Hysterieanfall

Crysis 2 ist erschienen.

Jetzt schon.

Als Beta-Version.

Im Netz über die üblichen Filesharing- und Clickhoster-Kanäle.

Pikanterweise inklusive des Master-Keys für das vorgesehene Online-DRM (wahrscheinlich Securom, da der Publisher EA ist) und dem Leveleditor, der einer gewöhnlichen Beta-Testversion normalerweise NICHT beiliegt.

Vor allem seitens gewisser Fans brechen sich panische Hysterieanfälle ihre Bahn. Da wird mal wieder das Ende des PCs als Spieleplattform eingeläutet, die Abkehr von Crytek als Entwickler von PC-Spielen, die üblichen Mordphantasien gegenüber den ganz arg bösen “Raubkopierern”.

Und jedesmal frage ich mich (und manchmal auch im Rahmen einer Forendiskussion), wo denn bitte ein Nachweis für die Schädlichkeit von Kopien sei, der diese Aufregung rechtfertigt. Und jedesmal kommt natürlich keine Antwort, da diese Hysterie nur auf Grundlage eines moralinsauren Weltbildes und nachgeplapperter Industriepropaganda beruht. Bislang, in all den Jahren habe ich es nur ein einziges Mal erlebt, dass mir jemand, der der Meinung war Kopien seien schädlich, in ruhiger und sachlicher Weise versucht hat seinen Standpunkt zu erläutern. Nein, Beweise und Nachweise und harte Fakten kamen da auch nicht vor, aber zumindest konnte man sich mit dieser Person in Ruhe unterhalten, ohne einen virtuellen Regenschirm vors Gesicht zu halten, weil der Gegenüber mangels eigener Argumente nur noch grelle Ad Hominem-Angriffe mit Schaum vor dem Mund von sich geben konnte.

Ich selbst bin der Überzeugung, dass Schwarzkopien nicht den negativen Einfluss auf die Umsätze haben, wie die Industrie seit Jahrzehnten (!) immer wieder behauptet ohne für diese Behauptung einen Nachweis liefern zu können oder zu wollen. Nein, nicht aus Prinzip, sondern weil es im Laufe der Jahre immer mehr Hinweise und Indizien gibt, dass private Schwarzkopien (im Gegensatz zur kommerziellen Produktpiraterie) wahrscheinlich nur einen minimalen positiven wie auch negativen Einfluss auf die Umsätze haben. Unterstützt wird diese These vom Umstand, dass die westliche Spiele- und Filmindustrie in den letzten Jahren mit zT. zweistelligen Umsatzraten zulegen konnten, Hollywood im Jahre 2009 ein neues Rekordergebnis einfahren konnte, obwohl doch jeder Film sofort beim Release als Cam und jede DVD, Bluray als hochwertiger Ripp im Netz verfügbar ist. Und das trotz der immer größeren Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen. Es kann also nicht so schlimm sein, wie immer behauptet wird.

Sogar einen klaren Beweis für die positive Wirkung von Kopien zeigen Autoren wie Cory Doctorow oder Neil Gaiman auf, die nach der offiziellen Bereitstellung ihrer Bücher als PDF auf der Verlagsseite oder ihrer eigenen Homepage von Umsatzsteigerungen bis zu 300% berichten. Auch die Mitglieder von Monthy Phyton können ähnliches nach der Einrichtung des offiziellen Monthy Phyton-Youtube-Channels berichten, als die Umsätze ihrer DVDs drastisch anstiegen, obwohl man doch alle Sketche kostenlos bei Youtube in guter Qualität sehen konnte.

Von daher … ich kann ob dieser Piraterie-Hysterie nur noch mitleidig mit dem Kopf schütteln, wie hier Leute lieber an ihrem festgefügten Weltbild festhalten wollen, anstatt sich mit der Wirklichkeit zu beschäftigen.

Sorgen machen sollte sich EA oder Crytek deswegen eher wegen der Quelle dieser Beta-Kopie. Denn Zugriff auf den Master-Key des DRMs, den hat nicht jeder kleine Beta-Tester …

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Corporate.

57 Kommentare zu “Hysterieanfall

  1. distopia sagt:

    „… wobei ich gestehen muss, dass ich zu floppy-zeiten kein einziges original spiel hatte…“

    Das war bei den meisten von uns der Fall, behaupte ich mal. Aber das lag kaum daran, dass wir kriminelle Energie im Sinn hatte. Das lag vor allem daran, dass die Originale an sich in Europa rar gesät waren. Hinzu kommt, dass die Zielgruppe damals – gaaaanz anders als heute – kaum älter als 15 war, und somit nicht über das notwendige Taschengeld verfügte. Kein Elternteil konnte es tatsächlich ernst nehmen, für so ein „Schund“ 50+ DM für den Lütten auszugeben. Ich rede von einem Zeitraum von vor 25 Jahren, wo es nicht selbstverständlich war, dass Kids mit IPods (oder entsprechenden zeitgemäßen Prestigeobjekten) rumliefen.

    gruß

  2. distopia sagt:

    *edit*

    muss natülich heißen: „… KEINE kriminelle Energie…“

  3. Falcon sagt:

    Der Beitrag hat ein paar gute Punkte, die zum Teil hier auch angesprochen wurden, aber er beschreibt natürlich auch eine Menge Bullshit.

    Lieber wäre es mir, wie gesagt, ohnehin, daß Kopierer zugeben würden, daß es sie einen Scheiss interessiert ob ein wirtschaftlicher Schaden entsteht, das könnte ich akzeptieren, aber nicht, das sie die Spieler sowieso immer brav danach kaufen, wenn es ihnen gefällt, oder sie es nur machen, weil es ja niemandem schadet. Das erzählt doch bitte eurer Omi. Die Phrasen mit den Noblen Taten an die Gesellschaft durch das Kopieren von PC Spielen geht mir ebenso auf den Sack, wie die Behauptungen der Industrie ihnen würden Millionen durch die Lappen gehen („wääh, die Industrie aber viel gemeiner“ ist übrigens keine Rechtfertigung für das Kopieren).
    Für mich sitzen da auf beiden Seiten nur Phrasendrescher.

  4. Joe sagt:

    Es interessiert mich auch als zahlender Kunde einen Scheiß, ob irgendwelche Manager wirtschaftliche Schäden verursachen, sich verrechnen und ihre Spielebude in die Pleite reiten.

    Dafür bin ich nicht zuständig.

  5. Joe sagt:

    Ich habe übrigens World of Goo über das „Humble Bundle“ bezogen. Ich hätte es einzeln niemals gekauft, solche Zocks gibt’s schließlich haufenweise als Linux-Freeware.

    Das Geheule über die Torrents finde ich besonders lustig. Alle Gamer, die ich kenne, würden sich niemals ein Indie-Spielchen raubsaugen, weil es direkt daneben AAA-Titel en masse zum gleich Preis (aka für lau) gibt… Da geht wohl eher die Eitelkeit der Entwickler spazieren. 😀

  6. Yuri sagt:

    Und seit wann genau hat man ein Anrecht darauf, dass das eigene Geschaeftsmodell funktioniert, angenommen wird und man damit seinen Lebensunterhalt bestreiten kann…?

  7. smartcom5 sagt:

    »Mal was ganz anderes:
    Wenn da nicht der Key wäre, dann hätte ich gesagt, man hätte Crysis2 mit Absicht „geleaked“.«

    Gibt es wirklich immer noch Leute, die ernsthaft glauben, irgendein „Pirat“ in der Entwicklungs-, Produktions-, und/oder Lieferkette hätte irgend eine Version zwischen Tür und Angel gerippt, um sie dann in’s Netz zu stellen – womit wieder Grund zum schwingen der obligatorischen „Raubmordkillerspiel-Kopierer“-Keule gegeben wäre ?!

    Man muß sich das einmal vorstellen;
    Da kommt einer dieser Mitarbeiter – womöglich aufgrund des Ausbleiben der letzten Gehaltserhöhung et cetera moralisch nicht mehr allzu sehr gefestigt – wie immer allmorgendlich zur Arbeit und entscheidet just in der Mittagspause das/den Spiel/Film/Album auf böhmisch zu erstehen und dabei nicht nur ganz sicher seinen Job, sondern – bei der in den Staaten üblichen Rechtssprechung – etwaig sogar sein Leben zu riskieren …

    Ich mein, nicht nur, daß so finanztechnisch existenzielle Dinge wie unveröffentlichte Alben von »Superstars«, heiß erwartete Blockbuster aus der Schmiede Hollywoods oder weltweit lang ersehnte Spiele wie Crysis ² einzig in Hände kommen, die zuvorderst zivil- wie auch Strafrechtlich abgeklopft wurden (Führungszeugnis, CRC, I³ et cetera).
    All diese Dinge werden ausschließlich mittels höchsten Sicherheitsvorkehrungen transportiert, verliehen, bearbeitet usw.

    Da werden für einen Transport vom Schnitt zur Nachbearbeitung vier Blocks weiter mal eben Versicherungen in Millionenhöhe abgeschlossen – oft genug um die Summe des zu erwarteten Einspielergebnisses.
    Da sind die Transportbehälter nicht nur Panzerschrankäquivalent sondern werden wie normale Geldtransporte auch mit Waffengewalt gesichert.
    Zudem sind sämtliche Behältnisse mit GPS und Co. versetzt, daher ortbar und werden permanent getrackt.
    Was das ganze jetzt nun noch topt, ist, daß nicht nur die Datenträger verschlüsselt und kodiert sind, sondern auch noch deren Inhalt (DRM läßt grüßen).

    Ein schönes Beispiel für solche extremen (ohne jeden Zweifel berechtigten) Sicherheitsvorkehrungen, war der … delikate Start von Avartar, wo die jeweiligen Lizenzschlüssel/Zertifikate nicht vorhanden waren.
    … und der ganze Sch… schöne Kram mal eben nutzlos war.
    Ich war damals dabei, als der neue (keine Ahnung welcher!) Harry Potter rauskam.

    Wir hatten alle überall die schicken silbernen Kisten rum stehen (eigentlich mobile Tresore), die nicht nur gechipt waren, sondern auch per Zeitschloß gesichert (gleichzeitiger weltweiter Verkaufsstart usw).
    Vor Ablauf der Zeit war eine Entschließung nicht einmal möglich.
    Die wurden polizeilich gesichert, hat ein Heidengeld gekostet aber die Schala … eh, na, die wollte es eben so (J.K. Rowling oder so !?).

    Was ich damit aus zusagen versuche, ist;
    Da gibt es keinen Praktikanten, der da ein Rambo IV ein halbes Jahr früher [sic!] unter’s Volk und in’s Netz bringen kann.
    Womöglich sogar (hab’ ich gehört!) noch mit Schnittmarken und unvertont aus dem Schnittraum.

    Na, das Résumé ist jedenfalls, es kann Niemand unbemerkt soetwas leaken, ohne daß man nicht wüßte, wer es gewesen sein könnte.

    … was mich zu der (eigentlich bestätigten) These und uns hier zu dem Fazit bringt:

    Wenn solche Dinge trotzdem passieren, ist es – wenigstens theoretisch – unmöglich, daß man den Schuldigen nicht finden oder zumindest eingrenzen kann.
    Da man, oder besser, das Kollektiv der Medien (Labels, Studio’s, Publisher, Contentprovider et cetera) mit traumwandlerischer Sicherheit jedoch eigentlich nie den Täter dingfest machen können, geschweige denn Verdächtige hat – jedenfalls wäre mir so spontan kein Fall bekannt …

    … was läge also näher, als anzunehmen, der, welcher am lautesten »Haltet den Dieb« schreit zu verdächtigen ?
    Und zwar so lange, bis das Gegenteil bewiesen ist, was uns zur eigentlichen Schlußfolgerung und einigen weiteren hochinteressanten Einsichten führt.

    Bedingt durch den bemerkenswerten Zufall, daß mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit derartige Produkte – ob nun Spiel, Film, Album oder was auch immer – leaken, die hocherwartet sind respektive worum ein regelrechter Hype entstanden ist und die Tatsache, daß, je unbedeutender der Content desto später der Leak [nach dem VÖ-Datum], kommt man – wir kramen noch einmal die spärlichen Mitschriften unseres BWL-Studiums hervor – zu dem außerordentlich aufschlußreichen Axiom:

    »Je größer der Hype desto früher der Leak«

    Gerüstet mit diesem erhellenden Bewußtsein verfolge man die einzig relevante Frage, nach dem Nutzen. Quo vadis?

    Was mich dazu führt, wiederum folgende These, meiner bescheidenen VI. in diesem Zusammenhang, die Ehre zu geben, um schlußfolgernd festzustellen, daß es lediglich auf schnöder Psychologie beruht. Alles.

    Man nehme ein Album, hoch erwartet, zum Beispiel das damals von Coldplay, wo sie irgendwie French Copy mißverstanden haben.
    Oder, wie oben, Rambo IV, Avatar, oder, oder, oder …

    … oder ein Spiel, Crysis, Crysis ², MoH, oder was auch immer – ein Triple A wieder gehypt bis zum get no:

    Die Folge ist, daß die Erwartungen der – wahlweise Spieler, Zuschauer oder Fans des Superstars in’s unermessliche steigen.
    Mit anderten Worten;
    Die Erwartungen sind so hoch, daß selbst ein absolut perfekter Titel die Erwartungen nicht befriedigen könnte.

    Hier schlägt denn auch meine 7. These eine Conclusio vor:
    Man leake das Material, den Content selbst, um die Erwartungen zu dämpfen.

    Leider gibt es bei dieser Methode aber einen klitzekleinen Schönheitsfehler;
    Die Investoren hinter den BigPlayern würden auf Schadensersatz pochen – aufgrund entgangenen Gewinns.

    Hier aber springen wieder die ach so gefürchteten „Raubmordkillerspiel-Kopierer“ für die Content-Industrie in die Bresche.
    … und daß die an allem, besonders am Umsatzrückgang schuld sind, ist ja wohl erwiesene Tatsache, wissenschaftlich belegt!!

    Wir kommen zu dem Ergebnis:

    Erzeuge erst einen gigantischen medialen Hype, leake den Titel selbst, und wenn er dann, wie so schön von Cameron & Co an getürkten Verkaufszahlen demonstriert, nicht die erhoffte Resonanz respektive Umsatz bring, waren die Kellerkinder schuld!

    Das schöne ist, dieses Geschäftsmodell ist so begnadet, es funktioniert nicht nur dann, wenn man seine Arbeit nicht richtig macht, es funktioniert sogar noch besser, wenn man keine Ideen mehr hat und wie am Fließband den 35. Britney-Klon produziert.

    Es ist einfach atemberaubend, egal wie besch … minderwertig der Titel ist, schuld sind immer die Freaks.

    Und was das absolut phantastischste ist, weil der Rest der Welt dem Lügner auch noch glaubt, bekommst man sogar Stück für Stück immer mehr Kontrolle über das Netz – diese ganzen Blogger, Freizeit-Detektive und Verschwörungstheoretiker, die neiden Dir einfach nur den Erfolg, lästiges Pack!

    … einfach ein mal überlegen, was passieren würde, würde Microsoft wirklich einmal einen Kopierschutz raus bringen, der nicht zu knacken ist.
    Richtig, keiner würde weil könnte mehr Windows benutzen.

    Und der Umsatz …

    Den Löffel gibt es nicht! 😉

    In diesem Sinne

    Smart™

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