Steam-Killer?

Obwohl es der Name vermuten lässt, so ist „Impulse“ nicht der Name für ein neues Herren-Düftchen aus dem Hause HachHuchEiteitei, sondern der vielsagende Name für Stardocks lange angekündigte und nun seit einigen Tagen auf online seiende Distributionsplattform. Denn impulsiv und spontan soll man hier einkaufen und sein Konto plündern.

In der Hoffnung, danach nicht die Reue zu verspüren, die so manch Impulskauf in der Vergangenheit hervorgerufen hat, habe ich mir Client und Portal zur Brust genommen. Und natürlich auch mit Steam, dem großen Konkurrenten (und Vorbild?) verglichen.

Die Bedienung ist simpel und selbsterklärend, die Registrierung ein No-Brainer. Der Clientstart geht im Gegensatz zu Steam deutlich flotter voran. Ob dies daran liegt, dass noch kaum jemand auf Impulse zugreift, Impulse besser programmiert ist oder man einfach eine dickere Leitung als Valve hat, kann ich nicht beurteilen. Es geht einfach nur sehr viel schneller, bis ich an die Inhalte komme. Schaue ich jedoch hin und wieder bei Steam rein (unterschiedliche Tageszeit und Wochentag) nerven mich immer diese unsäglichen Valve-Gedächtnissekunden, bis der Client endlich meine Einwahldaten akzeptiert hat. Da möchte man Steam wirklich Dampf machen! Doch Impulse … flutsch, alles da, los, einkaufen!

Ich kann den Client auch an meine Wünsche anpassen, kann zusätzliche Tabs einrichten, es gibt die üblichen Community- und Foren-Feature. Bereits installierte Titel können (falls von Stardock bereits gekauft) in Impulse registriert werden oder man zieht einfach das Startsymbol in den Client, wo eine Verlinkung auf dieses „Drittspiel“ angelegt wird. Unterscheidet sich hier also nicht sonderlich von Steam.

Sehr erfreulich für mich als fortschrittsfeindlichen Deutschen ist natürlich das Vorhandensein von Paypal als Bezahlweg. Das war zwar schon beim Vorgänger von Impulse, dem TotalGamingNetwork so, ich möchte es aber dennoch nochmals extra erwähnen. Denn Steam-Kunde bin ich auch erst dann geworden, als man nach gefühlten Jahrtausenden ENDLICH auch Paypal für all die kreditkartenlosen Looser aus Europa angeboten hat.

Als Test wähle ich mir „The Chosen“ aus. Ein netter, kleiner RPC-Actiontitel, den ich schon lange im Auge hatte und mit einem Kauf segnen wollte. Titel ausgewählt, in den Warenkorb gelegt, mit Paypal als Zahlungsmethode den Checkout vollführt. An dieser Stelle wurden aber die Testbedingungen etwas verfälscht. Im Hintergrund lief gerade ein Client-Update, welches mich zu einem Neustart aufforderte, damit Änderungen in meinem Impulse-Konto registriert werden können. Ob es daran lag, dass ich mein eben gekauftes Spiel händisch registrieren musste, damit ich es über Client herunterladen konnte, anstatt dass es automatisch in die Liste meiner Spiele eingetragen wird?

Ok, lasse ich eben den Client neustarten und trage danach die Registreirungs-Daten aus der Kaufbestätigungs-Mail ein. Ich starte den Download und Impulse lässt mich ein beliebiges Verzeichnis auf meinem Rechner auswählen, anstatt es ungefragt irgendwo in den Untiefen des Programmverzeichnisses zu verstecken (Steam, Gametap).

Die Downloadgeschwindigkeit ist aber nicht so dolle, um es höflich auszudrücken. Zugegeben, noch vor wenigen Jahren wäre ein Download-Stream von ca. 300-500 KB/s ein unerfüllbarer Traum gewesen, aber Steam reizt eben die gesamte verfügbare Bandbreite aus, die auf Clientseite zur Verfügung stehen. Ob sich dies noch ändern wird, ob dies nur temporär am Anfang so ist bis die Server-Kapazitäten ausgebaut werden, weiß ich nicht. Doch jedweder Zeitgewinn durch den flüssigen Clientstart wird hier x-fach wieder aufgefressen. Das MUSS schneller gehen. The Chosen hat gottlob nur etwa 430 MB Umfang, doch die Vorstellung ein „größeres“ Spiel zu kaufen und dann etliche Stunden zu warten, bis endlich alle Daten auf den Rechner tröpfeln … nää, das kann man so nicht machen.

Doch endlich geschafft. Die Spieldaten werden entpackt und installiert, ich kann nach Wunsch ein Desktop-Icon anlegen. Was ich auch mache, da mein vorher gewähltes Zielverzeichnis nämlich leer ist und ich gerne wissen möchte, wo denn die Spieldaten gelandet sind. Ahh, das Standardverzeichnis, wie es im Client festgelegt werden kann. „Programme/Spieleordner“. Hmmm … dann wiederholen wir das aber nochmal, vielleicht habe ich vorhin etwas falsch gemacht. Ich de-installiere das Spiel über den Client. Es bleibt jedoch ein Null-Byte-File auf dem Desktop übrig, das Icon wurde nicht vollständig de-installiert, die Spieledaten jedoch schon. Schönheitsfehler!

Beim zweiten Download (ich schreibe hier übrigens on the fly, parallel zum Geschehen), als hätte man mein Rumgeflenne vernommen, sausen die Daten mit ca. 1,5 MB/s durch die Leitung. Na also, geht doch 🙂

Es wird auch beim zweiten Mal das Standardprogrammverzeichnis ausgewählt, das individuelle Installieren klappt nicht. Immerhin kann ich das Standardverzeichnis getrennt für Programme und Spiele einstellen, so dass dieser Schönheitsfehler umgangen werden kann.

Es werden aber immerhin die originalen Spieldaten installiert, anstatt wie bei Gametap sie zu verschlüsseln, so dass man händisch Änderungen an Config-Files oder Spieldaten vornehmen kann, wenn man das möchte. Gametap-Spiele wie zB. Deus Ex lassen sich daher nicht modden und nicht anpassen.

Kommen wir nun jedoch zum Knackpunkt von Impulse. Dem Feature, in welchem sich Impulse ganz grundlegendend von Steam, Direct2Drive, Gamesload und anderen Plattformen unterscheidet. Kein DRM! Keine Aktivierung der gekauften Software. Ein richtiger Kauf (!) und keine verkappte, getarnte Miete.

– Ich schliesse also die Internet-Verbindung vor dem ersten Spielstart. Das Spiel startet.
– Ich de-installiere Impulse. Das Spiel startet.
– Ich schiebe das Spielverzeichnis auf eine andere Festplatte. Das Spiel startet.
– Ich schiebe das Spielverzeichnis auf einen anderen Rechner. Das Spiel startet.
– Ich archiviere das Spiel … halt, ich will ein Backup über die „Archive Application“-Funktion anlegen, wobei sich aber nichts tut. Ein Bug? Ein Bug! Ich kann aber den Installationsordner irgendwo hinschieben, packen, brennen, whatever … das Spiel startet auch so.

Bis auf ein paar Kleinigkeiten und fehlende Komfort-Features (das Handling der gekauften Programme im „My Games“-Tab könnte deutlich besser sein) erfüllt Impulse die Versprechungen. Es ist nichts weiter als eine Einkaufsplattform für Programme, der Client ist nichts weiter als ein nettes Tool, mit dem man die gekauften Programme bequem aktuell halten und sich diversen Community-Dingen erfreuen kann. Ich brauche den Impulse-Client nur zum Downloaden der Spieldaten, der Kauf selbst kann auch über die Impulse-Webseite erfolgen. Wie ein Laden, in dem man geht, eine Verpackung aus dem Regal nimmt, an der Kasse bezahlt und man danach nie wieder etwas mit dem Geschäft zu tun haben muss. Das dort gekaufte Programm gehört mir ganz alleine und ich kann das Programm auch noch in tausend Jahren starten, wenn Stardock und Impulse längst Geschichte sind. No fuckin DRM! Was ich bezahle, gehört mir auch!

Ist „Impulse“ nun ein Steam-Killer? Nun, bezüglich DRM auf jeden Fall! An Komfort-Funktionen muss man aber noch zulegen und natürlich auch am Software-Angebot. Vor allem in diesem Bereich hat Steam immer noch kilometerweit die Nase vorn.

Zwa kann ich kann in den Impulse-AGBs keinen Passus finden, der mir in der Theorie das Weiterverkaufen verbieten will, aber was mich bei beiden Plattformen noch stört, sind die Umwege, die man gehen muss, um das gekaufte Programm wieder zu veräussern. Wie bei Steam, so sollte man idealerweise für jeden Kauf einen eigenen Account mit eigener Mail-Adresse (idealerweise ein 08/15-Account bei einem Webmailer) anlegen. So kann man einzelne Titel wieder verscherbeln und muss weder alle Spiele in dem Account, noch vertrauliche Daten freigeben. Dies ist auch der Grund, warum ich bislang kaum solche Plattformen genutzt habe und sie auch weiterhin nur marginal nutzen werde. Noch habe ich nicht die vollständige Kontrolle über meine erworbenen Waren.

Impulse legt aber auf jeden Fall einen besseren Start als Steam hin, wirkt auf Anhieb recht ausgereift. Bugs findet man zwar an allen Ecken und Enden, aber das sind eher kosmetische Sachen und Bugs der Klasse B. Grundsätzlich fuktioniert das alles und erzeugt nicht den Eindruck, dass ich als Käufer jetzt Geld für irgendeine Abzocke zum Fenster rausgeworfen habe. Und was nicht ist, wird auf jeden Fall noch werden.

Und? Kann ich „Impulse“ empfehlen? Nun, es ist Euer Geld und Eure Entscheidung (und angesichts des derzeitigen Spieleangebotes) auch Euer Geschmack. Ich finde bislang aber nichts gravierend Negatives und spreche daher keine Warnung aus 🙂

Soll jeder für sich selbst entscheiden …

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Corporate.

9 Kommentare zu “Steam-Killer?

  1. Svennö sagt:

    Die Frage ist: Wird das ankommen?!Ist kein DRM das Killerfeature?! Ja, klar..für dich und mich vielleicht.Aber im Zeitalter von „DRM is mir doch egal“, Payback-Karten, „Lauschangriff?! ICH hab nix zu verbergen“ sind Dinge wie Datenschutz und Kauf von Inhalten DIE MAN BEHALTEN DARF ja schon fast out und „uncool“.“Usability“ finden auch nur alte Säcke wichtig 😉

  2. Anonymous sagt:

    Nasowas, erst gestern habe ich mir einen Paypal-Account angelegt um endlich die Addons von GalCiv II zu bekommen. Hoffentlich kann ich das auch jetzt noch obwohl ich das Hauptprogramm bei der alten Stardock-Seite registriert habe…Mal schauen, und dann noch ganz ohne? Kopierschutz und DRM.Nur so bleibe ich dem PC als Zockerplattform treu

  3. Harzzach sagt:

    Die Frage ist: Wird das ankommen?!Ist in erster Linie abhängig vom Spiele-Angebot. Steam ist ja auch nur deswegen so erfolgreich, weil es HL2, CS und Konsorten bietet. Steam als Plattform wird deswegen meist ertragen, nicht unbedingt mit Freuden angenommen. Ohne HL2 und Co. … wäre Steam nur einer von vielen Nischendiensten, die verzweifelt nach Kunden suchen.

  4. Joe sagt:

    Arg, Vista, vade retro satanas! Ich dachte hier geht’s um ohne DRM? 😉 Naja, das sei erstmal beiseite gelassen. Sieht für mich wie ein guter Ansatz aus. Das unseriöse PayPal ist für mich allerdings kein Kreditkartenersatz, sondern ein No-Go. Hier würde ich mir die Unterstützung alternativer Bezahldienste (Moneybookers etc.) wünschen.

  5. Harzzach sagt:

    Vista? Wo denn? :)Das ist der Client. Der sieht nunmal so aus, wie er aussieht.

  6. Frank sagt:

    Kann ich mir nicht helfen, in Sachen Erwerb von digitalen Medien (egal ob Musik, Filme oder eben Spiele) gehöre ich wohl in die Liga der Methusalems. Ich hab lieber was im Regal stehen. Wenn ich was von ner Platform für teuer Geld runter lade kann ichs doch im Prinzip auch über Bittorrent oder Rapidshare ziehen und hab somit den gleichen Content nur für um sonst….. Bin ich so veraltet oder sieht das noch wer so?GrußFrank

  7. Harzzach sagt:

    Besitz ist etwas sehr, sehr wichtiges. Besitz und etwas anfassen und haben, etwas zu besitzen ist ein tief verwurzelter Wunsch in unserem Inneren.Darum tun sich zB. auch die „legalen“ Musik-Downloads so schwer. Selbst die allmonatlichen iTunes-Jubelmeldungen enthalten nur einen Bruchteil dessen, was tatsächlich ausserhalb der „legalen“ Welt an Musik oder Filmen durch das Netz rauscht. Der Mensch möchte gerne besitzen, haben, anfassen. Etwas von Wert haben, wenn er schon Geld ausgibt.Selbst die Jubelarien von Blizzard bez. WoW können nicht den Umstand überdecken, dass (gesetzt den Fall, jeder Account wäre eine individuelle Person) alle Accounts der Top10 der MMO-Charts zusammen nur einen kleinen Teil des gesamten Kundschaft für Spiele ausmachen.Eine physische Kopie haben, etwas im Regal stehen haben, etwas fühlbar zu besitzen … das will immer noch die überwiegende Mehrheit der Kundschaft und daran wird sich auch in den nächsten Jahrzehnten kaum etwas ändern. Jungen Menschen ist das nicht so wichtig, aber je älter man wird, desto mehr legt man Wert auf handfeste, dauerhafte Dinge.Umso wichtiger ist daher auch, dass Donwloads, dass reine Informationen maximal besitzbar sein müssen, damit sich dieser Vertriebsweg auf Dauer und in der Breite etablieren kann. Oder Downloads müssen deutlichst (!) preiswerter werden. Wenn ich jedoch sehe, dass ein Download EXAKT das gleiche kostet wie eine Retail-Version mit Verpackung und Gezumsel … warum sollte ich dann den Download „kaufen“?.

  8. Swen sagt:

    Kann ich ein einmal gekauftes Game auch ein zweites oder drittes mal runterladen, weil z. Bsp. meine Festplatte abgeraucht ist? Oder ist das nicht möglich, weil ich ja von den unverschlüsselten Daten ein Backup machen kann. Und auf wievielen Rechnern kann ich den selben Account laufen lassen?

  9. Harzzach sagt:

    Kann ich ein einmal gekauftes Game auch ein zweites oder drittes mal runterladen, …So oft Du möchtest. Kenne eigentlich keinen Download-Dienst, bei dem das nicht so wäre.Und auf wievielen Rechnern kann ich den selben Account laufen lassen?Ich habe nichts von einer Beschränkung diesbezüglich festgestellt. „Impulse“ hat ja kein DRM 🙂

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