Unter dem Radar – DS9 The Fallen

Nicht ganz zu Unrecht wurde in den letzten Jahren der Verfall der Star Trek-Lizenz im Spielebereich beklagt. Die glorreichen Zeiten, in denen Phaser und Tricorder zur Grundausstattung eines jeden Gamers gehörten, in denen mächtige Förderationsschiffe von noch mächtigeren romulanischen Warbirds in Stücke geschossen wurden … diese Zeiten scheinen definitiv vorbei zu sein.

Und jedes Mal, wenn sich derartige Klagen erheben, ist die Rede von Raven Softwares „Elite Force„. Oder von „Star Trek Armada„. Oder von den beiden InterplayAdventures, wenn man ein wenig mit seinem Wissen angeben möchte. Und wer sich ganz schlau geben möchte, der erzählt noch etwas über ein Star Trek-Spiel, das es leider nie gegeben hat. In der Regel schliesst man diese Klage dann mit einem Star Trek-Spiel ab, das es leider gegeben hat, um die erbärmliche und klägliche Situation für alle Trekkies zu verdeutlichen. Aktuell kann man noch zusätzlich die Querelen um das MMO-Projekt hinzufügen.

Jedoch kaum jemand, um nicht zu sagen niemand, erwähnt in diesen Auflistungen „Star Trek Deep Space Nine: The Fallen“.

The Fallen halte ich schlichtweg für grandios! Nicht perfekt, nicht fehlerfrei, aber grandios! Da haben wir zum Beispiel die abwechslungsreichen Level, welche man mit Hilfe der Unreal-Engine eindrucksvoll in Szene setzen konnte. Das reicht von den detallierten und originalgetreuen Nachbildungen der bekannten DS9-Sets (Terok Nor Kommandozentrale, Siskos Büro mit Baseball, der Habitatring natürlich inklusive „Quarks“, die Defiant-Sets) bis hin zu wahrhaft gigantischen Abschnitten wie zum Beispiel versunkenen, bajoranischen Tempelanlagen, einem Dschungelplaneten samt Absturzstelle eines maßstabsgetreuen Schiffes der Miranda-Klasse oder dem auch aus der TV-Serie bekannten Gefängnisasteroiden der Jem’Hadar. Habe ich schon das Wort „grandios“ benutzt. Ja? Wurscht, nochmal, nochmal: Grandios!


Dann haben wir natürlich die Originalstimmen der Schauspieler aus der Serie. Gut, dass alleine ist jetzt keine Besonderheit, aber es läuft mir immer noch kalt den Rücken hinunter, wenn ich Andrew Robinson in seiner Rolle als Garak sprechen höre. Selbst wenn ich nur ein kleines Schwätzchen im Replikator-Cafe oder seinem Laden führe. Brrrrr! Aus Gründen, die ich noch nie so wirklich verstanden habe, wurde in fast keinem Star Trek-Spiel der originale Soundtrack lizensiert. Also bekommt man bei The Fallen ein DS9-Hear-A-Like zu hören, welches aber gut genug ist, um für sich stehen zu können. Der Rest der Soundkulisse wird aus den allseits bekannten und auch erforderlichen Originalsounds gebildet. Das Zischen der Phaser, das Anfahren und Stoppen des Zentralelifts zum Habitatring, die cardassianischen Rundschleusen von Terok Nor. Alles da!

Auch in Punkto Spielzeit und Vielfalt zeichnet sich The Fallen aus. Man kann wahlweise Sisko, Worf oder Kira Nerys als spielbaren Charakter wählen und jeder Charakter „erlebt“ aus seiner Sicht die Handlung und Story des Spieles, so dass man im Grunde drei verschiedene Spiele hat. Und da jeder Handlungsstrang etwa 6-8 Stunden Spielzeit umfasst, ist genug zu tun!


A propos Handlung. Viel neues gibt es nicht, es wurden einfach alle Versatzstücke der Serie (Wurmlochwesen, Artefakte, religiöse Konflikte auf Bajor , der Dominion-Förderation-Krieg) kunterbunt durcheinander gewirbelt und so ziemlich alles eingebaut, was eine Serienepisode haben muss. Das ist aber dennoch, gerade durch den „Trick“ der drei unterschiedlichen Charakter-Perspektiven so unterhaltsam geraten, dass ich mir manches Mal wünsche, es hätte so eine Episode in Deep Space Nine gegeben.

Der Vollständigkeit halber erwähne ich hier noch einen anderen Star Trek-Titel, der ein wenig in Vergessenheit geraten ist: Klingon Honor Guard! Bei weitem nicht so gut wie „The Fallen“, da KHG eher eher einem guten, aber dennoch amateurhaften Fan-Mod gleicht. So hat man zB. für viele Gegner einfach die Animationen und KI-Algorithmen des Skaarj-Modells übernommen. Wer aber auf gutturale klingonische Flüche, das Röcheln sterbender Feinde und haufenweise Bat’leth-Gemetzel steht, der sollte schon einen Blick riskieren.

Vor allem, da es auf absehbare Zeit wohl kein neues Star Trek-Spiel geben wird.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Underdog.

7 Kommentare zu “Unter dem Radar – DS9 The Fallen

  1. Svennö sagt:

    Nicht lachen:Ich würde wohl auch heute noch ein Spiel mit alter Unreal-Engine kaufen, wenn es denn dafür gut designte Level bietet.Mir ist es eigentlich egal, wie realistisch „Kisten in einem Lagerhaus“ im Spiel aussehen, das was daraus gemacht wird muss stimmen.Und da sehe ich die einzige Verbesserung bei Shootern in den letzten Jahren: Die Kisten sehen realistischer aus 😉

  2. mr archer sagt:

    @ svenn�genau! auch in seinem auschlie�lichkeitsanspruch vollst�ndig richtig. @ harzzachja, das musste mal gesagt werden. Mochte „The Fallen“ auch sehr, ein sch�nes, in sich stimmiges und unterhaltsames spiel. und all die flash-backs an seelige gymnasial-zeiten, als wir jede neue ds9-Folge ausgiebig diskutiert haben. Kann sich noch jemand an die Folge erinnern, in der Iggy Pop das tolle Zitat: „Ich hasse Ferengis!“ hat? Ach, goldene tage meiner jugend…

  3. jge sagt:

    Ja, ein schönes Spiel… Nur die Station selbst war mir immer viel zu leer, dadurch kam nicht ganz das richtige Feeling rüber.

  4. Svennö sagt:

    Ich glaube, letztens kam noch ein gutes low-budget game für PS2 und Wii raus.Kann sich auch noch jemand an „A final unity“ erinnern?!Habs damals nicht durchspielen können, gabs da ne Sackgasse?

  5. Harzzach sagt:

    Ahhh, „Final Unity“! Auch ein feines ST-Spiel.An Sackgassen kann ich micht mehr erinnern. Nur daran, dass ich zum Schluss einen Walkthrough nehmen musste, weil ich ums Verrecken nicht mehr weitergekommen bin.Und ja, rein optisch würde mir die Unreal1-Engine genügen. Vor allem, weil sie schon damals gigantische (!) Level ermöglichte, anstatt die üblichen Winzräumlichkeiten der Konkurrenz. Und bei Unreal selber fällt mir ab und an immer noch die Kinnlade runter. So ein wunderschön anzusehendes Spiel!Es kotzt mich so massiv an, dass man all die neuen Tech-Features nur noch dazu einsetzt möglichst realistische (und daher langweilige) Bilder zu produzieren, anstatt die Sau raus- und der Phantasie freien Lauf zu lassen

  6. Balikon sagt:

    Hi, hast Du auch schon das inoffizielle Add-On „Convergence“ angespielt?

  7. Harzzach sagt:

    Ist zwar installiert, aber irgendwie komme ich nicht dazu.

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