei den Produktionswerten zu machen.

Und trotzdem heißt es seitens EA, wenn Dead Space 3 nicht mindestens 5 Mio. verkaufte Einheiten erreicht, war es das mit Serie. Fünf Millionen Minimumumsatz. 5 Millionen. Was ist das für ein Wahnsinn!

Das kann drei Dinge bedeuten:

1. Die internen Produktionenbedingungen bei EA sind so derart katastrophal, dass man nicht mehr in der Lage ist Spiele mit einem vertretbaren Budget zu entwickeln.

2. Dead Space 3 muss die durch andere Spiele verursachten Einnahmeausfälle ausgleichen.

3. Eine ganz üble Kombination aus 1. und 2.

Ich vermute letzteres.

Die zunehmende Marktkonzentration und Übersättigung des Marktes für AAA-Titel erfordert enorme Marketingkosten, um auch nur akzeptable Umsatzzahlen zu erreichen. Gleichzeitig drückt dieser Marketingaufwand (man munkelt, Activision verbrät für jeden neuen CoD-Teil um die 100 (!) Millionen Dollar an Werbekosten) natürlich enorm auf den Gewinn. Was für uns als ein erfolgreiches Spiele-Franchise erscheint, kann daher nur eine mittelprächtige schwarze Zahl am Ende der Bilanz sein und nicht das ungemein profitable Produkt, welches wir uns Laien so vorstellen. Ein Flop schmerzt daher umso mehr, kann das kommerziell besser laufende Spiel nicht mehr in dem Maße die Verluste durch andere Titel ausgleichen, wie das früher noch der Fall war.

Ja, aber CoD läuft doch klasse und schaut man in die Bilanzen, wirft Blizzard jedes Jahr immense Gewinne ab?

Natürlich. Und doch versucht Vivendi einen Käufer für Activision-Blizzard zu finden. Weil man bei Vivendi offenbar zu dem Schluß gekommen ist am Ende der Fahnenstange angekommen zu sein. Weil der Spiele-Markt nach deren Auffassung kein weiteres Wachstum mehr zulässt. Weil er gesättigt ist. Durch und durch. Nicht einmal die kommende neue Konsolengeneration scheint entsprechende Wachstumsphantasien erzeugen zu können. Nicht einmal mehr das.

EA dreht nur noch auf hohem Niveau Geld durch, es bleibt nicht viel hängen. THQ’s Dasein auf Erden kann man mittlerweile in Monaten ausdrücken. ActiBlizz ist am Endpunkt des kommerziellen Wachstums angekommen, was für nicht wenige Investoren gleichbedeutend mit einem Ende ihres Investments ist. Bei Sony musste man Leute entlassen und Nintendo muss mittlerweile Prozesse gegen Anbieter von DS-Cards führen, um die Investoren mit Aktionismus zu beeindrucken, wenn schon die aktuellen Zahlen nicht mehr viel hergeben. Das ist nicht mehr profitabel und gesund, es ist ein Zeichen für Geschäftsmodelle, die nicht mehr so wirklich funktionieren.

Ob es zu einem Crash wie weiland 1983 kommt, als quasi über Nacht Atari und der Rest der damaligen Anbieter implodierten, das wird sich noch herausstellen. Ich denke eher, dass es zu jeder Menge Fusionen und Übernahmen kommen wird, so dass am Ende maximal zwei, drei Anbieter den kompletten AAA-Markt abdecken werden. Aber nicht mehr mit den irren Gewinnen der Vergangenheit, mit jährlich zweistelligen Wachstumsraten, sondern auf hohem Niveau stagnierend. Sollten die Majors jedoch versuchen mit immensem Aufwand im Bereich der Mobil-Plattformen die Boom-Zeit der letzten zehn Jahre zu wiederholen, DANN wird es zu einem Crash kommen, denn der Mobil-Bereich ist nicht in der Lage dauerhaft diese erforderlichen Umsatzzahlen zu generieren. Das WIRD floppen. Gewaltig.

Spiele wird es immer geben. Indies werden den Platz der Majors einnehmen und größer werden und sich eines Tages selber in verkrusteten Strukturen wiederfinden, die es ihnen unmöglich macht sich aus eigener Kraft aus dem Sumpf zu ziehen. Firmen kommen und gehen. Geschäftsmodelle kommen und gehen. Gespielt wird immer.

Möge der Crash daher kommen. Schnell und gewaltig. Anstatt dass die Majors langsam dahin siechen und uns mit Krankenhausgeruch und ständigem Gejammere wegen Schwarzkopien und Spielewiederverkauf noch auf Jahre hinaus belästigen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Corporate.

61 Kommentare zu “5 Millionen

  1. Aloha2 sagt:

    Richtig erkannt, toll findet das auch niemand. Und zwar findet das genau dann niemand so prickelnd, wenn es irgendwann die EINZIG verbleibende Wahlmöglichkeit sein sollte, um interaktive Unterhaltung zu konsumieren. So wie von Dir beschrieben würde es sicher über kurz oder lang geschehen, wenn ausschließlich die großen Publisher den Markt beherrschen würden und die Hardwarevoraussetzungen gegeben wären. Wenn es allerdings dank Indies & Co. so kommt, wie es bei Ouya den Anschein hat, dann ist die von mir beschriebene GaikaiOnLive-Streambox eine (!) Anwendung auf einer ansonsten offenen Plattform.

    Genau DAS (man kann es gar nicht groß genug schreiben) ist die verkörperte Hoffnung der neuen Konsole und der Motor für dieses „Shut up and take my money!“-Verhalten, nämlich „Vielfalt“ ohne Begrenzungen! Du willst kostenlos testen, dann kaufen und offline besitzen? Bitte! Du willst streamen, weil: deine freie Entscheidung, dicke Leitung vorhanden und wegen bequemer und so? Mach doch!

    Also für mich klingt das Wort „Wandel“ im Zusammenhang mit Ouya durch die vollmundigen Ankündigungen der Entwickler (offen, modifizierbar) wie ein „Endlich Wandel zu neuer Vielfalt, welche man in den letzten Jahren bei allen großen Marktteilnehmern gegen Triple-A-Über-Alles und Ihr-macht-sklavisch-das-was-wir-wollen eingetauscht hat.“

    Time will tell…

  2. Miranda sagt:

    Wie schon gesagt, von Ouya halte ich nicht besonders viel, weil

    – offenbar will man über den 2. Controller (30 Euro) Geld aus der Tasche ziehen und mit Box + 2. Controller kommt man schon in eine Preisregion, wo man bereits eine Wii oder eine PS2 bekommt. Für das Geld bekomm ich übrigens auch eine dezidierte Moviebox.

    – Hardware ist zu schwach und veraltet, da wird man höchstens die einfacheren der Smartphonespiele spielen können oder einen Emulator laufen lassen bis ungefähr SNES / MegaDrive / Playstation 1 Niveau. Man darf nicht vergessen, daß es keinen dezidierten Grafikspeicher gibt und dann bleibt für das eigentliche Spiel von den 1 GB RAM unter Abzug von OS ca 512 MB RAM über, das ist heutzutage nicht viel.

    Wenn ich dann diese 130 Euro für eine „offene Plattform“ auslegen will, kann ich mir dann auch das ODROID-X holen. Das hat alles, was dass Ouya hat, allerdings einen QuadCore-ARM, 6 USB-Buchsen (statt einer) und eine Reihe weiterer anderer Anschlüsse.

    Damit kann ich einiges mehr betreiben. Ich weiss, 100 Euro is eine magische Grenze, aber wenn man dann für die 30 Euro des 2. Controllers noch drauflegt, ist eine Welt in Performance an Unterschied.

    http://www.hardkernel.com/renewal_2011/products/prdt_info.php?g_code=G133999328931

  3. […] Entertainment. Pfui hingegen ist, wie schlecht EAs Geschäftsgebaren inzwischen sein muss. Sowohl unser Senior Gamer als auch Brain Diesel geben hierfür erschreckend gute Beispiele. Richtig gut, und ja auch Eigenlob […]

  4. Joe sagt:

    Der „Steam Summer Sale“ erfreut mit „Low Violence Version“, „Only available in German language“, „Not available in your region“ und dieses Jahr natürlich auch noch mit 3rd Party DRM.

    Nein Danke, Valve, ich verzichte. Die feilgebotenen Indie Games habe ich dank Humble Indie Bundle eh schon alle. 😀

  5. Miranda sagt:

    Tja, es hat auch Vorteile, nicht in Deutschland zu leben 🙂

    Zumindest bin ich zufrieden mit den Angeboten und es gibt ja auch mehr als genug Schnäppchen, die nicht auf der Hauptseite sind, zb Eschalon Book 1+2 oder die Spiele von Avalon bzw Telltalle verramscht gerade ihre Serien…

    Dicker böser langer Link, der sämtliche Deals unter 5 Euro nach Preis aufsteigend listet.
    http://store.steampowered.com/search/?sort_by=Price&sort_order=ASC&price=0%2C3#category1=998&price=0%2C3&advanced=0&sort_by=Price&sort_order=ASC&page=1

  6. Joe sagt:

    Tja, es hat auch Vorteile, nicht in Deutschland zu leben

    Wo man lebt, hat damit rein gar nichts zu tun, sondern es scheitert an der Nicht-US-Kreditkarte. Ich kann mir völlig problemlos physische Discs mit Spielen für Erwachsene aus UK liefern lassen. Nur bei Downloads wird man halt gezwungen, auf finstere Seiten auszuweichen. Hab ich kein Problem mit – nur Valve und die Publisher haben eins.

    Zumindest bin ich zufrieden mit den Angeboten und es gibt ja auch mehr als genug Schnäppchen, die nicht auf der Hauptseite sind, zb Eschalon Book 1+2 oder die Spiele von Avalon bzw Telltalle verramscht gerade ihre Serien…

    Ja, ganz nett diese kinderkompatiblen Games. Von der Sorte hab ich aber wie gesagt bereits mehr als genug.

    Dicker böser langer Link, der sämtliche Deals unter 5 Euro nach Preis aufsteigend listet.

    Danke, aber im Backkatalog gehe ich lieber DRM-frei bei GOG einkaufen.

  7. n8mahr sagt:

    Wenn Eschalon für dich“kinderkompatibel“ ist, dann möchte ich nicht wissen, was für dich „erwachsen“ ist… Und auf die erste Staffel von telltales SamnMax lasse ich auch nix kommen, die ist jedenfalls nicht von der Sorte: „08/15“. Allerdings habe ich die jeweils damals direkt bei den Programmierern gekauft um den Laden zu unterstützen, dazu hätte es Steam nicht bedurft.. aber solange es hilft, die Spiele einer großen Anzahl an Leuten nahe zu bringen, was solls?!

  8. Miranda sagt:

    Also was für einen Beissreflex hier haben und einem gleich falsch verstehen, da kann ich nur den Kopf schütteln.

    Den Titel, den joe nicht gesehen hat, war Dead Island. Ein deutscher Freund hat mich gefragt, was das für ein Spiel ist, was da nicht verfügbar sein soll und habs dann rausgefunden.

    Ich glaub nicht, das diese Zombiemetzelei kinderfreundlich ist.

  9. Joe sagt:

    Den Titel, den joe nicht gesehen hat, war Dead Island. Ein deutscher Freund hat mich gefragt, was das für ein Spiel ist, was da nicht verfügbar sein soll und habs dann rausgefunden.

    Man kann es problemlos sehen, indem man bei Steam einfach ?cc=us an die URL dranhängt. (Nebenbei sieht man auch gleich, wie man von Euro-Valve über den Tisch gezogen wird.) Man kann’s dann halt nur nicht kaufen ohne US-Kreditkarte.

    Das ist aber ausschließlich für Valve und Deep Silver ein Problem, denn die „alternativen“ Downloadseiten warten gleich nebenan. Die brauchen dann gar keine Kreditkarte, weder US noch sonst irgendeine. 😀

    Wer nicht will, der hat schon.

  10. forty-two sagt:

    Dieser englische Artikel http://www.notenoughshaders.com/2012/07/02/the-rise-of-costs-the-fall-of-gaming/ bzw. die deutsche Übersetzung http://www.krawall.de/web/Spielemarkt/special/id,62591/ bringt vieles auf den Punkt. Ich fand ihn sehr lesenswert.

  11. genbachan sagt:

    workaround: mit NoScript (o.ä.) wp.com blocken, dann verschwindet es. Soweit ich das beobachten kann, ändert sich sonst nix am blog (zumindest nichts, was mich am lesen hindert)

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