Dead "Camera" Space

Man macht sich das Leben ein ganzes Stück einfacher, wenn man irgendwann vestanden hat, dass andere Menschen andere Geschmäcker haben können und die Welt nicht untergeht, wenn andere Menschen andere Geschmäcker haben. Man regt sich dann nicht mehr so fürchterlich auf, der Blutdruck bleibt in gesünderen Regionen, der niedrige Stresslevel sorgt für ein langes Leben.

Insofern könnte ich das Thema „Dead Space“ links liegen lassen und mich wieder Dingen widmen, die mir mehr zusagen. Da ich jedoch das Ziel habe, so oft wie nur möglich dieses Blog und seine Leser mit täglichen Beiträgen zu bedenken, werde ich doch noch ein paar Worte über Dead Space verlieren …

Kurz gesagt: What the fuck?

Es mag ja sein, dass es Dead Space im späteren Spielverlauf gelingt eine besonders bedrohliche und gruselige Atmosphäre aufzubauen. Es mag auch sein, dass das Gameplay spannend und Dead Space ein würdiger Vertreter des Genres „Survival Horror“ ist. So sagen zumindest Leute, die Dead Space wohl länger als eine halbe Stunde gespielt haben. Definitiv kann ich sagen, dass Dead Space verdammich gut aussieht. Definitiv kann ich auch sagen, dass die Entwickler ihr Ziel erfüllt haben, in dem sie der PC-Version mit Maus & Tastatur genau das gleiche Spielgefühl beibringen wollten, wie sie ein Spieler an einer Konsole mit einem Gamepad erlebt. Zäh, klobig und langsam.

Aber das ist es nicht, was mich an diesem Titel so massiv stört.

Denn bei Dead Space überkommt mich das Kino-Feeling. Allerdings nicht das Ahhh und Ohhh und Huiii, wenn man einen tollen Film anschaut. Sondern dieses ganz spezielle Kinogefühl, wenn sich zu Beginn des Filmes doch noch jemand auf den leeren Platz vor mir setzt. Ein drei Meter großer, anderthalb Meter breiter Bodybuilder mit Aggressionsproblemen. Ich muss permanent gegen den Reflex ankämpfen, nicht ständig rechts oder links an diesem Pracht-Polygonkörper vorbeizuschauen oder hüpfenderweise einen Blick über seine Schulter auf das eigentliche Spielgeschehen zu erhaschen. Ich bewundere den detailliert ausgestalteten Rücken der Einsatzpanzerung und bekomme nicht wirklich mit, was direkt vor mir passiert. Ich frage mich, welche Drogen die Gamedesigner genommen haben, um so eine Kameraposition „toll“ zu finden. Ich frage mich, welche Drogen man der QA verabreicht hat, damit die Mitarbeiter dort nicht alle paar Sekunden schreiend das Gamepad in den Monitor pfeffern.

Auch nervt es gewaltig, dass die an sich nette Idee der virtuellen Interfaces im Schiff dadurch kaputt gemacht wird, dass sich viele Info- und Schaltflächen an der optischen Blickrichtung der Spielerfigur orientieren. Das ist zwar „realistisch“ und auch logisch, doch wenn man den Spielerblick (!) so hinter die Spielfigur positioniert, dass diese ständig im Wege steht oder durch einen entsprechend schiefen Blickwinkel dauerndes Rumgefrickel mit der Standposition notwendig macht, dann geht mir das innerhalb weniger Minuten ganz gewaltig auf den Senkel.

Früher, da hätte ich mich maßlos über dieses Spiel aufgeregt, hätte mich seitenweise über das verschenkte Potential ausgelassen und Gott und die Welt für den schlechten Zustand des aktuellen Spieleangebotes verantwortlich gemacht.

Heute jedoch, heute verziehe ich nur kurz das Gesicht, werfe das Spiel von der Festplatte und kloppe mich wieder durch Titan Quest.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Kack.

12 Kommentare zu “Dead "Camera" Space

  1. n8mahr sagt:

    richtig so 😉 die alte sammelwut besiegt doch alles. *kloppkloppsammelsammel*das einzig negative an tq und diablo und konsorten ist für mich nur die absurden seltenheitsgrade der sets.. bis ich durch puren fleiß und eine unglaubliche menge glück ein set komplett habe, bin ich schon 30 stufen aus selbigem entwachsen und kann über die boni des sets nur lachen :/ naja.. weiter gehts.. gibt ja noch andere sets, vielleicht klappts da ja…*kloppkloppsammelsammel*

  2. fossey sagt:

    „Früher, da hätte ich mich maßlos über dieses Spiel aufgeregt […]“Früher hättest Du wahrscheinlich auch Geld dafür ausgegeben, es zu spielen.

  3. Harzzach sagt:

    Man lernt dazu 🙂

  4. CValentine sagt:

    Staun!Das erste Mal – in der Tat, das allererste rotanstreicherste Mal – dass ich von Herzen *völlig* anderer Meinung bin, und die Kritik so gar nicht nachvollziehen kann. Gut, Steuerung ohne Kommentar abgenickt, aber störende Kamera? Anders ja, aber Spielruinös? Hab selten in den letzten Jahren so gerne und wohlig gruslig geschnetzelt… Und apropos neuer Rechner – empfehle dann mal World in Conflict, meiner Meinung nach eines der unterhaltsamsten Strategiegames der letzten Jahre. Und schaut so gut aus mit genug Wumms unter der Haube 😉

  5. Harzzach sagt:

    Anders ja, aber Spielruinös?Hmm, sagen wir so … zwar kann ein schöner Rücken auch entzücken, aber wenn ich ein Horror-Spiel spiele, dann stört es für meinen Geschmack die Immersion ganz immens, wenn ein Viertel des Bildschirmes von der Hinteransicht der eigenen Spielerfigur eingenommen wird. Das ist wie im Kino, wenn man eigentlich einen feinen Film sehen möchte, aber permanent den Hinterkopf eines großgewachsenen Kinobesuchers im Blickfeld hat.Mich stört dies. Derbe!

  6. Joe sagt:

    Ist eigentlich schon raus, wann das erste Spiel mit dem gerade sehr modernen »Amateur-Kamera-Verwackel-Effekt« erscheint?Oder gibt es das etwa schon?

  7. John sagt:

    Handkamera verträgt sich nicht wirklich mit dem Konzept der durch den Spieler steuerbaren Kamera, auch wenn es durchaus Spiele gab, die das versucht haben.Aber so oder so ist das doch wieder am Sterben. Handkamera wird zwar immer noch gerne benutzt aber das sieht man als Zuschauer kaum noch, wenn man nicht weiß, worauf man zu achten hat. Und das ist gut so. Den Hype um Blair Witch habe ich nie verstanden und der Schrott, den die Filme uns in den folgenden Generationen für einen Schrot beschert haben braucht kein Mensch.

  8. Deagle sagt:

    Bei L4D kannst du zumindest die Menge an „weissem Rauschen“ selbst einstellen, und damit auch sehr schön eine alte 8mm Aufnahme imitieren. Ich dachte erst ich machs aus, aber so ganz auf Hochglanz wirkt L4D irgendwie nicht… habs nun knapp unter der bewussten Erkennbarkeit eingestellt… schon seltsam das!Gut, verwackelt is es nur wenn man sich bewegt oder mal wieder nen Tank auftaucht :)GrußD.

  9. Anonymous sagt:

    Ich brauche bei Verfolgerperspektive immer etwas Eingewöhnungszeit, aber dann bin ich in der Regel mit meiner Aufmerksamkeit im Raum vor der Spielfigur und nicht auf der Spielfigur selbst. Man schaut ja auch Lara Croft vielleicht mal am Anfang, aber sicher nicht die ganze Zeit auf den Arsch…Bei Dead Space (auf meinem Rechner läuft es nicht) scheint die Spielfigur aber ungewöhnlich nah an der Kamera zu sein, oder wechselt das immer? Wäre dann vielleicht besser gewesen, die Figur an den linken Bildschirmrand zu rücken, damit man in der Mitte freie Sicht hat. Gibt es doch auch bei einigen Spielen.Tetz

  10. Anonymous sagt:

    Ich persönlich habe nichts gegen die Perspektive in Dead Space, aber wie so schön geschrieben wurde: Geschmäcker sind halt verschieden. Kann vielleicht auch daran liegen, dass ich begeisterter Resident Evil 4 Spieler bin (um die 7 mal durchgespielt ><) und mich mittlerweile an die Kamera gewöhnt habe. Anfangs hab ich mich auch relativ eingeengt gefühlt, aber ich kann nur sagen: gib dem SPiel noch eine CHance, man gewöhnt sich früher oder später an die Perspektive (und nicht auf eine "naja ich kann mein Unwohlsein ignorieren"-Weise sondern eher angenehm weil sich mehr mittendrin fühlt als beim normalen 08/15 3rd Person-Spiel).

  11. Look sagt:

    Btw. gibt es Workaronds, was die Steuerung anbelangt, wie war das noch, im Spiel Vsync aus machen und über nHancer hart Vsync wieder forcieren – hört sich bekloppt an, soll aber funktionieren.Das der Typ immer zu sehen ist, liegt doch auch am fehlenden HUD, soweit ich mich erinnere konnte man doch an den Leuchten am Rücken den Zustand des HP Wertes ablesen.

  12. Anonymous sagt:

    Hm, solche Dinge sind mir bei Dead Space nicht aufgefallen. Irgendwie war ich mit spielen beschäftigt.

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