Urlaubsreif

Nein, ich nicht. Obwohl mir, beim kürzlichen Schlozen eines feinen Roten aus dem Alentejo, der Lockruf des Wilden Lusitanischen Westens wieder deutlich durchs Hirn sprang. Nein, heute geht es nicht um meinen Urlaubsbedarf. Heute geht es um einen Urlaubsbedarf, den ich bei Deck13 ausgemacht habe.

Bei Deck13 scheint nach 8 Spielen in knapp 4 Jahren und bereits dem nächsten aufwendigen Projekt in der Pipeline, auch die Kraft des Äppelwois nicht mehr alles kompensieren zu können.

Mit Venetica schwächeln die Frankfurter zum ersten Mal und liefern das ab, was früher für ein deutsches Entwicklerstudio die Norm war. Ein zwar sehr schönes, gutes, durchdachtes und spassiges Spiel, welches aber durch zT. derbste Bugs, Schönheitsfehler und einen allgemeinen Mangel an Politur Lichtjahre von dem entfernt ist, was man von Produktionen aus den USA oder Japan gewohnt war. In nicht wenigen Tests werden extra Abschnitte für eine Auflistung der gängigsten Probleme aufgeführt, sogar die Gamestar zeigt sich nach dem Gothic3-Debakel lernbereit und verzichtet angesichts des Zustandes des Testmusters auf eine Wertung, anstatt den üblichen Versprechungen der Entwickler/Publisher Glauben zu schenken.

Zwar stehen hier (fast) alle Spiele von Deck13 im Regal, bislang bin ich nicht auf die Schnauze gefallen und bislang habe ich immer gute, sorgenfreie Unterhaltung für mein Geld bekommen. Dennoch habe ich in weiser Vorraussicht (gebranntes Kind scheut das Feuer) erst abgewartet, bis die ersten Reviews eintrudeln, bis man in den Technik-Foren sehen kann, wie sich das Spiel auf Kundenrechnern verhält. Nun, „durchwachsen“ ist wohl der Begriff, mit dem man all diese Berichte und Postings zusammenfassen kann. Im Prinzip eine feine Sache, doch in Teilen unfertig, wenig Schliff und Politur. Hmm, was tun? Warten bis es genügend Patches gibt und mich dann als Budget oder via Elektrobucht bedienen? Den Sprung ins kalte Wasser wagen, weil kein Rechner wie der andere ist und es auch durchaus glaubhafte Kommentare in den Foren gibt, die von nur wenig oder keinen Problemen berichten? Oder doch wieder Möglichkeit Drei, das Spiel selbst in Augenschein nehmen?

Mangels Demo habe ich mich wieder aus dem Netz bedient und mangels „offiziellem“ Szene-Crack nach nur wenigen Minuten Recherche ein funktionierendes Mini-Image gefunden. Kleiner Tipp an dtp … lasst den Kopierschutz-Krempel doch einfach weg. Das Argument mit den ersten Verkaufswochen oder gar den Zero-Day-Sales zieht schon lange nicht mehr …

„Venetica“ riecht und schmeckt und kommt als typisches Deck13-Spiel daher. Sound und Optik und Produktionswerte zeugen von dem hohen Maß an Talent, welches man dort regelmäßig versammelt. Das Gameplay ist solide und spassig, Dialoge und Charaktere charmant und unterhaltsam. Eben ein Deck13-Spiel. Blöd ist nur, wenn einem an nicht wenigen Stellen zT. herbe Tipp- und Rechtschreibfehler auffallen. Blöd ist nur, dass das spielinterne Anti-Aliasing bei nicht wenigen Kunden (wie zB. bei mir) nur Graphikfehler produziert und beim Ansteuern über den GPU-Treiber komplett ignoriert wird. Blöd ist nur, dass es reproduzierbare Abstürze gibt, die mir zwar noch nicht untergekommen sind, von denen aber im Technik-Forum bei dtp zu lesen ist. Und so weiter, und so fort. Ich habe auf meinem System nichts grundlegend Katastrophales feststellen können, dafür nur einen großen Haufen kleiner Mängel und Patzer, die in der Summe nur einen Schluss zulassen …


Arghll! Wo ist der Lektor?

Wer Spiele von Deck13 mag, wer Freude an einem unkomplizierten Action-Rollenspiel haben kann, für den wäre „Venetica“ auf jeden Fall eine feine, runde Sache … aber erst nach mindestens noch einem halben Dutzend weiterer Patches und etlichen Monaten After-Release-Support.


Und danach, liebe Jungens und Mädels, anstatt die Toskana im Rahmen Eurer Spiele in Schutt und Asche zu legen, macht dort erstmal vernünftig Urlaub und erholt Euch. Denn ein guter Ruf ist schnell ruiniert. Und ich bezweifle, dass die Käufer Eurer Spiele sich ähnlich geduldig und nachsichtig verhalten, wie dies der durchschnittliche Gothic-Jünger seit Jahr und Tag tut.

Gut, natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten. Vielleicht ist das von dtp veranschlagte Budget ausgegangen und bei Deck13 gab es auch keine zusätzlichen Ressourcen für das Fixen all dieser Fehler. Vielleicht beharrte man bei dtp auf diesen Releasetermin, weil man dringend das Geld aus den Einnahmen benötigt. Vielleicht, vielleicht … wer weiß das schon als Aussenstehender. Hat dem Kunden aber auch egal zu sein. Der hat das Recht und den Anspruch auf ein möglichst fehlerfreies Produkt. Andere bekommen es ja auch hin …

PS: Und was mir noch aufgefallen ist …


Hmmm …

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Preview.

11 Kommentare zu “Urlaubsreif

  1. Anonymous sagt:

    Gähnen und umdrehen. Nichts neues unter der Sonne und den Gothicspruch hat er auch wieder untergebracht.

  2. Nilpferd sagt:

    Schade, ich hab mich schon darauf gefreut. Aber man ist ja mittlerweile schon gewohnt ein bisschen länger zu warten.Bleibt nur zu hoffen, dass sie sich für Haunted wieder zusammenreissen.

  3. Anonymous sagt:

    …war grad am überlegen, dass Spiel bei Amazon zu bestellen. Danke für die Infos. Dann warte ich lieber noch 2-3 Patches ab.

  4. Harzzach sagt:

    Nun, Du kannst auch Glück haben, keine Bugs finden, keinen Absturz auslösen und Dich nicht an Schreibfehlern stören. Dann kannst Du auch jetzt zugreifen … doch dann lernen die Firmen ja nichts daraus 🙂

  5. Look sagt:

    Naja, da scheinen sogar ein paar Plotstopper drin zu sein, wer spielt sollte also immer schön neue Savegames anlegen, anstatt immer nur drüber zu speichern.Zudem ist die Grafik nun wirklich nichts aufwendiges, insofern wundern sich die Spieler wohl zurecht über die miese Performance (gerade wen man AA zuschaltet; per nHancer, das Ingame AA ist wohl buggy). Worüber sich wohl am meisten die Mäuler zerrissen werden, ist wohl das MipMap Verhalten (oder das scheinbare fehlen des solchen), was zu unschönen Texturübergängen und vor allem verdammten Flackern bei solchen führt.Das umgeht man als potenter Gamer natürlich mit 16x OGSSAA (16x SSAA geht auch),das bügelt eigentlich jegliches Flackern, ob Shader oder nicht, weg – aber dank der Performance ist das natürlich nicht spielbar.Was interessant ist, bis auf die Technik und einige Stopper, gibt es keinerlei Beschwerden, was das Gameplay, das Setting, die Story, das Charakterdesign usw. anbelangt – da passt es wohl, wie die Faust aufs Auge.Ich würde das Spiel also bei weitem nicht abschreiben ala Dungeon Lords o.ä. Katastrophen – sondern im Hinterkopf behalten und vielleicht den nächsten oder übernächsten Patch abwarten.

  6. Harzzach sagt:

    Ebend. Was das grundlegende Konzept betrifft, so ist das Spiel keine Gurke, ganz im Gegenteil. Es fehlen eben noch ein paar Monate Politur und Feinschliff.

  7. Rosa von Schaumwein sagt:

    Ein RPG aus deutschen Landen, dass bei Release von Bugs geplagt ist? Welch eine Überraschung. Gekauft wird es natürlich trotzdem, es kommen ja bestimmt Patches. Und die Risen CE ist auch schon vorbestellt…Manchmal glaube ich, Rollenspieler lassen sich noch lieber verarschen als alle anderen, insbesondere wenn noch Patriotismus ins Spiel kommt.PS: Folgender Satz fiel mir wirklich unangenehm auf: "Blöd ist nur, dass das spielinterne Anti-Aliasing bei nicht wenigen Kunden (wie zB. bei mir)"Leute, die eine Version aus dem Netz "testen", sind keine Kunden und haben auch keinerlei Ansprüche auf ein funktionierendes Produkt.

  8. Mobile sagt:

    Also ich verfahre nun schon seit Jahren so, immer erstmal einige Patches abzuwarten bevor zugeschlagen wird.Ich verstehe auch nicht wieso man anders vorgehen sollte, spart man doch auf diese Weise Geld und hat ein feingeschliffeneres Produkt.Ich weiß jetzt nicht wie schlimm die Bugs nun sein sollen, aber eigentlich hab ich von diversen Fehlern in nahezu jedem RPG kurz nach Release gehört und das nicht nur bei deutschen Spielen. Oder hatten Oblivion, NWN2, Witcher und Divinity 2 nicht auch einige grobe Schnitzer drin?

  9. Harzzach sagt:

    Leute, die eine Version aus dem Netz "testen", sind keine Kunden und haben auch keinerlei Ansprüche auf ein funktionierendes Produkt.Oh, verzeih bitte meine nicht ganz so präzise Ausdrucksweise in diesem Textabschnitt. Doch da Leute, die mir für meine Texte kein Geld geben, auch keinen Anspruch auf Fehlerfreiheit haben … Pech 🙂

  10. Rosa von Schaumwein sagt:

    Natürlich sind nicht nur deutsche RPGs betroffen, bei Drakensang z. B. gab es offensichtlich wirklich eine funktionierende Qualitätssicherung und / oder einen geduldigen Publisher.Oblivion war relativ bugfrei, hatte dafür aber andere (inhaltliche) Probleme. The Witcher hatte viele kleinere technische Probleme wie elend lange Ladezeiten, aber AFAIK keine Questbugs oder gar Plotstopper, war also auch in Version 1.0 durchspielbar. NWN 2 hatte auch erhebliche Startprobleme, zudem kamen mit beiden Add-Ons neue Bugs hinzu.Das ich bei Bugs + RPGs zuerst an deutsche Entwickler denke, liegt sicher am Gothic 3 Debakel. Insbesondere die "Fachpresse" hat sich nicht mit Ruhm bekleckert und auch die teils fanatische Fans ("Also ich habe noch keinen Bug gesehen")gingen mir gehörig gegen den Strich.

  11. Sackratte sagt:

    "Oblivion war relativ bugfrei"Hä. Hähä. Hähähä…Ja Venetica, ich hab's ja auch auf'm Kicker gehabt – als alter Fan von Fable (nicht hüpfen könnender Char in Bonbon-Welt), Tomb Raider (hey good looking) und Gothic (immer feste druff uf de Viecher) lag das ja irgendwie nah. Auch gegen ein bisschen deutsch-naiven Comicstyle gibt es nichts einzuwenden, zumal nach der meinerseits wiederholten unbarmherzigen Welt der Ostblockzocke Witcher.Aber wieder nix, die Grafik ist: GROTTIG! Die Texturen, die Übergange, die Animationen, die Landschaft, die NPC-Klonzombies… alles absolute Athmokiller. Es tut weh es sagen zu müssen, aber ich für meinen Teil werde wohl mit Assassin's Creed 2 Venedig besuchen müssen 🙂 Ich hoffe die Franzosen versauen es nicht…, wahrscheinlich aber doch…

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