Pfeif(f)e(r)

Wie jeder auch nur ansatzweise aufgeklärte Videospiel-Zocker weiß, führt Herr Christian Pfeiffer, seines Zeichens Vorstand/Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, seit Jahren einen erbitterten Kampf gegen alles, was auch nur irgendwie nach Computerspiel aussieht, weil er das scheinbar als ideale Möglichkeit erachtet, um staatliche Fördergelder im Kampf gegen die Jugendseuche “Computerspiel” zu ergattern.

Sonderlich ernst nehmen muss man weder Herr Pfeiffer, noch seine anderen Mitstreiter und Mitstreiterinnen. Sie sind nichts weiter als eine unbedeutende Randnotiz im steten Wandel der Zeiten und ob sich das KFN nun erfolgreich ein paar Steuergelder ergaunert oder nicht, spielt letztendlich auch keine große Rolle. Dennoch ist es immer wieder lustig, wenn diesen Kreuzrittern ihre eigene Pseudo-Wissenschaftlichkeit wieder und immer wieder um die Ohren gehauen wird.

Diesmal betrifft es Pfeiffers These, dass bestimmte Online-Spiele suchterregend im pathologischen Sinne als Krankheit seien. Nun, im Auftrag der “Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen” wurde mit genau den Fragebögen, die damals Hr. Pfeiffer verwendet hat, eine erneute Befragung unternommen, die zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen ist. Die Anzahl suchtgefährdeter Jugendlicher wegen eines Online-Spieles ist drastisch (!) niedriger als bei Pfeiffer, zudem wird erneut darauf hingewiesen, dass nicht das Spiel süchtig mache, sondern der mit eindeutigen Suchterscheinungen diagnostizierte Spieler nur das Spiel nutzt, um, wie es heißt, realweltliche Misserfolge zu kompensieren. Würde ihm kein Spiel zur Verfügung stehen, würde er andere Möglichkeiten finden, um der Realität suchtartig zu entfliehen, wie zB. der Griff zu Alkohol oder Drogen, die dann auch physisch süchtig machen können.

Dass sein wohlklingendes Institut hier Mist gebaut hat, musste Pfeiffer mittlerweile zugeben, man arbeite jedoch an einer neuen Studie, die mit anderen statistischen Methoden zum gewünschten Ergebnis kommen solle … *seufz*

Das ist nichts weiter unwissenschaftliches, unseriöses Herumfuhrwerken. Da werden Ursache und Wirkung vertauscht, es werden nur Symptome im luftleeren Raum ohne Berücksichtigung von Lebensumständen und sozialer Realität untersucht. Was letztendlich egal ist, geht es Herr Pfeiffer ja nicht um wissenschaftlich saubere Arbeit oder gar um *atemhol* Wahrheitsfindung. Von daher muss ja auch nicht wissenschaftlich sauber und korrekt gearbeitet werden. Hauptsache, die Aussage passt ins (Geschäfts)Konzept.

Eigentlich sollte man ihm jedwede akademische Titel aberkennen, doch auch wenn er heute ein wenig arg offensichtlich durch die Gegend irrlichtert, so scheint er im Gegensatz zu bestimmten anderen Personen des derzeitigen öffentlichen Lebens seine akademischen Würden ohne Schummelei errungen zu haben. Ja, es heißt sogar, dass Pfeiffer vor vielen Jahren ein richtig guter und kompetenter Kriminalpsychologe gewesen sei.

Doch alles hat einmal ein Ende.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Kack.

13 Kommentare zu “Pfeif(f)e(r)

  1. Corexx sagt:

    Herr Pfeifer und sein KFN wären nur halb so traurig, wenn sie sich nicht bei jeder AMOKKILLERSPIELEGEWALTTÄTERJUGENDLICHE=BÖSE-Diskussion mit ihren „Ergebnissen“ einmischen oder zumindest weitaus weniger Resonanz bekommen würden. D:

  2. Harzzach sagt:

    Ich muss zugeben, es ist seit etwa ein, zwei Jahren ein wenig still um ihn geworden. Wohl zuwenig Amokläufe? Auch bei all diesen Diskussionen um Jugendgewalt in letzter Zeit war nichts zu vernehmen, obwohl ich da fast hätte wetten können, dass er wieder ankommt und Computerspiele für all das verantwortlich macht, was den braven Bürger nachts nicht schlafen lässt.

  3. Blondman sagt:

    zitat
    „Würde ihm kein Spiel zur Verfügung stehen, würde er andere Möglichkeiten finden, um der Realität suchtartig zu entfliehen, wie zB. der Griff zu Alkohol oder Drogen, die dann auch physisch süchtig machen können.“

    Das ist der punkt es gab ein leben VOR World of Warcraft und es wird ein leben NACH WoW geben.

    Ich Spiele viele Spiele momentan auf grund meiner mir zur verfügung stehenden Zeit aber sobald ich weniger Zeit habe werde ich nicht zusammen brechen oder gar nen „affen schieben“ ,ja es gibt sicherlich menschen die süchtig sind, aber das gibt es von jedem Genusmittel

  4. distopia sagt:

    Wart mal ab – bis zum Wochenende wird man herausgefunden haben, dass alle vier U-Bahn Prügelknaben Terabytes an Killerspielen, darunter auch Guitar Hero (mit Satansmusik), auf den Rechnern gebunkert haben um ihr Vorgehen genauestens einzustudieren…

  5. anigunner sagt:

    Pfff… damals war er der Fernsehen der die Jugend verdummt, Musik oder böse Fantasybrettspiele usw usw. Wenn wir alt genug sind werden wir vermutlich über andere „Dummheiten“ der Jugend schimpfen. Das war schin immer so, und wird auch immer so bleiben. Ich nehme das nicht sonderlich ernst wenn Menschen mit solch extremen Meinungen ihren geistigen Dünnpfiff verzweifelt versuchen unter der Volk zu bringen.

    Die Dosis machts obs giftig ist heißt es so schön. Das gilt für alle Bereiche und Aktivitäten des Lebens. Auch bei Computerspielen. Das liegt aber bei den Erziehungsberechtigten (Eltern, Medien, Gesellschaft, Freundeskreis) dem Menschen das Rüstwerk für sein eigenständiges Leben mitzugeben.

    Und an der Stelle würde ich mal frech behaupten liegt das größte Problem. Anstatt auf die Spieler einzuprügeln sollte uns alles mal jemand den Spiegel vorheben und uns klarmachen das die Probleme überall sind… nicht nur bei den Leuten die aktiv spielen. Aber es ist halt einfach auf seine bevorzugte Sündenböcke rumzuschlagen und sich in seinen Klischees einzukuscheln und wohlzufühlen.

    Abgesehen davon bin ich der festen Überzeugung das Computerspiele im vernünftigen Masse eine Bereichung fürs Leben sind. Wo sonst bekommt man so viel Unterhaltung vom Produkt, Spielern und den Herstellern selbst geliefert? 😉

  6. ezzemm sagt:

    Korrelation != Kausalität

  7. Tetz sagt:

    Man könnte mal eine Studie machen, die „belegt“, dass Leute in der Altersstufe 60+ mit einem bestimmten kulturellen Hintergrund zu Altersstarrsinn, bevormundendem Moralisieren, autoritärem Verhalten, Realitätsverweigerung und Altersboshaftigkeit neigen. Und Pfeiffer dann als Fallbeispiel nehmen.

    So in der Art ist seine eigene Herangehensweise, nur eben umgekehrt.

  8. distopia sagt:

    nachtrag…

    Und jede wette dass der http://www.4players.de/4players.php/dispbericht/PC-CDROM/Test/19093/65368/0/Spreng__und_Abriss_Simulator.html

    seinen größten Absatz bei den Stuttgart-21-Amok-Läufern gefunden hat.
    Allerdings, wenn man sich die Wertung ansieht – kein Wunder, dass der ganze Terz so schleppend vorangeht…

  9. Harzzach sagt:

    Und ich frage mich schon die ganze Zeit über, wo man die Kastanienwurf-Sim bekommt, mit der sogar alte Menschen zu brutaler Gewalt gegen die wohlmeinenden und umsorgenden Sicherheitsbehörden angestachelt werden …

  10. Corexx sagt:

    Entweder gibts bei YT nur schlecht geschnittene Fassungen oder Pfeiffers Beteuerung, er habeb bei „Hart aber fair“ direkt am Anfang gesagt, wie im Interview geschildert, „das „Amokläufe nicht durch Computerspiele entstehen.“ sehr kryptisch vorgetragen. :O

  11. Asamak sagt:

    Auf gameone gibts ein Video zu Shadow Harvest. Zum Spiel mag ich nicht sagen aber ab 6:45 spricht der Geschäftsführer über Spieleentwicklung in Deutschland. Das ist mal die andere Sicht der Dinge, die solche Leute wie Pfeiffer oder Beckstein vermutlich überhaupt nicht realisieren.

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