Bratkartoffelehe

Früher, als die Welt noch in Ordnung war, da wurden Fabrikarbeiter so bezahlt, wie es in den Augen der Entscheider und Verantwortungsträger richtig und angemessen war und alleinstehende Frauen konnten sich noch nicht anstrengungslos am Bruttosozialprodukt bereichern, die spätrömische Dekadenz hielt sich in Grenzen, obwohl am Horizont bereits die rote Gefahr in Form der aufstrebenden Sozialdemokratie dräute.

Die Fabrikarbeiter und alleinstehenden Frauen nutzten also ihre Kreativität und ihren Einfallsreichtum, anstatt denjenigen, die für Wohlstand und Wachstum sorgten, auf der Tasche zu liegen. Die Fabrikarbeiter wollten täglich eine warme Mahlzeit und/oder ein Dach über dem Kopf haben, die alleinstehenden, verwitweten Frauen wollten ein Auskommen haben. Also schloß man sich zu Zweckgemeinschaften zusammen, wo die Frau für ein paar Pfennig eine Mahlzeit kochte und an den Fabrikarbeiter eine billige Schlafstatt vermietete. Es enstand der Begriff der Bratkartoffelehe. Man lebte zusammen, weil es die wirtschaftliche Notwendigkeit erforderte. Eine Partnerschaft ohne Emotionen, Sex oder gar Liebe.

So in etwa kommt man sich neuerdings in World of Warcraft vor, wenn man einer mittelgroßen Gilde (ca. 20-30 aktive Mitglieder) beitritt, in der so gut wie nix kommuniziert wird und jeder nur vor sich hin spielt. Warum man sich diese Farce antut, liegt an den Änderungen, die Blizzard mit Cataclysm für das Gildenwesen einführte.

Denn jetzt gibt es Gildenerfolge, die nicht nur kosmetischen Charakter haben, sondern die auch kleine, leichte Vorteile im Spiel bringen. Da erhöhen sich die Reitgeschwindigkeit oder die Menge an Ruf und Erfahrung, die man mit Quests machen kann. Handwerker freuen sich über eine leicht erhöhte Ausbeute beim Rohstoffe erfarmen und wer vorhat sich eines Tages mit dem Inhalt des Gildenfachs zu verdünnisieren, der freut sich darüber, dass ab einer bestimmten Stufe für jeden Goldbetrag, den ein Gildenmitglied von einem NPC erbeutet, ein kleiner Prozentsatz zusätzlich der Gilde gutgeschrieben wird.

Ich muss zugeben, ich habe im Spiel noch kein einziges Gildenmitglied getroffen. Nicht einmal zufällig. So groß ist Azeroth mittlerweile geworden. Aber es ist dennoch ganz angenehm, wenn man hinter sich eine große Gilde weiß, wo jeder jeden Tag ein klein wenig den Zähler für den nächsten Gildenerfolg nach oben schraubt.

Zweckgemeinschaften sind was feines.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in MMORPG.

16 Kommentare zu “Bratkartoffelehe

  1. Rollenprinz sagt:

    Ich fasse zusammen: 20-30 Mitglieder pro Gilde und keinen Sex! Neee, dann werd ich mir doch lieber den neuen Real Life Realm downloaden…

  2. Harzzach sagt:

    Jetzt stell Dir mal vor, mit allen Gildenmitgliedern so Sex zu haben, dass sich niemand benachteiligt fühlen muss. Weisst Du, was das für ein Stress ist? 🙂

    Neenee, so is besser.

  3. Tetz sagt:

    Bei der klassischen Bratkartoffelehe spielte Sex aber glaube ich doch schon oft eine Rolle…

  4. Papa sagt:

    Ich habe WOW endgültig aufgegeben. Macht mir so einfach keinen Spaß mehr…

  5. $tranger sagt:

    Sowas hat mich früher auch schon gestört. Mir ist gerade das Spielen in Gilden wichtig, weil WoW mit viel Routine und noch mehr Zeit einfach langweilig oder zumindest eintönig werden kann. Da ist eine gute und aktive Gilde eine tolle Motivationsquelle.

    Nicht umsonst hab ich zweimal kurzzeitig mit dem Spielen aufgehört – nämlich jedes Mal, als meine derzeitige Gilde sich aufgelöst hat.

  6. $tranger sagt:

    Was ich eigentlich sagen wollte, im Eifer des Gefechts aber weggelassen hab: Ich würde nie eine Bratkartoffelehe in WoW eingehen 😉

  7. Harzzach sagt:

    Nein, das war wirklich nur eine Zweckgemeinschaft. Die Frau hatte durch die Ess- und Wohngäste ein kleines Auskommen (da es ja keine Rente gab), die Männer hatten einen Platz zum Schlafen, eine warme Mahlzeit und konnten den Rest des Lohnes zu ihrer Familie schicken, die in der Regel in der ländlichen Heimat geblieben ist.

  8. Harzzach sagt:

    Ach, is doch nur virtuell 😉

  9. Blondman sagt:

    und aus diesem zweck habe ich mit 5 spielern die ich seit jahren kenne eine eigene gilde, es geht zwar langsam vorwärts aber es geht vorwärts wir sind seit letzer woche sogar gildenlevel 2 🙂
    es ging früher ohne div boni und heute auch …. klar ist es nett wenn man die dicken boni hat oder auch die erfolge aber wayne?
    ich spiele es aus dem grund den die meisten aufgegeben haben

    SPASS

  10. Hyrsch sagt:

    Man sollte halt mit Freunden spielen.
    Wenn ich endlich mal Zeit hätte würde ich auch wieder mit meinen Freunden zocken.

    Das ist ja auch die Stärke von WoW, social network mit gelegentlichem Mordbrennerangriffen auf die doofen Allies 😉

  11. Joe sagt:

    Wobei sich in der Realität das Problem ergibt, daß die eigenen Freunde alle kein WoW spielen.

    Oder alle Freunde aus WoW stammen, weil es sonst keine mehr gibt. 😉

  12. minando sagt:

    Freu dich nicht zu früh, es wird dich früher oder später wieder einholen…

  13. Priston sagt:

    Also wir sind immer alle im TeamSpeak und das macht den Unterschied. So geht man nicht so leicht unter und er Kontakt ist viel besser.

    Und sollte jemand wirklich keine Lust haben mit den anderen zu sprechen ist er nach ein paar Tagen eh nicht mehr da. Konvertiert zu einem Alli auf einem anderen Server. Hatten wir schon.

  14. crishan sagt:

    Also Harzzach, hier einfach so eins zu eins den Wikipedia-Text zu übernehmen ^^

    Du Verteidigungsminister, Du! 😉

  15. Harzzach sagt:

    Ich zitiere nicht, ich nehme Bezug auf 🙂
    Ausserdem gebe ich mein Ehrenwort ab, so!

  16. Joe sagt:

    TeamSpeak hatte ich auch mal. Gräßliches Ding! Stört erheblich, beim Role Playing sowieso.

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