Retro-Non-Gaming-Interludium II: Conan the Barbarian

Ich weiß ja nicht, ob Sie’s schon wußten … aber ich bin mittlerweile ein alter Sack, der seine Jugend in den 80ern verschwendet hat. Betrübt bin ich deswegen nicht. Auch hege ich keine romantischen Gefühle gegenüber dieser Dekade und heiße auch nicht alles gut, was in dieser Dekade das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. Hey, wer Hubert K. und Kajagoogoo (ich empfehle den Link „Music Player“) überstanden hat, wer weiß, dass vor allem die NDW letztendlich zu einem grauenvollen Marketing-Tool der Musikindustrie mutierte, der weiß auch, dass hier wahrlich nicht alles Gold war, was damals glänzte 🙂

Doch hin und wieder, ab und an, da gab es Perlen, die man nicht vergessen sollte, die man nicht vergessen darf. Zu diesen Kleinoden zähle ich „Conan The Barbarian“.

Auch wenn John Milius zwei Jahre später mit „Die rote Flut“ einen der peinlichsten Filme der 80er schuf, so passt sein nietzsches Weltbild geradezu perfekt zu Conan und der fiktiven Vergangenheit, in der dieser Charakter gelebt haben soll. Ich war damals mit einigen Schulfreunden ein Conan-Aficionado, ein Conan-Fan auf gut deutsch. Conan, grundsätzlich alle Werke von Robert E. Howard, war all das, was sich so ein heranwachsender Jungmann wünschen konnte. Action, Fantasy, schöne Frauen, bestialische Monster und fiese Zauberer. Robert E. Howard war Gott! Schlichtweg DIE perfekte Unterhaltungs- und Abenteuerliteratur. Flohmärkte wurden damals fast überregional nach Terry-Fantasy-Taschenbüchern aus dem Pabel/Moewig-Verlag abgesucht, in denen die Abenteuer von Kull oder Bran Mak Morn erschienen sind. Alte Heyne-Taschenbücher wurden dem Händler aus den Fingern gerissen, viel zu viel Taschengeld wanderte für die Marvel-Comics über die Ladentheke und als wir, passend zum Filmstart, die Neuauflage bei Heyne fast auf täglicher Basis in der Schule gegenseitig tauschten, da wurde selbst unsere Deutschlehrerin hellhörig und malte (natürlich) gleich die schwärzesten Farben an die Wand des drohenden Untergangs dieser unserer Zivilisation.

Doch wen ficht das Geplärre alter Weiber an, wenn nur wenige Buch/Comic-Seiten weiter Conan Göttern wie Dämonen gleich zeigt, dass nun die Zeit des Menschen angebrochen ist, dass Autorität locker-leicht hinweg gefegt werden kann, wen man nur an richtiger Stelle eine scharfe Klinge einsetzt 🙂

Sicher, man würde heute den Film wohl flotter inszenieren. Bessere Effekte und wildere Kamerawinkel und so. Dennoch funktioniert „Conan The Barbarian“ auch heute noch. Er funktioniert, wenn man die Romane Howards und seiner Epigonen wie Lyon Sprague de Camp, Robert Jordan und Lin Carter in- und auswendig kennt. Er funktioniert, wenn man einfach „nur so“ reinschaut. „Conan The Barbarian“ ist ein konsequenter Historienschinken über eine Vergangenheit, die so vielleicht stattgefuden haben könnte. „Conan The Barbarian“ nimmt seine Charaktere ernst und lässt sie nicht, wie im Nachfolger, zu Witzfiguren verkommen. „Conan The Barbarian“ zeigt eine Welt, in der es rauh und derbe und direkt zur Sache ging. „Conan The Barbarian“ erzählt in einfachen Bildern und einfachen, wenigen Worten eine einfache Rachegeschichte. Und wer mehr möchte, so erzählt dieser Film auch eine Geschichte über falsche Religionen und die Abgründe der sog. Zivilisation. „Conan The Barbarian“ kann auch als atheistischer Propagandafilm interpretiert werden, was zu dem Geläster passt, das wir als Jugendliche untereinander hatten, als wir fast schon resignierend meinten, dass es kein Wunder ist, dass es heute so wenige Wunder auf der Welt gibt, wenn doch „damals“ Conan alles niedergemetzelt hat, was auch nur ansatzweise dämonisch war.

„Conan The Barbarian“. Kein Film, der Kultur und Zivilisation verhöhnt, so wie manche Kritiker damals wie heute meinen. Sondern ein Film, der „nur“ eine verdammt gute Geschichte erzählt. Und der ohne einen Arnold Schwarzenegger nichts weiter als ein lächerlicher, italienischer Sandalenfilm aus den 60ern geworden wäre.

Und der vor allem ohne diesen phänomenalen Soundtrack, der weite Teile des relativ dialogarmen Filmes trägt, nichts weiter als ein belangloses Hollywood-Produkt geworden wäre.

Lauscht, oh lauscht …

Sorry, aber heute nicht bequemerweise als Stream, sondern nur als einfaches Filelisting. Was Euch aber wohl vor keine Hindernisse stellen wird 🙂

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4 Kommentare zu “Retro-Non-Gaming-Interludium II: Conan the Barbarian

  1. Frank sagt:

    Wenn ich an Conan denke muss ich eigtl zuerst immer an James Earl Jones in peinlicher Perücke denken :)Spass bei Seite, gebe dir Recht! So wie fast alle Schwarzenegger-Filme in geselliger Runde ein durchaus nettes Werk!GrußFrank

  2. Shoba sagt:

    Ach ja…. Conan der Barbar. Ich glaub ich weiß was heute Abend mal wieder in den DVD Player wandern wird.Witzig finde ich ja, das Schwarzenegger aufgrund seines Dialekts in dem Film kaum etwas sagt. Meist werden ihm die Worte in den Mund gelegt und er nicht nur stumm. Letztendlich sollte man sich dennoch im Orginalton ansehen … zumindest einmal. Auch wenn Conan auf einmal so klingt, als komme er aus der tiefsten Steiermark, aber die meisten anderen Charaktere wie z.B. Thulsa Doom welcher von James Earl Jones im Original einfach besser klingen.

  3. Dynamitrios sagt:

    Kann ich absolut nur zustimmen, obwohl ich Conan erst in de neunzigern erst richtig angeschaut habe. (1982 war ich erst 9 🙂 )aber es ist wahr das Conan the Barbarian einer der besten Filme der 80er ist (und eine Koexistenz mit „das Fliegende Auge“ auf Platz 1 der persönlicen Favs der 80ties fürhen muss).James Earl Jones und ARnie in ihren besten Rollen.Der zweite mit Grace Jones war auch nicht schlecht, allerdings viel zu kommerziell im vergleich mit dem ersten.Ja, Conan, schon ein geiler Film

  4. Christian sagt:

    IMO ein Meisterwerk.Nicht nur die Story auch die Bidlsprache und wie du schon schrubst, die Musik von Basil Pouledoris machen den Film zu ienem Ganzen.Alleine wenn der Vorspann beginnt und aus dem geschmolzenen Eisen das Schwert geschmiedet wird.Ganz toll auch folgender Dialog:“Was ist das schönste im Leben eines Mannes?“ – „Die weite Steppe, ein schnelles Pferd, der Falke auf seiner Faust und der Wind in seinem Haar!“ – „Falsch!! Conan – sag du es mir!“ – „Zu kämpfen mit dem Feind, ihn zu verfolgen und zu vernichten und sich zu erfreuen am Geschrei der Weiber!“ MuahahahaCooler gings damals nicht mehr.

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