Besser ist das …

Seit Tagen brüte ich über einem Text, in dem ich ein paar Anmerkungen zu der Farce namens “Deutscher Computerspielepreis” machen wollte.

Abgesehen davon, dass dieser Preis schon von Beginn eine peinliche Farce ist, was die Auswahl und Prämierung betraf (pädagogisch wertvoll und ohne Gewalt und jugendfrei und überhaupt nur bitte eine Preisverleihung an die üblichen Verdächtigen aus dem Hause Ubisoft/Bluebyte), hat man sich dieses Jahr um Lichtjahre überboten.

Da gibt es eine Kategorie, die nennt sich “Bestes internationales Spiel”. Dieses Jahr waren dafür nominiert: Dragon Age Origins, der aktuelle Professor Layton-Teil für den DS und Uncharted 2. In die pädagogisch-jugendfreie Schiene passt hier aber nur der DS-Titel. Man hätte sich nicht weiter gewundert, wenn dieser Titel gewonnen hätte, hätte mit den Achseln gezuckt und auch dieses Jahr den deutschen Computerspielepreis geflissentlich ignoriert.

Dann aber … das hier.

Ok, und welcher Titel wurde nachnominiert? Ein internationaler Titel namens “Dawn of Discovery”, den man in Deutschland besser unter dem Namen “Anno 1404” kennt und der dieses Jahr (nicht wirklich überraschend) bereits den Preis für “Bestes Deutsches Spiel” gewonnen hatte.

Toll, nicht wahr?

Doch da ausser dumpfer Wut und Verachtung für Jury-Leitung und das moralinsaure Weltbild deutscher Tugendwächter nichts weiter aus meinen Fingern fliessen wollte, habe ich darauf verzichtet, dazu etwas zu veröffentlichen. Stattdessen bin ich eben auf DIESEN Kommentar von 4Players-Redakteur Paul Kautz gestoßen, der sich dem Thema zwar auch nicht gerade freundlich, dafür aber mit deutlich mehr giftgrün spritzigem Sarkasmus nähert, als ich das vermochte.

Ich denke, es ist besser für mein Seelenheil, wenn ich den Deutschen Computerspielepreis, respektive seine Organisatoren auch weiterhin geflissentlich ignoriere …

Update: Oha, es schlägt auch andernorts Wellen …

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

13 Kommentare zu “Besser ist das …

  1. Svennö sagt:

    Sogar unsere lokale Tageszeitung hat einen ätzenden Artikel darüber gebracht.

    Aber mal ganz ehrlich: who the fuck cares anyway?!?!

    Allein der Name klingt so herrlich nach Beamtentum und dicken Industrieheinies, die der Jundend schon zu 64er Zeiten eine Verrohung durch COMPUTERSPIELE vorausgesagt hat.

  2. Svennö sagt:

    Nachtrag:

    Aber was will man schon von einem Land verlangen, in dem man anstrebt schon die Produktion von „gewaltverherrlichenden“ Spielen unter Strafe zu setzen. Wir hinken Jahre hinterher. Aber solange Politiker immer älter werden und diese komische Neuentwicklung namens „Computer“ oder gar „Internet“ als Bedrohung und nicht als Chance auffassen….

    Die Generation Pacman wirds richten müssen!

  3. Harzzach sagt:

    Keine Frage, das hier ist ein typisches Generationenproblem und in 20-30 Jahren müssen wir diese Diskussion nicht mehr führen. Dann bestimmen die dumpfen Vorurteile unserer Generation die öffentliche Diskussion.

    Dennoch geht mir dabei das Messer in der Tasche auf. Geduld zu üben ist nicht immer einfach …

  4. DimkiM sagt:

    Geschichte wiederholt sich leider immer wieder:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13508483.html

    Deutschland hat damals auch nicht den Trash-Faktor dieser Filme verstanden, aber man sollte meinen, so langsam nach fast 30 Jahren endlich daraus zu lernen

  5. Look sagt:

    Ihr solltest aber eines bedenken, wen die Kalkleisten raus sind, die sich jetzt als Moralinstanz erheben, sind wir die Kalkleisten – ich frage mich wogegen ich dann bin und was ich verbieten lassen will, mhhh, vielleicht bin ich ja dann dafür dass das betreten des Rasens erst mit Ü30 erlaubt sein sollte, Holodecks sind böse und Hoverboards Rowdys gehören in den Knast…was solls, früher war eh alles besser (nur die Anekdoten aus dem Kriech (RvR, CTF, Respawns, Dedicated Server, Lagger Adminbans, Cheater, Lucker…) werden bei mir wohl nicht so rüber kommen).

  6. Annon sagt:

    ein paar Wellen hat es schon geschlagen

    heute.de/ZDFheute/inhalt/16/0,3672,8068144,00.html

    welt.de/webwelt/article7376422/Peinliche-Posse-um-Deutschen-Computerspielpreis.html

    gamersglobal.de/meinung/deutscher-computer-kinderkram-preis

  7. Andreas sagt:

    Reines Generationenproblem – heute gehen Omi und Opi
    zwar auf ein Rolling Stones Konzert, aber Computerspiele sind Teufelsmus…, äh, Teufelswerk.

    Und Omi und Opi stellen mittlerweile einen grossen Teil der Bevölkerung und damit der Öffentlichkeit. In 15 Jahren gibt’s diese Art der Diskriminierung nicht mehr.

    Was mich aber tatsächlich ärgern kann ist die Ungleichbehandlung von Spiel und Film – Folterpornos wie Hostel schaffens in den Kulturteil der Tageszeitungen als „Spiegel der Gesellschaft“ – ich kann solche Streifen beim besten Willen nicht mit Genuss sehen. Und dann schaut man sich im Vergleich mal die Index-Liste bei Spielen an, und welche Pixeltitel längst vergangener Zeiten dort noch stehen…

  8. Sir Richfield sagt:

    Hat es sogar in einen Beitrag bei WDR 5 im Radio gebracht. Auch wenn der „Skandal“ nicht umfassend beschrieben wurde (Es wurde nur gesagt, die Industrie sei verschnupft, weil wieder Anno gewählt wurde, ohne die Hintergründe „Ist per Definition kein Internationales Spiel“ und „Wurde im Nachhinein nominiert“ zu nennen) aber immerhin…

  9. Rizzo sagt:

    Da hab ich wohl instinktiv richtig gehandelt, als ich dem Topic “Deutscher Computerspielepreis” auf diversen Portalen keinerlei weitere Beachtung schenken wollte.

  10. quellcode sagt:

    Mir graut nur jetzt schon davor, was die Politiker „unserer“ Generation dann für Scheiße bauen werden. Da hab ich wenig Hoffnung – nicht jeder Internetnutzer ist ein Freidenker und Politiker sind nicht die Nerds, die Seniorgamer lesen. Stellt euch vor, wir wären alt und es kommt plötzlich eine neue Entwicklung, die wir nicht verstehen und die uns Angst macht…

  11. Joe sagt:

    Tja, unsere ökosozialistische Gesellschaft wird danach ausgerichtet, was Frauen, Müsli-Fresser und Alt-68er interessiert. Und die mögen nun einmal keine „Killerspiele“. Und da ja Mutter Staat ihre Schäfchen eh gern wie kleine Kinder behandelt, passen Kinderspiele prima ins Konzept.

    Das ist kein Generationen-, sondern ein Mentalitätsproblem.

  12. distopia sagt:

    Ich gucke grad Familiy Guy und kanns mir nicht verkneifen, meinen Senf zu der Scheinheiligkeit der Moral in diesem Games-Preis-Hickhack zu posten.

    Da regt man sich also auf wegen paar Knarren in den Games auf…
    Dann Zapp ich mal eben zurück zu Pro7 und Family Guy zurück :
    Es ist Sonntag(!), beste Familienzeit usw. und …
    … es läuft ein geköpfter Hund (Brian) aufrecht auf seinen Hinterpfoten im Wohnzimmer rum, und während er mit seinen Armen(?) so vor sich hinzappelt, verspritzt er geschätzte 20 Liter Blut in die heimische Atmosphäre.
    Übel!? Krass!? Na dann guckt mal weiter…
    Kurze zeit später gibts ne Rückblende in der Brian Stevie (dem Baby) das „Lesbenvideo mit der Tasse“ zeigt. Die Szene dauert ca. 30 Sekunden, das Video ist nicht zu sehen, aber man sieht es an den Reaktionen der Beiden, dass es DAS Video ist. Der Hund lacht sich kaputt, der Kleine kotzt fasst.

    Ich bin weder Familienvater oder Vegetarier etc. noch hab ich was gegen Family Guy (im Gegenteil find die Serie neben den Simpsons eine der besten überhaupt) aber wenn man Uncharted2 nicht nominiert, weil gewalt und so… und dann DAS im Fernsehen am Sonntag um 17 Uhr läuft, dann kann man doch nur ob des Wahnsinns lachen, oder?

  13. smartcom5 sagt:

    … ja, man kann schwerlich diese typisch deutsche Amoral und Scheinheiligkeit ersticken.

    PS: Ist immer wieder ein Genuss, selbstredend pädagogisch wertvoll und ohne Gewalt & jugendfrei, hier sich die literarischen Köstlichkeiten sich zu Gemüte zu führen.

    Ich zähle mich zwar noch nicht zu euch alten Säcken – jedenfalls nicht im Kopfe – aber bin auch schon seit längerer Zeit dabei. 😉

    In diesem Sinne

    Smart

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