Dear Esther

Sind Computerspiele Kunst? Können Computerspiele überhaupt Kunst sein?

Roger Ebert, in den USA ein be- und anerkannter Filmkritiker, sagte vor einigen Monaten, dass Videospiele niemals Kunst sein können. Ich muss gestehen, ich kann ihm eigentlich nur zustimmen. Videospiele sind derzeit nichts weiter als Industrieprodukte, geschaffen mit einer Gewinnerzielungsabsicht unter Berücksichtigung größtmöglicher Kundenakzeptanz in der gewählten Zielgruppe. Gleichgültig, ob dahinter ein internationaler Großkonzern steht oder ein kleiner Indie-Entwickler. Spiele sind nicht Kunst, sondern Kommerz. Und diejenigen, die hier Texturen malen und Level designen und Gameplay-Mechanismen definieren, mögen zwar zT. ganz erhebliche künstlerische Talente aufweisen, ihre Arbeit, die sie im Rahmen der Spieleproduktion abliefern, ist aber nichts weiter als Industrie-Design. Zum Teil ganz herrausragendes Industrie-Design, aber eben nicht mehr.

Aber … Kunst kann selbstverständlich mit den Mitteln eines Spieles gemacht werden. Denn eine Graphik-Engine ist nichts weiter als ein Pinsel, ein Werkzeug. Was man daraus macht, ist Sache desjenigen, der sich des Werkzeugs bedient.

Und bezeichnenderweise ist “Dear Esther”, ein Mod für Half-Life 2, auch kein Spiel, sondern eine Art literarisches Experiment. Der Akteur steuert die Kamera über eine namenlose Insel, die Teil der Hebriden ist. Der einzuschlagende Weg ist dabei recht linear und führt den Akteur über Strände und Felsen und tiefe Höhlen im Inselgestein. Während dieser Wanderung werden an bestimmten Stellen in zufälliger Reihenfolge einzelne Textabschnitte eines Briefes an eben jene Esther vorgelesen, die bei jedem Durchgang im Kopf des Akteurs eine neue Geschichte entstehen lassen, da es zu immer neuen Kombinationen kommt. Manchmal scheint die Geschichte einen Sinn zu ergeben. Manchmal bleibt das Geschehen rätselhaft und mysteriös.

“Dear Esther” hat eine Reihe von Preisen und Awards bekommen und ist auf jeden Fall einen Blick wert, wenn man die Muße findet, sich auf diese Reise einzulassen.

Dann gibt es Robert Briscoe. Robert ist ein Leveldesigner, der im Rahmen diverser Tätigkeiten, unter anderem für DICE (Mirrors Edge), gezeigt hat, dass er ganz ausgezeichnetes Industrie-Design beherrscht. Weil er ein begnadeter Handwerker ist. Derzeit scheint Robert ohne Festanstellung zu sein und als Freelancer seine Brötchen zu verdienen. Derzeit arbeitet Robert an einer Überarbeitung von “Dear Esther”. Und hier zeigt er, dass er nicht nur ein sehr guter Handwerker und Industrie-Designer, sondern auch ein Künstler ist …

de_01 de_06 de_02 de_03 de_04 de_05

Das, meine Damen und Herre Leser, das wurde in der achso veralteten Source-Engine geschaffen. Welche bei achso kundigen Spiele-Journalisten und Gamern als nicht mehr “zeitgemäß” abgetan wird. Was wiederum aufs Neue beweist, dass viele Spiele-Journalisten und viele Gamer nicht wirklich Ahnung davon haben, was ein Spiel gut aussehen lässt. Zugegeben, auch von anderen Dingen Spiele betreffend haben viele Spiele-Journalisten und Gamer keine Ahnung, aber bez. dieses Themas hat man in der Regel besonders wenig davon.

Wer Geduld hat oder wer derzeit nicht die Muße aufbringen kann, um “Dear Esther” zu erfahren, der darf gerne warten, bis Robert mit seiner Arbeit fertig ist und dieser HL2-Mod nicht nur in neuem Glanz erstrahlt, sondern auch neu vertont wird.

Advertisements

29 Kommentare zu “Dear Esther

  1. Spearhead sagt:

    „Spiele sind nicht Kunst, sondern Kommerz“ das waren viele heute als Kunst geltenden Gemälde etc. auch, geschaffen um dem Künstler Geld zu machen um seinen Unterhalt zu bezahlen… was das angeht sehe ich nicht wie die Gewinnerzielungsabsicht irgendwas damit zu tun haben kann ob Spiele Kunst sein können oder nicht

  2. Harzzach sagt:

    Derzeit sind Spiele keine Kunst, sondern nur Gebrauchsware. Keine Ahnung, wie man die Spiele von heute in 200 Jahren bewertet. Das kann dann natürlich wieder ganz anders aussehen. Kunst hat auch viel mit Kontext zu tun 🙂

  3. Delk sagt:

    Die Frage ist halt vor allem, wie man Kunst definiert. Und da sind bisher noch alle dran gescheitert 😉
    Viele Spieler würden das eine oder andere Spiel als Kunst bezeichnen, du tust es nicht. Ich würde auch sehr, sehr viele Filme nicht als Kunst bezeichnen (und ich meine jetzt nicht unbedingt die Hollywood-Blockbuster, sondern dass, was es normalerweise nur in die kleinen Kinos schafft). Kunst ist nun mal Ansichtssache.

  4. Mallop sagt:

    Mir ist es letztlich egal ob und wer welche Spiele nun als Kunst definiert oder auch nicht.
    Spiele enthalten in der Regel künstlerische Elemente und ich spiele sie um unterhalten, fasziniert, begeistert und inspiriert zu werden.
    Genau aus dem gleichen Grund besuche ich auch Konzerte, Galerien, Kinos und lese Bücher.

  5. Nerpax sagt:

    Wer sich für Dear Esther interessiert, findet vielleicht auch an dem Mod Korsakovia gefallen, welches ebenfalls eine Mod für Half-Life 2 ist und von den Leuten hinter Dear Esther stammt.

    Ansonsten kann ich Mallop und Delk nur recht geben. Kunst hängt vom Betrachter ab. Sicher ist vieles im Videospielbereich nur herzlose Massenware; das ist bei Büchern und gerade auch bei Filmen aber nicht anders. Ich denke nicht, dass man ganze Medien so über einen Kamm scheren kann.

  6. Jan sagt:

    Interessanterweise hat Roger Ebert doch mal ein Videospiel reviewed, auch wenn es lange her ist:
    http://www.wired.com/wired/archive/2.09/streetcred.html

  7. Harzzach sagt:

    Das eine schliesst das andere ja nicht aus. Ebert bespricht auch die Transformer-Filme und nicht nur Art House-Kleinkunst.

  8. Harzzach sagt:

    Kann man schon … derzeit. Denn derzeit (!) sind Computerspiele keine Kunst, nur Kommerz.

  9. Sir Richfield sagt:

    Was wiederum aufs Neue beweist, dass viele Spiele-Journalisten und viele Gamer nicht wirklich Ahnung davon haben, was ein Spiel gut aussehen lässt.

    Wie wahr, wie wahr. Design ist zwar nicht unbedingt das law, dass Iron Storm damals durchsetzen wollte, aber gutes Design macht jeden noch so fetten Shader Effekt wieder wett.
    Die Metroid Prime Reihe finde ich schöner und abwechslungsreicher als die letzten zehn Egoshooter mit „Bombastgrafik“ und Michael Bay Regie.
    Ach, was rede ich, Super Metroid hat mehr Abwechslung in der Umgebung als die letzten zehn Egoshooter.
    Super Mario Galaxy ist quietschbunt, aber hübsch. So fluffiges Design wäre mit der „Ich kann Metall, bitch!“ UT3 Engine z.B. gar nicht möglich.
    Der Crytek Engine traue ich das zu, aber solange die Leute meinen, dass wäre mit einem Hammer ein Ei puhlen, kann ich denen nicht helfen.

    Nehmen wir mal Transformers: War for Cybertron.
    Die hatten da alle Möglichkeiten der Welt, ein interessantes Cybertron zu bauen. Stattdessen bekamen wir einen schwarzgrauen Brei, der nach einer Stunde fast schon nicht mehr zu ertragen war. Nichts, wo man mal „oooh“ oder „aaaah“ sagen könnte.

    Gespannt bin ich mal auf Tron Evolution. Die haben zumindest die Welt glaubwürdig hinter den Monitor gebracht. (Wobei das technisch nicht schwer ist. Also einen generellen Tron look zu schaffen. Ob die auch GUT sind, steht in den Sternen.)
    Sorgen macht mir ein wenig das Gameplay, denn bisher siehts aus wie Trons Creed oder Prince of Mainframe. Muss ja nicht schlecht sein, die Welt braucht mehr 3D Jump ’n‘ Run Spiele.

  10. Tetz sagt:

    Die Definition „Produkt, geschaffen mit einer Gewinnerzielungsabsicht unter Berücksichtigung größtmöglicher Kundenakzeptanz in der gewählten Zielgruppe“ trifft beispielsweise auch auf einen großen Teil der Malerei zu. Vor allem in früheren Zeiten, z. B. Lucas Cranach, der so gesehen ein ausgesprochener Kommerzmaler war.

    Und wie das Beispiel mit „Dear Esther“ zeigt, gibt es davon abgesehen ja auch genug nicht-kommerzielle Spiele, das kann also nicht die Bewertungsgrundlage sein.

    Abgesehen von den ganzen graphischen, akkustischen und choreografischen Komponenten liegt das neue künstlerische Potenzial bei Computerspielen in der Interaktivität. Daran verschwendet Roger Ebert allerdings keinen Gedanken, sondern beurteilt Computerspiele nach seinen eingefahrenen Sehgewohnheiten, die offenbar vor allem durch das Medium Film geprägt sind.

  11. test sagt:

    Roger Ebert, der hat doch vor einiger zeit seine aussage wieder zurückgenommen.

    Naja so oder so alles bla bla, kunst oder nicht.
    Wie hier schon gesagt ist alles ansichtssache wie man kunst definiert.

    Was ist den Kunst genau ??
    Da wird man doch nie eine einheitliche meinung finden.

    Ich sage Kunst ist überall zu finden.

    Manches ist Kunst weil es einfach nur schön ist, manches weil es einem zum nachdenken anregt und die eigennnen Perspektive erweitert.

    Aber das ist doch auch weider von mensch zu mensch unterschiedlich den einen inspiriert dieses den einen jenes.

    So ist in vielen bildern für manche menschen sicher auch viel kunst während andere dort nichts sehen.

    Meiner meinung nach ist Kunst für jeden menschen etwas anderes und man sollte nicht eine mysteriöse instanz beschwören die darüber urteilt was den nun kunst sei und was nicht.

  12. test sagt:

    Roger Ebert, der hat doch vor einiger zeit seine aussage wieder zurückgenommen.

    Naja so oder so alles bla bla, kunst oder nicht.
    Wie hier schon gesagt ist alles ansichtssache wie man kunst definiert.

    Was ist den Kunst genau ??
    Da wird man doch nie eine einheitliche meinung finden.

    Ich sage Kunst ist überall zu finden.

    Manches ist Kunst weil es einfach nur schön ist, manches weil es einem zum nachdenken anregt und die eigennnen Perspektive erweitert.

    Aber das ist doch auch weider von mensch zu mensch unterschiedlich den einen inspiriert dieses den einen jenes.

    So ist in vielen bildern für manche menschen sicher auch viel kunst während andere dort nichts sehen.

    Kunst für jeden menschen etwas anderes und man sollte nicht eine mysteriöse instanz beschwören die darüber urteilt was den nun kunst sei und was nicht!

  13. Harzzach sagt:

    Wie auch Da Vincis Werke damals in erster Linie Auftragsarbeiten waren.

    Darum sage ich ja, HEUTE sind Computerspiele keine Kunsts, sondern in erster Linie Gebrauchsware. Was unsere Nachfahren darüber denken … keine Ahnung. Vielleich anders, vielleicht genauso.

  14. Tetz sagt:

    Ich meine man kann sich aber auch heute schon über den Kunstcharakter von Computerspielen Gedanken machen. Es fallen einem ja schon hin und wieder Beispiele ein, wo in der Gestaltung die Grenze zwischen „Produktdesign“ und Kunst zumindest fließend ist. Und mit Hinblick auf die Interaktivität könnte man vielleicht auch etwas entdecken.

  15. Nerpax sagt:

    Wie definierst du eigentlich Kunst? Für deine Sichtweise mag die obige Aussage vielleicht stimmen, aber eine objektive Richtigkeit müsstest du dann schon näher erläutern und mit Beweisen stützen.

    Computerspiele sind ein vielseitiges Medium, dessen Möglichkeiten man nutzen kann oder nicht.

    Man kann damit Kunst schaffen oder man kann damit die Aktionäre von Activision zufriedenstellen, wenn man ihnen die Verkaufszahlen vom neusten Call of Duty zeigt. Manchmal ist auch beides möglich.
    Letztlich kann man aber nicht die Leinwand für die Taten der Maler verantwortlich machen.

    Zugegeben: Zur Zeit überwiegt der Kommerz und die Computerspiele haben sich in ihrer relativ kurzen Existenz kaum weiterentwickelt, obwohl die technischen Möglichkeiten zur Verfügung stünden.

    Trotzdem gibt es meiner Ansicht nach auch heute schon Kunst in Spielen. Spiele wie Dear Esther und Korsakovia sind doch das beste Beispiel dafür. Für dich sind das keine Spiele, aber warum nicht?
    Computerspiele zeichnen sich durch Interaktivität aus. Die mag bei Dear Esther gering sein, aber schon bei Korsakovia ist diese deutlich stärker, ohne dabei den künstlerischen Aspekt zu negieren.

    Solche Spiele bleiben im Moment die Ausnahme, aber dadurch wird die Aussage von Roger Ebert nicht richtiger.

  16. Harzzach sagt:

    Wie definiere ich Kunst, hmmm …

    Kreative Werke, die nicht explizit für einen bestimmten „profanen“ Zweck geschaffen wurden, sondern für sich selbst, ausserhalb dieses Bezugsrahmens als eigenständiges Werk bestehen können. Kunst hat für mich sehr viel mit Selbstbezogenheit, fast schon Egoismus zu tun.

    Und im Laufe der Jahre, bzw. Jahrhunderte verschwindet der profane Grund für die Existenz der Werkes, es existiert dann nur für sich selbst, bzw. wird vom Betrachter in einen neuen Bezugsrahmen gestellt.

    Computerspiele sind da schlichtweg noch viel, viel zu jung.

  17. nomadenseele sagt:

    Roger Ebert, in den USA ein be- und anerkannter Filmkritiker, sagte vor einigen Monaten, dass Videospiele niemals Kunst sein können. Ich muss gestehen, ich kann ihm eigentlich nur zustimmen. Videospiele sind derzeit nichts weiter als Industrieprodukte, geschaffen mit einer Gewinnerzielungsabsicht unter Berücksichtigung größtmöglicher Kundenakzeptanz in der gewählten Zielgruppe. Gleichgültig, ob dahinter ein internationaler Großkonzern steht oder ein kleiner Indie-Entwickler. Spiele sind nicht Kunst, sondern Kommerz.

    Senior Gamer

    Bestechende Logik:
    Danach dürfte kein einziger Film Kunst sein, da damit kommerzielle Absichten verfolgt werden und auch Damien Hirst arbeitet bestimmt nicht für Butter und Brot. Verschiedene Baustile harmonisch in ein Spiel zu integrieren und Welten zu entwerfen ist für mich auf jeden Fall Kunst.

  18. klopskalle sagt:

    Roger Ebert, in den USA ein be- und anerkannter Filmkritiker, sagte vor einigen Monaten, dass Videospiele niemals Kunst sein können. Ich muss gestehen, ich kann ihm eigentlich nur zustimmen. Videospiele sind derzeit nichts weiter als Industrieprodukte, geschaffen mit einer Gewinnerzielungsabsicht unter Berücksichtigung größtmöglicher Kundenakzeptanz in der gewählten Zielgruppe. Gleichgültig, ob dahinter ein internationaler Großkonzern steht oder ein kleiner Indie-Entwickler. Spiele sind nicht Kunst, sondern Kommerz.

    Und Hollywoodfilme sind sind derzeit nichts weiter als Industrieprodukte, geschaffen mit einer Gewinnerzielungsabsicht unter Berücksichtigung größtmöglicher Kundenakzeptanz in der gewählten Zielgruppe? Gleichgültig, ob dahinter ein großes Filmstudio steht oder eine kleine Arthouse-Klitsche?

  19. dernutzerthegreat sagt:

    Wie schon gesagt hängt es immer von der Definition von Kunst ab, ob Kunst als Kunst anerkannt wird. Ich weiß auch nicht nach welchen Regeln Gemälde, Computerspiele, Romane oder Filme als Kunst gelten, aber meiner Meinung nach kommt es mir darauf auch nicht so sehr an. Denn wenn jemand aus welchen Gründen auch immer etwas wunderbares vollbringt, das jemanden zum nachdenken bringt, oder ihn in seiner Ästhetik einfach nur fasziniert dann ist das für mich persönlich Kunst ob er es aus der Selbstverwirklichung heraus oder um sich Brötchen zu verdienen macht. Viele Computerspiele sind für mich Kunst ebenso wie die Werke von Van-Gogh, da Vinci oder James Cameron.
    Und natürlich auch dein Blogeintrag der es schafft eine kleine Diskussion über eigentlich Nichts herzustellen^^

  20. distopia sagt:

    Ich denke, man müsste erstmal zwischen der „historischen“ und zeitgenössischen Kunst unterscheiden. Dem toten Künstler kann es egal sein, ob seine Werke es posthum zur Berümtheit schaffen oder nicht; schön für uns – allenfalls.
    Der zeitgenössische Künstler hingegen, will er seinem Egoismus frönen, muss schon ein kleines Vermögen vorhalten, um sich diesen Egoismus auch leisten zu können, wenn er auf all den Kommerz pfeifen soll. Ansonsten bleibt ihm nur, wie überall sonst auch der gnadenlose Konkurrenzkampf.
    Und hier sehe ich zumindest das Problem der Betrachtungsweise – Kommerz gegen Selbstverwirklichung.
    Auf der anderen Seite ist es dem Kunstobjekt auch völlig wurscht, welchem Zweck es entsprungen ist. Völlig Banane ob das Werk zum Brötchenverdienen geschaffen wurde, oder damit es jemandem imponieren sollte – schön bleibt schön, häßlich bleibt häßlich.
    Insofern halte ich es durchaus für möglich, dass auch „niedere“ Beweggründe die eine oder andere Perle der Kunst hervorbringen können.

  21. Arter sagt:

    Mir fällt als Beispiel zum Thema noch der PC Titel „The Path“ ein.

    http://www.4players.de/4players.php/dispbericht/PC-CDROM/Test/8976/62798/0/The_Path.html

  22. afo sagt:

    Es ist ja eigentlich ganz einfach:
    Kunst ist, wenn der Künstler sagt, daß sein Werk Kunst ist. Und dieses Urteil kann ihm niemand absprechen.
    Wenn der Künstler also sich entscheidet sich auf den Marktplatz zu stellen und sich mit dem Hammer auf den Kopf zu schlagen und das Kunst zu nennen ist das Kunst.
    Anders herum ist es nicht so einfach.
    Der Künstler produziert etwas. Möchte aber dies nicht als Kunst gesehen wissen. (Gebrauchskunst, Auftragsarbeiten, Broterwerb). Aber sobald das Publikum das als Kunst sieht kann er sich auch nicht mehr wehren.

  23. Khobar sagt:

    Ob Spiele nun Kunst sind oder nicht – sie machen mir nicht mehr oder weniger Spaß. Was haben wir denn davon wenn irgendwann offiziell verlautbart wird, dass Spiele als Kunst gelten?

    Für mich, als Spieler, ändert sich dadurch nichts. Ich sehe es eher als unnötige Klassifizierung an, die einfach nichts bringt. Insbesondere da der Begriff Kunst sehr umstritten ist und es keine festgelegte, klare Definition gibt.
    (Damit will ich nicht sagen dass es nich sinnvoll sein kann darüber zu debatieren. Nur meine Meinung 🙂 )

  24. Harzzach sagt:

    Was haben wir denn davon wenn irgendwann offiziell verlautbart wird, dass Spiele als Kunst gelten?

    Nichts. Oder vieles. Je nachdem, was man in Spielen sehen möchte. Ich würde zB. nichts gegen eine Badische National-Spielhalle haben, in der man erlesene Beispiele herausragender Spiele-Kunst nachspielen und selber erfahren kann. Natürlich staatlich gefördert, mit schönen, staatstragenden Gedenkveranstaltungen zur 200-Jahrfeier des Releases von Sid Meiers Civilization. Die Herren im Anzug, die Damen im Abendkleid, Honoratioren und Ehrenbürger, während draussen vor der Spiel-Halle eine kleine Gruppe wirrköpfiger Jugendlicher und kurzhaariger Bombenleger gegen diese offenkundige Verschwendung von Geld und Ressourcen demonstrieren …

  25. TommyS sagt:

    Die meisten heutigen Spiele verfolgen doch nur ein Ziel: den infantilen Drang nach Destruktion zu befriedigen. Auf gut deutsch: Ballern und zerstören, was das Zeug hält. Okay, wir alle tragen dieses Erbe der Evolution in uns – aber in meinen Augen hat das mit Kunst – egal wie graphisch aufwändig das inszeniert ist – nichts zu tun. Paris, Texas oder Rain Man ist für mich Kunst, weil ich mich in den Charakteren spiegeln kann und Stoff zum Nachdenken über mich selbst und meine Umwelt bekomme; Terminator 1 ist das nicht, das kitzelt nur mein Adrenalin; wenn der Film auch Spaß macht, er bringt mich als Mensch nicht weiter, deshalb würde ich ihn nie als Kunst bezeichnen – Industrie-Design halt, wenn auch in seinem Rahmen gut gemacht. Das ist für mich vielleicht die Schlüsseldefinition für Kunst: Sachen, die mich zum Nachdenken bringen. Insofern KÖNNTE Death Easter vielleicht Kunst für mich sein – wenn ich denn einen funtionierenden Download-Link finden könnte (ModDB: Coming Q4 2010).

  26. Tetz sagt:

    „Ballern und zerstören“ ist deine Interpretation. Ein gutes Kampfspiel inszeniert spannende, vielfältige, mitreißende Kämpfe gegen verschiedenste Arten von phantasievoll gestalteten Gegnern und lässt einen phantastische Umgebungen erkunden, erzählt Geschichten durch Ereignisse und visuelle Eindrücke, und zwar auch ohne Worte. Einfach nur „zerstören“ trifft es nicht, und es ist heutzutage schon etwas mehr als nur ballern, die Ära der einfach gestrickten Arcade-Weltraumshooter ist ja schon eine Weile vorbei.

  27. TommyS sagt:

    So ein Spiel würde ich mir auch gefallen lassen, ohne Frage – aber wo sind sie denn, die phantasievollen Geschichten? Es ist doch leider ein Problem der meisten heutigen Spiele, dass eine ziemlich dürre Story als Aufhänger für eine Abfolge von Baller-Missionen herhalten muss – und wenn man sich mal in den entsprechenden Foren umsieht, ist es schon erschreckend, wie wichtig den Fans dieser Produkte gerade die Zerstörung ist, da kann es nicht bunt und blutig genug sein, wehe es fliegen keine abgetrennten Körperteile über den Bildschirm, da wird schon gemosert. Die grafische Qualität hat unbestritten erheblich zugenommen, und es macht mir auch Spaß, mal zu gucken, wie der nächste Level aussieht, aber mit Kunst hat das für mich wenig zu tun. Etwas überspitzt: ob ich bei einem Arcade-Weltraum-Scroller schnell auf unterschiedliche Gegner reagieren muss, die an irgendeinem Bildschirmrand überraschend auftauchen, oder ob bei Doom 3 gescriptete Monster überraschend vor, über, neben oder hinter mir auftauchen, macht das Spieleprinzip für mich nicht wirklich künstlerisch wertvoller. Und als berufstätiger alter Sack mit nicht mehr soviel Zeit zum Zocken möchte ich meine Phantasie nicht nur daran abarbeiten, wie ich irgendwelche Überbossmonster plattmache (siehe auch aktuelle Werbung zu Crysis 2 – „alles zerstörbar, bildschirmfüllende Bossgegner“. Popcorn-gaming halt – hat sicher seine Berechtigung im kommerziellen Spielemarkt, aber Kunst?

  28. Goa sagt:

    Wie wärs denn z.B. mit Heavy Rain ? Oder Alan Wake ? Oder Mass Effect 1 und 2 ? Wem da nicht genug tiefgründige Geschichte drinn ist der findet warscheinlich auch zwischen MacBeth und dem neuesten Rosamunde Pilcher keinen Unterschied…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s