Unter dem Radar – The Hobbit

Als vor einigen Jahren der erste Teil von Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung in den Kinos startete, wurden wir nebst all den üblichen, begleitenden Merchandising-Produkten natürlich auch mit einem Haufen Spiele überschüttet.

Neben EA’s verschiedenen Film-Lizenztiteln wie „Schlacht um Mittelerde“, gab es von Sierra zwei Spiele, die ihre Lizenz direkt von den Büchern bezogen und nicht auf dem Film basierten. Im Nachhinein betrachtet eine teure, sehr teure Fehlentscheidung, da das Publikum angesichts des Hypes um die Filme NATÜRLICH das Look & Feel der Filme erwartet hatte. Demenstprechend fielen Sierras Titel auch gnadenlos durch.

Dabei waren das keine schlechten Spiele. Wirklich nicht …

Einer dieser Underdogs ist „The Hobbit„. Wie sein ebenfalls vom Erfolg verschont gebliebener Kollege „The Lord of the Rings: War of the Ring„, so bietet auch dieses Spiel nichts, was man auf die eine oder andere Art schon dutzendfach aus anderen Spielen kennt. Aber wie ein „War of the Ring“ für eine Weile gute Unterhaltung und Zerstreuung bietet, so kann man mit „The Hobbit“ ebenso einige vergnügliche Stunden verbringen. Und was bitte, will man mehr von einem simplen Spiel erwarten?

„The Hobbit“ folgt dem bewährten Gameplay-Muster, welches man aus zig 3D-Plattformern kennt. Bilbo Beutlin läuft und hüpft durch bunte, abwechslunsgreiche Level, sammelt dabei Kristalle ein und gibt mit Stich und seinen Wurfsteinen bösartigen Wölfen, Trollen und Orks Saures. Hin und wieder wird auch geschlichen und das Timing, die Beobachtungsgabe des Spielers getestet. Hin und wieder können kleinen Nebenquests erfüllt werden, die den Spieler mit zusätzlichen Healthpoints und Items belohnen. Ein typischer Konsolentitel für eher Jung als Alt, inklusive den üblichen, selbstverständlich besch… platzierten, selten vorkommenden Savepoints.

Alles in allem also ein Spiel, welches ich allenfalls nur mit spitzen Fingern anfassen würde, nur um es ruckzuck in einem Umschlag zu stecken und einem Elektrobucht-Käufer zukommen zu lassen. Aber wie so oft im Leben kommt alles anders als ursprünglich gedacht. Ich weiß nicht mehr, wie ich überhaupt an dieses Spiel gekommen bin. Ich habe es definitiv nicht als Neuware gekauft, auch nicht als Budget. Wahrscheinlich war es Teil einer größeren Spielesammlung, die ich wegen einigen anderen Titeln gebraucht erstanden hatte.

Und so wurde Geschichte zur Legende, Legende wurde Mythos, und zweieinhalbtausend Jahre lang wusste niemand mehr um das Spiel, bis es sich eines Tages einen neuen Spieler suchte. Das Spiel geriet dem Geschöpf Harzzach in die Hände, der es tief hinein in seinen Rechner trug und dort verfiel er dem Spiel … zumindest ein wenig, zugegeben 🙂

Obwohl „The Hobbit“ auf dem Papier so ziemlich alles hat, was mich an Spielen entweder nicht interessiert oder mich annervt, so konnte ich mich eines Tages, nach einem gelangweilten Tscha-schau-mer-mal-kurz-rein, dem zweifellos vorhandenen Charmes dieses Titels nicht entziehen. Mir seiner Gameplay- und Gamedesign-Fehler sehr wohl bewusst, MUSSTE ich mit Bilbo zum Drachenhort in Erebor, im Einsamen Berg reisen. Ich MUSSTE jeden bescheuerten Kristall aufsammeln und ich MUSSTE bestimmte Abschnitte min. ein halbes Dutzend mal wieder und immer wieder spielen, bis ich das Kapitel abgeschlossen oder den nächsten Savepoint erreicht hatte. „The Hobbit“ spielt sich trotz seiner Fehler nämlich so locker-lässig-leicht aus dem Handgelenk, dass ich das Interface ruckzuck vergeße und mich sehr schnell mit dem eigentlichen Spiel beschäftigen kann. Sprünge und Schleicheinlagen scheitern nicht unbedingt daran, dass die Steuerung suboptimal ist, sondern weil ich hier und da einen Fehler gemacht habe und nach dem Neuladen auch nicht lange rumrätseln muss, wie es denn hier weitergehen soll. „The Hobbit“ ist trotz seiner einzelnen, nicht gerade vielversprechenden Elemente, in seiner Summe jedoch eine höchst zugängliche und vergnügliche Angelegenheit.

Optisch wird einem die übliche Standardkost geboten. Nicht ausdrücklich häßlich, hin und wieder ganz nett, alles in allem recht akzeptabel. Solide Handwerkskost auf gutem Niveau.

Womit sich „The Hobbit“ aber besonders auszeichnet, ist die hervorragende, mit Awards bedachte Tonspur von Rednote Audio aka Rod Abernethy, einem in der Branche hoch dekorierten und geschätzten Komponisten etlicher Spiele-Soundtracks.

Nein, ich habe „The Hobbit“ trotzdem nie durchgespielt. So etwa im letzten Drittel des Spieles gibt es eine recht fiese Folge von Sprüngen, die, kombiniert mit kilometerweit auseinanderliegenden Savepoints mir dann doch den Rest gibt. Doch bis dahin habe ich mich köstlich amüsiert und werde mich auch weiterhin köstlich amüsieren, wenn es mich eines Tages wieder nach diesem Underdog gelüstet.

Übrigens, es ist auch immer wieder sehr angenehm, wenn man bei einem älteren Spiel problemlos, sogar im Spiel selbst, eine 16:10-Widescreen-Auflösung einstellen kann, ohne vorher großartig rumzufrickeln oder sich mit 4:3 (original oder verzerrt) begnügen zu müssen. Wenn ich da zB. an die angeblich technisch so tollen deutschen Entwickler von Phenomic denke, die mich bei zB. Spellforce auf 4:3 festnageln …

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s