Vom Erschaffen des Zaubers

Manchmal stimmt es mich ein wenig traurig, dass man im Zuge des Älterwerdens immer mehr von der herzerfrischenden Naivität und Begeisterungsfähigkeit der Jugend verliert. Was ausserhalb unseres kleinen Spieleuniversums nun wirklich kein schlechter Tausch ist (erspart es einem doch, immer wieder aufs Neue die Folgen unbedachter Kurzschlusshandlungen und falsch eingeschätzter Situationen auszubaden), so wünscht man sich innerhalb unseres kleinen Spieleuniversums manchmal doch ein MiB-Blitzdingens, um das Hirn selektiv von all dem abgeklärten “Kenn ich schon, weiß ich schon, wieder der alte Scheiss!” zu löschen. Doch solcherlei hilfreiche Gadgets *blitz* gibt es natürlich nicht. Und exzessives Trinken schädigt leider ALLE Gehirnzellen und nicht nur die, auf die es einem in dem Moment ankommt. Also findet man sich damit ab, sogar bei richtig, richtig, RICHTIG guten Spielen nur noch ein gepflegtes, durchaus wohlmeinendes “Yoah, is ganz nett!” von sich zu geben, anstatt dass einem Kinnlade samt Zunge und Speichel vor lauter Begeisterung auf den Fußboden klatscht.

Doch wie einst die Herren Goscinny und Uderzo nicht müde wurden zu betonen, dass nicht ganz Gallien unter römischer Herrschaft stand, so ist auch in meinem Hirn nicht komplett Hopfen und Malz verloren.

Da gibt es so eine Spieleserie, welche die mittlerweile dreizehnte Fortsetzung erlebt. Von dieser Spieleserie kenne ich selbst nur die ersten sechs einigermassen gut und kenne vom Rest nur kleine Ausschnitte. Durchaus angetan von dem, was ich dort zu sehen, zu hören und vor allem zu spielen bekam, kann ich mich aber nicht unbedingt Fan dieser Serie schimpfen. Ich bin hier allenfalls ein freundschaftlich gestimmter Zuschauer. Von daher habe ich das Werden und Entstehen dieses dreizehnten Teiles nur am Rande mitverfolgt, was vor allem daran liegt, dass ich auch in absehbarer Zeit nicht über eine 360 oder eine PS3 verfügen werde.

Und als ich vor einigen Tagen spontan beschloss, mir auf Gametrailers.com ein paar HD-Videos zu diesem Spiel anzuschauen, da dachte ich mir im Vorfeld auch nichts besonderes. Ich dachte mir nur: “Schauen wir uns Final Fantasy XIII ein wenig aus der Nähe an!”

Ich habe mir nun alles an Videomaterial reingezogen, was ich auf offiziellen und in-offiziellen Streaming-Portalen finden konnte. Ich habe mir quick&dirty den Soundtrack gezogen /zum Geburtstag schenke ich mir das hier), ich bepflastere meinen Desktop mit entsprechenden Wallpapern. Es läuft mir kalt den Rücken hinab.

Warum? Was haben die Jungs und Mädels bei Squeenix getan, damit ich aus heiterem Himmel wieder diesen ganz speziellen Zauber verspüre? Gut, die Videos sind perfekt gerendert, aber mittlerweile ist das Niveau in der Branche recht ausgewogen. Da gibt man sich gegenseitig nicht viel. Will ich phantastische und qualitativ herausragende Bilder sehen, streame ich willkürlich durch etliche Arbeitsproben und Kurzfilme etablierter und angehender Künstler auf zB. Vimeo.com oder Deviantart.com. Will ich atmosphärische Ambient-Mukke und/oder feine Popsongs hören, browse ich durch diverse offene Musik-Portale und meine eigene JPOP-Sammlung. All diese Einzelteile bekomme ich auch oft genug in Kombination.

Und dennoch fehlt etwas. Das gewisse “Etwas”. Dieser direkte Draht ins Lust- und Traumzentrum meines Verstandes.

ff13_01 ff13_02 ff13_03

Hier jedoch, hier kommt alles genauso zusammen, dass ich wohl auch mit 90 immer noch in Verzückung geraten werde, wie ich in meinem jugendlichen Leichtsinn einfach mal annehme.

Spielerisch hat mich die Final Fantasy-Serie eigentlich nie so  wirklich begeistern können. Gut, nett, ja, unterhaltsam, keine Frage. Aber “begeistert”? So interessiert mich FFXIII auch nicht sonderlich als Spiel. Sondern, wie all seine Vorgänger, eigentlich nur als Gesamtkunstwerk, vor dem man stehenbleibt, es betrachtet und bewundert, um schlussendlich vom Personal rausgeworfen zuwerden, weil das Museum die Pforten für den Tag schliesst.

Wie ist es Squeenix nun gelungen, diesen Zauber in mir zu wecken? Andere Spiele sehen min. genauso gut aus, haben einen nicht minder schönen Soundtrack und ein nicht minder abgefahrenes Setting. Warum gerade hier? Und nein, es hat nichts damit zu tun, dass es “Final Fantasy” ist. Wie gesagt, ich bin kein Fanboy dieser Serie.

Hat es etwas damit zu tun, dass nipponesische Teams an diesen Spielen gearbeitet haben? Denn schliesslich hat es mich in den letzten Jahren bei diesen beiden Spielen ebenso erwischt …

Odin Sphere Valkyria Chronicles

Kinnladenabsturz, Entschwinden jedes bewussten Gedankens in Sphären, kubiklichtjahreweit von dieser unserer Existenzebene entfernt.

Nun, die Arbeit westlicher Teams will ich nicht schmälern, denn was alleine Blizzard hier regelmäßig an Renderorgien auffährt, ist wahrlich nicht von schlechten Eltern, um es etwas untertreibend zu sagen. Doch fehlt hier genau das Quentchen “*seufz* *entschweb*”, welches mich in all den obigen Fällen umgehauen hat.

Den genauen Grund kann ich auf Grund der Unvereinbarkeit von Beobachter und zu beobachtendem Objekt nicht eruieren. Ich kann nur etwas abgeben, was man im Englischen so schön als “educated guess” bezeichnet. All diese Spiele haben eines gemein: Unglaubliche Liebe zum opulenten Detail in ausnahmslos allen Bereichen, bis hin zur Besessenheit. Gepaart mit einer unerträglichen Leichtigkeit des Seins, die alles in diesen Spielen von jeglicher Bürde der Bedeutungsschwangerschaft befreit, weil es ja “nur” ein Spiel ist.

Und das ist etwas, was ich, ehrlich gesagt, in dieser Form bislang nur von japanischen Entwicklern kenne.

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11 Kommentare zu “Vom Erschaffen des Zaubers

  1. Marcus Himself sagt:

    Vielleicht färbt ja das japanische etwas auf die westlichen Studios ab, bzw einige davon, jetzt wo Square Enix bei Eidos mitmischt.
    Neue Teile von Thief und Deus Ex sollten ja nicht mehr lang auf sich warten lassen.

    Das letzte Bild ist übrigens aus Valkyria Chronicles. Sehr schönes Spiel das, mit einem Panzer namens Edelweiss. Das kann doch nur gut finden 🙂

  2. Mitch sagt:

    Ich mag den Blog hier immer mehr. Du sprichst mir meistens aus der Gamer-Seele.

    Man hat einfach alles schon mal gesehen, und im Allgemein gibts es spielerisch fast keinen Fortschritt mehr. Stattdessen wird nur noch an der Grafik gedreht.

    Nur ab und zu findet man mal etwas Besonderes, wie Du jetzt FFXIII. Ich hab schon lange nichts ähnliches mer gefunden. Das letzte war ein Herr-der-Ringe-Mod für Medieval 2: Total War…
    Naja.

  3. Joe sagt:

    Das mit dem ganz speziellen Zauber hat zuletzt Mass Effect 1 für einen Moment bei mir geschafft, nach 10 Jahren mal wieder hat es mich in eine Welt reingezogen. Verflog dann aber recht schnell wieder, trotzdem habe ich es durchgespielt (ist ja nicht sehr lang).

    Was die Liebe zum Detail angeht, erfreue ich mich gerade an der Serie Stargate Universe. Hätte nie gedacht, daß ich dem Franchise mal was abgewinnen könnte, die Vorgänger mit dem MacGyver-Darsteller fand ich ziemlich albern.

  4. FF Noob sagt:

    Ich freue mich immer, wenn über außergewöhnliche emotionale Momente, ausgelöst durch ein Spiel, berichtet wird. Kennen wir alle, lieben wir alle, und haben wir leider meist immer weniger mit wachsender Erfahrung und Abstumpfung.

    Mich würde noch interessieren, ob man für den neusten Teil Vorkenntisse aus früheren Episoden benötigt, und ob schon eine Portierung Richtung PC in Planung ist.

  5. Harzzach sagt:

    Mich würde noch interessieren, ob man für den neusten Teil Vorkenntisse aus früheren Episoden benötigt, und ob schon eine Portierung Richtung PC in Planung ist.

    Vorkenntnisse aus vorherigen Teilen waren bei FF noch nie nötig. Im Grunde sind das immer eigenständige Geschichten mit eigenständigen Charakteren, trotz bestimmter gemeinsamer Elemente wie zB. Chocobos, die Figur namens „Sid“ oder Luftschiffen. Es gibt allenfalls Spin-offs für manches Spiel der Hauptserie.

    Und nein, es wird keine PC-Portierung geben. Eidos und Squeenix sind damals mit den PC-Versionen von FF7 und 8 ein wenig auf die Schnauze gefallen und seitdem lässt man das eben sein. Mein erster Kontakt mit FF war die Demo zu FF7-PC und ganz ehrlich … ich fands schrecklich. Keine Maussteuerung, grausamstes Interface, vollkomme Verwirrung und Nixblickung. Ich bin erst viele Jahre später über den Emulator-Umweg und die SNES-Klassiker auf den Geschmack gekommen.

  6. Harzzach sagt:

    Das interessanteste Detail an VC ist ja, dass man all die coolen Designs (Panzer, Waffen, Uniformen) der Nazis genommen und sie von jeglichem Nazi-Ballast befreit hat. Es sind jetzt einfach nur stimmige und zum Setting passende Designs. Was man auch nur machen kann, wenn man das reine Design von der ursprünglichen Bedeutung trennen kann. Ein schönes Beispiel für das Bestreben, sich einander widersprechende Dinge trotzdem harmonisch miteinander zu vereinen, was typisch für die japanische Kultur ist.

  7. Marcus Himself sagt:

    Es wird aber das Final Fantasy XIV Online für den PC erscheinen, wenn ich mich da gerade nicht total täusche.
    Es wird vermutlich keine Geschichte in dem Ausmaß anbieten wie es bei einem Offline FF der Fall ist, aber ich fand schon das der 11. Teil, welcher auch rein online war, sehr gut an das Spielgefühl der FF Spiele rankam, also von der Grundkampfmechanik.

    Ob sie dieses Mal die Steuerung extra auf den PC anpassen, wer weiss, aber es war mal erfrischend anders, dass man in dem Spiel nicht gefühlte 17 Leisten mit Icons zupflastern, sondern alles sehr bequem über die typischen FF Menüs spielbar war.

  8. Marcus Himself sagt:

    Der Japaner geht ja allgemein mit solche Dingern anders rum, bzw der Asiate per se.
    In Korea, oder so, gibt es eine Hitler Bar und in Japan sind solche 2.WK Outfits wohl auch nicht zu selten anzutreffen, zumindestens im Rahmen des Cosplay.
    … diese Angaben sind ohne Gewähr, da nie in Japan gewesen 😦

  9. Yuri sagt:

    Ich muss sagen, dass grade Final Fantasy mich kaum noch begeistern kann… was ich durchaus schade finde, da das frueher immer meine Lieblingsspieleserie war [wenn man denn von sowas sprechen will/kann]. Aber seit den neueren Teilen und den ganzen Galdmach-Spinoffs hat mein Enthusiamsus da irgendwie nachgelassen. Seufz.

  10. Malle sagt:

    Ganz ehrlich, mich hatt FF13 erst gehabt als es dann endlich da war, ich bin zwar ein FF Fanboy (geb ich gerne zu 😉 aber leider haben Teil 10+12 das gewisse etwas gefehlt.
    Auch war ich ein bissche Vorsichtig da mich das was ich bis dahin gehört hatte nicht wirklich meine Vorfreude geweckt hatt (keine Städte, gradliniges leveldesign usw)

    ABER OMG es ist der Himmel auf Erden, das Kampfsystem ist einfach Bombastisch, die Musik ist zwar kein Uematsu aber auch Herrlich und wenn man mal für eine Sekunde verweilt im Spiel und nichts macht, sich die Charaktere und die umgebung ansieht….
    MassEffect kann in Sachen Mimik einpacken ;D

    Ich hab schon viele Mäckern gehört das die Story zu kurz kommen würde und man ja alles Nachlesen müsste aber das ist Humbuck, wenn man dem Spiel eine Chance gibt und nicht schon nach 3h Gameplay die beleidigte Leberwurst spielt dann wird man das Beste FF EVAR erleben 😉 (Ja, imho sogar besser als 7)

  11. $tranger sagt:

    Hach, bei den beiden Screenshots wird mir gleich wieder war um’s Herz. Odin Sphere und Valkyria Chronicles waren schon was Besonderes.
    Das Einzige, was ich bei Odin Sphere schade fand, war das Levelrecycling.

    Mir geht’s beim Spielen aber weniger um das „Hab ich noch nicht gesehen“ als um die Geschichte an sich. Genau aus dem Grund habe ich im Moment auch Spaß an Heavy Rain und bin in Persona 3 schon fast zum 2. Mal durch 😉

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