Immer noch besser als …

Weniger als 10 Euro. Hauptspiel plus beide Addons. Da kann man nicht meckern.

Warhammer 40K – Dawn of War II” im Weekend-Sale auf Steam des eben verstrichenen Wochenendes.

Für diese Summe ertrage ich auch mehr oder minder gleichmütig den Irrsinn, mich zuerst in Steam einzuloggen, um mich dann in “Games for Windows Live” einwählen zu müssen, damit Hauptspiel und das erste Addon vollständig spielbar sind. Weniger gleichmütig ertrage ich den Aberwitz namens “Games for Windows Live”, weil es bei min. einem Drittel aller Einwählversuche immer wieder zu Login-Problemen kommt. Und meine Contenance ganz verloren habe ich, als mir GfWL mitteilte, mein Online-Konto sei jetzt aus diversen Gründen gesperrt und ich solle doch jetzt diese und jene Schritte unternehmen, die im Falle des Gelingens mein Konto wieder entsperren. Da ich zum Glück auf Achievements und andere ePenis-Vergleiche scheiße, lege ich halt ein Offline-Konto an und wünsche meinem Online-Konto ein schönes Leben. Wer immer wissen möchte, warum nur die Erwähnung von “Games for Windows Live” bei nicht wenigen Gamer für Tobsuchtsanfälle sorgt, der soll es gerne selber ausprobieren. Viel Spaß!

Doch genug von diesem Rotz, wünschen wir ihm ein schnelles Ende und wenden uns dem eigentlichen Spiel zu.

Wer die Vorgänger kennt, der findet sich schnell … ähhh … zurecht?

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Ja, es sieht noch so aus wie ein “Dawn of War” von Relic aussehen sollte. Es rennen schießwütige Irre in irrsinnigen Rüstungen durch die Gegend und kloppen sich mit Vehemenz gegenseitig den Schädel ein. Space Marines und Orks und Eldar und *kreisch* endlich die Tyraniden.

Vom Echtzeitstrategie-Charakter der Vorgänger sind aber nur noch rudimentäre Reste geblieben. Ich kann meinen Squads Hotkeys zuweisen und ich kann sie mit einem Rahmen auswählen und per Attack-Move ins Gefecht schicken. Alles andere ist weggefallen. Kein Basisbau, kein Techtree, keine Mech-Einheiten, nur eine Handvoll Squads. Sicher, zum Schluß bekommt man noch einen kleinen Dreadnought, aber ich komme mir doch ein wenig verarscht vor. Hrmpf!

Relic hat das schon in “Company of Heroes” reduzierte RTS-Gameplay radikal entschlackt und alles rausgeworfen, was an traditionelle RTS-Elemente erinnern könnte. Rausgeworfen wurde dabei aber leider auch der göttliche taktische Ansatz, der CoH zu einem Kleinod des Strategie-Genres macht. Hier beschränkt sich das Gameplay auf: Squads auswählen, mit Hotkey Sonderfertigkeiten auslösen und immer feste druff. Auch das Missionsdesign ist recht einfallslos. Am Ende einer Mission steht meist eine Art Mini-Boss, denn es zu besiegen gilt, die Hansels zwischendrin sind nur Kanonenfutter und XP-Farmen für meine Squads. Mission beginnt, strategische Punkte sichern, alles im Weg stehende wegräumen und den Boss zum Klump hauen.

Nicht sonderlich spannend und so anspruchsvoll ein Sonntagnachmittags-Spaziergang, sogar auf höheren Schwierigkeitsgraden. Denn da die Gegner einfach nur das übliche “Mehr austeilen können, mehr einstecken können” spendiert bekommen und man mit dem Rückzugsbefehl jede Squad schnell und sicher aus dem Gefecht lösen kann, damit sie sich an einem Strategischen Punkt wieder regenerieren kann, geraten schwierigere Missionen lediglich zu einem stupiden Test der spielerischen Ausdauer. Immer druff, zwei, drei Standard-Angriffe spammen, Rückzug, Erholen und wieder von vorne das Ganze, da der feindliche Boss sich höflicherweise nicht heilt. Nun ja …

Zum Ausgleich spendiert man mir dafür tonnenweise RPG-Elemente, auf dem Schlachtfeld zusammenklaubbare Ausrüstung, die meine Squadwerte verändern und verbessern können (à la “Bolter of Heroic Orc Slaughter +15”) und Erfahrungspunkte, die man in Squad-Fertigkeiten investieren kann. Ausrüstung, die man nicht mehr verwenden will, lässt sich gegen XP verschrotten. So bastelt man sich Assault Squads, die als taktische Alleskönner vor allem mit Sprengstoff um sich werfen und den anderen Squads aushelfen, man bastelt sich reine Nahkampfeinheiten und Squads, die aus der Ferne alles mit Raketenwerfen, Plasmagewehren und schweren Boltern wegbratzen. A bisserl sinnlos ist zumindest in der Kampagne das Scout-Squad, es ist aber zu vermuten, dass man die Jungs im MP-Bereich effektiver einsetzen kann.

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Rein optisch und akustisch gibt es nichts zu mecken. Relic zieht alle Register und nie sah das WH40K-Universum hübscher aus. Bunt, brachial, heftig, haufenweise Effekte und aufwendig modellierte und animierte Figuren. Schauwerte vom feinsten und auch akustisch braucht sich die Säuberung der Galaxis von allem Xeno-Geschmeiß nichts vorwerfen zu lassen. Backtertackertacker macht der Bolter, Rängtängtäng macht das Kettensägenschwert und dumpf knallen die Raketensprengköpfe in die orkischen Reihen. Yay!

Was fürs Auge, was fürs Ohr. Fein. Alleine nur dafür waren die zehn Euro die Ausgabe wert. Feine Sache, das.

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Dass ich aber nicht nach kurzer Zeit eingeschlafen bin, weil es kaum was zu Überlegen gibt und die Missionvielfalt doch zu wünschen lässt, lag nur daran, dass man “Dawn of War II” nicht als Strategiespiel betrachten darf. Man muss es als kurzweiliges Action-Spektakel, als SF-Hack&Slay, als spassiges Popcorn-Geballer für Zwischendurch betrachten. Niedrigen Schwierigkeitsgrad wählen und dann einfach drauflosballern, was das Algorithmen so hergeben. Nicht nachdenken. Squads aufrüsten, Loot sammeln, sich den rudimentären “Talentbaum” hochleveln. Fertig.

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Dann sieht man schon nach ca. 10-12h den Ladebildschirm der finalen Mission, aber wie bereits gesagt, in höheren Schwierigkeitsgraden wird nur die Ausdauer des Spielers gefordert, nur hin und wieder seine Reflexe, wenn man schnell von Squad zu Squad schaltet und wie ein Irrer via Hotkeys Spezialfertigkeiten spammen muss, um den jeweiligen Missionsboss plattzumachen. Ich hatte meinen Spaß mit diesem Action-RPG und habe bis zum Erscheinen von Torchlight 2 ja noch die beiden Addons vor mir.

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Warhammer 40K – Dawn of War II”. Kein Strategiespiel, als Action-RPG zu seicht, aber immer noch besser als … sich in Echtgeld-Auktionshaus 3 zum Klicksklaven von Blizzard zu machen.

Blizzard, die übrigens bei W40K derart geklaut, äh, sich für Starcraft haben inspirieren lassen, dass es angesichts der enormen Klagefreudigkeit von Games Workshop irgendeine Form stillschweigender Einigung/Zahlung gegegeben haben muss.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Review.

22 Kommentare zu “Immer noch besser als …

  1. lalala sagt:

    Hättest dir lieber Krater auf Steam gekauft, das macht viel Laune 🙂

  2. Harzzach sagt:

    Krater kommt dann, wenn ich auf TL2 keinen Bock mehr habe. Bis dahin können die Jungs das Spiel auch fertiggestellt haben.

  3. vyo sagt:

    Mit Dow II wurde ich auch nicht ganz warm, der Vergleich mit Teil 1 bekommt ihm nicht. Retribution fand ich dagegen wieder ziemlich gut. Ob das am Gewöhnungseffekt liegt, oder ob sie wirklich wieder etwas mehr auch den alten Spielstil erlauben, sei mal dahingestellt. Für das Geld aber, wie von dir gesagt, ein lohnenswerter W40k-Ausflug =)

  4. Harzzach sagt:

    Weia! Man verzeihe die Vielfalt der weiter oben zu lesenden Rechtschreib-, Grammatik- und sonstiger Fehler. Vor lauter „Purge the Unclean, Purge the Alien“ ist mir zuviel Korruption in meine Seele geströmt … ich hoffe ihr wisst, was ich eigentlich sagen möchte 🙂

  5. Rollenprinz sagt:

    DoW 2 ist leider eines dieser neumodischen Spiele, die eigentlich nur für den Multiplayermodus konzipiert sind. Der SP Part ist quasi nur ein Tutorial um die Steuerung zu erlernen. So spart man sich auch die aufwändige Arbeit eine gute KI zu programmieren. Nur leider hat selbst die dümmste KI bessere Manieren als so mancher Online Spieler weshalb ich dem Offline Modus treu bleibe und mir DoW 2 auch für 10 Euronen am A… vorbei geht.

  6. Mr.Freaky sagt:

    DoW2 hab ich auch nie wirklich gespielt…irgendwie…ich weiß nicht. Den ersten Teil hab ich dafür ziemlich krass gesüchtelt. Hättest dir lieber Space Marine holen sollen, da hättest du dann noch mehr Krabumm und zersplatternde Orcs um dich rum gehabt.
    Achja Blizzard hat nicht nur bei 40k von GW geklaut…

  7. Harzzach sagt:

    „Space Marine“ hatte ich schon mal kurz angetestet … und war alles andere als beeindruckt. Fader, öder Kloppmist! NIx gegen Kloppmist grundsätzlich, aber er darf halt net fade & öde sein.

    Was die Missions- und Gameplayqualität betrifft, so muss ich mir im Addon „Chaos Rising“ aber schon etwas mehr Mühe geben und erhalte abwechslungsreichere Missionsziele. Aufklärung ist sinnvoll, Jump Jets und die Psycho-Fähigkeiten des Librarians machen oftmals den Unterschied zwischen Sieg und schmachvollem Rückzug. So allmählich entdecke ich hier die taktische Tiefe, die in DoW2 wohl nur dem MP vorbehalten ist.

  8. Minando sagt:

    Games for Windows gibts immer noch ? Wahscheinlich immer noch die selbe Lachnummer wie vor…umm..wieviel Jahren ?
    Mist, jetzt bin ich deprimiert.

  9. Mr.Freaky sagt:

    Vielleicht sollte ich mir es nochmal angucken, wie du jetzt Chaos Rising beschreibst. 🙂 Ok, dass man Space Marine Fad und öde finden kann, kann ich sogar durchaus nachvollziehen, eigentlich jeden einzelnen Kritikpunkt…aber als Warhammer 40k Fanboy hat ich 10 Stunden + noch einiges im Multiplayer sehr viel Spaß damit. 🙂

  10. Daniel sagt:

    Die Bilder sehen aus wie Diablo/Torchlight, nur als RTs ^^

  11. ka5per sagt:

    Boah, hab ich mich über dieses Drecksspiel geärgert…
    Den ersten Teil fand ich nur geil, blind Teil 2 gekauft und Zupf!
    Nicht nur diese Drecksdreifachverdongelungsdreckscheiße sondern auch noch ein… ein… sowas!
    Wiederlich!
    /pfui

  12. blabla sagt:

    Was soll daran nicht fertig sein?

  13. Harzzach sagt:

    Ich meine in Reviews gelesen zu haben, dass bestimmte Feature in der Releaseversion noch nicht vorhanden sind.

  14. Harzzach sagt:

    So, finale Grind-Mission geschafft (Anrennen, stunnen, kloppen, wegrennen). Zum Schluß sind die Jungs doch wieder ziemlich overpowert, aber der korrumpierende Einfluß des Chaos im Laufe der Kampagne und diverse schön designte Missionen lassen erahnen, was für ein geiles Action-RPG Relic hätte machen können.

    Jetzt kommt Retribution dran. Schon gespannt …

  15. askies sagt:

    DoWII hat mich auch ziemlich enttäuscht. Teil 1 fand ich super und das erste Addon gefiel mir auch noch seht gut. DoW II konnte mich anfangs nur wegen der toll animierten Space Mariens fesseln aber boah war das Spiel langweilig! Ok, für den Time Bonus habe ich deprimierender Weise immer nur 1 -2 Punkte bekommen, vielleicht hab ich es ja falsch gespielt…

    Bei all den Nebenmission die ich alle mitgenommen habe, habe ich gefühlte 100 Stunden immerhin doch gespielt… habe mich stets gewundert dfas alle behaupten, es sei so kurz. Aber vielleicht war das einfach der auf-der-Arbeit-ist-nichts-zu-tun-und-die-Zeit-geht-dadurch-nur-noch-langsamer-voran Effekt.

    Den MP fand ich übrigens super langweilig! 2 Maps hab ich gespielt und hatte die Schnauze voll. Da hab ich im DoW 1 MP mehr Zeit verbracht.

    Hm. Ich glaube ich installier morgen Incubation….

  16. Keldorn sagt:

    Also Retribution ist mit abstand die beste SP Kampanie für DoW2. Man kan hier über die Add Ons gut erkennen das Relic selbst gemerkt hat das DoW2 SP mist war und sie es besser können. Gerade Retribution habe ich inzwischen mit allen Fraktionen durchgespielt und habe mich nie gelangweilt.

    Noch ein tipp: unbedingt (!!!!) Last Stand zocken, das ist das eigentliche highlight von DoW2!

  17. askies sagt:

    Ach, was ich noch sagen wollte: Chaos Gate. Bestes WH40K Spiel.

  18. DLFReporter sagt:

    Cool! Ein WH40K X-Com clon! Top Sache! ^^

  19. askies sagt:

    Allerdings!

  20. Mr.Freaky sagt:

    Danke für die Anmerkungen, ich glaub ich spiel es mal wieder. 🙂

  21. Das Alien sagt:

    Stimmt schon, Krater war bei Release eine ziemlich Baustelle und auch im Moment wird immer noch fleissig gesägt und gehämmert und so manches Feature nachgeschoben. Es stimmt aber auch, dass Krater trotzdem richtig Laune macht und beim Spielen keinesfalls unfertig wirkt.

    Und immerhin hört man auch auf die Wünsche der Spieler . So wollten viele Spieler ihre Recken auch über deren Levelcap behalten, die angeheuerten Prügelknaben sind nämlich von Haus aus in Level 0-5, Level 6-10 und Level 11 -15 unterteilt. Also hat man jetzt ein Bootcamp eingebaut, in dem man die Helden über den Levelcap hinaus trainieren darf.

    Aber wie dem auch sei – für 13 Euronen ist das Spiel trotz andauernden Umbaus sein Geld auf jeden Fall wert.

  22. Uranochos sagt:

    W40k: Dawn of War ist immer noch ein sehr gutes Spiel, gerade auch für Multiplayer oder Coop. Mittlerweile ist genug Zeit ins Land gegangen, dass alles gut gepatcht und ausbalanciert ist, und mit Mods wie zB dem Apokalypse-Mod sieht es den Massenschlachten des Tabletops schon recht ähnlich.

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