Geh doch rüber …

Da kommt man ziemlich spät, respektive früh nach Hause, kann nicht richtig einschlafen, surft noch eine Weile durchs Netz und stößt dann auf diese Meldung:

Mike Capps: Epic Games has a PC-exclusive game in the works

Mike Capps, das war übrigens der Herr, der vor zwei Jahren gesagt hat, dass sich Epic noch stärker auf den Konsolenmarkt konzentrieren wird, weil dort das Geld ist im Gegensatz zum PC, wo es doch nur Software-Piraterie gibt. Begleitet von diversen hochnäsigen Tweets von Epics Vorzeige-Douchebag Cliffy B., in denen dieser ins gleiche Horn stieß.

Jetzt aber, da die neuen Konsolen doch länger auf sich warten lassen als erhofft, der Konsolen-Schweinezyklus den Höhepunkt überschritten hat und die Umsatzkurve wieder zu sinken beginnt, die Indie-Szene am PC blüht und gedeiht und innerhalb weniger Monate diverse höchst erfolgreiche Crowdfunding-Projekte gezeigt haben, welche konsumrelevanten Käuferschichten die Majors in den letzten Jahren schlichtweg ignoriert haben … da möchte Epic natürlich nicht zurückstehen und ebenfalls mitmischen. Denn, oh Wunder, natürlich kann man auf dem PC ordentlich Geld machen. Wenn man denn Spiele für den PC macht. Und nicht einfach nur ein für Konsolen designtes Spiel rein technisch auf den PC konvertiert. Denn dann bleibt einem nur übrig sich darüber echauffieren, dass kein PC-Spieler solche Dinger wie zB. Bulletstorm oder die PC-Version von Gears of War haben möchte.

Wobei ich hier eher davon ausgehe, dass all das dumme Geschwätz von Epic bezüglich der PC-Plattform seinen Grund in dem katastrophalen Abschneiden von Unreal Tournament 3 hat, welches im damaligen Shooter-Herbst 2007 (wie Crysis) gegenüber CoD: Modern Warfare geradezu katastrophal baden gegangen ist, aber trotz umfangreicher Nachpatcherei und Titan-Update 2.0 nicht der Gnade des Longtail-Erfolges zuteil wurde, der im Nachhinein Crysis mit über 3 Mio. verkaufen Einheiten mit zu den erfolgreichsten PC-Exklusivtiteln EAs gemacht hat. UT3 gilt heute als kommerzielle Enttäuschung, als “The Phantom Menace” unter den Spielern, Man anerkennt durchaus den Aufwand, den Epic hier betrieben hat, aber mehr als ein bestenfalls höflich-gähnendes Desinteresse will nicht aufkommen.

Und seitdem ist man bei Epic sauer auf den PC als Spieleplattform zu sprechen. Nicht, weil man da grundsätzlich kein Geld verdienen kann, sondern weil Epic dort kein Geld mehr verdienen kann, die Kundschaft sich nahezu vollständig vom einstigen Szene-Liebling abgewandt und ihr Geld anderen Firmen gegeben hat. Epic? PC-Spiele? Machen die nicht dieses Gears of Dingenskirchen für die Box?

Aber gut. Schauen wir mal, was eine Firma, die sich vor zwei Jahren noch offiziell und wiederholt nicht nur aus diesem Markt verabschiedet hat, sondern sich zudem nicht zu schade war sich abfällig über die Ex-Kunden zu äussern, präsentieren wird. Ein Facebook-Spiel? Ein kleiner Towerdefense-Klon mit dem neuen UE4-Graphikmotor zu Testzwecken? Oder gar *gasp* Unreal 3?? No, just kidding 🙂

Wie dem auch sei, spätestens in zwei Jahren wird wieder das große Geheule über den miesen, wenig lukrativen PC-Markt losgehen, denn dann stehen die 360- und PS3-Nachfolger in den Läden.  Und am lautesten wird man wieder bei Epic heulen. Warum? Weil die PC-Kunden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin keinen Bock auf Spiele von Epic haben. Weil Epic ohne Not und aus Überheblichkeit und Arroganz im Angesicht des überwältigenden Erfolges des GoW-Franchises meinte auf die alte, treue Kundenbasis scheißen zu können.

Früher, damals, zu den Hochzeiten das Kalten Krieges, da konnte man jede politische Diskussion über soziale Probleme in freiheitlich-kapitalistischen Westen mit dem Spruch “Wenn’s Dir hier nicht gefällt, dann geh doch rüber!” eiskalt abwürgen. Nun, abwürgen will ich Epics zarte Anbandelungsversuche nicht, ich freue mich über jede Firma, die zur Vielfalt des Spieleangebotes auf dem PC beitragen möchte, aber es liegt mir gerade so auf der Zunge:

“Ach, isses da drüben doch nicht so dolle, was?”

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Kack.

14 Kommentare zu “Geh doch rüber …

  1. knarf sagt:

    Hehe, wenn wir den Zyklus nicht schon mehr als einmal miterlebt hätten, wäre es tatsächlich erstaunlich bemerkenswert, wieviele Publisher/Hersteller allein in den letzten Monaten Loblieder auf den PC absangen, aufwändige Konvertierungen oder gar PC-Exclusives in Aussicht stellten.

    Und so drehen sich ihre (öffentlichen) Ansichten und Meinungen wie das Fähnlein im Winde, und in 1-3 Jahren, wenn die neue Konsolengeneration das Licht der Welt erblicken wird, geht das gleiche Spiel von vorne los. „Der PC ist tot, es lebe der PC.“

  2. Harzzach sagt:

    Bestes Beispiel für dieses Show-Geschwätz für die Investoren, Marketing und PR ist für mich Ubisoft.

    Führt ein derbes Dauer-Online-DRM ein, weil auf dem PC ja nur geklaut wird. Ubisoft-Offizielle verkünden mehrfach, dass man der PC-Plattform keine große Aufmerksamkeit schenken wird, weil da kein Geld gemacht werden kann. Und doch gibt es jedes Assassins Creed-Spiel auch für den PC, zT. mit extra zusätzlichem Aufwand. Ubisoft ist der EINZIGE Major-Publisher, der mit Siedler, Anno und HoMM gleich drei (!) PC-exklusive Franchises im Angebot hat und regelmäßig neue Teile dafür veröffentlicht. Letztlich bin ich sogar wieder über diverse Gerüchte über einen neuen „Silent Hunter“-Teil gestolpert.

    Und weil man auf dem PC ja kein Geld machen kann, verkloppt man immer mehr Titel aus dem Back-Katalog sogar DRM-frei über GOG.com und andere Portale. Weil der PC umsatzmäßig ja tot ist.

  3. Look sagt:

    Sry aber so etwas wie ein UT4 auf dem PC wird einfach nicht funktionieren, wen sie aus UT3 nicht gelernt haben, das High End Grafik/überbordene Schattenwelten/kleinteilige architektonische Orgasmen bei einem schnellen Shooter so etwas von gar nicht interessiert und ganz im Gegenteil das Gameplay stören wie nichts gutes.

    Das mag im SP geil kommen, im MP allerdings schaltet man irgendwann auf picmip/lodbais weil es das eigene spiel stört (ebenso wie head bobing, wackelnde Waffen, allgemein Waffenmodelle, gibb n gore, man stellt den schnellen switch der Waffen ohne Animation an usw. usw.).

    Was bleibt da noch wen Grafik nicht zählt? Eine Engine bekommt man nicht verkauft, weil man geile Maps bauen kann die super zu spielen sind (ballenced), mit tollem item placement, guten spawn points usw.. Da hilft auch kein guter Netcode, kein Serverbrowser der das Wort verdient, kein linux dedicated server, kein mod support, keine demorecord funktion mit kleiner Dateigröße, ein guter eSport coverage support (vielleicht sogar ein HLTV Bastard), von so Kleinigkeiten wie guter Soundortung will ich gar nicht anfangen, oder von Cheatabsicherung ab Urschleim (damit meine ich NICHT das Punkbusterpflaster drauf zu pappen, um den Riss im Damm zu reparieren) – Nein, Nein, damit gewinnt man heute keinen Blumentopf mehr.

    Mal ehrlich für schnelle Shooter fehlt die Spielerbasis, da gibt es nur noch alte Hasen, seit 2005 ist dahingehend der Ofen aus, die heutigen Spieler sind auf publics schon zu stumpf um etwas anderes als Deathmatch hinzubekommen.

  4. Harzzach sagt:

    Mal ehrlich für schnelle Shooter fehlt die Spielerbasis, da gibt es nur noch alte Hasen, seit 2005 ist dahingehend der Ofen aus, die heutigen Spieler sind auf publics schon zu stumpf um etwas anderes als Deathmatch hinzubekommen.

    Meine (jetzt schon etwas älteren) Erfahrungen mit Enemy Territory und Battlefield 1942 bestätigen das. Nur wenige können tatsächlich team-orientiert spielen, die meisten wollen schnell und einfach an die größte Wumme, das dickste Fahrzeug kommen, um schnell und risikolos die Map rulen zu können. Und dank CoD und TF ist ein MP-Shooter heute eh nur noch eine Solo-Veranstaltung für Achievement- und Unlockable-geile Sammler. Wenn man da die anderen Spieler einfach durch Bots ersetzen würde, würde viele gar keinen großen Unterschied bemerken.

    Der aktuelle Trend bei den Spielen der Majors. Spiele so zu entwerfen, dass man möglichst schnell mit möglichst wenig Anstrengung möglichst viel erreichen kann. Spiele für Leute, die zwar keinen Bock auf stumpfes Fernsehglotzen haben, aber auch beim Zocken bitte nicht allzu aktiv sein wollen. Is ja sonst zu anstrengend.

  5. Look sagt:

    Was glaubst Du wie übel das für jemanden ist, der Tribes, Natural Selection, Savage und ähnliches gespielt hat (ich kann auf DM schon seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr, unter CTF mache ich es nicht). Heutige MP Shooter ekeln mich regelrecht an, nicht weil das Spiel nicht vielleicht irgendwo spielenswert wäre (wobei auch das kaum mehr gegeben ist), aber diese Spielerschaft ist einfach nur noch verachtenswert. Ich meine das wirklich so hart, wie es dasteht. Was da so herum kreucht und fleucht auf den Servern, ist für mein dafürhalten einfach nur noch ein Unfall der „Natur“ – so egoistisch versaut und bar jeder denkbarer Idee wie man einen MP bestreitet, das man selbst die Überlebensfähigkeit im Alltag anzweifelt.

    P.S. Wer dachte das CS und BF die größten Haufen waren, die das Geschmeiß anzogen, der sollte auf gar keinen Fall in den Bereich DotA eintauchen. WoW, SC und WC sind dagegen echt Kindergarten was die, ähhh, rüdere Sprachkultur anbelangt.

  6. Harzzach sagt:

    Zudem sollte man bedenken, dass die früheren Fans immer älter werden, die Reflexe nachlassen und MP-Sessions nur noch mit Mühe abgehalten werden können. Merke ich jedes Mal aufs Neue, wenn ich alle paar Monate eine Runde Quake Live zocke und froh bin, wenn ich wenigstens EINEN EINZIGEN Frag erzielen kann, anstatt selber nur das willige Zielobjekt für andere zu sein 🙂

  7. Uranochos sagt:

    Da Real Life auch mehr Zeit beansprucht als damals(TM), bin ich auch ziemlich aus der Übung.
    Bloss, welches Spiel motiviert mich heutzutage, die Zeit zu investieren?

  8. Harzzach sagt:

    Ein gute Übung für die Reflexe und das präszise Mouse-Handling ist Hard Reset auf höheren Schwierigkeitsgraden. Meine Fresse, bekommt man hier ratzfatz die selbige voll. Zwar ein kurzes Spiel, aber dafür ziemlich knackig.

  9. askies sagt:

    Meine Reflexe bei Spielen sind auch eingerostet. Zum einen weil ich neben Beruf und Alltag „langsame“ Titel vorziehe, zum anderen weil die meisten Actionspiele diese bequeme Cover-System haben. 🙂

    Wäre ja toll wenn Epic mal was neues interessantes schafft. Aber bei den „großen Alten“ erwarte ich nichts wirklich dolles mehr. Vorallem nicht bei Trittbrettfahrern. Ich muss schändlich gestehen, dass ich mich schon über einen reinen Port von Gears of War 2 und 3 total freuen würde. Den ersten hab ich mit sehr viel Spaß gespielt. Ist halt DER Arnie-Actionfilm unter den Spielen. 🙂

  10. Harzzach sagt:

    Das haben mir schon viele gesagt, das mit dem „Arnie-Film“ unter den Spielen, aber obwohl ich selbst ein „Commando“ von 1985 noch halbwegs ertragen kann, wenn das im Rahmen eines Revival-80er-Action-Videoabends passiert … ich fand „Gears of War“ stinklangweilig. Nach einer Stunde habe ich aufgehört, weil ich erkannt habe, dass ich besseres mit meiner Freizeit anfangen kann. Zum Beispiel Red Heat oder Predator anschauen 🙂

    Nee, ehrlich. Einen schwülstigen 80er-Macho-Action-Film kann ich gerne anschauen. Aber als Spiel … da geht Serious Sam als Parodie. Und der Duke (der frühe), ebenfalls als Parodie. Aber GoW hat sich selbst so fürchterlich ernst genommen, dass mein Kiefer schnell in Gähnstarre verfiel.

  11. Joe sagt:

    Der Konsolenhype ist halt irgendwann auch mal vorbei und Konsumentenherde zieht weiter zum nächsten angesagten Trend. Ob der PC die Rettung ist, halte ich auch für sehr fraglich. Mir fallen da eher Smartphones und Tablets ein, wo gerade die Weiterentwicklung des Videospiels und Gameplay-Innovationen stattfinden.

    Fakt ist: Die selbsternannten „Majors“ sind viel zu fett für die kommenden mageren Zeiten, sind in erster Linie geldschöpfungsbedingte Luftschlösser. Es ist auch gar nicht mehr nötig, sich als Proponent eines Videogamecrashs zu betätigen, denn die gesamtwirtschaftlichen Indikatoren deuten auf die Verarmung der Hauptzielgruppe hin, die im Moment noch ihre Kreditkarten bis ans Limit bringt, um die EAs und Epics dieser Welt „reich“ zu machen.

    Daher werden erfolgreiche Spiele künftig für billige ARM-Rechner erscheinen und zwischen 50 Cent und maximal 5 Dollar kosten (dürfen). Und das werden die strukturell falsch aufgestellten Banken mit angeschlossener Spiele-Entwicklung nicht überleben…

  12. malleimmain sagt:

    Sehr schön gesagt 😉
    Eigentlich müssten sich die Majors über den allgemeinen Sozialabbau und die laue lohnentwicklung in den Industrieländern beschweren statt sich am Sündenbock Raubmordkinderficker auszulassen, aber niemand beisst die Hand die einen Füttert 😉

  13. askies sagt:

    Geschmacks- und Ansichtssache 🙂 Der 2. Teil nimmt sich nicht mehr sooo ernst. Und zu zweit machts doppelt Bock, nehme es aber keinem Übel dem es nicht gefällt. Ich finde da gibts nicht viele Spiele der Sparte Muskelbepackte 80er Helden räumen malordentlich auf – mit coolen One-Linern… Serious Sam ist mir dann wieder ZU albern. 😉

    Einmal zu 4:10 spulen: http://www.youtube.com/watch?v=vIYWP5Zwh9c&feature=relmfu

  14. Uranochos sagt:

    Die Konsole ist doch auch ein alter Hut. Ich persönlich hatte „Pong“ auf der Konsole, da war von Computern noch nichts zu sehen.
    Das änderte sich mit dem C64. Er begründete in meinen Augen die Überlegenheit des Computers, die für mich bis heute ungebrochen ist: An meine Bedürfnisse anpassbare Hard- und Software.

    Aus Nostalgie habe ich den Brotkasten immer noch.

    Apropos C64:

    http://www.abendblatt.de/ratgeber/multimedia/article2243532/Computer-fuer-die-Massen-Vater-des-legendaeren-C64-ist-gestorben.html

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