Vom Kopfe her

Man kann über Jerry Bruckheimers Filme durchaus und berechtigt geteilter Meinung sein. Manche sind durchaus ansehnliche und spassige Popocorn-Unterhaltung, wie zB. die ersten beiden Pirates of the Caribbean-Filme. Bei anderen Werken, wie etwa “Pearl Harbor” rollen sich einem sämtliche Zehennägel auf und man möchte sich am liebsten die Erinnerung an die letzten zwei Stunden Kinobesuch komatös wegsaufen.

Nun versucht er sich an der Verfilmung eines Computerspieles und wir alle sind gespannt (oder auch nicht), ob Jerry hier die traditionelle Bruchlandung hinlegt oder ob es ihm gelingt zumindest für sich den Fluch, dass Filmversoftungen und Spielverfilmungen grundsätzlich zum Scheitern verurteilt sind, aufzuheben.

Nun hat der gute Jerry in einem Interview, auf diesen Fluch angesprochen, folgendes zum Besten gegeben:

“The more interesting the story and the characters, and the better the themes, chances are you’re going to have a better movie, if you surround yourself with talented people.”

Sprich, die beste Story und das beste Setting nützt Dir als Filmemacher nichts, wenn Du selbst oder Dein Team einfach nicht gut genug ist, um einen guten Film zu machen.

Und jetzt stellen wir uns vor, was wäre, wenn zB. ein Steven Spielberg das Skript zu “The Dig” zurückkaufen und einen Major Movie daraus machen würde, anstatt wie seinerzeit geplant, eine TV-Episode für Amazing Stories.

Oder wir stellen uns vor, was ein Guillermo del Toro aus dem Doom-Stoff gemacht hätte, anstatt dass man irgendwelchen inkompetenten C-Movie-Fritzen satte 70 Millionen Dollar in die Hand drückt, die damit nichts besseres anzufangen wussten, als eine der üblichen unspassigen, langweiligen und billig dahingeschludert aussehenden Spiel-Adaptionen abzuliefern.

Oder wir stellen uns vor, ein Peter Jackson würde sich dann doch eines Halo-Filmes annehmen oder sich gar an einer Adaption von, hmm, zB. “Shadow of the Colossus” ausleben. Bzw. wir träumen davon, wie der Halo-Teaser von Neil Blomkamp zu einem vollwertigen Film wuchs und gedieh. Oder, oder, oder …

Stattdessen bekommen wir seit vielen Jahren nur Uwe Boll und andere Leute, deren einziges Talent darin besteht, andere Leute dazu zu bewegen, ihnen Geld zu geben, welches dann in unterirdisch-monströs schlechten Filmen verbraten wird, die oft genug nicht einmal in der Video-Auswertung ihr Geld einspielen.

Nun könnte man sich fragen, warum das so ist. Bruckheimer gibt im weiteren Verlauf des Interviews eine mögliche Erklärung. Er meint, dass viele Filmproduzenten und Geldgeber nur daran interessiert sind, in den ersten ein, zwei Wochen soviele Leute wie nur möglich mit einem bekannten und beliebten Trademark-Namen ins Kino zu locken, bzw. Leute (Eltern, Großeltern, dumme Fanboys) zum schnellen Kauf der entsprechenden Filmversoftung zu bewegen, weil ja auf der Verpackung der bekannte Name steht. Eine durchaus akzeptable Strategie, wenn man sich bewusst macht, dass es Filmproduzenten und Geldgebern grundsätzlich nur darum geht Geld zu machen. Die Wünsche der Fans spielen da keine Rolle und die Motivation, mit solchen Filmen irgendwelche Preise zu gewinnen oder sich einen Platz im Film-Olymp zu sichern, sucht man hier auch vergebens. Nur, diese Strategie funktioniert ja nicht! Regelmäßig scheitern derartige Projekte mit Karacho, die Kinos bleiben leer und DVDs im Regal, die Spiele wandern mit Rekordgeschwindigkeit in die Software-Pyramide und als Geldgeber kann man froh sein, wenn das Projekt die Kosten so annähernd einspielt.

Sprich, der Herr Bruckheimer hat vollkommen recht. Man muss sich mit talentierten Leuten umgeben. Und zwar mit sich selbst als Geldgeber und Produzent angefangen. Man muss sich die Zeit nehmen, um etwas Vernünftiges auf die Beine zu stellen, anstatt im üblichen Hauruck-Verfahren den traditionellen Schrunz in den Markt zu drücken, weil man vor lauter Gier einfach nicht warten kann. Gute Filme brauchen ihre Zeit, wenn sie bestimmte Produktionswerte in einem qualitativ ansprechenden Rahmen bieten sollen. Gute Spiele brauchen ebenfalls ihre Zeit, denn die meisten Filmversoftungen leiden darunter, dass sie als nachgeordnetes Unterprojekt viel zu spät in die laufende Produktion eingebunden werden.

Sprich, der Fisch stinkt vom Kopfe her. Spielverfilmungen sind so scheisse, weil die Produzenten denken, dass es ausreicht den Film für die Zielgruppe der anspruchslosen, jugendlichen Zocker zu machen, die begeistert in die Kino strömen, weil IHR Lieblingsspiel verfilmt wird. Man MÖCHTE gar nicht an das Geld anderer Leute. Man nimmt an, dass die Jugendlichen, die ihr Geld (bzw. das ihrer Eltern) für all die Spiele ausgeben, dies natürlich auch bereitwillig für den Film tun werden. Man nimmt an, dass Spiele nur etwas für Kinder sind und man deswegen keine Qualität abliefern muss, weil man Kinder für blöde, dumme Spongos hält, die, bzw. deren blöde, dumme Eltern man nach Strich und Faden ausnehmen kann. Man nimmt die Spielumsätze, schätzt ein wenig ab, setzt lustige Zahlen in die Umsatzprognosen-Tabelle, sieht dann noch mehr lustige Zahlen und gibt der Produktion grünes Licht.

Und dies immer wieder und immer wieder. Und immer wieder floppt der Film und floppt das Spiel und Produzenten nehmen den Flop zum Anlass die finanziellen Ausfälle steuerlich abzuschreiben, sofern entsprechende Steuertricks nicht eh das eigentliche Ziel der Sache waren, wie das zB. bei Uwe Bolls Machwerken der Fall ist.

Also, warum zählen Spielverfilmungen und Filmversoftungen (fast) immer zum Bodensatz des jeweiligen Genres? Weil die Verantwortlichen hinter diesen Projekten überhaupt nicht die Absicht haben qualitativ ansprechende Arbeit abzuliefern, weil man vor lauter Dummheit und Gier nur daran denken kann, dumme, anspruchslose Konsumschafe so schnell wie möglich abzuzocken, bevor sich rumgesprochen hat, was für eine Scheisse diesmal wieder abgeliefert wurde.

Und? Wird der “Prince of Persia”-Film dann was G’scheites? Keine Ahnung, interessiert mich nicht. Ist doch ne Spielverfilmung und wir alle wissen ja, was da in der Regel bei rauskommt 🙂

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19 Kommentare zu “Vom Kopfe her

  1. Svennö sagt:

    Als Wing Commander fanboy hab ich mich damals ins Kino locken lassen….

    Was hätte man da nicht alles raus machen können 😦

  2. Joe sagt:

    Es gibt schon die eine oder andere gute Filmversoftung. Zum Beispiel das Material von George Lucas. Woran das liegt, dürfte aber jedem klar sein.

    Was künftige Spieleverfilmungen angeht, muß ich an „selbsterfüllende Prophezeiung“ denken.

  3. Arno Nym sagt:

    Uwe Boll macht keinen Gewinn? *an Harzzachs Schädel klopf* Hallo, jemand zu Hause? Selbstverständlich spielt uns Uwe seine Kosten ein, sonst würde ernicht mit aller Regelmäßigkeit wieder was drehen dürfen. Nur bei dem schimmelig kleinen Budget, das er dabei in die Hand nicht, braucht er eben keinen riesigen Bluckbuster zu drehen, um das zu erreichen.

  4. Harzzach sagt:

    Uwe Boll macht keinen Gewinn?
    Uwe Bolls Filme machen nur sehr selten Gewinn. Denn er bekommt/bekam Geld über Lücken in der deutschen Steuergesetzgebung. Geld, das in Hollywood als „Stupid German Money“ bekannt ist.

    Seine Filme müssen keinen Gewinn abwerfen, da es hier darum geht, behördlich nachzuweisen, dass man einen Film gedreht hat, um bestimmte lukrative Abschreibungen an anderer Stelle vornehmen zu können. Aber seit diese Lücke geschlossen wurde, macht Boll interessanterweise auch sehr viel weniger Filme, bzw. jetzt ist er auf die Idioten angewiesen, die ihm Geld geben, weil sie glauben mit seinen Filmen Gewinn erzielen zu können. Und von diesen Idioten gibt es leider mehr als man denkt.

  5. Cris sagt:

    chchch
    Uwe Boll?
    whatever…

    Egal, ich scheine ein Prince of Persia Fanboy zu sein, denn ich geh rein.

    Allerdings werde ich das neue PoP nicht kaufen, wenn das AlwaysON DRM da mit dabei ist.
    Hmm, wohl doch nicht fanboy…

  6. Ranor sagt:

    Was du zu Boll schreibst stimmt so einfach nicht: Im Kino spielen seine Filme meist die Herstellungskosten nicht ein, dafür dann aber auf Heimvideo-Markt. Und dort ist der Gewinn IMMER ordentlich.
    Und Boll soll weniger Filme machen!? Dann solltest du dich mal besser informieren. Er verfilmt keine Videospiele mehr, das ist aber auch schon alles…

    Ansonsten steckt viel Richtiges in deinem Artikel.

  7. Mahama sagt:

    Ich wusste ja ehrlich gesagt bisher noch nicht mal (und bin sehr überrascht), dass es sein Filme überhaupt jemals ins Kino geschafft haben.

    Ich mag sogar Trash im Grunde ganz gerne und bin eigentlich keiner der per se in das Meckerhorn der Trendmehrheit bläst, aber das was mir vom Boll bisher geboten wurde, war so unterirdisch miserabel, daß ich selbst eine Veröffentlichung auf DVD schon als Überraschung angesehen habe.

  8. Ranor sagt:

    Bis Postal hat Boll auch nur Mist abgeliefert (okay, „House of the Dead – Funny Version“ ist sehr cool), aber seitdem geht es aufwärts. Postal hatte seine Längen, war aber grundsätzlich ein guter Film, „Tunnel Rats“ ein spannendes Experiment, „Stoic“ war EXTREM verstörend (und das nicht aus den üblichen Boll-Gründen) und hart und „Darfur“ war auch ziemlich gelungen.
    Ich will damit nicht sagen das Boll ein sehr guter Filmemacher ist (ist er nicht), aber er macht mittlerweile viele konzeptionell interessante Filme, die qualitativ weit über dem liegen, was er früher so abgeliefert hat.

  9. Sir Richfield sagt:

    … und das passt auch so gut zu der „X-Com Egoshooter“ Ankündigung. Name drauf gebappt, passt sicher schon. Hat doch eine Fanbase, oder? Steht doch laufend in irgendeiner Top Ten, nichar?

    Für mich gibt es bisher zweieinhalb brauchbare Spielverfilmungen:
    Mortal Kombat 1 (Aber auch nur! Wenn man Street Fighter als Kontrast dazu nimmt und die Rubrik „Immerhin sind die Figuren nah am Original“ stark bewichtet)
    Wing Commander (Weil es genauso schön trashig war wie die Zwischensequenzen und auch hier die Charaktere sofort zu erkennen waren, ohne dass man erst ihren Namen hören musste)

    Und der halbe? Naja, DooM. Zwar haben die so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte (WIE KANN MAN DENN DAS BISSCHEN STORY NOCH VERHUNZEN???), aber immerhin stimmten Gore, Action und Überraschung einigermaßen. Und die FPS Szene war cool. (Noch cooler wird die mit DooM Sounds – irgendwo bei Youtube.)

    Boll: Der Boll, der Boll… der macht einfach alles falsch. Der Mann ist nicht mal dazu fähig einen Film zu machen, der so schlecht ist, dass er wieder gut ist. Nein, alle seine Filme, die ich bisher sah sind einfach nur… mies. Knapp unterdurchschnittlich trifft es noch am besten.

  10. Klopeck sagt:

    OK, da muss ich etwas einlenken: Postal war tatsächlich der einzige (von mir bisher gesehene) Boll-Film, der auch positive Elemente beinhaltete und nicht gänzlich verhauen wurde.
    Die anderen von dir genannten Bollfilme kenne ich noch nicht, habe aber aufgrund der imdb Wertungen und meinen bsiherigen Boll Erfahrungen zumindest so große Vorurteile, als das ich sie mir nicht mehr bewusst zu Gemüte führen würde, also höchsten unbewusst oder bewusstlos 😉

  11. Ranor sagt:

    Na ja, imdb ist als Wertungsplattform eh´ recht fragwürdig und bei Boll-Filmen völlig unbrauchbar – viel zu viele „Hater aus Prinzip“.

    Wie gesagt, ich finde seine aktuellen Filme alle aus verschiedenen Gründen sehenswert, verstehe es aber auch wenn der Mann für einige „unten durch“ ist.

  12. bartgesang sagt:

    ich muss ja sagen – und ich weiß, dass ich damit mutterseelenallein auf der weiten welt bin – dass ich „bloodrayne 1“ vom boll grandios fand. ich habe tränen gelacht. das war großes trash-kino. allein diese komplett unmotivierte sex-szene in der mitte des films, damit halt auch lokkens titten mal in gänze zu sehen sind. routiniert, kann man da nur sagen. oder ben kingsley in der miesesten performance seiner gesamten laufbahn. dieses offen zur schau getragene desinteresse – großartig! außerdem spielt michael madsen mit, und dem verzeihe ich grundsätzlich alles. also, schlagt micht ruhig, aber seit „van helsing“ habe ich selten in einem miesen film so viel spass gehabt. „alone in the dark“ muss auch irgendwann mal sein – soll ja ganz furchtbar sein. „postal“ mochte ich damals ziemlich – habe ich mir in berlin in nem arthouse-kino angesehen (als einer von zehn leuten in einer woche). nur „far cry“ – das schaffe ich einfach nicht. til schweiger ertrage ich auch in einem boll-film nicht.

  13. Sebastian sagt:

    Von Bolls Werk fand ich Alone in the dark annehmbar.

    Richtig gut in Sachen Videospielverfilmung ist Super Mario Bros, da widerspricht zwar auch immer jeder, aber das ist schlicht Ahnungslosigkeit 🙂

  14. Arno Nym sagt:

    Das Geld aus der Deutschen Filmförderung gehört für mich zu Bolls Gewinn, weil es die tatsächlichen Produktionskosten drückt.

  15. Sir Richfield sagt:

    Du bist nicht zufällig der Peroy bei Wortvogel??? *g*

  16. Sebastian sagt:

    Haha, nein, aber ich gehe erschreckend oft mit seiner Meinung konform.

  17. afo sagt:

    Ich glaube ja, daß es schonmal einen X-Com Shooter gab.

  18. Harzzach sagt:

    Ja, „Enforcer“ … war schrecklich für XCOM-Fans und vollkommen belanglos für den Rest der Welt. Selbst wenn man als isoliertes Spiel, ohne Bezug zum Franchise betrachten wollte … bähh! Von daher sollte man als XCOM-Fan nichts erwarten und sich auf den nächsten belanglosen 08/15-Konsolenshooter einstellen.

    Zwar bin ich selber kein XCOM-Fan, aber ich kann mitfühlen, wie es ist, wenn eine liebgewonnene Serie für den Massenmarkt vergewaltigt wird 🙂

  19. Bernd sagt:

    Tja man sollte eben halt nichts von Spieleverfilmungen erwarten, da man praktisch eine eigenserlebte Welt/Geschichte nun einmal sich immer viel besser im Kopf sich vorstellt und gedanklich schon mal vor dem Genuss, den Regisseur spielt, und einen Film ohne Grenzen des Geldes sich ausmalt.
    Also zumindest ist das bei mir immer so ab wenn ich eine entäuschende Spieleverfilmung sehe.

    Aber Resident Evil empfand ich als befriedigend, als guten soften SciFi-Film mit ordentlich bums zum beriedigen der niederen einfachen Gelüste waren bishehr alle Teile sehr zufriedenstellend.
    Und gegen die vorherrschende Meinung fand ich auch Super Mario Bros als Kiddie genial, und auch heute noch, merkwürdiger weise.

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