Unter dem Radar: Warzone 2100

1999 stand nicht im Kino, sondern in der Spielewelt der 3D-Hype in voller Blüte. Ego-Shooter hatten den Weg bereitet, mit Lara Croft wurde das Genre Action-Adventure begründet und Gabriel Knight 3 war im Jahre 1999 meines Wissens auch eines der ersten 3D-Adventures. Nur noch die Strategie- und Taktik-Fans konnten sich diesem Hype erwehren. Denn 1999, das war das Jahr des großen Duells zwischen Age of Empires 2 und Command & Conquer Tiberian Sun, während ein Starcraft zur großen Verwunderung technophiler Pixeljunkies konstant an Popularität gewann.

3D? Brauchen wir nicht!

Pustekuchen! Es gibt keinen Schutz vor dem technischen Fortschritt. Denn 1999 erblickte mit “Warzone 2100” das erste vollwertige 3D-RTS das Licht der kommerziellen Spielewelt. Irrwitzerweise auch für die Playstation, wobei ich mir angesichts der Beschränkungen eines Controllers schon die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Plattformwahl stellen muss.

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Anyway, leider wurde das Spielejahr 1999 von Titeln wie eben Age of Empires, Command & Conquer oder Starcraft dominiert und folgerichtig ging Warzone 2100 sang- und klanglos unter. Da half auch kein 3D.

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Doch das war nicht das Ende dieses wegweisenden Spieles. Einige Jahre später stimmte der Publisher Eidos einer Veröffentlichung des Quellcodes zu, später auch der Spielinhalte. Warzone 2100 wurde OpenSource und fand hier sein neues Zuhause.

Ist ja alles schön und gut, aber warum sollte man sich  als RTS-Fan mit Warzone 2100 beschäftigen? 3D ist in diesem Genre nu wahrlich nix mehr neues.

Weil Warzone 2100 mehr zu bieten hat als nur “3D”.

Dieses Spiel hat …

  • das mit Abstand beste und gleichzeitig auch innovativste Interface, welches ich je in einem 3D-RTS gesehen habe.
  • ein modulares Produktionsdesign mit Hunderten von möglichen und unmöglichen Kombinationsmöglichkeiten.
  • starke Betonung von Artillerie-Einheiten und stationärer Artillerie.
  • Dutzende von Gebäudetypen.
  • Wichtigkeit von Sensorenreichweiten in Kombination mit entsprechenden Störmaßnahmen.
  • Detaillierte Einstellungsmöglichkeiten für das Verhalten der eigenen Einheiten.
  • Commander-Spezialtypen, mit denen man zahlenmäßig große Angriffe zielgenau timen und abstimmen kann.
  • Hab ich schon das geniale Interface erwähnt, wo ich selbst mitten im dicksten Gefecht Nachschub produzieren, Reparaturaufträge koordinieren und neue Forschungsaufträge starten kann? Nein? Dann erwähne ich es gerne zum dritten Mal.
  • Das beste Interface, welches ich je in einem 3D-RTS gesehen habe! Gleich beim ersten Versuch innovativ UND richtig gemacht, während die Konkurrenz von Blizzard, Westwood und Ensemble bei späteren im Prinzip nur die Graphik-Engine ausgetauscht haben, das Interface aber genau das gleiche der 2D-Vorgänger ist.

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Sicher, optisch macht auch die aktuelle Version trotz einiger HighRes-Mods nicht viel her. Die Landschaft ist braun und steril, im späteren Spielverlauf gibt es zwar auch Winterlandschaften zu sehen, die aber ebenso steril sind wie die kargen Landstriche im Südwesten der USA, wo die ersten Abschnitte der recht langen Kampagne spielen. Aber das stört nicht, liegen die Stärken von Warzone 2100 doch eindeutig im spielerischen Bereich.

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Denn zusätzlich zu all den oben genannten Features springt die Kampagne nicht einfach nur von einer Map zur nächsten, sondern viele Missionen finden auf einer großen Karte statt, die immer weiter aufgedeckt und freigeschaltet wird, wo man seine Basis von Mission 1 an kontinuierlich ausbaut und verbessert, zusätzliche Stützpunkte anlegt, strategische Punkte befestigt und seine Veteraneneinheiten hätschelt und pflegt oder recycelt, um die wertvollen Erfahrungspunkte für neue, stärkere Einheiten zu nutzen.

“Warzone 2100” – beschissener Name, geiles Spiel!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Underdog.

25 Kommentare zu “Unter dem Radar: Warzone 2100

  1. Kampfhirn sagt:

    Ich hab damals nur ne Demo angespielt. Aber deiner Beschreibung nach müßte Supreme Commander sehr, sehr viel mit Warzone 2010 gemein haben. Nur Einheiten selber basteln geht da nicht.

  2. Triblitz sagt:

    Von Total Aniihilation hast du aber schon gehört?
    http://en.wikipedia.org/wiki/Total_Annihilation

  3. Harzzach sagt:

    Pahh, Total Boredom! 🙂

    Während ich Supreme Commander als DAS ultimate RTS betrachte (besser geht nicht mehr), so fand ich zu TA nicht den richtigen Zugang. Es gab zwar viele Einheiten, aber vieles davon war nur Optik ohne spürbarem Gameplay-Einfluß. Und das Interface war bestenfalls zweckdienlich.

    Was ich hingegen an Warzone so erstaunlich finde: Es war das erste 3D-RTS überhaupt und kam gleich so rund und durchdacht daher, hat Ideen aus anderen Spielen geschickt integriert, anstatt der bloßen Summe war das Ganze denoch mehr.

  4. Triblitz sagt:

    Pah, langweilig meinetwegen (obwohl mir jetzt kein Unterschied zu Supreme Commander einfallen will :))
    Aber wenn du schon über das Interface motzt, einer Einheit beliebig viele Befehle zu geben fand ich damals genial. Und was die Einheiten angeht, eine Kanone die über geschätzte 3 C&C Maps schießen konnte war atemberaubend.
    Und ich müsste mich schon sehr irren wenn Total Annihilation nicht auch 3D war, und schon 1997 rauskam.

  5. Harzzach sagt:

    TA war 2D, welches aber geschickt ein 3D-Terrain simulierte. Ähnlich wie Doom oder Wolfenstein 3D ja nicht „echtes“ 3D war, sondern lediglich ein trickreiches 2.5D. Was Quake bei den Ego-Shootern war, das war Warzone bei den RTS-Vertretern.

    Das tollste an TA war auf jeden Fall der Soundtrack 🙂

  6. Nerpax sagt:

    Warzone 2100 habe ich hier sogar noch herumliegen (in einer Spielsammlung-Version).

    Die Übertragung der Einheiten, Basen und Forschungen von Mission zu Mission begeistert mich heute wie damals.

    Die Einheiten sind zwar oft auch Kanonenfutter, aber es hat schon wesentlichen Einfluss auf die Kampagne, ob man seine Einheiten nur verheizt oder gut pflegt. Da es in fast allen Missionen ein Zeitlimit gibt, kann man auch nicht einfach ein gegnerisches Gebäude stehen lassen und dann so lange Einheiten für die nächste Mission bauen, wie man will.

    Man wechselt im Verlauf der Kampagne zwar mehrmals die Hauptbasis; trotzdem entwickelt man ein wesentlich engeres Verhältnis zu seiner eigenen Basis als in anderen Spielen. Der Strategie-Aspekt kommt hier sehr gut zur Geltung, da man seine Basis nicht gerade so hinklatscht, wie man sie für eine Mission braucht, sondern auch zukünftige Missionen im Blick behalten muss.

    Und die Zwischensequenzen sind auch gut gemacht.

    Definitiv eines meiner Lieblingsspiele.

  7. Anon sagt:

    Der Tech-Tree war auch eindrucksvoll, den im Multiplayer einfach nur durchzutechen hat schon Stunden gedauert.

    http://guide.wz2100.net/r/tech-tree

    Offtopic: Zur Email-Adresse und Gravatar:
    Du schreibst, dass du die E-Mail adresse nicht veröffentlichst, sendest aber einen Hash an Gravatar.
    Damit ist schon ein Teil veröffentlicht, Gravatar kennt zwar nicht direkt die Adresse, kann aber zu den Hashes Profile bilden.

  8. bluntman3000 sagt:

    Warzone 2100 habe ich auch gespielt. Lange sogar, aber leider nie beendet. Später habe ich mal einem Freund bei der Playstation-Version ausgeholfen und ein paar Tipps gegeben. Dort konnte man übrigens selbst in Einheiten klettern und „direkt“ am Gefecht teilnehmen. Hat mich umgehauen, damals. Keine Ahnung, ob ich diese Funktion bei de PC-Version nur verschlafen hatte….

  9. bluntman3000 sagt:

    Warzone 2100 habe ich auch gespielt. Lange sogar, aber leider nie beendet. Später habe ich mal einem Freund bei der Playstation-Version ausgeholfen und ein paar Tipps gegeben. Dort konnte man übrigens selbst in Einheiten klettern und “direkt” am Gefecht teilnehmen. Hat mich umgehauen, damals. Keine Ahnung, ob ich diese Funktion bei der PC-Version nur verschlafen hatte….

  10. Harzzach sagt:

    Das konnte man in der PSX-Version? Wobei … is ja totaler Quatsch, was ich oben geschrieben habe mit „erstem 3D-RTS“. Das war nämlich ein Jahr vorher „Battlezone“:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Battlezone_%281998_video_game%29

    Und das hatte auch ein simples, logisches und eingängiges Interface. Ist aber genauso untergegangen wie Warzone 2100.

  11. Harzzach sagt:

    Aber mit den Hashes kann man meines Wissens keinen Bezug zur Person herstellen. Von daher kann Gravatar gerne profilen, wie sie wollen.

    Ich könnte natürlich auch die Retro-Avatar-Generierung durch das Standard-Bild ersetzen.

  12. Akabei sagt:

    Neben Warzone 2100 gibt es eine ganze Menge an ehemals kommerziellen Spielen, die inzwischen Freeware-Status haben. S.W.I.N.E., der Vorgänger von Codename: Panzers, ist durchaus auch das ein oder andere Spielchen wert. Auf der englischen Wikipedia Seite gibt es einen Eintrag, der diese Spiele auflistet.
    http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_commercial_video_games_released_as_freeware

  13. Minando sagt:

    Kanone macht Bumm,
    Gefreiter fällt um…

    …ich mag Spiele mit überschaubarer Handlung.

  14. Jekhar sagt:

    Warzone sagt mir zumindest von der Optik was, ich glaub gespielt hab ich es aber nie. Das fiel damals in meine lange RTS-Ermüdungs-Strecke. Nach Dune 2 auf dem Amiga und begeisterten C&C-Matches auf unseren kleinen, privaten LANs konnte ich lange kein RTS mehr sehen. War für mich alles zu viel vom Gleichen. Selbst mit Starcraft wollte ich nicht warm werden, schlimm, ich weiss. Richtig geflasht hat mich erst wieder Homeworld. Seitdem weiß ich auch daß Basenbau nichts für mich ist. Bin lieber mobil.
    Wäre Homeworld denn nicht auch die logische Fortsetzung deines Artikels gewesen? Das erste 3D-RTS das 3D richtig ausnutzt? 😉

  15. Harzzach sagt:

    Jepp, Homeworld war dann der konsequente Schritt weiter. Leider waren viele Leute von dieser Räumlichkeit überfordert (obwohl man auch hier ein wunderschönes Interface hatte).

    Übersättigt war ich von RTS-Spielen mit dem Anbruch der ersten großen RTS-Welle. Dune 2 & Warcraft 1/2 gezockt bis zum Umfallen, Age of Empires 1 war noch ok, C&C1 war irgendwie nervig und alles danach war einfach zuviel. Erst die Starcraft-Demo hatte wieder die Lust am hektischen Klicken geweckt.

  16. taake sagt:

    Geiles game, richtig lustig wirds erst wenn jemand der Meinung ist alles mit Rippels zuzupflastern o.O
    Durch das selber zusammenstellen der Einheiten gibt es dem ganzen ne echt taktische Tiefe.
    Wenn dir sowas zusagt schau dir mal Spring RTS an.

  17. Rollenprinz sagt:

    Für die Playstation gab es auch eine Maus! Die war auch bei dem XCOM Port sehr gut zu gebrauchen!

  18. DLFReporter sagt:

    Hallo Leute und Hi Harzzach,

    ich bin schon länger ein Leser Deiner Seite und wollte mich mal für die vielen, zum Teil echt gut geschriebenen, Kommentare/Einträge bedanken. Ich hatte letzten erst Deinen alten Blog gefunden und die Schätze dort vergraben sind waren auch schön zu lesen. 🙂

    So mit dem nun aus dem Weg, möchte ich in dieser Diskussion noch auf eine kleine Open-Source Perle im RTS Genre hinweisen, auf welche ich erst vor kurzem durch einen Arbeitskollegen gestoßen bin – „Zero-K“.

    Basierend im Spielprinzip auf dem Original Titel „Total Annihilation“ nutzt Zero-K die open source „Spring Engine“ und besitzt eine Vielzahl von tollen Innovationen, welche ich bisher bei noch keinem kommerziellen RTS gesehen habe. Wenn Ihr Spaß an älteren RTS habt und Euch wirklich durchdachte Hilfen/Neuerungen beim Spielen wünscht, so schaut es Euch einfach mal an.

    http://zero-k.info/

    Grüße aus dem Süden

  19. askies sagt:

    Ich missbrauche mal deinen schönen Artikel um zu fragen ob ihr das Game kennt: http://www.infinity-universe.com ?

    Da ich selber so tolle Projekte gern mal vergesse, erinnert ihr hoffentlich alle daran, wenn es Neuigkeiten gibt. 🙂

  20. Corexx sagt:

    Bin, was Strategiespiele angeht, eigentlich seit Jahren auf meinen Genrekönig ‚Warcraft 3‘ geeicht, aber das Interface und die superb funktionierende KI dieses Spieles lässt mir echt die Spucke wegbleiben.
    Ich spüre zwar, wie ich zumindest für die Kampagne nicht die nötige Motivation für spontanes Durchspielen aufbringen kann, aber die Eingängigkeit des Interfaces und das Verhalten der Einheiten ist wirklich sagenhaft wünschenswert für aktuelle Titel.
    So machen Panzerschlachten mit 50 Einheiten auf einmal richtig Spaß. Kein Vergleich zu der 12-Einheiten-Grütze meines bisherigen Favoriten oder 2D-Interface-Hindernisse, die fast die Hälfte des Bildschirms einnehmen. =/

  21. Martin sagt:

    Ich stimme dir nicht oft zu, aber das Spiel ist wirklich völlig zu unrecht untergegangen. Alleine schon die Comamnder-Einheiten, die auch dann einzelne Feinde markieren und so Angriffe konzentrieren (ja, auch heute muss man über 10 Jahre später immer noch alle Einheiten auf ein Tastenkürzel legen und dann selber dafür sorgen, dass ein sinnvoller Angriff oder eine sinnvolle Abwehr geschieht!), hätten es verdient gehabt, kopiert zu werden. Dann noch die stetige Erweiterung der Karte und die Möglichkeit, die eigene Basis innerhalb der Kampagne immer wieder zu verwenden und auszubauen… wirklich ein klasse Spiel. Und so sehr ich Starcraft 2 auch mag – gegen die Konkurrenz aus der Vergangenheit spielt es sich hoffnungslos veraltet.

  22. Martin sagt:

    So, jetzt nochmal in lesbar:

    Ich stimme dir nicht oft zu, aber das Spiel ist wirklich völlig zu unrecht untergegangen. Alleine schon die Commander-Einheiten, die auch dann einzelne Feinde markieren und so Angriffe konzentrieren (ja, auch heute muss man über 10 Jahre später immer noch alle Einheiten auf ein Tastenkürzel legen und dann selber dafür sorgen, dass ein sinnvoller Angriff oder eine sinnvolle Abwehr geschieht!), wenn man mal nicht drauf schaut, hätten es verdient gehabt, kopiert zu werden. Dann noch die stetige Erweiterung der Karte und die Möglichkeit, die eigene Basis innerhalb der Kampagne immer wieder zu verwenden und auszubauen… wirklich ein klasse Spiel. Und so sehr ich Starcraft 2 auch mag – gegen die Konkurrenz aus der Vergangenheit spielt es sich hoffnungslos veraltet. An Warzone 2100 sieht man wirklich, wie wenig sich Computerspiele in den letzten 10 Jahren abseits der Grafik verbessert haben.

  23. bavaroti sagt:

    Sofort nach dem lesen den Artikels runtergeladen und losgezockt. Und endlich wieder dieses Feeling, das ich damals auch bei Dune 2 hatte. Hier macht das Spielen Spaß und endet nicht in Stress und Hektik. Da kann man in Ruhe mal die nächsten Züge planen und sich auch mal ein Bier zwischen zwei Bauauträgen aufkorken. Danke für den Tip!

  24. Beco sagt:

    Hach, viel zu spät gesehen, diesen Beitrag.

    Ja, Warzone macht auch heute noch Laune, Ich spiele regelmäßig, mindestens alle halbe Jahre, mit Freunden ein paar Multiplayermatches – entweder Deathmatch (mit halbstündigem Nichtangriffspakt, damit jeder erstmal schön forschen und seine Basis aufziehen kann 🙂 ) oder gemeinsam gegen den von Patch zu Patch (Danke an die Communiy) stärker gewordenen Computergegner, just for fun.

    Sehr schön!
    Beco

  25. stangi sagt:

    Zu WZ2100 bin ich wieder durch linux gekommen. Eines der wenigen Spiele die schon in den Paketen drin sind (Ubuntu/Mind) Spiele es alle paar Jahre mal wieder für ein paar Wochen. Das schafft sonst nur C&C Red Alert und Supreme Com. bei den RTS 🙂

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