Drehung für Drehung

Nicht nur lese ich sehr gerne den (endlich) fast abgeschlossenen Roman-Zyklus “The Wheel of Time” von Robert Jordan selig, ich mag auch das symbolische Bild vom Rad der Zeit, welches sich unaufhaltsam dreht, gleichgültig, was wir Menschen davon halten oder nicht. Man sagt auch, dass Veränderung die einzige Konstante im Universum ist (zumindest aus unserer begrenzten Weltsicht mit Lebenspannen von im Schnitt 60-70 Umkreisungen unseres Planeten). Panta rhei, alles fließt, wie schon die alten Philosophen Griechenlands so trefflich “festgestellt” haben.

Darum empfinde ich auch jedes Gefasel von der angeblichen Alternativlosigkeit bestimmter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen als Beleidigung menschlichen Geistes und Vorstellungsvermögens. Wir Menschen sind körperlich eine schwache Spezies, wir haben im Vergleich zu vielen Lebensformen dieses Planeten keine herausragenden physischen Fähigkeiten. Wir sind vielleicht nicht mal besonders klug. Aber wir können uns auf fast schon magische Weise schnell anpassen, alte Gewissheiten über Bord werfen und neue Ideen in die Tat umsetzen, wenn der Druck nur groß genug ist. Wir sitzen nicht da und lassen uns vom Rad der Zeit einfach überrollen. Wir schauen uns an, wohin die nächste Drehung führt und laufen mit.

Manchmal genügt es, wenn wir uns im engen persönlichen Umfeld anpassen. Manchmal haben wir auch das Glück (oder das Pech, je nach Standpunkt und persönlichen Folgen) Zeuge und/oder Teilnehmer großer Umwälzungen und fundamentaler Paradigmenwechsel zu sein.

Obwohl es für großspurige Behauptungen vielleicht noch ein wenig früh zu sein scheint, so neigen doch immer mehr Leute zu der Meinung, dass Digitalisierung und Internet, Computer und vielfältige Kommunikationsstrukturen uns gesellschaftlich und wirtschaftlich in ein neues Zeitalter katapultiert haben. Die gesellschaftlichen Umwälzungen, von denen wir gerade erst kleine Anzeichen hier und da feststellen, werden zusammen mit einer immer schneller und enger zusammenwachsenden Welt womöglich umfassender und tiefgreifender sein, als wir das bislang aus unserer Geschichte kennen. Wohin die Reise führt, das weiß niemand. Aber dass sie stattfindet, das kann man nicht mehr leugnen.

Einer der vielen Bereiche, in denen man Zeuge dieser Veränderung sein kann, ist der kulturelle Bereich. Die letzte große gesellschaftliche Umwälzung, die Industrialisierung, hatte den Wohlstand der Bevölkerung so gesteigert, dass Unterhaltung und Kultur nicht länger eine Sache reicher Mäzene, armer Künstler (mit einzelnen Ausnahmen) und verruchter Schauspielerei war, es entstand folgerichtig eine ganze Industriebranche, die abertausenden Menschen Lohn und Brot brachte, weil die Menschen sich gerne von Musik und anderen Kulturwerken erfreuen lassen und ihren neugewonnenen Wohlstand entsprechend wieder ausgaben. Bücher und Musik und Filme wurden massenhaft gedruckt, gepresst und vervielfältigt, weil es eine immer größere Nachfrage nach ihnen gab. Verlage und Filmstudios und Musik Labels wurden nicht nur reich, sie wurden REICH, weil sie allmählich den kompletten Prozess von der Produktion bis hin zum Vertrieb an den Endkunden unter Kontrolle hatten.

Dann aber wurde der Computer erfunden, das Rad, der Feuersteinkeil und das Bronzemesser unseres Zeitalters. Bücher und Musik und Filme wurden nun digitalisiert und auf CDs und DVDs gepresst, was die Kosten pro Kopie gesenkt und die Darstellungsqualität um Größenordnungen in die Höhe getrieben hatte. Es entstanden weltweit operierende Konzerne mit Jahresumsätzen im hohen Milliardenbereich. Ohne diese Konzerne lief nichts mehr, sie wurden so dominant, dass sich in den Köpfen der Menschen die Vorstellung festsetzte, dass Kultur gleich Konzern ist, dass es ohne diese Konzerne keine Kultur mehr geben würde.

Während diesem fast schon gottgleichen Aufstieg entstand aber aus harmlosen Netzwerken, in denen man digitale Informationen zwischen Computern austauschen konnte, das Internet, welches uns Menschen weltweit mit einem einzigen Mausklick zusammengebracht hat. Und nun begann die Melange aus einfachem Kommunizieren und einfachem Kopieren digitaler Information mit Kosten von nahezu Null ihre korrodierende, unaufhaltsame Wirkung auf die in den Jahrzehnten davor entstandenen Strukturen auszuüben.

Reich wurden diese Konzerne, weil sie alles unter Kontrolle hatten. Die Produktion, den Vertrieb, sogar die Preisfindung. Jetzt jedoch, wenn man eine Kopie eines Musikstücks auf Knopfdruck innerhalb weniger Sekunden erstellen kann und selbige Kopie innerhalb weniger Minuten weltweit an tausendende und abertausende Menschen verteilen kann … gibt es keine Kontrolle mehr. Das alte Geschäftsmodell, über die vollständige Kontrolle und künstliche Verknappung eines Produktes entsprechend Gewinn zu erzielen, funktioniert so nicht mehr, weil es keine Kontrolle und künstliche Verknappung mehr gibt. Natürlich, es werden weiterhin irrsinnige Summen verdient, den Konzernen, den Studios und Labels geht es immer noch sehr gut. Aber sie haben ihre dominante Position verloren. Sie bestimmen nicht mehr, wo es lang geht, auch wenn sie mittlerweile in der Lage sind sich passende Gesetze maßschneidern zu lassen. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht und ihres Einflusses angekommen, zerrinnt ihnen diese Macht und Einfluss aber wie Sand zwischen den Fingern, weil immer mehr Menschen erkennen, dass man diese Konzerne nicht mehr benötigt, um nicht nur Kunst und Kultur zu schaffen, sondern auch tatsächlich davon leben zu können.

Man braucht die Produktionskapazitäten der Konzerne nicht mehr, weil Hard- und Software zur Erschaffung entsprechender Inhalte billig und bezahlbar geworden ist. Man braucht die Vertriebsstrukturen der Konzerne nicht mehr, weil der Produzent/Künstler seine Werke direkt an den Konsumenten/Rezipienten weitergeben kann. Man braucht das Marketing der Konzerne nicht mehr, weil man nicht mehr x Millionen Kopien verkaufen muss, weil man nicht mehr den ganzen Konzern davon durchfüttern muss, sondern nur sich selbst. Und mittlerweile braucht man auch nicht mehr die Anschubfinanzierung der Konzerne, da sich alternative Finanzierungsmodelle wie zB. Crowdfunding bei Kreativen und Rezipienten immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Im Spielebereich gibt es das auch schon. Immer mehr Indie-Entwickler lassen sich dadurch komplett oder teilweise vorfinanzieren. Jetzt aber, jetzt hat zum ersten Mal einer der ganz Großen der Szene den Schritt gewagt.

DoubleFine_Kickstarter

Tim Schafer und Ron Gilbert, DIE Gamedesign-Legenden schlechthin, hatten das Ziel über die Crowdfunding-Plattform “Kickstarter.com” in einem Monat 400.000 Dollar einzunehmen, um damit die Finanzierung eines neuen Spieles von Schafers Double Fine-Studio sicherzustellen.

Nach nicht einmal 24h wurden bereits über 400.000 Dollar gesammelt.

Sicher, bekannte Namen helfen beim Spendensammeln, keine neue Erkenntnis, aber ganz ehrlich … wenn ich sehe, dass bei Aktionen wie dem “Humble Indie Bundle” viele Menschen ordentlich Geld ablatzen, obwohl sie nur mit ein paar Cent ebenso in den Genuss dieser Spiele kommen oder sie gleich für umme irgendwo aus dem Netz ziehen können, so ist funktionierendes Crowdfunding kein hübscher Wunschtraum spinnerter Sozialromantiker und langhaariger Bombenleger-Kommunisten, sondern harte, münzenklingende und nicht mehr zu leugnende Realität.

Das, werte Leser, das ist ein durch Digitalisierung und Internet eingeleiteter Paradigmenwechsel. Live.

Und wenn es bei der nächsten Aktion eines Entwicklers, dessen Spiel ich verwirklicht sehen möchte, möglich ist, seinen Beitrag auch über Paypal oder andere kreditkartenlose Zahlungswege zu leisten, kaufe ich mir auch einen Platz in den Credits. Oder mehr. Je nach Spiel und Entwickler.

Nieder mit den Konzernen!

Venceremos!

*kicher* *gnihihihi*

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28 Kommentare zu “Drehung für Drehung

  1. Unwissender sagt:

    Crowdfunding ftw! bin mal gespannt, wieviel dabei am Ende rum kommt, wenn jetzt schon fast eine halbe Million Dollar auf dem Zähler notiert ist.

    ob man so vielleicht auch in den Genuss eines würdigen Monkey Island Nachfolgers kommen könnte? so eine grandiose Reihe darf doch nicht mit Monkey Island 4 enden..

  2. Jekhar sagt:

    Hab mich schon gefragt wann der Beitrag hier wohl auftaucht. 😉
    Bin jedenfalls sehr gespannt auf das Ergebniss. Was Double Fine nach Brütal Legend so produzierte fand ich ziemlich dürftig. Vom Story- und Ambientedesign zwar interessant, aber spielerisch schon recht „naja“. Also von Brütal Legend aus eine konsequente Weiterführung ins Negative. Ich hoffe das wird eine Rückkehr zur alten Form.

  3. Harzzach sagt:

    Ich hab hier auf Grund des letzten Steam-Chrismas-Sales „Costume Quest“ herumliegen, über das ich demnächst was schreiben werde. Zwar einige Interface- und Bedienungsprobleme (schlampige PC-Version), aber alles in allem der typische DoubleFine-Charme.

  4. Daniel sagt:

    Spielt Trenched aka Iron Brigade, ein fantastisches Tower Defense Mech Game. Das ist auch von Double Fine und das ist mit das beste Spiel auf XBL. Keine Ahnung ob es das auch im PSN gibt oder auf dem PC.
    Aber das Spiel ist sehr sehr gut(hat nur keiner mitbekommen :))

  5. Unwissender sagt:

    wohl (bislang?) nur über XBL veröffentlicht:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Iron_Brigade_(video_game)
    http://ironbrigadegame.com/index.html

    auf Gamespot auch für PC gelistet, aber ohne Wertung:
    http://www.gamespot.com/iron-brigade/platform/pc/

  6. Daniel sagt:

    Ja wg Probleme mit dem Spielenamen erstmal vom Erdboden verschwunden, in Deutschland erstmal gar nicht erschienen, aber nun gibts das seit einiger Zeit … aber hat natürlich nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient hat!
    Allein das Mech zusammenbasteln ist den Kauf wert 🙂

    Im übrigen @ Herrn Harzzach

    Warum Paypal und keine KK?
    1. Ist Paypal jetzt nicht grad der tollste Verein der Welt(google mal Paypal und Problem/Erfahrungen, viel Spaß beim lesen) und
    2. Kann doch jeder Depp ne Kreditkarte haben, bspw. die von Amazon. Zinsfrei kann man den ganzen Monat fröhlich einkaufen, es wird 1x im Monat abgebucht und man hat nur 19€ Kosten für die Karte pro Jahr. Und die bekommt man im ersten Jahr noch geschenkt. Zudem sammelt man Punkte womit man sich evtl mal Gutscheine holen kann bei Amazon o.ä.
    Das Limit ist riesig, je nachdem was man einträgt, die LBB prüft das eh überhaupt nicht.

    Sicherheit wird bei der Karte auch großgeschrieben, daher kann ich die nur wärmstens empfehlen.
    Eine fehlende KK sollte also kein Grund sein diese interessante „Crowdfunding“ Geschichte nicht zu unterstützen!

    Mfg

  7. Harzzach sagt:

    Isch abe keine Kreditkarte … und sehe selbst für so ein schöne Crowdfunding-Geschicht nicht die Notwendigkeit mir extra dafür eine zu zulegen. Wobei das nichts mit einer grundsätzlichen Ablehnung von Kreditkarten zu tun hat, sondern eher mit einer noch zu geringen Nützlichkeit einer KK für mein Dasein. Ich brauche derzeit keine KK für meinen Alltag. Würde ich sie irgendwo wirklich benötigen, hätte ich eine. Mehr ist da nicht dahinter.

  8. Harzzach sagt:

    Noch ein sehr feiner Kommentar zu dieser Geschichte:

    http://www.rockpapershotgun.com/2012/02/09/thought-double-fines-kickstarter-asks-some-big-questions/

    Und wir sind derzeit bei knapp 750.000 Dollar.

  9. anigunner sagt:

    Auf der einen Seite finde ich das natürlich toll das jemand mit seiner Idee so viele Anhänger findet… dem Majors den Stinkefinger zeigt und sich quasi von seinen Fans das Kapital vorstrecken lässt. Es ist ein tolles Beispiel für einen anderen Weg der Finanzierung von Spielen, die der Meinung der großen Publisher nicht genug Potential haben um Geld zu verdienen.

    Aber.. ein Teil in mir sträubt sich auch irgendwie für etwas zu zahlen wo man nicht weiß was man eigentlich dafür bekommt. Klar ist der Mann kompetent, klar ist die Chance das es nichts ist eher gering. Aber ich habe mir nach all den Enttäuschung schon abgewöhnt für etwas zu zahlen, was ich noch nicht angetestet habe. Wobei, ich habe vorgestern Guild Wars 2 vorbestellt…. vielleicht besteht ja noch Hoffnung für mich das ich noch nicht ganz verbittert- und aufgegeben habe 😉

    Ich hoffe das dieses Projekt gut verläuft, und das es natürlich Nachahmer findet. Und es zeigt mal wieder wie „tot“ die PC-Plattform ist, und das dort nur Raubkopierer rumziehen und man dort kein Geld mehr machen kann. Mittlerweile sind wir bald bei einer Millionen Doller…. ^^

  10. Minando sagt:

    So philosophisch werde ich meist erst nach dem dritten Glas. Alles fliesst, aber wozu gibts denn Wischlappen. Ich halte es mehr mit „der Mensch ist ein Gewohnheitstier“ und bestelle das vierte Bier.

  11. Minando sagt:

    Auch sollte die Frage erlaubt sein ob so ein Vorschuss- Modell mit weniger bekannten Namen funktioniert hätte, das wage ich mal zu bezweifeln.

  12. Harzzach sagt:

    Natürlich funktioniert es mit bekannten Namen besser. Ist doch bei jedem Finanzierungsmodell der Fall.

    Bank: „Natürlich, Herr Wulff, Sie bekommen unsere Sonderkonditionen.“
    Bank: „Herr Harzzach, es tut mir leid, aber wir können nichts für Sie tun.“

  13. Almashi sagt:

    Wegen solcher Beiträge schaue ich hier gern rein. Geht schon lange nicht mehr um Game Previews u.ä.
    Die Zustände logisch erklärt, fein aufgebröselt und nachvollziehbar analysiert. Lösungsansätze präsentiert und an einem Beispiel dokumentiert.
    Das ist revolutionstheoretische Ausbildung. Sollte ich jemals die Weltrevolution ausrufen, MUSST du mein Engels sein.

    „Es rettet uns kein höh’res Wesen,
    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
    Uns aus dem Elend zu erlösen
    können wir nur selber tun!“

    *Faust*

  14. Harzzach sagt:

    Oi, Goethe und Faust in einem Gamer-Forum? Der Himmel fällt uns auf den Kopf! 🙂

  15. Almashi sagt:

    neh …öhm…..ich….naja…….ist nich aus „Faust“……..

    DIE *Faust* : Die Grußform des Rotfrontkämpferbundes war ein gesprochenes „Rotfront“, wobei der Grüßende seinen rechten Unterarm ruckartig (zackig) bis auf Kopfhöhe anhob und mit seiner Hand eine geballte Faust formte, bei der der Handrücken vom Betrachter abgewandt, sprich nach hinten gerichtet, war.

    Die angehobene und geschlossene Faust symbolisierte die geballte Kraft der Arbeiterklasse und assoziiert daher auch Stärke und Widerstandsfähigkeit..

    ……die Lyrik ist nat. aus der Sesamstraße

    *Rotfront*

  16. Harzzach sagt:

    Siehste, Kultur und Gamer … 🙂

    *entschuldigend auf dieses blöde Shop-Feature verweisend, welches ich eigentlich fixen sollte, anstatt hier abzuhängen*

  17. Joe sagt:

    Kann doch jeder Depp ne Kreditkarte haben, bspw. die von Amazon. […] Das Limit ist riesig, je nachdem was man einträgt, die LBB prüft das eh überhaupt nicht.

    Die LBB weiß dank Datenaustausch mit Amazon eh genauestens über Deine Bonität Bescheid. Vorteil für Amazon ist, daß sie über die Karte auch alle Nicht-Amazon-Transaktionen gemeldet bekommen und so ein noch genaueres Profil von Dir erstellen können.

    Ergo: Die wissen besser als Deine Kartoffelbank, was Du Dir leisten kannst. 😉

  18. Brakiri sagt:

    Hehe..ja dieser Kommentar war zu erwarten 😉
    Hättest gleich noch die Proteste gegen ACTA in 150 Ländern reinweben können, organisiert und initiiert über Twitter und Co.

    Das Internet als Sammelbecken der „Jetzt reichts!“-Generation.

    Oft zweifel ich daran, dass sich diese Gesellschaft noch vor dem Überrwachungsstaat und der absoluten Macht der Konzerene retten kann. Solche „Aufstände“ geben mir wieder ein wenig Hoffnung.

    Aber wer hat gesagt: „Hoffnung ist der erst Schritt auf dem Pfad zur Enttäuschung“?

  19. Harzzach sagt:

    Es kommt in jeder „revolutionären“ Generation der Moment, an dem man erkennen muss, dass die einst gesteckten Ziele nicht erreicht wurden, die Dinge oft genug nur anders, aber nicht unbedingt immer besser geworden sind. Oftmals sind solche „Revolten“ aber auch nur die Speerspitze eines gesellschaftlichen Wandels, das sichtbare, prominente Symbol dieses Wandels. Sprich, diese prominenten Bewegungen verändern selbst nicht viel, geben aber dem Wunsch nach Veränderung ein Gesicht und verstärken somit den gesellschaftlichen Wandel.

    Die sog. 68er-Studenten haben mit ihren Protesten und Forderungen selbst nicht viel erreicht, das Establishment hat sich davon nicht wirklich beeindrucken lassen … aber heute ist eine Frau Bundeskanzlerin und der amtierende Aussenminister und der Bürgermeister der Hauptstadt sind bekennende Schwule und KEINER regt sich deswegen mehr auf. Die direkte Folge einer Liberalisierung verkrusteter gesellschaftlicher Werte und Vorstellungen, für welche die 68er als Aufbruchssymbol standen.

    Was aus Occupy Wall Street, Anonymous usw. einst wird, weiß niemand. Aber die Guy Fawkes-Maske ist ein sehr starkes Symbol, „V wie Vendetta“ ist das Woodstock, DAS Aufbruchssymbol unserer Zeit. Es bleibt spannend! 🙂

  20. Caramarc sagt:

    hast du mein Bioreferat aus der 8 Klasse „Der Mensch das unspezifische Wesen“ anno 1993 (oder so) gelesen… der zweite Block liest sich zumindest so 😉

  21. Harzzach sagt:

    ich gebe es zu, ich habe geguttenbergt. Als Entschuldigung führe ich die Arbeitsbelastung an, unter der ich leide und meine gegeelten Nasenhaare. Ausserdem ist vorgestern Whitney Houston gestorben und ich empfinde es als Unverschämtheit, dass Du in solch schweren Zeiten keine anderen Probleme zu kennen scheinst. Mein Ehrenwort und überhaupt, ich bin jetzt in meiner Badewanne!

    🙂

  22. Aloha2 sagt:

    Noch ein Nachtrag zum Thema im Allgemeinen und zu Double Fine und Mr. „I have balls!“ Schafer im Besonderen:

    Ich habe gerade in einem Artikel bei GiantBomb (http://www.giantbomb.com/news/16-million-and-counting/3981/) im zweiten Satz gelesen, dass Double Fine Productions vor etwa einem Monat ein geplantes Projekt absagen musste. Normalerweise bedeutet das (speziell in Nordamerikanesien), dass damit auch für die geplanten „Human Ressources“ der sprichwörtliche Hammer fällt. So etwas wäre, selbst bei einem größeren Entwicklerstudio als es Double Fine ist, lupenrein begründbar und würde in der Geschäftsleitungsebene nicht den leisesten Hauch eines Zweifels über die Sinnhaftigkeit solch einer Aktion aufkommen lassen, von Rechtmäßigkeit ganz zu schweigen. In der Öffentlichkeitsarbeit würde es mitleidheischend heißen: „Uns waren durch die äußeren Umstände hier leider die Hände gebunden!“ und im Hintergrund würde der freie Markt dieses Verhalten zynisch mit steigenden Aktien ob der losgewordenen unnötigen Mäuler goutieren.

    Aaaaaber, wenn die Darstellung der Ereignisse in dem oben genannten Artikel stimmt, kam es hier anders als der normale Lauf des Universums es vorsieht. Trotz das sie zu dem genannten Zeitpunkt noch keine finanzielle Alternative hatten, entschieden Mr. S. und D.F. folgendes:

    Zitat: „Rather than laying anyone off, Schafer kept them on board, hoping a risk would pay off.“

    Wohooo, ein CEO, welcher gute Mitarbeiter trotz unvorhergesehener Zwangspause nicht fallen lässt und vielmehr sogar noch darüber nachdenkt, wie alternative Wege funktionieren können?? Nicht die zwingend anzuwendende Hire-and-Fire-Mentalität, DIE IM GRUNDGESETZ DER USA ALTERNATIVLOS VERANKERT IST?!?? … *huströchel* … Da hier offensichtlich Pfade gegen jede naturgesetzliche Vorschrift beschritten wurden, kann das in der Konsequenz nur eines bedeuten: Das Ende der Welt wurde von Dezember 2012 auf „Gleich“ vorverlegt (*duck*)!

    Jetzt mal ehrlich Tim, Glückwunsch zu soviel gesundem Menschenverstand. And it seems common sense f***ing paid off this time! Hört ihr das THQ, ihr kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stehenden ehemaligen „Big Player“, welche das Titan Quest-Team Iron Lore aufgrund einer ähnliche Situation eiskalt über die Klinge hüpfen ließt und dabei gleichzeitig als ausschließlichen Hauptgrund terroristische PC-Raubmordkopierer angabt? Genau diese generalverdächtigte Klientel hat hier das Gegenteil bewiesen, indem sie auf einer uninteressanten Plattform ein totes Genre vorfinanzierten und so wie es aussieht gleich noch einigen in der Luft hängenden Mitarbeitern bei D.F. eine neue Pespektive gaben. Aus freiem Willen heraus. Sometimes there is so much beauty in the world…

    Jaja, keine Angst um meinen Geisteszustand. Natürlich weiß ich, dass es keine Grund gibt, morgen auf schlaraffenlandähnliche Zustände und übermorgen auf die Ausrufung des Paradieses zu hoffen. Ja, es stimmt, D.F. hat noch nichts wirkliches gezeigt. Ja, bei einmaliger Enttäuschung wird die Spendenbereitschaft beim nächsten derartigen Projekt sehr schnell durch Skepsis abkühlen. Ja, es geht hier im Grunde nur um so etwas profanes wie ein Computerspiel, morgen haben wir immer noch globale Finanzkrise. Etc., pp. …
    Dennoch sollte man bei aller im täglichen Leben erworbenen Skepsis nicht verlernen zu sehen, dass es sie eben doch gibt, diese seltenen, besonderen Ereignisse. Die Ereignisse, die selbst der größte Zyniker nicht willentlich falsch interpretieren kann als genau das, was sie sind: Zeichen für Veränderung. Die einfach aus sich heraus ohne das sie es darauf anlegen allen zeigen: „Ja, es geht anders als der dogmatisch zementierte bisherige Weg. Wer etwas anderes behauptet der lügt. Ich bin das Beispiel.“ Und darin liegt der viel größere Wert hier, egal ob 2 Mio.$ Spendensumme geknackt werden oder nicht. Genau der Wert, dass eine an sich simple Ideenkombination wie kickstarter.com / Double Fine es schafft, bei der Finanzierung von elektronischer Unterhaltung im professionellen Bereich scheinbar „alternativlose“ Konstrukte zwar nicht mit lautem Knall einstürzen zu lassen, aber ihnen zumindest mit einer Abrißbirne so große Löcher zu versehen, dass selbst scheuklappenbewehrte Menschen es nicht übersehen können.

    Nein, es wird keine Revolution geben. Aber man kann der Evolution durchaus Feuer unterm Arsch machen, indem man sie unterstützt. Und das haben bis jetzt 51.161 Leute getan.

    In diesem Sinne: Rock on, TimOfLegend! Trommel weitere einigen Leuten das starre Weltbild kaputt. Am besten mit einem Drum-Solo in einem neuen Adventuregame von Dir, was, so wie ich gehört habe, wohl kommen soll… 😉

  23. Harzzach sagt:

    Word up dawg!

  24. Philipp sagt:

    das muss aber ein bomben-adventure sein für 500k. stellt sich die frage ob da eine abrechnung an die supporter von double fine gestellt wird, wie welche mittel verwendet werden/wurden, oder is das unüblich für so ein projekt?

  25. Harzzach sagt:

    Laut Schafer hat man 300.000 für die Entwicklung des eigentlichen Spieles benötigt und 100.000 sollten in eine umfangreiche Doku-Serie fliessen, mit der die Entwicklung des Spieles von A bis Z festgehalten werden soll.

    Die Mehrsumme wird nun in die Portierung auf andere Plattformen gesteckt und ansonsten für Blackjack und Nutten verprasst.

  26. Philipp sagt:

    alles klar, danke für die info.
    „blackjack and hookers“ klingt super, wird aber wohl ausschließlich den key members des teams zu gute kommen, sonst würd ich mir einen pledge überlegen.. ^^

  27. Harzzach sagt:

    Tim Schafer nimmt sich dafür Verstärkung

    🙂

  28. Philipp sagt:

    @harzzach
    na prost mahlzeit, muahahaha…
    dann wird das spektrum wohl um whiskey cola und speed erweitert werden.

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