Non-Gaming Interludium XXV – Death Race

Jetzt finden sich in diesem Blog schon fünfundzwanzig „offizielle“ Non-Gaming Interludiümmer. Fünfundzwanzig Postings, in denen ich meine bescheidene Meinung meist zu einem Werk der Cinematographie zum Besten gebe. Denn einst, da wollte ich ernsthaft Filmregisseur werden. Oder irgendwie ins Filmgeschäft gehen und an schmierigen, wirren Genre-Filme mitarbeiten. Und hätte ich diesen Weg beschritten und hätte ich dann auch meinen Weg hinaus aus Fernseh-Deutschland hinein ins blühende Hollywood gefunden, dann hätte ich vermutlich Filme gemacht, wie sie ein Roland Emmerich macht. Nicht wirklich anspruchsvoll, aber bunt, laut und krachig.

Oder ich wäre hoffentlich so jemand wie Paul W.S. Anderson geworden.

Gut, zugegeben. Angesichts dieses Satzes verabschieden sich gerade all meine knapp dreissig letzten Gehirnzellen endgültig und jedwedes Niveau, welches ich mir im Laufe der vergangenen Jahrzehnte mühsam angeeignet habe, springt laut kreischend durch die Fensterscheibe ungeachtet des Umstandes, dass wir gerade in einem Konferenzraum im 35. Stock eines Hochhauses sitzen. Denn „Mr. Anderson“ (man stelle sich jetzt die Stimme von Hugo Weaving vor) ist nun alles andere als ein guter Regisseur. Oder gar jemand, der sich um ein Mindestmaß an Anspruch kümmert. Mr. Andersons Filme hinterlassen mehrheitlich bei mir einen dumpfen Geschmack im Mund und das Bedürfnis, mich schon während des Abspannes heftig zu duschen, bzw. die in 90 min angesammelte Schrunzkruste von meinen Augäpfeln abzukratzen.

Dennoch, im Gegensatz zu so manch anderem LowLevel-Kollegen wie Uwe Boll, so ist Mr. Anderson wahrscheinlich meist nur ein Opfer der Umstände, denn er kann schon, wenn er will oder man ihn tatsächlich machen lässt. Denn hin und wieder dreht er Filme, die ich gerne drehen würde. Filme für die Momente, wenn man vor lauter angestrengtem Nachdenken sein müdes Hirn rasten lassen möchte und einfach nur mit hängender Unterlippe, Speichelfluss und wahlweise einer Flasche Bier und/oder einer Tüte Popcorn/Chips vor der Glotze/im Kino hängen möchte.

Einer dieser Filme ist „Death Race„. Denn hier macht er alles richtig. Er kümmert sich nicht erst großartig um vernünftige Charaktere oder Dialoge. Er kümmert sich auch nicht großartig um Setting, und Handlungsverlauf oder gar innere Logik. In bester B-Movie-Tradition wird der Hintergrund nur kurz und knapp angerissen und dann der Rest des Filmes damit verbracht, das Budget in Form von ausgedehnten, fetzigen Explosionen und Rennszenen in den Orkus zu blasen.

Die Dialoge sind banal. Die schauspielerischen Leistungen unterentwickelt, um es mal höflich auszudrücken. Die Plot-Löcher erreichen Ausmaße von mehreren Lichtjahren. Und doch … wie bei „Doomsday„, so sind mir all diese handwerklichen und qualitativen Fehler scheissegal. Denn „Death Race“ funktioniert als simpler B-Movie ganz hervorragend. Zum einen, weil sich Mr. Anderson auf das Wesentliche konzentriert und zum anderen, weil dieses Remake eines älteren B-Movies auch ganz in der Tradition eines Roger Cormans steht, der gezeigt hat, dass auch B-Movies richtig gut sein können, wenn sie sich auf ihre Stärken besinnen und erst gar nicht versuchen, mit all den erstklassigen und einzigartigen Ingmar Bergmanns dieser Welt zu konkurrieren.

Von daher … wer denkt, dass er in der richtigen Stimmung ist, der kann sich Death Race gerne antun und 110 Minuten lang fröhlich-unbeschwerten Popcorn-Spass haben. Wer aber in diesem Moment mehr von einem Film erwartet als hemmungsloses CrashBoomBang, der möge sich einen Gefallen tun und alle Werke von Paul W.S. Anderon links liegen lassen. Und sich lieber den Werken eines Paul Thomas Anderson widmen. Denn ein „Magnolia“ zählt für mich mit zu den besten Filmen, die ich die Ehre hatte sehen zu dürfen.

Nett finde ich übrigens den Hinweis am Ende von „Death Race“, dass man die eben besehenen Szenen doch bitte nicht nachstellen solle … ach, echt jetzt?

Aber hier denke ich wahrscheinlich wieder zuviel 🙂

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8 Kommentare zu “Non-Gaming Interludium XXV – Death Race

  1. dynamitrios sagt:

    deswegen halte ich B Movies für die ehrliche Filmvariante, bei der man genau das bekommt was man erwartet

  2. John sagt:

    Wenn man ohne Erwartungshaltung ins Kino geht hat man generell mehr vom Geld. Sturgeon’s Law gilt eben auch für teuer produzierte Kinofilme.

  3. Calibrator sagt:

    Das sehe ich genauso, John! Man kann dann sogar Filme mit Tom Cruise geniessen 😉

  4. Harzzach sagt:

    Hmmm, eine gewagte These … 🙂

  5. Calibrator sagt:

    Ich habe ja nicht gesagt – „wegen Tom Cruise geniessen“ ^^Maggie Q z.B. machte mir M:I3 sehr erträglich! 😉

  6. SpielerZwei sagt:

    Ich weiß gar nicht, was alle Leute immer an Anderson herummeckern müssen.Ich mochte sowohl Event Horizon, als auch AVP, als auch Resident Evil 1, als auch Soldier. Waren alles sehr gute Genre-Filme! Und Death Race ist als Corman-Remake auch sehr gelungen, weil ebenso trashig wie das Original…

  7. Anonymous sagt:

    Death Race ist nahezu perfekt und bietet alles was "Mann" in einem Film vereint sehen möchte … PS-strotzende Karren, hübsche Ladies in ausreichend figurbetonendem Kleidwerk, Explosionen, Knarren (…auf Karren), ne ordentliche Portion Brot & Spiele aus dem Mittelalter (Ben Hur hatte keine Sensorgullidekel) … das ein oder andere Gitarrenriff im Soundtrack und die Story lässt einen icht vor Erschöpfung einnicken … was will man mehr?Frohes neues … Fatty

  8. Martin sagt:

    Hmm..jetzt habe ich in einer kompletten Fehlassoziation den Mann erstmal für Poul William Anderson http://en.wikipedia.org/wiki/Poul_Anderson gehalten…und mich gefragt, warum jemand,der so prima SF schrieb, so banale Filme macht.Naja. Ist ja nicht so und zudem isser ja auch tot.

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