Singularity – Ersteindrücke

Ein neuer Shooter, ein neuer Versuch. Ich gebe nicht auf, ich werde ihn eines Tages finden. Den Shooter, bei dem ich nicht nach nur wenigen Minuten entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlage. Diese Woche:

Singularity”.

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Nach der herben Enttäuschung von “Wolfenstein”, für das Raven Software zumindest teilweise verantwortlich zeichnete, war ich doch gespannt, ob dieses Projekt nach langer Zeit wieder dem immer noch guten Ruf dieses Veteranenstudios gerecht werden würde.

Zum Spiel selbst verkneife ich mir einen abschliessenden Kommentar, habe ich doch nur ca. eine Stunde lang hineingeschnuppert. Im Großen und Ganzen scheint es für Liebhaber aktueller Shooter ganz ok zu sein. Gäbe es nicht wieder die üblichen, relativ weit auseinanderliegenden Savepoints, ich hätte sogar ausdrücklich Gefallen daran gefunden. Das Setting ist nicht gerade neu (Bioshock meets Stalin meets Timeshift), aber nett, atmosphärisch, gruselig und ansprechend umgesetzt. Haufenweise Notizen und Audionachrichten lassen den Spieler schnipselweise erahnen, was hier passiert ist und belohnen zusammen mit der Möglichkeit, gefundes Nuklear-Erz gegen Waffen, Munition, Stimpacks und Char-Eigenschaften einzutauschen, den Erkundungsdrang des Spielers. Und hey, es gibt sogar eine Healthbar (!!!) und Medkits, die man zur späteren Verwendung einsammeln kann. Die Healthbar verschwindet zwar nach einer Weile ohne Gefecht wieder (was dämlich ist, da man NACH einem Gefecht nicht so recht einschätzen kann, ob man jetzt einen der seltenen ErsteHilfe-Kasten verbraten soll oder nicht), aber immerhin kein Auto-Heal. Kein Auto-Heal!!! Wie geil ist das denn? Ich will mich daher gar nicht so sehr beklagen, denn angesichts dieses Umstandes wage ich doch zu hoffen, vielleicht bald wieder mein Freies Speichern zurückzubekommen? Hmm, wie wär’s, liebe Devs? Nachdem die Publisher so allmählich merken, dass ihnen die “Der PC ist tot!”-Strategie der letzten Jahre in Zeiten zurückhaltender Konsumausgaben und explodierender Produktionskosten nicht wirklich hilft und sie allmählich und vorsichtig wieder zurückrudern – so ein Schalter in den Optionen? Savepoints [On/Off]? Na los, gebt Euch einen Ruck! Is nich schwer, ehrlich nich. Man muss es nur wollen!

Was diverse Zeitmanipulationsfertigkeiten oder –waffen können, ob sie sinnvoll ins Gameplay integriert wurden … keine Ahnung. Soweit bin ich nicht vorgedrungen. Was in erster Linie nicht so sehr am Spiel liegt, sondern an der verwendeten Graphik-Engine.

Bitte nicht mißverstehen, “Singularity” sieht sehr gut aus. Art Design, Regeneffekte, Texturen, optische Verzerrungseffekte, Feuer, Flammen … kann ich nicht meckern. Ich habe jedoch wieder ein ganz persönliches, physiologisches Problem mit diesem Spiel. Denn Raven Software verwendet diesmal nicht die Algorithmen von ID Software, sondern die Unreal Engine 3. Was für mich bedeutet, dass ich nach etwa einer Stunde aufhören musste, weil mir wieder der Schädel platzte.

Epics Brot- und Butter-Engine und mein Gehirn sind NICHT miteinander kompatibel. Seit Bioshock bekomme ich bei nahezu jedem Spiel, welches diese Engine verwendet, sehr schnell Kopfschmerzen. Ich kann nicht genau sagen, an was es im Detail liegt, denn andere aktuelle Spiele können mit ähnlicher Effektdichte aufwarten, ohne dass man versucht mir mit rostigen Nägeln die Schädeldecke aufzumeisseln. Von Innen! Andere Spielen haben auch Wasser- und Regeneffekte en masse. Andere Spiele haben auch auf jeder nur denkbaren Objektkante und –oberfläche aberdutzende von Effekten. Bei Spielen wie zB. Cryostasis oder Metro 2033 wird derart geshadert und gepostprocessed, dass meine GPU schier gar den Hitzetod stirbt. Geht aber alles glatt. Kann ich stundenlang spielen, sofern es das Spiel als solches hergibt. Passt.

Die Unreal3-Engine jedoch? 1A-Kopfweh-Kandidat. Zwar nicht ganz so krass wie damals bei Bioshock, so wirkt “Singularity” dennoch einen Tick zu verschwommen, zu vaselinig, zu breiig. Ich kann mich nicht vernünftig auf die Szenerie konzentrieren, meine Pupillen gleiten hilflos über das Geschehen auf dem Bildschirm und versuchen verzweifelt irgendwo einen Punkt, eine Stelle zum Fokussieren zu finden. Schalte ich nahezu alle Effekte aus, sieht das Spiel zwar grottenhäßlich aus, aber ich kann es endlich ruhig betrachten.

Aber abgesehen davon, wer eine robustere Physiologie UND keine Probleme mit Savepoints-Only hat, der könnte wahrscheinlich ein solides, unterhaltsames Spiel vorfinden, denn bis auf die angesprochenen Punkte hat mir gefallen, was ich gesehen und angespielt habe.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Preview.

8 Kommentare zu “Singularity – Ersteindrücke

  1. n8mahr sagt:

    mensch, dass die u3 engine bei dir wirklich so einen krassen effekt hat?! mh.. schonmal nach den bildwiederholfrequenzen geguckt? evtl sind die bei u3 spielen bei dir standardmäßig zu niedrig. ich meine, dass jegliches auf u3 basierende spiel so unscharf sein soll, wäre mir jetzt noch nicht aufgefallen. oder fummel mal in den treibereinstellungen herum was die grafikquali angeht. kann doch nicht sein, dassde sämtliche details runterregeln musst, evtl ist das nur ne treibereinstellung, die im zusammenspiel mit der u3 engine matsche produziert?!

  2. Harzzach sagt:

    Es liegt wohl an der Art und Weise, wie U3 Postprocessing-Effekte darstellt. Zuviel virtueller Vaseline. Und nein, liegt nicht an Treibereinstellungen (ohne Vsync ist es noch schlimmer), da Bioshock schon auf meinem vorherigen Rechner diese Wirkung hatte.

    Ich kann U3-Engine-Titel ohne Probleme zocken, wenn ich so gut wie alle Postprocessing-Effekte ausschalte. Sieht dann zwar wieder angenehm scharf und deutlich, aber leider auch oft genug potthäßlich aus, so als ob die Vaseline auf dem Bildschirm den Umstand verdecken soll, dass das Spiel grundsätzlich potthäßlich ist. Bei anderen Engines passiert mir das nicht. Hier scheinen sich Bildschärfe und Effektdichte nicht gegenseitig auszuschliessen.

  3. Iritria sagt:

    Na klingt doch ganz ordentlich und nach einem soliden Shooterchen, das ich mir fürn 10er irgendwann später mal holen werde.
    Zum Glück habe ich keine Probleme mit der U-Engine und ob Savepoints oder freies Speichern, Autoheal oder Healthbar ist mir glücklicherweise Jacke wie Hose 🙂

  4. Sir Richfield sagt:

    UE3 Engine: Glücklicherweise ist mir in meinem Leben nur von Wolfenstein, Descent und einigen Kameraeinstellungen von Sacred 2 schlecht geworden, aber ich weiß, was Du meinst.
    Bei der UE muss ich immer jegliche Art von Weichzeichner ausschalten, einmal weil’s scheisse aussieht, weil’s scheisse aussieht und weil ich meine Graka dafür bezahle auch weiter entfernte Texturen noch scharf darzustellen.
    Der Blur von Heute ist der Nebel von Gestern…
    Zudem wird dieser Effekt manchmal zu gutmütig eingesetzt… Bei Borderlands konnte ich weiter schießen als gucken, wenn der Effekt an war. Bei Rennspielen erkenne ich meist die Strecke nicht mehr UND ich halte es für eine ganz billige Methode so zu tun, als wäre das alles ganz doll schnell.
    Und dann war da noch Alpha Protocol… 😉
    Den Effekt finde ich bei der UE3 allerdings auch schlimmer als woanders. Ich denke, dass ist Konsolenoptimierung, um da den „Boah, dreh ich mich schnell“ Effekt zu erreichen. Blöderweise dreht sich meine Maus bereits schnell und dann dreht sich eher mein Magen. (Batman Arkham Asylum war so ein Kandidat. Mit Pad alles in Butter, mit Maus alles finster. Half auch nicht, dass Batman einer der gefühlt wenigen Titel ist, bei denen die Maus nicht reagiert wie Spongebob im Oilleak.)
    Was mir die UE3 meist vergällt und ich auch glaube, dass Du darauf triggerst, ist die Tatsache, dass viele Entwickler Kantenglättung für ein Gerücht halten.
    Damit wirkt alles in der Engine so seltsam „scharf“. Irgendwie ist alles eckiger als es sein sollte.

    Singularity: Nach ca. zehn Minuten würde ich sagen: Bioshock für Arme, dafür mit einer Menge „In Soviet Russia…“ Witzen. 😉
    Spätestens nach dem Projektor im ersten Level hatte ich so ein Déjà vu.
    Die Ansätze scheinen aber ganz nett zu sein, ob sie das durchhalten ist so eine Frage.
    Ob mir das Geballer an sich gefallen wird, weiß ich nicht soo recht. Die ersten Viecher haben mich nicht gerade überzeugt.
    Und dann kommt noch das Savepoint Geschisse dazu.

    In other News: Transformers War for Cybertron. Auch von Activision, auch die UE3 Engine… Ich musste schon genau hinsehen, ob die richtige DvD eingelegt ist, da Singularity und Transformers im Dateiaufbau (auch installiert) fast exakt gleich aussehen.
    Schmeckt nach runtergerissenen Auftragsarbeiten. Andererseits, never touch a running system und so.
    Wenn Dir allerdings von Singularity übel wird, lass die Finger von Transformers. Der „ist irgendwie eckiger“ Effekt ist bei dem Leveldesign noch viel übler.
    Dafür haben die Entwickler sich die 80er Transformers zum Vorbild genommen. Ob man das gut findet, muss man selber wissen. 😉
    Spielerisch isses bisher ein flotter 3rd Person Shooter mit semiautoheal (Man hat vier Bereiche in der Healthbar. Aufgeladen wird nur bis zum nächsten Bereich. Um den nächsten Bereich zu heilen, muss man einen Enercon Würfel finden) und – natürlich – Savepoints.
    Achja, Menuführung ist ein Witz (Mann muss die schmale, römische Zahl klicken, um eine Mission auswählen zu können) und soweit ich gesehen habe, kann man die Tasten nicht umbelegen m(.
    (Könnte aber auch zu Punkt 1 zählen und ich habe einfach nicht herausgefunden, wie! *g*)

  5. Chron2 sagt:

    Ich find das klingt doch nach nem guten Spiel. Das mit den Savepoints find ich nicht so schlimm. Man ist halt zu verwöhnt von anderen Spielen. Das erhöht den Schwierigkeitsgrad.

    Aber nichts geht über RTCW: „Der Amerikaneeeeeer!“

  6. Harzzach sagt:

    Das erhöht den Schwierigkeitsgrad.

    Ohne jetzt großartig ins Detail zu gehen … Urban Legend Nr. 24: „Savepoints machen ein Spiel schwieriger!“.

    Nein, machen sie nicht.

  7. Kramer sagt:

    Das Problem habe ich mit der Half-Life Engine, ganz schlimm wird es bei Dark Messiah.

  8. Karle sagt:

    Stimmt, bei Dark Messiah musste ich auch einiges abschalten, um es vernünftig zocken zu können. Sieht dadurch natürlich etwas trister aus aber lässt sich dann wenigstens angenehm spielen.

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