Retro-Non-Gaming-Interludium I: Red Heat

Ich glaube, das letzte Mal hatte ich diesen typischen Cop-Buddy-Movie vor zwanzig Jahren gesehen. Als er in (west)-deutschen Kinos lief. Kinder, wie die Zeit vergeht. Die Perestroika war in aller Munde, die Sowjetunion nicht mehr das Reich des Bösen und Deutschland noch zwei Staaten. Als damaliger, typischer Jungmann im zarten Alter von 22, war der Besuch dieses Filmes natürlich Pflicht. Es war die große Zeit von Arnie! Als er noch zuschlug, dann einen trockenen Oneliner von sich gab … und dann wieder zuschlug. Und bitte keinen Gesichtsmuskel bewegen! Wie gesagt, Pflichtbesuch!

Und jetzt, zwanzig (!) Jahre später schaue ich diesen Film an und bin erneut hin und weg. Während andere Kult-Filme der 80er, wie zB. „Streets of Fire“ oft nicht mehr so zünden wollen, da überrascht „Red Heat“ mit einer Spritzigkeit, die auch nach diesen beiden Jahrzehnten immer noch funktioniert. Die Chemie zwischen James Belushi und Schwarzenegger stimmt, die Kombination beider Charaktere und Rollen köstlich. Auch alle Nebenrollen sind erstklassig besetzt. Ein blutjunger Lawrence Fishburn, bevor er mit Klippschul-Philosophie Weltruhm erlangt hat. Ein Peter Boyle (der leider vor zwei Jahren verstarb). Und ein Brion James (ebenfalls nicht mehr unter uns weilend) in einer kleinen Nebenrolle.

Die Gags zünden immer noch (trotz zT. deutlicher Zeitbezüge), die Action ist krachig und flott geschnitten. Sämtliche Vorurteile, die man als unwissender Westler über diese seltsamen Russen hatte, werden ohne Hemmungen ausgelebt, OHNE dass sie jedoch herablassend oder entwürdigend wirken. Red Heat stellt dieses Hollywood-Moskau (bis auf die Aufnahmen des Roten Platzes in Budapest gedreht) mit Charme und Augenzwinkern dar. Gerade weil alles so maßlos übertrieben wird. Was auch den Erfolg vieler Schwarzenegger-Filme ausmachte. Maßlose Überteibung bis hart an der Grenze zum Comic!

Und … was uns plötzlich richtig seltsam und unwirklich vorkam, soweit ist es schon gekommen … es werden in einem BigBudget-Hollywoodfilm nackte Titten gezeigt. Und Mumus. Deutlich, einige Sekunden lang! Absichtlich!! Denkt doch an die Kinder! *kreisch*

Nicht, dass uns das gestört hat, Gott bewahre, aber … in einem 08/15-Hollywood-Film? Heute trotz Streifen wie Brokeback Mountain oder Monster’s Ball fast undenkbar. Der Einfluss der Zensoren der Moralischen Mehrheit scheint sich von den „Verirrungen“ der FlowerPower-Zeit gut erholt zu haben. Und wir haben uns, nicht gerade angepasst, aber schon so daran gewöhnt, dass Hollywood-Filme meist vollkommen keimfrei sind, was Sexualität angeht, dass uns hier fast der Schlag getroffen hat. Wie gesagt, es sind 20 Jahre verstrichen, die Welt dreht sich weiter … ach ja, und gequalmt wird auch, als ob es kein Morgen gibt. Herrlich unbeschwerte Zeiten! Keine moralinsauren Saubermänner, keine Gesundheits-Nazis auf Kreuzzug! Früher war alles besser *heul* 🙂

Anyway, überraschenderweise immer noch ein sehr guter Buddy-Action-Film. Lustig, spannend, unterhaltsam! Und dank Original-Tonspur auch endlich eine Sprechrolle für Arnie, in der sein Markenzeichen, der heftige steyrische Akzent wunderbar passt.

Wer, wie ich, mittlerweile ein alter Sack ist und allmählich beginnt, selbst unbewusst den alten Zeiten hinterher zutrauern … „Red Heat“! Anschauen, 100 Minuten Spass haben!

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8 Kommentare zu “Retro-Non-Gaming-Interludium I: Red Heat

  1. Frank sagt:

    Ich gebe zu, ich habe den Film damals nicht im Kino gesehen (war zu der Zeit grad mal in der Grundschule:)), dennoch haben mich all die Schwarzeneggers, Stalones und wie sie alle heissen auf meinen Weg zum Erwachsenwerden begleitet. Ich schaue mir Arnies Filme auch heute noch gern an, und damit ist nicht nur seine Paraderolle als T800 gemeint sondern auch die eher trashigen Filme wie bspw. Phantom Commando (absolut gewaltverherlischend aber ziemlich trashig). Zu meinen Lieblingen gehört aber vor allem Predator 1 und der absolut geniale Total Recall (neben Robocop Verhoevens bester Film).Gruß Frank

  2. Svennö sagt:

    Mumus?! VIEL SCHLIMMER: DIE RAUCHEN! ;-)Geil auch: Rocky IV, mit Dolph Lundgren als russischem Boxer. Geniale Dialogzeile: „Wenn er tot ist, ist er tot“ 😀

  3. Frank sagt:

    Zu dem Thema fällt mir nur ein:“Was ist das?““Blaues Licht!““Und was tut es?““Es leuchtet blau!“Hab mich vor Jahren schon darüber schief gelacht… wer diesen Dialog aller Dialoge mal „live“ erleben möchte sollte sich mal Rambo 3 antun :)Gruß aus dem sonnigen NürnbergFrank

  4. martin sagt:

    Hi,stimmt, Red Heat war/ist klasse. Da hat Arnie angefangen so etwas wie ein Schauspieler zu werden. (OK er hat vorher Predator und Twins gemacht, aber das war noch nichts halbes und nichts ganzes)Lawrence Fishburn war damals aber schon nicht mehr blutjung, das war er zehn Jahre vorher, als er in Apocalpse Now Tyrone Miller gespielt hat. (Unvergesslich seine Jagger Parodie zu I can’t get no…) Der Mann ist Jahrgang 1961 (ein guter Jahrgang…)Greetings

  5. Buuh sagt:

    Ach Leute: Es ist schön zu lesen, dass auch Andere die eigene Dekadenz bis ins hohe Alter gerettet haben. (Puhh. Ich bin nicht alleine)Arnie, Doph, Jean-Claude … Unser stillen Helden für entspannte und sorgenfreie Minuten. Mit ‘ner Kippe einen Kippen und Chips dazu. Eine ganze Tüte. Fein.Na,- und wenn einer einen nicht klopp,- aber trotzdem lach Film gucken will, schlage ich M.A.S.H. vor. Mein persönlicher Favorit für Sorglosglotze. Nicht den Gammel als Serie, der so lahm ist, dass die Mücken auf dem Rücken kleben. Neiiin. Das Original mit Donald Sutherland. Das isses. Ein wenig Blut fliest auch, ein Mops ist auch dabei. Na also. Gut für ein bis zwei Tüten Krümel auf der Couch und ein flottes Blondes.

  6. jge sagt:

    Mir gehts genau umgekehrt. Neulich habe ich ein Arnie-Steelbook mit 4 Filmen geschenkt gekriegt: Total Recall, Red Heat, der City Hai und True Lies. Von allen diesen funktioniert für mich nur noch die jüngste Produktion, True Lies. Red Heat fand ich im Wiedersehen vorhersehbar und flach und viel zu viel Herumgeballer. Und dass es flach ist, liegt nicht nur an Arnie, sondern auch an Belushi. Für mich kommt der große Abstand auch dadurch zustande, dass die Klischees eben früher noch nicht so doll Klischees waren: irgendwann hat man das ja auch zum ersten Mal gesehen.

  7. jge sagt:

    Muss noch hinzufügen, dass es auch Filme gibt, mit denen ich früher nichts anfangen konnte. Gerade habe ich The Big Lebowski wieder gesehen, und inzwischen finde ich das lustig. Ist allerdings nicht ganz so alt wie Red Heat usw.

  8. Anonymous sagt:

    Ich hab vor kurzem endlich Aim for the Top! Gunbuster (von Hideaki Anno) gesehen. 80er Jahre Feeling pur.

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