Wie ich Richard Garriott gerettet habe

Neulich saß ich gelangweilt vor dem Rechner und hatte es satt darauf zu warten, dass EA endlich Ultima Online 2 veröffentlicht. Scheiss EA! Wenn doch bloß nur Richard Garriott und Origin eigenständig und unabhängig geblieben wären …

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Ich stand auf und ging in die Küche, weil ich Hunger hatte.

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Aber weil ich so zornig auf EA war, musste ich erst meiner Wut freien Lauf lassen. Ich nahm also das gute Rattengift vom Kühlschrank …

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Füllte es in die Brotbackmaschine …

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Und voila …

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Ein vergifteter Brotlaib! YESSS!!!! Mein Zorn war aber nun verraucht, ich schnappte mit meinen guten, alten Bihänder und begab mich an die frische Luft um etwas spazierzugehen.

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Prompt traf ich hinter dem Haus wieder auf diese faulen Zigeuner. Memo an mich: Morgen die Stadtverwaltung benachrichtigen. Weg mit diesem Gesindel!

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Eine alte Vettel schafte es aber, mich zum Legen von Karten breitschlagen zu lassen. Ok, ich hatte diese Woche noch einen wichtigen Geschäftstermin vor mir. Bevor die Bullen morgen anrücken … schadet ja nicht, warum nicht?

Anstatt mir jedoch zu sagen, welche Entscheidung ich treffen sollte, faselte die Oma irgendein unverständliches Zeugs und schickte mich wieder aus dem Wagen. Bezahlt habe ich natürlich nichts und morgen kommen eh die Bullen. Blödes Weib!

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Ich will wieder nach Hause, als plötzlich eine helle, leuchtende Energieerscheinung in der Luft hängt. Ist das wieder diese schmierige Russendisko mit ihrer Laser-Werbung? Ich trete näher und schwupps …

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… befinde ich mich in einer fremden Welt. Nach einem kurzen Intermezzo mit räudigen Ratten, Wölfen und so einer lila gekleideten Tunte stehe ich in einem Thronsaal, wo jemand namens Lord British mir die Ohren volljammert, wie schrecklich doch alles sei und dass ich endlich anfange solle den Saustall aufzuräumen. Da nirgendwo das Wort “Belohnung” oder “Gewinnbeteiligung” fiel, fühlte ich mich auch nicht verpflichtet irgendwelche Zusagen meinerseits einzuhalten, vor allem nicht, weil dieser alte Sack vor mir nie im Leben Lord British war.

lord_britishDas da ist Lord British aka Richard Garriott!

Ich laufe ein wenig im Schloß umher, finde den Zellentrakt und was glaubt ihr, wen finde ich da? Richard Garriott! Eingekerkert und angeklagt sich für Lord British zu halten! HA!!! Ich wusste es. Darum gibt es kein Ultima Online 2. EA steckt hinter dieser Sache!

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Ich verspreche Richard, dass ich ihn raushole und suche nach einem Bett für die Nacht. Im Schloss will ich nicht schlafen, wer weiß, was diese Konzernschergen mit mir anstellen. Stattdessen …

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… treffe ich die Tochter des Bürgermeisters, die mich schmachtend mit einem rauchigen “Hello, Handsome!” begrüßte und allzu offensichtlich auf ihr breites Doppelbett hinwies. Gut, sie war vielleicht etwas jung und das ständige Husten lenkte ein wenig ab, aber wir kamen dennoch auf unsere Kosten.

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Am nächsten Morgen wollte ich Frühstücken gehen, der Bäcker hatte aber nichts im Angebot, weil der Müller auf Grund eines Arbeitsunfalles kein Mehl mahlen konnte. Von Vorratshaltung und Zusatz-Qualifizierungen hatte man hier wohl auch noch nichts gehört. Hinterwäldler! Bürgermeister Aidon schien aber ein Mann mit Visionen zu sein, hielt er doch an diesem Morgen eine feine Rede, in der er seinen Plan erklärte, wie all diese schmarotzenden H-IV-Empfänger nach Paws deportiert werden, um die brachliegende, von Transferleistungen ausgeblutete Wirtschaft der Stadt anzukurbeln. Ich war begeistert! Dieser Stadt musste geholfen werden, der falsche Lord British MUSSTE entfernt werden. Doch wie?

Ahhhh! Mein “Spezial”-Brot! Das hatte ich komischerweise immer noch bei mir, während beim Übergang in diese Welt mir alles andere geklaut worden war.

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Flugs in die Küche. Vielleicht konnte ich ja das vergiftete Brot irgendwie in den Thronsaal schmuggeln …

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Doch kaum hatte ich die Brotlaiber auf der Platte ausgetauscht, erschien auch schon der Usurpator von EA’s Gnaden. Hehe! Das war einfach! Na? Schmeckt’s?

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Oh, werter Herr, ist Ihnen nicht wohl?

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Ich … örks … würg … Hilfe! … japps … ächz … *pardauz*

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Ganz ehrlich … solche Easter Eggs gibt es heute nicht mehr! Oder?

Gibt es heute sowas noch, was nicht allzu plakativ-niveaulos als Achievement oder Trophy verhackstückt worden ist?

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Retro.

27 Kommentare zu “Wie ich Richard Garriott gerettet habe

  1. Frank sagt:

    Das letzte moderne Spiel was mir da spontan einfällt wäre Fallout 3:

    http://planetfallout.gamespy.com/wiki/Fallout_3_Easter_Eggs

    Sonst siehts da aber tatsächlich eher mau aus.

    Btw: Gibt es in Ultima 9 eine Möglichkeit die Maussteuerung zu invertieren? Ich kann nämlich mit „normaler“ Maus bei 3D-Spielen nicht steuern (alte X-Wing Krankheit ;)), in den Menüs hab ich nichts gefunden, daher hab ichs bis heute nicht wirklich gespielt 🙂

    Gruß
    Frank

  2. Harzzach sagt:

    Bedaure, kenne leider auch keine Möglichkeit Mouselook zu invertieren. Das Ini-File gibt zumindest nicht her.

  3. Cyberworm sagt:

    Dadurch hab ich gelernt mit ’normaler‘ Maussteuerung zu spielen 😀

  4. Frank sagt:

    Geht wohl doch, mit Strg-I 🙂

  5. Harzzach sagt:

    Na also … und nun husch-husch, DIE große Spiele-Enttäuschung der 90er nachholen 🙂

  6. Joe sagt:

    Ah, noch so ein „Y-Invertierter“. 😉 Dabei war das IIRC in Shootern der 90er komplett Standard, bis später irgendjemand ausgeschert ist (Valve war’s glaube ich) und aus dem Fadenkreuz eine Art Mauszeiger gemacht hat. *grmpf*

  7. Andreas sagt:

    Brillianter Blog-Post 🙂 Damit hast Du eigentlich auch den guten Teil von U9 durchgespielt. Gratulation 🙂

  8. Harzzach sagt:

    Danke! So für sich genommen war U9 ja gar nicht soooo übel, aber als krönender Abschluss einer gigantischen RPG-Serie unglaublich enttäuschend.

    Man merkt dem Spiel an vielen Stellen an, dass hier kurz vor Schluss vieles grundsätzlich geändert wurde, weil Garriott mit dem bisherigen Fortschritt unzufrieden war, den bisherigen Producer entließ und selber das Ruder übernahm, dann von EA aber die Pistole vor die Brust gesetzt bekam, weil man ob der ewig langen Entwicklungsdauer die Geduld verloren hatte.

    Und selbst heute, über zehn Jahre und zig CPU- und GPU-Generation später ruckelt es in einigen wenigen Abschnitten unter D3D immer noch.

  9. Frank sagt:

    Soweit ich mich erinnere musste man die invertierte Y-Achse aber immer manuell einstellen, zumindest seit Jedi Knight welches das erste Spiel war was ich gezielt mit Maus und Tastatur gespielt habe.

    Vielleicht kann mir an der Stelle auch jemand erklären warum man in manchen Spielen auch noch die x-Achse invertieren kann? Bei y machts ja noch Sinn wenn man vorher Spiele wie X-Wing oder generell Flugsims gewöhnt war, aber warum die x-Achse?

  10. Andreas sagt:

    Jo. Für seine Vision (ich vermute, er hat sich eine Engine á la Oblivion vorgestellt) war’s einfach noch ein paar Jahre zu früh, und selbst heute wär’s eine dicke Herausforderung für ein grosses Industrieteam, ein Spielkomplexität wie Ultima 7 in 3D zu schmieden.

    Aber wir können uns ja an den Dungeon-Siege-Neuauflagen freuen. Heute könnte man die Ultima Märchen-Fantasy mit Cherry, der sprecheneden Maus, eh nicht mehr verkaufen – da lachen sich die Kids ja schief, die sind etwas abgebrühter 🙂

  11. Harzzach sagt:

    Die Ultima-Serie ist ja mittlerweile auch nix für Kids, sondern für alte Säcke, die in Erinnerungen schwelgen wollen 🙂

    Ich würde ja, falls das endlich mit der Gelddruckmaschine klappt, EA und Garriot alle Rechte an Ultima und LB abkaufen, alle neun Teile einem soliden Remake unterziehen und dann für ummme ins Netz stellen. Wer zahlen will, darf gerne spenden. Ansonsten ist das mein Geschenk an die Menschheit für das ich nur Ruhm, Ehre und Groupies beanspruche!

  12. Joe sagt:

    Eines der ersten Spiele mit Mouse-Look war Duke Nukem 3D und das war standardmäßig invertiert (und auch nicht umkonfigurierbar).

  13. […] Wie ich Richard Garriott gerettet habe games retro […]

  14. n8mahr sagt:

    was meckert ihr immer an u9 herum?
    okay, es konnte die (unerfüllbaren) erwartungen nicht erfüllen.
    okay, es war anfangs ein bugverseuchter misthaufen….

    aber es war dennoch traumhaft. orchestermusik, 2 themen pro zu befreiendem abschnitt. 2 größtenteils märchenhafte grafikstile pro abschnitt. viel bewegungsfreiheit, viel zu erleben und auszuprobieren.

    also für mich war das spielen von u9 ein absolutes gänsehauterlebnis.
    und dabei war ich da schon ganze 19 jahre alt, also nicht mehr SO leicht zu beeindrucken!

    keine ahnung, ob ich es bei erneutem spielen immer noch so episch finden würde.. bin mir da nicht ganz so sicher und erspare mir diese sache auch erstmal 😉 aber damals.. hach *träum*

  15. Harzzach sagt:

    Du, ich habe U9 insgesamt vier- oder fünfmal durchgespielt, weil es nach dem Fixen der gröbsten Bugs für sich genommen ein gutes und vor allem wegweisendes Spiel ist. Denn hat man endlich akzeptiert, dass die Ultima-Saga nie vernünftig abgeschlossen wurde, kann man sich besser mit dem tatsächlich vorliegenden Spiel beschäftigen.

    Als Ultima-Fan ist U9 eine herbe, große Enttäuschung. Als RPG-Fan hat U9 so eingiges zu bieten, was erst im Laufe der kommenden Jahre zum Genre-Standard wurde.

  16. Anonymous sagt:

    Wie hoch waren denn die Entwicklungskosten für den Titel, hast da zufällig ne Zahl Parat?
    HAbe gerade auf Krawall.de gelesen das die Entwicklungskosten für neue Tiel noch weiter steigen wird….da die Leute mehr erwarten

    Auszug: Dass Spiele teurer werden, bekommen die Zocker schon längst zu spüren. Aber auch die Entwickler und Publisher müssen mehr Zaster in ihre Projekte investieren. Die Garagenentwicklung ist längst zur absoluten Ausnahme geworden. Wenn es nicht gerade um den 20. Teil von „Toilet Tycoon“ geht, verschlingt die Entwicklung in der Regel Millionensummen. Laut Steven Ter Heide, dem Lead Producer bei Guerrilla („Killzone“), ist der Kostengipfel aber noch nicht erreicht: „Ich weiß nicht wohin es mit den Budgets geht, aber sie werden in den nächsten paar Jahren womöglich noch weiter steigen, denn die Menge an Sachen, die man in Spielen einbauen muss, das Zeug, was die Leute erwarten, wird auch immer mehr“, so Ter Heide in einem Interview mit den Kollegen von Gamesindustry.biz.

    Wird hier von Grafikaler Pracht gesprochen die noch verbessert wird, oder sind es so Gimmicks ala Zauberbrot das vergiftet wurde um Könige zu töten?

    Quelle:http://www.krawall.de/web/news/id,56243/

  17. Harzzach sagt:

    Wie hoch waren denn die Entwicklungskosten für den Titel, hast da zufällig ne Zahl Parat?

    Keine Ahnung, sry. Es hat nur ewig lange gedauert, weil zwischendrin fast das komplette Team bei Ultima Online aushelfen musste, dann Garriott die Ausrichtugn des Spiels umgemodelt hat, man vom plötzlichen Tode von 3DFX überascht wurde und flugs noch einen mehr schlecht als recht funktionierenden D3D-Renderer einbauen musste.

    Und was die immer höheren Kosten betrifft, die werden in erster Linie durch die immer aufwendigeren Graphik-Inhalte bestimmt, die ja erst erstellt werden müssen. Dann braucht jedes Spiel mittlerweile Achievements. Und Mini-Spielchen. Und möglichst OpenWorld-Sandbox-Gameplay. Und dieses und jenes Feature, weil man denkt, in jeden neuen potentiellen Chart-Titel ALLE Features der vorherigen Chart-Erfolge reinpacken zu müssen.

    Das ist eine Rüstungsspirale, unter der eigentlich nur die Majors zu leiden haben, die auf den Konsolen-Massenmarkt zielen. Wer dagegen als Indie in der Küche sitzt oder eine nette Genre-Nische gefunden hat wie Paradox oder Stardock oder sogar Valve, der kann darüber nur milde lächeln und weiterhin in seinem Segment gute Profite einfahren.

  18. Frank sagt:

    Mag sein, DN3D hab ich immer mit Tastatur gezockt, genauso wie Quake 1. Ich glaub mich hatte damals das Gamestar Testvideo von Jedi Knight darauf gebracht das Ganze mal mit Maus zu probieren 🙂

  19. Malkavianer sagt:

    Themenwechsel (evtl. Grundlage für deinen nächsten Artikel?): http://www.heise.de/newsticker/meldung/Gebraucht-Software-Handel-verbieten-ist-einfacher-als-Regelungen-zu-gestalten-1106072.html

    Zitat: Tatsächlich lässt sich das Problem dem „Otto Normalverbraucher“ kaum vermitteln: ihm redet BMW schließlich auch nicht mehr rein, wenn er sein Fahrzeug nach ein paar Jahren wieder verkaufen will. Wieso ist der Verkauf von gebrauchter Software dann so kompliziert?
    Thomas Huth: „Das ist ein ganz wichtiger Punkt: Verantwortlich für die Problematik sind vor allem die Hersteller. Ihnen nutzt die ’nebulöse‘ Lage am meisten. Dabei nutzen sie aus, dass die Gesetzgebung Schwierigkeiten hat, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Sie entwickeln immer neue Lizenzmodelle, von denen sie dann jeweils behaupten, dass es sich um einen Sonderfall handele. Die Anwendung der alten Vorschriften durch die Rechtsprechung klingt dann bisweilen sehr kompliziert. Am Ende kann aus meiner Sicht daher das einzige Ergebnis sein, dass Standardsoftware als das anerkannt wird, was sie ist: nämlich ein Investitions- und Wirtschaftsgut.

  20. Sothi sagt:

    Zu geil 🙂

  21. Andreas sagt:

    Word, Harrzach. Ich gelobe, im Falle eines grosszügigen Lottogewinns, werde ich mich sogleich bei Dir melden, damit wir das Projekt umsetzen können 🙂

    Klingt nach einem soliden Beitrag zur Weltkultur á la Pyramiden usw.

  22. Andreas sagt:

    Ich kann leider an U9 sehr wenig gutheissen. Die Story ist kaputt (weil stark gekürzt), die Welt vieeel zu klein (Britain fünf Hütten? Ha!), die NPCs sehr flach und ohne Party macht ein Ultima keinen Spass, dass konnte ich gerade in U8 noch einmal durchgehen lassen. U4-U7 sind Meilensteine, ebenso die Underworld-Spinoffs, aber danach kam nur ein „bemüht“ heraus.

    Wobei auch Metallica nach 18 Jahren Mist noch ein gutes Album produziert haben, man darf also den glauben an die Welt und Garriot im Speziellen noch nicht aufgeben.

  23. Harzzach sagt:

    Metallica hat ein gutes „neues“ Album veröffentlicht? Wo? In dieser Realität? Durch welchen Quantenspalt bist Du denn gefallen?

    Wobei ich zugeben muss, ich habe vor knapp zehn Jahren aufgehört, mich noch weiter für Hetfield und Co. zu interessieren. Welches Album meinst Du denn?

  24. Petrie sagt:

    ich versteh an dem post gar nix…harzzach, was zur hölle hast du geraucht und zockst du da nebenbei?

  25. Harzzach sagt:

    Ich war stocknüchtern und Herr meiner sechs Sinne 🙂

  26. crowbar sagt:

    Ich glaub das mit der Achsenveränderung war die Schuld von Duke Nukem =)

  27. […] Wie ich Richard Garriott gerettet habe games retro […]

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