Duziduzi, eideidei

Wäre Ubisoft ein kleines Kind, ich würde dem Kind tröstend mit der Hand über den Kopf streicheln, ihm die Tränen von den zornesroten Wangen wischen, es ein wenig wiegen und ihm mit ruhiger, tiefer Stimme sagen, dass alles wieder in Ordnung kommt und alles nicht so schlimm ist.

Der neue, totalsuperubertiptopgeile Kopierschutz, mit dem Ubisoft ein neues DRM-Zeitalter einläuten wollte, hat im Moment des Auslaufens schon wieder Schiffbruch erlitten.

Das aktuelle Szene-Release “Silent Hunter 5” ist angeblich voll funktions- und inhalteumfassend spielbar, während bereits vor ein paar Tagen jemand im Ubisoft-Forum auf einen “proof of concept”-Crack für Assassins Creed 2 hinwies, der noch etwas Feinschliff benötigt. Nicht einmal eine einzige Woche. Gerademal 24 lächerliche Stunden. Wow! Und sogar das eiligst nachgeschobene SH5-Update wurde prompt innerhalb weniger Stunden aufbereitet und verteilt.

Hätte Ubisoft im Vorfeld nicht so einen Wind gemacht, hätte es vielleicht eine Weile länger gedauert, bis sich eine Release-Group den Sieg auf die Fahnen hätte schreiben können. So aber saßen alle Coder mit blankgeputzen Keyboards vor ihren Rechnern, um erste Informationen auszutauschen, zu hacken, Ehre und Ruhm einzuheimsen. Wobei ich mich mal ein wenig aus dem Fenster lehne und vermute, dass es hier ein Leck gab. Wenn ein neues DRM-System so schnell geknackt wird, ist das in der Regel nur mit Hilfe zusätzlicher Informationen möglich.

Die andere, wahrscheinlichere Möglichkeit möchte ich aus Nachsicht gegenüber dem armen kleinen Ubisoft-Büblein öffentlich nicht sagen … aber so unter uns *rumschau* *kind die ohren zuhalt* … was war denn das für ein billiger Murks? Da hatte sich Sony mit der Online-Variante von Securom ja noch so richtig ins Zeug gelegt, musste man im Falle von “Bioshock” ja fast zwei Wochen warten, bis es einen funktionsfähigen Crack gab.

Hmmm, wenn ich mir es so recht überlege … und meinen Aluminiumhut aufsetze und ein paar Verfolgungswahn-Pillen einwerfe … Ubisoft hat hier eine gigantische Show-Veranstaltung für die Investoren aufgezogen, um diese branchenfernen Nixblicker davon zu überzeugen, ihr Geld angesichts schlecht ausfallender Quartale nicht abzuziehen. Dem Sinne nach “Schaut her, wir tun doch was!”. Das gewählte DRM wurde aber nicht wirklich konsequent implementiert, um den Releasegruppen die Arbeit zu erleichtern, um wenigstens einen Teil der Kunden wieder zu gewinnen, die angesichts des drakonischen DRMs von einem Kauf abgesehen haben, nun aber Dank eines schnell verfügbaren Cracks vielleicht doch wieder zuschlagen.

Aber ganz ehrlich … die Wahrheit ist oft genug banal und langweilig. Sprich, in diesem Zusammenhang: Ubisoft hat sich einfach gewaltig (!) verkalkuliert und irgendein (angeblich russischer) Coder hat ruckzuck herausgefunden, wie das System implementiert wurde und wo er die entsprechende Handles aus den Programmdaten rauspoken muss.

Für mich ist das keine neue Erkenntnis, aber man kann es scheinbar nicht oft genug wiederholen: Es gibt durchaus (im realistischen Sinne) unknackbare DRM-Systeme. Wer aber digitale Inhalte im Massenmarkt umsetzen möchte, der kann kein solches DRM verwenden. Wer digitale Inhalte sogar ERFOLGREICH im Massenmarkt umsetzen möchte, der sollte grundsätzlich auf DRM verzichten. Es hilft nichts. Es schadet nur. Denn mittlerweile muss sich nun auch die Filmindustrie Analysten-Schelte gefallen lassen, weil die Verbraucher angesichts von DRM-Knebeln keine Lust haben, ihr Geld auf all diesen neuen Download-Portalen zu lassen. Genau die gleichen Vorwürfe, die vor drei, vier Jahren der MI gemacht wurden, weil der legale Download-Markt einfach nicht zünden wollte.

Aber hey, Filme sind doch was anderes als Musik!

Und ja, mein kleiner, knuddliger Hosenscheisser! Spiele sind auch was ganz anderes als Filme und Musik. Nein, Papi putzt diesmal nicht hinter Dir auf, wenn Du in die gleiche Scheisse treten willst wie Deine Brüder …

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Corporate.

13 Kommentare zu “Duziduzi, eideidei

  1. Graf Trunkenstein sagt:

    Tja, die Zukunft des ehrlichen Käufers dürfte so aussehen:

  2. Svennö sagt:

    They never learn…

  3. Look sagt:

    Wobei so ganz sauber scheint der SH5 Crack auch noch nicht zu sein, zumindest habe ich das aus einigen Comments entnehmen können (von wegen nur erste Mission spielbar) – die Frage ist aber, Crack oder Bug Problem, den wen ich das hier lese, naja:

    http://gamersglobal.de/test/silent-hunter-5

    Abwarten was bei AC2 raus kommt (das Russenteil ist auch nicht sauber), Neuseeland und Australienrelease waren heute, USA Release dürfte also nicht so weit weg sein – warten wir es ab. Für mich gilt das Teil als gegessen, vielleicht noch zwei, drei propper releases des Kekses, aber länger als weitere 48 bis 72 Stunden gebe ich dem nicht.

    Und was haben wir dann, massiv benachteiligte Kunden und lachende Keksnutzer, Ubi, Ubi, wo willst Du nur hin.

  4. Look sagt:

    Die lernen es wirklich nicht:

    http://www.pcgames.de/aid,705974/Silent-Hunter-5-im-Test-Stapellauf-mit-Hindernissen-und-ein-ungebetener-DRM-Gast/PC/Test/

    Fehlerbeschreibung und dann das

    „Der heute erschienene Patch 1.15 soll gerade hier massive Verbesserungen ergeben. Erste Versuche unsererseits, dies zu prüfen, schlugen fehl, da wir soeben die Meldung bekommen haben, dass Spielstände, die mit der ungepatchten Version angefertigt worden sind, keinerlei Verbesserung durch den Patch erfahren. Sprich, alle unsere bisherigen Feindfahrten sind für die Katz – es bleibt nur die Option, eine neue Karriere zu beginnen.“

  5. Harzzach sagt:

    Releasegroups arbeiten da nicht anders wie die Entwickler. Hauptsache, man haut schnell den Crack raus und später wird nachgepatched 😉

  6. Joe sagt:

    Hier passen DRM und Qualität des restlichen Spiels also gut zusammen.

    Anscheinend hat man in Rumänien bis vor einem Monat an dem Zwangsonline-DRM gewerkelt und dann in den letzten vier Wochen noch schnell SH4 etwas aufgehübscht.

  7. Anonymous sagt:

    Als Konselspieler sehe ich mir die Kopierschutz-Kalamitäten die in letzter Zeit so Schule machen eher gelassen an. Aber wer weiß wie lange noch? Vielleicht muß ich mit meinen Sesselspielekisten auch bald permanent online sein.
    Andererseits – solange die PC-Spieler innerhalb kurzer Zeit trotzdem an ihre DRM- und sonst-noch-was-befreiten Spiele kommen, die Hacker- und Crackerszene ihre eigenen Spiele spielen und sich über immer neue Erfolgserlebnisse freuen kann und die Publisher und Aktienheinis ihr tollen wie wirkungslosen Anti-Raubkopierterroristen-Kopierschutzdingsis haben – können doch alle, naja irgendwie, zufrieden sein.

    Tata.

  8. Harzzach sagt:

    Wer nicht hören will, muss fühlen. Zuerst die Kunden, die am eigenen Leib spüren müssen, was es bedeutet nicht mehr Herr über die Software zu sein, die auf dem Rechner werkelt. Und dann der Publisher wenn im Long Tail immer mehr Kunden zu ehem. Kunden werden, solange man an diesem System festhält.

  9. […] man sich schnell vom Liebling zum Bad Guy einer ganzen Brachne entwickelt, dass hat Ubisoft recht eindrucksvoll innerhalb kürzester Zeit […]

  10. smartcom5 sagt:

    Stichpunkt Spielstände;
    Ich habe mir das Spiel seinerzeit gekauft [erst als die MS ofline waren, den Crack benutzt], habe auch die Beta mitgemacht, aber was UbiSoft da abgeliefert hat, schlägt dem Faß den Boden aus …

    In der Gesamtheit kann man es eigentlich nur als plumpestes Bemühen der Täuschung oder Abschreckung interpretieren.
    Wahrscheinlich der krampfhaft-hilflos verzweifelte Versuch, die Raubmordkillerspiel-Kopierer und h4x0r abzuschrecken – und natürlich um über die eigene exzessive Unfähigkeit zur programmierung eines verhältnismäßig oder wenigstens ansatzweise diffizilen Kopierschutzes hinwegzutäschen …

    Ich meine …
    Ihr ach so hochgelobter und unknackbarer Kopierschutz besteht im Großen und ganzen aus einem aberwitzigen Trigger, der das Spiel erst startet, sobald er eine online-Verbindung zu den Ubisoft-Masterservern unterhält – und selbiges pausiert, wenn die Verbindung für mehr als 30 Sekunden unterbrochen wird.

    Das Adjektiv »lächerlich« kann nicht einmal im Entferntesten der Peinlichkeit des Ganzen gerecht werden, mit der Ubisoft hier vorgegangen ist.

    Stattdessen klammern sie sich krampfhaft an ihren Pressesprecher der beharrlich verkündet, der Kopierschutz ist sicher, nicht geknackt – und die die es mit dem [ja eigentlich nicht vorhandenen Crack …] spielen, würden schon früh genug merken, daß das Spiel unvollständig ist …

    Es ist dermaßen erbärmlich, daß mir echt die Worte fehlen, um solche armseligen Nebelkerzen überhaupt zu beschreiben – und ich bin für gewöhnlich eigentlich recht wortgewandt.

    Ernsthaft;
    Das komplette Spiel liegt in *.ini-Format Dateien vor.
    Zwar haben die nicht eine solche Endung [Bravo ! Schritt I. im h4xor-1337-Kurs abgeschlossen; Damit daß Gros der DAU‘s, die bei einem Doppelklick einer „unbekannten“ Datei mit dem Hinweis, daß die Datei nicht geöffnet werden kann – und man möge doch bitte ein entsprechendes Programm auswählen – resigniert den Kopf hängen läßt] …
    … aber es sind alles *.ini-Dateien – bis auf ein paar Ausnahmen [binär kodiert; base64].

    Das Spiel ist SH IV – die sind so unbeschreiblich dumm oder inkompetent, die haben einfach die Transparenz des HUD‘s von SH IV auf null gedreht – und das Neue einfach drübergepappt, die [Tastatur-] Kurzbefehle haben sie einfach auskommentiert [daß muß man sich einmal durch den Kopf gehen lassen … !] und die jeweiligen Texturen [*.dds; DirectDraw Surface – kann fast jedes Programm öffnen …] umbenannt [sic!] und die Neueren dazugeschmissen.

    So unbescheiblich stümperhaft würde vielleicht ein angehender 7.-Klässler im 4. Monat seiner Informatik-AG vorgehen – und selbst der würde nicht benutzte Dateien noch entfernen …
    Es ist einfach unfaßbar, was hier als Vollpreis-Produkt in die Läden gekommen ist …
    Es spottet schlicht jeder Beschreibung …

    Das „knacken“ hat wahrscheinlich nur solange gebraucht [nichteinmal 24 Std.], weil Diejenigen, die es knacken wollten und haben, [bildlich gesprochen] erst zum Baumarkt rennen mußten, um einen Verlängerungsschlauch für den Schneidbrenner zum knacken des Tresors zu holen – nur um just beim zünden des Brenners festzustellen, daß Ubishaft als Schutz einfach einen Streifen Tesa [nein, kein Malerkrepp, man ist ja nicht ganz dumm !] übers Schlüsselloch geklebt und den Schlüssel unter der Matte versteckt hat …

    Ich meine, wenn man sich schon eine Weile mit solchen Sachen beschäftigt, dann kommt man doch auf alles Andere [die Spielstände wären wirklich online gespeichert, eine hübsche nicht-standardmäßige lzss-Verschlüsselung der ausführbaren Dateien oder was auch immer…], aber doch nicht auf sowas unbeschreiblich primitives … ?!

    Nunja, abgesehen von dem Spiel was ja, laut Aussage von Ubisoft garnicht vollständig ist – und demnach könnten es ja alle, die es gezogen haben, gar nicht spielen – finde ich [wurde aber auch schon des Öfteren erwähnt], ist der Zustand des Spiels der eigentliche, sogar weitaus effizientere Kopierschutz – wenn nicht sogar der beste, der jemals bei einem Spiel Anwendung fand.

    Ich habe noch nie in meinem Leben [und ich spiele schon seit Jahrzehnten; selbst der VC 20 ist mir noch ein Begriff …] ein „Spiel“ gesehen, was dergestalt unspielbar ist.

    Das Ding sprießt nur so vor Bugs und Unzulänglichkeiten …
    Angefangen bei dem geradezu hirnverbrannten Interface [was noch Charmant umschrieben sein dürfte …], deren unerträglich nervenden Pop-Ups, die einen in fast spastischer Manier daran erinnern, wie man das Spiel steuert [sie kommen immer wieder, sobald man bspw. die Karte aufruft, an das Geschütz geht; jedes Mal !] über die cerebralentkernte KI, dessen Bildungsresistenz sie in ausufernder Regelmäßigkeit unter Beweis stellt, die berühmten Selbstmordschiffe und so weiter und so fort …

    Das Spiel hat Nichts gemein mit einer Simulation, erst recht nicht mit einer U-Boot-Simulation oder Ähnlichem …
    Man muß jedes Mal, wenn man beispielsweise auf der Brücke ist, und ein Schiff gesichtet hat, zum Geschütz rennen, um es zu bedienen – es gibt keinen Kurzbefehl mehr!

    Man weiß nicht einmal, in welche Richtung man fährt – da es keinen Kompass gibt …
    Ebenso kann man nicht in eine bestimmte Richtung fahren [bspw. 20° rechts] – man kann nur mit den Pfeiltasten immer nur einen Grad nach links oder nach rechts …

    Laßt bloß die Finger von dem Spiel – ich habe noch niemals mich so über 50 € geärgert …

    In diesem Sinne

    Smart

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