Schönheit und Verschwendung

Immer wieder in den letzten Jahren setzten sich Entwickler das Ziel, der Welt das bis dato „schönste“ Echtzeitstrategie-Spiel zu präsentieren.

Da haben wir zB. ein „Rise of Legends„, welches durchaus den einen oder anderen Schönheitspreis gewinnen könnte. Da wird gepixelshadert und gebumpmapped, dass handelsübliche Graphikkarten aus dem Erscheinungsjahr 2006 (nur lächerliche zwei Jahre zurück in Richtung Urknall) nicht nur ins Schwitzen, sondern nahe dem drohenden Hitzetod waren.

Da haben wir zB. ein „Age of Empires 3„, bei welchem man seitens des Entwicklers zwar stolz betonte, wie innovativ die Verwendung von Pixelshadern und aufwendiger Physik-Engine im RTS-Genre war, gleichzeitig aber das Kunststück schaffte, trotz aller Technik nur einen optischen Langeweiler zu produzieren.

Schaut man sich zwei aktuellere Spiele aus deutschen Landen an, „Anno 1701“ oder „Siedler 6„, so sieht das zwar durchaus hübsch aus, beim Betrachten von Screenshots, Ingame-Videos oder beim eigenen Spielen klappt da nur selten die Kinnlade gen Bodenlevel. Zu gewöhnlich wirkt der Graphikstil, zu sehr 08/15 das Art Design.

Und was hat uns die letzte Zeit gebracht? Nun, dass ein „Command & Conquer 3“ schlecht aussieht, kann man ja nicht gerade sagen. Da wird mit Effekten nicht nur geklotzt, da werden ganze Eisenbahnwagenladungen an aktuellen Graphik-Routinen in die GPU des heimischen Rechners gepackt. Dennoch würde mir niemals einfallen, C&C3 als „schön“ zu bezeichnen. Effektvoll? Definitiv! Aber schön?

Auch ein „World in Conflict“ oder ein „Company of Heroes“ sind jetzt nicht gerade dafür bekannt, besonders geeignet für ältere Notebook-Prozessoren zu sein. Will man hier die maximale Graphikpracht haben, so muss man schon ein Vista und DX10-Hardware sein Eigen nennen. Und wie bei C&C3 muss ich auch in diesen Fällen sagen, dass an Effekten und Aufwand nicht gespart wurde, um die Schlachtfelder des Zweiten und eines hypothetischen Dritten Weltkriegs so realistisch wie nur möglich darzustellen, doch „schön“ ist das nicht anzusehen.

Gut, welches ist denn nun das „schönste“ RTS der letzten Jahre?

Meiner Meinung nach ist das „Ground Control 2„. Hier stirbt man in Schönheit. Die Ruinenfelder sind ästhetisch, der Sonnenuntergang schmückt die niedergehenden Landungsfähren mit einem herrlichen Orangeton und wenn man die frei bewegbare Kamera entsprechend schwenkt, richtet sich der Blick auf einen fremden Horizont, über dem Trümmerringe im fernen Orbit und zwei Sonnen exotisches Flair verbreiten. Bei GC 2 wird meiner vollkommen subjektiven Meinung nach nur so in optischer Pracht, in Farben und Formen geschwelgt.


So, und wo ist jetzt die Verschwendung?

Nun, leider, leider ist Ground Control 2 das mithin hektischte RTS der letzten Jahre. Nicht ganz so adrenalingeschwängert wie ein „Z„, aber wer hier gewinnen will, der muss selbst in der Kampagne ständig auf Zack sein. Katzengleiche Reflexe, ein Rundumblick wie eine Libelle und paralleles Denken sind dabei sehr von Vorteil. Sprich … man hat überhaupt keine Zeit sich all diese Pracht anzusehen!!! Was mich dann zu der Frage bringt, wozu dieser Aufwand, wenn man davon während des Spieles überhaupt nichts hat?

Was für eine Verschwendung!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Review.

6 Kommentare zu “Schönheit und Verschwendung

  1. Manfred sagt:

    Eigentlich finde ich optisch alle genannten Spiele ganz nett. Richtig hässliche Spiele wie Empire Earth hast du ausgelassen. AOE3 fand ich als es raus kam wirklich eines des hübschesten RTS Games. Und eigentlich ist Grafik bei RTS Nebensache. Man hat sowieso keine Zeit die Grafik zu bewundern.Und Spiele wie das dritte DOW Addon habensich auch ohne Topgrafik verkauft.

  2. Zant sagt:

    „Richtig hässliche Spiele wie Empire Earth hast du ausgelassen. AOE3 fand ich als es raus kam wirklich eines des hübschesten RTS Games.“Dem kann ich nur beipflichten. GC2 sieht aber von den Screenshots her auch sehr öde aus, sorry.Supreme Commander ist m.E. recht hübsch. Aber seit wann bewertet man RTS nach der Optik? Starcraft 2 wird sicherlich die Messlatte verschieben, wenn auch ohne große DX10-Effekte.

  3. Harzzach sagt:

    Aber seit wann bewertet man RTS nach der Optik?Das war schon immer so! Wie bei nahezu jedem Genre seit der großflächigen Einführung von 256-Farben-VGA-Graphik 🙂

  4. Zant sagt:

    Also seit Dune 2? 😉

  5. Harzzach sagt:

    Richtig, seit Beginn aller Zeiten … 🙂

  6. seflue sagt:

    Also ich muß dir ja in einem Punkt recht geben, Ground Control 2 ist richtig chic (speziell der Himmel und was man davon in Spiegelungen im Wasser sieht). Und ja, es ist teilweise bockeschwer. Aber daß man keine Zeit hätte, sich das Spielgeschehen anzugucken? Wenn ich mich recht entsinne, gabs da eine Pause-Taste, die auch essentiell war, um bei den Spiel einen Stich zu sehen.Es ist möglich, daß ich das jetzt mit der Homeworld-Reihe verwechsel, dort war man ja ohne Pause-Funktion völlig aufgeschmissen. Aber es wäre auch gleich noch ein Beispiel für ein (Strategie)-Spiel, was mit relativ wenig technischem Aufwand eine sehr stimmungsvolle Grafik auf den Bildschirm zaubert (gilt meiner Meinung nach für alle 3 Spiele der Reihe).Was fällt mir noch so ein? Der Comic-Stil von WarCraft 3 mag Geschmackssache sein, ist für mich aber definitiv auch ein Beispiel, wo die Grafikdesigner sich richtig Mühe gegeben haben, die Technik für ihre Zeit nicht der Oberhammer ist, das Ergebnis optisch aber (so man den Stil mag) doch zu überzeugen weiß.Aber du hast recht, aus der Pixel-Shader-Ära fällt mir jetzt auch kein weiteres Spiel ein, wo die Grafiker sich wirklich Mühe gegeben hätten. Viele Effekte, aber wenig Kunst.

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