Es waren zwei Königskinder …

“Es waren zwei Königskinder,
Die hatten einander so lieb,
Sie konnten zusammen nicht kommen,
Das Wasser war viel zu tief.”

So oder ähnlich ein altes deutsches Volkslied. So oder ähnlich geht auch die Mär von den beiden Zockern, die niemals nicht zusammenspielen konnten, weil der im Arbeitszimmer vor seinem PC und der andere im Wohnzimmer neben seiner Konsole hockte. Beide würden sie durchaus gerne zusammenspielen, denn beide lieben in etwa die gleichen Spiele. Sie mögen “Gears of War” und “Call of Duty” und so. Der eine spielt aber nur gegen andere PC-Besitzer und der andere loggt sich in Live ein und zockt gegen andere 360-Besitzer. Und das, obwohl Cross-Plattform-Gaming kein Ding der technischen Unmöglichkeit ist. Und das, obwohl Microsoft mit “Games for Windows Live” sogar eine gemeinsame Schnittstelle zwischen PC und 360 zur Verfügung stellt.

Doch das Wasser ist zu ti-hief. Sie können nicht zusammenko-hommen, die beiden Kö-hönigski-hinder. Schnü-hüff! Tandaradei!

Nein, das liegt nicht am bösen, bösen Oheim Wilhelm, dem Torwächter. Denn der ist gar nicht so böse, wie man denkt. Er schaut nur manchmal sehr grimmig. Denn einst, da baute er sogar eine richtige Brücke, damit die Königskinder zueinander kommen konnten, denn ihr Sehnen rührte sein Herz und eine einzelne Träne rann seine vernarbte Wange hinab. “Cross-Plattform-Gaming” nannte er die Brücke und stolz war er auf sein Werk. Mächtige, starke Pfeiler aus festem Stein stützten sie und dicke, schwere Eichenbohlen bildeten einen festen Weg, damit man leicht und sicher hinüberschreiten konnte. So sagt die Legende und wenn man ganz genau hinschaut, da kann man an einem schönen Sommertag sogar noch einen Schemen der alten Fundamente im Burggraben erkennen. Zumindest sagt die Legende, das seien die Fundamente der Brücke gewesen.

Doch dann, von einem Tag auf den anderen war die Brücke wieder verschwunden und die beiden Königskinder konnten sich wieder nur aus der Ferne gegenseitig Liebesschwüre zurufen. Hach, huch, Herzeleid!

Was war passiert? Ward Oheim Wilhelms Seele plötzlich von Eifersucht zerfressen, als er sich das Glück der beiden Königskinder vorstellte? Denn ich weiß noch genau, als er nach dem Verschwinden der Brücke noch griesgrämiger und böser als sonst durch die Burg stapfte. Nein, sagt zumindest Helginde, die Wäscherin. Sie hat es nämlich von Tristram, dem Koch erfahren, der es vom alten Berthold gehört hat, der nachts nicht mehr gut schlafen kann wegen seinem krummen Rücken und der deswegen gerne des Nächtens einen Spaziergang durch die stille, ruhige Burg macht. Berthold hat nämlich gesehen, was passiert ist. Haltet Euch fest:

Da war also diese Brücke. Fest und schön anzusehen. Und freudig rannte das eine Königskind hinüber, um sich mit dem anderen Königskind zu treffen. Oh, was war das für ein Jauchzen und Frohlocken. Denn endlich konnten die beiden von Angesicht zu Angesicht ihrer großen Liebe frönen. Doch es waren ja noch Kinder. Die hohe Kunst der Minne ward ihnen noch nicht zuteil geworden und all die anderen Dinge, die Männlein und Weiblein so miteinander tun können, das war ihnen auch noch unbekannt. Und so spielten sie miteinander. All ihre Lieblingsspiele, die sie früher immer nur alleine spielen konnten. Oh, was war das für ein Jauchzen und … Heulen?

Ja, Heulen! Helginde hat es so gesagt. Dass Tristram gesagt hat der alte Berthold hätte es ihm so erzählt. Das eine Königskind hatte nämlich immer gewonnen. Sogar dann, als es bewusst schlecht gespielt hatte, um das andere Königskind auch einmal gewinnen zu lassen. Und so rannte das andere Königskind heulend und jammernd wieder auf die andere Seite. Vorbei die Zeit der großen Liebesbeteuerungen und vergessen waren all die halbseidenen Schwüre! Und so brach der Oheim die Brücke wieder ab, auf dass die beiden Königskinder nie wieder zusammenkommen sollten.

Denn nicht verhärtet und böse war sein Herz, sondern klug und weise. Denn es kann nicht zusammenkommen, was auf der einen Seite eine präzise, hochkonfigurierbare, dutzendfach belegbare Interface-Möglichkeit namens “Maus + Keyboard” hat, während die andere Seite eben nur einen relativ groben, schwerfälligen Controller hat, der ohne Autoaim und andere Software-Hilfen Ego-Shooter auf der Konsole zu einer Sache für ausgemachte Masochisten machen würde. Denn dem anderen Kind wurde von seinen Lehrern immer nur mit viel heimlicher Unterstützung vorgegauckelt, dass es ja ganz toll sei und auch ganz toll spielen könne, obwohl es bei diesem speziellen Spiel in Wirklichkeit ganz schrecklich schlecht war, denn mit einer groben, großen Holzfälleraxt kann selbst der beste Handwerker aller Zeiten keine feinen Intarsienschnitzereien vollbringen.

Tja, und was lernen wir aus dieser Geschichte?

Genau, die beiden verfickten blöden Gören sollen endlich aufhören sich gegenseitig die Ohren vollzujammern und sich einen anständigen Ehepartner aus dem eigenen Reich suchen, dammich!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

15 Kommentare zu “Es waren zwei Königskinder …

  1. Man könnte natürlich auch mal an den Gamepads der Konsolen arbeiten und ein vernünftiges Steuerungswerkzeug entwickeln.
    vielleicht eine minimaus die an einem magnet auf einem tablet mit wasd knöpfen befestigt ist oder ähnliches, ich habe da leider zu wenig phantasie für sowas, aber ich glaube schon dass es Leute gibt die sowas könnten, nur die sind ja grade alle beschäftigt irgendeinen bewegungs-hüpf mist für 360 oder PS3 zu basteln, das ist ja viel wichtiger

  2. Harzzach sagt:

    Ich würde ja lachen, wenn Nintendo, nachdem Wii und 3DS irgendwann out sind, plötzlich mit einem Maus+Keyboard-ähnlichem/entlehnten Konzept für Konsolen kommt. Vielleicht nicht unbedingt als The Next Big Thing, aber so als kleine Auffrischung für bisherige Hardware. Und MS und Sony stehen dann WIEDER blöde da und können nur schlecht nachäffen!

    Die Spieleindustrie ist ein nie versiegender Quell an Heiterkeit! 🙂

  3. Labskaus sagt:

    Immer schön abwechslungsreich geschriebene Artikel, so gefällt mir das.
    Denn wenn sich schon die Themen der Spielewelt (Publisher, DRM, Gebrauchthandel, Abzocke, Konsole vs PC usw.) nicht sonderlich ändern, muss man eben selbst kreativ werden 😉

  4. Look sagt:

    Öhm, schon mal das Keyboard der Phantom Konsole gesehen? Das gibt es zu kaufen, die Konsole nicht.

    http://www.phantom.net/index.html
    (auf Lapboard Gallery gehen)

    Unmöglich an der Konsole im Sessel mit Tastatur und Maus zu zocken, Nein, ist es nicht.

    Ach ja und umgekehrt, warum nicht vorschreiben, das der PCler mit Gamepad spielen muss, ginge auch – jaja unbeliebt, aber es ginge, wen man nur wollte.

    Letztendlich ist aber die interessanteste Konstellation des plattformübergreifenden Spielens noch weniger gewollt, als PC mit/gegen Konsole, das wäre nämlich 360 mit/gegen PS3 (nun mit Natal und Dildo wären auch 360/PS3 mit/gegen Wii denkbar).

  5. Hyrsch sagt:

    Ich bin immer wieder erstaunt, das du bei dem Wetter solche Texte vollbringen kannst.
    Ich glaube mein Gelächter über diesen herrlichen Text hat alle Nachbarn geweckt 🙂
    Danke dir.

    Aber wer will den Cross-Plattform Spiele ?
    Das würde ja die Spielzeit noch weiter erhöhen und die armen am Hungertuch nagenden Bose der Publisher würden dann vermutlich verhungern.

  6. Harzzach sagt:

    Ich habe zu danken 🙂

  7. Anonymous sagt:

    Wird Eve Online nicht mit dem nächsten Add-On zu eienr Art Cross-Plattform-Spiel?
    CCP (der Eve Macher) hat vor eine Art Standalone Version mit dem Namen Dust 514, die wohl ein Action Shooter auf PS3 oder 360 wird, zu Verknüpfen mit dem Eve-Online Server.
    So soll es möglich sein die Gebiete(Planeten/Sonnensysteme) welche Die PC-MMO´ler unter ihren Factionen im All halten oder Erobern – Dann auf der Konsole als Bodenteam zu bereisen und wohl zu „Tun“ was man in Action MMO´s so tut. Vom Ansatz her finde ich die Idee sehr nice, da sich der PC mit dem Konsolero nicht direkt ins Gehege kommt…..nur in wieweit sind die Konsolier dann von dem Geschen welches sich am PC abspielt abhängig?

    Da ich selbst vor einiger Zeit Eve recht intensiv gespielt habe weiß ich das der Entwickler viel Know-How hat und weiß wie man Spieler bei Laune hält und zudem noch Risikofreudig ist was Neuerungen in seinem Produkt Eve angeht, wenns den von der Konsolen Fraktion angenommen wird, könnte aus Dust 514 wirklich etwas „Spezielles“ werden ^^
    http://www.ccpgames.com/en/products/eve-online.aspx
    http://www.ccpgames.com/en/products/dust-514.aspx

  8. Harzzach sagt:

    Das schöne an diesem Konzept ist die Integration beider Plattformen, ohne dass eine Seite darunter leiden muss.

  9. utzelgrutzel sagt:

    Wie sieht es mit Rennspielen aus? Sportspiele? Warum wird das einfach komplett abgesägt nur weil Shooter eben nichts mit Gamepad taugen?

    Man stelle sich vor die Konsolen öffnen einfach ihre Plattform ein klitzekleines Stückchen und bieten Mausunterstützung an. Jaja, total unrealistisch, man bekommt ja nicht mal ein Pad im Xbox-Design für die PS, aber es ist ja nur ein Gedankenexperiment.
    Möglich ist es doch wohl problemlos, USB Schnittstellen sind vorhanden, die Option dank Multiplattform eh schon existent und ich habe schon viele LANs mit Maus + Tastatur auf der Couch verbracht.

    Jeder nutzt einfach was er will und von mir aus spielt einer mit Joystick mit bei UT. Bei Spielen die stark von einem Eingabegerät profitieren kann man dann eben noch „nur X“, „nur Y“ und „Beide“ zulassen/danach filtern und gut ist. Im Coop ist es mir erst recht egal und weil ich den Kumpel im Shooter abgezogen habe verhaut er mich danach im Prügelspiel weil ich mein Gamepad wieder verlegt habe.

    Aber wie Look schon sagte: Es liegt nicht am Eingabegerät, siehe Xbox PS

  10. Rollenprinz sagt:

    Ich hatte anno dazumals eine PS1 mit Maus. War ganz praktisch bei dem Spiel XCOM (UFO). Neu währe das also nicht.

  11. Jimbei sagt:

    Mal ehrlich: Maus und Tastatur in der derzeitigen Art ist an einer Konsole einfach nicht wirklich nutzbar. Dazu müsste man schon eine feste Unterlage, eben einen Tisch, haben – aber Konsolen waren schon immer dafür da, um vom Sessel oder Sofa aus in beliebiger Haltung spielen zu können (zumindest mein Eindruck). Was ich aber niemals verstehen werde: warum macht man Konsolen-Shooter prinzipiell so schlecht? Ich persönlich bin hochzufrieden mit „Halo“, „Gears of War“ und ähnlichem, weil ich Maus und Tastatur als Eingabegerät für Spiele einfach nicht so toll finde wie ein Gamepad. Ich höre von der Seite der PC’ler einfach viel Häme und Gestänkere, dabei sind das doch 2 gänzlich unterschiedliche Spielegruppen, die generell nichts miteinander zu tun haben (weswegen ich auch niemals Cross-Plattform-Gaming befürworten würde).

  12. Harzzach sagt:

    Was ich aber niemals verstehen werde: warum macht man Konsolen-Shooter prinzipiell so schlecht?

    Weil es die PC-Zocker leid sind, dass sie keine Shooter mehr bekommen, die auf ihre Plattform entsprechend angepasst sind, sondern mehrheitlich nur noch mit besch… Multiplattform-Titeln abgespeist werden, die vom Gameplay her ein klarer Rückschritt und Niveauverlust gegenüber älteren PC-Shootern sind. Man hat es als PC-Spieler einfach satt, permanent als Kunde zweiter Klasse behandelt zu werden, dem man nur Shice vorsetzt und der für diese Shice auch noch dankbar sein soll.

    Man stelle sich dabei nur vor, ein typisches Konsolen-Genre wie BeatEmUps würde allmählich auf den PC rüberwandern, Spiele würden in Interface und Gamepay-Features auf Maus+Keyboard-Bedienung angepasst werden und als Konsolenbesitzer müsste man a) sich M&K zulegen, um das Spiel gut steuern zu können, weil b) man mit dem Controller keine Chance mehr hat, c) Spiel-Interfaces bekommt, die mit einem Controller nur schwer bedienbar sind. Die Konsolenversion wäre qualitativ minderwertig und das Genre würde sich grundsätzlich in eine Richtung entwickeln, die Fans von BeatEmUps in Tränen ausbrechen lassen, wenn sie Klassiker wie Streetfighter mit neueren Titeln vergleichen. Wäre ich Konsolenbesitzer und BeatEmUp-Fan, ich würde massiv abkotzen!

  13. quellcode sagt:

    Danke für den lustigen Artikel!
    1. Wer will den schon mit den lamen Konsolenkiddies spielen? 😉
    2. Muss es nicht unbedingt Tastatur+Maus sein. Mit einer modifizierten (z.B. kugelförmigen) Tastatur für die linke Hand, die man ohne Tisch bedienen kann und einem Trackball in der rechten kann man ausgezeichnet Shooter spielen. Auch wenn es (vor allem auf Seiten der PC-Spieler) einige Umgewöhnung erfordert. Die Maus ist bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich bin vor einem Jahr von Maus auf Trackball umgestiegen und mache mittlerweile alles damit. Es geht also.

  14. Jimbei sagt:

    Hört sich ja geradezu danach an, als hätten die PC-Spieler ja gar nichts mehr zum spielen. Dabei bin ich mir sicher, dass es auch dort in Hülle und Fülle Shooter gibt, die auf die Plattform PC richtig angepasst sind – oder ist dem etwa nicht so? Tja, aber generell: ich kann’s vermutlich sowieso nicht nachvollziehen. Da ich nur Konsolenspieler bin (und den PC mit älteren Titeln per Emulator und mit Xbox360-Controller als Eingabegerät benutze) habe ich wohl keine Nachteile in der Hinsicht – insbesondere bin ich ja momentan von Fallout 3 begeistert (perfekt mit dem Xbox360-Controller spielbar).

  15. Harzzach sagt:

    Dabei bin ich mir sicher, dass es auch dort in Hülle und Fülle Shooter gibt, die auf die Plattform PC richtig angepasst sind – oder ist dem etwa nicht so?

    Nein, dem ist leider nicht so. Es hat schon seinen Grund, warum gerade Shooter-Fans, die als Spieleplattform hauptsächlich den PC benutzen, so angefressen sind.

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