PseudoRetro-Impressionen: Quake 2

Einst, in glücklicheren Zeiten, als die badische Landeshauptstadt, so es denn ein Bundesland Baden geben würde, mit einem formidablen, weil perfekt bestückten Computerspiele-Laden aufwarten konnte, im Gegensatz zu heutigen Zeiten, wenn man nur die Auswahl zwischen Gamestop und Blödmarkt mit der üblichen Mainstream-Bestückung hat, damals also, um endlich ans Ende dieses etwas ausser Kontrolle geratenen Satzes zu kommen, trat ich gespannt durch die Tür jenes besagten Ladens, weil man mich telefonisch darüber informiert hatte, dass die erste Lieferung „Quake 2“ endlich frisch aus Übersee eingetroffen ist und ich mich eilen sollte, weil die Geschäftsleitung leider keine Vorbestellungen entgegennehmen wollte.

Schon durch das Schaufenster konnte ich den Stapel dunkelolivgrüner Euro-Boxen sehen, um den sich bereits erste Trauben begieriger Nerds versammelten. Und nur wenige Minuten später war ich stolzer Besitzer einer UK-Version von Quake 2, nur ein halbes Jahr bevor die damalige BPjS das Spiel auf Grund seines vorzüglichen Gewaltspiel-Inhaltes auf den Index setzte. Mannmann, da war ich so gerade noch rechtzeitig gekommen …

Quake 2!

Das erste und bislang auch einzige Spiel, dessen Demo mich zum Kauf neuer Hardware animiert hatte, weil ein 3DFX-beschleunigtes Quake 2 einfach dreissigtrilliardenmal besser aussah als das klassische Software-Quake 2.

Quake 2!

Ein würdiger Nachfolger eines der besten Egoshooter-Spiele aller Zeiten. Anderes Setting, andere Atmosphäre, weniger Horror, mehr SF, aber genau das selbe adrenalingeschwängerte, simple Action-Gameplay, für das ID Software lange Zeit geradezu Heiligenverehrung genoß.

Quake 2!

Auf Grund des Szenariowechsel nicht mehr düstere Industrialsounds von Nine Inch Nails, sondern treibende Gitarrenriffs und Metalklänge von Sonic Mayhem.

Quake 2!

Stundenlang habe ich mit der Grundwaffe, der Plasma Pistol, immer wieder das damals bahnbrechende Lichtrendering bewundert. Wandernde Lichtquellen, farbige Lichtquellen und so verdammt schnell und flüssig in der Darstellung. 3D-beschleunigte 640×480 Bildpunkte mit einer für die Bildqualität immens hohen Framerate. Bahnbrechende, optisch phänomenale, flüssige Graphik und ich musste nur eine Diamond Monster 3D zusätzlich in einen freien PCI-Slot stecken. Und ich musste für dieses Hardware nicht einmal einen Monat lang auf Mensamarken verzichten oder unter dem Vorwand, zusätzliche Fachliteratur besorgen zu müssen, die Eltern anpumpen.

Quake 2! Glückliche, einfache Zeiten! (so sagt mir zumindest mein allmählich versagendes Langzeitgedächtnis)

SELBSTVERSTÄNDLICH habe ich mir die beiden Addons „The Reckoning“ und „Ground Zero“ zugelegt. Neue Level, neue Gegner, neue Waffen. Mehr von allem. Mehr. MEHR!!!! Irgendwann musste ich mir sogar das nicht so wirklich berauschende „Juggernaut for Quake 2“ zulegen. Der hier verlinkte, erm, Test von Something Awful übertreibt nur marginal. Aber egal, Quake 2 uber alles! Eine Zeitlang war das Durchspielen von Quake 2 und den beiden Addons Pflicht beim Kauf einer neuen Graphikkarte. Noch schnellere Bilddarstellung, höhere Auflösungen. Mehr Wow, mehr Bang für den Buck!

Irgendwann war aber genug, weil ich Quake 2 fast zu Tode gezockt hatte, Levelaufbau wie Gegnerplatzierungen, Bewegungsabläufe im Schlaf in- und auswendig vorbeten konnte. Irgendwann ruhten die drei CDs in Frieden in der Software-Gruft. Quake 2 hatte seine Schuldigkeit getan, Quake 2 durfte eine wohlverdiente Pause einlegen.

An dieser Stelle wird der geneigte und sich des Spieles wohlbewusste Leser einwerfen, dass ich einen ganz essentiellen Faktor für die unglaubliche Beliebtheit und Popularität dieses Spieles ausser Acht gelassen habe. Den Multiplayer-Teil! Denn Quake 2 gilt, noch mehr als sein Vorgänger, als DER Gründervater heutiger Multiplayerkonventionen. War ein Doom-Deathmatch nur was für einige wenige Nerds mit Zugang zu einem Rechnernetz oder einem durch Dritte bezahlten Modem-Anschluss, haben sich mit Quake 1 und hauptsächlich dank QuakeWorld die ersten Formen des heute üblichen Amateur- und Profi-eSports herausgebildet, so gilt Quake 2 gemeinhin als das Spiel, welches dem Multiplayer-Shooter und dem Multiplayer-Spiel als solchen erst zum großen Durchbruch verholfen hatte. Ein Quake 3 oder ein Unreal Tournament als reine Multiplayer-Spiele wären ohne die enorme Popularität eines Quake 2 so wahrscheinlich nie konzipiert worden.

Dies alles hatte mich jedoch nie sonderlich interessiert. Hier und da an einigen Matches teilgenommen, aber so richtig begeistern konnte ich mich für typische Multiplayer-Spiele nicht. Weder Shooter, noch RTS-Klassiker wie zB. Command&Conquer, Alarmstufe Rot oder Warcraft. Zu hektisch, zu stressig. Und von irgendeinem unbekannten Fremden irgendwo am anderen Ende der Welt innerhalb weniger Sekunden auseinandergenommen zu werden, war nicht gerade meine Vorstellung guter Freizeitunterhaltung, Folglich bestand auch nie eine große Motivation „besser“ zu werden und mich der großen Multiplayer-Community anzuschliessen. Erst ein vergleichsweise gemächliches Ultima Online konnte mich für das „anonyme“ Spielen mit gesichtslosen Avataren gewinnen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ja, Quake 2! War ne feine Sache … und da mich das aktuelle Shooterangebot nur noch bitterlich weinend am Tisch zusammenbrechen lässt, dachte ich mir kurzerhand, dass es nach mehr als sechs Jahren an der Zeit ist, nicht nur die CDs wieder aus dem Schrank zu holen, sondern mich darüber zu informieren, nicht nur wie der Stand in Punkto Quake 2-Sourceports, sondern vor allem wie der Stand in Punkto HighRes-TexturePacks ist.

Nach etwas Rumgewühle in den alten Foren von Team Blur, den Entwicklern von Quake2Evolve, bin ich auf diese minimalistische Seite gestoßen:

Quake 2 High Resolution Texture Packs

Alles da, was das Herz begehrt … und so sieht das dann aus, wenn man alles richtig gemacht hat:






Zugegeben, es gibt hin und wieder Levelabschnitte, bei denen man die Beleuchtung überarbeiten müsste, damit Sourceport und TexturePack die Leveldaten korrekt darstellen, anstatt entweder alles in stockdunkle Finsternis zu hüllen oder alles mit dem gleichen Lichtintensitätslevel zu rendern, aber diese Kleinigkeiten lassen sich leicht verschmerzen.

Quake 2! Klassiker!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Retro.

13 Kommentare zu “PseudoRetro-Impressionen: Quake 2

  1. Sackratte sagt:

    > "Quake 2! Klassiker!"Quake 1 auch, aber hallo!;-)

  2. Anonymous sagt:

    Was gefällt dir eigentlich an L4D nicht?

  3. Yuri sagt:

    Pah… ich hab Quake II in der urspruenglichen Version gespielt. Und zwar letztes [oder vorletztes?] Jahr! Okay, mein PC war da auch nicht mehr der juengste… egal, sah trotzdem noch recht nett aus.

  4. Harzzach sagt:

    Quake 1 auch, aber hallo!Ja, schon, natürlich …Was gefällt dir eigentlich an L4D nicht?Erm … L4D? Ich hab nix zu L4D gesagt.@Look: Weisst Du, die nächste Hardware-Anschaffung wurde danach eigens für Unreal getätigt, von einer Voodoo 1 auf gleich zwei Voodoo 2 plus neue CPU. Musst Deinen Post deswegen nicht löschen 🙂

  5. Look sagt:

    2 Voodoos, sowas hätte ich damals gern gehabt :(.Egal, ich habe eh nie Quake wirklich gespielt, aber naja, zumindest habe ich mit Warsow immer noch mit Q2 zu tun…

  6. Harzzach sagt:

    Die hatte ich mir auch wirklich vom Munde abgespart. Und nie bereut!

  7. Neugierig sagt:

    Harzzach hat gesagt…Die hatte ich mir auch wirklich vom Munde abgespart. Und nie bereut!Wie muß man sich das vorstellen? So wie wenn heute jemand 2 Grakas im Crossfire/Sli betreibt? Dann warst damals aber schon ein richtiger Nerd, oder?!

  8. Harzzach sagt:

    Dann warst damals aber schon ein richtiger Nerd, oder?!.Nö. Ich war nur verrückt nach Computerspielen im Allgemeinen und damals nach Unreal im Besonderen :)Vor allem, weil jede neue Hardware-Generation noch unglaublichere Bilder auf den Monitor gezaubert hatte. Da hat man jedem Pixel angesehen, warum man gerade ein weiteres halbes Jahr den Dispo voll ausreizen musste, um sich danach an Überziehungszinsen dumm und dämlich abzurackern …

  9. Look sagt:

    War einfach nicht drin und ich mag keine Schulden – zur damaligen Zeit war Hardware ja noch richtig gehend teuer.Deshalb ist das erste Spiel mit dem „boah ey“ Effekt bei mir auch nicht Unreal gewesen, sondern erst Severance (das Wasser war unglaublich).

  10. Anonymous sagt:

    Hey, ein Post über einen meiner all-time favourites!Ich bin gerade auch wieder dabei Quake2 zu spielen, in den letzten Jahren sind einige interessante Fan-Missionen rausgekommen.Und dann spiele ich auch gerade noch das wenig bekannte Addon Zaero von Team Evolve, auch ganz nett.Tetz

  11. SpielerZwei sagt:

    Hach, das waren noch Zeiten!Zur Quake-Reihe machen wir auf jeden Fall noch mal ein Polyvieux, oder Harzzach?!

  12. Harzzach sagt:

    Hrhrhrhr … gerne! Ich denke, ich fange da einfach mal an 🙂

  13. Kai sagt:

    Habe gerade das selbe durchgemacht wie Du. Habe dafür so ziemlich alle Q2 Sourceports durchprobiert, die es so gibt. Bin am Ende bei Quake2XP hängengeblieben (hat aber nichts mit WindowsXP zu tun). Ist aus meiner Sicht die beste Umsetzung, denn es hält sich stark an das Original, sieht aber dank hi Res Textures zigmal besser aus. Die Waffen bleiben 1:1 original, das Wasser ist das schönste das ich je gesehen habe. Die Einstellmöglichkeiten sind hervorragend. Manche Features lasse ich doch lieber ausgeschaltet, weil sie komisch aussehen (z.B. Bummap models). Hier ein Link, wo alle Mods zusammengefasst sind: http://www-personal.umich.edu/~jimw/q2/
    Vielleicht willst Du es ja doch nochmal durchspielen? 😉

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