Rustikal rulez

Ich habe nichts gegen Need for Speed, wirklich nicht! Ich habe nichts dagegen, wenn man einen Arcade-Racer mit Hipfhüpf-Musik und aufgesetztem Gangsta/Underground-Gehabe pimpt. Wenn das Gameplay dahinter gut ist und das Aufpimpen nicht zu lächerlich wirkt, habe ich an solchen Spielen einen Heidenspass. Hilfreich ist dabei auch der Umstand, dass ich hin und wieder auch selbst HipfhüpfMusik höre. Is ja gar nicht so, dass ich ein verknöcherter, alter Sack bin, der sich, was seinen Musikgeschmack betrifft, mit Ablauf des 15. Lebensjahres nicht mehr weiterentwickelt. Sonst dürfte ich den ganzen Tag nur Nena, Grauzone, Depeche Mode und Ideal hören. Eine, ganz ehrlich, schreckliche Vorstellung, auch wenn ich der Frau Humpe heute immer noch gerne lausche und sich Depeche Mode zum Glück auch etwas weiterentwickelt haben. Doch zurück zum Thema.

Auch wenn ich dereinst musikalisch, und auch sonst, eher dem Zeitgeistbild eines typischen 80er-Popper-Kindes entsprach, so wohnten doch zwei Seelen in meiner Brust. Denn im Sommer gab es in der ländlichen Umgebung Nord-Baden-Württembergs eine Reihe von Motorsport-Veranstaltungen, die ich mit Begeisterung aufsuchte. Motocross, Derbys und auf dem US-Stützpunkt in der Nähe Dragster-Rennen mit allem Drum und Dran. Dort, nebem dem Racestrip aka der Landebahn hatte ich beinahe mein erstes Auto gekauft. Einen zumindest äusserlich gut erhaltenen Dodge, Baujahr Mitte der 50er. Peer Pressure (vollkommen entgeisterte Eltern und verständnislos blickende Freunde) liessen mich dann doch Abstand von diesem an sich genialen Plan nehmen. Ok, zurück zum Thema.

Hatte ich sonst eher Gefallen am unterkühlten Neon-Ambiente der 80er gefunden, so war das eine Welt, die mir AUCH zusagte. Hellbrauner, feiner Staub. Stoppelfelder. Sommerhitze. Rocker. Harley-Davidson. Chopper. Fette Honda Goldwings. Bier aus Pappbechern. Bratwurst mit Senf. Geruch nach Grill und Lagerfeuer aus dem Zeltlagern der Besucher, die sich für solche Veranstaltungen eine ganze Woche freinahmen. Noch mehr Rocker. Viele mit den Namen der lokalen Gang auf der Kutte, deren Mitglieder im Laufe der Jahre entweder im Knast oder im Drogensumpf verschwanden. Schweiss. Hitze. Motorengebrüll. Abgase und der ganz spezielle Geruch von heissem Metall. Wabernde Luft über aufgeheizten Motorhauben.

Und deswegen, vom Setting, von der Musik, von der Stimmung und Atmosphäre, würde ich locker fünfzig NfS’s gegen ein einziges Flatout eintauschen. Weil ich dieser rustikalen, etwas derben und ungepflegten, schmutzigen Welt einen Großteil meiner Sozialisation verdanke. Dort fühle ich mich zu Hause.

VROMMM! *schepper* *krach* dengel*

Wirklich, ich mag Flatout mehr als alle anderen Arcade-Racer. Ja, auch mehr als Trackmania. So sehr mehr, dass ich fast bereit wäre, für einen Streckeneditor Geld zu bezahlen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

15 Kommentare zu “Rustikal rulez

  1. Joe sagt:

    Schöner Drift. ;-)Das aktuelle NfS ist purer Mainstream, deshalb verkauft es sich gut.Die ersten Teile hatten ja noch mehr was vom Gumball 3000 – mit böse teuren Supersportwagen vor der Polizei flüchten, mit denen hatte ich auch gut Spaß gehabt. Man denke nur an das legendäre NfS Porsche. Test Drive war so ähnlich. Dann ist EA irgendwie in die Unterschicht (oder auch in den Untergrund) abgerutscht (NfS Most Wanted: »voll krasser BMW« als Hauptgewinn). Über die Musik könnte man noch hinwegsehen, aber das ganze Spiel ist infantil.

  2. Harzzach sagt:

    Das aktuelle NfS ist purer Mainstream, deshalb verkauft es sich gut.Die beiden Underground-Spiele und Most Wanted haben sich phänomenal verkauft, weil sie perfekt eine bestimmte jugendliche Zielgruppe angesprochen hatten. Mitten ins Schwarze der Zeitgeist-Zielscheibe! Und weil sie in ihrer Machart zwar höchst kommerziell, aber auch als Spiel für Leute funktioniert haben, die jetzt nicht so wirklich Teil der Zielgruppe waren.Mit Carbon und vor allem Pro Street hat man aber (für EA-Verhältnisse) einen ziemlichen Flop gelandet. Zu langes Festhalten an dem mittlerweile abgenudelten Underground-Image, spielerisch nicht überzeugend und schlichtweg langweilig! Seelenlose, emotionslose Fließbandprodukte. Was im Falle NfS Underground und Most Wanted noch ganz hervorragend funktioniert hat, hat seit Carbon nicht mehr funktioniert. Die „Masche“ zog nicht mehr.

  3. Joe sagt:

    Mit Carbon und vor allem Pro Street hat man aber (für EA-Verhältnisse) einen ziemlichen Flop gelandet.Böse Raubmordkopierer! Konnte man das etwa öfter als dreimal installieren? SCNR ;-)Pro Street war doch »Wir machen jetzt einen auf Rennsimulation!« im Gangster-Setting. Aber die erstgenannte Sparte ist bereits durch andere Titel besetzt und die Arcade-Zielgruppe wendet sich angeödet ab. Muß schiefgehen.

  4. sackratte sagt:

    Flatout 2, auf gut deutsch gesagt, RUUULLLEEEZZZ!!! Wie würde meine Nachbarin noch dran hängen? Ach ja: Meinemeinung! 😉

  5. Freddi sagt:

    NFS wurde mit dem Underground Image uninteressant für mich – ich liebte es bei NFS: Porsche mit meinem 911er durch die Cote d’Azure zu heizen. Das war noch ein echtes schönes Spielgefühl… Ich glaub das muss ich wieder auskramen.Aber mit Underground wurde es so „normal“. Mit nem Golf kann ich auch selber durch ne Großstadt heizen. Das hat nichts besonderes mehr. Pimpen kann ich meinen Wagen auch selber, wenn ich monatlich ein bisschen Kohle beiseite legte. Aber mit nem richtig schönen Wagen durch wunderschöne Landschaften heizen, dass war der einzige Reiz des ganzen.Gab es denn in der letzten Zeit sowas ähnliches? Und ich meine damit nicht das in meinen Augen strunzlangweilige Test Drive. Selten so ein schlechtes Rennspiel gespielt (Da war sogar NFS:U besser).

  6. Joe sagt:

    Mit nem Golf kann ich auch selber durch ne Großstadt heizen. Das hat nichts besonderes mehr. Pimpen kann ich meinen Wagen auch selber, wenn ich monatlich ein bisschen Kohle beiseite legte.Du gehörst ja auch nicht zur Zielgruppe. Stell Dir einfach einen pickeligen 15jährigen mit Hosen in den Kniekehlen vor, der seinen 25er-Roller pimpen muß. Den kann man mit ’nem virtuellen 3er noch hinterm Ofen vorlocken. Post-Adoleszente kaufen sich einfach the real thing. 😉

  7. Christian sagt:

    NFS Underground?Ich fand beide Teile recht gut, denn so schnell kann ich nicht druch die Stadt rasen ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Die Musik war definitiv nicht meine, aber ich bin auch ein echter Seniorgamer.

  8. Joe sagt:

    BTW: Der „Streckeneditor“ der meisten modernen Games heißt Autodesk 3ds Max. Geld bezahlen kann man also dafür — und zwar reichlich.

  9. Atreyu sagt:

    Die OSTs von NFSU bestanden ja nicht nur aus Hipfhüpf, ich hab schon recht interessante Bands dort entdeckt, die in Deutschland kaum bekannt waren.FlatOut fand ich auch immer witzig, vorallem diese Games (Typen-Weitwurf)^^Hey, gibts da nicht schon ein neues Flatout? Irgendwas mit „Carnage“…

  10. Harzzach sagt:

    Flatout Ultimate Carnage ist nix weiter als die PC-Version des gleichnamigen 360-Titels, der wiederum nur eine etwas aufmotzte Version von Flatout 2 war.Und so sehr ich auch ein Flatout-Fan bin … das muss dann auch nicht sein 🙂

  11. Anonymous sagt:

    Ich habe sowieso auf einen bissigen Kommentar zum Thema Game-Recycling von dir gewartet und daher damit gerechnet… Wenn auch vielleicht etwas bissiger^^

  12. Atreyu sagt:

    Sry, der eben gepostete Comment ist von mir…Ein Klick zuviel auf Name/URL und schon wird man anonym…

  13. Scruffy sagt:

    Flatout ist auch bei mir nach wie vor das beste Actionrennspiel und gerade letzte Woche habe ich es zum 5. mal (oder so) durchgespielt.Die Wagen schlittern sofern man nicht auf Asphalt unterwegs ist extrem und anstatt zu bremsen kann man einfach den Wagen schon 50m vor der Kurve querstellen und hereinrutschen. Das macht einfach enorm viel Spaß und trotzdem ist es fahrerisch anspruchsvoll da man eine ordentliche Linie fahren sollte und den richtigen Winkel zwischen zu viel Tempoverlust und Abflug braucht.Leider ist das Spiel auf LAN aber nicht konsensfähig.Dafür gibt es den zweiten Teil, der ist zwar in vielerlei Hinsicht verbessert (insbesondere die Minispiele) und dank der geringeren Wahrscheinlichkeit für Totalkatastrophen bei Kollisionen macht das Crashen und Dinge kaputtfahren noch mehr Spaß, leider haben sie aber das Fahrmodell umgestellt. Dadurch habe ich bislang nie mehr als 1 oder 2 Klassen gefahren beim Versuch es ein zweites Mal im SP durchzuspielen und bin dann immer wieder bei Teil 1 und meinem Original Speedevil gelandet.Im LAN sind die Stunts bis 4 Personen aber Klasse, und wenn man damit angefangen hat bekommt man dann schnell mehr Leute für ein Crashderby zusammen. Rennen fahren mag eigentlich fast niemand, nur Crash Alley zwischendurch.Deswegen war Ultimate Carnage trotz marginaler Verbesserungen auch ein geplanter Pflichtkauf. 12 statt 8 Spielern wären super und für uns ausreichend gewesen, aber da man ja den LAN Modus entfernt hat können sie sich das nun abschminken. Nicht mal als 10€ Version aus der Pyramide brauche ich das nun.

  14. Harzzach sagt:

    aber da man ja den LAN Modus entfernt hat können sie sich das nun abschminken. Aber, aber … es hat doch ganz arg tolle Games for Windows Live-Untersützung? Will das denn keiner haben?:)

  15. Scruffy sagt:

    Flatout ist einfach kein Internetspiel, auch ohne Windows Live. Außerdem hilft das auf einer LAN ohne oder nur mit DSL 1000 wenig. Keine Ahnung wer das nicht erkannt hat, aber ich hoffe er entscheidet jetzt nur noch über das Putzmittel für die Toiletten.Ich warte gespannt auf Burnout für den PC. Aber das ist denke ich auch eher ein Flatout 2.

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