Shitstorm

Kurz gesagt: Wer für „Bulletstorm“ 40-50 Euro ausgibt, hat entweder zuviel Geld oder spielt das Teil auf einer Konsole, wo es auch perfekt hinpasst.

Etwas länger gesagt: „Bulletstorm“ könnte ein richtig feiner, entspannt sinnloser Arcade-Shooter für die PC-Plattform sein, wenn man dem PC-Kunden nicht wieder die üblich halbgare Konvertierungsscheisse angedreht hätte.

Ausführlich gesagt: Epic, PCF und EA verhunzen ein an sich ordentliches Spiel mit den üblichen Krankheiten und Fehlern, die schon vor ein paar Jahren dafür gesorgt haben, dass PC-Spieler nur bei der Nennung des Namens „Deux Ex 2“ das große Kotzen bekommen. So müssen sich PC-Spieler unter anderem mit dem über das Optionsmenü nicht abschaltbare „Mouse Smoothing“ herumärgern, welches dafür sorgt, dass sich ein präzises Eingabegerät  wie der träge und schwiemlige Analogstick eines Controllers anfühlt.

Ich kann damit leben, dass es nur rudimentäre Optionsmöglichkeiten für das Einstellen der Graphikleistung gibt. Ich kann damit leben, dass es feste Graphik-Einstellungen gibt, die für einen Besitzer leistungsfähiger Hardware nicht gerade optimal sind. Ich kann auch damit leben, dass man das Ingame-Menü nur mit der Tastatur bedienen kann. Ich kann notfalls auch mit all den kleinen Nicklichkeiten und Eigenheiten leben, die mir an allen Ecken und Enden „schludrige PC-Konvertierung“ entgegenschreien. Aber ich kann nicht damit leben, dass ein so elementarer Eingriff in das Gameplay wie das „Mouse Smoothing“ offiziell nicht veränderbar ist.

„Bulletstorm“ spielt sich schwammig und träge. Ich habe ständig das Gefühl das Fadenkreuz von Hand anschieben zu müssen und präzises Zielen ist natürlich auch nicht möglich. Gut, es ist angesichts all der Aim-Hilfen und übergroßen Trefferzonen auch nicht unbedingt erforderlich, aber man merkt dem Spiel so überdeutlich an, dass es für die Bedienung mit einem Gamepad entworfen wurde. All die Combos und lustigen Dinge, die man mit dem Gegner anstellen kann, wären mit einer präzisen, exakten und flüssigen Maussteuerung viel zu leicht. Deswegen kann man dieses Feature im Spiel auch nicht ausschalten. Man kann es scheinbar nur über das Editieren der altbekannten Ini-Files tun, was seit den Tagen von Unreal 1 vertrautes Gelände ist.

Warum regt der Kerl sich dann aber so auf? Warum schmeisst er nicht einfach den Texteditor an und ändert den entsprechenden Wert?

Weil (und jetzt kommt der finale Punkt, warum ich „Bulletstorm-PC“ für einen schlampigen Konvertierungsdreck halte, der nicht den Releasepreis von 40 Euro wert ist), weil die Entwickler dachten, es sei eine total schlaue Idee die Ini-Files zu verschlüsseln. Ich müsste also erst bei in-offiziellen Foren vorbeischauen (weil man bei Epic laut Aussage von Ars Technica entsprechende Threads sperrt), mir entsprechende Tools besorgen, um aus einem schlampigen Konvertierungsdreck ein vollwertiges, weil nach Belieben frei einstellbares PC-Spiel zu machen. Den eben verlinkten Artikel sollte übrigens jeder lesen, der mit dem Gedanken spielt sich „Bulletstorm“ zum jetzigen Zeitpunkt zu besorgen.

Ach ja, wie isn das Spiel als solches überhaupt?

Wie bei Deus Ex 2, so steckt auch hier in einer schlampigen Verpackung ein solider Kern. „Bulletstorm“ ist, wie ich bereits oben erwähnte, ein richtig feiner, entspannt sinnloser Arcade-Shooter. Maßlos überdrehtes und übertriebenes, alle Fetzen fliegen lassendes und komplett realitätsfernes Geballere. Eigentlich genau mein Ding! 🙂

Da die PC-Version aber mutwillig oder schlichtweg aus Blödheit (unterschätze NIEMALS die Dummheit der Menschen!) aus besagten Gründen verhunzt wurde, ist „Bulletstorm-PC“ der ideale Kandidat für das typische 2.49€ -Sonderangebot auf Steam. Mehr würde ich für so einen Port, welcher zudem auch noch mit Games for Windows Live verstümmelt wurde, eh nicht zahlen.

Schade eigentlich …

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Review.

26 Kommentare zu “Shitstorm

  1. bartgesang sagt:

    „Noch ist Polen nicht verloren“? Ach, People can Fly, warum tut ihr mir das an? Na ja, auch wenn der Harz das aus bekannten Gründen nicht gern hören wird, mit dem „Witcher 2“ gebe ich die Hoffnung auf die Vernunft der östlichen Nachbarn noch nicht auf.

    Nun kommt als nächstes der Duke dran. Mal sehen, was sie dem armen alten Mann alles angetan haben. Da wird der persönliche Masochismus bestimmt wieder voll auf seine Kosten kommen.

  2. klopskalle sagt:

    Wenn man es mit einem fähigen Entwicklerteam zu tun hat, das weiß, was er macht, ist auch mit einem Analogstick präzises und exaktes Spielen möglich.

    Als Beispiel sei Infinity Ward genannt, die die Controllersteuerung in den CoD-Ablegern war immer sehr gut umsetzen konnten.

    Den Einsatz von Mouse Smoothing in Bulletstorm verstehe ich dennoch nicht. Oder können PC-Spieler und Konsoleros im Multiplayer neuerdings gegeneinander antreten? Denn die Mousesteuerung wird ja gerne als Grund genannt, warum es getrennte Server gibt.

    P.S.: Der deutsche Jugendschutz ist ein weiterer Grund, warum das Spiel keine 40 – 50 Euro wert ist.

  3. Harzzach sagt:

    PCF haben IMHO nur das Grundgerüst geliefert. Bulletstorm riecht an allen Ecken und Enden nach dem Einfluss von Epic, da es penetrant auf hormonell übersättigte College-Jungs und Highschooler abzielt, denen man bis zum Release von GoW 3 schon mal ein wenig Taschengeld aus der Nase ziehen möchte. Bei Epic betrachtet man die PC-Plattform nur noch als untergeordnetes, mit wenig Aufwand zu betreibendes Zusatzgeschäft.

    Und wenn Du auf Witcher 2 hoffen willst, dann tu das bitte, denn schliesslich sagt Ian McKellen: „There is still hope!“ 🙂

  4. Harzzach sagt:

    Oder können PC-Spieler und Konsoleros im Multiplayer neuerdings gegeneinander antreten?

    Nein, nicht, dass ich wüsste. Ist vermutlich wie bei Dead Space, wo das ganze Gameplay auf träges Herumeiern ausgelegt ist, das Spiel mit dem schnellen Drehen und Zielen via Maus zu einfach und somit zu wenig „horror-mäßig“ wird.

  5. klopskalle sagt:

    Also quasi wie bei Resident Evil. Dann lohnt`s sich nicht mal für 2,50 Euro bei den „Steam Aktionswochen.“

  6. distopia sagt:

    Als ich mir den verlinkten Artikel durchgelesen hab, dachte ich WTF!? und musste erst mal bitterlich lachen.

    Da haben es FANS (keine Entwickler) geschafft, binnen weniger Tage ein workaround für die meisten Probleme zu basteln. Da kann ich das Argument „Blödheit“ ausschließen und nenne es „böswilliger Vorsatz“.
    Und wer mich mit Ansage verschaukeln will, der sieht kein Geld – auch keine 2,50€ 🙂

  7. Gonzo sagt:

    Bis zur Erwähnung von Games for Windows Live in der letzten Zeile hätte ich mich ja trotz allem noch zu einem Versuch hinreißen lassen. Aber GfWL ist seit meinem letzten GTA Versuch irgendwie meine Erz-Nemesis…is..is..is…GEHT GAR NICHT! 😛

  8. Heimatprophet sagt:

    Höh? Gibt es von Bulletbore etwa mehrere Versionen „da draußen“?
    Kann es grad nicht nachschauen, aber ich erinnere mich nicht daran, gestern so etwa wie Maus Smoothing bemerkt zu haben. Geht eigentlich recht fix. Auch die Hitzones sind bei mir für die Headshots auch nicht größer als der Kopf selbst. Ok, kann aber auch sein, dass ich mich irre, ich hab da nicht so drauf geachtet.
    Im Menü kann ich aber definitiv die Maus verwenden.

    Ich find das Spiel eher sterbenslangweilig und grade im Prolog vor dem ersten Akt ist es ja schon toll, wenn man mal 30 Sekunden „spielen“ darf, bevor man vpn der nächsten Skriptsequenz aus dem Fluss gerissen wird.
    Und auch das geballer nachher ist zwar von der Idee her ganz nett, aber irgendwie will der Wahnsinn nicht ganz so überspringen wie bei Painkiller oder gar Serious Sam. Vielleicht hab ich ja einfach das Falsche erwartet…

  9. Harzzach sagt:

    Im Hauptmenü selbst kann man die Maus verwenden, im Ingame-Menü hingegen nicht mehr. Aber das wäre für mich, wie gesagt, nur ein minder wichtiges, zu verschmerzendes Detail.

    Und das mit dem Mouse Smoothing ist mir nur deswegen so besonders aufgefallen, weil ich erst letzte Woche ein wenig CoD 1 gezockt habe und es da noch richtig zackig und schnell und direkt zur Sache ging. Selbst ein CoD4 ist ein Musterbeispiel für präzise Maussteuerung. BS hingegen? Näää, bähh!
    Ist zumindest mir zu zäh und träge. Aber jedem das seine 🙂

    Deswegen kotzt es mich auch so an, dass man hier nicht das einstellen kann, was einem persönlich behagt.

  10. Puuka sagt:

    Schade für die PC Welt. Harzzach hat natürlich recht mit TOD DEM PORTIERUNGS MÜLL.

    Glück gehabt das ich erst die „DEMO“ aus dem Usenet gespielt habe…

    Ich spiele BS jetzt auf der PS3 und habe seit langem nicht mehr so viel Spass an einem FPS gehabt… Seit… Seit… Bioshock?! (PC) oder Red Dead Redemtion?! (PS3)

    Für mich ist BS das PAC-MAN Championship Edition DX der FPS Welt… (Hehehe)

  11. Heimatprophet sagt:

    Jepp, jetzt wo du’s sagst… ich bin im „Spiel“ selbst viel zu sehr davon abgelengt, dass einem ständig vorgeschrieben wird, dass man sich ‚hier‘ jetzt nur langsam drehen darf und ‚dort‘ gerade nicht rennen darf und so weiter… das macht das eh schon so träge, dass mir die eirige Maus kaum aufgefallen ist.
    Das und das BlitzBlinkUndShader-Inferno…

    Vielmehr nervt mich, dass das mistige Stück Bugcode jedesmal beim schließen vergisst, meine Tastaturbindings zu speichern.

    Ist echt schade, denn für ein bißchen Geballer zwischendurch hat es eigentlich durchaus seinen Reiz.

  12. Mitch sagt:

    Ich fand Deus Ex 2 aufm PC gut. 😀
    Hatte damals keine großen Erwartungen, und eigentlich hat nur die ewige Laderei der neuen Gebiete genervt.

  13. Harzzach sagt:

    Ich bin ebenfalls der Meinung, dass DX2 kein schlechtes Spiel ist. Nur, es war in der Releasefassung ein besch… Konsolenport, der erst mit Hilfe von Texturemods und umfangreichen Basteleien in der Ini zu einem vollwertigen PC-Spiel wurde.

  14. Hotze sagt:

    Da hilft sich ne #kKonsole anzuschaffen, da sind die Portierungskrankheiten für den Moment kein Thema, da muss man auch nich wie 1985 Ini-Files editieren, sondern legt direkt Los. Die totale Entspannung vom Sofa aus.

    Natürlich war Spielen „früher“ auf dem PC viel erfüllender. Allerdings war man da noch Jünger, unverbrauchter und ‚Autoheals und gedöhns war niemandem bekannt.

  15. Unko sagt:

    Naja Hotze, so entspannt ist das auf den Konsolen nun auch nicht immer, allein schon weil sich die Konsolen der Gegenwart leider auch viel Schlechtes vom PC abgeguckt haben.
    Da hat man es zum Teil mit minutenlangen Installations- und Updateorgien zu tun.
    Nicht selten hat man mit Rucklern und Tearing zu kämpfen, sodaß man sich die Möglichkeit der Manipulation (z.B. über ini) geradezu herbeisehnt.
    Und von all dem abgesehen ist es (meiner Meinung nach) trotz all der Anpassungen und Beschneidungen, um den Shooter adäquat aufs Gamepad rüberzuretten, immer noch kein großes Vergnügen auf Konsolen zu ballern, sofern man alte PC-Shooter-Zeiten mal kennenlernen durfte.

  16. Marsi sagt:

    Quo vadis Spielebranche?
    Scheint ja ein recht interessantes Spieljahr zu werden, für jeden Geschmack etwas dabei.
    RPG: Witcher 2, Skyrim , Deus Ex 3, Mass Effect 3, Dragon Age 2
    Action: Battlefield 3, Brink, RAGE, Crysis 2, Homefront, Dead Space 2
    Und wer weiß was noch für kleine Überraschungen kommen? Jetzt brauch man nur noch Zeit!

  17. Marsi sagt:

    …und natürlich der Duke…..

  18. Hotze sagt:

    Da gebe ich dir recht, Shooter sind nicht für Gamepads gemacht, allerdings so mancher third-person Action Titel ist gerade zu prädestiniert über einen Controller gespielt zu werden.

    So verdinge ich mich seit guten 2 Monaten an RDR auf der X-Box und will zur Zeit nichts anderes…

    Meine Freundin spielt Left for Dead auf der Xbox…frage mich nur wie ihr das Spass macht…grauenhaftes Aiming mit dem Analogstick…

  19. Hotze sagt:

    L.A. Noire!

  20. Harzzach sagt:

    Scheint ja ein recht interessantes Spieljahr zu werden, für jeden Geschmack etwas dabei.

    Genau das werfe ich den Majors vor. Im Zuge diverser Umsatzmaximierungen, im Zuge der Konzentration auf das jeweils am meisten angesagte Genre, Franchise, whatever, bleibt die Vielfalt auf der Strecke. Ich habe nix gegen AAA-Spiele. Ich habe nur was gegen AAA-Spiele, die alle dem gleichen Strickmuster folgen, weil alle aus lauter Angst vor einem Flopp dem gleichen Strickmuster hinterherlaufen, ohne dabei aber zu merken, wie verwundbar man sich in der Konzentration auf nur EINEN bestimmten Geschmack macht. Wenn dieses ganz spezielle Strickmuster nicht mehr angesagt ist (was sehr schnell gehen kann), steht der Publisher ziemlich blöde da, wenn die Kunden ausbleiben, weil man keine Alternativen mehr im Programm hat.

  21. Marsi sagt:

    Ich hoffe ja das einige dieser Spiele zu alten Tugenden führen, wie z.B. Deus Ex 3, BF 3 und Skyrim, bei diesen war der Vorgänger gut, aber die Community war unzufrieden und wurde teilweise eingebunden. Und mit Brink hat man auch einen recht innovativen Multiplayershooter!

  22. Anonymous sagt:

    Wenn man von der Liste dann die Titel mit Zwangsonlineaktivierung, Steam & anderem DRM-Müll wieder abzieht, bleibt aber leider nix übrig… 😦
    Vielleicht am ehesten noch des Witchers 2. Teil, aber da kann man sich -was die Retailversion anbetrifft- ja im Augenblick auch nicht wirklich sicher sein (ist Atari noch Publisher?). Die DRM-freie Digitalversion von GOG zu kaufen und dann über die nächsten paar Jahre von einer DVDR zur nächsten zu retten, ist für mich jedenfalls keine Option. Naja, ich will ja hier keinem die Vorfreude verderben…

  23. askies sagt:

    Deus Ex 2 war gar nicht so schlecht. Es wäre sogar ein richtig gutes Spiel gewesen hätte es nicht „Deus Ex“ im Titel gehabt! Denn an den ersten Teil kontne es nicht anknüpfen, aber das Spiel ist besser, als die meisten anderen Shooter.

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