Ein Experiment

Da gibt einen Studio-Chef namens Randy Pitchford, dessen Firma Gearbox uns Gamersleut in der Vergangenheit all die tollen Shooter gebracht hat, wie zB. “Opposing Force”, das weltzweitbeste Addon zu einem Shooter oder die Brothers in Arms-Serie für all die WK2-Lover oder aktuell Borderlands, dieser cell-geshadete Shooter-RPG-Hybrid. Derzeit sitzen Randys Mitarbeiter an Duke Nukem Forever, einer 3D-Umsetzung eines recht unbekannten 2D-Plattformers aus den frühen 90ern.

Und da ausser ein paar eingeweihten Freaks kein Mensch (mehr) weiß, was man sich unter “Duke Nukem” vorzustellen hat, gibt der gute Randy viele Interviews, um das Spiel bekannter zumachen, wenn man es in etwa siebenundzwanzig Jahren endlich kaufen kann. In einem dieser Interviews sagt Randy, er sei mit der aktuellen Situation auf dem PC nicht zufrieden, sei der Spieler und Kunde doch zwischen geschlossenen Systemen wie zB. Steam oder Games for Windows Live gefangen, welche die potentielle Käuferschar in viele, kleine, getrennte Gruppen aufteile. Er macht das nicht zum ersten Mal, bereits letztes Jahr warf er Valve vor, man würde die Spieler ausnutzen, weil das geschlossene System mit DRM und vielen regionalen Schranken ein freies und unbeschwertes Einkaufen und Spielen behindere.

Nun, Randy sagt viel, manchmal auch ziemlichen Unfug, aber bei diesem Thema muss ich ihm uneingeschränkt Recht geben. Steam nützt nur Valve, der Kunde ist nur Bittsteller, dem gnädigst erlaubt wird via Steam Spiele anzumieten.

Jetzt das Experiment: Wieviele Leute verstehen nicht, auf was Randy eigentlich hinaus will? Wieviele Leute werden plötzlich anfangen Steam glühend zu verteidigen, gerade weil sie nicht verstanden haben, worauf Randy eigentlich hinaus will, dass er gar nicht Steam grundsätzlich angreift, sondern nur das Steam-DRM?

Ich wette … jede Menge! Denn noch verbreiteter als akute Leseschwäche ist die besonders virulente Form der Eklatanten Verständnisschwäche, wenn das Limbische System die Kontrolle über die Finger übernimmt und ohne Sinn und Verstand reflexhaft vererbte und eingeprägte Rechtfertigungen ins Keyboard eingetippt werden.

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21 Kommentare zu “Ein Experiment

  1. Chräcker sagt:

    Ähem, ich habe echt nicht vor Steam zu verteidigen. Und das wir Spiele nur noch geliehen bekommen, und das nur solange der Dienstleister es will/kann etc, ist mir schon klar. Nur sehe ich in den verlinkten Artikel gerade nicht, das hier gegen DRM angegangen wird, was durchaus AUCH ein mehr als fragwürdiges System ist.

    Es geht doch eher darum, das die Kunden innerhalb von, sagen wir, Steam isoliert nach aussen sind. Isoliert? Damit kann man doch nur den Austausch der Spieler untereinander meinen (wieso sollten die Dienste sonst „kompatibel“ werden?), denn ansonsten ist ein Solo-Computerspiel ja per se eine isolierte Sache. Ausser man lädt Kumpels nach hause ein. Das ginge allerdings auch bei Steamspielen.

    Es geht also darum, das die ganzen Plattformen versuchen, einen künstlichen Mehrwert zum Spiel als Alleinstellungsmerkmal zu erschaffen, wie Erfolge, soziale Verbindungen etc, die einen dazu bringen soll, nur noch nach Publisher-Plattform sortiert Spiele zu kaufen. Da frag ich mich aber: macht das heute einer? Kauft einer ein Spiel deswegen nicht(!), weil es gerade unter der Flagge von Windows-Live geknebelt ist und nicht unter Steam? (oder umgekehrt?) (Klar, viele kaufen das Spiel dann weder noch…)

    Von DRM hab ich nirgends was gelesen. Im einen Artikel stört ihn nur, das valve zu viel Macht bekommt und die Entwicklerfirme ausbeuten und im anderen klagt er darüber, das die Plattformen nicht kompatibel zueinander sind.

  2. bartgesang sagt:

    Aber hallo! Steam is your friend! Zur Veranschauung des von dir Gesagten genügt schon ein Blick in das Forum zu besagter Neuauflage des unbekannten 90er Shooters. Da überschlägt sich der Großteil der Leute darin, seinen Hoffnungen Ausdruck zu verleien, der blonde Ballergott möge doch in Form von Steam zu ihnen herniedersteigen. Und bitte mit Controller-Steuerungs-Optimierung. Und Savepoints wären auch nicht schlecht, wegen der Spannung. Kotz.

  3. Harzzach sagt:

    Nana, nicht kotzen. Entspannen und Tee trinken. Denn es beschweren sich angeblich schon die ersten Zocker, dass es in „Homefront“, diesem Nordkorea-erobert-die-USA-Shooter kein Cover-System gibt und man manuell (!) hinter Barrikaden in Deckung gehen muss.

    *kicher* *gnihihi*

  4. Hotze sagt:

    „Come and Get some!“

    Steam als Plattform hat für Valve doch den Vorteil das man Kunden mit der Software an sich bindet, so auch gezielt Werbung streuen kann, die so Duke weiß auch auf die Benutzer zugeschnitten sind, besser gesagt am „Online Verhalten“ des Kunden festgeastellt wird was er denn kaufen will/soll und auch tun wird.
    Als ob jmd freiwillig die gesammelten Daten herausgibt – nein die werden verkauft, wenns en Unseriöses Unternehmen ist.

    Oder man geht Kooperationen mit anderen Herstellern/Anbietern gleichwertiger Software ein, wenn sich dadurch mehr vom Netto erzielen lässt – Michael Pachter wirds schon ausrechnen obs lohnt, da bin ich zuversichtlich.

  5. Joe sagt:

    Türlich ist Steam das beste DRM-System seit Erfindung der Dial-a-Pirate-Drehscheiben. Nirgendwo sonst kann ich so schnell und konsequent mein lästiges Geld loswerden und meine DVDs für den Gebrauchtmarkt völlig entwerten.

    Ich habe ich schon den dritten Account. Zwei wurden nämlich wegen Single-Player-Cheatens gesperrt. Ich finde das toll, daß Valve so konsequent gegen Cheater vorgeht und habe die ganzen Spiele alle nochmal gekauft, auch die, in denen man gar nicht cheaten konnte.

    Dank Steam weiß ich auch immer, was ich wie oft gespielt habe und bekomme paßgenaue Werbung, was ich immer sofort mit einem Klick auf „Kaufen“ beantworte. Wenn der Duke nicht in Steam kommt, dann existiert er nicht für mich.

  6. Hotze sagt:

    Nachtrag:

    Natürlich verzichte ich auf die GFW Version eines Titels, wenn ich über Steam bzw. DRM-Free bekomme – ganz einfach aus dem Grund das GFW murkiger als murks ist…ich kauf mir doch nicht weil Microdoof es so will einen überteuerten Controller für ein Spiel das ich eigentlich mit Maus/Keyboard Spielen will. Und wenns doch mal nur per Daddelknochen geht habe ich ein fast unbenutztes Gamepad von Logitech – nur hindern mich GFW-Spiele die Knöppkes nach meinem „Gusto“ zu konfigurieren, das ist oft ein No-Go siehe GTA4.

  7. Chräcker sagt:

    Die (Un)sitte, nur noch x-Box-Gamepads zu zulassen ist nicht an GFW-Spiele gebunden. Darksiders, als Beispiel, oder das Steam-Lara-Croftspiel lassen als Gamepads auch nur diese zu. „Steams“ Trine, wenn ich mich recht erinnre, auch.

  8. Hotze sagt:

    Der Lara-Croft Action-RPG-Titel lässt sich am besten mit Maus/Keyb. spielen, habe ich gestern Abend getestet – kam nichtmal auf die Idee en Knochen anzustöpseln, denn wenn ich Bock auf was mit Gamepad habe, dann mache ich dies auf einer Konsole.

  9. Chräcker sagt:

    Ach, ich mach die Frage ob Gamepad oder nicht eher weniger an der Architektur des Computers fest, sondern am Spiel.

    Bei Lara-Croft gehts, wenn ich das richtig gesehen habe, nur per Gamepad, wenn man den Titel zu zweit spielen will. Und in diesem Fall will ich…. äh, wollen wir, also meine Frau und ich. 😉

  10. bartgesang sagt:

    freakin´ awsome, man! Hurra, wir sind genormt, hurra, wir sind geformt!

  11. Frank sagt:

    Auf den ersten Blick dachte ich jetzt ich wäre im 4p-Forum gelandet 😉

  12. Look sagt:

    @ chräcker,

    ich würde die Kritik mal an die richtige Stelle weiter leiten, den es ist nun nicht so, das nur das 360 Pad erlaubt ist, sondern viel eher so, das NUR x-Input Pads erlaubt sind und hui, nun fragen wir doch einfach mal die Gamepadhersteller „hey Du Hersteller, hat dein Gamepadtreiber x-Input Support?“ – wen die Antwort Nein lautet, wer ist dann Schuld?

    Das ist doch nun auch keine neue Technik, das ist seit über 5 Jahren auf dem Markt und da muss man sich auch nicht zertifizieren bei MS oder ähnliches, da muss man nur mal einen verdammten Scheiss Treiber schreiben, damit das Pad auch mit x-Input kann.

  13. Chräcker sagt:

    Jan und ups und etwas huch: das war zu salopp von mir formuliert. Danke für die technische Aufklärung.

  14. Sir Richfield sagt:

    Er möge Taten folgen lassen und nicht nur Molyneuxen…

  15. Ralf sagt:

    Ganz richtig erkannt, diese Gezänk hat gar nichts mit berechtigter Kritik an DRM zu tun… Randy (2K’s Gearbox) benutzt Securom DRM für seine Games, findet Steam aber natürlich ganz furchtbar doof. Gabe Newell von Valve benutzt Steamworks DRM, findet aber Securom und das Ubisoft-DRM ganz furchtbar doof (siehe gesammelte Kommentare der letzten drei Jahre). Blizzard fand bei Release von Starcraft2 generell alles DRM furchtbar doof, hatte aber das Battlenet mit Online-Konto, Onlinezwang und Regioncode im Handgepäck. Na, dann ist doch alles klar! 😉
    Was diese Firmen-Kommentare letztlich bewirken ist aber, daß sie wunderbar von den eigenen kundenfeindlichen Machenschaften ablenken. Leider zieht diese PR-Masche bei sehr vielen Leuten immer wieder, und dann wird gnadenlos in die eine oder andere Richtung mitgewettert, obwohl man eigentlich die ganze Bande wegen ihrer DRM-Ambitionen „ganz furchtbar doof“ finden müßte.

    MfG
    Ralf

  16. Chräcker sagt:

    Nur welche hat er im Sinn? Es geht ihm ja in erster Linie darum, das die Plattformen kompatibel und offener werden. Mit DRM hat das erst mal nix zu tun. Auch bei seinen eigentlich skiziertem Anliegen, strukturoffene Plattformen bei der Entwickler nicht durch einen Major geknebelt werden, wird man uns die Spielerlaubnis nur befristet zugestehen können. Das eine hat nix mit dem anderen zu tun.

  17. Sir Richfield sagt:

    Wenn ich das noch richtig im Kopf habe, dann wünscht er sich ja ein vom jeweiligen Anbieter der Software (bzw. Distributor) unabhängige MP Verknüpfung.
    Vielleicht verläßt mich ja da die Erinnerung, aber war das auf dem PC nicht eh der Standard? LAN, echte Dedicated Server und andere Möglichkeiten der Verbindung zweier und mehr Spiele?
    Seine Version des Duke Nukem Forever müsste eigentlich genau „nur“ das anbieten.
    Wenigstens LAN und Dedicated (die man nicht mieten muss. KANN, aber nicht muss!).
    Damit hat er mit einfachen Mitteln genau das erreicht, was er zu fordern scheint.
    Denn Activision Blizzard kocht sein eigenes MP Süppchen, EA kocht sein MP Süppchen, Steam bietet Töpfe für eigenes MP Süppchen an, GfW… GfW… ceterum censeo Redmond esse delendam!

    Deswegen sage ich „Machen, nicht reden.“. Er hat jetzt die Möglichkeit, sich von anderen abzusetzen.

  18. Chräcker sagt:

    So sehe ich es teilweise auch. Ich wollte nur betonen, das er doch nichts, wie im Blog hier sugeriert wird, zur DRM-Vermeidung gesagt hat. Und: er will ja gar nicht die Abschaffung der Plattformen. Dann könnte er ja einfach ein Plattformunabhängiges Spiel rausbringen, wie Du richtig schreibst. Denn noch(!) kauft man sich sein Spiel ja nicht nach der Plattform. (Wenngleich zumindest bei Low-Budgetspielen wegen dem Werbeeffekt das langsam so kommen wird.)

    Er will eine Majorunabhängige Plattform. Und jetzt mal gefragt: warum will er das? Weil Plattformen so einen tollen Spiel-Mehrwert bringen? Oder vieleicht, weil er gerne auch den Spieler so binden kann und Spiele besser „verleihen“ anstelle verkaufen kann? Ich tippe auf ersteres.

    Übrigens geht, so meine ich zu beobachten, die Tendenz in der Tat beim PC zurück, Spiele ohne Plattformanbindung und mit einfachen Vernetzungsmöglichkeiten abseits der Publisherserver an zu bieten.

  19. Chräcker sagt:

    PS. eines Tages drücke ich zur richtigen Verschachtelung auch mal den richtigen „Antwort“-Button, Verzeihung!

  20. Chräcker sagt:

    Mist: PPS. ich tippe in meiner Vermutung freilich auf zweiteres *schaut ganz zerknirscht*

  21. otomo sagt:

    Pitchford kritisiert die Fragmentisierung der Spieleplatform PC im Gegensatz zu den homogenen Welten der XBOX und PS3. Wenn nun jeder Spieleentwickler sein eigenes Biotop mit Trophies/Achievements, Store, Multiplayer Chat, etc. aufbaut, nutzt das der Attraktivität der Platform PC herzlich wenig. Von DRM hab ich nix gelesen.

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